1. Foren
  2. Kommentare
  3. Internet
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Burnout im IT-Job: Mit den Haien…

Führungskräfteproblem

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Führungskräfteproblem

    Autor: iQuaser 14.09.20 - 12:59

    Das Problem ist doch, dass wir heutzutage keine Führungskräfte mehr haben die es als ihre Aufgabe sehen, auf ihre Mitarbeiter acht zu geben.

    Es rennen nur noch Manager rum die lediglich ihre Zahlen im Blick haben. Wenn der Arbeitnehmer nicht mithalten kann, dann soll er halt kündigen. Oder sich krankmelden, auch kein Problem. Hauptsache nicht im Projekt stören. So wird mit den Menschen umgegangen.

    Deshalb plädiere ich schon lange dafür, dass bei Burn-out-Patienten recherchiert wird, wo der Burn-out herkommt. Ist er beruflich bedingt, dann hat der Arbeitgeber auch dafür zu haften (Weiterzahlung des Gehalts über die 6 Wochen hinaus, Übernahme der Behandlungskosten usw.).
    Schon würde ein BWLer um die Ecke kommen der ausgerechnet hat, dass es vielleicht doch günstiger wäre, achtsam mit den Menschen umzugehen.

    Ich weiß - manchmal träume ich....



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 14.09.20 12:59 durch iQuaser.

  2. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 13:21

    iQuaser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ist er beruflich bedingt, dann
    > hat der Arbeitgeber auch dafür zu haften (Weiterzahlung des Gehalts über
    > die 6 Wochen hinaus, Übernahme der Behandlungskosten usw.).

    Ich habe in DAX Firmen gearbeitet. In keiner Abteilung war nicht einer historisch dabei, der im Meeting bei 12 Monate 50h Wochen nicht mal umgekippt ist.

    Du gehst dann direkt zur Gewerkschaftsvertretung und machst dann 6 Monate bezahltes Sabbatical in der "Burn out Klinik" im Allgäu. Sofortiges fallenlassen des Stifts. Genau deswegen achten die Modulleiter darauf und stellen wirklich direkt in Meetings die Frage, ob jemand noch "Bandbreite" oder "Kapazität" für das extra Projekt hat. Wenn du da nicht nein sagst, können sie sagen dass sie ja gefragt haben und du hast dich halt selbst falsch eingeschätzt.

  3. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: PSmith 14.09.20 - 13:31

    Mal abgesehen davon, dass ich auch der Meinung bin, dass die sogenannten Führungskräfte tatsächlich auch auf soziale Kompetenz und Erhaltung der Arbeitskraft bei Untergebenen, aber nicht nur, geschult werden sollten, ist tatsächlich auch manch einer selbst schuld, wenn er meint, zu allem Ja zu sagen. Meist meinen diejenigen entweder, sie bekommen dadurch Pluspunkte, oder sie meinen, ihnen wird der Kopf abgerissen, wenn man mal nein sagt. Das ist aber wirklich wichtig, auch nein sagen zu können, insbesondere, wenn es um die eigene Gesundheit geht.
    Wenn man also von Anfang signalisiert, wieviel man maximal machen kann, ohne zu jeder Task ja zu sagen, und man auch Reserven einplant, ist eigentlich alles ok. Nur manche meinen, wie bereits angedeutet, am Anfang einer Anstellung erstmal alles mitmachen zu müssen, weil sie sonst Angst davor haben, dass das negativ ausgelegt wird. Dabei sehe ich das aber als Stärke, genau sagen zu können, wo die Grenzen sind, und als Schwäche, hier immer nur alles abzunicken.

  4. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: Tuxraxer007 14.09.20 - 13:33

    iQuaser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Problem ist doch, dass wir heutzutage keine Führungskräfte mehr haben
    > die es als ihre Aufgabe sehen, auf ihre Mitarbeiter acht zu geben.
    Doch gibt es, leider aber wenige.

    Bei uns in der Firma wird sehr grosser Wert auf das Wohlergeben und die Gesundheit der Mitarbeiter gelegt.
    Überstunden sind bei uns nicht erwüscht und werden nur in Ausnahmefällen erlaubt ( bei Störungen, Ausfällen etc. ) aber nicht für die Fertigstellung von Projekten.

  5. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 13:44

    PSmith schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Dabei sehe ich das aber als
    > Stärke, genau sagen zu können, wo die Grenzen sind, und als Schwäche, hier
    > immer nur alles abzunicken.

    Man muss sich auch immer die Frage stellen was man tut. Wenn man als Feuerwehrmann die ganze Nacht durchpumpt, über Wochen um einen riesigen Waldbrand zu löschen ist das doch was anderes als wenn planlose Kunden mit planlosen Projektleitern am Freitag Nachmittag zwischen zwei Tischtennis-Runden mit ihren Kids dir noch Wochenendarbeit aus einer Spassidee ins Stammbuch schreiben. Da gibt es wahrscheinliche keine Karriere, keine Zukunft in der Firma, die beuten dich nur aus bis du gehst.

    Deswegen sage ich Leuten, fragt doch mal beim Bewerbungsgespräch, wo die anderen beiden Vorgänger deiner Position sind. Wenn die Antwort ist "selbst gekündigt und im Krankenhaus" dann würde ich schleunigst das Weite suchen.

  6. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: krakos 14.09.20 - 13:49

    PSmith schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Mal abgesehen davon, dass ich auch der Meinung bin, dass die sogenannten
    > Führungskräfte tatsächlich auch auf soziale Kompetenz und Erhaltung der
    > Arbeitskraft bei Untergebenen, aber nicht nur, geschult werden sollten, ist
    > tatsächlich auch manch einer selbst schuld, wenn er meint, zu allem Ja zu
    > sagen. Meist meinen diejenigen entweder, sie bekommen dadurch Pluspunkte,
    > oder sie meinen, ihnen wird der Kopf abgerissen, wenn man mal nein sagt.
    > Das ist aber wirklich wichtig, auch nein sagen zu können, insbesondere,
    > wenn es um die eigene Gesundheit geht.
    > Wenn man also von Anfang signalisiert, wieviel man maximal machen kann,
    > ohne zu jeder Task ja zu sagen, und man auch Reserven einplant, ist
    > eigentlich alles ok. Nur manche meinen, wie bereits angedeutet, am Anfang
    > einer Anstellung erstmal alles mitmachen zu müssen, weil sie sonst Angst
    > davor haben, dass das negativ ausgelegt wird. Dabei sehe ich das aber als
    > Stärke, genau sagen zu können, wo die Grenzen sind, und als Schwäche, hier
    > immer nur alles abzunicken.

    Ja, es gibt Menschen, die können schwer Nein sagen. Dafür gibt es aber leider viel zu viele Vorgesetzte und Firmen, die mit ihrer Arbeitsweise und dem Arbeitsklima dafür erst recht Sorge leisten.
    Wenn jemand glaubt, dass er fliegt, wenn er nein sagt, dann ist das nicht allein bei ihm das Problem, sondern im Unternehmen/der Führung.

  7. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: aLpenbog 14.09.20 - 14:10

    iQuaser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Schon würde ein BWLer um die Ecke kommen der ausgerechnet hat, dass es
    > vielleicht doch günstiger wäre, achtsam mit den Menschen umzugehen.
    >
    > Ich weiß - manchmal träume ich....

    Oder das gleich mit einzurechnen und das Gehalt entsprechend zu drücken bzw. die Verträge befristet zu gestalten und bei den ersten Anzeichen so einen Problemfall loswerden.

  8. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: AnAmigian 14.09.20 - 15:35

    Absolut richtig. Zum Nein sagen gehört auch ein Nein akzeptieren dazu. Und dann zusammen sehen, wie weiter.
    Das wird aber von vielen "Chefs" nicht gern getan. Ja von manchen gar als Gesichtsverlust gesehen.

  9. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: iQuaser 14.09.20 - 16:03

    Wer einmal "Nein" sagt kann sich in den meisten Unternehmen doch die Hoffnung auf eine "Karriere" abschminken.

    So werden Menschen verheizt!

  10. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 17:06

    iQuaser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wer einmal "Nein" sagt kann sich in den meisten Unternehmen doch die
    > Hoffnung auf eine "Karriere" abschminken.

    Karrierekarotte funktioniert nur in den Firmen, wo die Karotte am Ende auch auf dem Tisch zum Verzehr liegt. In gewissen DAX Unternehmen gibt es Shooting Stars, die nachweislich zeigen können das pushen, Projekte einbringen, Innovationen schaffen auch tatsächlich auf der Visitenkarte eine Änderung des Titels und der Qualitätsklasse des Firmenwagens bringt.

    Ich kenne einen, der bei einer schwierigen Phase mit sehr viel Arbeit die Karotte in Frage gestellt hat. Er hat gefragt wer von der letzten Crew hatte tatsächlich eine Beförderung bekommen und warum er sich schon wieder für sechs Monate für einen planlosen Kunden aufarbeiten soll.
    Er hat das Projekt abgelehnt und andere gemacht. Sechs Wochen später wurde er denn "betriebsbedingt" gekündigt bzw. sie haben sich dann auf einen Aufhebungsvertrag bemüht, der ok für beide Seiten war. Die nächsten zwei Nachfolger haben sie in jeweils 1 Monat der Probezeit verschlissen und am Ende eine hohe fünfstellige Konventionalsstrafe gezahlt.

    Bei solchen Buden ist Hopfen und Malz verloren, da helfen keine Dipl-Ing und Doktortitel. Diese Leute sind geistig zurückgeblieben, krank, psychopathisch veranlagt, inkompetent eine Firma zu führen.

  11. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: SM 15.09.20 - 08:05

    Das halte ich für Quatsch. Wer zu allem ja und Amen sagt, wird immer mehr an Arbeit aufgehalst bekommen als er zu leisten imstande ist, d.h. das endet immer im Burnout oder körperlichen Verschleiß. Da ein guter Vorgesetzter aber natürlich auch kein Interesse an Mitarbeitern hat welche monatelang gesundheitsbedingt ausfallen, ist es u.a. seine Aufgabe die Auslastung seines Mitarbeiters aktiv im Blick zu haben. Das sollte daher nicht so ablaufen dass man den MA fragt: "na, schaffst du das und das auch noch?" sondern "auf welchem Umfang schätzt du diese Tätigkeit in Manntagen". Es ist dann ein leichtes das Belastungslevel in Summe aktiv zu steuern und diesbezüglich nicht auf die Ehrlichkeit des MA angewiesen zu sein.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.09.20 08:07 durch SM.

  12. Re: Führungskräfteproblem

    Autor: .02 Cents 15.09.20 - 09:32

    Ich bin dabei, dass die Aussagen des Vorposters ein wenig in Richtung "Victim Shaming" gehen.

    Es gehört aber nach meinem Dafürhalten tatsächlich zur persönlichen Entwicklung dazu, dass man nicht alles in sich hinein frisst, und Grenzen zieht. Ich habe das in meiner professionellen Entwicklung auch durchgemacht. Die ganze "Heroic Effort" Geschichte hat ja neben dem Burnout auch eine andere Seite - das man sich nämlich als den "Enabler" wahrnehmen kann, der das Projekt praktisch im Alleingang stemmt (zumindest in der eigenen Wahrnehmung).

    Aber man muss einfach irgendwann an den Punkt kommen, an dem man auch selber erkennt, dass es Probleme gibt, die man so "lösen" kann, und es gibt Probleme, bei denen das eben nicht funktioniert. Probleme die so nicht lösbar sind, sind alle Dinge, die Monatlich, Wöchentlich oder noch öfter regelmässig hochkommen, und irgendwelche ungeplanten Aufwände verursachen. Das sind dann Dinge, die man entsprechend planen muss, weil sie eben nicht mehr als ungeplant durgehen können.

    Das andere sind zum Beispiel Entwicklungsaufwände, zu denen im Artikel steht, das sie aufgrund von Unvorhersehbarkeiten schwer zu planen sind. Auch das verhält sich nicht viel anders. Hier muss man auch als Entwickler schon einmal lernen den reinen Entwicklungsaufwand und die Dauer voneinander zu trennen. Wenn ein Entwickler täglich 2 Stunden Betriebssupport o.ä. machen muss, dann entsprechen 4 PT geschätzter Entwicklungsaufwand nun einmal 5 Tage Dauer. Und auch was andere "unplanbare" Aufwände angeht: Wenn man sich in einem "bekannten Umfeld" bewegt, dann sollte man zumindest einschätzen können, wie Komplex die Aufgabe ist, wie "standardisiert" etc. und entsprechend Overheads kalkulieren für Risiken. Fachabklärungen sind noch nicht final, Spezifikation noch unklar? Dann muss eben Overhead einkalkuliert werden ggf. auch >> 100%.

    Der entscheidende Punkt hier ist weniger die Schätzmethode, als die Tatsache: Wenn mein Projektleiter / Vorgesetzter so etwas nicht von sich aus in seiner Planung berücksichtigt, dann muss ich als Entwickler meine Schätzungen entsprechend anpassen und das auch durchdrücken, selbst wenn das eben bedeutet, dass man vielleicht auch mal etwas Konflikt aushalten muss.

    Auch das eingangs im Artikel geschilderte Problem von der Einbindung von irgendwas auf
    irgendeiner Webseite, und am Tag vor dem Go Live funktioniert noch nichts so weit, das man irgendwas vorzeigen kann - auch das ist ein Problem, das man nicht erst am Abend des Go Live Termins platzen lassen muss. Die Unterhaltung kann man auch nach 50% der Projekt Laufzeit o.ä. haben, wenn absehbar ist, dass man im Verzug ist. Es ist nie angenehm, negative Dinge "zuzugeben", aber das ist eben genau die Art von Konflikt, die man auszutragen lernen muss, ansonsten ist es schon arg konstruiert, den Burn Out nur oder auch vor allem anderen zuzuschreiben.

    Mir ist dabei vollkommen bewusst, dass es nicht so einfach ist, das über alle IT Tätigkeiten - oder auch nur Entwicklungs-Tätigkeiten - zu verallgemeinern, und das es Vorgesetzte gibt, mit denen das einfacher ist, als mit anderen. Aber wenn ich eines bezüglich dieser ganzen Heroic Effort / Enabler Geschichten gelernt habe: Wenn man den Konflikt nicht sucht, und nicht ganz klar Position bezieht, dann sieht einen niemand als Enabler, sondern nur als denjenigen, mit dem "man das machen kann" (im Sinne von: Freitag abend noch eine Tätigkeit aufs Auge drücken, die Montag morgen erledigt sein muss o.ä.).



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.09.20 09:41 durch .02 Cents.

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Stadt Regensburg, Regensburg
  2. Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI, Leipzig
  3. Paracelsus-Klinik Golzheim, Düsseldorf
  4. Vitakraft pet care GmbH & Co. KG, Bremen

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de