1. Foren
  2. Kommentare
  3. Internet
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Burnout im IT-Job: Mit den Haien…

Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: derLaie 14.09.20 - 12:22

    Niemand kann auf Dauer glücklich mit einem Beruf sein wenn man immer nur für andere das Geld scheffelt die eigentlich nichts wertschöpfendes leisten können. Das sieht man ja schon an der Uni. 80-90% BWL Absolventen. Was soll das für eine Akademiker-Gesellschaft werden? Da ist mir klar warum die Politik darauf pocht dass mehr Leute wieder "normale" Berufe erlernen. Die ganzen BWLer brauchen ja irgendwen der die Arbeit macht.

    Ich denke der einzige Weg da raus ist wenn alle selbstständig werden und man das Konzept eines Unternehmens aufgibt. Ein bisschen so wie das bei Open Source der Fall ist. Der Gewinn den ein Projekt abwirft wird dann auf die Beteiligten verteilt. Eine feste Struktur gibt es nicht.

    (Mit Selbstständig meine ich nicht Dienstleister - das sind für mich auch Arbeitnehmer)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 14.09.20 12:23 durch derLaie.

  2. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: budweiser 14.09.20 - 12:36

    Wenn du dich selbstständig musst du aber auch Aufgaben leisten die sonst Buchhalter oder BWLer machen. Außerdem würde so ein Überangebot dazu führen dass die guten die Aufträge bekommen und die schlechten gar nichts.

  3. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Fex 14.09.20 - 12:43

    Es sind halt auch immer mehr Dienstleister, die sich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber schalten. Nichts machen außer am Rechner oder am Telefon zu sitzen und zu vermitteln.

    Wie mein Lehrer mal sagte, sollten die Begriffe getauscht werden. Der Arbeitnehmer NIMMT Arbeit - er gibt nicht. Und der Arbeitgeber gibt seine ARBEIT / LEISTUNG / ZEIT.

    Der Artikel sieht das schon richtig. Jedoch gibt sich bei mir dieses Gefühl von: Oh man - ja klar - der Boom Sektor IT mit sehr viel mehr Geld und Arbeitsplätzen und HomeOffice Möglichkeiten meckert hier gerade. Da gibt es so viel schlechtere Bedingungen in denen der Burnout nicht in der eigenen Verantwortung liegt. Wobei ich mir hier denke.... Jo dann arbeite halt weniger. Und wenn jeder etwas weniger arbeiten würde, dann regelt sich auch der Markt.

    Aber klar - trotzdem guter Artikel und burnout ist immer kacke.

  4. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 13:27

    Fex schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da gibt es so viel schlechtere Bedingungen in denen der Burnout

    Wenn Du Arbeitnehmer bist und dein Chef reitet dich in den Burnout, ist es immer deine Schuld.
    Was passiert denn wenn du nach 8h den Laptop zumachst, da einfach weitere zwei Leute fehlen die nicht da sind? Du kannst 160h Arbeitsstunden nicht durch etwas Überstunden ersetzen. Es geht nicht. Was will er denn machen? Wütend sein? Dich wegen Überstundenerpressung feuern?

    Wer in so einer Situation ist, hat längst das Power-Gefälle akzeptiert. In dieser Firma gibt es keine Karriere oder Zukunft, die Reiten dich bist du kündigst und zahlen dir deine Überstunden auch nicht aus. Konventionalstrafen zahlst auch du nicht, sondern die Firma.

  5. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Tuxraxer007 14.09.20 - 13:46

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn Du Arbeitnehmer bist und dein Chef reitet dich in den Burnout, ist es
    > immer deine Schuld.
    > Was passiert denn wenn du nach 8h den Laptop zumachst, da einfach weitere
    > zwei Leute fehlen die nicht da sind? Du kannst 160h Arbeitsstunden nicht
    > durch etwas Überstunden ersetzen. Es geht nicht. Was will er denn machen?
    > Wütend sein? Dich wegen Überstundenerpressung feuern?
    Zudem gibt es in Deutschland noch Gesetze - max. tägliche Arbeitszeit und Ruhezeiten sind klar geregelt und das ist gut so. Ausnahmen sind zwar möglich, aber da muss es gewaltige Gründe für geben. Projekte sind da keine Gründe.
    Ich kenne aus eigener Berufslaufbahn das Problem. Bei einem Ex-AG ist das Thema vor Gericht gelandet und für den AG sehr schlecht ausgegangen. Da wurden systematisch Arbeitszeiten überschritten und der AG ist nicht eingeschritten.

    Zudem ist erwiesen, das es keinen Mehrwert bringt, ob man 8, 10 oder 14 Stunden am Stück arbeitet - irgentwann ist die Luft raus und man produziert nichts vernüftiges mehr. Da kann man auch nach Hause gehen und die Füße auf den Tisch legen, ist genauso produkttiv.

  6. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: apoth90 14.09.20 - 14:13

    Also ich für meinen Teil bin heilfroh, dass ich mich nicht mit Papierkram rumärgern muss. Oder mit zahlungssäumigen Kunden. Oder Kundenaquise. Oder Marketing.

  7. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: aLpenbog 14.09.20 - 15:01

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was passiert denn wenn du nach 8h den Laptop zumachst, da einfach weitere
    > zwei Leute fehlen die nicht da sind? Du kannst 160h Arbeitsstunden nicht
    > durch etwas Überstunden ersetzen. Es geht nicht. Was will er denn machen?
    > Wütend sein? Dich wegen Überstundenerpressung feuern?

    Das ist eine Frage, die ich mir durchaus schon gestellt habe, wenn hier mal die Ka.. am Dampfen war. Bewusste Konsequenzen wären im Zweifel gewesen, dass das Projekt gegen die Wand fährt, die Firma schauen muss, wie sie an ihr Geld kommt. Das "Weihnachtsgeld" bzw. der Jahresboni wohl für alle flach fällt, wo natürlich auch jeder weiß, wen man das zu verdanken hat, weil der Rest ggf. dafür an einen Strang ziehen wollte.

    Weiter kann es Einfluss haben auf Partnern und Planern mit denen man z.B. zusammen arbeitet, was auch ein ordentliches Loch in die nächsten 1-3 Jahre reißen kann, was auch wieder wegfallende Boni, im Zweifel sogar Kurzarbeit bedeuten könnte.

    Bei uns sind Überstunden quasi der Normalfall. Crunch Times halt um Inbetriebnahmen rum. Als kleinstes Werk wird der Druck einfach von oben nach unten weitergeben. Macht möglich oder mit euch nie wieder, macht ja Software, da ist das ja mit mehr Stunden lösbar, nicht wie wenn Hardware nicht verfügbar ist oder entsprechende Lieferzeiten hat.

    Erpresst wird da keiner. Den Leuten wird in dem Fall gesagt wie es aussieht und sie können sich aussuchen worauf es hinauslaufen soll. Klar erzeugt das einen gewissen Gruppenzwang, wenn 5-10 Leute ranklotzen wollen und ihre Boni haben wollen und ich sage nö keinen Bock, dann bin ich der Buhmann.

    Gleiche Thema wenn man Urlaub hat, krank ist, was auch immer und es steht wo, wo ansonsten keiner wirklich drin ist. Klar Fehler des AGs aber letztlich entscheide ich in dem Moment, ob entsprechender Schaden entsteht oder nicht, keine Ahnung welche Auswirkungen es dann direkt für das eigene Unternehmen hat.

  8. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Peter V. 14.09.20 - 16:29

    derLaie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Niemand kann auf Dauer glücklich mit einem Beruf sein wenn man immer nur
    > für andere das Geld scheffelt die eigentlich nichts wertschöpfendes leisten
    > können. Das sieht man ja schon an der Uni. 80-90% BWL Absolventen. Was soll
    > das für eine Akademiker-Gesellschaft werden? Da ist mir klar warum die
    > Politik darauf pocht dass mehr Leute wieder "normale" Berufe erlernen. Die
    > ganzen BWLer brauchen ja irgendwen der die Arbeit macht.
    Diese gefühlten Wahrheiten sind immer wieder lustig. Bei solch einer Aussage bezweifle ich stark, dass Du mal eine Universität von innen gesehen hast.

    > Ich denke der einzige Weg da raus ist wenn alle selbstständig werden und
    > man das Konzept eines Unternehmens aufgibt. Ein bisschen so wie das bei
    > Open Source der Fall ist. Der Gewinn den ein Projekt abwirft wird dann auf
    > die Beteiligten verteilt. Eine feste Struktur gibt es nicht.
    Und es läuft dann wie die meisten Open Source Projekte, nämlich gar nicht.

  9. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 17:22

    aLpenbog schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > einen gewissen Gruppenzwang, wenn 5-10 Leute ranklotzen wollen und ihre
    > Boni haben wollen und ich sage nö keinen Bock, dann bin ich der Buhmann.

    Das klingt für mich "Also, eine von euch mit der Spitzhacke wird es diese Woche in der unsicheren Mine mit schlechtem Werkzeug, mieser Planung und so weiter nicht schaffen. Die anderen kriegen den Boni, ich sorge dafür das eure Familie das Geld bekommt". Bah.

    Natürlich hatten wir schwierige Releases. Natürlich hatten wir Sachen die peinlich waren usw. Probleme im Prozess, Leute die Komplexität nicht verstanden hatten.

    Aber in der Prozessfindung kommt man dann doch irgendwann auf dem Trichter das die 10 Mann 12 Stunden Tage für sechs Tage am Stück alle x Monate doch die Gesamtinkompetenz der Firma ist. Ich kann mich daran erinnern, wie einer einmal Skripte von 100 Servern anpassen musste (um 9 Uhr morgens am Sonntag, mit vier Wochen Vorlaufzeit zum Release Termin)

    Da er einen zugewiesenen Task hatte, bekam er beim zweiten Aussitzen einen blauen Brief vom Chef. Dagegen wollte er sich wehren, hatte aber keine Argumente. Der war einfach schlecht in der eigenen Planung von Dingen. Am Ende haben sie allerlei Leute im Prozess ausgetauscht und von Freitag auf Sonntag wurde das nur noch Sonntag 4-5h alle drei Monate. Das ging. Aber das geht auch nur dann, wenn die Leute die nicht sputen und 30 Leute sechs Stunden warten lassen wollen die Konsequenzen für das Handeln spüren.

  10. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: tomatentee 14.09.20 - 20:28

    budweiser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >. Außerdem würde so ein Überangebot dazu führen
    > dass die guten die Aufträge bekommen und die schlechten gar nichts.
    >
    Oh, nein, das wäre ja furchtbar...

  11. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: TheNX 14.09.20 - 20:38

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aber in der Prozessfindung kommt man dann doch irgendwann auf dem Trichter
    > das die 10 Mann 12 Stunden Tage für sechs Tage am Stück alle x Monate doch
    > die Gesamtinkompetenz der Firma ist. Ich kann mich daran erinnern, wie
    > einer einmal Skripte von 100 Servern anpassen musste (um 9 Uhr morgens am
    > Sonntag, mit vier Wochen Vorlaufzeit zum Release Termin)
    >
    > Da er einen zugewiesenen Task hatte, bekam er beim zweiten Aussitzen einen
    > blauen Brief vom Chef. Dagegen wollte er sich wehren, hatte aber keine
    > Argumente. Der war einfach schlecht in der eigenen Planung von Dingen. Am
    > Ende haben sie allerlei Leute im Prozess ausgetauscht und von Freitag auf
    > Sonntag wurde das nur noch Sonntag 4-5h alle drei Monate. Das ging. Aber
    > das geht auch nur dann, wenn die Leute die nicht sputen und 30 Leute sechs
    > Stunden warten lassen wollen die Konsequenzen für das Handeln spüren.

    Du möchtest sagen, dass der zuständige Mitarbeiter sich 4 Wochen lang nicht um die Skripte von 100 Servern gekümmert hat und deswegen Projekte immer super stressig wurden?

    Nun, ich kann nicht sagen, wie es exakt bei euch ist.

    Ich hab ständig mind. 3-4 Leute, die irgendwas von mir sofort wollen und wenns nicht schnell genug geht (1/2 Tag max.) dann gibts Mecker beim Chef und der Chef dann immer, wann es erledigt sei.

    Dann hat halt die Chefsache Priorität und alles andere muss warten. Die Chefsache ist aber nicht immer das, was eigentlich gerade wichtiger wäre.

    Gibt natürlich am Ende wieder Mecker, warum ich X nicht fertig bekommen habe. Da ich meine Arbeit lückenlos dokumentiere, kann ich immer genau sagen, warum ich X nicht fertig bekommen habe. Gefällt dem Chef dann zwar immer noch nicht, aber bei gegebenen "natürlichen Gesetzesmäßigkeiten", kann man halt schlecht dagegen argumentieren.

    Will damit sagen, von außen wirkt etwas immer sehr schnell sehr negativ. Aber solche Organisationsdinge pauschal an der Persönlichkeit, bzw. vermeintlichen Unfähigkeit eines Mitarbeiters fest zu machen ist einfach nur falsch.

  12. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Eheran 14.09.20 - 21:40

    >Und es läuft dann wie die meisten Open Source Projekte, nämlich gar nicht.
    Die Aussage ist etwa auf dem Niveau vom TO, was du zurecht kritisierst.

  13. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Trockenobst 14.09.20 - 23:20

    TheNX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Du möchtest sagen, dass der zuständige Mitarbeiter sich 4 Wochen lang nicht
    > um die Skripte von 100 Servern gekümmert hat und deswegen Projekte immer
    > super stressig wurden?

    Der hat definitiv nicht so viel Stress gehabt das er nicht ein Skript pro Stunde geschafft hätte.
    Dann reichen 20 Arbeitstage definitiv aus. Außerdem kann man das auch Automatisieren, hat er auch nicht gemacht. Er war für den Job nicht geeignet und andere Sachen gemacht.

    > Ich hab ständig mind. 3-4 Leute, die irgendwas von mir sofort wollen und
    > wenns nicht schnell genug geht (1/2 Tag max.) dann gibts Mecker beim Chef
    > und der Chef dann immer, wann es erledigt sei.

    Auf Zuruf läuft bei agiler Entwicklung schon gar nichts, außer man hat einen Job wo man neben der langfristigen Planung auch noch akut Support leisten muss. Das sind eigentlich zwei Jobs, nicht einer. Ich bin mir mir auch sehr sicher: wenn Leute ständig auf Zuruf druck machen, wussten die auch schon vorher das dies zu tun ist (also sicherlich Tage oder Wochen). Ich bin erschrocken mit welcher Selbstverständlichkeit hier Leute ohne Abmachung, ohne Abstimmung und Vertrag jeden bizarren Quatsch im Prozess als Normal ansehen.

    > Gibt natürlich am Ende wieder Mecker, warum ich X nicht fertig bekommen habe.

    Ich würde grundsätzlich das rein grätschen Dritter ohne entsprechendem Abkommen von Reaktionszeit, Planungssicherheit etc. ignorieren. Ich habe keine Hundeleine um den Hals an der jemand ziehen kann, ganz hart gesagt. Nach zwei Wochen wird entweder mit Planung gearbeitet oder ich gehe.

    > Aber solche Organisationsdinge pauschal an der Persönlichkeit, bzw.
    > vermeintlichen Unfähigkeit eines Mitarbeiters fest zu machen ist einfach
    > nur falsch.

    Wenn du einen Job einer Küche annimmst, und nicht 20 Schnitzel gleichzeitig kochen kannst, dann vielleicht den Job nicht annehmen. Das sagt nicht das du vielleicht ein schlechter Koch bist, nur das du für diese Art von Massenabfertigung und Selbstmanagement nicht der richtige Typ bist.

    Im Fussball gibt es ja auch viele Positionen. Vielleicht stellst du fest, du bist in der Verteidigung besser als im Sturm. Das ist nicht schlecht nur anders.

  14. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Netzweltler 14.09.20 - 23:31

    derLaie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Niemand kann auf Dauer glücklich mit einem Beruf sein wenn man immer nur
    > für andere das Geld scheffelt die eigentlich nichts wertschöpfendes leisten
    > können. Das sieht man ja schon an der Uni. 80-90% BWL Absolventen. Was soll
    > das für eine Akademiker-Gesellschaft werden? Da ist mir klar warum die
    > Politik darauf pocht dass mehr Leute wieder "normale" Berufe erlernen. Die
    > ganzen BWLer brauchen ja irgendwen der die Arbeit macht.
    >
    > Ich denke der einzige Weg da raus ist wenn alle selbstständig werden und
    > man das Konzept eines Unternehmens aufgibt. Ein bisschen so wie das bei
    > Open Source der Fall ist. Der Gewinn den ein Projekt abwirft wird dann auf
    > die Beteiligten verteilt. Eine feste Struktur gibt es nicht.
    >
    > (Mit Selbstständig meine ich nicht Dienstleister - das sind für mich auch
    > Arbeitnehmer)
    Da fragen Sie mal die vielen Solo-Selbstständigen, die schon vor Corona von der Hand in den Mund lebten. Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt...
    Der Unternehmer ist dann die Sozialkosten los. Aber längst nicht alle Selbstständigen kriegen automatisch doppelten Lohn, um das zu kompensieren.

  15. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Fex 15.09.20 - 07:05

    Vielleicht sind dann Gewerkschaften oder Stimmen für die Arbeiter gar nicht so schlecht... aber es werden ja auch langsam Fachkräfte für Arbeitssicherheit etabliert, die auf die maximale stundenanzahl achten sollten. Wenn etwas zeitlich nicht fertig wird, muss der Arbeitgeber halt auf Selbstständige zurückgreifen und es wird teurer.

  16. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: chefin 15.09.20 - 07:34

    derLaie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Niemand kann auf Dauer glücklich mit einem Beruf sein wenn man immer nur
    > für andere das Geld scheffelt die eigentlich nichts wertschöpfendes leisten
    > können. Das sieht man ja schon an der Uni. 80-90% BWL Absolventen. Was soll
    > das für eine Akademiker-Gesellschaft werden? Da ist mir klar warum die
    > Politik darauf pocht dass mehr Leute wieder "normale" Berufe erlernen. Die
    > ganzen BWLer brauchen ja irgendwen der die Arbeit macht.
    >
    > Ich denke der einzige Weg da raus ist wenn alle selbstständig werden und
    > man das Konzept eines Unternehmens aufgibt. Ein bisschen so wie das bei
    > Open Source der Fall ist. Der Gewinn den ein Projekt abwirft wird dann auf
    > die Beteiligten verteilt. Eine feste Struktur gibt es nicht.
    >
    > (Mit Selbstständig meine ich nicht Dienstleister - das sind für mich auch
    > Arbeitnehmer)

    Dann fang das doch mal an und lerne was dabei passiert.

    Das fängt mit der Verteilung der Einkünfte an. Wer macht das? Alle gleich? Dann wirst du kaum jemanden finden, der mit dir im Team arbeitet. Geld verteilen funktioniert nur, wenn man es leistungsmässig aufteilt. Und Leistung ist Arbeit x Zeit. Du bekommst also eine Aufgabe und ein Zeitfenster. Schaffst du das nicht, macht nichts, dann findet man jemand anderes. Irgendwer wird sich 60 std die Woche dran setzen, etwas das DU nicht machen willst. Und folglich wird er seine Aufgabe zeitgerecht fertig haben und am Geld beteiligt sein.

    Unternehmer sind in deinen Augen scheinbar die Bösen, aber letztendlich sitzen sie am langen Hebel gegenüber dem Kunden, den du nicht hast. Sie sind auf Augenhöhe mit dem Kunden, weil es Firmen nicht wie Sand am Meer gibt. Mag noch für Kleinkram wie einen Webauftritt anders sein, aber da ist deutlich weniger Druck da.

    Genau das Freelancersyndrom hat aber dazu geführt, das es so ist wie es heute ist. Weil dann Kunden viel einfacher Einfluss auf den Arbeiter haben. Ein Konzern gegen einen anderen Konzern...völlig anderer Verhältnisse als ein Konzern gegen 1000 einzelne Freelancer, die man jederzeit einzeln ersetzen kann. Und nein....die können sich nicht gemeinschaftlich organisieren. Dann wären sie nämlich eine Firma. Und das hast du ja gerade abgeschafft. Das würde zwangsläufig aber rauskommen, wenn du nun wieder gemeinsam auftrittst. Derjenige der dann mit dem Kunden verhandelt, verdient ja nichts derweilen, also muss er dafür bezahlt werden. Die anderen treten also einen Teil der Einkünfte ab. Und falls er mal nicht kann muss ein Ersatz da sein, der dauernd im Bilde ist, also mehr oder weniger auch dauernd dabei ist. Schon hast du zwei unproduktive, die du mitschleppen musst. Aber auch Buchhaltung muss gemacht werden, vorallem wenns um teamwork geht. Auch das kann man dann zusammen legen, man füttert den BWler durch, der sich um Buchhaltung un Finanzen kümmert. Auch so ein Koordinator wäre nicht schlecht, damit irgendwer sich mal Gedanken macht, wer wann nicht da ist zb Urlaub etc.

    Du musst dann absolut als Einzelkämpfer agieren um nicht automatisch wieder zur Firma zu werden und bist dann eben nahezu schutzlos. Irgendein Jungspund wird dich ausstechen. Und du stehst dumm da, machst entweder das Spiel mit und den Druck oder gehst unter

  17. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: aLpenbog 15.09.20 - 07:56

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das klingt für mich "Also, eine von euch mit der Spitzhacke wird es diese
    > Woche in der unsicheren Mine mit schlechtem Werkzeug, mieser Planung und so
    > weiter nicht schaffen. Die anderen kriegen den Boni, ich sorge dafür das
    > eure Familie das Geld bekommt". Bah.

    Nun wenn man sich entscheidet das Projekt gegen die Wand knallen zu lassen und das Geld vom Kunden nicht rüber kommt, dann wird natürlich auch das Ergebnis nicht erreicht und keiner kriegt seinen Boni. Gehälter sind bei uns generell eher niedrig, so dass der für viele doch ziemlich wichtig ist.

    Wurde in den Fällen wie gesagt auch klar kommuniziert. Problem Xy, entweder wir lassen es so seinen Lauf nehmen, dann wird es nix mit dem "Weihnachtsgeld" oder wir klotzen alle ran und probieren das zu retten, wie sieht es aus?

    > Aber in der Prozessfindung kommt man dann doch irgendwann auf dem Trichter
    > das die 10 Mann 12 Stunden Tage für sechs Tage am Stück alle x Monate doch
    > die Gesamtinkompetenz der Firma ist. Ich kann mich daran erinnern, wie
    > einer einmal Skripte von 100 Servern anpassen musste (um 9 Uhr morgens am
    > Sonntag, mit vier Wochen Vorlaufzeit zum Release Termin)

    Das war bei uns tatsächlich bis dato in keinem Fall unsere Schuld. Sicher kann man bei uns viel, viel, viel besser machen. Waren in dem Fall aber größere Gewerke vor uns, die Verzug hatten und das immer weiter schön geredet haben. Bis dann quasi unsere Inbetriebnahme von sagen wir 4 Wochen vor der Tür stand und die noch nicht fertig waren und wir nicht anfangen konnten.

    Endtermin beim Kunden stand, alter Standort ist aufgegeben, wenn was schief läuft ist er eben nicht lieferfähig und hat da zig Leute, die nicht arbeiten können. Aus unseren 5 Wochen (Puffer davor ebenfalls schon verbraucht) wurden dann knapp 3 Wochen und selbst da wurde noch seitens Hardware und Anlagen dazwischen gegrätscht und Sachen neugestartet, Tests durchgeführt oder was weiß ich, während wir eigentlich vollen Zugriff darauf brauchten. Am Ende wurden aus 40 Stunden die Woche eben 100+ Stunden die Woche.

    Wie gesagt größere Gewerke, Planer und co. geben den Druck einfach weiter nach unten. In der Regel verteilen die ihre Projekte als GU so gesehen weiter an ihre Partner bzw. holen die mit an Bord. Wenn man nicht spurt wie die möchten, dann heißt es eben, mit euch nicht mehr. Davon haste halt 3-4 Stück, wenn du dir die verprellst, dann ist Feierabend und du kannst den Laden zu machen.

    Das läuft natürlich nicht jedes Projekt so aber in 8 Jahren bei 2-3 größeren Projekten im Jahr gab es schon 2-3 so Fälle. Wobei höhere Stundenzahlen im Bereich 70-80 Stunden bei Inbetriebnahmen relativ normal sind. Gehen aber auch Montags und Freitags etliche Stunden drauf für die Reisezeit usw. und im Hotel beim Kunden kannste natürlich auch nicht viel Sinnvolles machen.

  18. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: Eheran 15.09.20 - 13:51

    >dann knapp 3 Wochen [...] 100+ Stunden die Woche.
    >bei 2-3 größeren Projekten im Jahr gab es schon 2-3 so Fälle.
    Macht dann so 6...9 Wochen im Jahr, wo das so ist. Das ist schon grenzwertig, aber noch die Ausnahme. Man kann nicht einfach jeden Scheiß schlucken, weil andere kacke bauen. Das müsst ihr schlicht vertraglich festhalten.

  19. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: aLpenbog 15.09.20 - 15:25

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Macht dann so 6...9 Wochen im Jahr, wo das so ist. Das ist schon
    > grenzwertig, aber noch die Ausnahme. Man kann nicht einfach jeden Scheiß
    > schlucken, weil andere kacke bauen. Das müsst ihr schlicht vertraglich
    > festhalten.

    Sorry, da fehlten ein paar Kommata. Wäre richtig:

    Das läuft natürlich nicht jedes Projekt so aber in 8 Jahren, bei 2-3 größeren Projekten im Jahr, gab es schon 2-3 so Fälle.

    Sprich die 6-9 Wochen gerechnet über den Zeitraum von 8 Jahren und bei 2-3 Projekten von 16-24 Stück.

    Wie gesagt 70-80 Stunden sind aber bei Inbetriebnahmen standard. Ist aber im Vergleich zu 100+ halb so wild. Das hat man wirklich schon körperlich gemerkt, schlechterer Schlaf, mitten in der Nacht Wadenkrämpfe etc. pp.

  20. Re: Weg von der Arbeitnehmergesellschaft

    Autor: TheNX 15.09.20 - 17:48

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > TheNX schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Du möchtest sagen, dass der zuständige Mitarbeiter sich 4 Wochen lang
    > nicht
    > > um die Skripte von 100 Servern gekümmert hat und deswegen Projekte immer
    > > super stressig wurden?
    >
    > Der hat definitiv nicht so viel Stress gehabt das er nicht ein Skript pro
    > Stunde geschafft hätte.
    > Dann reichen 20 Arbeitstage definitiv aus. Außerdem kann man das auch
    > Automatisieren, hat er auch nicht gemacht. Er war für den Job nicht
    > geeignet und andere Sachen gemacht.

    Ist ok, weiteres zum Sachverhalt den ich meine, unten.

    > > Ich hab ständig mind. 3-4 Leute, die irgendwas von mir sofort wollen und
    > > wenns nicht schnell genug geht (1/2 Tag max.) dann gibts Mecker beim
    > Chef
    > > und der Chef dann immer, wann es erledigt sei.
    >
    > Auf Zuruf läuft bei agiler Entwicklung schon gar nichts, außer man hat
    > einen Job wo man neben der langfristigen Planung auch noch akut Support
    > leisten muss. Das sind eigentlich zwei Jobs, nicht einer. Ich bin mir mir
    > auch sehr sicher: wenn Leute ständig auf Zuruf druck machen, wussten die
    > auch schon vorher das dies zu tun ist (also sicherlich Tage oder Wochen).
    > Ich bin erschrocken mit welcher Selbstverständlichkeit hier Leute ohne
    > Abmachung, ohne Abstimmung und Vertrag jeden bizarren Quatsch im Prozess
    > als Normal ansehen.

    Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was Leute als normal ansehen und dem was der Arbeitsmarkt anbietet.

    > > Gibt natürlich am Ende wieder Mecker, warum ich X nicht fertig bekommen
    > habe.
    >
    > Ich würde grundsätzlich das rein grätschen Dritter ohne entsprechendem
    > Abkommen von Reaktionszeit, Planungssicherheit etc. ignorieren. Ich habe
    > keine Hundeleine um den Hals an der jemand ziehen kann, ganz hart gesagt.
    > Nach zwei Wochen wird entweder mit Planung gearbeitet oder ich gehe.

    Wenn du diesen Luxus hast, sei er dir gegönnt.

    > > Aber solche Organisationsdinge pauschal an der Persönlichkeit, bzw.
    > > vermeintlichen Unfähigkeit eines Mitarbeiters fest zu machen ist einfach
    > > nur falsch.
    >
    > Wenn du einen Job einer Küche annimmst, und nicht 20 Schnitzel gleichzeitig
    > kochen kannst, dann vielleicht den Job nicht annehmen. Das sagt nicht das
    > du vielleicht ein schlechter Koch bist, nur das du für diese Art von
    > Massenabfertigung und Selbstmanagement nicht der richtige Typ bist.
    >
    > Im Fussball gibt es ja auch viele Positionen. Vielleicht stellst du fest,
    > du bist in der Verteidigung besser als im Sturm. Das ist nicht schlecht nur
    > anders.

    Stimme dir grundsätzlich zu. Nur ist es halt so, der Koch soll 20 Schnitzel gleichzeitig machen, es sind aber nur 10 Schnitzel da und weil nicht genug Pfannen und Platz am Herd da ist, gehen nur 6 Schnitzel gleichzeitig. Draußen in der Kantine meckern die Leute laufend über diesen scheiß Koch, der nicht die 20 Schnitzel gleichzeitig hin bekommt, weil unfähig oder sonst welche negative Gründe in seiner Persönlichkeit vorliegen.

    Ich kenne die IT nur so wie oben formuliert. Natürlich habe ich auch Leute getroffen, die besser vom beruflichen Inhalt etwas anderes machen sollten, siehe dein Beispiel oben. Aber zu viele in und um die IT herum, sind destruktiv in der von mir beschriebenen Art und Weise, mit dem Beispiel vom Koch. Das meint IMHO Herr Golla auch im Artikel damit, wenn er sagt "Mit den Haien schwimmen".

  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG, Minden
  2. Regierungspräsidium Darmstadt, Darmstadt
  3. PTV Group, Karlsruhe
  4. Vitakraft pet care GmbH & Co. KG, Bremen

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 55,99€
  2. 19,49€
  3. 59,99€
  4. 32,99€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Galaxy Buds Live im Test: So hat Samsung gegen Apples Airpods Pro keine Chance
Galaxy Buds Live im Test
So hat Samsung gegen Apples Airpods Pro keine Chance

Bluetooth-Hörstöpsel in Bohnenform klingen innovativ und wir waren auf die Galaxy Buds Live gespannt. Die Enttäuschung im Test war jedoch groß.
Ein Test von Ingo Pakalski

  1. Freebuds Pro Huawei bringt eine Fast-Kopie der Airpods Pro
  2. Airpods Studio Patentanträge bestätigen Apples Arbeit an ANC-Kopfhörer
  3. Bluetooth-Hörstöpsel mit ANC JBL tritt doppelt gegen Airpods Pro an

Immortals Fenyx Rising angespielt: Göttliches Gaga-Gegenstück zu Assassin's Creed
Immortals Fenyx Rising angespielt
Göttliches Gaga-Gegenstück zu Assassin's Creed

Abenteuer im antiken Griechenland mal anders! Golem.de hat das für Dezember 2020 geplante Immortals ausprobiert und zeigt Gameplay im Video.
Von Peter Steinlechner


    Stellenanzeige: Golem.de sucht CvD (m/w/d)
    Stellenanzeige
    Golem.de sucht CvD (m/w/d)

    Du bist News-Junkie, Techie, Organisationstalent und brennst für den Onlinejournalismus? Dann unterstütze die Redaktion von Golem.de als CvD.

    1. Stellenanzeige Golem.de sucht Verstärkung für die Redaktion
    2. Shifoo Golem.de startet Betatest seiner Karriere-Coaching-Plattform
    3. In eigener Sache Die 24-kernige Golem Workstation ist da