-
Warum?
Autor: kendon 13.10.15 - 09:20
Warum nur acht Faserpaare, klingt wenig? Warum bekommen wir keine Information über die Bandbreite? Ein paar Details hätten den Artikel merklich aufgewertet...
-
Re: Warum?
Autor: Plasma 13.10.15 - 09:52
kendon schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Warum nur acht Faserpaare, klingt wenig? Warum bekommen wir keine
> Information über die Bandbreite? Ein paar Details hätten den Artikel
> merklich aufgewertet...
Weil es bei Glasfasern die Möglichkeit gibt, verschiedene Wellenlängen darauf zu multiplexen und jeder dieser "Kanäle" die Bandbreite erhöht. Es liegt also weniger am Medium als viel mehr an den Endgeräten, wieviel durch das Kabel geht. Ein Singlemode mit einer einzigen Wellenlänge ist in der Lage mehrere GBit/s zu transportieren. Die Endgeräte können auch später getauscht werden um noch mehr (verschiedenes) Licht auf die Faser zu bringen.
Vor einigen Jahren hab ich eine Demonstration von Alcatel gesehen, die 40 GBit/s durch eine mehrere Kilometer lange Rolle gejagt haben. Gelesen habe ich weiterhin, dass Multiplexen von ca. 150 verschiedenen Wellenlängen/Kanälen durchaus machbar ist, evtl. sogar schon eingesetzt wird.
Inzwischen mag die Technik noch viel weiter sein, möge das jemand beantworten der mehr aktuelles Wissen hat. Um deine Frage halbwegs zu treffen, du siehst anhand der Ausführungen dass bei Glasfaser theoretisch Polen offen ist, wie man so schön sagt.
Eventuell ist diese Information eben vom Betreiber noch garnicht verfügbar, weil die sich noch nicht für eine Ausbaustufe entschieden haben, weswegen sie auch nicht im Artikel weitergegeben werden kann. Das Kabel ist nicht sehr lang und Alcatel ist mit an der Sache dran. Ich würde in der ersten Ausbaustufe von mehreren TBit/s ausgehen.
------------------------
Da, im anderen Thread stehts schon: 15 TBit/s. Gut geraten ;-)
https://www.alcatel-lucent.com/press/2014/alcatel-lucent-and-cinia-group-deploy-1100-km-undersea-cable-system-linking-finland-germany
1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.10.15 09:54 durch Plasma. -
Re: Warum?
Autor: kendon 13.10.15 - 11:01
Soweit ist das eigentlich schon klar, der Löwenanteil (pun intended) der Kosten dürfte bei so einem Projekt aber doch nicht bei den Fasern selbst liegen. Wenn ich mir die Mühe schon mache, warum mache ich das ganze nicht mit geringstem Mehrkostenaufwand zukunftssicherer, in dem ich einfach noch mehr Fasernpaare mit reinstecke? Oder liege ich mit meiner Theorie komplett falsch?
Egal was die Transceiver für Fortschritte machen, X mal so viele Fasern werden immer X mal so viele Daten transportieren können... -
Re: Warum?
Autor: cschenkewitz 13.10.15 - 11:15
kendon schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Soweit ist das eigentlich schon klar, der Löwenanteil (pun intended) der
> Kosten dürfte bei so einem Projekt aber doch nicht bei den Fasern selbst
> liegen. Wenn ich mir die Mühe schon mache, warum mache ich das ganze nicht
> mit geringstem Mehrkostenaufwand zukunftssicherer, in dem ich einfach noch
> mehr Fasernpaare mit reinstecke? Oder liege ich mit meiner Theorie komplett
> falsch?
>
> Egal was die Transceiver für Fortschritte machen, X mal so viele Fasern
> werden immer X mal so viele Daten transportieren können...
Mit einem 15 TBit/s Seekabel ist Finnland erst mal mehr als nur gut ausgestattet, da es sich ja auch nicht um die einzige Verbindung handelt. Und dieses eine Seekabel noch größer zu dimensionieren kann auch erhebliche Nachteile bringen. Es bleibt nämlich ein Single-Point-of-Failure. Wenn es zu einer Kappung der Verbindung kommt, dann sind aktuell maximal 15 TBit/s vorerst nicht verfügbar. Hätte das Kabel 30 oder 45 TBit/s dann wären bei einem solchen Problem eben auch erheblich größere Bandbreiten von dem Ausfall betroffen.
Deshalb legt man lieber ein zweites Kabel mit weiteren 15 TBit/s über einen etwas anderen Weg durch das Meer und hat dann die gleiche Kapazität, die aber nur zu einem sehr sehr unwahrscheinlichen Fall komplett ausfallen kann auf einen Schlag.
Und nur mal so als Vergleich: Der größte Internet Austauschknoten der Welt, DE-CIX in Franktfurt am Main, routet aktuell knapp unter 5 TBit/s am Tag in den Abendstunden zwischen 19 und 22 Uhr. An diesem Knotenpunkten hängen hunderte Rechenzentren, Internetprovider, Firmen und was weiß ich. Damit sollte man eine Vorstellung bekommen wie viel 15 Tbit/s eigentlich sind.
https://www.de-cix.net/about/statistics/
Peak Traffic war gerade erst am 04.10.2015 um 20:43Uhr mit 4.952,1 GBit/s. Das ist gerade mal 1/3 der Kapazität vom Seekabel. -
Re: Warum?
Autor: Heinzel 13.10.15 - 11:52
kendon schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> mit geringstem Mehrkostenaufwand
Wie gering ist der denn?
Die Faser selbst kostet vielleicht nichts, aber ... muss das Signal verstärkt werden? Wie groß/schwer/teuer sind diese Verstärker und wieviel Strom verbrauchen die? Und wie teuer ist die Hardware pro Port an den Enden die diese wundersamen Gigabits pro Faser erst möglich macht?
Was kostet der laufende Betrieb so eines Kabels im Vergleich zu den einmaligen Verlegungskosten?
1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.10.15 11:53 durch Heinzel. -
Re: Warum?
Autor: kendon 13.10.15 - 13:01
An der Stelle käme ja das Stichwort "Dark Fiber" ins Spiel. Details wie Verstärker werden hier leider auch nicht genannt, sind aber natürlich ein Argument. Allerdings sind die auch ein Gegenargument gegen bessere Bandbreitennutzung durch neuere Transceiver, da ist man dann wieder von den Verstärkern abhängig.
Mir war allerdings nicht bewusst wieviel 15Tb/s auf einer globalen Skala sind, scheint ja dann doch für ein paar jahre gerüstet zu sein die Verbindung... -
Re: Warum?
Autor: Plasma 13.10.15 - 14:11
Heinzel schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Die Faser selbst kostet vielleicht nichts, aber ... muss das Signal
> verstärkt werden? Wie groß/schwer/teuer sind diese Verstärker und wieviel
> Strom verbrauchen die? Und wie teuer ist die Hardware pro Port an den Enden
> die diese wundersamen Gigabits pro Faser erst möglich macht?
Erneutes Halbwissen aus der Vorführung damals bzw. dem Gespräch mit dem Alcatel-Ingenieur: man legt z.B. auf die Länge eines Transatlantikkabels gute 15kV auf das Schirmmetall des Kabels. Das sind dicke Stahlwicklungen, ähnlich einem geschirmten Netzwerkkabel, nur das hier keine 0,1mm Kupferdrähte benutzt werden sondern Seile aus gewickeltem Stahldraht. Die Anordnung sieht halt ähnlich aus. Die Stahlseile sind auch nicht zur Schirmung sondern hauptsächlich Schutz gegen physikalische Beeinträchtigungen.
Das sind z.B. Schleppnetze, Anker von verpeilten Containerfrachtern und ab und zu, so wurde mir mit einem Augenzwinkern erklärt, auch mal ein Meeresbewohner der daran rumknabbert. Offenbar gibt es Tierchen dort unten, die vom elektrischen Feld dieser Versorgungsspannung einen Beißreflex bekommen.
Jedenfalls, diese Stahldrähte sind sowieso da. Also werden sie zum Transport besagter Versorgungsspannung genutzt, an den Repeatern abgegriffen und heruntertransformiert. Die Auskunft von damals über 15kV und die Länge des Kabels lassen mich annehmen, dass dabei keine großen Ströme zum Einsatz kommen, denn die würden unterwegs schnell verlustig gehen. Die Stromkosten für den Betrieb nur der Repeater sind also wahrscheinlich übersichtlich, verglichen mit anderen Kostenstellen beim Betrieb.
Wikipedia schreibt übrigens, dass bei modernen Kabeln die Repeater durchschnittlich im Abstand von 50 bis 80 Kilometern eingesetzt werden. Die Versorgungsenergie kann wohl von beiden Enden eingespeist werden um die Leitungsverluste zu reduzieren, als Gegenpol dient einfach das Erdpotential z.B. in Form des gut leitfähigen Meerwassers. -
Re: Warum?
Autor: Heinzel 13.10.15 - 20:29
Plasma schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Wikipedia schreibt übrigens, dass bei modernen Kabeln die Repeater
> durchschnittlich im Abstand von 50 bis 80 Kilometern eingesetzt werden.
Oh wow, da hätte ich mich verschätzt. Dachte das ist alle handvoll Kilometer...



