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Ein Vorteil der Krise...

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  1. Ein Vorteil der Krise...

    Autor: McWiesel 04.04.20 - 13:12

    ... könnte vielleicht sein, dass sich auch danach ein neues Bewusstsein manifestiert:

    - Man muss nicht mit aller Gewalt mobil sein. Es ist herrlich, dass die Straßen mal wieder dem Verkehr ausreichend gewachsen sind, weil nicht jeder aus irgendeinem total nichtigen Grund wieder meint wo hin fahren zu müssen, sondern nur dahin, wo es wirklich nötig ist. Krass, wieviele sonst täglich latente Probleme sich damit auf einmal in Luft auflösen: Radfahrer und Autofahrer können z.B. problemlos ohne dutzende Vorschriften (die eh missachtet werden) miteinander wieder auf der Straße fahren, weil die Verkehrswege nicht chronisch überlastet sind und man sich nicht dauernd ins Gehege kommt.

    - Manchen Chefs wird vielleicht jetzt doch eindrucksvoll bewiesen, dass Home-Office tatsächlich funktioniert und es nicht nur unnötig, sondern hochgradig kontraproduktiv ist, wenn tausende von Mitarbeitern jeden Morgen und Abend die Straßen verstopfen, nur um im lauten Büro am Telefon den Kollegen übertönen zu müssen, während der andere sich nicht auf seine Arbeit konzentrieren kann. Starre 9-to-5 Jobs und Großraumbüro ist einfach Arbeitsdenken aus den 90ern, wo leider viele stehen geblieben sind. So Firmen wünsche ich eh nur noch den Bankrott. Genauso wie denen, die jetzt ein Problem haben, weil noch nie Mitarbeiter Homeoffice machen durften, ihre halbe Belegschaft nun in Quarantäne ist und nun überhaupt nicht arbeiten kann, während bei modernen Firmen der Impact minimal ist (weil es eh normal ist, dass 50% von zu Hause aus arbeiten).

    - Genauso sinnlose Dienstreisen, so über die Mittagspause kurz mal nach China fliegen nur um da ein total unwichtiges Meeting abzuhalten, was genauso auch über Videokonferenz geht. Aber bis jetzt ja angeblich nicht ginge, weil es ja so unpersönlich ist. Meine Herren, ihr sollt auch nur Geschäfte miteinander machen und keine best Buddys werden. So Blödsinn wie ein Geschäftsessen sind einfach nur krass unnötig und pure Ressourcenverschwendung. Für mich zählt das nur zur Selbstprofilierung einiger extrovertierten Manager, kein Preis wird dadurch billiger, kein Produkt besser.

    Und so gibt es viele Punkte, wo ich hoffe, dass die Welt nach der Krise ein Stück ruhiger, normaler und weniger überdreht wird. Und schon ist auch der Klimaschutz kein Schreckgespenst voller Verbote mehr.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 04.04.20 13:17 durch McWiesel.

  2. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Anonymes Eichhörnchen 04.04.20 - 16:48

    ++
    Sind auch meine Hoffnungen und meine Einstellung zu dem ganzen.
    Ich bin glücklicherweise in einem Konzern in dem mobiles Arbeiten vom Betriebsrat vor Jahren festgelegt wurde und dadurch eigentlich alles klappt außer die Auslastung des VPNs (wir reden hier aber auch von täglichen Nutzerzahlen ca 10.000 auf ca 100.000).
    Ich denke nach der Krise wird sich der Alltag schnell wieder einspielen und vieles in Vergessenheit geraten. Die Gier nach wirtschaftlichen Wachstum ist unendlich.

  3. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: ulink 04.04.20 - 16:56

    Stimme im grossen und ganzen zu.

    Es kann halt nur sein, dass es für gewisse 'Berufsgruppen' noch ein böses Erwachen gibt, wenn die Leute feststellen, dass man jetzt schon einige Zeit gut ohne sie ausgekommen ist.

    Und das der vorher geweckte, künstliche Bedarf ein eben solcher war.

  4. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Hotohori 04.04.20 - 18:05

    Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

    Wichtig ist nur, dass wir daraus lernen und nicht anschließend so weiter machen wie bisher, um schnell die letzten Monate zu vergessen.

  5. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Neuro-Chef 04.04.20 - 20:29

    McWiesel schrieb:
    > Und so gibt es viele Punkte, wo ich hoffe, dass die Welt nach der Krise ein
    > Stück ruhiger, normaler und weniger überdreht wird. Und schon ist auch der
    > Klimaschutz kein Schreckgespenst voller Verbote mehr.
    https://www.youtube.com/watch?v=1SG5A3PYaUs
    Bleiben wird allein die Herdenimmunität. Kollektive Lernprozesse im Sinne zivilisatorischer Errungenschaften dauern schon auf kleinster Ebene ihre Zeit, global gesehen jedoch sind wir so oder so noch Jahrhunderte auseinander, selbst wenn man ganz positiv denkend annehmen möchte, dass der technologische Fortschritt irgendwo mit der geistigen Reife seiner Nutznießer korreliert.

    -> Heul' doch! ¯\_(ツ)_/¯

    » Niemand ist vollkommen, aber irre sind ganz sicher viele. « – Vollkommen Irrer ಠ_ಠ

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  6. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: theFiend 04.04.20 - 23:53

    Hotohori schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Wichtig ist nur, dass wir daraus lernen und nicht anschließend so weiter
    > machen wie bisher, um schnell die letzten Monate zu vergessen.

    Ich find es immer wieder ernstaunlich das daran echt noch jemand glaubt. Klar in meinen kühnen utopischen Träumen hoffe ich auf die selben Erkenntnisse wie der Threadstarter.

    Die Realität wird sein: alles wie vorher, nur zur "Terrorangst" kommt jetzt noch sone hypochondrische Einstellung dazu, die sich auf einem ähnlich irrealen level bewegt.

  7. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: q96500 05.04.20 - 00:16

    Wenn wir einfach mehr in unser Bewusstsein stecken würden und weniger in den künstlich geschaffenen Bedarf, klappt das auch. Viele hocken Zuhause vor der Manipulationsröhre, surfen den ganzen Tag in "social" Media Netzwerken, schreiben mit Freunden anstatt siebzig treffen usw...

    Bewusstsein durch Achtsamkeit löst die Herausforderungen...nur die wenigsten auf dieser Erde machen überhaupt etwas nachhaltiges, der Rest von uns ist wie Hamster in einem Rad.

  8. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: McWiesel 05.04.20 - 10:57

    theFiend schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hotohori schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------

    > Ich find es immer wieder ernstaunlich das daran echt noch jemand glaubt.
    > Klar in meinen kühnen utopischen Träumen hoffe ich auf die selben
    > Erkenntnisse wie der Threadstarter.
    >
    > Die Realität wird sein: alles wie vorher, nur zur "Terrorangst" kommt jetzt
    > noch sone hypochondrische Einstellung dazu, die sich auf einem ähnlich
    > irrealen level bewegt.

    Denke mal an Dinge wie die Ölkrise... das hat auch Bewegungen ausgelöst, die die Welt bis heute beeinflusst haben. Ohne Ölkrise wären wir mit wärmeisolierten Häusern und sparsamen Autos sicherlich 10 Jahre später dran. Das hat schon einen Stein ins Rollen gebracht.

    Wichtig ist halt, wie das von den Medien kommuniziert wird. Und ich fürchte, dass sobald die Maßnahmen abgeschwächt werden, man wieder direkt ins alte Fahrwasser gebracht wird, vielleicht sogar nach dem Motto "jetzt erst recht", statt sauber darüber nachzudenken, welche positiven Aspekte man aus der Zeit mitnehmen und vielleicht sogar in Gesetze gießen könnte: Sicher nicht das Verbot eine Großeltern zu besuchen, aber vielleicht gerade antiquierte Arbeitsmodelle oder die Beschränkung auf wirklich nötige Mobilität. Wenn man allein schon die Berufspendelei, Dienstreisen und unnötige Freizeitouren eindämmen würde, würde der Staat Milliarden an Infrastrukturkosten sparen, die Bürger ebenso enorm am Kauf von Fahrzeugen und Fahrkarten und die Umwelt würde sich über ein gar nicht erst angeschafftes oder sehr oft unbenutztes Auto viel mehr freuen als über ein E-Auto, dass die Welt auch nur zu 50% besser macht.

    Genauso werden jetzt endlich mal auch aktiv moderne Zahlungsmethoden (statt die Keimschleuder und Umweltsünde Bargeld) massiv beworben, sowas ist nun hoffentlich (genauso wie der Spuckschutz für Supermarktkassierer) alles gekommen um zu bleiben.



    5 mal bearbeitet, zuletzt am 05.04.20 11:04 durch McWiesel.

  9. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Neuro-Chef 05.04.20 - 14:44

    McWiesel schrieb:
    > Genauso werden jetzt endlich mal auch aktiv moderne Zahlungsmethoden (statt
    > die Keimschleuder und Umweltsünde Bargeld) massiv beworben, sowas ist nun
    > hoffentlich (genauso wie der Spuckschutz für Supermarktkassierer) alles
    > gekommen um zu bleiben.
    Bei der Kassiererscheibe geh ich mit, aber Bargeld hat noch die Werte der Anonymität und relativen Bankenunabhängigkeit in Krisenzeiten. Wenn das Bargeld erstmal weg ist, sind wir alle gläserne Bürger und bekommen kurz danach wahrscheinlich noch Negativzinsen reingedrückt, damit wir brav sofort konsumieren.

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  10. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: theFiend 05.04.20 - 15:01

    Neuro-Chef schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Bei der Kassiererscheibe geh ich mit, aber Bargeld hat noch die Werte der
    > Anonymität und relativen Bankenunabhängigkeit in Krisenzeiten.

    Stimmt, bei der nächsten Bankenkrise kannste das Bargeld noch gut zum Heizen nehmen ;)

  11. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: plutoniumsulfat 05.04.20 - 15:46

    q96500 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn wir einfach mehr in unser Bewusstsein stecken würden und weniger in
    > den künstlich geschaffenen Bedarf, klappt das auch. Viele hocken Zuhause
    > vor der Manipulationsröhre, surfen den ganzen Tag in "social" Media
    > Netzwerken, schreiben mit Freunden anstatt siebzig treffen usw...
    >
    > Bewusstsein durch Achtsamkeit löst die Herausforderungen...nur die
    > wenigsten auf dieser Erde machen überhaupt etwas nachhaltiges, der Rest von
    > uns ist wie Hamster in einem Rad.

    Das witzige ist, dass die Menschen, die etwas nachhaltiges machen, dafür grottenschlecht oder gar nicht bezahlt werden.

  12. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Oktavian 05.04.20 - 16:02

    > - Man muss nicht mit aller Gewalt mobil sein. Es ist herrlich, dass die
    > Straßen mal wieder dem Verkehr ausreichend gewachsen sind, weil nicht jeder
    > aus irgendeinem total nichtigen Grund wieder meint wo hin fahren zu müssen,

    Naja, der Hauptgrund, warum irgendwer wohin fährt, ist halt die liebe Arbeit. Natürlich sind die Straßen leerer, wenn viele Zuhause sitzen, weil der Betrieb dicht gemacht hat, sie Kurzarbeitergeld beziehen, entlassen wurden, als Freiberufler ohne Auftrag sind, etc. Homeoffice ist nur etwas für einen überschaubaren Teil der Arbeitenden und das auch oft nur für überschaubare Zeit. Ist das erstrebenswert?

    Der zweite Hauptgrund dürften Freizeitaktivitäten sein wie Sport, Vereine, Freunde treffen, Essen gehen. Wenn man das alles durch Netflix und Co. ersetzt, natürlich fahren die Leute dann weniger. Aber ist das erstrebenswert? Das klingt mir doch sehr nach Biedermeier.

    > - Manchen Chefs wird vielleicht jetzt doch eindrucksvoll bewiesen, dass
    > Home-Office tatsächlich funktioniert und es nicht nur unnötig, sondern
    > hochgradig kontraproduktiv ist, wenn tausende von Mitarbeitern jeden Morgen
    > und Abend die Straßen verstopfen, nur um im lauten Büro am Telefon den
    > Kollegen übertönen zu müssen, während der andere sich nicht auf seine
    > Arbeit konzentrieren kann.

    Ja, für einen Teil ist das möglich. Aber gerade hier im Forum haben viele eine sehr eingeengte Sicht auf die Arbeitwelt. Nicht jeder arbeitet im Büro am Computer. Im gesamten produzieren Gewerbe wird es mit Homeoffice schwierig. Auch in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Gastronomie, bei Dienstleistungen wie Friseuren, Physio, Sportraining, usw. wird das schwierig. Zur Zeit liegen die alle danieder und haben keine Option auf Homeoffice. Die leben gerade von ein paar Reserven und gehen dann zum Amt.

    > - Genauso sinnlose Dienstreisen, so über die Mittagspause kurz mal nach
    > China fliegen nur um da ein total unwichtiges Meeting abzuhalten, was
    > genauso auch über Videokonferenz geht. Aber bis jetzt ja angeblich nicht
    > ginge, weil es ja so unpersönlich ist. Meine Herren, ihr sollt auch nur
    > Geschäfte miteinander machen und keine best Buddys werden.

    Das eine bedingt leider oft das andere. Innerhalb einer bestehenden Geschäftsbeziehung, im Projekt, innerhalb einer Firma sind Videokonferenzen total üblich und auch sinnvoll. Aber gerade, wenn man anfängt zusammenzuarbeiten, Vertrauen aufbauen will, den anderen kennenlernen will, geht das persönlich deutlich besser. Natürlich geht das zur Zeit auch irgendwie per Video, jeder sieht die Besonderheit der Situation, aber hier wird sich auf lange Sicht nicht viel ändern.

    > So Blödsinn wie
    > ein Geschäftsessen sind einfach nur krass unnötig und pure
    > Ressourcenverschwendung. Für mich zählt das nur zur Selbstprofilierung
    > einiger extrovertierten Manager, kein Preis wird dadurch billiger, kein
    > Produkt besser.

    Oft kommt das Geschäft erst dadurch zustande, dass man eine persönliche Beziehung aufgebaut hat. Man muss nicht beste Freunde werden, aber man muss das Gefühl haben, sich auf den anderen verlassen zu können. Und das gewinnt man im persönlichen Gespräch.

  13. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: McWiesel 05.04.20 - 16:24

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Naja, der Hauptgrund, warum irgendwer wohin fährt, ist halt die liebe
    > Arbeit. Natürlich sind die Straßen leerer, wenn viele Zuhause sitzen, weil
    > der Betrieb dicht gemacht hat, sie Kurzarbeitergeld beziehen, entlassen
    > wurden, als Freiberufler ohne Auftrag sind, etc. Homeoffice ist nur etwas
    > für einen überschaubaren Teil der Arbeitenden und das auch oft nur für
    > überschaubare Zeit. Ist das erstrebenswert?

    Sehr viel produzierendes Gewerbe ist im freien Land angesiedelt, wo es eh nicht so das extreme Verkehrsproblem gibt. Was allerdings jeden Tag die Menschen in Massen in die Städte drängt sind sehrwohl die Büros. Das sind auch immer noch die Immobilien, die in der Stadt viel Miete einbringen (sieht man ja, andauernd werden irgendwo Bürokomplexe hingebaut). Möglichst natürlich in der direkten Innenstadt. Und hier könnte Home-Office entscheidend beitragen, dass hier weder Straßen, noch ÖPNV überfüllt sind und somit benutzbar bleiben. Hier könnte man sicherlich eine Verringerung um 30% erreichen und das würde man deutlich merken. Stattdessen wird immer noch mehr in die Städte gedrängt, noch mehr Straßen, noch mehr Verkehr. Einfach das falsche Konzept.

    > Der zweite Hauptgrund dürften Freizeitaktivitäten sein wie Sport, Vereine,
    > Freunde treffen, Essen gehen. Wenn man das alles durch Netflix und Co.
    > ersetzt, natürlich fahren die Leute dann weniger. Aber ist das
    > erstrebenswert? Das klingt mir doch sehr nach Biedermeier.

    Auch hier wurde in den letzten Jahrzehnten das Wort "Freizeitstress" immer populärer. Ein Kind ist ja heute nicht mehr "in", wenn es nicht mindestens neben der Schule noch 4 verschiedene Aktivitäten hat. Also wirds schön mit dem SUV von einem Freizeitangebot zum nächsten gekarrt. Weniger wäre auch hier in vielen Fällen mehr. Gerade wo man heutzutage so viel digitale Möglichkeiten zu Hause hat, inkl. Fernunterricht.

    > Ja, für einen Teil ist das möglich. Aber gerade hier im Forum haben viele
    > eine sehr eingeengte Sicht auf die Arbeitwelt. Nicht jeder arbeitet im Büro
    > am Computer. Im gesamten produzieren Gewerbe wird es mit Homeoffice
    > schwierig. Auch in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Gastronomie, bei
    > Dienstleistungen wie Friseuren, Physio, Sportraining, usw. wird das
    > schwierig. Zur Zeit liegen die alle danieder und haben keine Option auf
    > Homeoffice. Die leben gerade von ein paar Reserven und gehen dann zum Amt.

    Siehe oben, ein gewaltiger Prozentsatz der Leute arbeitet nur noch im Büro und müssen täglich dort hin. Und das müssen sie maßgeblich nur, weil die Firma noch wie in den 80er arbeitet: Das Faxgerät muss überwacht werden, Briefpost kommt auch noch rein und eine Telefonlösung fürs Homeoffice hat man auch nicht. Genau deshalb fährt so mancher Sachbearbeiter täglich 50km an sein Schreibtisch, weil man nicht fähig ist Kommunikation von Kunden (die oft sowieso am anderen Ende der Welt sitzen) in ein Homeoffice umzuleiten, wo er genauso auf Anrufe und Mails reagieren könnte.


    > Das eine bedingt leider oft das andere. Innerhalb einer bestehenden
    > Geschäftsbeziehung, im Projekt, innerhalb einer Firma sind Videokonferenzen
    > total üblich und auch sinnvoll. Aber gerade, wenn man anfängt
    > zusammenzuarbeiten, Vertrauen aufbauen will, den anderen kennenlernen will,
    > geht das persönlich deutlich besser. Natürlich geht das zur Zeit auch
    > irgendwie per Video, jeder sieht die Besonderheit der Situation, aber hier
    > wird sich auf lange Sicht nicht viel ändern.
    >
    > > So Blödsinn wie
    > > ein Geschäftsessen sind einfach nur krass unnötig und pure
    > > Ressourcenverschwendung. Für mich zählt das nur zur Selbstprofilierung
    > > einiger extrovertierten Manager, kein Preis wird dadurch billiger, kein
    > > Produkt besser.
    >
    > Oft kommt das Geschäft erst dadurch zustande, dass man eine persönliche
    > Beziehung aufgebaut hat. Man muss nicht beste Freunde werden, aber man muss
    > das Gefühl haben, sich auf den anderen verlassen zu können. Und das gewinnt
    > man im persönlichen Gespräch.

    Und hier muss man mal doch bisschen wieder auf den Boden runterkommen. Ganze Berufszweige beschäftigen sich mittlerweile mit der Manipulation von Gesprächsteilnehmern in Meetings. Wo der eine denkt, er baut Vertrauen auf, ist das für den anderen nur Gesprächstaktik. Ich sehe einfach kein Grund warum ich zu meinem Kunden nach China fliegen muss um dort Skorpion am Spieß mit ihm zu essen, nur damit ich ein Auftrag bekomme. Früher wurden auch weltweit Geschäfte gemacht, obwohl es nur eine wacklige und teure Telefonverbindung gab. Diese ganze Dienstreiserei um die Welt ist heutzutage einfach zu billig, zu einfach und zu normal. Ich sehe das in meiner Firma, wie da genauso selbstverständlich ins Flugzeug nach USA oder China gestiegen wird wie der kleine Mitarbeiter in die Straßenbahn. Für ein monatliches, rein internes Regelmeeting von 2 Stunden, danach geht's direkt (natürlich Business Class) wieder zurück um abends fast wieder mit der Familie am Esstisch zu sitzen.... Ein Videokonferenzsystem hätte sich da schon nach einmaliger Nutzung gerechnet.
    Da würden echt Steuern helfen, damit sowas maximal 1x im Jahr gemacht wird.... und so ein Größenwahnsinn ärgert mich einfach, dem Rentner wird dagegen wegen einer veralteten Abgasnorm sein alter Golf stillgelegt (den er eh nicht mehr als 100km im Monat bewegt) und darf nun zu Fuß einkaufen gehen, weil er einfach kein Geld für ein neues Auto hat.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 05.04.20 16:29 durch McWiesel.

  14. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Neuro-Chef 05.04.20 - 17:49

    theFiend schrieb:
    > Stimmt, bei der nächsten Bankenkrise kannste das Bargeld noch gut zum
    > Heizen nehmen ;)
    Ich meinte Dinge wie einen langanhaltenden Stromausfall. Und selbst 2008 hat es ja eher Unternehmen getroffen, der Geldwert blieb dennoch recht stabil.

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  15. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: McWiesel 05.04.20 - 18:42

    Neuro-Chef schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Ich meinte Dinge wie einen langanhaltenden Stromausfall. Und selbst 2008
    > hat es ja eher Unternehmen getroffen, der Geldwert blieb dennoch recht
    > stabil.

    a) Ein längerer Stromausfall hat den kompletten Ausfall der Wirtschaft zur Folge. Mit dem Bargeld und insbesondere dem Euro kannst dann dank des galoppierenden Wertverfalls Wände tapezieren oder den Ofen anheizen (gabs schon mehrfach in der Geschichte), gehandelt wird dann eher mit Nudeln oder Klopapier (wie man ja aktuell sieht). Die einzigen richtigen Wertanlagen sind Edelmetalle oder Grund/Immobilienbesitz. Jegliches Geld nützt nichts ohne entsprechende Wirtschaftskraft dahinter.

    b) Ohne Strom funktioniert kein Geldautomat, keine heute übliche Registrierkasse und erstrecht nicht die ganze Logistik, die hinter dem Bargeld steckt. Das heutige Bank- und Finanzsystem ist überhaupt nicht mehr in der Lage größere Bestände Bargeld "offline" zu verwalten. Daher wird kaum ein Laden das Geld sehr lange annehmen können wie man selbst das Geld in einer Lohntüte o.ä..

    c) Selbst in Ländern mit viel weniger Zivilisation und teils täglichen Stromausfällen sind trotzdem mobile Zahlsysteme der Gegenwart wie Bitcoin, PayPal oder vergleichbare Dienste gebräuchlicher als Münzen und Scheine. Geh mal auf ein chinesischen Markt... da wird mit Handy & QR-Code bezahlt, Bargeld ist rein nur noch ein aktuelles Thema in einer blauen deutschen Partei mit 10-20% Stimmanteil.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 05.04.20 18:46 durch McWiesel.

  16. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: theFiend 05.04.20 - 18:54

    McWiesel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Neuro-Chef schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > > Ich meinte Dinge wie einen langanhaltenden Stromausfall. Und selbst 2008
    > > hat es ja eher Unternehmen getroffen, der Geldwert blieb dennoch recht
    > > stabil.
    >

    > b) Ohne Strom funktioniert kein Geldautomat, keine heute übliche
    > Registrierkasse und erstrecht nicht die ganze Logistik, die hinter dem
    > Bargeld steckt. auen deutschen
    > Partei mit 10-20% Stimmanteil.

    +1

    ... und danke das es schon jemand gesagt hat. Der naive Glaube daran das bei einem "längeren Stromausfall" mit Bargeld irgendwas besser wäre, ist doch echt lustig. Die meisten Waren und Dienstleistungen die man damit kaufen könnte sind von Strom abhängig.

    Also bleibt doch wieder nur Heizen :D

  17. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: eidolon 05.04.20 - 19:38

    McWiesel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Siehe oben, ein gewaltiger Prozentsatz der Leute arbeitet nur noch im Büro
    > und müssen täglich dort hin. Und das müssen sie maßgeblich nur, weil die
    > Firma noch wie in den 80er arbeitet

    Das liest sich immer so einfach und als wenn jede Firma einfach mal eben auf Homeoffice umstellen könnte. Alles andere ist ja so 80er und so.

  18. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: theFiend 05.04.20 - 19:49

    eidolon schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Das liest sich immer so einfach und als wenn jede Firma einfach mal eben
    > auf Homeoffice umstellen könnte. Alles andere ist ja so 80er und so.

    Niemand hat gesagt das es super einfach ist. Aber viele merken jetzt, das ein veritabler Anteil der Arbeit problemlos von zuhause erledigt werden kann. Würden nur 20-30% der deutschen Büroarbeiter EINEN Tag die Woche von zuhause arbeiten, ergäben sich schon sehr viele Einsparpotentiale.

  19. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: Oktavian 06.04.20 - 12:16

    > Niemand hat gesagt das es super einfach ist. Aber viele merken jetzt, das
    > ein veritabler Anteil der Arbeit problemlos von zuhause erledigt werden
    > kann. Würden nur 20-30% der deutschen Büroarbeiter EINEN Tag die Woche von
    > zuhause arbeiten, ergäben sich schon sehr viele Einsparpotentiale.

    Wirklich?

    Gehen wir mal davon aus, dass die Hälfte der Deutschen in Büros arbeiten und die Hälfte des im Straßenverkehr ausgestoßenen CO2 durch Pendeln zur Arbeit verursacht wird.
    Dann ergibt sich folgende Rechnung zur Einsparung:
    100 *
    0,5 * <- Anteil Pendeln
    0,5 * <- Anteil Büroarbeiter
    0,25 * <- Anteil derer, die Homeoffice machen können
    0,2 <- Anteil der Tage mit Homeoffice
    = 1,25

    Das heißt, diese Maßnahme spart 1,25% des CO2 im Straßenverkehr ein. Der Verkehrt macht etwa 20% des CO2-Ausstoßes Deutschlands aus. Somit spart diese Maßnahme 0,25% des CO2-Ausstoßes Deutschlands ein oder 0,005% des weltweiten CO2-Ausstoßes.

    Die Bewertung bleibt dem Leser überlassen.

    Der Effekt wird durch kompensierende Effekte weiter gemindert. Wenn ich ins Büro fahre, brauche in in der Zeit mein Haus nicht zu beleuchten und nicht zu heizen. Das spart CO2. Wenn ich hingegen zuhause sitze, ist die Beleuchtung im Großraumbüro trotzdem an, die Klimaanlage läuft, etc. Ich bin mir nicht mal sicher, ob alleine der Mehrverbrauch an Heizung und Strom die Ersparnis durch den Verkehr nicht überkompensiert.

  20. Re: Ein Vorteil der Krise...

    Autor: McWiesel 06.04.20 - 15:15

    Man sollte das nicht nur rein in co2 messen, das ist nur ein netter Nebeneffekt. Maßgeblich ist die Pendelei ein massiver Kostenfaktor für Firmen, Mitarbeiter und den Staat (Pendlerpauschale & Infrastruktur).
    Leider tauchen die nur in wenigen messbaren Größe auf: Verspätete Lieferungen einer Spedition oder Aufträge, die z.B. ein Handwerker nicht annehmen kann, weil es vollkommen sinnlos ist morgens zwischen 7 und 9 Termine am anderen Ende der Stadt warnehmen zu wollen. Die Firma bezahlt jeden Tag 2-3 Arbeitsstunden für Mitarbeiter, die sie im Stau stehen, statt Geld beim Kunden zu erwirtschaften. Das ist täglicher Schaden, der durch Bürozwang und starre Arbeitszeiten anderer Firmen angerichtet wird - statt die Straßen für die freizuhalten, die sie alternativlos benötigen.

    Genauso ist es für den Pendler und Arbeitgeber schädlich - die Zeit, die er morgens im Stau zubringt, würde er im HO schon längst zur Arbeit nutzen, statt durch den Ärger auf den Straßen bereits mit dem Stressniveau eines Kampfpiloten morgens um 9 im Büro zu erscheinen und frühestens um halb 10 effektiv anfangen zu arbeiten, wenn sein Blutdruck wieder unten ist. Viel mehr wäre er sogar noch bereit daheim eine halbe Stunde extra zu machen, statt sein Bürotag am Verspätungsplan der S-Bahn bzw. der Rushhour auf den Straßen zu planen.

    Vielleicht braucht jemand gar kein Auto für die Pendelei mehr, weil er an schönen Tagen mit dem Fahrrad fahren kann und an Regentagen im HO bleibt. Sowas würde die Heizkosten daheim mehr als Kompensieren.

    Und so gibt es zig Beispiele .. es ist einfach das bessere Arbeitsmodell, letztlich sogar das einzige, das bei immer mehr Menschen überhaupt noch Zukunft hat. Am Ende würden wir alle durch die Vermeidung von unnötiger Mobilität sehr viel Geld sparen und mehr Lebensqualität erhalten. Leider wird das maßgeblich durch die Leute verhindert, die sowieso keine festem Arbeitszeiten kennen und ihr Berufsleben eh zur Hälfte auf dem Golfplatz verbringen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.04.20 15:16 durch McWiesel.

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