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Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Schattenwerk 22.04.22 - 11:03
Meiner Meinung sind das Problem nicht die sozialen Medien sondern die fehlende Kontrolle bzw. Einschränkung von Falschinformationen. Soziale Medien sind derzeit nur das Problem, weil diese bewusst nicht dagegen vorgehen um die Benutzer auf der Plattform zu halten.
Würde es keine sozialen Medien geben, dann gäbe es Chats, Foren usw. welche dann das Zentrum des Problems werden. Da muss man sich nichts vor machen.
Bei Schließung der sozialen Medien würde sich das Problem einfach in einen anderen unkontrollierten Raum verlagern und das beschreibt für mich eher das Problem. Die Vernetzung der Welt macht es möglich, dass man Problemlos von überall auf der Welt auf diese Desinformation zugreifen kann oder sie auch betreiben kann.
Paart man dies nun mit sozialen Medien, welche auf Drama aus sind und bewusst die Verteilung solcher Informationen fördern damit die Werbekasse klingelt und die Benutzer auf der Plattform bleiben, dann sind wir beim aktuellen Problem. Ohne soziale Medien wäre es aber nicht vorbei. Ohne Internet, dann wäre das Problem wieder in seine regionale Blasen verbannt. Mit all den verbundenen Nachteilen (wie die Möglichkeit der selbstständigen Informationsbeschaffung). -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: M.P. 22.04.22 - 11:31
Dazu kommen Fake-Accounts, KI generierte Texte und Sockenpuppen-Armeen.
Von Seiten der Sozialen Medien sind die "klicke dies als nächstes" Algorithmen gefährlich, weil sie Meinungsverstärkend wirken.
Abtreibungsgegner kriegen Vorschläge in dieser Richtung usw. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: EDL 22.04.22 - 11:41
Das Problem sind in erste Linie die Menschen. Jene, die die Dienste nutzen, aber auch jene, die sie erschaffen. Es fehlt insgesamt an Verstand und Verantwortung auf beiden Seiten, und wenn es auf der einen Seite letztlich vorwiegend um's Geld geht ... was will man da erwarten? In der Glotze bringt nur Chaos und Drama Quoten und irgendwelche Schwurbel-Fake-News-Scheiße in sozialen Netzwerken füttert letztlich auch richtig schön die Werbeeinnahmekasse ...
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Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Schattenwerk 22.04.22 - 11:43
Das der Mensch und fehlende Verantwortung der Grund für alle Probleme ist, sollte klar sein. Bringt einen aber nicht voran, weil sich daran vermutlich nie was ändern wird.
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Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: senf.dazu 22.04.22 - 11:52
M.P. schrieb:
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> Dazu kommen Fake-Accounts, KI generierte Texte und Sockenpuppen-Armeen.
>
> Von Seiten der Sozialen Medien sind die "klicke dies als nächstes"
> Algorithmen gefährlich, weil sie Meinungsverstärkend wirken.
>
> Abtreibungsgegner kriegen Vorschläge in dieser Richtung usw.
Ich frag mich ob nicht schlicht die Anzeige der Anzahl der Follower die Wirkung des Posts drastisch entschärfen würde - wenn da statt 7.5 Mio Follower z.B. einfach ein "mehr als 100" stände. Der "Diskussion" würde das wohl keinen Abbruch tun, aber der Werbewirksamkeit .. die lebt von der Jagd auf die Klicks.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 22.04.22 11:55 durch senf.dazu. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Pedustralbert 22.04.22 - 12:00
Dadurch dass soziale Medien für viele Ersatz für Nachrichtenseiten geworden sind, müssten sie sich auch einer redaktionellen Verantwortung verpflichten.
Ich finde die Liste der Nachteile von insb. Kommerziellen sozialen Medien ist leider länger als die der Vorteile. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Trymon1980 22.04.22 - 12:00
Ich denke schon es würde die Gesellschaft voran bringen, wenn man endlich mal anfangen würde zu benennen, dass die Gründe bei Menschen bzw. der Gesellschaft zu suchen sind statt ein genutztes Medium als Sühnebock vorzuschieben.
Das gilt für Soziale Medien, aber auch Computer Spiele, Filme, Musik. Immer war es ein Medium, welches die schuld an allem übel trägt. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: redmord 22.04.22 - 12:20
Das Problem der Falschinformationen ist, dass wir uns der Verantwortung sowohl auf der einen als auch der anderen Seite bewusst sein müssen. Das ganze Thema ist eine Büchse der Pandora. Fact-Checking riecht sehr schnell nach Wahrheitsministerium ohne Kontrolle.
Aber wer definiert und prüft die Standards? Wer stellt sicher, dass nicht ausgerechnet Nazis Fact-Checks zur Auschwitzlüge erarbeiten?
Nehmen wir die jüngste Tesla-Story: ist das, was die ÖDP verlautbart noch ein Vorwurf oder schon Falschinformation? Ist das, was hierzu einige, auch sehr bekannte User (zb. Jan Böhmermann), im Netz von sich geben noch Satire, Meinung, Falschinformation oder schon Hasserede?
Oder das Fettnäpfchen-Thema schlechthin: Gender-Identität, Geschlecht, Trans & TERFs. Was macht eine Frau aus? Wann und wie soll der Themenkomplex in Schulen behandelt werden? Bereits diese Fragen sind für einige schon eine an Gewalt grenzende Zumutung.
Und dann müssen wir uns auch den Grundsätzen im klaren sein. Falschinformationen, Hasserede, Diskriminierung, Sexismus und Rassismus sind keine Einbahnstraßen. Wer glaubt, dies sei nur falsch, wenn Gesellschaftsgruppe XY betroffen ist oder für die Täterschaft steht, irrt sich gewaltig. Scharfmacher sind nicht bestimmten Richtungen vorbehalten.
Auch steht die Frage nach dem Geltungsbereich im Raum. Weshalb sollten wie auch immer gestaltete Regeln nur innerhalb Social-Media gelten?
Wenn wir uns die Story um Hunter Bidens Notebook vor Augen halten, stellt sich auch die Frage nach dem aktuellen Habitus. In der heißen Wahlkampf-Phase 2020 wurde jede Erwähnung mit Verweis auf Fact-Checks rigoros gelöscht. Die aktuelle US-Regierung leugnete dessen Existenz mehrfach mit Verweis auf Fact-Checks. Aktuell liegt das Ding beim amerikanischen Finanzamt, die auf dessen Basis gegen Hunter Biden ermitteln und mit jedem weiteren Tag stellt sich die Frage was am Ende noch an Joe Biden kleben wird. Was NYT und CNN mittlerweile darüber berichten, galt vor knapp 2 Jahren als zu verfolgende Verschwörung der Russen gegen den Wahlkampf der Demokraten.
Das Thema ist ein Mienenfeld und es wird noch viele Jahre dauern bis wir einen akzeptablen Weg finden. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: redmord 22.04.22 - 12:43
Pedustralbert schrieb:
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> Dadurch dass soziale Medien für viele Ersatz für Nachrichtenseiten geworden
> sind, müssten sie sich auch einer redaktionellen Verantwortung
> verpflichten.
> Ich finde die Liste der Nachteile von insb. Kommerziellen sozialen Medien
> ist leider länger als die der Vorteile.
Es gibt auch das Phänomen, dass User von den Dopamin Schüben getrieben werden, sich an Trends hängen, zu den ersten gehören wollen und dadurch Bullshit verteilen, statt 1-2 Tage die Füße still zu halten.
https://youtu.be/8qNwYAV-u_E -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Prof.Dau 22.04.22 - 12:50
Die Dummheit der Menschen ist doch die Wurzel allen Übels!
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Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: unbuntu 22.04.22 - 13:15
Die Plattformen sind aber eben nicht der Ersteller, nur der Dienstleister für die Veröffentlichung. Sollen Druckereien auch den Druck verbieten, wenn denen ein Text in nem Buch oder auf nem Poster nicht passt? Das machen die höchstens bei Copyright-Fragen, weil das da eindeutiger ist.
Beim Thema Fake-News ist das aber eben nicht immer wirklich eindeutig.
Linux ist das beste Betriebssystem, das ich jemals gesehen habe.
- Albert Einstein -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: llordd 22.04.22 - 15:22
Pedustralbert schrieb:
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> Dadurch dass soziale Medien für viele Ersatz für Nachrichtenseiten geworden
> sind, müssten sie sich auch einer redaktionellen Verantwortung
> verpflichten.
> Ich finde die Liste der Nachteile von insb. Kommerziellen sozialen Medien
> ist leider länger als die der Vorteile.
Das sind keine redaktionellen Inhalte, da es keine Redaktion gibt.
Wo finde ich diese Liste von der du da sprichst? -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: Rasczak 22.04.22 - 16:39
Pedustralbert schrieb:
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> Dadurch dass soziale Medien für viele Ersatz für Nachrichtenseiten geworden
> sind, müssten sie sich auch einer redaktionellen Verantwortung
> verpflichten.
> Ich finde die Liste der Nachteile von insb. Kommerziellen sozialen Medien
> ist leider länger als die der Vorteile.
Redaktionelle Verantwortung gibts doch selbst bei Journalisten kaum noch. Siehe auch die derzeitigen Nachrichten zu Taylor Lorenz von der New York Times. Die hat nen Twitter Account Libsoftiktok gedoxxed angeblich ungewollt aber wers glaubt wird seelig. Der Account postet halt Videomaterial von so manchen extremen Personen der Gesellschaft und meist aus dem selben Spektrum. -
Re: Problem sind nicht primär die sozialen Medien
Autor: M.P. 22.04.22 - 23:21
unbuntu schrieb:
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> Die Plattformen sind aber eben nicht der Ersteller, nur der Dienstleister
> für die Veröffentlichung. Sollen Druckereien auch den Druck verbieten, wenn
> denen ein Text in nem Buch oder auf nem Poster nicht passt? Das machen die
> höchstens bei Copyright-Fragen, weil das da eindeutiger ist.
>
> Beim Thema Fake-News ist das aber eben nicht immer wirklich eindeutig.
Die Plattformen sind aber für ihre Algorithmen verantwortlich. Und wenn ein Flacherdler nach dem Lesen eines Beitrages zum Thema weitere zum Thema vorgeschlagen bekommt fördert das die Polarisierung... -
Gefährliches Terrain
Autor: Mnt 23.04.22 - 23:35
M.P. schrieb:
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> Die Plattformen sind aber für ihre Algorithmen verantwortlich. Und wenn ein
> Flacherdler nach dem Lesen eines Beitrages zum Thema weitere zum Thema
> vorgeschlagen bekommt fördert das die Polarisierung...
Den Flacherdler geradezurücken ist auch nicht die Aufgabe der sozialen Medien. Nicht im Entferntesten, um genau zu sein, so eine Forderung geht ganz ganz schnell in eine sehr düstere Richtung. Das würde schlußendlich ja bedeuten, dass eine KI einen fehlgeleiteten (oder in erster Stufe einen gefährdeten) Verstand erkennen und Manipulation in die Gegenrichtung vornehmen müßte.
Was schnell eine beachtliche Reihe an bedeutenden Fragen aufwerfen würde. Bei Flacherdlern weniger, bei Kriegsfragen wird es schon spannender.
Das ist keine Richtung, die wir einschlagen dürfen - Facebook will diese Verantwortung heute zum Glück nicht und mich erstaunt, dass man sie dennoch nachdrücklich zu dieser Aufgabe drängen will.
Es wäre imho entscheidend wichtig, soziale Netzwerk von solchen Verantwortungen klar und deutlich zu entbinden, Leute stattdessen stumpf und geradlinig Leuten in ihren Sumpf von Idiotie laufen zu lassen ist schließlich deutlich harmloser als technisch dagegen anzukämpfen...



