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Die neue Ungenauigkeit

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  1. Die neue Ungenauigkeit

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 25.07.17 - 22:24

    Ist das nur mein Eindruck, oder wird neuerdings wird alles, was nicht der Wahrheit entspricht oder ein Geschmäckle hat, als "Fake News" bezeichnet, obwohl dieser Begriff oft gar nicht oder - wie in diesem Fall - nur sehr grob bzw. in zweiter oder dritter Linie zutrifft?

    Fake News sind (vorsätzliche) Falschmeldungen in der Berichterstattung. Hier wurde jedoch der Anschein erweckt, eine bestimmte Person hätte eine bestimmte Äußerung getätigt. Wenn ich behaupte, mein Nachbar hätte gesagt, er hätte Sex mit Möbelstücken, ist das in erster Linie eine falsche Tatsachenbehauptung. Je nachdem, wie ich das platziere oder wer es aufgreift und verbreitet, könnte daraus eine Falschmeldung - also Fake News - werden.

    Daran ändert es auch nichts, wenn *tatsächlich* etwas darauf hindeuten würde, dass mein Nachbar eine intime Beziehung zu Möbelstücken hätte, denn die falsche Tatsachenbehauptung bestünde ja darin, dass ich behaupten würde, er hätte es selbst so gesagt. Zwischen interpretierbarem Verhalten und einer klaren Aussage liegen Welten. Satire kann den Raum dazwischen schließen, aber Satire ist es nur, wenn die Überspitzung und Spott weitestgehend als solche erkennbar sind.

  2. Re: Die neue Ungenauigkeit

    Autor: michael_ 26.07.17 - 08:28

    Aber der angegebene Account existiert doch garnicht...

  3. Re: Die neue Ungenauigkeit

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 26.07.17 - 08:59

    michael_ schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aber der angegebene Account existiert doch garnicht...

    Und wer will (Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre) später noch prüfen, ob der Account zum Zeitpunkt der vermeintlichen Aussage womöglich doch existiert hat und wer über diesen Account gepostet hat?

    Ein extrem konstruiertes Beispiel:
    Wenn ich im Internet behaupte, du hättest letzte Woche auf einem Fest in Märkisch-Buchholz eine Brandrede gegen homosexuelle schwarze Juden im Rollstuhl geführt, wäre es für die meisten Personen ähnlich schwer zu prüfen, ob das den Tatsachen entspricht. Da kleine Nest gibt es immerhin, gefeiert wird da sicherlich auch gelegentlich und ob du da warst oder nicht, kann auch kaum jemand überprüfen. Eine Handvoll Leute werden wissen bzw. feststellen können, dass meine Behauptung klar gelogen ist, der Rest wird sich eher aufgrund des Inhalts entrüstet oder feiernd vor bzw. hinter dich stellen.
    So'n Typ namens Michael und ein kleines Kaff in Brandenburg, wo rechte Stimmung gemacht wird, hey, dass passt doch einfach zusammen. - Anders ausgedrückt: Die oberflächliche Plausibilität ist viel höher als die Möglichkeit (oder der Wille) zur sachlichen Überprüfung.

    Ein falscher Twitter-Account ist natürlich ein Indikator, aber wer es glauben will, wird sich nicht die bzw. nicht viel Mühe machen, das Ganze aufzudröseln. Und selbst wenn, könnte der Account ja inzwischen - gerade wegen des vermeintlichen Skandals (tm) gelöscht oder gesperrt - sein. Als behauptet wurde und anschließend die Runde machte, die Merkel wäre auf einem Selfie mit einem islamistischen Terroristen zu sehen, ist ja auch Vielen nicht in den Sinn gekommen, wie haarsträubend unwahrscheinlich das auf so vielen Ebenen ist.
    Im Internet ist die Wahrnehmung derart auf schnelle Reize ausgelegt, die Affekte sind so stark und die Weiterverbreitung erfolgt schnell, dass die Kontrollmechanismen der analogen Welt (einschließlich des gesunden Menschenverstands) einfach nicht mehr zuverlässig funktionieren.

    Dass allerdings an Zensur entlang schrammende neue Gesetze daran etwas ändern, bezweifle ich ganz stark. Es ist ein soziales, kognitives und intellektuelles Problem, dem man auch nur in diesen Bereichen begegnen kann. Das kostet natürlich Zeit, Geld und persönliches Engagement, weshalb wir da gerade vom Gesetzgeber besser nicht zu viel erwarten sollten ...

  4. Re: Die neue Ungenauigkeit

    Autor: der_wahre_hannes 26.07.17 - 09:09

    "Fake News" ist halt sehr griffig. Genauso wie "Shitstorm" (wozu man früher auch einfach nur "pöbeln" gesagt hat).

    Aber ja, das sind eher "alternative Fakten" als "Fake News".

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