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Filterblase ad extremum

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  1. Filterblase ad extremum

    Autor: twothe 18.10.19 - 10:57

    Ich beobachte ähnliche Entwicklungen schon seit Jahren auf nahezu jedem nicht sonderlich gut moderiertem Forum, aber wenn man das abspricht wird man immer als Spinner ab getan. "Die wollen doch nur spielen" oder so ein Unsinn hört man dann, dabei ist die Radikalisierung durch Filterblasen ein völlig normales, menschliches Verhalten.

    Man muss sich nur mal den Unterschied in Verhalten und Wertvorstellungen zwischen einem Urberliner und einem Urbayern anschauen. Die - ich drücks mal vorsichtig aus - unterscheiden sich im Detail erheblich, und das obwohl doch beide in Deutschland wohnen. Man spricht hier im Fachausdruck von Memes die man aus seinem Umfeld aufschnappt und mitnimmt. Der Mensch hält immer das für normal, was sein Umfeld für normal hält. Erst wenn er seinen Horizont erweitert, also externe in seine "Filterblase" lässt, kann es zu kritischem Hinterfragen kommen.

    D.h. es ist unerheblich ob sich Leute auf 8chan, Tagesschau oder im "My Little Pony" Forum aufhalten, solange sie sich nur darauf beschränken radikalisieren sie sich irgendwann, weil sie das Extremum für normal halten. Im Regelfall bleibt das harmlos, ein paar ältere Männer die in rosa Kleidchen durch die Gegend rennen und behaupten sie wären ein Einhorn empfinden wir höchstens als lustig, zu Schaden kommt dabei aber im Regelfall niemand. Darin liegt aber auch leider das Kernproblem.

    Während wir über das obrige Beispiel noch lachen können, kann man das bei Rechtsradikalen Fantasien nicht mehr, spätestens dann nicht mehr, wenn Menschen sterben oder verletzt werden. Dann werden Forderungen laut so was abzuschalten, die vielleicht sogar gut wären. Niemand aber verlangt z.B. die Foren der Tagesschau abzuschalten, obwohl die Mitglieder dort sich auch - ganz nüchtern betrachtet - radikalisieren, nur halt nach Links und zum Glück ohne Taten. Das hinterfragt niemand, weil man die Ansichten dort für etwas merkwürdig aber an sich ok hält, ein bisschen so wie die mit den Ponys. Weil diese Menschen Teil der eigenen Filterblase sind hält man sie für normal.

    Wenn wir Probleme wie die von 8chan beheben wollen, dann können wir nicht zwischen "guten" und "schlechten" Filterblasen unterscheiden, sondern müssen das Problem im Kern angehen: wir müssen den Kindern schon früh beibringen kritisch zu denken und zu hinterfragen. Denn nur wer seinen Horizont freiwillig erweitert, wer bei jeder Meinung auch der Gegenseite interessiert zuhört, der kann es schaffen außerhalb einer Filterblase zu leben. Und nur so kann man Radikalität im Keim ersticken.

  2. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: trinkhorn 18.10.19 - 11:07

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich beobachte ähnliche Entwicklungen schon seit Jahren auf nahezu jedem
    > nicht sonderlich gut moderiertem Forum, aber wenn man das abspricht wird
    > man immer als Spinner ab getan. "Die wollen doch nur spielen" oder so ein
    > Unsinn hört man dann, dabei ist die Radikalisierung durch Filterblasen ein
    > völlig normales, menschliches Verhalten.
    >
    > Man muss sich nur mal den Unterschied in Verhalten und Wertvorstellungen
    > zwischen einem Urberliner und einem Urbayern anschauen. Die - ich drücks
    > mal vorsichtig aus - unterscheiden sich im Detail erheblich, und das obwohl
    > doch beide in Deutschland wohnen. Man spricht hier im Fachausdruck von
    > Memes die man aus seinem Umfeld aufschnappt und mitnimmt. Der Mensch hält
    > immer das für normal, was sein Umfeld für normal hält. Erst wenn er seinen
    > Horizont erweitert, also externe in seine "Filterblase" lässt, kann es zu
    > kritischem Hinterfragen kommen.
    >
    > D.h. es ist unerheblich ob sich Leute auf 8chan, Tagesschau oder im "My
    > Little Pony" Forum aufhalten, solange sie sich nur darauf beschränken
    > radikalisieren sie sich irgendwann, weil sie das Extremum für normal
    > halten. Im Regelfall bleibt das harmlos, ein paar ältere Männer die in rosa
    > Kleidchen durch die Gegend rennen und behaupten sie wären ein Einhorn
    > empfinden wir höchstens als lustig, zu Schaden kommt dabei aber im
    > Regelfall niemand. Darin liegt aber auch leider das Kernproblem.
    >
    > Während wir über das obrige Beispiel noch lachen können, kann man das bei
    > Rechtsradikalen Fantasien nicht mehr, spätestens dann nicht mehr, wenn
    > Menschen sterben oder verletzt werden. Dann werden Forderungen laut so was
    > abzuschalten, die vielleicht sogar gut wären. Niemand aber verlangt z.B.
    > die Foren der Tagesschau abzuschalten, obwohl die Mitglieder dort sich auch
    > - ganz nüchtern betrachtet - radikalisieren, nur halt nach Links und zum
    > Glück ohne Taten. Das hinterfragt niemand, weil man die Ansichten dort für
    > etwas merkwürdig aber an sich ok hält, ein bisschen so wie die mit den
    > Ponys. Weil diese Menschen Teil der eigenen Filterblase sind hält man sie
    > für normal.
    >
    > Wenn wir Probleme wie die von 8chan beheben wollen, dann können wir nicht
    > zwischen "guten" und "schlechten" Filterblasen unterscheiden, sondern
    > müssen das Problem im Kern angehen: wir müssen den Kindern schon früh
    > beibringen kritisch zu denken und zu hinterfragen. Denn nur wer seinen
    > Horizont freiwillig erweitert, wer bei jeder Meinung auch der Gegenseite
    > interessiert zuhört, der kann es schaffen außerhalb einer Filterblase zu
    > leben. Und nur so kann man Radikalität im Keim ersticken.

    +1
    Und für die mimimi-Fraktion, weil du aus deutschen Medien nur ein linkes Beispiel genannt hast, empfehle ich (naja, eigentlich empfehle ich es nicht zu tun) bei einem Beliebigen Artikel der Welt (die ja eh schon eher rechts ausgerichtet ist) die Kommentare zu lesen, gegen die die Artikel dann aufeinmal schon wieder links wirken...

  3. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: theonlyone 18.10.19 - 11:32

    Gerade diese "freien" Foren sind aber auch gerade das Sprach-Rohr in die Öffentlichkeit und zurück.

    Würde man das verbieten, hat man damit nichts gegen Radikale getan, sondern sie nur in eine dunklere Ecke gedrückt, die man noch weniger einsehen kann.

    Solange öffentlich einsehbar für alle diskutiert wird, egal wie radikal, ist das allemal zu bevorzugen, den dann kann man sehen was abgeht.

    Der Witz ist ja, gerade wenn Terroristen ihre Taten ANKÜNDIGEN und mit dem Wissen nichts angefangen wird, muss man sich ja fragen warum nichts getan wird.

    Jede Ankündigung einer Straftat in dem Ausmaß muss durch Polizei und co. untersucht werden und dadurch lassen sich dann auch schon viele Dinge verhindern.
    Den "Anonym" ist da so eine Sache.
    Wenn der User Bilder postet und ähnliches kann man durchaus auf die Identität schließen, wenn man den die Nachforschung anstellen will (das ist natürlich nicht geschenkt und mit Aufwand verbunden, was aber durchaus gerechtfertigt sein sollte, wenn es sich um solche Straftaten handelt die ansonsten Menschenleben kosten).

    ----

    Die Filter-Blase ist ein grundsätzliches Problem des Internet und auch der realen Welt.
    Früher haben sich Menschen am Stammtisch getroffen und geredet, da treffen sich dann auch primär die "Freunde" und "Gleichdenkenden" , den wenn einmal ordentlich ein Streit ausbricht trennt sich so eine Gruppe eben, da wäre der Moderator dann im Zweifel die Polizei, bzw. einfach der Kneipen-Wirt der Laden/Platzverbote ausspricht.

    Umso extremer die eigene Meinung umso wichtiger wäre es auch mal den Blick auf die Gegenseite gleiten zu lassen, um im Zweifel seine eigenen Ansichten zu hinterfragen.
    Das gilt sowohl für links wie rechts.
    Wenn man jetzt ein Extrem einfach verbietet kann das nicht mehr stattfinden.
    Den jemand mit extrem linken Ansichten täte es wohl auch gut die extreme rechte Ansicht zu betrachten und umgekehrt ; sei es auch nur um die grundlegenden Ängste und Bedürfnisse der Menschen zu verstehen, die man ansonsten einfach ignorieren und abtun würde (was die Spaltung in die Extreme nur befeuert, da ein Dialog unmöglich gemacht wird, da baut sich reiner Hass auf, schlichtweg aus Ignoranz gegenüber dem Anderen).


    Was will man aber technisch wirklich gegen eine Filterblase machen ?
    Grundsätzlich will man dem Nutzer geben was er will und nicht Artikel und Youtube Clips anzeigen die dem genauen Gegenteil seiner Wünsche entsprechen.
    Die Zensur in was akzeptabel oder politisch korrekt genug ist zeigt sich auf Youtube durchaus darin das diverse Channel von Youtube schon pauschal demonitarisiert und de-ranked werden ; die Auswirkungen davon sind groß, da so bestimmte Meinungsbilder unterdrückt werden ; schlichtweg kein fairer Umgang, da jeder kleinste politische Bias hier hoch potenziert wird.

    Am Ende des Tages sind die tatsächliche Täter solcher extrem Anschläge auch einfach in einer so geringen Zahl das man sich fragen muss ob man das wirklich überhaupt gänzlich verhindern kann.
    Irgendwer wird es immer schaffen solche Taten auszuführen, wer so etwas wirklich tun will, wird es auch machen.

    Wenn festgestellt wird das sich Gruppen so radikalisieren muss mit entsprechenden Programmen gegen gehalten werden und die Gründe dürfen nicht ignoriert werden.

    Die Lösung besteht eben nicht darin Nazis und co. pauschal und grundsätzlich als das absolute Böse hinzustellen, den dadurch fängt man diese Menschen nicht mehr ein, sondern treibt sie nur umso weiter weg, viel eher muss ihnen eine Alternative aufgezeigt werden und die Feindbilder müssen durch Aufklärung und Dialoge aufgeweicht werden.

    Anonyme Foren zu haben halte ich grundsätzlich für etwas gutes.
    Genauso wie man diese Foren dazu nutzt das Menschen tatsächlich schreiben was sie denken. Sobald es nicht anonym ist schreiben viele Menschen eben nicht mehr was sie denken, sondern nur noch was sie meinen das die anderen hören wollen.

  4. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: twothe 18.10.19 - 15:19

    theonlyone schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was will man aber technisch wirklich gegen eine Filterblase machen ?

    Weder Zensur noch Gegenbeschallung erreichen hier radikalisierte Leute. Ich habe schon viele Gespräche mit radikalen Menschen gehabt und es ergab sich immer das selbe Bild: Informationen der "Gegenseite" wollte man schlicht nicht hören oder hat sie als Unsinn abgetan, egal wie offensichtlich und einleuchtend die Fakten waren. Sobald man sie dann mit Fakten "in die Ecke" gedrängt hat wurde üblicherweise sofort der Schrei nach Zensur laut, um der Gefahr zu entgehen mit Informationen außerhalb ihrer Filterblase "konterminiert" zu werden.

    Ich halte nach meiner Erfahrung den Wunsch nach Zensur auch als einen starken Indikator für Radikalisierung: je lauter er ist um so radikaler sind die Menschen. Und nebenbei hilft sie nicht, sie macht das Problem nur noch schlimmer. Wenn ein Mensch der im Begriff ist sich zu radikalisieren einfach geblockt wird, dann führt das nicht zu spontaner Erkenntnis und Umdenken sondern zu Wut. Dann wird er sich irgendwo eine andere Gruppe suchen die ihm zuhört, damit hat Zensur dann die Radikalisierung effektiv beschleunigt.

    Die ganzen Zensur-Anstrengungen die wir in unserer heutigen Zeit haben sind daher meines Erachtens nach einer der Hauptgründe für die steigenden Gewaltausbrüche und die Radikalisierung einzelner.

  5. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: theonlyone 18.10.19 - 15:38

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > theonlyone schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Was will man aber technisch wirklich gegen eine Filterblase machen ?
    >
    > Weder Zensur noch Gegenbeschallung erreichen hier radikalisierte Leute. Ich
    > habe schon viele Gespräche mit radikalen Menschen gehabt und es ergab sich
    > immer das selbe Bild: Informationen der "Gegenseite" wollte man schlicht
    > nicht hören oder hat sie als Unsinn abgetan, egal wie offensichtlich und
    > einleuchtend die Fakten waren. Sobald man sie dann mit Fakten "in die Ecke"
    > gedrängt hat wurde üblicherweise sofort der Schrei nach Zensur laut, um der
    > Gefahr zu entgehen mit Informationen außerhalb ihrer Filterblase
    > "konterminiert" zu werden.

    Mit "Fakten" zu argumentieren hat immer etwas von einem Tod-Schlag-Argument das kann bei Extremen Weltbildern niemals erfolgreich sein.

    Der Versuch mit schwer religiösen Menschen zu sprechen ist genauso erfolglos, weil ein existierendes Weltbild angegriffen wird und das lässt keiner zu, wenn man darin irgendeine Art Rückhalt gefunden hat.

    Ist auch verständlich, weil man auf den Grundannahmen sein ganzes Weltbild aufbaut kann man die nicht einfach wegziehen und versuchen auszutauschen.

    Nicht desto trotz muss man erst einmal verstehen was beide Seiten eigentlich verstehen und wo man einen Nenner finden kann.

    Den egal wie man es sieht, selbst der extremste Rechtsradikale wird irgendwelche Punkte haben die man nachvollziehen kann, auch wenn man mit der ganzen Gesinnung nichts anfangen kann.

    Auf die Punkte muss man sich dann konzentrieren und nach Lösungen suchen.
    Punkte wie Arbeitslosigkeit ; Drogen-Gewalt-Exzesse usw.
    Einfach so driftet keiner in die extremen Radikalisierungen ab, irgendetwas muss einen schon da hin treiben.

    > Ich halte nach meiner Erfahrung den Wunsch nach Zensur auch als einen
    > starken Indikator für Radikalisierung: je lauter er ist um so radikaler
    > sind die Menschen.

    Zensur ist immer eine Reaktion darauf das man etwas nicht hören will, eine Realität auszublenden damit man sich eben nicht damit beschäftigen muss.

    Wird jemand zensiert, ist die aller erste Reaktion das man sich empört warum man zensiert wurde und das man umso mehr die Gegenseite ablehnt ; da entlädt sich nur weiterer Hass auf den Zensierenden.

    Jeder Mensch der etwas sagen will wird das auch tun, irgendwo, irgendwie ; im Zweifel wird wieder wild geschmiert mit Graffiti und anderen Schmierereien ; das kann man alles verbieten, gemacht wird es trotzdem.

    > Die ganzen Zensur-Anstrengungen die wir in unserer heutigen Zeit haben sind
    > daher meines Erachtens nach einer der Hauptgründe für die steigenden
    > Gewaltausbrüche und die Radikalisierung einzelner.

    Durchaus, deshalb war der AFD Slogan schlecht hin ja "Das muss man auch mal sagen dürfen".
    Es bringt rein gar nichts die Meinungen der Menschen einfach als pauschal schlecht und blöd hinzustellen, man muss sich auch mit diesen Meinungen beschäftigen und die sind genauso wichtig wie alle anderen auch.

  6. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: Trockenobst 18.10.19 - 20:05

    theonlyone schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nicht desto trotz muss man erst einmal verstehen was beide Seiten
    > eigentlich verstehen und wo man einen Nenner finden kann.

    Das ist in vielen Bereichen gar mal die Ideologie, sondern der Umgang miteinander.
    Wenn du in tiefsten Ostdeutschland in die Bar gehst, wirst du hauptsächlich keine grünen Vorstadtleute und gutem Job finden. Dann wirst du nichts akzeptieren was dein gemeinsames Bier alle drei Tage "stört".

    Deswegen gibt es ja diese Ausstiegsprogramme, die ja meistens auch dazu führen das Du in die Stadt umgezogen wirst und dann mit anderen Realitäten konfrontiert wirst. Ein paar Worte werden da nichts ändern. Es ist immer das Geld und die Aussicht auf ein besseres Leben. Der Alte mit weggelaufener Frau in seinem Abbruchhaus mit Shit Job und kaputten Rücken am hintersten Rande von Paris ist Gelbweste mit Überzeugung. Auf den Wartet nichts.

    > Den egal wie man es sieht, selbst der extremste Rechtsradikale wird
    > irgendwelche Punkte haben die man nachvollziehen kann

    Natürlich kann ich nachvollziehen, das wenn es nur 1 Dose mit Essen gibt und 99 andere die sie haben wollen, dass es eine "einfache" Lösung gibt. Verstehen ist nicht das Problem, sondern warum man geistig dann dort landet, das diese Lösung "alternativlos" die Einzige ist die "funktionieren" wird.

    > Einfach so driftet keiner in die extremen Radikalisierungen ab, irgendetwas
    > muss einen schon da hin treiben.

    Ich habe im Alter festgestellt, das die Anzahl der Arschlöcher im Prinzip gleich geblieben ist. Sie waren nur versteckt, hatten keine Plattformen, es gab bisher keinen Geldwert ihren geistigen Dünnpfiff zu vermarkten. Bis Youtube, FB (und nun Telegram und Co) kamen.

    > schlecht und blöd hinzustellen, man muss sich auch mit diesen Meinungen
    > beschäftigen und die sind genauso wichtig wie alle anderen auch.

    Ich habe am Rande einer Identitären? Demo einen der Vorsprecher gesehen. Superlocker, Supercharmant, alles happy, sie haben ja nur eine eigene Ansicht, nichts Rechtes oder Anrüchiges.

    Ich habe ihn gefragt, wie viele Leute in seiner lokalen Gruppe eine Frau hätten und wie kommt man günstig an ein Haus ran, wo man drei+ Kinder hat. Damit man die Kultur weitergeben kann. Wie viele von ihren Ingenieure sind, die Brücken und Straßen erhalten, die unsere Väter gebaut haben. Denn das verkaufen sie ja. Das erhalten der westlichen Traditionen. Ich sehe nur nicht so viel "erhalten in Action."

    Nach nur 2 Sekunden nachdenken ist ihm sein aufgesetztes Happyface entglitten, hat mir (und anderen) deutlich gesagt ich soll mich sofort verpi--en. Das haben dann Andere des Teams gehört und alles gleich recht professionell nach hinten in einen Transporter geschafft. In wenigen Momenten waren sie weg. Sie hatten sichtlich Angst das dies jemand gefilmt hat. Mich hat überrascht das man als Lösung für 'schlechte Fragen' hier das Weglaufen trainiert hat. Irgendwie doch wieder ein Kult.

    Selbe Momente habe ich mit Marxisten, Anarchisten und sonstigen Freunden an den "Rändern des Mainstreams" erlebt. Echte Kulte haben wenigstens auf jeden Spruch passende vorgefertigte Antworten, sie werden hart gehirngewaschen, da kommst du nicht durch. Das ist Kindergarten-Niveau.

    Wenn du mit zwei drei Sätzen von einem "Ländergrenzen abschaffen!" Aktivisten die ganzen Argumentationsstruktur ruinieren kannst, ist es mehr als Deutlich das er das wahrscheinlich alles nur macht, weil um ihn herum Lauter junger, erstaunlich gutaussehender Frauen stehen. In seiner "Du checkst es nicht!" Nicht-Antwort sah ich in seinen Augen, die mich flehentlich anblickten ihm seinen tollen Tag nicht zu ruinieren.

  7. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: Emulex 19.10.19 - 00:13

    trinkhorn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    > +1
    > Und für die mimimi-Fraktion, weil du aus deutschen Medien nur ein linkes
    > Beispiel genannt hast, empfehle ich (naja, eigentlich empfehle ich es nicht
    > zu tun) bei einem Beliebigen Artikel der Welt (die ja eh schon eher rechts
    > ausgerichtet ist) die Kommentare zu lesen, gegen die die Artikel dann
    > aufeinmal schon wieder links wirken...

    Das ist doch das perfekte Beispiel für "Filterblase".
    Wenn du links eingestellt bist und SPON liest, dann ist Welt für dich rechts davon und die Kommentatoren, die nichtmal mit diesem "rechts" zufrieden sind, müssen Nazis sein.
    Man muss also nur weit genug links stehen, dann ist jeder Nazi - Glückwunsch.

  8. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: twothe 19.10.19 - 12:12

    Emulex schrieb:
    > Man muss also nur weit genug links stehen, dann ist jeder Nazi - Glückwunsch.

    Was aus meiner Sicht auch ein riesen Problem ist, wenn solche Leute dann als Moderatoren bei Kommentarbereichen von Medien arbeiten. Für mich ist hier immer die "Zeit" ein gutes Beispiel, mehr Links geht glaube ich kaum. Wer dort als Moderator arbeitet und eher rechts eingestellt ist, wird nach dem Clumping-Gesetz automatisch irgendwann aussortiert, bis irgendwann nur noch gesinnungsmäßig ähnliche Leute da arbeiten.

    Diese bestimmen jetzt aber was die Leute kommentieren dürfen und blockieren natürlich tendenziell eher was nicht ihrem Weltbild entspricht. Dadurch vergraulen sie natürlich auch alle Leute die eher rechts sind, bis auch bei den Lesern nur noch Linke übrig sind. Journalisten fühlen sich dann durch die Kommentare in ihrem Weltbild bestätigt, und irgendwann gilt in dem Milieu dann Links als Mitte, Mitte als Rechts, und Rechts als rechtsradikal. Dann haben wir eine große, öffentliche Zeitung, die (teilweise) radikale Gedanken als völlig normal verkauft.

    Derlei Entwicklungen gibt es natürlich auch bei anderen Medien: die Süddeutsche ist da z.B. auch ein gutes Beispiel, da sie früher als recht neutral galt, inzwischen aber auch deutlich links ist. Die Welt hat das gleiche durch gemacht, aber als sie dann von den einbrechenden Leserzahlen recht überrascht war, hat man mal Umfragen gestartet und dann gegen gesteuert. Dort ist man jetzt bemüht den tendenziell eher linken Beiträgen (scheint ein Journalisten-Problem zu sein) auch gelegentlich eher rechte Beiträge entgegen zu setzen. Was zu einem sehr interessanten Misch-Masch führt: die Kommentare sind primär eher rechts, aber erhalten im Mittel auch eher linke Antworten. So weit so gut, aber auch bei den Moderatoren gilt ähnliches, und ob es ein Beitrag durch den Filter schafft ist zum völligen Glücksspiel geworden, je nachdem welchen Mitarbeiter man gerade bekommt.

    Ich glaube wir sollten wirklich mal darüber nachdenken gegen Zensur und für ein dickeres Fell einzutreten. Es ist weniger schlimm wenn sich jemand in seinem Weltbild angegriffen fühlt, als das wir Radikale ranzüchten und bei der Zensur völlige Willkür auftritt.

  9. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: Emulex 19.10.19 - 13:40

    Das "scheint" nicht nur ein Journalisten-Problem zu sein, es ist definitiv eines - gibt genug Studien dazu.
    Und so fördert man eine massive Spaltung der Gesellschaft in jene, die diese linksgrüne vermeintlich neutrale Weltsicht teilen und jene, die das überhaupt nicht nachvollziehen können, weil sie eben rechts dessen stehen.
    Das führt dann zu Ausgrenzung dieser Meinungen und im Endeffekt auch zu Radikalisierung der Betroffenen, weil sie sich nicht anders zu wehren wissen (das ist KEINE Relativierung oder Entschuldigung für die Taten!!).
    Die AfD ist keine Ursache für irgendetwas, sie ist ein Symptom.
    Genauso wie Trump.

    Dieses sich selbst potenzierende System, das du da mit den Journalisten/Moderatoren/Kommentatoren beschreibst, ist ein riesiges Problem für die Meinungsfreiheit und Demokratie.
    Am Ende wird bei uns ein Quasi-Sozialismus stehen, dem - wie immer - das Geld anderer Leute ausgehen wird (Margaret Thatcher) und es zu einer Gegenreaktion in die andere Richtung kommt.

    Ich will weder das eine noch das andere erleben - ich möchte Gleichgewicht und Mitte.
    Aber dafür ist der Zug meines Erachtens schon abgefahren - zumindest in Deutschland/Europa.

  10. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: Vaako 19.10.19 - 19:53

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich glaube wir sollten wirklich mal darüber nachdenken gegen Zensur und für
    > ein dickeres Fell einzutreten. Es ist weniger schlimm wenn sich jemand in
    > seinem Weltbild angegriffen fühlt, als das wir Radikale ranzüchten und bei
    > der Zensur völlige Willkür auftritt.

    Yup leider haben die wenigsten diese Weitsicht und gerade in der Politik ist nur Aktionismus gefragt weil man nur in Wahlzyklen denkt.

  11. Re: Filterblase ad extremum

    Autor: Clown 22.10.19 - 11:38

    Emulex schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die AfD ist keine Ursache für irgendetwas, sie ist ein Symptom.
    > Genauso wie Trump.

    Exakt! Ich halte beide für unwählbar, aber ich verstehe, warum sie Zuspruch bekommen.
    Zum Thema Trump hat Tim Pool einige interessante Videos gemacht. Er vermutet, dass Trump sogar wiedergewählt wird. Und zwar nicht, weil er so toll ist, sondern weil die Alternativen sich selbst demontieren.
    Ähnlich sehe ich das bei der AfD. Viele der Wähler fühlen sich schlicht nicht mehr von den etablierten Parteien verstanden/repräsentiert.

    > Aber dafür ist der Zug meines Erachtens schon abgefahren - zumindest in
    > Deutschland/Europa.

    In den USA kann man die nächsten Schritte bereits beobachten.

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