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  5. › FTTH: Bauern am Glasfaserpflug…

Die Anbieter dürften jubeln

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  1. Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: /mecki78 15.12.17 - 14:40

    Das teuerste bei LWL ist nicht das Kabel selber und auch nicht das Kabel zu verlegen, sondern eben das Ziehen der Trasse. Wenn ich also 90% der Arbeit, die eigentlich Netzbetreiber sonst erledigen, und ihnen damit auch gut 80% der Kosten einspare, warum soll ich dann am Ende bei denen Kunde werden und 100% des Preises zahlen, so wie die Leute, die 0% Arbeit erbracht und dem Anbieter 0% Kosten eingespart haben? Warum gründe ich dann nicht gleich einen Verein, hole mir die restlichen 20% aus den Fördertöpfen und Land, Bund oder EU (alle stellen für FTTH Fördermittel parat) und werde gleich mein eigenes ISP und biete dann Internet über den Verein zu meinen Preisen und Kondition an?

    Nicht falsch verstehen, ich finde ja gut, dass die Landwirte das gemacht haben, aber letztlich hat man sie IMHO damit über's Ohr gehauen. Man hat ihnen gesagt, dass sie diese Arbeit erbringen müssen, weil sonst bekommen sie kein schnelles Internet, und das ist die Wahrheit, aber was man ihnen verschwiegen hat, ist die Tatsache, dass sie nach getaner Arbeit problemlos auch ganz Unitymedia zu schnellen Internet hätten kommen können und das langfristig gesehen zu besseren Konditionen und mit vollen Mitbestimmungsrecht. Da Landwirte nicht unbedingt Technikexperten sind, haben die vielleicht gedacht "So ne Trasse ist ja nur der Anfang, die harte Arbeit kommt ja jetzt erst", aber die Wahrheit ist, die harte Arbeit war zu dem Zeitpunkt schon erledigt.

    Im Prinzip baust du dem Anbieter ein fertigen PKW, dem nur ein Motor fehlt. Alles was der Anbieter dann machen muss ist Motorhaube auf, fertigen Motor einsetzen (den hat der Anbieter nicht gebaut, den hat er selber fertig bei einem Autohersteller gekauft), festschrauben, und dann ein paar Verbindungen herstellen (z.B. zum Getriebe, zum Vergaser, zur Lichtmaschine, zum Auspuff, zu den Zündkerzen und zu einem Steuergerät) und der Wagen ist fertig und wird dir jetzt aber zum normalen Vollpreis zum Kauf angeboten.

    Wahrscheinlich hat Unitymedia dann auch noch Fördergelder bekommen für das bisschen Restarbeit, Gelder, die auch den Landwirten zugestanden hätten (denn die Gelder sind auch für das verlegen von Trassen gedacht), aber ich schätze mal die Landwirte haben keinen Cent für ihre Arbeit gesehen. Die sollen dankbar sein, dass sie jetzt von Unitymedia Internet bekommen, zu deren Preisen und Konditionen.

    /Mecki

  2. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Unruheherd 15.12.17 - 14:55

    Hey, als Bauernlümmel kann ich dir vielleicht sagen, woran es liegt. Viele Landwirte sind sogar relativ technik-affin: Traktoren arbeiten mit Makros (das heißt hier Vorgewendemanagement), verwalten am PC Tier- und Geoinformations-Daten. Da kotzt das langsame Internet schon ziemlich an; vor allem, wenn auf dem Betrieb mehr als zehn Leute leben und arbeiten und sich DSL 3000 teilen.

    Deshalb schätze ich, dass ihnen langsam jedes Mittel recht ist, um an schnelles Internet zu kommen. Nebenher einen Verein zum lokalen Internetausbau leiten - das ist zeitlich als Selbstständiger echt knapp (natürlich auch nicht unmöglich). Die Mittel zum Ziehen der Leitung haben die Landwirte. Damit so eine Initiative aber zum lokalen ISP wächst, brauchen die Bauern definitiv Unterstützung aus den umliegenden Dörfern.

    Mit viel Glück gibt es schon einen lokalen ISP, mit dem die Zusammenarbeit einfacher ist. Ich jedenfalls würde der Telekom nicht gern Geld dafür in den Rachen werfen, dass sie sich seit Jahrzehnten in meiner Gegend den Arsch plattsitzt. Die einzige Innovation, die hier in den letzten Jahren gekommen ist, sind fünf Euro Regiozuschlag als Strafe dafür, dass die Region schlecht ausgebaut ist.

  3. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: tg-- 16.12.17 - 14:44

    Man sollte dabei nicht vergessen, dass Unitymedia, vor der Übernahme in Deutschland als eine Reihe anderer Firmen bekannt war, darunter hauptsächlich KabelBW, iesy, ish und andere, allesamt Ausgliederungen der Kabel Deutschland GmbH, das wiederum die Ausgliederung des Kabelnetzes von der Deutschen Telekom, vormals bekannt als Deutsche Bundespost, war.

    Damals waren dies ganz unterschiedliche Produkte bei der Bundespost. Der Telefonanschluss wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Refinanzierung erfolgte über Nutzungsgebühren (und die Endgerätemiete). Das resultierte in einer 100% Versorgung.
    Im Kabelnetz hingegen musste der Anschluss bezahlt werden, entweder über einen langfristigen Kredit, der monatlich über die Rechnung abgegolten wurde, oder über eine Einmalzahlung. Daher werden vom Kabelnetz nur etwa 70% der Haushalte erreicht - und diese 70% befinden sich in dicht besiedeltem Gebiet wo die Kosten überschaubar waren. Kein einziger Aussiedlerhof hat einen Kabelanschluss, sowenig wie die meisten Dörfer in ländlichem Gebiet in dem Bauernhöfe existieren.

    Als die Deutsche Telekom das Kabelnetz betrieb (bis 1995) existierten ca. 16 Millionen Anschlüsse, heute sind es etwa 22 Millionen. Der Zuwachs wurde in erster Linie durch die steigende Bevölkerungsdichte in bereits erschlossenen Großstädten erreicht.

    Die Kabelnetzbetreiber haben also kaum in Erschließung investiert, sicherlich nicht in die Erschließung von wenig profitablem Flächenausbau.

    Für wen die Bauern hier also gegraben haben ist nicht ein lokaler Anbieter ohne Ressourcen, sondern ein großer Multinationaler Konzern der so von Post-Infrastruktur profitiert wie die Telekom.

    Natürlich habe ich dafür Verständnis, dass die Bauern es selbst in die Hand nehmen wo es sonst keiner machen will, aber der große Profiteur ist letzten Endes natürlich ein multinationaler Finanzkonzern der hinter dem Multinationalen Teco-Riesen steckt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 16.12.17 14:45 durch tg--.

  4. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: bjoedden 16.12.17 - 17:22

    Noch besser das etabliert sich demnächst.
    Alle dürfen ihre Leitungen selbst ziehen, warts ab das kommt schleichend.

  5. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Infinity2017 17.12.17 - 12:40

    Als einer der "Betroffenen" möchte ich mich hier mal zu Wort melden, da einige Dinge offensichtlich nicht 100%-ig korrekt im Artikel transportiert wurden bzw. in den anderen Kommentaren falsch aufgefasst wurden:

    1.) Der Ausbau außerhalb von Ortsgrenzen wurde NICHT durch einen multinationalen Konzern ("Unitymedia") durchgeführt. Mehrere Anbieter, die den Ortskern mit Glasfaser ausbauen wollten, haben ganz klar und deutlich aus wirtschaftlichen Gründen davon Abstand genommen, den Außenbereich auszubauen.

    2.) Die Situation war so, dass nur ein Anbieter mit eigener Technik im Ort vorhanden war ("Deutsche Telekom"). Diese waren ebefalls, wie gesagt, ungewillt im Außenbereich zu investieren. Das führte dazu, dass viele Teilnehmer (inkl. mir) - durch die Neuberechnung der Dämpfungsgrenzen - unterhalb die DSL-Grenze gefallen wären (d.h. kein(!) DSL, nur Funk-Internetversorgung - das ist mittlerweile auf Telekomseite auch Stand der Dinge).

    3.) Der Ausbau wurde letztendlich von der Firma Muenet aus Rosendahl durchgeführt - ein klassisches inhabergeführtes Unternehmen. Wir haben damals nicht mit Repräsentanten eines multinationalen Konzerns den Ausbau geplant, sondern in der Scheue eines Nachbarn mit den Firmengründern selber.

    4.) Der Ausbau hat für unseren Bereich von ca. 45 Hofstellen ungefähr 3 Monate gedauert - bis die Glasfaser eingeblasen war ungefähr noch einmal die gleiche Zeit. Zeitlich war das erste Nachbartreffen im September, wenn ich mich richtig erinnere, zu Ostern hatten wir FTTH. Dieser Zeitplan war nur durch Eigeninitiative möglich.

    5.) Bauern sind heute abhängiger von Kommunikation und Technik als man vermuten möchte. Außerdem sind die Kosten von 2000¤ pro Anschluss als Investition in die Zukunft zu sehen - die Bauernhöfe werden voraussichtlich auch in 50 oder 100 Jahren noch existieren.

    6.) Ausgebaut wurde komplett ohne staatliche Zuschüsse, Förderungen etc., da diese zum großen Teil nicht anwendbar waren, zu geringe Förderhöhen hatte (i. d. Regel nur Planung, aber nicht Ausbau) und zudem einen langen, langen bürokratischen Prozess nach sich ziehen.

    7.) Der Eigenausbau ist zeitaufwendig, anstrengend und ich kann mich nur noch mal bedanken, dass jemand aus unserer Nachbarschaft das "Projektmanagement" übernommen hat. Allerdings ist es ein gutes Mittel zur Förderung der Nachbarschaft - die auf dem Lande generell einen hohen Stellenwert.

    In unserem Bereich des Ausbaus haben 100% der Nachbarn mitgemacht - solidarisch. Das heißt: Egal wie weit der einzelne Nachbar abseits wohnt - das Kabel wird gezogen. Betriebswirtschaftlich berechnet wäre das absoluter Wahnsinn gewesen und von keinem kommerziellen Anbieter gemacht worden... Jeder hat etwas zum Ausbau beigetragen durch Stellen von Geräten, Arbeitskraft oder Verpflegung des Buddeltrupps mit Essen und Getränken.

    8.) Verschiedene Modelle des Betriebs einen Glasfasernetzes wurden ebenfalls diskutiert. Es gab durchaus die Möglichkeit eigener ISP zu werden bzw. das Netz als komplettes zu verpachten.

    Abschließend kann ich sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Wir sind jetzt mit 100/100MBit/s angebunden - monatlicher Preis ist okay. Kein Vergleich mehr zu DSL-Light (384KBit/s) und diesem LTE-Gefrickel mit stark schwankenden Bandbreiten und limitiertem Volumen.

    Grüße vom (ehemaligen) Bauernhof ;-)

  6. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: tg-- 17.12.17 - 14:01

    Danke für diese Information, das ist im Artikel tatsächlich so nicht rübergekommen (es sei denn ich habe das falsch gelesen).
    Schön, dass das Solidarprinzip bei euch funktioniert hat, ich wünschte nur wir könnten das weiterhin Deutschlandweit haben.

    Ansonsten kann ich nur zum erfolgreichen Ausbau in Eigeninitiative beglückwünschen, tolle Leistung!

  7. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Faksimile 17.12.17 - 15:53

    Glückwunsch.
    Auf so etwas kann man in Universitätsstädten mit 150T Einwohnern und über 20T Studenten nur neidisch gucken. Hier schafft das weder Energiversorger/Stadtwerke noch Dienstanbieter geschweige denn eine Kommunalverwaltung bekommt so etwas angestoßen. Glasfaser-Hausanschlüsse - ggf. sogar symetrisch? Kann man das essen? Wofür ist das?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 17.12.17 15:54 durch Faksimile.

  8. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Pedrass Foch 17.12.17 - 16:01

    tg-- schrieb:

    > Damals waren dies ganz unterschiedliche Produkte bei der Bundespost. Der
    > Telefonanschluss wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt,

    Das war zu keinem Zeitpunkt so. Um 1986 rum hat Blackpenny, der Bundespostminister mit dem faible für Vetternwirtschaft und Auftragskunkeleien, rechtswidrig die Senkung der Anschlußkosten von 300 DM auf 60 DM verfügt.

  9. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Pedrass Foch 17.12.17 - 16:05

    @ Infinity2017: Danke! Endlich mal wieder ein Bericht aus der Praxsis statt Propaganda und Gegenpropaganda.

    Habt ihr zufällig eine Aufstellung der Materialkosten? Und wie habt ihr das mit der Mitnutzung von öffentlichem Grund (Querungen von Straßen) bewerkstelligt?

  10. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Infinity2017 17.12.17 - 16:34

    @Pedrass Foch: Immer gerne... Zum Thema Kosten müsste ich mal unseren Kassenwart ansprechen. Damit hatte ich wenig zu tun.

    Grundsätzlich war die Aufteilung so, dass 1400¤ an den Provider (Muenet) gingen, 600¤ als "Buddelkosten" an den dafür gegründeten Verein der Nachbarn. Hiervon wurden alle Kosten der Verlegung getragen inkl. Versicherung, Fahrzeugabnutzung, Miete von Geräten etc.

    Bei der Mitnutzung von öffentlichem Grund hatten wir Glück, dass die Gemeinde / der Kreis durchaus die Notwendigkeit des FTTH-Ausbaus erkannt haben. Hier wurden uns keine Steine in den Weg gelegt - im Gegenteil. Die Nutzung von Straßenbanketten war erlaubt - ebenso das unterqueren von Gemeindestraßen. Hierfür wurden Kopflöcher gegraben / gebaggert und mit einer Erdrakete durchgeschossen.

    Problematischer waren die Unterquerungen von größeren Straßen (z.B. Bundesstraßen und Autobahnen). Hierfür muss ein Genehmigungsprozess eingehalten werden und das haben bei uns Profis mit einem Spülbohrverfahren gemacht.


    > @ Infinity2017: Danke! Endlich mal wieder ein Bericht aus der Praxsis statt
    > Propaganda und Gegenpropaganda.
    >
    > Habt ihr zufällig eine Aufstellung der Materialkosten? Und wie habt ihr das
    > mit der Mitnutzung von öffentlichem Grund (Querungen von Straßen)
    > bewerkstelligt?

  11. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Faksimile 18.12.17 - 04:38

    Hast Du irgendeinen Beweis für die "Rechtswidrigkeit"

  12. Re: Die Anbieter dürften jubeln

    Autor: Pedrass Foch 18.12.17 - 21:35

    Immer eins nach dem anderen. Ist Dir inzwischen eine Antwort darauf eingefallen was eine Lösung für VoIP in Deinen Augen zur "Bastellösung" macht?

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