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100 Prominente Künstler?
Autor: ikosaeder 11.05.12 - 18:12
Ich habe mir die Unterzeichnerliste mal durchgelesen, ich kannte kaum mehr als 10 Namen von der Liste, und ich lese sehr viele (1-2 pro Woche) Bücher (gedruckte wohlgemerkt) und bin oft in Buchhandlungen oder bei Amazon. Da viele Bücher sehr teuer sind (egal wie alt) solange sie dem Urheberrecht unterliegen bin ich dazu übergegangen Klassiker bei Gutenberg zu lesen oder gebrauchte Bücher bei Ebay zu kaufen (hier gibt es die Diskussion ala Gebrauchte Software zum Glück nicht).
Im Falle von Gutenberg ist den Urhebern die Diskussion wohl ziemlich egal, bei Ebay haben die Künstler eben Pech.
Meine Meinung ist hier, das die Buchpreisbindung ein ziemliches Problem darstellt. Klar möchte jeder, der ein Buch schreibt für seine Arbeit entlohnt werden, aber Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Das Angebot an Bücher steigt stetig, weil es einfacher wird Bücher zu schreiben, während die Nachfrage eher sinkt, weil die Leute weniger Zeit und oder weniger Geld zur Verfügung haben. Da mit dem steigenden Angebot auch die Qualität der angebotenen Bücher sinkt, fällt auch die Nachfrage noch einmal zusätzlich.
Dazu kommt der technische Fortschritt. Als Bücher noch handschriftlich kopiert werden mussten, waren diese verständlicherweise sehr teuer (auch ohne Urheberrecht). Durch die Erfindung des Buchdrucks fielen die Preise drastisch, während gleichzeitig die Verfügbarkeit stieg. Durch die digitalen Technologien ist die Verfügbarkeit quasi unendlich, mathematisch müsste der Preis damit gegen null gehen. Das ist aber nicht der Fall, sondern es wird versucht, den Preis durch künstliche Barrieren aufrecht zu erhalten. Mir ist klar, das bei einem Preis von null keiner mehr etwas schreiben würde. Aber die künstlichen Barrieren versuchen auch Künstlern ein Auskommen zu verschaffen, die durch fehlende Qualität in einem freien Markt niemals überleben könnten (deren Bücher nicht wichtig genug wären, sie handschriftlich zu kopieren).
DRM und verschärfte Urheberrechte verhindern, das sich der Markt zu Gunsten von weniger Quantität, aber mehr Qualität selbst bereinigt. Die Verwerter und die Urheber haben natürlich ein Interesse daran, mit wenig Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen. Der Leser dagegen möchte für möglichst wenig Geld möglichst gut unterhalten werden.
Die einzige, ökonomisch sinnvolle Lösung ist hier, das der Preis von Bücher sinken muss, die Anzahl neu veröffentlichter Bücher muss zurückgehen und die Qualität der Bücher muss steigen. Dann können die Künstler, die einen entsprechenden Gegenwert liefern und viel gelesen werden auch gut von ihrer Kunst leben. Die große Mehrheit der "Künstler" allerdings nicht, aber das ist ja im Grunde nur positiv. Ich werde wohl nie als Handwerker durchgehen, meinen Job mache ich dafür gut. -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: cyzz 11.05.12 - 18:44
ikosaeder schrieb:
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> Ich habe mir die Unterzeichnerliste mal durchgelesen, ich kannte kaum mehr
> als 10 Namen von der Liste, und ich lese sehr viele (1-2 pro Woche) Bücher
> (gedruckte wohlgemerkt) und bin oft in Buchhandlungen oder bei Amazon. Da
> viele Bücher sehr teuer sind (egal wie alt) solange sie dem Urheberrecht
> unterliegen bin ich dazu übergegangen Klassiker bei Gutenberg zu lesen oder
> gebrauchte Bücher bei Ebay zu kaufen (hier gibt es die Diskussion ala
> Gebrauchte Software zum Glück nicht).
> Im Falle von Gutenberg ist den Urhebern die Diskussion wohl ziemlich egal,
> bei Ebay haben die Künstler eben Pech.
>
> Meine Meinung ist hier, das die Buchpreisbindung ein ziemliches Problem
> darstellt. Klar möchte jeder, der ein Buch schreibt für seine Arbeit
> entlohnt werden, aber Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Das Angebot
> an Bücher steigt stetig, weil es einfacher wird Bücher zu schreiben,
> während die Nachfrage eher sinkt, weil die Leute weniger Zeit und oder
> weniger Geld zur Verfügung haben. Da mit dem steigenden Angebot auch die
> Qualität der angebotenen Bücher sinkt, fällt auch die Nachfrage noch einmal
> zusätzlich.
>
> Dazu kommt der technische Fortschritt. Als Bücher noch handschriftlich
> kopiert werden mussten, waren diese verständlicherweise sehr teuer (auch
> ohne Urheberrecht). Durch die Erfindung des Buchdrucks fielen die Preise
> drastisch, während gleichzeitig die Verfügbarkeit stieg. Durch die
> digitalen Technologien ist die Verfügbarkeit quasi unendlich, mathematisch
> müsste der Preis damit gegen null gehen. Das ist aber nicht der Fall,
> sondern es wird versucht, den Preis durch künstliche Barrieren aufrecht zu
> erhalten. Mir ist klar, das bei einem Preis von null keiner mehr etwas
> schreiben würde. Aber die künstlichen Barrieren versuchen auch Künstlern
> ein Auskommen zu verschaffen, die durch fehlende Qualität in einem freien
> Markt niemals überleben könnten (deren Bücher nicht wichtig genug wären,
> sie handschriftlich zu kopieren).
>
> DRM und verschärfte Urheberrechte verhindern, das sich der Markt zu
> Gunsten von weniger Quantität, aber mehr Qualität selbst bereinigt. Die
> Verwerter und die Urheber haben natürlich ein Interesse daran, mit wenig
> Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen. Der Leser dagegen möchte für
> möglichst wenig Geld möglichst gut unterhalten werden.
> Die einzige, ökonomisch sinnvolle Lösung ist hier, das der Preis von Bücher
> sinken muss, die Anzahl neu veröffentlichter Bücher muss zurückgehen und
> die Qualität der Bücher muss steigen. Dann können die Künstler, die einen
> entsprechenden Gegenwert liefern und viel gelesen werden auch gut von ihrer
> Kunst leben. Die große Mehrheit der "Künstler" allerdings nicht, aber das
> ist ja im Grunde nur positiv. Ich werde wohl nie als Handwerker durchgehen,
> meinen Job mache ich dafür gut.
+1
Wenn man mutig ist, kann man sogar so weit gehen und vielen Unterzeichnern die legitimität absprechen.
Bei einer Person wie Mario Adorf kann man das locker verzeihen denn er ist in einer anderen Zeit aufgewachsen.
Bei Frau Roche ist es, meiner Meinung nach, unverschämt.
Ist sie der Meinung dass seriöse Schriftsteller sie für voll nehmen?
Tut mir leid ihr den Wind aus den Segeln nehmen zu müssen aber sie ist 1. nicht kreativ 2. ihr Pamphlet ist keine "Urhebung" sondern widerlich und 3. sollte sie nicht vergessen woher viele Jugendliche sie kennen.
Man könnte fast glauben, 70% der Bevölkerung hat das Internet nicht verstanden.
In dem Fall auch eine junge Frau die, wie ich selbst, mit dem Internet aufgewachsen ist.
Das Urheberrecht muss sich dem neuen Medium Internet anpassen.
Jeder, ich denke wirklich jeder mit Einkommen, würde für einen Medien-Service bezahlen.
Aber kein logischer Mensch will für etwas bezahlen das er nicht braucht und nicht benutzt.
Deshalb ist in meinen Augen die GEZ rechtswidrig.
Keine Demokratie sollte Staatsrundfunk" benötigen.
Geht nicht alle Macht vom Volk aus? Keiner von uns hat die Intendanten gewählt.
Ausserdem ist es undemokratisch wenn die regierende Partei im Rat die Mehrheit stellt.
Staatsrundfunk sollte unabhängig von parteipolitischen Entscheidungen sein.
Sie haben schliesslich eine gesetzliche Verpflichtung.
Genau an diesem Punkt muss man bestehende Gesetze überprüfen.
Die "Informationsverpflichtung" der öffentlich-rechtlichen kann doch im Gegenzug keine Pflicht des Bürgers darstellen.
Millionen für Gottschalk? - undemokratisch!
my cc -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: damnit.exe 11.05.12 - 19:29
Ein logischer Mensch würde GERADE DANN auch GEZ zahlen, wenn er es (bzw. die daven finanzierten Sender) nicht in Anspruch nimmt, weil er sich logisch erschliessen kann, dass es sinnvoll ist, unabhängige und nicht werbefinanzierte fernseh und radioangebote zu haben!
Ausserdem würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass jeder logische Mensch zumindest Tagesschau/heute/etc schaut, weil es einer der einfachsten und besten Wege ist, sich über das Tagesgeschehen zu informieren.
Logik =/= Egoismus!
und nein, es geht nicht alle macht vom Volk aus. Das dir das noch nicht aufgefallen ist...
Ich gebe dir allerdings recht, keine Demokratie sollte unabhängige Medien nötig haben. Leider leben wir hier in der Realität, da sieht das ganze ein bisschen anders aus. Und wenn du schon die intendanten (das sind ganz schön viele) wählen willst, was denn noch alles? Jede Komission im Bundestag/rat, Landtag, auf kommunaler ebene? Viel spass beim Wählen, Zeit zum arbeiten bleibt da nicht mehr.
Wenn du dir anmaßt, Frau Roche's Roman (Ich habe ihn selbst nicht gelesen) als nicht Urheberrechtlich schützenswertes Werk zu bezeichnen, dann maße ich mir an, dir dein Recht hier zu leben abzusprechen, weil du keine Ahnung von der (politischen) Realität zu haben scheinst. -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: Lapje 11.05.12 - 20:09
ikosaeder schrieb:
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> Meine Meinung ist hier, das die Buchpreisbindung ein ziemliches Problem
> darstellt.
Ich glaube das Du das Prinzip der Buchpreisbindung nicht verstanden hast. Diese besagt nicht dass ein Buch für immer zu einem Preis verkauft werden muss, sondern dass dieser Preis in allen Buchhandlungen gilt. Somit kann der Verlag jederzeit die Preise des Buches senken - wenn sie es wollten... -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: cyzz 11.05.12 - 21:11
damnit.exe schrieb:
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> Ein logischer Mensch würde GERADE DANN auch GEZ zahlen, wenn er es (bzw.
> die daven finanzierten Sender) nicht in Anspruch nimmt, weil er sich
> logisch erschliessen kann, dass es sinnvoll ist, unabhängige und nicht
> werbefinanzierte fernseh und radioangebote zu haben!
>
> Ausserdem würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass jeder logische
> Mensch zumindest Tagesschau/heute/etc schaut, weil es einer der einfachsten
> und besten Wege ist, sich über das Tagesgeschehen zu informieren.
>
> Logik =/= Egoismus!
>
> und nein, es geht nicht alle macht vom Volk aus. Das dir das noch nicht
> aufgefallen ist...
>
> Ich gebe dir allerdings recht, keine Demokratie sollte unabhängige Medien
> nötig haben. Leider leben wir hier in der Realität, da sieht das ganze ein
> bisschen anders aus. Und wenn du schon die intendanten (das sind ganz schön
> viele) wählen willst, was denn noch alles? Jede Komission im Bundestag/rat,
> Landtag, auf kommunaler ebene? Viel spass beim Wählen, Zeit zum arbeiten
> bleibt da nicht mehr.
>
> Wenn du dir anmaßt, Frau Roche's Roman (Ich habe ihn selbst nicht gelesen)
> als nicht Urheberrechtlich schützenswertes Werk zu bezeichnen, dann maße
> ich mir an, dir dein Recht hier zu leben abzusprechen, weil du keine Ahnung
> von der (politischen) Realität zu haben scheinst.
keinen Zahn in der Fresse aber La Paloma pfeifen.... -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: devkev 13.05.12 - 10:40
damnit.exe schrieb:
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> Ein logischer Mensch würde GERADE DANN auch GEZ zahlen, wenn er es (bzw.
> die daven finanzierten Sender) nicht in Anspruch nimmt, weil er sich
> logisch erschliessen kann, dass es sinnvoll ist, unabhängige und nicht
> werbefinanzierte fernseh und radioangebote zu haben!
Unabhängig? Schau mal nach wieviele Politiker in diesem Rat sitzen http://de.wikipedia.org/wiki/ZDF-Fernsehrat
Nicht werbefinanziert? Vor 20 Jahren vielleicht...
> Ausserdem würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass jeder logische
> Mensch zumindest Tagesschau/heute/etc schaut, weil es einer der einfachsten
> und besten Wege ist, sich über das Tagesgeschehen zu informieren.
Vielleicht jeder logische Mensch den du kennst. Ich hab seit 8 Jahren keinen Fernseher und vermisse es kein Stück. Das Tagesgeschehen kann man sich viel besser mit einem Querschnitt durch die internationale Presse holen, als eine gefilterte Sendung.
> Logik =/= Egoismus!
ja
> und nein, es geht nicht alle macht vom Volk aus. Das dir das noch nicht
> aufgefallen ist...
Da sagt das Grundgesetz was anderes. Schade, dass man sich nicht daran halten muss.
> Ich gebe dir allerdings recht, keine Demokratie sollte unabhängige Medien
> nötig haben. Leider leben wir hier in der Realität, da sieht das ganze ein
> bisschen anders aus. Und wenn du schon die intendanten (das sind ganz schön
> viele) wählen willst, was denn noch alles? Jede Komission im Bundestag/rat,
> Landtag, auf kommunaler ebene? Viel spass beim Wählen, Zeit zum arbeiten
> bleibt da nicht mehr.
Ja alles vom Volk wählen zu lassen ist zu aufwendig und genauso manipulationsaffin. Wenn das derzeitige System ehrlich und transparent wär, fänd ich es eher in Ordnung.
> Wenn du dir anmaßt, Frau Roche's Roman (Ich habe ihn selbst nicht gelesen)
> als nicht Urheberrechtlich schützenswertes Werk zu bezeichnen, dann maße
> ich mir an, dir dein Recht hier zu leben abzusprechen, weil du keine Ahnung
> von der (politischen) Realität zu haben scheinst.
Bis zu diesem Artikel kannte ich die Alte gar nicht. Von dem Buch hab ich mal gehört, aber es ist mir ziemlich egal. -
Re: 100 Prominente Künstler?
Autor: moa 13.05.12 - 15:53
ikosaeder schrieb:
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> Die einzige, ökonomisch sinnvolle Lösung ist hier, das der Preis von Bücher
> sinken muss, die Anzahl neu veröffentlichter Bücher muss zurückgehen und
> die Qualität der Bücher muss steigen. Dann können die Künstler, die einen
> entsprechenden Gegenwert liefern und viel gelesen werden auch gut von ihrer
> Kunst leben. Die große Mehrheit der "Künstler" allerdings nicht, aber das
> ist ja im Grunde nur positiv. Ich werde wohl nie als Handwerker durchgehen,
> meinen Job mache ich dafür gut.
Im Grunde kann ich deine Ausführungen nachvollziehen, allerdings halte ich sie teils für sehr gefährlich. Das Problem bei dem Markt, den du dir wünscht ist, wer entscheidet, was Qualitativ hochwertig und wert zu lesen ist? Die logischste Möglichkeit wären hier die Verkaufszahlen. Aber möchten wir uns wirklich von Millionen Bild-Lesern vorschreiben lassen, was wir zu lesen haben?
Das kann man gut auf die Musik übertragen. Ich möchte nichtmal für Geld das anhören, was den meisten Umsatz bringt. Ich bin mehr als froh darüber, dass es kleine Musiker gibt, deren Erzeugnisse nur von einem sehr kleinen Teil des Marktes konsumiert werden. Diese sind dadurch aber nicht unbedingt schlechter. Qualitativ schonmal gar nicht, wenn man sich die heutigen Charts mal ansieht.



