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Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

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  1. Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: 946ben 28.12.18 - 10:05

    Die Telekom hat mit Vectoring nicht aktiv gegen Glasfaser gekämpft. Vectoring war in der Strategie der Telekom immer nur eine Zwischenlösung, mit der man staatlich gefördert die Ziele an flächendeckende akzeptable Bandbreiten vergleichsweise schnell umsetzen konnte. Da diese Förderungen nun weggefallen sind, ist es für die Telekom nicht mehr wirtschaftlich, weiter auf die Zwischenlösung zu setzen, sondern direkt das finale Produkt, also FTTH umzusetzen. Dafür wird die Telekom aber ganz dann ab dem nächsten Jahr auch ganz deutlich die Zeit einfordern. Denn dieser Ausbau wird deutlich länger dauern, als es ein flächendeckender Vectoring Ausbau hätte. Der Telekom kann das reichlich egal sein. Aber die Bundesregierung kann sich ihre zeitlichen Ziele damit abschminken. Und der einfache Bürger auf dem Land, der heute mit seinen 2 Mbit/s auskommen muss, kann sich darauf einstellen dass sich das in den nächsten 5 Jahren ganz sicher nicht ändern wird.

  2. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: mapet 28.12.18 - 10:20

    Natürlich bekämpft sie aktiv Glasfaser, warum sonst wird sie erst aktiv und baut aus, sobald andere Anbieter ein Gebiet erschließen möchten und schickt selbst ihre Drückerkolonne los, die an der Haustür den Eigentümern den Anschluss wieder ausreden wollen?

  3. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: 946ben 28.12.18 - 10:43

    mapet schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Natürlich bekämpft sie aktiv Glasfaser, warum sonst wird sie erst aktiv und
    > baut aus, sobald andere Anbieter ein Gebiet erschließen möchten und schickt
    > selbst ihre Drückerkolonne los, die an der Haustür den Eigentümern den
    > Anschluss wieder ausreden wollen?

    Es geht hier um den Kampf gegen eine Technologie im eigenen Haus. Dass die Telekom, wie jedes andere Unternehmen auch, die Konkurrenz bekämpft, ist natürlich klar.

  4. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 10:46

    946ben schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da diese Förderungen
    > nun weggefallen sind, ist es für die Telekom nicht mehr wirtschaftlich,
    > weiter auf die Zwischenlösung zu setzen, sondern direkt das finale Produkt,
    > also FTTH umzusetzen.

    Bei gefördertem Ausbau hat die Telekom schon immer das gebaut, was bestellt wurde. Schon seit Jahren können die Gemeinden und Landkreise in den Förderprogrammen über die Anforderungen in den Ausschreibungen steuern, ob nur FTTB/H gebaut wird, oder auch FTTC. Der Anteil von FTTH wurde immer größer. Und da der Bund bei zukünftigen Förderprojekten nur noch FTTB/H fördert, dürfte er noch etwas weiter steigen.

    Aber beim Großteil des Ausbaus der Telekom geht es nicht um geförderten Ausbau. Der Großteil erfolgte eigenwirtschaftlich. Da ging es in den letzten sechs Jahren um einen möglichst schnellen Ausbau auf FTTC. Letztlich war für die Telekom die Frage: lieber erstmal schneller mehr Gebiete mit FTTC erschließen, oder weniger Gebiete gleich mit FTTH ausbauen (und dadurch den Rest von vorne herein der Konkurrenz überlassen)? Die Telekom hat sich für ersteres entschieden. Damit will sie 2019 fertig werden.

    Und danach geht es eben mit FTTB/H weiter. Was eigentlich auch nicht überraschend ist.

  5. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: qsq08561 28.12.18 - 10:47

    mapet schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Natürlich bekämpft sie aktiv Glasfaser, warum sonst wird sie erst aktiv und
    > baut aus, sobald andere Anbieter ein Gebiet erschließen möchten und schickt
    > selbst ihre Drückerkolonne los, die an der Haustür den Eigentümern den
    > Anschluss wieder ausreden wollen?

    Klar ändert die Telekom ihre Pläne und baut in Gebieten wo ein Wegfall von Kunden droht ihr Netz bevorzugt aus.
    Natürlich werden andere (Glasfaser-)Unternehmen dadurch behindert, aber das ist nicht das Ziel sondern eine nicht vermeidbare Folge.
    So funktioniert nun mal Marktwirtschaft...
    Die Telekom ist halt ein Aktienunternehmen und in erster Linie Gewinnorientiert und den Aktionären verpflichtet.

  6. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: SirJoan83 28.12.18 - 10:57

    946ben schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und der einfache Bürger auf
    > dem Land, der heute mit seinen 2 Mbit/s auskommen muss, kann sich darauf
    > einstellen dass sich das in den nächsten 5 Jahren ganz sicher nicht ändern
    > wird.

    Bei mir ist es leider noch viel schlimmer. Nach vielen Jahren maximal 2 Mbit kommt die Telekom mit ihrem "Netz der Zukunft" (sic!) und stellt mich zwangsweise auf IP um. Daraus werden dann max. 0,3 Mbit und das muss dann auch noch mit dem Telefon geteilt werden. Effektiv nimmt mich der Breitband Ausbau quasi offline...

  7. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: GangnamStyle 28.12.18 - 11:19

    Das sehe ich nicht so. Dt. Telekom hat lange nichts gemacht. Also auch nicht einmal VDSL oder Vectoring angeboten. Als bei uns der erste FTTH-Anbieter die Glasfaserleitungen verlegte, sprang Dt. Telekom auf und bot Vectoring an. Das war nicht nur bei uns so, sondern auch in vielen anderen Gemeinden in Deutschland (selber googeln).
    Dt. Telekom ist natürlich ein selbstständiges Unternehmen, das noch größtenteils vom Staat kontrolliert wird (siehe Aktienbesitz). Dt. Telekom muss wenig Geld ausgeben und möglichst hohe Gewinne erwirtschaften. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Da in Deutschland aber wenige Wettbewerber gibt, rührt sich Dt. Telekom auch nicht an, wenn nicht unbedingt sein muss (siehe das Beispiel oben). Deswegen kommen wir einfach nicht voran in Deutschland.
    Anstatt ehemalige Staatsbetriebe Windowsdressing betreiben zu lassen, damit ihre Aktienkurse gutaussehen, sollten diese Betriebe in die Zukunft investieren.

  8. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 11:59

    GangnamStyle schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das sehe ich nicht so. Dt. Telekom hat lange nichts gemacht. Also auch
    > nicht einmal VDSL oder Vectoring angeboten. Als bei uns der erste
    > FTTH-Anbieter die Glasfaserleitungen verlegte, sprang Dt. Telekom auf und
    > bot Vectoring an. Das war nicht nur bei uns so, sondern auch in vielen
    > anderen Gemeinden in Deutschland (selber googeln).

    Die Telekom hat Ende 2012 verkündet, groß in den FTTC-Ausbau für Vectoring zu investieren. 2013 haben dann etwa 1 Mio Haushalte neu die Möglichkeit bekommen, VDSL zu buchen. Seit 2014 sind dann zwischen 3,3 Mio und und 4,3 Mio Haushalte pro Jahr hinzugekommen. Dass es 2013 noch weniger waren, liegt daran, dass man so ein Ausbauprogramm nicht spontan hochfahren kann. Das braucht Zeit.

    Der Punkt ist also: die Telekom hat in den letzten Jahren kontinuierlich ein sehr umfangreiches Ausbauprogramm durchgezogen. Dass es jetzt am Ende 7 Jahre gedauert haben wird liegt daran, dass es eben nicht schneller ging. Das führt auch zwangsläufig dazu, dass einige (überwiegend kleinere) Städte und Gemeinden erst 2019 ausgebaut werden.

    Natürlich führt ein so umfangreiches Ausbauprogramm auch zu Kollisionen mit anderen Anbietern. Und das hat in den letzten Jahren zugenommen: jetzt werden eben die Gebiete ausgebaut, die die Telekom länger aufgeschoben hat, und in denen es auch gerade deshalb immer häufiger Alternativpläne gibt. Und es gibt eben auch immer weniger unterversorgte Gebiete.

    Solche Pläne anderer Anbieter haben sicher auch die Ausbauvorhaben der Telekom beeinflusst: so wurden in den letzten Jahren sicher Orte vorgezogen, die ohne Konkurrenz erst später dran gekommen wären. Aber die generelle Tatsache, dass in den letzten Jahren jährlich in Gebieten mit mehreren Millionen Haushalten FTTC neu ausgebaut wurde, ist eben eine strategische Entscheidung aus dem Jahr 2012.

    Untätigkeit kann man der Telekom eher aus der Zeit davor vorwerfen. Sie hätte dieses umfangreiche Ausbauprojekt ein paar Jahre früher starten können, dann wäre sie jetzt schon entsprechend weiter. Allerdings hätte es vor 2013 die vectoringfähige Hardware vermutlich noch nicht gegeben...

  9. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: CrasherAtWeb 28.12.18 - 12:04

    qsq08561 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > So funktioniert nun mal Marktwirtschaft...
    > Die Telekom ist halt ein Aktienunternehmen und in erster Linie
    > Gewinnorientiert und den Aktionären verpflichtet.
    Marktwirtschaft setzt einen fairen Wettbewerb voraus. Der ist aber häufig nicht gegeben. Aktuell wird bei uns im Landkreis Glasfaser ausgebaut, nur nicht in der Kreisstadt, weil da eine hinreichende Breitbandverbindung gegeben ist, welche professionellen Bedürfnissen aber natürlich nicht gerecht wird. Die Stadt hätte hier gerne eine Ausschreibung gemacht, genauso wie für den Landkreis auch, aber da gibt es irgendwelche bindenden Regelungen, die das unterbinden. So lange also die Telekom nicht will und Vodafone nicht ihr TV-Netz durch ein echtes Glasfaser-Netz ersetzt, passiert hier nichts. Das hat also nichts mit Marktwirtschaft zu tun.
    Und was die Aktien betrifft, so sind die immer noch zu einem Drittel im Besitz des Staats. Also ist die Telekom auch entsprechend dem Allgemeinwohl verpflichtet. Ein Großteil der Investitionen gingen in den vergangenen Jahren aber nicht in das Deutsche Netz, sondern in die Geschäftstätigkeiten in den USA. Erkläre mal wie das zusammen passen soll.

  10. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: CrasherAtWeb 28.12.18 - 12:08

    spezi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Punkt ist also: die Telekom hat in den letzten Jahren kontinuierlich
    > ein sehr umfangreiches Ausbauprogramm durchgezogen. Dass es jetzt am Ende 7
    > Jahre gedauert haben wird liegt daran, dass es eben nicht schneller ging.

    In anderen Ländern ging das ganz offensichtlich wesentlich schneller. Sonst hätten die es wohl kaum geschafft uns dermaßen abzuhängen, während sie bis vor ein paar Jahren noch weit hinter uns lagen. Warum genau sollte es nicht möglich gewesen sein, dass hier genauso durchzuziehen?

  11. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 12:24

    CrasherAtWeb schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Marktwirtschaft setzt einen fairen Wettbewerb voraus. Der ist aber häufig
    > nicht gegeben. Aktuell wird bei uns im Landkreis Glasfaser ausgebaut, nur
    > nicht in der Kreisstadt, weil da eine hinreichende Breitbandverbindung
    > gegeben ist, welche professionellen Bedürfnissen aber natürlich nicht
    > gerecht wird. Die Stadt hätte hier gerne eine Ausschreibung gemacht,
    > genauso wie für den Landkreis auch, aber da gibt es irgendwelche bindenden
    > Regelungen, die das unterbinden. So lange also die Telekom nicht will und
    > Vodafone nicht ihr TV-Netz durch ein echtes Glasfaser-Netz ersetzt,
    > passiert hier nichts. Das hat also nichts mit Marktwirtschaft zu tun.

    Der Landkreis wird bei Euch mit Hilfe von Fördergeldern ausgebaut. *Das* hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun, sondern ist eben ein (sinnvoller) staatlicher Eingriff. Deswegen gibt es auch Regeln, unter welchen Bedingungen der Staat eingreifen kann. Grundsätzlich erlaubt ist die Förderung eben nur in sogenannten weißen Flecken, in denen es weniger als 30 Mbit/s im Download gibt (EU-Festlegung).

    > Und was die Aktien betrifft, so sind die immer noch zu einem Drittel im
    > Besitz des Staats. Also ist die Telekom auch entsprechend dem Allgemeinwohl
    > verpflichtet. Ein Großteil der Investitionen gingen in den vergangenen
    > Jahren aber nicht in das Deutsche Netz, sondern in die Geschäftstätigkeiten
    > in den USA. Erkläre mal wie das zusammen passen soll.

    Wieviele Investitionen gingen denn in denen letzten Jahren aus Deutschland in die USA?

    Was Du bedenken solltest: T-Mobile US ist wesentlich größer als die Telekom in Deutschland:
    Umsatz USA in den ersten neun Monaten 2018: 26,5 Mrd Euro (mit Mobilfunk)
    Umsatz in Deutschland gleicher Zeitraum: 16,1 Mrd Euro (mit Mobilfunk + Festnetz)

    T-Mobile US hat mehr Mobilfunkkunden - und diese zahlen pro Monat auch noch im Schnitt etwa drei mal soviel wie der durchschnittliche Mobilfunknutzer in Deutschland.

    Wenn T-Mobile US also mehr investiert als die Telekom in D, dann heißt das also nicht, dass die Telekom das aus D quersubventioniert. Das wäre im übrigen auch schwierig. Denn T-Mobile US ist eine Aktiengesellschaft, an der die Telekom etwas über 60% der Aktien hält. Der Rest ist im Streubesitz.

  12. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: senf.dazu 28.12.18 - 12:35

    >Letztlich war für die Telekom die Frage: lieber erstmal schneller mehr Gebiete mit FTTC erschließen, oder weniger Gebiete gleich mit FTTH ausbauen (und dadurch den Rest von vorne herein der Konkurrenz überlassen)?

    Bei uns hat nicht Telekom sondern HTP FTTC ausgebaut (so ca. vor 5J). Natürlich ist die Telekom da weiter mit ihrem CuDA Netz dabei.

    Nun baut die Deutsche Glasfaser FTTH. Die 40% waren letztlich in keiner der Gemeinden ein Problem.

    Der Netzbereich ist aber ohne Zweifel für die Telekom verloren. Wer zu spät Glasfaser baut verliert dabei auch Gebiete - denn alle Kunden die bereit sind für den Internet Anschluß "etwas" zu bezahlen wandern zur Glasfaser. Und es gibt offenbar Firmen (HTP) die mit ihrer FTTC Strategie ("für Glasfaser gibt's noch keine Nachfrage") gehörig auf die Flappe fallen. Das gilt in ähnlicher Form auch für die Telekom - nur das es da vermehrt Supervektoring heißt womit die auf die Flappe fallen.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 28.12.18 12:38 durch senf.dazu.

  13. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: platoxG 28.12.18 - 13:03

    Aus meiner Sicht war VDSL für die Telekom immer ein simpler Investitionsschutz und Garant für weitere Förderung, d. h. schlussendlich mehr Gewinn.
    Zum einen war schon sehr früh absehnbar, dass VDSL nur einen kleinen und beschränkten Zwischenschritt darstellen wird und die von DSL bekannten Probleme mit vollen TALs (NEXT & FEXT) wird man ebenso auch mit VDSL haben, wenn sich zunehmend mehr Teilnehmer für VDSL entscheiden und die TAL wieder voll wird. Die verbesserte Technik verschiebt das Problem lediglich etwas, mehr aber auch nicht. Als Early Adopter wird man eine Zeit lang 50 oder 100 MBit "genießen" können und dann beginnen die Probleme erneut, vor allem in Städten. Im Best Case werden Port und Modem die Bandbreite auf ein stabiles Maß runterregulieren, im Worst Case wird man sich wieder mit mehr Latenz (aufgrund Packet Loss) und Verbindungsabbrüchen arrangieren müssen. Zudem werden etliche Interessenten vorerst auch an der Längenbeschränkung ihrer TAL "scheitern".
    Das Schöne an der Weiternutzung für die Telekom ist natürlich, dass die Investitionen überschaubar bleiben und man die eigene TAL "billig" weiternutzen kann. Ein weiterer Vorteil war (ist immer noch?), dass man Fremdanbieter von auf VDSL umgerüsteten Netzknoten ausschließen konnte, d. h. man war nicht mehr verplichtet ein (V)DSL-Resale-Produkt anzubieten. Hinzu kommt das unschöne Gebaren, GF-Ausbauprojekte anderer Anbieter oder von Eigeninitiativen zu "sabotieren", indem man kurzerhand in ausgewählten Gebieten selbst ein Projekt gestartet (aber nicht mit dem nötigen Elan zu Ende gebracht hat) hat, sodass die teilweise anscheinend wenig durchdachten staatlichen Förderregeln die durch die Telekom (nur angezeigten) Investitionen schützen und parallele Projekte damit unterbunden bzw. "abgewürgt" werden.
    Im Best Case für die Telekom werden die immer wieder zitierten, nicht erreichten Ausbauziele und das "digital komplett abgehängte Deutschland" zu einer weiteren Förderung führen, bei der man dem Staat (also den Bürgern) erneut in die Tasche greifen kann und sich dann den GF-Ausbau erneut bezahlen lässt. (1)

    Schlussendlich muss man sich aber auch Fragen, wofür man solche Bandbreiten _zwingend_ braucht. (2) Zweifelsfrei ist dem Gemeinwohl wohl nicht damit gedient, jedem Bürger mindestens 100 MBit zusichern zu wollen und den Staats­sä­ckel dafür zu leeren. Jedenfalls fällt es mir schwer der Argumentation zu folgen, jemanden, dem nur 16 MBit zur Verfügung stehen, als "digital abgehängt" zu bezeichnen, vor allem wenn man bedenkt, dass im privaten Bereich wohl 90 % oder gar 95 % der Bandbreite für Amazon, Netflix und Pornografie "verbraten" werden und eben nicht für Bildung und zwischenmenschlichen/gesellschaftlichen Diskurs. (3)

    Schlussendlich denke ich, stehen wird in Deutschland gar nicht so schlecht da, auch wenn so mancher auf dem Lande vielleicht noch "in die Röhre schaut". Hier liegt es weiterhin an der Politik bessere und zielgenauere Anreize (und Förderungen) zu setzen und dafür zu sorgen, dass Steuergelder nicht sinnlos verheizt und den Anteilseignern von Großkonzernen als Rendite in den Rachen geworfen werden.

    ----

    (1) Das wird dann so ein ähnliches Fiasko wie mit dem Energieversorgungsnetz, bei dem die großen Anbieter jahrzehntelang jedwede Moderniesierung vermieden und sich stattdessen an den Gewinnen gütlich getan haben. Und nachdem man dann mal konstatierte, dass das Netz auf dem Stand der 70er-Jahre ist, kamen Größen wie RWE doch glatt auf die Idee das "Problem" komplett abstoßen zu wollen und wollten Großteile des Netztes verkaufen, quasi outsourcen. (Wie der Stand hier aktuell ist, ist mir nicht bekannt. Ein großflächiger Verkauf gelang anscheind nicht, da man dafür erst mal einen Dummen finden muss(te), ... von (werbewirksamen) Mrd.-Investitionen zur Netzmodernisierung ist mir aber auch nichts bekannt. Wahrscheinlich wird man hier auch wieder versuchen dem Staat hintenrum in die Tasche zu greifen.)

    (2) Den gewerblichen/universitären Bereich mal ausgenommen, zumal hier die Anbieter per se eher geneigt sein werden, ein Gewerbegebiet direkt mit GF zu versorgen.

    (3) Zudem kann und sollte es wohl nicht Aufgabe des Staates sein, dem gemeinhin eh schon Entertainment-vernebelten und -überladenen Bürger die Basis für 8K-Streaming-Video zu bereiten (auch wenn die Industrie sich darüber sehr freuen würde).

  14. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 13:17

    senf.dazu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Bei uns hat nicht Telekom sondern HTP FTTC ausgebaut (so ca. vor 5J).
    > Natürlich ist die Telekom da weiter mit ihrem CuDA Netz dabei.

    Klar. Da die Telekom nicht überall gleichzeitig ausbauen konnte, gab es natürlich auch die Gelegenheit für Wettbewerber, in manchen Regionen schneller zu sein als die Telekom. Dafür wurde ja extra die Vectoringliste eingeführt: wer sich dort die KVz sicherte, hatte für die nächsten zwölf Monate das Exklsuivrecht (und die Pflicht), diese mit FTTC und Vectoring zu erschliessen. Das ganze nannte sich "Windhundprinzip". Ein möglichst schneller FTTC-Ausbau (und gegenseitige Konkurrenz zwischen Telekom und Wettbewerbern) war gewünscht.

    So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass die Telekom nicht überall die schnellsten waren.


    > Der Netzbereich ist aber ohne Zweifel für die Telekom verloren. Wer zu spät
    > Glasfaser baut verliert dabei auch Gebiete - denn alle Kunden die bereit
    > sind für den Internet Anschluß "etwas" zu bezahlen wandern zur Glasfaser.
    > Und es gibt offenbar Firmen (HTP) die mit ihrer FTTC Strategie ("für
    > Glasfaser gibt's noch keine Nachfrage") gehörig auf die Flappe fallen. Das
    > gilt in ähnlicher Form auch für die Telekom - nur das es da vermehrt
    > Supervektoring heißt womit die auf die Flappe fallen.

    Mal sehen. Derzeit sind noch knapp 90% der Haushalte nicht mit FTTB/H erschlossen. Dass die Telekom demnächst auf FTTB/H umschwenkt hat sich mittlerweile ja sogar bis zu Golem-Autoren rumgesprochen. Laut VATM war die Telekom dieses Jahr schon für ein Drittel der neu hinzugekommenen FTTB/H-Verfügbarkeit verantwortlich. Und dabei beginnt das Hochfahren des FTTB/H-Ausbaus in den nächsten 24 Monaten erst so richtig.

    Durch das gut ausgebaute Glasfaserbackbone-Netz, die in den letzten Jahren aufgebauten Glasfaserplanungskapazitäten, sowie die reichlich vorhandenen Geschäftsbeziehungen zu Baufirmen ist die Telekom da in einer recht guten Position.

    Natürlich hat die Telekom auch Glück, dass in den letzten Jahren kein großer Anbieter massiv in den FTTB/H-Ausbau in D investiert hat. In Spanien hat Vodafone in den letzten Jahren z.B. mehrere Millionen Haushalte per FTTH erschlossen. Hierzulande haben sie die Milliarden lieber in den Kauf und die Aufrüstung von Koaxial-Netzen investiert. Hätte Vodafone stattdessen in den FTTH-Ausbau in vielen Städten investiert, dann wäre das sicher ungünstig für die zweistufige Ausbaustrategie der Telekom gewesen.

  15. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: CrasherAtWeb 28.12.18 - 13:18

    spezi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Landkreis wird bei Euch mit Hilfe von Fördergeldern ausgebaut. *Das*
    > hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun, sondern ist eben ein (sinnvoller)
    > staatlicher Eingriff. Deswegen gibt es auch Regeln, unter welchen
    > Bedingungen der Staat eingreifen kann. Grundsätzlich erlaubt ist die
    > Förderung eben nur in sogenannten weißen Flecken, in denen es weniger als
    > 30 Mbit/s im Download gibt (EU-Festlegung).

    1. Der Ausbau wurde frei ausgeschrieben und wird gefördert, weil ein entsprechender Bedarf zur Belebung des Umlands besteht. Das folgt also durchaus Marktwirtschaftlichen Gedanken.
    2. Die Rahmenrichtlinien die den Ausbau in der Stadt verhindern sind Unsinn. Es geht eben nicht nur um Bandbreite, sondern auch um Verbindungsstabilität und geringe Latenz. Und da sind die aktuellen Lösungen einem echten Glasfaser-Netz weit unterlegen, insbesondere was den Upload betrifft.

    > Wieviele Investitionen gingen denn in denen letzten Jahren aus Deutschland
    > in die USA?
    >
    > Was Du bedenken solltest: T-Mobile US ist wesentlich größer als die Telekom
    > in Deutschland:
    > Umsatz USA in den ersten neun Monaten 2018: 26,5 Mrd Euro (mit Mobilfunk)
    > Umsatz in Deutschland gleicher Zeitraum: 16,1 Mrd Euro (mit Mobilfunk +
    > Festnetz)

    Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Gerade hat die Telekom massiv in die Fusion mit Sprint investiert.

    > T-Mobile US hat mehr Mobilfunkkunden - und diese zahlen pro Monat auch noch
    > im Schnitt etwa drei mal soviel wie der durchschnittliche Mobilfunknutzer
    > in Deutschland.
    >
    > Wenn T-Mobile US also mehr investiert als die Telekom in D, dann heißt das
    > also nicht, dass die Telekom das aus D quersubventioniert. Das wäre im
    > übrigen auch schwierig. Denn T-Mobile US ist eine Aktiengesellschaft, an
    > der die Telekom etwas über 60% der Aktien hält. Der Rest ist im
    > Streubesitz.

    Und T-Mobile US hat sich komplett kostenlos aus dem Nichts gegründet oder wie? Natürlich hat das Deutschland-Geschäft das Geschäft in den USA grundsätzlich querfinanziert und das zu Zeiten, wo die Telekom sich massivst auf dem Kupfernetz hier ausgeruht und den Ausbau verpennt hat, während anderswo schon kräftig erneuert und ausgebaut wurde. Und wenn die Telekom 60% von T-Mobile US besitzt, heißt das ja im Umkehrschluss, dass dem Staat Deutschland knapp 20% von T-Mobile US gehören müsste, da dieser ja knapp ein Drittel an der Telekom hält. Es ist aber nichts davon zu hören, dass hier irgendwas nennenswertes davon ankommen würde.

  16. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 13:25

    platoxG schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Ein weiterer Vorteil war (ist immer noch?), dass man
    > Fremdanbieter von auf VDSL umgerüsteten Netzknoten ausschließen konnte, d.
    > h. man war nicht mehr verplichtet ein (V)DSL-Resale-Produkt anzubieten.

    Das Gegenteil ist der Fall. Der Einsatz von Vectoring ist nur erlaubt, *wenn* man ein Resale-Produkt anbietet. Das betrifft nicht nur die Telekom (die muss das sowieso grundsätzlich machen, da sie reguliert wird) sondern auch Wettbewerber. So bietet die Telekom auch Vectoring-Anschlüsse in Gebieten an, die z.B. von Netcologne oder EWE ausgebaut wurden.

  17. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: spezi 28.12.18 - 14:08

    CrasherAtWeb schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Umsatz ist nicht gleich Gewinn.

    Richtig. Trotzdem ist T-Mobile US ein deutlich größeres Unternehmen als die Telekom Deutschland GmbH. Und die Geschäfte laufen in den letzten Jahren in den USA hervorragend. T-Mobile US ist mittlerweile ein recht profitables Unternehmen.

    Umsatz ist erstmal die Grundlage für die Finanzierung von Investitionen aus eigener Tasche, denn das ist das Geld was reinkommt. Aber wenn Du über Gewinne reden willst: der Bilanzgewinn ("net income") von T-Mobile US lag im letzten Quartal bei 795 Millionen US$.

    Richtig ist natürlich, dass die Telekom früher auch viel in T-Mobile US investiert hat (ich bezog Deine Aussage eher auf die letzten Jahre). Die Telekom wollte T-Mobile US ja auch mal verkaufen, um das investierte Geld zurück zu bekommen und es lieber in Europa zu investieren. Aber mittlerweile dürfte sie ziemlich froh sein, dass das damals nicht geklappt hat.



    >Gerade hat die Telekom massiv in die Fusion
    > mit Sprint investiert.

    Nein. Zum einen deswegen nicht, weil die Fusion noch nicht mal genehmigt ist. Zum anderen wird die Fusion (falls sie stattfindet) nur über Aktientausch abgewickelt. D.h. die Aktionäre von Sprint und die Aktionäre von T-Mobile US fusionieren ihre beiden Unternehmen und werden Anteilseigner des neuen Unternehmens. Geld fliesst da nicht.

  18. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: KönigSchmadke 28.12.18 - 14:33

    Bei uns bietet die Telekom übrigens immer noch DSL Light an. Vodafone/O2 bieten VDSL 50 an, und die Deutsche Glasfaser hat ihre FTTH Anschlüsse aggressiv an den Mann gebracht. Der ländlichen Bevölkerung hat die Telekom jahrzehntelang den Stinkefinger gezeigt, und ich werde nie wieder zurück gehen.

  19. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: Shismar 28.12.18 - 21:29

    Wie bitte? Natürlich hat die Telekom Glasfaser aktiv bekämpft. Bzw. sich geweigert entsprechende Infrastruktur einzurichten. Das kann sich ein kleiner Krauter leisten, aber nicht unser ehemaliger Monopolist.

    Leider hat die Politik in diesem Fall vollkommen versagt. Die Telekom ist reguliert, die kann sich nur erlauben, was die Bundesregierung ihr durchgehen lässt.

  20. Re: Dass ihr das immer noch nicht verstanden habt...

    Autor: Blindie 29.12.18 - 00:32

    Aha, so geht man also hier mit anderen Meinungen um? Diskussion nicht erwünscht bitte wegsperren oder wie?

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