1. Foren
  2. Kommentare
  3. Internet
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Künast-Urteil: Warum "Pädophilen…

Verbale Gewalt ist auch Gewalt

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: Phonehoppy 26.03.20 - 13:02

    Ich denke, wir müssen ein wenig davon wegkommen, dass sanktionierbare Gewaltanwendung ein rein physisches Phänomen ist.

    Nicht nur der direkte verbale Angriff auf Personen stellt eine Form von Gewalt dar, sondern auch das bewusste Verbreiten von Falschinformationen, zum Zweck dadurch eine bestimmte gesellschaftliche Wirkung zu erzielen.
    Wir müssen allerdings aufpassen, dass wir nicht versuchen, zu früh greifende Maßnahmen einzuführen, z.B. Stichwortfilter, Themenverbote oder ähnliches, sondern das Ziel sollte sein, dass eine rechtliche Bewertung solcher Vorfälle in jedem Fall stattfindet, denn oft ist eine Meinungsäußerung nicht rein formal gegenüber verbaler Gewaltanwendung abzugrenzen.

    So, wie es auch Regeln gibt, dass man nicht einfach rausgehen und irgendjemandem ins Gesicht schlagen darf, gibt es auch Regeln, die verbieten, Menschen durch Worte zu schaden. Aber genauso wenig wie man dem ersteren Problem durch eine bloße Ausgangssperre beikommen kann, kann man dem zweiten Problem durch Sperren, Filter oder Themenverbote begegnen. So schlimm es klingen mag: In manchen Fallen kann man tatsächlich erst eingreifen, wenn ein Verstoß gegen die Regeln eingetreten ist, weil erst dann der Tatbestand erkennbar ist.

  2. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: redmord 26.03.20 - 13:58

    Wo siehst du Gesetzeslücken?

  3. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: Phonehoppy 26.03.20 - 15:20

    redmord schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wo siehst du Gesetzeslücken?

    Ich sehe weniger wirkliche Gesetzeslücken - eher in der Art und Weise, wie die Frage der Umsetzung diskutiert wird. So, wie es momentan oft in Social Media läuft, entsteht oft der Eindruck, dass alles erlaubt ist, was nicht sofort gelöscht oder geblockt ist. Und durch das schnelle Löschen und Blocken bleibt das dann strafrechtlich auch irrelevant. Viele kotzen sich da einfach aus, ohne mit irgendwelchen weiterreichenden Folgen rechnen zu müssen.
    Besser fände ich es aber, wenn die Leute, die verbale Gewalt ausüben, auch wirklich zur Rechenschaft gezogen würden, unabhängig davon, ob die Äußerungen noch öffentlich sichtbar sind, oder nicht.

  4. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: Art_I 26.03.20 - 17:35

    Phonehoppy schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > redmord schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Wo siehst du Gesetzeslücken?
    >
    > Ich sehe weniger wirkliche Gesetzeslücken - eher in der Art und Weise, wie
    > die Frage der Umsetzung diskutiert wird. So, wie es momentan oft in Social
    > Media läuft, entsteht oft der Eindruck, dass alles erlaubt ist, was nicht
    > sofort gelöscht oder geblockt ist. Und durch das schnelle Löschen und
    > Blocken bleibt das dann strafrechtlich auch irrelevant. Viele kotzen sich
    > da einfach aus, ohne mit irgendwelchen weiterreichenden Folgen rechnen zu
    > müssen.
    > Besser fände ich es aber, wenn die Leute, die verbale Gewalt ausüben, auch
    > wirklich zur Rechenschaft gezogen würden, unabhängig davon, ob die
    > Äußerungen noch öffentlich sichtbar sind, oder nicht.

    Definiere bitte verbale Gewalt.
    Und möchtest du das einfache auskotzen vollkommen verbieten und unterdrücken?

  5. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: Copper 27.03.20 - 10:16

    Ein Problem: diejenigen, die sich auskotzen gehören mit zu den ersten, die sich beschweren, wenn die Kotzparade mal sie trifft. Oder Sie für Ihre Äußerungen kritisiert werden oder mit ähnlicher verbaler Härte angegangen werden.
    Austeilen wollen sie alle, aber einstecken? Mimimi...

  6. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: cuthbert34 27.03.20 - 10:55

    Art_I schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >
    > Definiere bitte verbale Gewalt.
    > Und möchtest du das einfache auskotzen vollkommen verbieten und
    > unterdrücken?

    Warum muss man sich denn "Auskotzen"?

    Wenn wir mal ganz ehrlich sind. Für uns ist es heute normal, dass jeder alles in den Äther "kotzt". Hätten wir das Internet nicht, könnte man es nicht. Würden sich die gleichen Personen dann auf eine Kiste im Park stellen und einfach mal vom Leder ziehen? Oder würden sie den gleichen Inhalt mit Klarnamen als Leserbrief in der Tageszeitung abdrucken wollen?

    Nein, die Hemmschwelle war damals hoch. Warum, weil sich "Auskotzen" nicht gehört. Hat im Öffentlichen Raum nichts zu suchen. Twitter, Foren, generell Internet wird zum Hetzen und Auskotzen, sowie zum Diskutieren oder kreativen, wissenschaftlichen Diskurs benutzt. Aber muss man das denn hinnehmen? Muss man Hetze, Beleidigungen, derbe Sprache akzeptieren? Warum ist es im Internet legitim und auf der Straße würde kaum einer so reden? Warum machen wir da einen Unterschied? Leben manche im Netz eine Seite von sich aus, für die sie sich im normalen Leben schämen würden oder wüssten, dass sie schief angeschaut werden?

    Das verstehe ich nicht... warum eine derbe Sprache im Netz normal sein soll und im öffentlichen Leben nicht. Also ich hoffe, dass es im Zwiegespräch nie normal werden wird. Weil teilweise, gerade gegenüber Personen des öffentlichen Interesses (Politiker, Schauspieler etc.) wird schon arg viel Mist geschrieben. Was man eigentlich nicht für Normal halten sollte.

  7. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: Anonymer Nutzer 27.03.20 - 13:02

    cuthbert34 schrieb:
    ------------------------------------------------------------------------------->Würden sich die gleichen Personen dann auf eine Kiste im Park
    > stellen und einfach mal vom Leder ziehen? Oder würden sie den gleichen
    > Inhalt mit Klarnamen als Leserbrief in der Tageszeitung abdrucken wollen?
    >
    > Nein, die Hemmschwelle war damals hoch. Warum, weil sich "Auskotzen" nicht
    > gehört. Hat im Öffentlichen Raum nichts zu suchen.

    Ich denke du ziehst die falschen Schlüsse.

    Man hat seine Meinung oder Ansichten nicht öffentlich vertreten, weil man bei Meinungen oder Ansichten, die gegen den Strom schwimmen, mit persönlichen Repressalien rechnen muss, welche die persönliche Existenz bedrohen können, sei es jetzt die berufliche oder gar das eigene Leben.

    Das ist auch der Grund, warum wahlen geheim sind und die Privatsphäre in einer Demokratie eine wichtige Grundvoraussetzung ist.

    Solange das "auskotzen" nicht strafrechtlich relevant ist, spricht da absolut nichts gegen. Es ist eine Möglichkeit zu kritisieren, ohne das man berufliche Konsequenzen zu befürchten hat oder zur Zielscheibe irgendwelcher extremer Gruppen, wie beispielsweise der Antifa, wird.

    Diese ganze Thema, auch wie die Klarnamenpflicht im Internet, wird eigentlich nur diskutiert, weil man damit eine Mehrheit, die sich legal kritisch äußert oder unangenehme Fragen stellt, zum schweigen bringen möchte. Die paar Straffälle sind nur vorgeschoben wie die Überwachung Aufgrund von Terrorismus. Denn wenn wir nicht mehr anonym sind ist es wie bei der Vollüberwachung ohne Privataphäre: Wir verhalten uns automatisch anders. Und genau das ist das Ziel.

    Wer das wirklich will, der hat ein Problem mit Demokratie und feier Meinungsäußerung.

  8. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: wurstdings 27.03.20 - 13:02

    Phonehoppy schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich denke, wir müssen ein wenig davon wegkommen, dass sanktionierbare
    > Gewaltanwendung ein rein physisches Phänomen ist.
    Solange die Sprache keine Gewaltandrohung enthält, ist die Sprache natürlich keine Gewalt. Nur weil ich zu dir Arschloch sage übe ich doch keine Macht auf dich aus. Du bist vielleicht beleidigt und überlegst mich zu verklagen oder zurück zu beleidigen. Aber mit "Schick mir sofort 1000¤ du Arschloch!" bringe ich dich doch bestenfalls zum lächeln.
    Wenn ich aber sage: "Ich weiß wo du wohnst und habe kontakte zur Mafia, schick mir 1000¤ wenn dir dein Leben und das deiner Familie lieb ist." ist das tatsächlich (sprachliche) Gewalt und auch strafbar.
    > Nicht nur der direkte verbale Angriff auf Personen stellt eine Form von
    > Gewalt dar
    Nein tut er nicht siehe oben.
    > sondern auch das bewusste Verbreiten von Falschinformationen,
    Das nennt sich Verleumdung, ist keine Gewalt und bereits strafbewährt.
    > Aber genauso wenig wie man dem
    > ersteren Problem durch eine bloße Ausgangssperre beikommen kann, kann man
    > dem zweiten Problem durch Sperren, Filter oder Themenverbote begegnen.
    Ah, noch ein Funke Realismus übrig geblieben.
    > So
    > schlimm es klingen mag: In manchen Fallen kann man tatsächlich erst
    > eingreifen, wenn ein Verstoß gegen die Regeln eingetreten ist
    Was klingt daran Schlimm, das ist der unterschied zwischen Rechtsstaat und Totalitarismus/Selbstjustiz, sofern man nicht auf Letzteres steht wüsste ich nicht warum man daran etwas schlimm finden kann?
    > weil erst
    > dann der Tatbestand erkennbar ist.
    Alles andere läuft auf Gedankenpolizei hinaus.

  9. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: wurstdings 27.03.20 - 14:24

    cuthbert34 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hätten wir das Internet nicht, könnte man es
    > nicht.
    Nicht im Internet aber überall anders weiterhin wie auch schon immer seit es die Sprache gibt.
    > Würden sich die gleichen Personen dann auf eine Kiste im Park
    > stellen und einfach mal vom Leder ziehen?
    Ne die setzen sich an den Stammtisch dazu.
    > Oder würden sie den gleichen
    > Inhalt mit Klarnamen als Leserbrief in der Tageszeitung abdrucken wollen?
    Würden die Zeitungen das drucken?
    > Nein, die Hemmschwelle war damals hoch.
    Nachweiß?
    > Warum, weil sich "Auskotzen" nicht
    > gehört.
    Und jetzt gehört es sich? Oder wie soll diese Argumentation funktionieren?
    > Warum
    > ist es im Internet legitim und auf der Straße würde kaum einer so reden?
    Tut keiner? Du bist eindeutig zu wenig in den Straßen unterwegs. Das geht beim Anhupen los, weiter mit Stinkefinger und ab und zu kurbeln die auch ihre Scheiben herunter und legen richtig los.
    > Leben manche im Netz eine Seite von
    > sich aus, für die sie sich im normalen Leben schämen würden oder wüssten,
    > dass sie schief angeschaut werden?
    Im Netz oder wo man sonst noch anonym ist (Puff), natürlich da ist ja auch nix schlimmes dran, ist eine der Erungenschafften unserer modernen Welt. Auch wenn schwul sein, z.B. von der Gesellschaft geächtet ist kann man so seine Neigungen befriedigen.
    > Das verstehe ich nicht... warum eine derbe Sprache im Netz normal sein soll
    > und im öffentlichen Leben nicht.
    Sie ist normal, vielleicht nicht in deinem eingeschränkten Personenkreis. Früher auf dem Schulhof hat man sich unter guten Freunden die schlimmsten Sachen an den Kopf geworfen, war halt "cool" und sofern man den Gegenüber einschätzen kann/kennt auch kein Problem.

  10. Re: Verbale Gewalt ist auch Gewalt

    Autor: gorsch 27.03.20 - 19:42

    > Ich denke, wir müssen ein wenig davon wegkommen, dass sanktionierbare Gewaltanwendung ein rein physisches Phänomen ist.

    Ich denke, wir sollten eine Verwässerung der Sprache unterbinden. Rein rechtlich gesehen ist Gewalt immer physisch. Dennoch sind Beleidigungen, Drohungen, Einschüchterungen und viele weitere "nicht physische" Dinge strafbar. Wo ist also das Problem?

    Meines Erachtens hilft diese Verwässerung nur dabei, Leute zu diffammieren. Dann kann ich lustig behaupten, Herr Sowieso sei ein Gewalttäter, nur weil er mal einen fiesen Kommentar auf Facebook hinterlassen hat. Diesen Kontext verschweige ich dann natürlich.

    Sowas lässt sich dann eine Weile lang politisch ausnutzen, aber auf Lange Sicht wirkt es nicht. Dann ist praktisch jeder ein Gewalttäter, so wie heute unter "Sexismus" alles vom Blondinenwitz bis hin zur völligen Entrechtung der Frau verstanden wird.

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. DB Netz AG, Frankfurt (Main)
  2. Stadt Achim, Achim
  3. über duerenhoff GmbH, Raum Karlsruhe
  4. Schwarz Dienstleistung KG, Neckarsulm

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 249€ (Vergleichspreis 277,99€)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de