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Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

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  1. Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Bohnensack 18.04.22 - 11:09

    Für eine wirklich realistische Zeit müsste ich die Aufgabe analysieren und auch auf eine genaue Anforderung bestehen. Und letzte ist immer das Problem, viele Anforderungen sind sehr Allgemein gehalten und wenn man dann anfängt das zu hinterfragen heißt es: Ja dafür haben wir ja dich. Mach mal.

    Sagen wir mal 75% (schreib jetzt einfach mal eine Zahl hin :-)) der geforderten Aufgabe bekomme ich in der versprochene Zeit hin wenn mir die Person verspricht das sie sofort auf Nachfrage reagiert.

    Dann gibt es immer Wünsche die von den Kollegen(innen) überhaupt nicht gesehen wurde. Wird positiv gesehen, nach der ersten Lösung zeigen sich Lösungen an die vorher keiner gedacht hat. Auch ich nicht, weil ich ja auch nicht die Arbeit der Kollegen in allen Teilen überschaue.

    Mittlerweile heißt es nur noch das ich anhand der ersten Anforderung eine Lösung erstellen soll und dann wird geschaut wie es weitergeht. Und ich weiß das ich nie eine ausgearbeitete Anforderung bekomme, es bewegt sich aber immerhin dahin überhaupt mal was schriftliches zu bekommen. :-)

    Ach ja: Mittelständische Firma in interner Anwendungsentwicklung.

  2. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Katsuragi 18.04.22 - 12:32

    Jaaaa, das kennen wir zur Genüge. Wir haben da so einen speziellen Kunden (Mittelständler), der treibt es zum Extrem.
    Haut eine Aufgabe zur Softwareentwicklung hin, Beschreibung 8 Zeilen (!). Wir sagen: ca. 2 Wochen. Nach 3 Wochen fragt er mürrisch, warum es nicht fertig ist. Ich lege ihm dazu die Protokolle der nachgefolgten Besprechungen (mit ihm selbst!) vor, in denen aus 8 Zeilen Beschreibung plötzlich 4 Seiten wurden. Er meinte das sei unsere Schuld, weil wir nicht genau genug nachgefragt hätten und wir sollten eh alles immer schriftlich machen.

    OK, fair enough. Beim nächsten Projektteil haben wir um ein Lastenheft gebeten. Das konnte der Kunde nicht liefern, weil er keine Ahnung davon hatte und auch "keine Zeit" sich einzuarbeiten. Er hat uns dann gebeten ihm eins zu schreiben. Haben wir getan; waren ca. 50 Seiten, mit Mockups von Dialogen, Ablaufdiagrammen etc. Einige Wochen später hatten wir immer noch keine Rückmeldung. Auf Nachfrage sagte die zuständige Abteilungsleiterin des Kunden wörtlich: "ja, wer soll das denn alles lesen?!". Sie hatten das Lastenheft, das sie unbedingt haben wollten, noch nicht einmal gelesen, und hatten es auch nicht vor.

    Letztendlich blieb alles beim Alten. Irgendwann sie gingen dann für die Softwareentwicklung zu einem großen Entwickler-Unternehmen, das "das alles besser macht". Projektzeit laut Kunde: 1 Jahr. Jetzt sind 3,5 Jahre rum und es sind noch nicht einmal die geplanten Kickoff-Besprechungen abgeschlossen. Über die Kosten brauchen wir nicht zu reden. Unsere Übergangslösung funktioniert übrigens, während sie mit der Neuen nicht fertig werden...

    seufz



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 18.04.22 12:32 durch Katsuragi.

  3. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Cerdo 18.04.22 - 12:54

    Die Kunden wissen halt nicht, was sie wollen. Das ist auch okay, denn es ist die Aufgabe eines guten Software-Ingenieurs, das herauszufinden.

    Im Prinzip ist das ja schon der erste Teil des "Programmierens": Anforderungen erfassen und in eine formale Sprache überführen.
    Wenn es irgendwann Compiler gibt, die aus natürlichen Sprachen Programme erstellen, wird es trotzdem noch "Programmierer" geben, die es verstehen, in natürlicher Sprache zu formulieren, was der Kunde oder Vorgesetzte haben will.

    Das tolle daran: Programmierer, Informatiker und Software-Ingenieure wird es deshalb immer geben. Solange wir nicht ins technologische Mittelalter zurückfallen, sind unsere Jobs also sicher ;-)

  4. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: us61170 18.04.22 - 13:25

    Das funktioniert nur mit 8 Zeilen wenn auf Kundenseite ein Product Owner ist, der auch Software kann und auf Lieferanten Seite ein Projektleiter, der Willens und Fähig ist das Business bzw die Domäne des Kunden zu verstehen.

    Beides sind Spezialisten, gut bezahlt, sorgen aber dafür das solche Projekte funktionieren.
    Und ja, ich habe so etwas schon erlebt. Inklusive tolle Abende in Eckkneipen wo völlig neue Lösungen und Dinge ausdiskutiert worden sind.

  5. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Allandor 18.04.22 - 13:51

    Ja, das kenne ich leider auch mit den Schätzungen.
    Da soll man ungenau definierte Aufgaben nach Möglichkeit genau in Tagen schätzen. Und das noch wo nebenbei ein paar Unbekannte mit drin sind und am besten gleich noch ein großer Hersteller dessen Support sagen wir mal .... "nur kurz" (3 Monate+) braucht um zu sagen, das es das Problem zwar gibt aber sie es nicht beheben wollen, auch wenn das Problem bis vor einem Update einen Monat zuvor noch nicht existierte .....

    Ganz im Ernst, ich finde es inzwischen Unmöglich überhaupt irgendeine Aufgabe noch zu schätzen. Es hängen meist zu viele Dienste, Tests, ... drin als das man da auf irgendeine Belastbare Schätzung kommen könnte.
    Anfangs geht es zwar noch, wenn ein Projekt neu ist, aber wenn das Projekt erst mal ein paar Jahre steht und erweitert werden soll, hier ist spätestens seitdem man in der Cloud auch noch für den Betrieb nebenbei zuständig ist Schluss und keine realistischen Schätzungen mehr möglich. Ja, man würde vielleicht tatsächlich die geschätzte Woche brauchen, wenn man nicht alle paar Minuten von irgendwas anderen abgelenkt werden würde (Kundentickets, Nachfragen, ...). "Agiles arbeiten" + andere Umstrukturierungen sorgen leider immer wieder dafür, das die Aufgaben einfach nur mehr werden und nicht das man mal etwas in ruhe zu ende Entwickeln kann ohne das man eine Aufgabe mit einem "schlechten Gewissen" abgeben muss, weil die Zeit für weiteren Feinschliff einfach fehlt.
    Da entwickelt man einen Prototyp als "Machbarkeitsstudie" und dann wird das als Vollwertiger Dienst genommen und man darf es noch nebenbei pflegen ....
    Aktuell werden gefühlt alle paar Woche die großen Software-Paradigmen auf den Kopf gestellt und irgendwann fällt einem das wieder alles auf die Füße.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 18.04.22 13:58 durch Allandor.

  6. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Bohnensack 18.04.22 - 15:11

    Auf so was wie 8 Zeilen bestehe ich mittlerweile bevor ich überhaupt anfange das Projekt in die toDo-Liste einzureihen. Wenn man in der Lage ist seine Anforderung wenigstens kurz zu beschreiben und was die Ziele sind ist schon geholfen.

    Lösungswege kann man ja nicht verlangen, die Ziele müssen formuliert werden.

    Und von denen aus eine Schätzung abgeben spare ich mir. Bzw. kann ich nicht.

    Bei ein wenig größeren Projekte schreibe ich dann selbst ein Pflichtenheft das sich dann ehe nur an mich richtet, liest niemand. Kann ich aus Erfahrung zu 100% sagen.

    Dann programmiere ich und die Lösung unterscheidet sich zum Pflichtenheft. Denn erst beim Programmieren und Testen fallen mir Dinge auf wo ich mir sage: Also wenn du die Anwendung nutzen würdest würde dir das helfen. Liegt wohl daran das ich in der Firma schon lange arbeite und erst mit der Zeit dort Software erstelle. Bin schon ein wenig älter, da war Elektronik noch cooler und C64 angesagt als ich anfing. :-)

    Und dann sollen die Personen mit der Anwendung arbeiten. Und dann kommen erst Anforderungen wo ich mich frage warum man die nicht gleich mitgeteilt hat? D.h. es hat jemand noch nicht mal sein vorherigen Arbeitsweg zu 100% aufgeschrieben.

    Und ich gebe Euch recht: Am meisten nerven Störungen während des Programmierens. Ich brauche ein First-Level-Support um nicht laufend gestört zu werden und den werde ich bis zur Rente nicht bekommen. Also weiter wie bisher und Zeitschätzungen sind da einfach nicht drin und sollen mich auch nur unter Druck setzen was bei einer Arbeit wie Programmieren einfach nicht geht. Wenn mir nichts einfällt muss ich auch einfach mal Newsticker lesen um abzuschalten. :-) Mir sind auch schon auf dem Laufband Ideen gekommen. Hauptsache die Ideen kommen überhaupt. :-)

  7. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Magdalis 18.04.22 - 15:44

    Cerdo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Kunden wissen halt nicht, was sie wollen. Das ist auch okay, denn es
    > ist die Aufgabe eines guten Software-Ingenieurs, das herauszufinden.
    >
    Nein, das ist eigentlich die Aufgabe eines Businessanalysten bzw. Requirement Engineers.

  8. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: Katsuragi 18.04.22 - 20:55

    Magdalis schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Cerdo schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Die Kunden wissen halt nicht, was sie wollen. Das ist auch okay, denn es
    > > ist die Aufgabe eines guten Software-Ingenieurs, das herauszufinden.
    > >
    > Nein, das ist eigentlich die Aufgabe eines Businessanalysten bzw.
    > Requirement Engineers.

    Ich glaube wir reden da von unterschiedlichen Größenordnungen. Ich habe noch keinen Kunden gefunden, der bereit gewesen wäre Preise zu bezahlen, bei denen die Beschäftigung eines zusätzlichen Management-Layers möglich wäre. Und auch mit denen müsste er reden, aber dafür hat er ja "keine Zeit" (3,5 Jahre für Kickoff-Besprechungen). Natürlich müsste man das auch bezahlen, und ich habe noch keinen Mittelständler gesehen, der dazu bereit gewesen wäre.
    Aber, um auf den ursprünglichen Post zurück zu kommen: mittlerweile bin ich auch nicht mehr so doof auf 8 Zeilen Beschreibung eine Zeitschätzung abzugeben, nicht einmal mit dreifachem Puffer.

  9. Re: Genauigkeit der Schätzung bei Softwareentwicklung

    Autor: minnime 19.04.22 - 16:36

    Man kann doch aber auch nicht zum Metzger gehen und ein Lachssteak bestellen und der Metzger soll dann erraten dass man eigentlich einen Gulaschsuppe machen will.

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