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Schätzungen

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  1. Schätzungen

    Autor: tomatentee 18.04.22 - 09:41

    Das ganze geschätzte ist sowieso für die Katz. Die Dinge sind so komplex und unverhersehbar, dass das schätzen ohnehin keinen Mehrwert bringt.Besonders geil sind Vorgesetzte die dann auf Basis dieser Schätzungen irgendwas fix zusagen wovon dann ihre Boni o.ä abhängen :-D Die verstehen in aller Regel nicht, dass wenn sie mich um eine Schätzung bitten, ich 2 Tage sage, es nicht OK ist, wenn sie an Tag 3 rummaulen, wieso es noch nicht fertig ist. War halt ne Schätzung, dauert halt länger.

    Wir sollten uns geschlossen nicht mehr zu Schätzungen (und schon gar nicht zu Terminzusagen) nötigen lassen - its done when its done...

  2. Re: Schätzungen

    Autor: JouMxyzptlk 18.04.22 - 10:04

    Sag "eine Woche, zwei Manntage". Das erste ist die Abschätzung insgesamt, das zweite ist wie viel du in dieser Zeit an der Sache arbeiten kannst aufgrund anderer Einflüsse.

  3. Re: Schätzungen

    Autor: Oktavian 18.04.22 - 10:15

    > Wir sollten uns geschlossen nicht mehr zu Schätzungen (und schon gar nicht
    > zu Terminzusagen) nötigen lassen - its done when its done...

    Sorry, das wird nicht funktionieren. Wenn ich als Kunde ein Gewerk beauftrage, völlig egal ob einen Autoanhänger, ein Haus, eine Yacht oder ein Stück Software, dann will ich vorher wissen, was es mich kostet, und wann es fertig werden wird. Nur wenn ich das weiß und Termin und Budget ungefähr zu meinen Vorstellungen passen, werde ich den Auftrag erteilen.

    Wenn Dein Unternehmen also von mir beauftragt werden möchte, wird es das nicht mit der Aussage "it's done when it's done". Dann bekommt den Auftrag jemand anders, der etwas konkretere Vorstellungen von der eigenen Leistung hat. Ich lassen durch einen Bauträger auch kein Haus bauen mit der Aussage "irgendwann ists fertig und es wird auch ne Menge kosten". Im Vertrag steht ein exaktes Datum und ein exakter Preis. Natürlich hat der Bauträger hier etwas Toleranz reinkalkuliert - mein Haus war fast einen Monat früher fertig als zugesagt, lief halt alles nach Plan - aber dafür ist er eben auch ein guter Geschäftsmann.

  4. Re: Schätzungen

    Autor: ElTentakel 18.04.22 - 10:43

    Geht schon, aber man muss miteinander reden. Das fällt einigen schwer. Wenn man einen Servicevertrag hat, kann man prioritätsbasiert arbeiten. Wichtige wird zuerst erledigt, nicht so dringende Dinge spater. Dank regelmäßigen Kontakt wird schnell klar, wo die Probleme liegen, und mann kann zusammen Entscheidungen treffen.

    Das geht aber natürlich nicht mit der üblichen "Problemlösung" durch Schuldzuweisung. Wenn man Probleme zusammen löst, muss man auch zusammen dafür gerade stehen.

  5. Re: Schätzungen

    Autor: Muntermacher 18.04.22 - 12:34

    tomatentee schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das ganze geschätzte ist sowieso für die Katz. Die Dinge sind so komplex
    > und unverhersehbar, dass das schätzen ohnehin keinen Mehrwert
    > bringt.Besonders geil sind Vorgesetzte die dann auf Basis dieser
    > Schätzungen irgendwas fix zusagen wovon dann ihre Boni o.ä abhängen :-D Die
    > verstehen in aller Regel nicht, dass wenn sie mich um eine Schätzung
    > bitten, ich 2 Tage sage, es nicht OK ist, wenn sie an Tag 3 rummaulen,
    > wieso es noch nicht fertig ist. War halt ne Schätzung, dauert halt länger.
    >
    > Wir sollten uns geschlossen nicht mehr zu Schätzungen (und schon gar nicht
    > zu Terminzusagen) nötigen lassen - its done when its done...

    Daß Du das auf Boni der Vorgesetztenbzurückführst, zeigt nur, daß Du nicht weißt was abgeht. Erstens sind i.d.R. die Boni von Gesamtzahlen abhängig und weniger von Abschätzungen, zweitens und viel wichtiger, sind solche Frahen wichtig um verschiedene Teile zu koordinieren.

  6. Re: Schätzungen

    Autor: lestard 18.04.22 - 14:41

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn Dein Unternehmen also von mir beauftragt werden möchte, wird es das
    > nicht mit der Aussage "it's done when it's done". Dann bekommt den Auftrag
    > jemand anders, der etwas konkretere Vorstellungen von der eigenen Leistung
    > hat.
    Naja, du beauftragst halt dann bei jemanden, der so tut als wüsste er wie lange es geht. Vielleicht hast du damit sogar glück. In der Regel dauerts dann aber doch länger und wird teurer, egal was der vorher "geschätzt" hat. Klar: Dann kannst du mit Vertragsstrafen usw. kommen. Aber davon wird ja das Projekt nicht schneller abgeschlossen - ganz zu schweigen von der Qualität. Und irgendwann findest du niemanden mehr, der dir deine Projekte realisieren will oder kann.

    Der ein oder andere Auftraggeber macht es anders und beauftragt lieber jemanden, der ehrlich sagt "ich weiß nicht genau, wie lange es dauert". Aber dafür kann man mit dem Anbieter ein Vertrauensverhältnis aufbauen und nicht ein Verhältnis, dass aus Vertragsstrafen besteht. Und dann dauert das Projekt vielleicht wirklich etwas länger, aber dafür in guter Qualität (denn Qualität benötigt gute Kommunikation, was wiederum einen vertrauensvollen Umgang vorraussetzt). Und nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

  7. Re: Schätzungen

    Autor: No Nonsense 18.04.22 - 15:00

    Muntermacher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > tomatentee schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Schätzungen irgendwas fix zusagen wovon dann ihre Boni o.ä abhängen :-D

    > > Wir sollten uns geschlossen nicht mehr zu Schätzungen (und schon gar
    > nicht
    > > zu Terminzusagen) nötigen lassen
    >
    > Daß Du das auf Boni der Vorgesetzten zurückführst
    Da sind sowieso so viele blauäuige und unreflektierte Aussagen drin, dass es schwer ist, es anders als eine Provokation zu verstehen.
    Denn natürlich gehört es zur Professionalität anhand vorheriger Erfahrungen eine Abschätzung zur Dauer abgeben zu können - auch sollte man aus der Historie noch wissen, wo beim letzten Mal plötzlich dieser eine Tage Mehraufwand herkam, den man vorher nicht bedacht hatte.
    Natürlich ist es leicht sich herauszuwinden und alles auf den Kunden zu schieben, weil dieses unklar oder jenes gar nicht beschrieben ist und sich auf ein "Es ist fertig wenn es fertig ist" zurückzuziehen.
    Schön, wenn man das machen kann und man nur etwas beschätzen muß, das keinerlei Einfluß auf andere hat oder von anderen beeinflußt wird.
    Spätestens dann drehen sich auf einmal die Rollen "Ich kann nicht weiterarbeiten, weil die Zulieferung XY noch nicht vollständig und korrekt vorliegt." - die anderen arbeiten dann wohl auch nach "Es ist fertig wenn es fertig ist" ...

    Eine Schätzung ist tatsächlich nur eine Schätzung, in der Summe gleichen sich die Fehler mit ihren Abweichungen nach oben und unten im Gesamtprojekt hoffentlich aus.
    Die o.g. Haltung führt aber dazu, daß Projekte unplanbar/unverkaufbar werden, denn die "Es ist fertig wenn es fertig ist" - Fraktion neigt dazu, bei der Pflichtabgabe der Schätzwerte diese künstlich hochzuhalten, damit ihnen ja nichts passiert. Was dann dazu führt, dass nachfolgende Instanzen , die weitere Puffer einberechnen, das anhand von viel zu hohen Basiswerten tun.

    Puffer werden zum Schluß draufgerechnet, nicht von jedem Entwickler bei seinem Task.

    So blöd und unwissenschaftlich das klingen mag, aber manchmal sind die Grobschätzungen die das Projektmanagement anhand purer Erfahrung aus Vorprojekten und dort tatsächlich angefallenen Aufwänden mit simplen Daumenregeln (Manntage je Seite/Zeile Lastenheft o.ä.) ermittelt, genauer als irgendwelche Detailschätzungen der "Cover-Your-Ass" Fraktion. Eine Schätzung ist immer auch ein Commitment zu einem Ergebnis - soviel persönlichen Ehrgeiz darf man erwarten.
    Wenn man einen Beruf gewählt hat, in dem man statt schön fahrplanmäßig und langweilig Bus oder U-Bahn zu fahren, lieber jeden Tag aufs Neue spannend Rallye fährt, muß man auch gewillt sein, sich den ergebenden Schwierigkeiten zu stellen.
    Seien sie nun selbst gemacht oder was, die Spannung gerade ausmacht, durch äußere Einflüsse unverschuldet an einen herangetragen.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 18.04.22 15:11 durch No Nonsense.

  8. Re: Schätzungen

    Autor: tomatentee 18.04.22 - 15:05

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Wir sollten uns geschlossen nicht mehr zu Schätzungen (und schon gar
    > nicht
    > > zu Terminzusagen) nötigen lassen - its done when its done...
    >
    > Sorry, das wird nicht funktionieren. Wenn ich als Kunde ein Gewerk
    > beauftrage, völlig egal ob einen Autoanhänger, ein Haus, eine Yacht oder
    > ein Stück Software, dann will ich vorher wissen, was es mich kostet, und
    > wann es fertig werden wird. Nur wenn ich das weiß und Termin und Budget
    > ungefähr zu meinen Vorstellungen passen, werde ich den Auftrag erteilen.
    >
    > Wenn Dein Unternehmen also von mir beauftragt werden möchte, wird es das
    > nicht mit der Aussage "it's done when it's done". Dann bekommt den Auftrag
    > jemand anders, der etwas konkretere Vorstellungen von der eigenen Leistung
    > hat. Ich lassen durch einen Bauträger auch kein Haus bauen mit der Aussage
    > "irgendwann ists fertig und es wird auch ne Menge kosten". Im Vertrag steht
    > ein exaktes Datum und ein exakter Preis. Natürlich hat der Bauträger hier
    > etwas Toleranz reinkalkuliert - mein Haus war fast einen Monat früher
    > fertig als zugesagt, lief halt alles nach Plan - aber dafür ist er eben
    > auch ein guter Geschäftsmann.
    >
    Ich rede auch nicht von Gewerken, da habe ich Lasten- und Pflichtenheft und klar abgegrenzt was ich liefere und was nicht.
    Wenn du zu nem Bauträger gehst und sagst "Ich hätte gern nen Haus", er "super, was denn für eins" und du dann "weiß ich jetzt doch noch nicht, können wir das nicht zur bauzeit flexibel abstimmen?" wirst du da auch kein Fixpreis oder Datum bekommen.

    In der Softwareentwicklung wird von uns aber grade genau das verlangt: Keine klaren Anforderungen, keine Abnahmekriterien, definieren wir alles agil irgendwie zwischen drin - aber ich soll trotzendem schätzen wann es fertig ist? Ist doch lächerlich...

  9. Re: Schätzungen

    Autor: Westerwald 18.04.22 - 15:10

    Wenn einer nicht schätzen kann, dann hat er keine Ahnung von dem was auf ihn zukommt, hat es noch nie gemacht. Ein Profi hat Erfahrung und weiß wie lange er in der Regel braucht. Er weiß auch wie lange er braucht, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Und er nennt dem Auftraggeber, vertrauensvoll, beide Zeiten und entsprechende Kosten. Gute Auftaggeber, Chefs wissen das auch und man kann sie weder mit Puffer oder sonstigen Ausreden hintergehen. Denn auch die haben Erfahrung. Alles andere ist doch eine LMAA Einstellung.

  10. Re: Schätzungen

    Autor: Oktavian 18.04.22 - 15:17

    > Wenn einer nicht schätzen kann, dann hat er keine Ahnung von dem was auf
    > ihn zukommt, hat es noch nie gemacht. Ein Profi hat Erfahrung und weiß wie
    > lange er in der Regel braucht. Er weiß auch wie lange er braucht, wenn es
    > nicht auf Anhieb klappt. Und er nennt dem Auftraggeber, vertrauensvoll,
    > beide Zeiten und entsprechende Kosten.

    In aller Regel möchte ich von meinem Experten für ein Arbeitspaket 3 Schätzungen:
    1. Best Case, alles läuft wie am Schnürchen
    2. Worst Case, die Vollkatastrophe (natürlich nur in diesem Paket)
    3. Ein realistischer Zwischenwert.

    So eine 3-Punkt-Schätzung ist etwas mehr Arbeit, liefert aber einen großen Mehrwert fürs Risikomanagement. Liegen 1 und 2 weit auseinander, ist viel Unsicherheit in dem Paket. Ist das bei vielen Arbeitspaketen so, sind die Vorgaben nicht ausreichend, die Fähigkeiten nicht ausreichend, etc. Dann muss man nochmal ran.

    Das ganze lassen wir üblicherweise unabhängig von zwei Experten schätzen und holen danach diese beiden Experten in einen Raum gemeinsam mit einem Moderator. Wir diskutieren dann über alle Arbeitspakete, bei denen die Schätzungen weit auseinander liegen und die eine gewisse Größe haben. Warum meint der eine 2 Tage und der andere 20? Wer hat da etwas übersehen?

    Das ist im Vorfeld deutlich mehr Arbeit als einen Experten, der eine Gesamtsumme unters Projekt schreibt, aber man lernt viel über die impliziten Annahmen der Leute. Und man erhält viele Fragen, die man dem Auftraggeber noch stellen muss.

  11. Re: Schätzungen

    Autor: tomatentee 18.04.22 - 15:31

    Und weil das Rumgeschätze der Projektleiter und sonstiger Labertaschen so super funktioniert läuft auch so gut wie jedes Fixpreis-Projekt in der IT aus Time und Budget oder wie? :D
    Sorry, das ganze elaborierte rumgeeier mit irgendwelchen Schätzmethoden ist Glaskugelleserei - kann am Ende passen oder (was häufiger der Fall ist) nicht, kannst du auch würfeln. Am Ende weiß der Kunde ohnehin in aller Regel nicht auf einem Detaillevel das eine sinnvolle Schätzung erlauben würde was er will, es ändert sich im laufenden Projekt ohnehin und spätestens wenn sowas wie log4j auftaucht war dein ganzes Geschätze eh für die Katz.

    Lass den ganzen Unsinn weg, ersetz die ganzen unproduktiven Bürostuhlwärmer durch fähige Entwickler, die in direktem Kontakt mit dem Kunden/User/Fachexperten ne Lösung erarbeiten. Und lass die Leute in Ruhe arbeiten statt ständig zu fragen wie weit sie sind - Deadlines gehen zu Lasten der Qualität - lass die Leute entwickelt bis sie eine gute, hochwertige Lösung haben - dann hat man auch für die kommenden Jahre keinen Stress damit.
    Der Kunde zahlt nach Zeit, kann dynamisch Anforderungen ändern wenn die Welt sich weiter dreht neue Anforderungen ergänzen, alte wegpriorisieren usw und du sparst noch ohne Ende Zeit weil keiner mit sinnlos-meetings und schätzrunden beschäftigt ist und du dir die ganzen teuren wichtigtuer sparst :D

  12. Re: Schätzungen

    Autor: tomatentee 18.04.22 - 15:37

    Und wie viel Zeit und Geld verballert ihr bei der Methode ohne jeden Mehrwert? Eine detaillierte Schätzung, grade durch zwei Experten, die sich ja unabhängig voneinander in die Fachlichkeit einarbeiten müssen geht ja nicht in 10min ;)
    Wie lange sitzen die da für die zweifache Schätzung eines Arbeitspakets für sagen wir mal einen Sprint/2 Wochen?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 18.04.22 15:37 durch tomatentee.

  13. Re: Schätzungen

    Autor: Oktavian 18.04.22 - 15:48

    > Und wie viel Zeit und Geld verballert ihr bei der Methode ohne jeden
    > Mehrwert? Eine detaillierte Schätzung, grade durch zwei Experten, die sich
    > ja unabhängig voneinander in die Fachlichkeit einarbeiten müssen geht ja
    > nicht in 10min ;)

    Wenn ich so auf unsere Zahlen gucke, auf die Projekterfolge, auf die Geschäftsentwicklung der letzten 20 Jahre, auf die Entwicklung der Mitarbeiter, es scheint zu funktionieren. Manchmal lohnt es sich einfach, sich ein klein wenig mehr anzustrengen, und nicht gleich aufzugeben mit "das kann man eh nicht so genau sagen". Doch, kann man.

    Erfahrungsgemäß haben Kunden kein Problem damit, auch mal den zweit- oder drittgünstigsten zu beauftragen, wenn sie wissen, für das Geld bekommen sie am Ende auch das Produkt, was ihnen hilft. Was nützt einem das billigste Angebot, wenn man am Ende der Laufzeit nichts brauchbares in Händen hält? Klar, man bezahlt den Sch..ß dann nicht, aber man hat viel Zeit und eigenen Aufwand verloren.

    > Wie lange sitzen die da für die zweifache Schätzung eines Arbeitspakets für
    > sagen wir mal einen Sprint/2 Wochen?

    Komm, seinen wir mal ehrlich, einfach mal so aus Spaß. Als ich noch selber geschätzt habe, hab ich durchaus Projekte in einem Gesamtumfang von 1000 PT und mehr in zwei bis drei Tagen fertig geschätzt (also Aufwand 24 Stunden). Ich hatte die Anforderungen gelesen, eine Lösungsskizze gemacht, Arbeitspakete geschnitten und bewertet. Was natürlich für einen Plan noch fehlte waren alle Abhängigkeiten, Ressourcenplanung, etc. Aber das ist für eine Preis-Schätzung unerheblich.

    Nach der Methode hier ist die Schätzung Faktor 2,5 aufwendiger. Ein zweiter braucht genauso lange zum Schätzen (aber natürlich parallel), danach folgt die Inquisition (Vergleich der Schätzungen, peinliche Befragung hinsichtlich der Differenzen).

    Wir schätzen immer in halbwegs bekanntem Terrain. Ich habe früher Projekte im Bereich Service Management geschätzt. Ich hätte mir nicht zugetraut, ein Bestandsführungssystem einer Versicherung zu schätzen, gar nicht meine Baustelle. Dafür gibt es andere Experten. Schätzen geht eben nur dann sinnvoll, wenn man Branchenwissen und IT-Wissen kombiniert.

  14. Re: Schätzungen

    Autor: Magdalis 18.04.22 - 15:52

    tomatentee schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das ganze geschätzte ist sowieso für die Katz. Die Dinge sind so komplex
    > und unverhersehbar, dass das schätzen ohnehin keinen Mehrwert
    > bringt.
    Nicht unbedingt. Das hängt stark von der Art des Projektes ab und davon, wie professionell
    es aufgesetzt wird.

    Ich hatte schon eine ganze Reihe von Projekten mit guten BAs, in denen das sehr gut klappte.
    Zur Zeit bin ich allerdings bei einem Kunden unterwegs, bei dem Anforderungen lediglich aus ein bis zwei Sätzen bestehen, die eine grobe Idee beschreiben. Da ist man sich aber auch bewusst, dass die Aufwandsschätzungen nur sehr grob sind und keine Garantie enthalten.

  15. Re: Schätzungen

    Autor: terraformer 18.04.22 - 17:05

    Diese Diskussion erinnert mit an frühe Zeiten des Softwarequalitätsmanagements. Da hieß es auch "Code Review, exzessive Doku & Co bringt keinen oder kaum Mehrwert". Ich stimme Oktavian jedoch zu, des recht komplexe Vorgehen lohnt sich fast immer - außer vielleicht bei Miniprojekten ;-) Aber da interessiert sich IMO eh keiner für eine Schätzung.
    Andererseits sollten Experten auf ihrem Gebiet IMHO fast immer realistische Schätzungen abgeben können.

  16. Re: Schätzungen

    Autor: Oktavian 18.04.22 - 17:13

    > Diese Diskussion erinnert mit an frühe Zeiten des
    > Softwarequalitätsmanagements. Da hieß es auch "Code Review, exzessive Doku
    > & Co bringt keinen oder kaum Mehrwert". Ich stimme Oktavian jedoch zu, des
    > recht komplexe Vorgehen lohnt sich fast immer - außer vielleicht bei
    > Miniprojekten ;-) Aber da interessiert sich IMO eh keiner für eine
    > Schätzung.

    Deshalb bei uns die Grenze, unter 100 PT interessiert sich da im Prinzip keiner für es sei denn, der Angebotsmanager sieht einen guten Grund, da intensiver reingehen zu wollen.

    > Andererseits sollten Experten auf ihrem Gebiet IMHO fast immer realistische
    > Schätzungen abgeben können.

    Das Problem sind hier oft die kleinen "Wir machen alles"-Bastelbutzen. Wenn man von der Branche oder der Materie wenig Ahnung hat, ist man alleine der Auskunftsfreude und Fachkenntnis des Kunden ausgeliefert. Das wird dann bestenfalls teuer und schlimmstenfalls ärgerlich.

    Ich habe früher mal Servicemanagement-Prozesse und -Systeme bei Kunden eingeführt. Wenn man sich darauf geeinigt hatte, welche Prozesse eingeführt werden sollten, welche Schnittstellen bedient werden mussten, wie viele Anwender mit dem System arbeiten werden, usw., konnte man eine ziemlich realistische Aufwandsschätzung abgeben, einfach wegen des hohen Branchenwissens.

  17. Re: Schätzungen

    Autor: No Nonsense 18.04.22 - 18:02

    tomatentee schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    Da Deine Beiträge leider auch in den Antworten auf die Beiträge anderer User vor Polemik nur so strotzen, ist es schwierig eine vernünftige Diskussion zu führen bzw. werde ich das dann ab jetzt komplett den anderen überlassen.

    Wenn es allerdings nur praktische Beispiele für den ungefähren Ablauf Deines Vorschlags
    > Entwickler, die in direktem Kontakt mit dem Kunden/User/Fachexperten
    sein soll, ist Dir das gut gelungen.

  18. Re: Schätzungen

    Autor: tomatentee 18.04.22 - 23:24

    Wenn du Projekte um 1Mio in 2 Tagen schätzt ist das aber ne ganz andere Baustelle. Das ist überhaupt nicht der Detailgrad, auf den ein Entwickler arbeitet (und schätzen könnte). Das ist ne reine Management-Veranstaltung, vielleicht hast noch nen Architekten der mit Glück weiß wovon er spricht. Auf der Ebene reicht dir aber ja "pro Schnittstelle 3 Wochen" und fertig - ob das dann in der Praxis passt wenn sich rausstellt dass die Schnittstellendoku hoffnungslos veraltet ist und kein Ansprechpartner mehr da ist, ist dann ja ne andere Frage :-D

  19. Oh bitte...

    Autor: Extrawurst 19.04.22 - 00:15

    lestard schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Oktavian schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Wenn Dein Unternehmen also von mir beauftragt werden möchte, wird es das
    > > nicht mit der Aussage "it's done when it's done". Dann bekommt den
    > Auftrag
    > > jemand anders, der etwas konkretere Vorstellungen von der eigenen
    > Leistung
    > > hat.
    > Naja, du beauftragst halt dann bei jemanden, der so tut als wüsste er wie
    > lange es geht.

    Die Fähigkeit, die eigene Leistung auch gut zeitlich und finanziell einschätzen zu können, ist für mich ein entscheidendes Kriterium z.B. für Handwerker.

    > Der ein oder andere Auftraggeber macht es anders und beauftragt lieber
    > jemanden, der ehrlich sagt "ich weiß nicht genau, wie lange es dauert".
    > Aber dafür kann man mit dem Anbieter ein Vertrauensverhältnis aufbauen und
    > nicht ein Verhältnis, dass aus Vertragsstrafen besteht.

    Ja, und wenn wir Menschen uns alle vertrauen könnten, bräuchten wir keine Polizei und kein Militär. Sorry, aber das ist naiv. Ich habe weder Zeit, Geld und auch keine Lust, mit jedem dahergelaufenen Dienstleister in meinem Leben ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Insbesondere, wenn ich eine bestimmte Leistung nur einmal in Anspruch nehme.

    Dafür ist das Prinzip von Angebot & Nachfrage da. Versagt Dienstleister A beim schätzen massiv, gehe ich halt nächstes mal woanders hin.

  20. Re: Oh bitte...

    Autor: lestard 19.04.22 - 20:04

    Extrawurst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Versagt Dienstleister A beim schätzen massiv, gehe ich halt nächstes mal woanders hin.

    Genau das sage ich ja. Die Frage ist nur, ob man damit langfristig wirklich besser dasteht. Bei relativ unkomplexen Dingen wie Handwerker-Arbeiten mag das tatsächlich so sein. Ob das aber auch bei sehr komplexen und langwierigen Dingen wie Softwareentwicklung so ist, wage ich zu bezweifeln.

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