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Gleichberechtigung rotes Tuch?

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  1. Gleichberechtigung rotes Tuch?

    Autor: Ping500 25.07.12 - 10:03

    Wie kommt es eigentlich, dass die Mehrzahl der Golem-Nutzer im Zuge dieser Diskussion alles was mit Frauenquoten, Gender-Mainstreaming oder sogar Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun hat, als so Negativ darzustellen scheinen.

    Hier werden so getan, als ob politische Errungenschaften, deren Notwendigkeit nach langen Verhandlungen auf supranationaler Ebene als Notwendig erachtet werden, in Wirklichkeit der Steinzeit zuzuordnen sind. Und dass nur, weil sie offenkundig an manchen Stellen paradox sind. Diese Paradoxa werden dann zum allein stichhaltigen Argument erhoben.

    Mir scheint, hier werden Positionen wiedergegeben, wie sie in den überwiegend männlich besetzten IT-Abteilungen in ständiger Selbstbestätigung wiedergekäut werden. Davon werden Sie leider nicht richtiger.

    Arbeiten Sie mal in einem Umfeld, in dem Sie gleichermaßen hochqualifizierte Frauen und Männer auf (quantitativer) Augenhöhe argumentieren hören! Sie werden sehen, dass die Haltung der Männer, die sich dem Problem gestellt haben, zum Thema Frauenquote überwiegend wesentlich positiver ausfällt, als das hier den Anschein hat.

    Ist es wirklich eine Überzeugung, dass die Frauenquote der Gesellschaft insgesamt schade? Oder eine psychologisch verwurzelte Abwehrhaltung gegenüber potentieller Konkurrentinnen? Oder Zeichen einer durch feste Rollenzuweisungen geprägte Sozialisation?
    Ich habe da meine Zweifel und bin sehr froh, dass der politische Arm der IT-Abteilungen (Sarkasmus) - die Piratenpartei - die Rückständigkeit derselben in sozialen Belangen offen zu Tage brachte und damit hoffentlich dazubeiträgt, dass auch hier der Fortschritt einsetzen kann.

  2. Re: Gleichberechtigung rotes Tuch?

    Autor: zendar 25.07.12 - 10:22

    Verwechsle nicht Frauenquote mit Gleichberechtigung. Ich bin für Gleichberechtigung aber gegen eine Frauenquote (oder Männerquote).

    Die Quote hat ein großes Problem, es wird nicht der beste Mann/Frau für der Arbeit eingestellt, sondern nach Quote, und dass nenne ich nicht Gleichberechtigung!

    z.B. es wird eine Stelle Frei und es bewirbt sich 2 Qualifizierte Männer, keiner von dem wird aber eingestellt weil ein Frau laut Quote eingestellt werden muss, also wird lieber eine unqualifizierte Frau eingestellt. (Mann/Frau kann beliebig ausgetauscht werden) Das ist doch keine Gleichberechtigung wenn die Qualifizierte Arbeiter keine Chance hat weil die das falsche Geschlecht haben, egal in welche Richtung.

  3. Re: Gleichberechtigung rotes Tuch?

    Autor: Ekelpack 25.07.12 - 13:11

    Frauenquote hilft der Gleichberechtigung ungefähr genau so , wie mehr Waffen dem Frieden dienen.
    Das Problem wird dadurch nicht gelöst.

    Das Problem liegt im konservativen Weltbild des Großteils der Gesellschaft.
    Vordefinierte Rollen, "Frauen hüten Kinder", "Männer bestreiten den Familienunterhalt", "eine Firma pro Arbeitsleben" und "wenn die Kinder kommen ein Häuschen im Grünen".

    Das hat alles nicht mehr viel mit der Realität und dem demographischen Wandel zu tun, sorgt aber nach wie vor dafür, dass natürlich die Frauen in Teilzeit gehen, wenn die Kinder da sind. Sie sind schließlich so sozialisiert worden. Selbst der eigene Nachwuchs wird so sozialisiert, denn natürlich rennt Mami zum schreienden Kind, dass sich das Knie aufgeschürft hat, während Papi meint, man solle sich nicht so anstellen.
    Das sorgt natürlich dafür, dass Frauen als Ausfall-Kandidaten gesehen werden, wer wird denn wohl die Last tragen, wenn die Kinderlein kommen? Wer wird sie also einstellen bzw. genau so viel Geld zahlen wollen, wie einem viel sichereren Kandidaten, nämlich einem Mann?

    Blamagen wie die Herdprämie der CSU sorgen nicht unbedingt für eine Verbesserung der Wahrnehmung von Frauen. Ganz im Gegenteil.

    Frauenquoten sind einfach nur doofe Symptombekämpfung. Das konservative Gesellschaftsbild ist das Hindernis.
    Aber erkläre das mal den ganzen Unions-Jüngern und sonstigen Kordhutträgern.

  4. Re: Gleichberechtigung rotes Tuch?

    Autor: ruamzuzler 25.07.12 - 15:06

    Ping500 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie kommt es eigentlich, dass die Mehrzahl der Golem-Nutzer im Zuge dieser
    > Diskussion alles was mit Frauenquoten, Gender-Mainstreaming oder sogar
    > Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun hat, als so Negativ darzustellen
    > scheinen.
    Das Thema Frauenquoten ist von meinen Vorpostern erschöpfend behandelt.
    Das Wort "Gender-Mainstreaming" erklärt glaube ich selbst, warum es ablehnungswürdig ist.
    Und gegen Gleichberechtigung hat keiner was, das in einen Topf zu werfen ist unfair.
    Ich kenne übrigens nur sehr, sehr, sehr wenige Frauen, die -Innen und /innen (Variante 1 ist übrigens falsches Deutsch) nicht komplett bescheuert finden.
    Das beste war einmal der derzeitige österreichische Verteidigungsminister, der in seinem Gender-Übereifer "Grundwehrdienerinnen und Grundwehrdiener" gesagt hat.
    Apropos: Ich habe noch von keinem vehementen Gender-Verfechter die Forderung gehört, dass Frauen zum Wehrdienst müssen sollen ...

  5. Re: Gleichberechtigung rotes Tuch?

    Autor: Ping500 25.07.12 - 17:57

    @zendar: Ich verwechsele die Frauenquote keinesfalls mit Gleichberechtigung und genau das von dir kritisierte Paradox habe ich in meinem Beitrag aufgegriffen. Übrigens bedeutet Gleichberechtigung auch nicht, dass beide Geschlechter gleich seien, was viele Stammtischler unter den Golems polemisieren.

    Die Problematik mit der vermeintlichen Ungerechtigkeit der Frauenquote ist so alt wie die Idee selbst. Der psychologische Effekt dieser Gegenargumentation ist aber viel größer als die tatsächliche Auswirkung, wie durch Studien belegt wurde. (Quellen müsst ihr euch leider selbst raussuchen). Im Großen geht es darum, ein in sich starres System mit einer mittelfristigen Stimutation so zu verändern, dass mit der Zeit eine Eigendynamik zum tragen kommt. Nimm man generell Subventionen als Beispiel: Dort wird ungerechterweise ein Wirtschaftszweig durch Geldmittel bevorzugt, weil der Erhalt oder der Aufbau makroökonimisch erwünscht wird. Keiner wird ernsthaft gegen Subventionen allgemein sein. Bei der Frauenquote ist aber auf einmal der Ruf nach Ausnahmsloser Gerechtigkeit da.

    Ich rate dazu, mal im Kopf durchzugehen, ob der gesellschaftliche Benefit nicht viel größer ausfallen würde, als ein paar Benachteiligte Individuen ausmachen (die natürlich zu recht sauer sein dürften, andere System behandeln übrigens jeden tag andere ungerecht).

    @Ekelpack

    Ich großen und Ganzen gebe ich dir recht, mit einer anderen Schlussfolgerung: Trotzdem ist eine Frauenquote für mich eine nützliche Symptomkorrektur. Wie oben beschrieben soll sie nicht als alleiniges Mittel eine berufliche Gleichberechtigung herbeiführen, sondern dazubeitragen, eine dynamische Entwicklung anstoßen zu helfen.
    Dabei ist die politische Linie der derzeitigen Regierung sehr zerrissen. Auf der einen Seite die kritisierte Herdprämie, mit der der sich Schröder ihr politisches Grab geschaufelt hat und auf der anderen Seite zahlreiche Initiativen, die an der Frauenquote rumwerkeln. Eine Erklärung dafür sind erstens supranationale Richtlinien, die ungeachtet der jeweiligen Bundesregierung umgesetzt werden müssen und außerdem einer gewissen Konstanz im Tagesbetrieb innerhalb der Ministerien.

    Neben der Frauenquote geht es mir aber auch vor der instinktiven Abwehrhaltung der Golemnutzer vor den anderen Punkten, die mit der Frauenbewegung zusammenhängen. Jeder meint, er wäre für Gleichberechtigung, aber sobald mal was dafür getan werden soll, wird drüber gemeckert.
    Gender-Meinstreaming zum Beispiel: Die Leute wissen in der Mehrzahl überhaupt nicht, was das genau bedeutet. Die lachen nur darüben, dass man nun /innen oder so benutzen soll, ohne sich auch nur ansatzweise was über Forschungsfeld insgesamt zu wissen. Für die meisten ist es eben nur eine bürokratische Stilblüte. Genau das ist es aber nicht. Ohne ins Detail gehen zu wollen (oder zu können) bestimmt Sprache unsere Wahrnehmung der Gesellschaft mit. Die Assoziationen mit Begriffen wie Erzieherin, Bauarbeiter, Ärztin oder Managerin sind durch die geschlechtsspezifische Endung mitbestimmt. Damit bestätigen wir immer wieder aufs Neue bestimmte gesellschaftliche Zustände. Das kann ehrlicherweise keiner bestreiten. Und es wurde herausgefunden, dass die Assoziationen eine Gleichberechtigung oftmals im Wege stehen, so dass auch auf dem Weg über die Sprache an einer Veränderung gearbeitet werden soll. Das ist keine Bürokratie, sondern genauso wissenschaftliche Erkenntnis wie Wirtschaftswissenschaft oder empirische Sozialforschung.

    Ich finde das richtig und wichtig, diesen Weg zu gehen.

    @ruamzuzler:

    Du solltest dich ein wenig mit der Materien auseinandersetzen. Bereits die Begriffsdefinitionen kannst du anscheinend nicht (oder mit falschem) Inhalt füllen.
    Ansonsten auch: Gleichberechtigung ist das Ziel. Siehe Antwort 1 und 2, warum scheinbare Ungerechtigkeit in Wirklichkeit der Gerechtigkeit dient. Manchmal muss man das große Ganze im Auge behalten. Ansonsten stimme ich dir zu, dass der Umgang mit dem geschlechterneutralen Sprech neu, fehleranfällig und manchmal albern wirkt. Aber das ist ein Preis, den zu zahlen wir als moderne Gesellschaft bereit sein sollten.

    Euch allen Danke für Eure Antworten und den fairen Umgangston.

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