1. Foren
  2. Kommentare
  3. Internet
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Nach Terroranschlägen: Bayern fordert…
  6. Thema

Mir reichts langsam echt

Über PC-Games lässt sich am besten ohne nerviges Gedöns oder Flamewar labern! Dafür gibt's den Freiraum!
  1. Thema
  1. 1
  2. 2
  3. 3

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Re: Selbst schuld

    Autor: DeathMD 27.07.16 - 11:59

    Ja, ich spreche dem Großteil der Bevölkerung die Fähigkeit ab, sich zu informieren. Ihr politisches Wissen beziehen sie meist aus Zeitungen ala Bild (in Ö Kronen Zeitung) und den Rest ihrer Informationen beziehen sie aus Gerüchten bei etwaiigen Stammtischen. Informieren kann man das mMn nicht nennen.

    Ein Problem das zusätzlich noch dazu kommt, die Parteien an der linken oder rechten Randzone haben ein äußerst motiviertes Fußvolk, das freiwillig Propaganda betreibt. Da werden "Informationen" verbreitet, die an Abgedrehtheit kaum noch überboten werden können und vieles davon geht sehr stark in Richtung Verschwörung oder einfach nur Diffamierung der Gegenseite. Teilweise habe ich schon den Eindruck, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung mittlerweile Verschwörungen mehr Glauben schenkt, als ihrem logischen Denkvermögen. Je abgedrehter die Theorie, desto eher wird sie geglaubt.

    Das Ganze habe ich erst kürzlich in Ö bei der Bundespräsidentenwahl miterlebt. Der Großteil hat sich schlicht und ergreifend nicht wirklich informiert, was und wen er da eigentlich wählt. Von Anhängern der FPÖ wurden Gerüchte geschürt wie: sollte Van der Bellen (VdB) gewinnen, steigen sofort die Spritpreise, werden sofort die Steuern erhöht, löst er die Regierung auf und lagert sie nach Brüssel aus, würde noch mehr Flüchtlinge ins Land lassen und sie auf den Arbeitsmarkt lassen etc. Weiters wurde ihm vorgeworfen, für die Schickeria und die Bonsen in Wien zu arbeiten. Es wird rein nur mit Angstmache und Diffamierung gearbeitet.

    Am Wahltag war für Anhänger der FPÖ auch schon eines klar, sollte Hofer nicht gewinnen, liegt eindeutig Wahlbetrug vor. Das Gerücht des Wahlbetruges wurde bereits gesäht, da hat die Stimmenauszählung noch nicht einmal begonnen. Diese Leute glauben, es herrschen bei uns Zustände wie in einem diktatorischen Land, in dem Scheinwahlen abgehalten werden. Missstände wurden dann tatsächlich aufgedeckt, Briefwahlkarten wurden zu früh geöffnet etc. doch der VGH konnte keinen Betrug feststellen. Natürlich war das zusätzliches Futter für die Verschörungstheoretiker.

    Das war die Sicht von ca. 50% der Bevölkerung. Noch mal zur Erinnerung, wir sprechen von einer Bundespräsidentenwahl. Keines dieser Gerüchte fällt in seinen Kompetenzbereich als BP, er könnte diese Dinge gar nicht einmal umsetzen. Trotzdem wird diesem totalem Humbug glauben geschenkt, Fakten werden schlicht ignoriert oder als Falschinformation der "Lügenpresse" eingestuft.
    Er ist zwar Pro EU (aber für eine weitere Demokratisierung eben dieser), könnte die Regierung aber nicht nach Brüssel auslagern. Er ist einfach ein Volkswirt, der erkannt hat, dass wir in einer globalisierten Welt als kleine Nationalstaaten wirtschaftlich einfach untergehen würden. Zur Flüchtlingsfrage hat er extra betont, dass sie nicht einfach ohne Kontrolle ins Land gelassen werden können und sie nicht auf den Arbeitsmarkt können, wenn wir sowieso schon ca. 500.000 Arbeitslose haben.
    Zum Thema Schickeria und sich nur für Bonsen einsetzen: ausgerechnet die FPÖ die es ihm vorgeworfen hat, hat im Nationalrat die Leute mit den höchsten Nebeneinkommen sitzen und das vorallem als PR Berater. Jetzt rate mal wer sich da gegenseitig Aufträge zuschiebt. Die FPÖ ist nämlich für ihre "Buberlpartie" seit der Ära Haider bekannt, der auch HC Strache entsprang.

    Im Moment ist ja das große Thema der angebliche Wahlbetrug. Die festgestellten Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung, waren offensichtlich seit langem "Normalzustand", dies bestätigte auch einer der Wahlbeisitzer der FPÖ. Ihnen waren diese Unregelmäßigkeiten also bewusst, nur bisher egal, weil sie nicht die Chance hatten zu gewinnen. Beim ersten Wahldurchgang der BP Wahl war es ihnen egal, obwohl besagte Partei immer wieder betont, wie sehr sie für Ehrlichkeit und Demokratie stehen. Das Ergebnis passte eben. Bei der Stichwahl wurde es knapp und plötzlich kam es zur Wahlanfechtung. Die Verschwörung dazu lautet, dass sich die Wahlbeisitzenden der übrigen Parteien zusammengetan haben und die Briefwahl manipulierten, damit VdB gewinnt. Wie wahrscheinlich ist wohl die Manipulation einer Wahl, wenn österreichweit alle Wahlbeisitzenden unterschiedlichster Parteien dafür zusammenarbeiten müssten und dies vor den Wahlbeisitzenden der FPÖ geheim halten müssten? Wie sollten sie das machen, wenn diese im selben Raum anwesend sind? Jetzt sind übrigens zwei Personen der FPÖ angeklagt, weil sie die Richtigkeit der Auszählung mit ihrer Unterschrift bestätigten, obwohl sie erst später anwesend waren.
    Da drängt sich für mich eher die Theorie auf, ob nicht die FPÖ nach den ersten Hochrechnung die Anweisungen rausgab für ein paar zusätzliche Ungereimtheiten zu sorgen und ein paar Wahlhelfer sollten eben ein wenig zu spät kommen. Für den Fall eines Sieges können sie Stille walten lassen und bei einer Niederlage, wie sie eben eintrat, kann man schnell auf Ungereimtheiten hinweisen und die Wahl anfechten, die Anklage von ein paar Parteikollegen fällt dann wohl unter Kollateralschaden... klingt zumindest logischer als eine parteiübergreifende Verschwörung, aber die würden das ja nie machen, weil die sind ja immer so ehrlich und für uns Bürger.

    Was mich einfach stört ist diese Zweischneidigkeit mit der Dinge bewertet werden. Die eine Seite sieht Hofer und die FPÖ unreflektiert als den Gral der Wahrheit und jede noch so an den Haaren herbeigezogene Verschwörung ist ihnen lieber, als irgendwelche Fakten. VdB wird als Kommunist diffamiert, weil er in seiner Jugendzeit der KPÖ angehörte und könne somit den österreichischen Staat nicht vertreten. Hofer ist (noch immer) Mitglied einer schlagenden Burschenschaft, die "die geschichtswidrige Fiktion einer 'österreichischen Nation'" ablehnt und fordert ein "gesundes Verhältnis zum Begriff der Elite zu finden; einer Elite, die sich auf Ethos und Leistung gleichermaßen bezieht, weg von der Ideologie der Masse". Dieser Mann und der Rest seines Dunstkreises soll meine Heimat (um bei einem ihrer Lieblingsbegriffe zu bleiben), die Nation Österreich, nach außen vertreten, obwohl er diese als "geschichtswidrige Fiktion" gar nicht anerkennt? Dieser Mann soll für das Volk, den gemeinen Bürger stehen, obwohl er laut Burschenschaft "einem elitären Rollenbild gerecht werden müsse", "weg von der Ideologie der Masse"?
    Von seinem Büroleiter gibt es Bilder von einem rechtsradikalen Aufmarsch aus den 80er Jahren. Das ist wiederum schon "so lange her" und auf "jugendliche Dummheiten" zu schieben, diese "Vergangenheit interessiert doch keinen mehr", aber VdB als Kommunisten bezeichnen....

    Genau das meine ich mit nicht richtig informieren. Es ist bekannt, dass er in dieser Burschenschaft ist (wie viele andere seiner Partei), die Statuten eben dieser können eingesehen werden und jeder kann die Ideologie dieses Mannes nachvollziehen... würden sie sich informieren. Ihre Informationen beschränken sich nur auf: Grenzen dicht, Asylanten raus, nein zu TTIP, scheiß EU, Heimat, wir sind für euch, Blablubblabla... mehr wollen sie nicht wissen und der Rest wird mit Verschwörungen aufgegossen. Das ist der durchschnittliche, ach so gut informierte Wähler.

    Ich will hier keine Werbung für VdB machen, ich hätte ihn nicht gewählt hätte man mir eine andere Wahl gelassen, da ich prinzipiell mit der politisch zu linken und rechten Seite nichts anfangen kann. Ich will nur Beispiele aufzeigen, wie diese Parteien am rechten, aber auch am linken Rand arbeiten. Es werden Fragen in den Raum geworfen und nicht beantwortet um Unsicherheiten zu schaffen. Es werden offensichtliche Dinge runtergespielt und bei der anderen Seite zu einer Staatsaffäre gemacht. Es werden Begrifflichkeiten wie Heimat, Tradition etc. benutzt, die den Wähler ansprechen sollen und dahinter verbirgt sich nichts anderes als deutschnationales Gedankengut, das einer Elite dienen soll und nicht dem Volk.

    Anderes Beispiel: Brexit. Die Bürger haben sich offensichtlich so gut darüber informiert, dass einen Tag nach der Abstimmung bei Google folgende Suchanfragen am häufigsten getätigt wurden:

    1) What does it mean to leave the EU?
    2) What is the EU?
    3) Which countries are in the EU?
    4) What will happen now we've left the EU?
    5) How many countries are in the EU?

    Sieht für mich nach sehr informierten Bürgern aus.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 27.07.16 12:19 durch DeathMD.

  2. Re: Selbst schuld

    Autor: DeathMD 27.07.16 - 12:44

    Um deine Frage zu beantworten:

    Eine Vielfalt der Meinungen wäre schön, die gibt es aber kaum noch. Es bilden sich eher wieder radikale Blöcke und die Menschen hetzen sich gegenseitig immer mehr auf. In Ö sind es momentan die FPÖ Wähler, die darin die Partei für das Volk sieht und dem Rest, der oft einfach nur besagte Partei nicht in der Regierung haben will. Die Gründe dafür habe ich bereits dargelegt, warum diese Partei nie dem Volk dienen wird und eben nicht den versprochenen Heilsbringer darstellt.

    Ich habe es erlebt, dass eigentlich ziemlich liberale und politisch absolut uninformierte und desinteressierte Freunde, plötzlich aufgehetzt über Dinge sprachen und dabei mit eben teils beschriebenen Theorien ankamen. Das ist diese gefährliche Kombination. Absolutes Desinteresse an Politik, keine Ahnung von Insitutionen und deren Aufgabengebieten etc., keinen Plan wie die EU funktioniert, aber jedem dahergelaufenen Dampfplauderer wird ohne zu hinterfragen glauben geschenkt, der Rest ist "Lügenpresse". Die selben Personen fordern dann mehr direkte Demokratie, wissen aber noch nicht einmal wie die jetztige funktioniert.

  1. Thema
  1. 1
  2. 2
  3. 3

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Vitakraft pet care GmbH & Co. KG, Bremen
  2. LexCom Informationssysteme GmbH, München
  3. Bertrandt Ingenieurbüro GmbH München, München
  4. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Bonn

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Top-Angebote
  1. 1.555,00€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Galaxy Tab S6 Lite für 299,99€, Nintendo Ring Fit Adventure für 79,99€, Samsung Galaxy...
  3. (u. a. 24-Stunden-Deals, Sandisk Ultra 3D 2 TB SATA-SSD für 159,00€, LG OLED TV für 1.839...
  4. (u. a. 4K-HDMI für 5,59€, 5-Fach-Steckdosenleiste für 20,99€, HDMI-Verlängerungskabel für 7...


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme