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Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

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  1. Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Robert0 09.02.21 - 22:38

    Vielleicht sollte der Staat mal seine bevorzugten Lieferanten überdenken.
    Sendet mir eine Nachricht, und meine Firma machts euch billiger.
    Viel Erfahrung mit Krypto und endlich ohne Accenture, EY und sonstige 4-Buchstabenberater

  2. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: apmonkey 09.02.21 - 23:25

    "Vielleicht sollte der Staat mal seine bevorzugten Lieferanten überdenken." Oder Golem koennte etwas besser recherchieren und weniger reisserische Headlines veroeffentlichen. Denn man kann mal davon ausgehen (oder zumindestens hoffen) das der Staat nicht wirklich 3 Euro pro Login bezahlt, sonder 25 Millionen um ein (hoffentlich) hoch skalierbares, hoch sicheres, hoch ausfallsicheres, flexibeles offenes System in einem komplexen Behoerdengewir aufzubauen. Nun kann man mal davon ausgehen das im ersten Jahr natuerlich nicht alle sofort umsteigen werden und dieses neue System gleich maximal benutzen. Insofern schaetzt der Staat das im ersten Jahr das System erst einmal nur 8 Millionen mal verwendet wird. Wenn man das dann schlicht dividiert erhaelt man dann tatsaechlich 3 Euro pro Login. Wenn im zweiten Jahr dann aber z.B. vielleicht 800 Millionen Logins verarbeitet werden, waeren es nur noch 3 cent pro login. Dann waere ihre Firma deutlich teurer!
    Insofern ohne dass Golem recherchiert auf welches Volumen das System tatsaechlich ausgelegt ist/werden soll und was in ein paar Jahren eine realistische Verwendung ist, ist die Angabe von 3 Euro pro Login imho nur click-bait!

  3. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: wurstdings 09.02.21 - 23:39

    apmonkey schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > sonder 25 Millionen um ein (hoffentlich) hoch skalierbares, hoch sicheres,
    > hoch ausfallsicheres, flexibeles offenes System in einem komplexen
    > Behoerdengewir aufzubauen.
    Da glaubt aber einer ans System, holla! Wann hat der Staat sowas zuletzt auf die Beine gestellt (also außer das Behördengewirr, dass haben sie wirklich drauf)?
    > vielleicht 800 Millionen Logins verarbeitet
    Jeder Mensch in Deutschland (auch Kinder?) muss 10 mal im Jahr auf ne Behörde? Jetzt weiß ich warum man da nie nen vernünftigen Termin bekommt.

    Ich kann mich gerade so erinnern den Ausweis letztes Jahr einmal für ne Polizeikontrolle vorgezeigt zu haben. Und dabei hätte ich auch keine Zeit gespart, wenn ich den aufm Handy gehabt hätte, eher umgekehrt.
    > ist die Angabe von 3 Euro pro Login imho nur
    > click-bait!
    Oder eine sehr optimistische Rechnung.

  4. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: narfomat 09.02.21 - 23:41

    >sonder 25 Millionen um ein (hoffentlich) hoch skalierbares, hoch sicheres, hoch ausfallsicheres, flexibeles offenes System in einem komplexen Behoerdengewir aufzubauen.
    dein ernst? merkste was? wie warscheinlich ist das wohl das deine hoffnung sich bestätigen wird?

  5. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Sharra 10.02.21 - 10:39

    Ich sag dir wies läuft: Es wird 3x so teuer, funktioniert erst mal gar nicht, stürzt ständig ab, und ist nicht skalierbar. Binnen eines Jahres wird jemand, nur so aus Spass, das System hacken, und damit Schabernack treiben. Dann gibt man weitere Millionen für ein 6-monatiges Review aus, das einem sagt, was alles falsch läuft, während der Praktikant die Liste binnen 5 Minuten bereits fertig hatte.

    Die Zahlen mögen ein wenig variieren, aber grundsätzlich wird es so passieren.

  6. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 10:44

    > Vielleicht sollte der Staat mal seine bevorzugten Lieferanten überdenken.
    > Sendet mir eine Nachricht, und meine Firma machts euch billiger.

    Du haust ein Angebot raus ohne die Anforderungen auch nur im mindesten zu kennen? Mutig, sehr mutig. Kann Deine Firma auch genug Sicherheiten hinterlegen, um nötigenfalls mit eigenem Geld einzustehen, wenn das Angebot doch nicht reicht? Das ist bei Gewerken häufig gefordert.

    Angesichts der Naivität dieses Angebots gehe ich mal davon aus, Du hast noch nicht allzu oft mit der öffentlichen Verwaltung zusammengearbeitet. Wenn ihr das tatsächlich deutlich günstiger könnt, warum habt ihr nicht geboten?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.02.21 10:45 durch Oktavian.

  7. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Robert0 10.02.21 - 12:34

    Wenn die öffentliche Hand auch auf so unseriöse Angebote einsteigt, die ein Gewerk der Softwareentwicklung in einem Schritt zum Festpreis anbietet.
    Diese Angebote sind entweder einfach 3x so teuer oder haben Strafzahlungen, die dann das Unternehmen runieren und dann hat auch keiner was davon.

    Also loose,loose. Aber so sind sie halt. Geht wohl nur so

    Bei uns gibt es iterative Prozesse mit kurzfristigen Zielen. Da kann man dann nämlich nachsteuern und oder sich einen besseren Anbieter holen. Der Quellcode ist nämlich dann jederzeit Lauffähig, gut dokumentiert und für den Kunden erhältlich

  8. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 12:50

    > Wenn die öffentliche Hand auch auf so unseriöse Angebote einsteigt, die ein
    > Gewerk der Softwareentwicklung in einem Schritt zum Festpreis anbietet.

    Okay, also noch nie mit der öffentlichen Hand zusammengearbeitet, keine Fachverfahren entwickelt, keine Großprojekte nach V-Modell koordiniert. Auch gut.

    > Diese Angebote sind entweder einfach 3x so teuer oder haben Strafzahlungen,
    > die dann das Unternehmen runieren und dann hat auch keiner was davon.

    Du möchtest also nur das Geld haben, der Kunde soll das Risiko tragen. Wie gesagt, solche Angebote werden europaweit ausgeschrieben. Es steht Euch natürlich frei, Angebot abzugeben. Aber ja, die öffentliche Hand schreibt in aller Regel Gewerke aus nach Festpreis.

    > Bei uns gibt es iterative Prozesse mit kurzfristigen Zielen. Da kann man
    > dann nämlich nachsteuern und oder sich einen besseren Anbieter holen.

    Achso, eine Bastelbutze. Der Bund möchte aber nicht nachsteuern, er möchte auch nicht ständig den Anbieter wechseln. Wie ihr innerhalb des Projekts eure Software entwickelt, ob agil, nach Wasserfall, iterativ, streng nach Scrumm oder wild gebastelt, ist dem Kunden bei einem Gewerk eigentlich egal. Die Software muss am Ende die geforderte Leistung bringen, der Kunde nimmt am Ende ab.

    > Der
    > Quellcode ist nämlich dann jederzeit Lauffähig, gut dokumentiert und für
    > den Kunden erhältlich

    Und wenn der Kunde feststellt, dass ihr mäßig geleistet habt, hat er trotzdem dafür bezahlt, war ja ein T&M-Projekt. Er hat den mäßigen Quellcode und kann danach den nächsten Anbieter bezahlen in der Hoffnung, dass er den Mist aufräumt, aus dem Quellcode noch was brauchbares macht, sich da einarbeitet und es irgendwie fortführt. Meist ist es aber billiger, den Mist einfach in die Tonne zu treten und es mit dem nächsten Anbieter nochmal von vorne zu versuchen.

    Aus dem Grund nimmt man bei solchen Projekten lieber Gewerke. Wenn der Auftragnehmer schlecht leistet, hat man die Option, ihn nicht zu bezahlen, Schadenersatz zu verlangen, etc.

  9. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Kaiser Ming 10.02.21 - 13:06

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Vielleicht sollte der Staat mal seine bevorzugten Lieferanten
    > überdenken.
    > > Sendet mir eine Nachricht, und meine Firma machts euch billiger.
    >
    > Du haust ein Angebot raus ohne die Anforderungen auch nur im mindesten zu
    > kennen? Mutig, sehr mutig. Kann Deine Firma auch genug Sicherheiten
    > hinterlegen, um nötigenfalls mit eigenem Geld einzustehen, wenn das Angebot
    > doch nicht reicht? Das ist bei Gewerken häufig gefordert.

    Wenns wenigstens so wäre
    Leider lässt sich der Staat immer wieder über den Tisch ziehen,
    grad weil man als Firmen auch immer wieder seine Spezis nimmt, Telekom zb.
    Das hat natürlich überhaupt nichts mit Korruption zu tun.
    Das die ums verecken nicht die Originalverträge rausrücken wollen, liegt natürlich an den hochgeheimen Geschäftsgeheimnissen (in Verträgen !1!!).


    Bei kleineren Firmen wird da schon eher mal die Daumenschrauben angesetzt.

  10. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 13:18

    > Wenns wenigstens so wäre
    > Leider lässt sich der Staat immer wieder über den Tisch ziehen,

    Auch hier wieder ein Musterbeispiel des Availability Bias.

    So ein Staat mit all seinen Ebenen und Sparten schreibt jedes Jahr zigtausende von Gewerken aus, große und kleine, komplexe und einfache. Auf der Angebotsplattform der öffentlichen Hand kommt man mit lesen gar nicht hinterher, und selbst wenn man klug filtert, ist es schon echt anstrengend zu sehen, wo man bieten kann und wo nicht.

    Von diesen zigtausend Gewerken sind immer noch tausende IT-Gewerke. Und jetzt darfst Du mal ein paar Kriterien angeben, wann es so ein Gewerk in die Zeitung schafft. Ich mach das mal für dich:
    1. Es muss auf groß sein.
    2. Es muss in Schieflage sein.

    Wenn also das Ingenieurbüro Meyer aus Hintertupfing ein Projekt für die Kommune Wanne erfolgreich abgeliefert hat, wirst du davon nichts hören. Wenn die Telekom das gleiche Projekt für die Gemeinde Roetgen abgeliefert hat, wirst du davon nichts hören. Die Projekte waren weder groß noch in Schieflage. Darüber berichtet niemand.

    Versaubeuteln diese Unternehmen das jeweilige Projekt, wirst du davon nichts hören, denn weder ließt du den Wanne-Kurier noch den Roetgen-Boten, das Thema hat allenfalls lokales Interesse. Die Projekte waren nicht groß.

    Wenn aber die Einführung der LKW-Maut sich verzögert, wirst Du davon lesen. Und natürlich hängt da die Telekom mit drin, denn das Ingenieurbüro Meyer ist einfach viel zu klein, um so ein Projekt stemmen zu können. Die sind allenfalls für einen sehr kleinen Bereich mit drin.

    Im Ergebnis ist zu erwarten, dass du bei gescheiterten Projekten immer die gleichen Namen hörst. Denn
    a) Kleinere Unternehmen sind ncith groß genug, um die Projekte zu stemmen, und
    b) erfolgreiche Projekte schaffen es nicht in die Nachrichten.

    > Das die ums verecken nicht die Originalverträge rausrücken wollen, liegt
    > natürlich an den hochgeheimen Geschäftsgeheimnissen (in Verträgen !1!!).

    Ach da tun sich beide Seiten nicht viel. Wenn ich Ausschreibungsunterlagen bekomme, gleich ob von Bund oder von privaten Unternehmen, steht da auch immer drauf, dass die vertraulich sind. Und natürlich steht auf Angeboten das gleiche.

  11. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Kaiser Ming 10.02.21 - 13:44

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Wenns wenigstens so wäre
    > > Leider lässt sich der Staat immer wieder über den Tisch ziehen,
    >
    > Auch hier wieder ein Musterbeispiel des Availability Bias.

    Ein Musterbeispiel für Anglizismen.

    > Von diesen zigtausend Gewerken sind immer noch tausende IT-Gewerke. Und

    ja das ist alles bekannt
    hier gehts aber um die grossen Vorzeigeprojekte
    da greift der Staat halt komischerweise dauernd in die Scheisse

    du kannst aber gern mal eins ! nennen wo alles toll gelaufen ist

    > > Das die ums verecken nicht die Originalverträge rausrücken wollen, liegt
    > > natürlich an den hochgeheimen Geschäftsgeheimnissen (in Verträgen !1!!).
    >
    > Ach da tun sich beide Seiten nicht viel. Wenn ich Ausschreibungsunterlagen
    > bekomme, gleich ob von Bund oder von privaten Unternehmen, steht da auch
    > immer drauf, dass die vertraulich sind. Und natürlich steht auf Angeboten
    > das gleiche.

    Ich rede aber nicht von Angeboten, das die geheim sind versteht sich von selbst, sondern von unterschriebenen Verträgen. Diese sollten in einer Demokratie perse öffentlich ausliegen!

    Das man da teilweise noch klagen muss und dann immer noch die hälfte geschwärzt ist ist ein absolutes Unding.

  12. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: goto10 10.02.21 - 13:54

    > Kann Deine Firma auch genug Sicherheiten
    > hinterlegen, um nötigenfalls mit eigenem Geld einzustehen, wenn das Angebot
    > doch nicht reicht? Das ist bei Gewerken häufig gefordert.

    Fairerweise sollte man sagen, diese Sicherheiten mussten die bisherigen Lieferanten in Sachen Softwareentwicklung auch nie hinterlegen, geschweige denn irgendetwas bezahlen.

  13. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 14:59

    > > Auch hier wieder ein Musterbeispiel des Availability Bias.
    >
    > Ein Musterbeispiel für Anglizismen.

    Ich hätte eher gesagt, ein Musterbeispiel für einen Terminus Technicus, was wiederum ein Musterbeispiel ist für eine Latinismus.

    Für "Availability Bias" gibt es einfach keine wirklich gute deutsche Entsprechung, die entsprechend verbreitet wäre, als dass man sie versteht. Gelegentlich wird sie Verfügbarkeitsfehler genannt, aber das drückt es nicht wirklich aus. Fehler suggeriert (schon wieder so ein Latinismus), dass da wirklich etwas falsch läuft. Das tut es aber meist nicht, es ist lediglich eine Verschiebung der Wahrnehmung, was das Wort Bias besser ausdrückt. Das ganze gehört zum Themenfeld der kognitiven Verzerrungen. Dieses Gebiet der Psychologie ist vergleichsweise jung und eben nicht von den üblichen Verdächtigen wie Freud und Jung geprägt, deshalb sind die Fachtermini (jetzt mischen wir sogar Deutsch und Latein) in der Regel Englisch.

    > ja das ist alles bekannt
    > hier gehts aber um die grossen Vorzeigeprojekte
    > da greift der Staat halt komischerweise dauernd in die Scheisse

    Genau das ist der Denkfehler. Die kleinen Projekte gehen auch oft schief, nur darüber berichtet keiner. Und viele große Projekte laufen auch gut, nur darüber berichtet auch keiner. Und genauso viele Projekte, kleine wie große, gehen in der freien Wirtschaft schief. Darüber redet nun schon gar niemand.

    > du kannst aber gern mal eins ! nennen wo alles toll gelaufen ist

    Ich schmeiß mal ATLAS in die Runde. Ich habe bei der Firma mal gearbeitet, die das federführend gemacht hat (allerdings nicht in dem Projekt), das war schon ne runde Sache. Kollegen von mir waren auch via BWI bei Herkules dabei, und das war auch überwiegend ne runde Sache.

    > Ich rede aber nicht von Angeboten, das die geheim sind versteht sich von
    > selbst, sondern von unterschriebenen Verträgen. Diese sollten in einer
    > Demokratie perse öffentlich ausliegen!

    Aus was leitest Du dieses "sollte" ab? Ist das so ein moralisches Ding? Oder ist das einfach deine völlig unmaßgebliche Meinung?

    Es ist eine Entscheidung des demokratischen Prozesses, ob Verträge veröffentlicht werden sollen oder nicht. Man kann dies gerne da einbringen, dass alle Verträge in allen Punkten öffentlich sein müssen, dann wird das als Verwaltungsvorschrift so festgelegt. Solange dem nicht so ist, sind vertrauliche Absprachen legal.

    > Das man da teilweise noch klagen muss und dann immer noch die hälfte
    > geschwärzt ist ist ein absolutes Unding.

    Von welchem konkreten Fall redest Du, in dem ein Gericht festgestellt hat, dass eine Passage widerrechtlich geschwärzt wurde, und dann rechtswidrig dieselbe Passage weiterhin geschwärzt war?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.02.21 15:13 durch Oktavian.

  14. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 15:08

    > Fairerweise sollte man sagen, diese Sicherheiten mussten die bisherigen
    > Lieferanten in Sachen Softwareentwicklung auch nie hinterlegen, geschweige
    > denn irgendetwas bezahlen.

    Sicherheiten in Form von Bürgschaften sind gerade bei kleinen Lieferanten nicht unüblich.

    Aber ja, sagen wir mal, man hat sich in der Regel geeinigt. Diese Themen sind ja auch durchaus komplex und man will eine Lösung, keinen Endsieg. Im Schiedsverfahren um Toll Collect beispielsweise hat das Konsortium eine Strafzahlung von 3,2 Mrd. EUR an den Bund geleistet.

    Nun ist es ja meist so, sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer haben das ihrige zu den Problemen beigetragen. Gerade bei der Maut hat der Bund seine Anforderungen so häufig geändert, dass es eigentlich unmöglich war, dieses bewegliche Ziel zu treffen. Allerdings hat auch Toll Collect eine Komplexität reingebracht, die nicht nötig gewesen wäre, und dadurch das Projekt verzögert.

    Aber man muss eine gemeinsame Lösung finden, das hat man im Schiedsverfahren getan.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.02.21 15:14 durch Oktavian.

  15. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: wurstdings 10.02.21 - 17:24

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Für "Availability Bias" gibt es einfach keine wirklich gute deutsche
    > Entsprechung
    Nicht? Wikipedia sagt: Verfügbarkeitsheuristik
    > die entsprechend verbreitet wäre, als dass man sie versteht.
    Availability Bias höre ich auch zum ersten mal und ist für Deutsche auf jeden Fall schwerer zu verstehen.
    > es ist lediglich eine Verschiebung der Wahrnehmung, was das Wort Bias besser
    > ausdrückt.
    Oder selektive Wahrnehmung?
    > Fachtermini (jetzt mischen wir sogar Deutsch und Latein)
    Ich glaube du hast einfach nen Problem mit Deutsch. Fachbegriff, Fachbezeichnung?
    > Es ist eine Entscheidung des demokratischen Prozesses, ob Verträge
    > veröffentlicht werden sollen oder nicht.
    Vom Volke gewählt, vom Volke Bezahlt wieso sollte das Volk dann nicht wissen dürfen, was mit dem Geld und dem Auftrag passiert? Wie soll ein Volk die Arbeit der Politiker bewerten und korrekte demokratische (Wahl)Entscheidungen treffen, wenn die nötige Kontrolle verweigert wird?
    Der einzige Grund, warum sowas geheim gehalten wird ist korruption, oder was soll das sonst bringen?

    > Solange dem nicht so ist, sind vertrauliche Absprachen legal.
    Ah, wenn die Politiker in der geheimen Absprache dem Unternehmen 1 mio für nen zukünftigen Ruhestandsposten zusichert, ist das also legal?
    Ob eine Absprache legal ist, hängt nicht von der Geheimhaltung ab, lässt sich aber oft wegen der Geheimhaltung nicht prüfen.

  16. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Oktavian 10.02.21 - 17:51

    > > Für "Availability Bias" gibt es einfach keine wirklich gute deutsche
    > > Entsprechung
    > Nicht? Wikipedia sagt: Verfügbarkeitsheuristik

    Nein, die Verfügbarkeitsheuristik ist der Mechanismus im Gehirn, der Häufigkeiten anhand der Verfügbarkeit von Beispielen beurteilt. Diese Beurteilung kann richtig oder falsch sein. Erst wenn die Beurteilung (systematisch) falsch ist, also zum Fehlschluss führt, zur Falscheinschätzung von Wahrscheinlichkeiten, wird der Verfügbarkeitsfehler daraus. Nun ist Fehler im deutschen ein hartes Wort für eine geschätzte Wahrscheinlichkeit, deshalb passt "Bias" hier einfach besser.

    In den Originalbüchern von Kahneman ist der Mechanismus und wie er funktioniert, schön dargelegt.

    > Oder selektive Wahrnehmung?

    Selektive Wahrnehmung wäre eher ein Oberbegriff für eine ganze Reihe von kognitiven Verzerrungen. z.B. Den Confirmation Bias (man sieht nur, was die eigene Meinung bestärkt) würde ich auch als selektive Wahrnehmung bezeichnen. Und es gibt bestimmt noch zehn weitere Verzerrungen, die alle zur selektiven Wahrnehmung passen.

    Eine gute Übersicht gibt es hier:
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/65/Cognitive_bias_codex_en.svg

    (Die einzelnen Punkte sind anklickbar).

    > > Fachtermini (jetzt mischen wir sogar Deutsch und Latein)
    > Ich glaube du hast einfach nen Problem mit Deutsch. Fachbegriff,
    > Fachbezeichnung?

    Es war ein Scherz.

    > Vom Volke gewählt, vom Volke Bezahlt wieso sollte das Volk dann nicht
    > wissen dürfen, was mit dem Geld und dem Auftrag passiert?

    Kann man ja reinschreiben, ich hätte da keine Probleme mit. Wie gesagt, alles eine Frage des demokratischen Prozesses.

    > Der einzige Grund, warum sowas geheim gehalten wird ist korruption, oder
    > was soll das sonst bringen?

    Es könnte beispielsweise der Einsatz bestimmter Personen vertraglich festgelegt werden. Wenn mein Arbeitgeber mich beim Bund einsetzen wollte und das vertraglich festgelegt wird, hätte ich damit keine Probleme. Aber ich würde nicht wollen, dass mein Name öffentlich gemacht wird, auch wenn ich von öffentlichem Geld bezahlt werde. Nur mal so als Beispiel.

    > > Solange dem nicht so ist, sind vertrauliche Absprachen legal.
    > Ah, wenn die Politiker in der geheimen Absprache dem Unternehmen 1 mio für
    > nen zukünftigen Ruhestandsposten zusichert, ist das also legal?

    Nein, dafür gibt es Gesetze, die genau das verbieten. Auch einen Mord kann man nicht legalisieren, indem man einen Vertrag darüber macht. Aber Vertraulichkeit kann man vertraglich festlegen.

    > Ob eine Absprache legal ist, hängt nicht von der Geheimhaltung ab, lässt
    > sich aber oft wegen der Geheimhaltung nicht prüfen.

    Natürlich, Gerichte dürfen das prüfen. Und tun das ja auch regelmäßig.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.02.21 17:52 durch Oktavian.

  17. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Benutztername12345 10.02.21 - 17:58

    hallo hier ist der staat machen sie uns bitte ein angebot. aber nicht mehr als 9 ct pro abruf bitte.

  18. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Kaiser Ming 11.02.21 - 11:16

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > > Auch hier wieder ein Musterbeispiel des Availability Bias.
    > >
    > > Ein Musterbeispiel für Anglizismen.
    >
    > Ich hätte eher gesagt, ein Musterbeispiel für einen Terminus Technicus, was
    > wiederum ein Musterbeispiel ist für eine Latinismus.
    >
    > Für "Availability Bias" gibt es einfach keine wirklich gute deutsche
    > Entsprechung, die entsprechend verbreitet wäre, als dass man sie versteht.

    Man kann sowas auch mit wenigen Worten erklären, es muss nicht immer ein Begriff sein.


    >
    > > ja das ist alles bekannt
    > > hier gehts aber um die grossen Vorzeigeprojekte
    > > da greift der Staat halt komischerweise dauernd in die Scheisse
    >
    > Genau das ist der Denkfehler. Die kleinen Projekte gehen auch oft schief,

    Nein das ist kein Denkfehler, große Projekte haben große Auswirkungen, deshalb ist es nicht falsch speziell diese zu untersuchen.

    > nur darüber berichtet keiner. Und viele große Projekte laufen auch gut, nur
    > darüber berichtet auch keiner. Und genauso viele Projekte, kleine wie

    Da geb ich dir allerdings recht.

    > große, gehen in der freien Wirtschaft schief. Darüber redet nun schon gar
    > niemand.
    >
    > > du kannst aber gern mal eins ! nennen wo alles toll gelaufen ist
    >
    > Ich schmeiß mal ATLAS in die Runde. Ich habe bei der Firma mal gearbeitet,

    Ok, ein Link wäre noch gut, gibt leider etliche Projekte diesen Namens.

    >
    > > Ich rede aber nicht von Angeboten, das die geheim sind versteht sich von
    > > selbst, sondern von unterschriebenen Verträgen. Diese sollten in einer
    > > Demokratie perse öffentlich ausliegen!
    >
    > Aus was leitest Du dieses "sollte" ab? Ist das so ein moralisches Ding?
    > Oder ist das einfach deine völlig unmaßgebliche Meinung?

    Wer auch immer ich bin, als deutscher Staatsbürger ist meine Meinung nicht unmaßgeblich.
    Der Staat ist das ausführende Organ des Bürgers, nicht andersrum, haben einige anscheinend vergessen. ;)


    >
    > Es ist eine Entscheidung des demokratischen Prozesses, ob Verträge
    > veröffentlicht werden sollen oder nicht. Man kann dies gerne da einbringen,
    > dass alle Verträge in allen Punkten öffentlich sein müssen, dann wird das
    > als Verwaltungsvorschrift so festgelegt. Solange dem nicht so ist, sind
    > vertrauliche Absprachen legal.

    Danke, natürlich ist das so, aber gleichzeitig ist die Ansicht naiv. Wir haben bereits ein Gesetz zur Offenlegung und trotzdem müssen noch diverse Organisationen aktiv werden, und bekommen selbst dann noch geschwärzte Sachen! Da empfehle ich auch mal Youtube -> Gaby Weber, nebst fragdenstaat.

  19. Re: Lieber Staat. Komm zu meiner Firma und es kostet 10c pro Abruf

    Autor: Kaiser Ming 17.02.21 - 09:43

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Wenns wenigstens so wäre
    > > Leider lässt sich der Staat immer wieder über den Tisch ziehen,
    >
    > Auch hier wieder ein Musterbeispiel des Availability Bias.
    >
    > So ein Staat mit all seinen Ebenen und Sparten schreibt jedes Jahr
    > zigtausende von Gewerken aus, große und kleine, komplexe und einfache. Auf
    > der Angebotsplattform der öffentlichen Hand kommt man mit lesen gar nicht
    > hinterher, und selbst wenn man klug filtert, ist es schon echt anstrengend
    > zu sehen, wo man bieten kann und wo nicht.
    >
    > Von diesen zigtausend Gewerken sind immer noch tausende IT-Gewerke. Und
    > jetzt darfst Du mal ein paar Kriterien angeben, wann es so ein Gewerk in
    > die Zeitung schafft. Ich mach das mal für dich:
    > 1. Es muss auf groß sein.
    > 2. Es muss in Schieflage sein.
    >
    > Wenn also das Ingenieurbüro Meyer aus Hintertupfing ein Projekt für die
    > Kommune Wanne erfolgreich abgeliefert hat, wirst du davon nichts hören.
    > Wenn die Telekom das gleiche Projekt für die Gemeinde Roetgen abgeliefert
    > hat, wirst du davon nichts hören. Die Projekte waren weder groß noch in
    > Schieflage. Darüber berichtet niemand.
    >
    > Versaubeuteln diese Unternehmen das jeweilige Projekt, wirst du davon
    > nichts hören, denn weder ließt du den Wanne-Kurier noch den Roetgen-Boten,
    > das Thema hat allenfalls lokales Interesse. Die Projekte waren nicht groß.
    >
    > Wenn aber die Einführung der LKW-Maut sich verzögert, wirst Du davon lesen.
    > Und natürlich hängt da die Telekom mit drin, denn das Ingenieurbüro Meyer
    > ist einfach viel zu klein, um so ein Projekt stemmen zu können. Die sind
    > allenfalls für einen sehr kleinen Bereich mit drin.
    >
    > Im Ergebnis ist zu erwarten, dass du bei gescheiterten Projekten immer die
    > gleichen Namen hörst. Denn
    > a) Kleinere Unternehmen sind ncith groß genug, um die Projekte zu stemmen,
    > und
    > b) erfolgreiche Projekte schaffen es nicht in die Nachrichten.
    >
    > > Das die ums verecken nicht die Originalverträge rausrücken wollen, liegt
    > > natürlich an den hochgeheimen Geschäftsgeheimnissen (in Verträgen !1!!).
    >
    > Ach da tun sich beide Seiten nicht viel. Wenn ich Ausschreibungsunterlagen
    > bekomme, gleich ob von Bund oder von privaten Unternehmen, steht da auch
    > immer drauf, dass die vertraulich sind. Und natürlich steht auf Angeboten
    > das gleiche.

    aktueller Artikel

    https://www.golem.de/news/bundestagswahl-2021-zwischen-digitalministerium-und-uploadfiltern-2102-154237.html

    "In fünf Jahren ist erst ein einziges von 70 Projekten in 73 Behörden abgeschlossen, obwohl fast eine Milliarde Euro an Berater geflossen sein dürfte."

    Wer da noch behaupet hier läuft nichts schief liegt leider grundfalsch.

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Open-Source-Alternativen zum Windows Explorer

Dateimanager gehören in jedem Betriebssystem zu den Anwendungen, die einen produktiven Einsatz von Applikationssoftware erst ermöglichen. Wir stellen einige freie Dateimanager für die aktuell wichtigsten Betriebssysteme vor.
Von Erik Bärwaldt


    Mit praktischen Übungen und Videos: Powershell für Einsteiger - Teil 1
    Mit praktischen Übungen und Videos
    Powershell für Einsteiger - Teil 1

    Powershell-Tutorial
    In einer neuen Reihe führen wir praxisnah in die Windows-Powershell ein. Dabei ist das Motto: Learning by Doing - mit Übungsblöcken, die aufeinander aufbauen, und mit Lösungsvideos.
    Von Holger Voges


      Kopfhörer und Hörstöpsel: So entfernt man lästigen Gestank bei Apples Airpods Pro
      Kopfhörer und Hörstöpsel
      So entfernt man lästigen Gestank bei Apples Airpods Pro

      Tolle neue Kopfhörer oder Hörstöpsel gekauft, aber auch nach Monaten riechen sie noch unangenehm? Wir zeigen, welches Hausmittel unter anderem bei den Airpods Pro hilft.
      Ein Ratgebertext von Ingo Pakalski

      1. Forschung Google kann Hörstöpsel mit Update zu Pulsmessern machen
      2. Ozlo Ex-Bose-Mitarbeiter bringen Sleepbuds zurück
      3. Kopfhörer Google erinnert Pixel-Buds-Nutzer ans Saubermachen