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Es ist viel simpler

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  1. Es ist viel simpler

    Autor: Yo 23.10.19 - 00:02

    Lange Zeit verfolgte ich jede politische Diskussion, im TV aber auch real. Es dauerte nicht lange um zu verstehen das die Motivation der Diskussionsteilnehmer diametral zu dem stand was ich glaubte das es der Grund für die Diskussion sei.
    Naiv wie ich war dachte ich zuerst das die Teilnehmer ihre Standpunkte austauschen um eine Lösung zu finden. Doch dann wurde mir klar das hinter der Fassade völlig andere Motivationen am Werk sind. Ich will dies mal an einem Beispiel verdeutlichen:

    Nehmen wir mal eine Sendung wie „Anne Will“ in der ARD oder „Maibrit Ilner“ im ZDF.
    - Die Redaktion des Senders sucht die Politiker nicht nach Kompetenz aus sondern danach ob sie möglichst diametral zum Standpunkt der anderen Teilnehmer positioniert sind. Die Motivation geht dahin einen möglichst kontroversen Schlagabtausch zu provozieren. Schon hier werden die Weichen für ein Spektakel gelegt und man will gar nicht das es zu einem konstruktiven Gespräch kommt
    - Die Moderatorin unterbricht die Diskussionsteilnehmer immer dann wenn auch nur der Ansatz eines Gesprächsfadens erkennbar ist. Ein Faktencheck findet nicht statt.
    - Die PolitikerInnen die überhaupt zu solchen Sendungen kommen sind Profis. Rethorik und Argumente kommen aus dem FF und schon von vornherein ist klar das es nur darum geht die eigenen Partei als die einzigen darzustellen die eine Lösung bieten. Es geht nicht um die Sache, es geht nur um Machtgewinn/Machterhalt
    - Medienvertreter, die häufig noch als Sidekick zu solchen Runden geladen werden, sind ebenfalls politisch gecastet, positionieren sich also immer im Spektrum. Sie wollen natürlich für ihre Zeitung werben und Auflage generieren
    - Gäste, meist betroffene/Opfer des Themas um das es in der Diskussion geht, werden für den emotionalen Teil gecastet. TV Quote durch Tränendrüse könnte man sagen. Würde z.B. ein Elternteil einer Familie als Gast geladen deren Tochter durch einen Migranten vergewaltigt und getötet wurde, muss der in der Sendung sagen „Ich habe dem Täter vergeben“. Würde er auch nur Ansatzweise irgendwelche Rache- oder Hassgefühle zeigen wäre er nicht in der Sendung. Auch hier hat die Redaktion schon sichergestellt das alles so verläuft wie man es will.

    Nimmt man nun das alles mal als das stereotype Grundsetting jeder politischen Sendung im ÖR muss man sagen das die Bevölkerung schon in einer Filterblase gehalten wird.
    Das Problem besteht darin, dass niemand im TV die Wahrheit sagen darf. Denn es gibt keine Wahrheit. Damit will ich sagen das egal was jemand sagt, egal ob es im Auge des Zuschauers wahr ist oder nicht, es eben nur wahr für diese Person ist. Es kann andere geben für die ist es eine Lüge. Überprüfen kann man sehr vieles sowieso nicht, schon gar nicht in dem Moment wo es in der Diskussion gesagt wird. Die Medien wissen schon lange über dieses paradoxon Bescheid und nutzen es letztlich auch für ihre Interessen aus.
    Jeder Zuschauer der der Diskussion intensiv folgt nimmt einen Standpunkt ein. Er wählt aufgrund von Aussagen oder Sympathie einen Diskussionsteilnehmer und Solidarisiert sich. Dabei ist es egal ob er die Wahrheit sagt oder nicht (siehe oben).

    Genauso verhält es sich mit dem Internet bzw. Informationen die man dort findet. Letztlich ist die Wahrheit relativ. Alles wird bzw. ist anzweifelbar. Die Flat-Earth Bewegung zeigt das deutlich.
    Als klar denkender Mensch fragt man sich wie sowas überhaupt möglich ist, aber für mich ist das nur ein weiterer Beweis dafür wie sich Menschen radikalisieren können. Ja richtig gelesen, ich habe Radikalisieren geschrieben. Es ist ja vom Vorgang her nichts anderes. Sie rennen halt nur nicht rum und töten andere, aber sie schiessen sich z.B. in einer selbstgebastelten Rakete in die Höhe nur um zu beweisen das sie Recht haben. Irre, aber Realität.

    Für mich hat das alles einen banalen aber logischen Grund. Jeder Mensch hat das Bedürfnis an etwas zu Glauben. Das Gehirn braucht diese Funktion „Glauben zu können“ für die psychische Hygiene. Früher benutzten die Kirchen diesen Umstand für ihre Interessen. Das war clever und funktioniert noch heute bei vielen. Religiöse Indoktrination ist ja brandaktuell.
    Aber in der heutigen Zeit ist bei immer mehr Menschen die Erkenntnis durchgedrungen das die Kirchen ihre Schafe nur zum selbstzweck hüten und sind Atheisten geworden.
    Damit ist aber die Funktion im Gehirn nicht verschwunden - keineswegs. Es ist sogar viel schlimmer als man meinen könnte denn heute glaubt jeder an das an was er glauben will. Völlig egal an was.
    Wer offenen Auges und Ohres durch die Welt geht wird mir zustimmen an was irres so manche Menschen glauben. Und ich z.B. glaube an meine These, ein anderer wird vielleicht sagen „die spinnt sich da doch was zusammen“. Ja klar, akzeptiert.

    Und genau das ist der Grund dafür das viele schlimme Dinge passieren. Ein fundamentales Bedürfnis das jeder Mensch auf dieser Welt hat bleibt unbefriedigt. Die Zahl derer die an gerade das glauben was sie wollen wird zunehmen. Und man kann sich ausmalen wohin das führt.
    Einige sehr sehr schlaue Leute haben dieses Problem vor ca. 2000 Jahren bereits erkannt und die Religion erfunden. Aufgrund der Prämisse das man diese Konstrukte praktisch nicht mehr zurücknehmen kann ist die Menschheit dazu verdammt diesen weiterzutragen.
    Ich fände zB. die Frage spannend wo die Menschheit in ihrer Entwicklung heute wäre wenn die Funktion „an etwas Glauben zu können“ im Gehirn anders belegt worden wäre.

    // Yo

  2. Re: Es ist viel simpler

    Autor: wertzuiop 23.10.19 - 00:07

    Ich dachte vor dem Klicken "jaja einer weiß es wieder besser als alle anderen", aber es ist wie du es sagst.

    +1

  3. Re: Es ist viel simpler

    Autor: HierIstMarco 23.10.19 - 01:30

    ++

    Vor einiger Zeit hatte ich einen Moment des Erwachens. Ich habe vieles, an das ich bis dahin geglaubt habe aufgegeben und durch nichts ersetzt, vor allem im gesellschaftlichen Bereich. Es war sehr lehrreich, und inzwischen nehme ich die Welt eher als die komplexe Struktur an, die sie ist.

    Allerdings kamen damit auch allerhand größerer Probleme. Zum Beispiel eine extreme Sinnkriese, weil die bisherigen Lebensziele wegfielen und nicht ersetzt wurden, weil jedes neue Ziel wieder entsprechende Widersprüche ausgelöst hätte. Dazu kam eine Unfähigkeit, sich bei Diskussionen zu positionieren, weil immer das Gefühl bleibt, etwas nicht ganz durchdacht zu haben. Und auch das soziale litt, weil auch der Existenzsinn für anderer Menschen fehlte.

    Du hast sehr sehr Recht, dass Glaube eine Fähigkeit der mentalen Gesundheit ist, dessen Wegfallen ich deutlich zu spüren bekommen habe.

    Warum es jetzt besser geworden ist? Ich weiß es nicht, vielleicht weil ich wieder an etwas glaube. Ich bin mir aber selber nicht wirklich sicher an was.

  4. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Yo 23.10.19 - 07:40

    Danke für Deine Ehrlichkeit.
    Diesen Moment des Erwachens haben wohl viele Menschen durchlebt. Doch jeder auf anderer Weise. Selbstreflexion ist auch eine nützliche Fähigkeit die dabei helfen kann den eigenen Standpunkt zu festigen.
    Meiner Wahrnehmung nach ist das Bedürfnis des Gehirns an etwas Glauben zu können eine verflixt knifflige Angelegenheit. Denn ersetzt man „können“ durch „müssen“ wird der wahre Charakter dieser Eigenschaft deutlich.
    Man muss aufpassen das man nicht an etwas falsches glaubt - an etwas das einen psychisch nach unten zieht oder andere verletzt. Erkennt man das die Funktion im Gehirn, an etwas Glauben zu müssen, vom Prinzip her wie „Hunger“ oder „Durst“ funktioniert stellt das vieles auf den Kopf. In dieser Phase ist man Emotional total verletztlich, manipulierbar und offen zugleich.
    Ich bin keine Psychologin, aber ich denke es gibt viele Fachleute oder auch Seelenfänger von Sekten die sich psychologischer Tricks bedienen um Menschen in genau diesen Zustand zu bekommen um sie dann für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.

    Vor einiger Zeit lass ich einen Artikel über aktuelle Hirnforschung. Dort wurde gesagt das Hirnforscher auch vermuten das es diese „Funktion“, wie ich sie nenne, wirklich gibt. Die Hirnforschung steht ja sowieso noch so ziemlich am Anfang wenn es darum geht zu verstehen wie das Gehirn funktioniert.

    Du sprichst von Sinnhaftigkeit - ja das ist ein riesiges Problem. Ich denke einen Sinn in seinem Leben zu suchen liegt eben an der religiösen Prägung die jedes Kind bereits durch sein Umfeld aufgezwungen bekommt. Werte und Gebote werden als Leitplanken eingetrichtert und der Sinn im Leben als Belohnung für die Mühen versprochen sich daran zu halten.
    Das alles zu durchschauen und nicht in eine Sinnkrise zu verfallen ist eine schwierige Angelegenheit.

    Ich hoffe Du hast Deinen Weg gefunden, kann Dir aber aus eigener Erfahrung sagen das es erst der Anfang ist. Jeder der sich ernsthaft über diese Zusammenhänge bewusst wird erlangt eine Form der Freiheit und Stärke die er vorher nicht kannte.

    Interessanterweise gibt es sogar einen spannenden Zusammenhang zur Informatik. Meine These ist z.b., dass künstliche Intelligenz erst dann wirklich funktionieren wird wenn Computer an etwas Glauben können. Solange das nicht möglich ist, ist es nur prozedurale KI.
    Folgt man meiner These wird aber auch klar welche Gefahr darin steckt. Denn wie beim Mensch kann niemand vorhersagen „an was die KI Glauben wird“ oder an wen.
    Das könnte echt schlimm werden ;-)

    // Yo (yolanda)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 23.10.19 07:55 durch Yo.

  5. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Muhaha 23.10.19 - 09:22

    Yo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Ich hoffe Du hast Deinen Weg gefunden, kann Dir aber aus eigener Erfahrung
    > sagen das es erst der Anfang ist. Jeder der sich ernsthaft über diese
    > Zusammenhänge bewusst wird erlangt eine Form der Freiheit und Stärke die er
    > vorher nicht kannte.

    Das stimmt. Ich selbst habe die Glaubensschiene schon lange verlassen und beginne immer mehr zu wissen. Natürlich keine finalen Antworten (die gibt es eh nicht), aber feste Überzeugungen. Es gibt bestimmte Dinge, die halte ich für richtig, weil sie unser aller Leben besser machen. Es gibt bestimmte Dinge, die ich vehement ablehne, weil sie unser aller Leben nur schlechter machen und es gibt bestimmte Dinge, die man möglichst vermeiden sollte, weil sie nur das Leben einiger weniger besser, dafür aller anderen schlechter machen.

    Das sind meine Gewissheiten und je mehr Jahre verstreichen und Dinge in der Welt passieren, umso fester wird diese Gewissheit. Und umso besser kann ich auch die Lebenslügen erkennen, mit denen man vor allem sich selbst umgibt :)

  6. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Muhaha 23.10.19 - 09:25

    Yo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Einige sehr sehr schlaue Leute haben dieses Problem vor ca. 2000 Jahren
    > bereits erkannt und die Religion erfunden.

    Religion existiert schon SEHR VIEL länger. Religion existiert, seit die Menschen begonnen haben ihre Umwelt zu beobachten und Antworten auf die Frage haben wollten, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Denn wir Menschen wollen nicht per se glauben, wir wollen vor allem eines: WISSEN!

    Religion ist nur eine Krücke, die wir uns selbst geschnitzt haben, weil wir die Antworten noch nicht kennen, wir aber nach ihnen dürsten!

  7. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Schnarchnase 23.10.19 - 09:50

    Muhaha schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es gibt bestimmte Dinge, die halte
    > ich für richtig, weil sie unser aller Leben besser machen. Es gibt
    > bestimmte Dinge, die ich vehement ablehne, weil sie unser aller Leben nur
    > schlechter machen und es gibt bestimmte Dinge, die man möglichst vermeiden
    > sollte, weil sie nur das Leben einiger weniger besser, dafür aller anderen
    > schlechter machen.

    Es sollte mehr Menschen wie dich geben. Meiner Erfahrung nach wird mit steigendem Reichtum/Wohlstand der Egoismus und der Einfluss auf politische oder wirtschaftliche Entscheidungen größer. Diejenigen die wirklich viel bewegen können tun das hauptsächlich zu ihrem eigenen Vorteil.
    In die andere Richtung habe ich vermehrt das Gefühl, dass Menschen ohne viel Geld und ohne eine Perspektive die Schuld eher bei Anderen suchen. Das mag sogar teilweise stimmen, nur suchen sich viele dann lieber leichte Opfer, also z.B. Flüchtliche auf die sie ihren Hass projizieren statt „die Reichen und Mächtigen“ die eigentlich die Schuld tragen.
    Das war jetzt natürlich stark verallgemeinert und trifft selbstverständlich nicht auf jeden zu, zeigt aber schön wie gesellschaftliche Probleme entstehen oder sich verstärken.

    Würden mehr Menschen darüber nachdenken was das Leben für alle besser machen würde, dann würde sich auch mehr in der Richtung bewegen.

  8. Re: Es ist viel simpler

    Autor: BlindSeer 23.10.19 - 10:00

    Es gab eine Studie, dass mit steigendem Erfolg der Anteil der soziopathischen Tendenzen steigt. Wobei nicht untersucht wurde ob Soziopathen erfolgreicher sind, oder Erfolg soziopathischer macht.

  9. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Muhaha 23.10.19 - 10:12

    Schnarchnase schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Es sollte mehr Menschen wie dich geben. Meiner Erfahrung nach wird mit
    > steigendem Reichtum/Wohlstand der Egoismus und der Einfluss auf politische
    > oder wirtschaftliche Entscheidungen größer.

    Ich habe noch nicht herausgefunden, wo sich meine Schmerzgrenze befindet, weil man mir noch nicht genug Geld, Macht, Ruhm angeboten hat. Gut möglich, dass es gar nicht so viel braucht, um mich zu korrumpieren.

    > Diejenigen die wirklich viel
    > bewegen können tun das hauptsächlich zu ihrem eigenen Vorteil.

    Der Gag ist ja, das sich Menschen "nur" zusammenschliessen müssen, um dann verdammt viel bewegen zu können.

    > In die andere Richtung habe ich vermehrt das Gefühl, dass Menschen ohne
    > viel Geld und ohne eine Perspektive die Schuld eher bei Anderen suchen. Das
    > mag sogar teilweise stimmen, nur suchen sich viele dann lieber leichte
    > Opfer, also z.B. Flüchtliche auf die sie ihren Hass projizieren statt
    > „die Reichen und Mächtigen“ die eigentlich die Schuld tragen.

    Teile und herrsche. Wer oben sitzt und oben bleiben will, muss dafür sorgen, dass die Menschen genug abgelenkt werden, damit sich nicht genug Menschen zu einer kritischen Menge zusammenschliessen. Zum Beispiel: Das Thema "Flüchtlinge" ist nichts weiter als reine Ablenkung und die Rechtspopulisten sind nur nützliche Idioten für die Reichen und Mächtigen, weil sie sich von Nebenschauplätzen ablenken lassen und in ihrer nationalistischen Beschränktheit die Ursachen nicht erkennen können.

  10. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Yo 23.10.19 - 11:10

    Muhaha schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Gag ist ja, das sich Menschen "nur" zusammenschliessen müssen, um dann
    > verdammt viel bewegen zu können.

    Genau da liegt meiner Erfahrung nach ein Denkfehler. Sobald sich mehrere Menschen zusammenschliessen gibt es "einen Wolf" und "viele Schaafe" - um es mal plakativ auszudrücken.
    Ich weiss es gibt viele sog. alternative die Glauben man könne in einer Komune oder dergleichen zusammenleben. Die Geschichte lehrt uns jedoch das dies nicht funktioniert - jedenfalls nicht für lange.

    Woran das liegt ist natürlich sehr kompliziert, aber ich würde es mal runterbrechen auf den Faktor der Intelligenz. Umso intelligenter die Menschen wurden umso schneller merkten sie das sie auch selbst ihr Leben meistern konnten und nicht von anderen abhängig sein müssen. Charakterlich gesehen gibt es "Anführer" und "Mitläufer". Diese zwei Gruppen von Charakteren finden lustigerweise auch immer zusammen bis dann eine kritische Masse überschritten wird. Umso charismatischer der "Anführer" ist, umso grösser ist die kritische Masse die es braucht bis sie zerfällt. Am Ende wird die Gruppe dann nur noch durch diktatorische Zustände zusammengehalten - oder man baut ne Mauer drum rum damit sie nicht weglaufen.

    Ich halte es auch für einen Irrglauben das "der Konsument" eine Macht hätte. Alles was er bewirken kann ist das ein Konzern ein Produkt einstellt und dafür fünf andere auf den Markt wirft. Oder der Konzern geht Pleite und alle Mitarbeiten stehen auf der Strasse - toll, wem wurde damit geholfen?!? Der Aktionär verliert vielleicht etwas Geld, aber sind wir mal ehrlich, das wird Steuerlich abgesetzt.
    Schau mal auf Netflix den Film "Die Geldwäscherei". Als Vorlage dienen wohl die Panama-Papers. Da siehst Du recht eindrücklich was der "Verbraucher" für eine Macht hat. Keine.
    Was wurde denn aus den Steuervermeidern die mit den Panama-Papers aufgeflogen sind? Sind die jetzt arm? Nö. Das Geld ist nur woanders. Und weiter gehts.
    Ich weiss, da ist alles hörensagen und sicher gibts gleich wieder Leute die "Verschwörungstheorie" brüllen oder sonst was - mir egal.

    // Yo

  11. Re: Es ist viel simpler

    Autor: Yo 23.10.19 - 11:23

    Muhaha schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Yo schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > > Einige sehr sehr schlaue Leute haben dieses Problem vor ca. 2000 Jahren
    > > bereits erkannt und die Religion erfunden.
    >
    > Religion existiert schon SEHR VIEL länger. Religion existiert, seit die
    > Menschen begonnen haben ihre Umwelt zu beobachten und Antworten auf die
    > Frage haben wollten, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Denn wir
    > Menschen wollen nicht per se glauben, wir wollen vor allem eines: WISSEN!

    Meiner Ansicht nach Falsch. Das Gehirn jedes Menschen "muss an etwas Glauben" um die Psyche in der Waage zu halten. "Wissen" ist etwas rationales, "Glauben" etwas emotionales. "Wissen" ist für den Geist, "Glauben" für die Seele. Genau da liegt ein weiterer Denkfehler bei Dir.

    > Religion ist nur eine Krücke, die wir uns selbst geschnitzt haben, weil wir
    > die Antworten noch nicht kennen, wir aber nach ihnen dürsten!

    Auch Flasch formuliert. "Religion" ist der Sammelbegriff unter dem gewisse Menschen ein Konstrukt beschreiben, dass dazu dient das Bedürfnis an etwas Glauben zu können füllt.
    Natürlich hast Du Recht damit das schon viel länger religiöse Rituale praktiziert wurden. Doch was ich meinte war nicht der ungleitete Glaube. Selbst in den Weltreligionen gibt es die Unterschiede ob die Religion einen Führungsanspruch erhebt oder eher als Hilfestellung für das Leben miteinander dient. Ich bin überhaupt nicht religiös, aber ich denke das die Grundintension des Christentums zutiefst gutgemeint war. Aber wie bereits gesagt, das funktioniert nur eine bestimmte Zeit und solange die Intelligenz unter einem gewissen Niveau bleibt. Nicht umsonst war das Lesen und Schreiben lange nur den Priestern/Mönchen vorbehalten. Und nicht umsonst gibt es das Sprichtwort "Wissen ist Macht".

    Wie ich bereits sagte wäre es sehr spannend zu erfahren wie sich die Menschheit entwickelt hätte wenn die Fähigkeit "an etwas Glauben zu müssen" nicht durch Religionen belegt worden wäre.
    Wahrscheinlich musste es jedoch unweigerlich dazu kommen - jedenfalls fällt mir auch keine Alternative ein.

    // Yo

  12. Re: Es ist viel simpler

    Autor: gadthrawn 23.10.19 - 12:44

    Muhaha schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Yo schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > > Ich hoffe Du hast Deinen Weg gefunden, kann Dir aber aus eigener
    > Erfahrung
    > > sagen das es erst der Anfang ist. Jeder der sich ernsthaft über diese
    > > Zusammenhänge bewusst wird erlangt eine Form der Freiheit und Stärke die
    > er
    > > vorher nicht kannte.
    >
    > Das stimmt. Ich selbst habe die Glaubensschiene schon lange verlassen und
    > beginne immer mehr zu wissen

    Und doch - du glaubst nur mehr zu wissen. Und wenn etwas "geklappt hat" verfestigt sich das individuelle Wissen.

    Es gab beispielsweise Zeiten, zu denen Fett das Wurzel allen Übels bei Nahrungsmitteln war. Alles vermeiden, fettarm essen - und dann kam stattdessen bei vielen Fertignahrungsmitteln oder auch in Restaurants stattdessen Zucker dazu. Ein paar Jahrzehnte später ist Zucker schlimm und der Zuckerersatzstoff XYZ super. Und dann sind nach Studien Austauschstoffe Gift für den Blutzuckerspiegel, Stevia macht impotent, etc.pp.
    Vor 20 -30 Jahren war ASS (z.B. Aspirin) das Schmerzmittel mit wenig Nebenwirkungen. Dann ja die Probleme das es Blutgerinnung verringert und Magenschleimhaut auf Dauer angreift. Dann wurde Ibuprofen hochgejubelt. Problem mit höherem Schlaganfallrisiko. Paracetamol -> Probleme mit Leber. Ibuprofen erst in Schwangerschaften empfohlen, später keinesfalls im letzten Drittel.

    >. Natürlich keine finalen Antworten (die gibt
    > es eh nicht), aber feste Überzeugungen.

    Und die sind das schlimme. Je fester sie sind, desto mehr wehrt sich die feste Überzeugung gegen etwas neues.

    > Das sind meine Gewissheiten und je mehr Jahre verstreichen und Dinge in der
    > Welt passieren, umso fester wird diese Gewissheit. Und umso besser kann ich
    > auch die Lebenslügen erkennen, mit denen man vor allem sich selbst umgibt
    > :)

    Ein so eine Gewissheit kann sein: Rauchen schadet MIR doch nicht. Und je länger nichts passiert, desto sicherer ist man sich, dass die anderen einen da nur ärgern wollen. Wenn was passiert - dann ist es sicher die blöde Umwelt. Auch wenn die Luft in Städten viel besser ist wie in den 90ern - die bösen Diesel sind dann schuld am Lungenkrebs.

    Realität ist biegsam. Je fester die Überzeugung ist, desto mehr dehnt sie sich drumherum.

    Es gibt ja das tolle Experiment, sich vorzustellen : Was macht man, wenn man weiß dass man nur noch ein Jahr leben wird. Gerne genommen um zu zeigen dass man dann viel befreiter leben könnte. Für mich hört sich das grausam an. Die individuelle Einstufung was gut oder schlecht ist - ist unterschiedlich.

    Rein politisch: Ich wäre ein super Imperator. Nicht mehr das hin- und her der aktuellen Regierungsformen, sondern einfach verlässliche Fakten. Keine faulen Kompromisse. Kein "wir sehen weg, wenn ihr Völkerrechtsverbrechen begeht - Hauptsache ihr haltet Flüchtlinge ab zu uns zu kommen". Keine Ausnahmen. Eine reine Regelung nach meinem moralischen Kompass. Na wie wärs? Ich bin sicher, dass es vielen mit mir als Imperator besser gehen würde. Allerdings gäbe es auch verpflichtende soziale Arbeit wenn Sozialleistungen empfangen werden wollen. Und verstaatlichte Krankenhäuser. Und nur noch eine Verwaltungsstelle, keine Krankenkassen. Und natürlich eine Befreiung von der Last der Wahlen - aktuell ist ja egal wen man wählt, nach einer Weile agieren alle gleich.

  13. Re: Es ist viel simpler

    Autor: bombinho 23.10.19 - 12:55

    Na hier hast du dir ja ein rhetorisches Ei gelegt, wenn ich dir nun zustimme, dann arrestiere ich dich quasi in deiner Echobox und wenn nicht, dann vertrete ich nur einen anderen Glauben und du verbleibst trotzdem in der Echobox. :D:D:D

    Da kannst du nur hoffen, dass Merja Mahrt recht hat und alles nur halb so schlimm ist.

  14. Re: Es ist viel simpler

    Autor: vollstorno 24.10.19 - 00:57

    "Menschen zusammenschliessen" - richtig, und auch meine Meinung. Parteiensysteme sind das Paradebeispiel, Korruption durch Struktur und Machtasymmetrien. Militärisch geprägte Hierarchien bedingen diesen Systemfehler; ein abgekoppelter, elitärer Verwaltungsapparat führt zu bekannten Problemen (v.a. Selbsterhaltung und -legitimierung).
    Ich denke schon dass tatsächliche Demokratie möglich wäre, nur ist es halt recht arbeitsintensiv und verlangt allen Beteiligten ständiges Mitdenken, Entscheidungsfindung und Initative ab. Dies scheiters zumeist schon in Clubs mit 100 Mitgliedern, weil sich Vorstellungen und Konzepte vom funktionalen Zusammenleben eingebrannt haben.. ein paar wenige werden gewählt und sollen entscheiden, die anderen schalten das Hirn aus.

    "Charakterlich gesehen" - wir könnten heute durchaus Instrumente schaffen, um Information und Partizipation zu erleichtern, nur liegt das nicht im Interesse der Machthaber. eGov gibt es schon länger, wobei der demokratische Aspekt eher lächerlich ist, wird geradezu verheimlicht und totgeschwiegen. Auf europäischer Ebene läuft es noch krasser ab, was man u.a. an Geheimverhandlungen bzw. nicht öffentlich zugänglichen Dokumenten sieht.
    Natürlich ist nicht jeder ein großer Charismatiker oder Redner, ich bevorzuge das geschriebene Wort und stelle mich ungern aufs Podium. Man muss den Leuten Politik wieder schmackhaft machen und vermitteln, dass jeder etwas bewirken kann. Ich denke die Flamme der Mitbestimmung hat jeder, nur wird sie durch systematisches Runter- und Kleinmachen, Autoritätshörigkeit wie in der Schule gelernt, erstickt.

    "Konsument" - Konsumentscheidungen sind zweifellos wichtig und natürlich hab ich diesbezüglich Macht (Aspekte wie Beeinflussung durch Werbung schneide ich hier nicht an). Ob in Summe etwas (zum Guten) bewirkt werden kann wird sich zeigen, jedoch geht es auch um eigene Hygiene, Verpflichtung inneren Werten gegenüber. So habe ich aufgehört spanisches Obst zu kaufen, u.a. weil dort die Umwelt zerstört wird (siehe "Mar Menor" als krasses Beispiel). Es ist eine demokratische Entscheidung und wenn es viele machen wird sich vielleicht etwas ändern.

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