-
Ein wichtiger Hinweis fehlt - kein Freimessen von Lebensmitteln mit GM-Handmessern
Autor: Niveauacreme 16.09.22 - 19:27
Man kann mit einem GM-Handmesser keine Lebensmittel frei messen (für unbedenkllich zum Verzehr erklären). Bestenfalls kann man damit Lebensmittel als extrem stark belastet erkennen - aber so oder ist die einzig sinnige Handlung potenziell kontaminierte Lebensmittel *auf keinen Fall zu konsumineren* - der Zähler bringt also gar nichts.
Warum geht das mit den Lebensmitteln nicht?
1) Weil das "Auflegen" des Messgerätes nur von Seiten des Lebensmittels Strahlung misst - die "offenen Seiten" messen die Hintergrundstrahlung, der undefinierte Mix ist sinnlos im Sinne des Freimessens
2) Die Messgeräte sind in der Regel auf Cäsium geeicht in der Rate der Hintergrundstrahlung. Ein GM-Rohr kann keine Energien unterscheiden und damit keine Isotope ausgeben. Die Werte für alle Strahler ausser Cäsium weichen in der Anzeige also ab (bei manchen Strahlern extrem, je nach Empfindlichkeit des Zählrohrs). Das (Isotopenbestimmung) ist aber für die biologische Strahlenbelastung bei Verzehr entschiedend
3) Alpha-Strahler können nicht sinnvoll mit einem Handmesser gemessen werden - auch dann nicht, wenn das Hand-Gerät das prinzipiell kann (entsprechende Sonde mit Glimmerfenster). Aussagekräftige Alpha-Messungen sind extrem aufwendig und benötigen definierte Parameter für die Messung. Man kann bestenfalls sagen: "ah, da strahlt auch ein (kräftiger) Alphastrahler" - das ist messtechnisch nahe an einer Nullaussage. Die Alphamessungen sind bestenfalls spannend als Hobby, aber keinesfalls zum Schutz der eigenen Gesundheit geeignet (abgesehen von "wow, nichts wie weg - nichts anrühren und sich extrem dekontaminieren!", wenn der Messwert den Zähler auf den Block bringt - weil man dann vermutlich bereits potenziell in einer Umgebung steht, die mit Alphastrahlern stark kontaminiert ist).
4) Noch zum Verzehr geeignete Lebensmittel strahlen so gering, dass selbst wenn man eine Bleiburg und eine Sonde hat, die man voll ins Messgut einbringen kann man das Lebensmittel selbst für grobe Näherungmessungen stundelang messen muss (Aufzeichnung) um dann den Mittelwert zu berechnen. Das ist nicht praxistauglich für übliche Handmesser.
Man könnte noch weitere Punkte aufzählen aber die oben reichen schon völlig zu Illustration.
Um halbwegs sinnvolle Aussagen über die Strahlenbelastung von Lebensmitteln zu bekommen braucht man Equipment im Wert eine Mittelklassewagens aufwärts (Szintillationszähler, definierte Behälter zur Messung, defnierte Vorbereitung des Messguts (meist pürieren), massive Bleiburg, Auswertungssoftware - und vor allem wenigstens eine mehrtätige Ausbildung am Gerät und zur sinnvollen Auswertung der Messergebnisse) - ein GM-Handzähler ist davon soweit entfernt wie ein Foto-Belichtungsmesser aus den 50ern vom James-Web Teleskop.
Glückauf
N. -
Re: Ein wichtiger Hinweis fehlt - kein Freimessen von Lebensmitteln mit GM-Handmessern
Autor: dg0mg 01.02.23 - 18:10
Glückauf ;)
insbesondere der letzte Abschnitt stimmt nicht mehr so ganz. Es gibt inzwischen ein bezahlbares Handgerät (unterer dreistelliger Betrag) das es mit einer Eigenbau-Bleiburg ermöglicht, z.B. das Tschernobyl-Cäsium in bayerischen Pilzen nachzuweisen - auch in Bq/kg. Natürlich kann es einen teuren HPGe-Detector in einem Lebensmittellabor nicht ersetzen, aber es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Dumm ist einzig, dass man auf Grund eines russischen Größenwahnsinnigen dieses Gerät momentan nicht kaufen kann - den "RadiaCode-101", ich kann keinen Link posten - einfach mal googlen.
Wir stimmen überein, dass das teilweise in der Werbung gezeigte "Ranhalten an Lebensmittel" nicht zielführend ist. -
Re: Ein wichtiger Hinweis fehlt - kein Freimessen von Lebensmitteln mit GM-Handmessern
Autor: Niveauacreme 02.02.23 - 11:18
Der Sensor des Geräts ist spannend, ein Home-Spektrometer mit Isotopenauswertung für unter 500¤ ist ein Wort. Das Problem bleibt aber immer noch, dass man zur Nahrungsmittelfreimessung einfach eine wohldefinierte Messumgebung schaffen muss. Das könnte man wohl mit dem Teil einigermaßen hinbekommen, aber nicht "in the wild", bzw. "postapokalyptisch" worum es oben ging - und eben nicht mit einem Standard GM-Zaehler.
Trotzdem danke für den Tipp, das Gerät schaut sehr interessant aus.
P.S.: Bei Pilzen (und Wildschweinen) wird in der Regel nur auf Caesium gemessen, es gibt da auch Equipment für (vermutlich) ein paar tausend Euro, dass sich Jäger / Pilzsammler über einen Verein sinnvoll teilen können. Die kommen mit dem notwendigen Equipment (Messbehälter, Bleiburg, Messgerät) und vor allem einer Prozessbeschreibung wie zu verfahren ist und die Ergebnisse zu interpretieren sind.
Sowas hier:
- Berthold LB 201
https://www.berthold.com/de/strahlenschutz/produkte/aktivitaetsmessung/lb-201-becquerel-monitor/
Die geben leider keine Preise direkt an.
z.B. Messpunkte, in Vereinen:
https://jagd-muenchen.de/rund-um-die-jagd/radium-caesium-messung/
Pro Messung 15¤ für nichtmitglieder, 5¤ für Mitglieder -
Re: Ein wichtiger Hinweis fehlt - kein Freimessen von Lebensmitteln mit GM-Handmessern
Autor: dg0mg 02.02.23 - 18:45
Ein "paar tausend Euro" sind richtig, ich habe einen LB200 (das Vorgängermodell) von BERTHOLD von Ende der 80er Jahre. Das ist zwar auch ein Szintillator, aber es wird keine echte Spektrometrie gemacht, sondern nur Impulse gezählt, vllt. mit einem Fensterdiskriminator davor. Der Zähler reagiert aber auch auf Kalium-40. Wie das bei dem LB201 ist, weiß ich nicht, muss man mal ein Auge drauf haben. Aber man könnte nach 30 Jahren technischen Fortschritt schon erwarten, dass wirklich nur der 662 keV-Peak gemessen wird.
Eine weitere Möglichkeit ist der Foodmonitor PM1406 von POLIMASTER, ich hab ein Angebot vom DL-Importeur gesehen, aber noch kein Gerät in Betrieb.
Falls von Interesse: Vielleicht auch mal ins Geigerzählerforum schauen. :)
GA



