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Früher war alles besser?

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  1. Früher war alles besser?

    Autor: /mecki78 14.10.13 - 13:35

    So ein bisschen in diese Richtung klingt der Artikel und so ein bisschen in diese Richtung tendiert auch das Forum hier, aber ich möchte darauf hinweisen, dass natürlich früher immer alles besser war, wenn man immer nur die positiven Seiten erwähnt und alle negativen Seiten unter dem Teppich kehrt.

    Früher gab es tausende von Mühlen in Deutschland und entsprechend auch tausende Müller. Das waren gesicherte Arbeitsplätze, denn Mehl war ungemein wichtig, diese Leute hatten Einkommen, dass ihnen ein akzeptables Leben ermöglichte (sie waren nicht reich, sie hatten keinen Luxus, aber ein Dach über den Kopf, Essen auf dem Tisch und Kleidung am Körper ihrer Familie) und sie taten etwas produktives für die Gesellschaft, denn vom Mehl haben am Ende alle profitiert. Soweit die guten Seiten.

    Was hier aber völlig übersehen wird, ist dass ein Müller früher mit den Hühnern aufstehen musste, den ganzen Tag gearbeitet hat, abends todmüde nach Hause kaum, etwas gegessen hat und ab ging es in's Bett. Samstage waren auch Arbeitstage, nur Sonntage waren frei und da ging es in die Kirche und danach vielleicht mal was am Haus reparieren oder so. In Rente ist man nicht gegangen, man hat gearbeitet, bis man gestorben ist oder zu alt zum arbeiten war (was letztlich dazu führte, dass man bald darauf gestorben ist), d.h. wenn man überhaupt alt wurde, denn das Durchschnittsalter war niedrig und viele Menschen sind schon im Alter zwischen 30 und 50 an Krankheiten gestorben.

    Hobbies? Wann? Es gab keine Zeit für Hobbies. Ausgehen und Freunde treffen? Ja, zweimal im Jahr vielleicht, denn sonst gab es auch keine Zeit und so locker war das Geld auch nicht. Deswegen waren ja Feiern und große Feste so was besonders. Sich bilden? Man konnte froh sein, wenn man überhaupt mal eine Schule von innen gesehen hat. Die meisten Müller konnten bestimmt nicht lesen, abgesehen davon waren Bücher viel zu teuer.

    Wir neigen dazu alles zu romantisieren. Fakt ist: Niemand hier würde länger als 3 Tage so leben wollen wie ein Müller vor 1000 Jahren. Selbst einem Harzt4 Empfänger geht es heute um Welten besser als einem Müller vor 1000 Jahren. Und wer denkt, einen Müller vor 1000 Jahren ging es nur so schlecht, weil damals die Menschheit noch so "untechnisiert" war, der soll mal ein bisschen schauen, wie es Arbeitern so am Anfang des Industriezeitalters ging. Die mussten auch arbeiten, bis sie totumfallen und hatten davon eigentlich so gut wie nichts, trotz der ersten Maschinen und trotz diverser modernen Errungenschaften der Zivilisation. Erst die Gewerkschaften haben hier Besserung gebracht.

    Tatsächlich geht es heute Niemanden wirklich schlechter als "früher". Ja, Maschinen nehmen uns Menschen Arbeit "weg", wenn man so möchte, aber dass es deswegen jemanden schlechter gehen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Sicher gibt es heute Arbeitslose, die sich keinen Luxus leisten können. Ohhhh... wie traurig. Ohne Maschinen hätten sie vielleicht Arbeit. Und? Früher hatten die Menschen Arbeit und konnten sich trotzdem recht keinen Luxus leisten, bzw. erst recht nicht, weil Luxus noch unbezahlbarer war als heute. Jeder Arbeitslose kann sich heute mehr Luxus leisten als ein Arbeiter vor 200 Jahren (der mindestens eine 60 Stunden Arbeitswoche hatte), weil dank der Maschinen eben bestimmter Luxus heute sogar bezahlbar geworden ist. Und manche Dinge erkennen wir gar nicht mehr als Luxus. Jeder Mensch hat heute z.B. Porzellangeschirr daheim, für einen Menschen von vor 200 Jahren wäre das unsagbarer Luxus gewesen. D.h. das ist schon jammern auf extrem hohen Niveau, was hier stattfindet.

    Und es gibt noch diverse Jobs, die Maschinen nicht erledigen können und wohl in absehbarer Zeit auch nicht können werden. Das wir so viele arbeitslose in Deutschland haben, hat nichts damit zu tun, dass es nicht genug Arbeit gäbe. Es hat zum einen damit zu tun, dass es eine zu hohe Diskrepanz zwischen den Anforderungen der offenen Stellen und dem Ausbildungsstand der Arbeitslosen gibt, zum anderen zwischen den Erwartungen der Arbeitslosen und dem Stellenangebot der Arbeitgeber. Was wir brauchen sind eine bessere, modernere Ausbildung für unserer Kinder, die dem aktuellen Arbeitsmarkt auch gerecht wird, mehr Reformen im Steuer und Sozialsystem und ein ausgewogeneres Maß zwischen fairen Preisen, fairen Löhnen, und fairer Arbeitszeit. Ich denke dann wäre es nach wie vor möglich beinahe Vollbeschäftigung zu erreichen.

    Die Wahrheit ist nun einmal, dass die Technik unheimlich schnell voran schreitet, die Technik die Wirtschaft unheimlich beflügelt, aber die Gesellschaft nicht so flexibel ist um sich derart schnell "anzupassen" und vor allem unsere Politik sich im Schneckentempo beweg und immer gefühlte 10 Jahre hinterher hinkt. Bevor die Politik merkt, dass irgend etwas aus dem Ruder läuft und man ggf. eingreifen sollte, ist es bereits soweit aus dem Rudern gelaufen, dass es sich negativ auf die Gesellschaft niederschlägt und schon zu einem massiven Problem geworden ist, bei dem man nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, denn zum lösen ist es bereits viel zu spät.

    /Mecki

  2. Re: Früher war alles besser?

    Autor: TheUnichi 14.10.13 - 17:52

    Hey komm schon, der Text ist länger als der Artikel selbst, wer soll den Kram ernsthaft lesen wollen?

    Hast du eine TL;DR Version?

  3. Re: Früher war alles besser?

    Autor: /mecki78 14.10.13 - 18:41

    TheUnichi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hast du eine TL;DR Version?

    Ja, hab ich: Selbst Menschen, denen es heute in Deutschland wirklich dreckig geht, geht es heute viel besser als Menschen vor einigen 100 Jahren, denen es für damalige Zeit schon recht gut ging. Früher war mit Nichten alles besser. Ich glaube nicht, dass jemand der heute arbeitslos ist gerne mit einem Arbeiter von vor 200 Jahren tauschen möchte, auch wenn er dann vielleicht Arbeit hätte, aber das wäre auch schon das einzige was er dann "mehr hätte" als heute. Und das uns die Arbeit ausgeht, das ist komplett Unfug, in etwa auf dem gleichen Level wie die Angst davor, dass morgen die Welt untergeht. Wir müssen nur den Begriff "Arbeit" neu definieren und wir müssen entsprechend unsere Ausbildung und Arbeitswelt an die neuen Realität anpassen.

    /Mecki

  4. Re: Früher war alles besser?

    Autor: Noppen 15.10.13 - 10:13

    Eigentlich geht es überhaupt nicht darum, ob irgendwann, irgendwo, irgendwie etwas besser war.

    Das Buch/die Buchbeschreibung dokumentieren den technologischen Status Quo, sowie dessen absehbare Aussichten. Dieses kann im besten Fall das Rüstzeug für eine kompetente Mitgestaltung der _Zukunft_ sein.

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