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Fake News

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  1. Fake News

    Autor: tg-- 21.03.18 - 20:45

    Nun aber mal langsam.
    Wer sich, im Gegensatz zu Golem.de, die ausführliche Pressemitteilung von Salt[1] durchgelesen hat wird feststellen, dass hier nirgendwo die Rede von symmetrischen 10 GBit/s Anschlüssen ist - auch wenn Salt hier ganz bewusst vage, ja fast schon irreführend, wirbt.

    Was hier wirklich ein symmetrischer 10 GBit/s Anschluss ist, ist der Ethernetport an der "Salt Fibre Box", das macht Salt in der Pressemitteilung deutlich.

    Was keine symmetrischen 10 GBit/s Anschlüsse sind: die Anschlüsse!
    Salt tritt hier als virtueller Netzbetreiber via Swiss Fibre Net AG auf, welche ein Zusammenschluss der großen Schweizer Stadtnetze ist.

    Diese Stadtnetzbetreiber bieten allerdings keine symmetrischen 10 GBit/s Anschlüsse an.
    Stattdessen gibt es maximal 10G-PON Anschlüsse, also 10 GBit/s im Downstream, 2,5 GBit/s im Upstream - und die sind, als Passives Optisches Netzwerk, shared.
    D. h. in der Praxis teilen sich maximal 16 bis 128 Teilnehmer (je nach Aufbauvariante) die Bandbreite, denn sie hängen an effektiv einer einzigen Faser.
    Einige Stadtnetze haben sicherlich auch andere FTTH-Varianten im Einsatz wie G-PON mit 1 Gbit/s shared.
    Salt betreibt kein eigenes Netz.

    Es handelt sich hier also um eine Marketingstory.

    Aber trotzdem: vieles läuft in der Schweiz besser als bei uns:
    - es gibt keinen Überbau, sondern regionale Netze
    - 10G-PON ist Verfügbar und G-PON viel weiter Verfügbar als bei uns
    - es gibt eine Netzanbieterübergreifende Gesellschaft um Anschlüsse großflächig zu vermarkten
    - die Preise sind gut

    Woran liegt es?
    - die Schweiz ist nicht an EU-Regularien gebunden
    - Glasfasernetze werden überwiegend von Stadtnetzbetreibern betrieben, nur das Backbone von Telcos und sind damit mit Wasser und Strom querfinanziert
    - Schweizer Gemeinden haben mehr Geld

    P.S. Wenn jemand Informationen hat, dass bereits ein Schweizer Stadtnetzbetreiber 10G-PON2 mit symmetrischen (shared) 10 Gbit/s Anschlüssen betreibt, lerne ich gerne dazu.
    P.P.S. Das selbe gilt sollte es tatsächlich einen Netzbetreiber geben der jede einzelne Wohnung mit einer dedizierten Faser an einem dedizierten Port anbietet.

    1: https://www.salt.ch/media/press/files/2018/3/20/1fc4620d-9787-4417-a9a7-522ff8ab76a7/354/Salt_Salt%20Fiber%20Summary_DE.pdf

  2. Re: Fake News

    Autor: Freiheit statt Apple 21.03.18 - 21:37

    Gemäss Fredy Künzler (Chef des Providers init7 der schon seit einigen Jahren 1Gbit symertisch anbietet für einen recht guten Preis) ist es so, dass Salt XGS-PON nutzt.

    Das wären dann tatsächlich 10G up und 10G down (also nicht nur 2,5G up wie von dir beschrieben bei XG-PON).

    Richtig ist aber, dass diese 10G up und 10G down "shared" sind, d.h. potentiell mit Dutzenden anderen Kunden geteilt werden müssen.

    Andere Provider bieten übrigens Gigabit-Ethernet über Glasfaser an, d.h. 1G symertisch und nicht-shared. Dies ist z.B. bei der Swisscom und bei init7 der Fall. Vermutlich auch bei Sunrise und den meisten "Stadtprovidern".


    Was natürlich alle interessiert, ist, wie Salt das Ganze finanzieren will.

    Oben genannter Fredy Künzler geht davon aus, dass Salt in den kommenden Jahren mit dieser Sache mehrere 100 Mio Verlust machen wird und ca. 150'000 Abonnenten erreichen muss, um aus der Verlustzone zu kommen. Das halte ich für eine ziemliche Herausforderung, denn:

    1. Die Mehrheit der Schweizer sind extrem wechselfaul und Swisscom-Gläubig. Sie zahlen seit Jahrzehnten bei der Swisscom überhöhte Preise für halbgare Leistung und haben nicht zu der seit langem vorhandenen günstigeren & besseren Konkurrenz gewechselt. Wieso sollten sie jetzt plötzlich alle zu Salt wechseln?

    2. Salt hat bisher 0 Festnetzkunden, d.h. sie fangen in diesem Bereich ganz von vorne an.

    3. Salt geniesst (wie eigentlich alle Anbieter ausser Swisscom) bei der Bevölkerungsmerheit einen schlechten Ruf. Ob das nun etwas mit der Realität zu tun hat[*] ist eine andere Frage, aber Fakt ist, jedesmal wenn irgendwo der Name eines Mitbewerbers der Swisscom fällt, sind in den Kommentarspalten sofort Dutzende von Schreiberlingen am Werk, die angeblich ganz miserable Erfahrungen gemacht haben. D.h. viele Kunden dürften schlichtweg Angst haben, den Provider zu wechseln.

    4. Andere Provider werden nun auch preislich nachziehen, sodass das Salt-Angebot dann doch wieder nicht mehr sooo ausserordentlich ist. Und andere Provider haben allenfalls eine besser gefüllte Kriegskasse als Salt. (Die Swisscom Billig-Tochter Wingo hat heute bereits eine 30%ige Preissenkung angekündigt.)


    Kann also sein, dass das Ganze Angebot einfach wieder den Bach runter geht weil Salt es sich auf Dauer nicht leisten kann und die Kunden nicht in genügender Zahl kommen. Die Mobile-Kunden halten sie ja auch primär durch Kampfpreise, d.h. unendlich viele Reserven werden da nicht vorhanden sein.





    [*] Ich arbeite ja in der Tech-Branche und gemäss meiner Erfahrung gibt es bei der Swisscom mit Abstand am meisten Ärger. Aber entweder stellt meine Erfahrung eine "statistische Singularität" dar, oder die Swisscom bezahlt ein eiffzientes Fake-News-Team. Wie dem auch sei: Für sehr viele Schweizer heisst es "Swisscom oder nichts".

  3. Re: Fake News

    Autor: Gokux 22.03.18 - 08:35

    Freiheit statt Apple schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > [*] Ich arbeite ja in der Tech-Branche und gemäss meiner Erfahrung gibt es
    > bei der Swisscom mit Abstand am meisten Ärger. Aber entweder stellt meine
    > Erfahrung eine "statistische Singularität" dar, oder die Swisscom bezahlt
    > ein eiffzientes Fake-News-Team. Wie dem auch sei: Für sehr viele Schweizer
    > heisst es "Swisscom oder nichts".

    Kann ich bestätigen. Swisscom fällt am häufigsten mit Störungen auf.
    Warum sie aber gesellschaftlich ein hohen Stellenwert hat, kann man auch historisch mit der PTT erklären, da gabs noch nicht anderes :D. Und zu Anfangszeiten haben sich die grössten Konkurrenten UPC und Sunrise auch nicht gerade mit Rum bekleckert. Aber UPC und Sunrise haben ihre Hausaufgaben gemacht und haben sich Technisch, im Service und Support massivst verbessert (klar Horizon ist kein Hit, aber TV ist jetzt bei Enterprise kein Thema). Zu Salt habe ich keine Erfahrungsdaten, aber sie fallen nicht gerade durch Investitionen auf.

    Letztendlich ist es aber Meckern auf hohem Niveau, auch mit Swisscom kann man i.d.R. gut arbeiten.

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