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Wann ist "Made in Germany" korrekt

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  1. Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: u21 11.07.18 - 12:23

    Geplant/Entwickelt in Deutschland. Teile im Ausland gekauft (wie bei vielen Sachen), aber in Deutschland zusammengebaut und eingetütet: Made in Germany!

    "Herstellungsprozess ist entscheidend
    Grundsätzlich wird für die Bezeichnung „Made in Germany“ die Herstellung in Deutschland verlangt. Das OLG Stuttgart beschloss am 10.11.1995, dass entscheidend sei, dass die wesentlichen Bestandteile und die bestimmenden Eigenschaften der Ware, die in den Augen des Publikums deren Wert ausmachen, auf einer deutschen Leistung beruhen (Az. 2 U 124/95). In diesem Fall waren einzelne Teile und ganze Baugruppen eines industriellen Erzeugnisses im Ausland hergestellt worden, ohne dass eine Irreführung angenommen wurde. Maßgeblich ist ein entscheidender Wertschöpfungsanteil in Deutschland. Was der angesprochene Verkehr als wertbestimmend ansieht, wird man von Produkt zu Produkt bestimmen müssen. Der BGH entschied mit Urteil vom 23.3.1973, dass die Kennzeichnung dann zulässig ist, wenn es bei der Herstellung an einer nennenswerten ausländischen Beteiligung fehlt, die Ware vielmehr von der Konzeption bis zur technisch-fabrikatorischen Fertigstellung von Deutschen stammt und in Deutschland gefertigt ist (I ZR 33/72). Entscheidend ist im Wesentlichen die letzte wesentliche und wirtschaftlich gerechtfertigte Endbearbeitung bzw. Verarbeitung."

    Fundstelle mit weiteren Ausführungen:
    https://www.wbs-law.de/wettbewerbsrecht/rechtliche-anforderungen-die-bezeichnung-made-germany-56138/

  2. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: LH 11.07.18 - 12:37

    u21 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Geplant/Entwickelt in Deutschland. Teile im Ausland gekauft (wie bei vielen
    > Sachen), aber in Deutschland zusammengebaut und eingetütet: Made in
    > Germany!

    So einfach macht es selbst dein Zitat nicht:
    >Maßgeblich ist ein entscheidender Wertschöpfungsanteil in Deutschland.

    Ist das wirklich hier der Fall? Am Ende ist es dich nur Lego + Eintüten. 99% der Wertschöpfung finden nicht in Deutschland statt. "Assembled in", welches afaik in Deutschland nicht rechtlich geregelt ist, passt hier deutlich besser. Genre an "Designed and Assembled in Germany" (wenn es den Englisch sein muss ;D )

    Selbst wenn es rechtlich korrekt ist, moralisch halte ich ein "Made in Germany" hier für fragwürdig. Es sind einfach eingekaufte Komponenten, teils in (wie das Video zeigt) sehr großen Baugruppen. Hier ist "Made in Germany" nur ein Trick, der mit der Realität nichts zu tun hat.

  3. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: u21 11.07.18 - 13:15

    LH schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > u21 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Geplant/Entwickelt in Deutschland. Teile im Ausland gekauft (wie bei
    > vielen
    > > Sachen), aber in Deutschland zusammengebaut und eingetütet: Made in
    > > Germany!
    >
    > So einfach macht es selbst dein Zitat nicht:
    > >Maßgeblich ist ein entscheidender Wertschöpfungsanteil in Deutschland.
    >
    > Ist das wirklich hier der Fall? Am Ende ist es dich nur Lego + Eintüten.
    > 99% der Wertschöpfung finden nicht in Deutschland statt.

    99% sicherlich nicht.

    Unter Wertschöpfung fällt auch der Entwicklungsprozess, der üblicherweise recht teuer ausfällt ("Ingenieursleistungen").
    Die reine Produktion von Bauteilen kann im Zeitalter massenhaft verfügbarer Elektronikkomponenten recht preiswert erfolgen.
    Das Zusammensetzen der Komponenten sowie ein eventueller Prüfvorgang vor Auslieferung ist je nach Einsatz (Menschen/Menschinen) mehr oder weniger preisrelevant.

    Da sich Wertschöpfung aus Vorleistung und Produktion zusammensetzt ( https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wertschoepfung-50306 ) kann hier die Wertschöpfung zu großen Teilen auf die Vorleistung (Entwicklung) entfallen, die ja lt. Artikel in Deutschland erfolgen soll.

    Wie man sieht, ist es schwer aus dem Bezug im Ausland gefertigter Elektronikkomponenten den Grad der Wertschöpfung des in Deutschland dann assemblierten Produkts zu erkennen.

    Ich gehe aber davon aus, dass die Entwicklung von Smartphones schnell im namhaften Millionen-Euro-Bereich landet und bei entsprechend geringen Produktionszahlen schnell den größten Teil der Wertschöpfung ausmacht.

    Ansonsten stimme ich deinen weiteren Ausführungen zu.

  4. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: thecrew 11.07.18 - 13:17

    Wo hast du denn heute keine "Eingekauften oder zugekaufen" Komponenten?
    Bei der Bratwurstproduktion vielleicht. Aber nehmen wir doch mal ein Auto. Woher kommt das Material (Stahl usw?) Woher die Elektronik? Auch in einem "Deutschen" Auto stecken sicherlich 50% nicht deutsche Teile drin. Gerade sämtliche Elektronikkomponenten kommen doch heute fast zu 90% aus Süd Korea/China. Hier zulande wird doch nichts mehr gebaut. Keine Mainboards, keine CPUS. im Prinzip nichts an aktueller kleine Elektronik was zu einem großen ganzen zusammengebaut wird. Baut eine Firma also einen PC. Wäre ja ein Made in Germany auch schon falsch. Weil halt alle Komponenten nicht aus Deutschland kommen.

  5. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: PerilOS 11.07.18 - 13:31

    LH schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > u21 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Geplant/Entwickelt in Deutschland. Teile im Ausland gekauft (wie bei
    > vielen
    > > Sachen), aber in Deutschland zusammengebaut und eingetütet: Made in
    > > Germany!
    >
    > So einfach macht es selbst dein Zitat nicht:
    > >Maßgeblich ist ein entscheidender Wertschöpfungsanteil in Deutschland.
    >
    > Ist das wirklich hier der Fall? Am Ende ist es dich nur Lego + Eintüten.
    > 99% der Wertschöpfung finden nicht in Deutschland statt. "Assembled in",
    > welches afaik in Deutschland nicht rechtlich geregelt ist, passt hier
    > deutlich besser. Genre an "Designed and Assembled in Germany" (wenn es den
    > Englisch sein muss ;D )
    >
    > Selbst wenn es rechtlich korrekt ist, moralisch halte ich ein "Made in
    > Germany" hier für fragwürdig. Es sind einfach eingekaufte Komponenten,
    > teils in (wie das Video zeigt) sehr großen Baugruppen. Hier ist "Made in
    > Germany" nur ein Trick, der mit der Realität nichts zu tun hat.


    Wenn ein VW vom Band rollt, dann sind die Einzelteile in der Regel auch in China in einem VW Werk erfolgt. In deutschland wird dann lackiert, montiert, geprüft, ausgeliefert.
    Zusätzlich die Entwicklung. Und das ist Made in Germany.
    Nur weil du Einzelteile hast, hast du noch kein Endprodukt.

    "Made in Germany" ist bei dem Gigaset schon angebracht. Die importieren lediglich Standardkomponente. Ansonsten wäre Spezial-Stahl "Made in XYZ" nur "Made in China", weil das Roherz in der Regel von woanders kommt.

  6. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: DeathMD 11.07.18 - 14:02

    Ich nehme an, der Anteil an chinesischen Zulieferern ist in der Automobilbranche noch recht gering.

    BRAWNDO: The Thirst Mutilator

    It's got Electrolytes

  7. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: PerilOS 11.07.18 - 14:32

    DeathMD schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich nehme an, der Anteil an chinesischen Zulieferern ist in der
    > Automobilbranche noch recht gering.


    Praktisch die Gesamte Karosserie kommt aus China. Nur Innenverkleidung, Motor, Getriebe und Außenteile sind aus Deutschland.

  8. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: DeathMD 11.07.18 - 16:07

    Hast du da irgendeinen Link dazu? Mir wäre nicht bekannt, dass es sehr viele chinesische Zulieferer gibt. Japanische ja, aber chinesische und dann noch bei Karosserien?

    BRAWNDO: The Thirst Mutilator

    It's got Electrolytes

  9. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: 486dx4-160 11.07.18 - 16:32

    thecrew schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wo hast du denn heute keine "Eingekauften oder zugekaufen" Komponenten?
    > Bei der Bratwurstproduktion vielleicht. Aber nehmen wir doch mal ein Auto.
    > Woher kommt das Material (Stahl usw?) Woher die Elektronik? Auch in einem
    > "Deutschen" Auto stecken sicherlich 50% nicht deutsche Teile drin. Gerade
    > sämtliche Elektronikkomponenten kommen doch heute fast zu 90% aus Süd
    > Korea/China. Hier zulande wird doch nichts mehr gebaut. Keine Mainboards,
    > keine CPUS. im Prinzip nichts an aktueller kleine Elektronik was zu einem
    > großen ganzen zusammengebaut wird. Baut eine Firma also einen PC. Wäre ja
    > ein Made in Germany auch schon falsch. Weil halt alle Komponenten nicht aus
    > Deutschland kommen.

    Täusch dich nicht: Gerade Autoelektronik wird sehr viel in Deutschland produziert und exportiert, Fujitsu baut nach wie vor in Augsburg Mainboards, und CPUs und andere Mikroprozessoren werden auch in Deutschland gefertigt.
    Dass ein einigermaßen komplexes Produkt komplett mit Komponenten nur aus einem Land hergestellt wird ist allerdings utopisch, egal um was es geht.

  10. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: attitudinized 11.07.18 - 17:46

    Da nimmst du falsch.

    Das G in TCL steht für Deutschland ;-)

  11. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: DeathMD 11.07.18 - 18:12

    Wenn du mir jetzt noch erklären kannst, was das mit Karosseriebau zu tun hat, bin ich glücklich. :)

    BRAWNDO: The Thirst Mutilator

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  12. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: PerilOS 12.07.18 - 00:41

    DeathMD schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hast du da irgendeinen Link dazu? Mir wäre nicht bekannt, dass es sehr
    > viele chinesische Zulieferer gibt. Japanische ja, aber chinesische und dann
    > noch bei Karosserien?


    VW und alle anderen haben eigene Werke in China. Dort wird alles gefertigt was die Roboter in Deutschland automatisch zusammen pappen. Alles was du mit der Hand auf dem Montageband einsetzt, ist aus Deutschland. Glaube das war so die Grundregel bei der deutschen Autoproduktion.

    Quelle: ICE Bahnfahrten über Wolfsburg in Regelmäßigkeit. Man unterhält sich.
    Aber ich meine das auch mal irgendwo in ner Doku gessehen zu haben. Sind irgendwie 30%.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.07.18 00:42 durch PerilOS.

  13. Kein Qualitätskriterium

    Autor: AllDayPiano 12.07.18 - 14:11

    Made in Germany stammt aus Zeiten des britischen Protektionismus, als Deutschland GB mit einer Flut billiger Messer überschüttet hat, und somit die einheimische Wirtschaft massiv gefährdet hat.

    Made in Germany ist kein Merkmal hoher Qualität, sondern ausschließlich für Billigschrott aus nicht-britischer Herstellung!

    Sollte man nie vergessen, wenn man sich gerade wieder über sein Miele, Bosch, AEG, BMW, VW, Audi oder was auch immer "Made in Germany" aufregen muss. Denn das erklärt doch einiges.

  14. Re: Wann ist "Made in Germany" korrekt

    Autor: DeathMD 12.07.18 - 14:15

    Erstmal danke für die Antwort. Ja die Regel ist, dass so in etwa 75% der Teile von Zulieferern kommen und ich zweifle auch nicht an, dass VW in China Werke hat. Ich zweifle nur nach wie vor an, dass Karosserieteile in China hergestellt werden und dann nach Deutschland verschifft werden. Wenn es sich um elektronische Bauteile bspw. von TCL handelt, dann ok, aber Karosserie hört sich für mich irgendwie seltsam an.

    Die Teile können mehr oder weniger vollautomatisch erzeugt werden. Der Blechrohling kommt in eine Presse und dort wird das Teil in die entsprechende Form gepresst und ausgestanzt. Diese Teile kann ich also auch günstig in Osteuropa bspw. Polen herstellen lassen und die Terminplanung ist dann wesentlich einfacher. Der Schwund dürfte auch wesentlich geringer sein, als wenn sich Blechteile Monate auf hoher See befinden.

    Karosserieteile und fertige Karosserien, werden unter anderem auch in Österreich bei Magna Heavy Stamping hergestellt und dann in Graz bspw. zu BMW 5er, BMW Z4, Mercedes G, Jaguar E und I Pace komplettiert. Daher bezweifle ich ehrlich gesagt, dass VW Karosserieteile in China fertigt. Für die Produktion vor Ort bestimmt, für Deutschland kann ich es mir nicht vorstellen.

    BRAWNDO: The Thirst Mutilator

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    2 mal bearbeitet, zuletzt am 12.07.18 14:17 durch DeathMD.

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