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Urteil ist gerechtfertigt

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  1. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: throgh 08.02.17 - 16:19

    Hach ja: Man kann sich wirklich Alles relativieren was diese Diskussion hier auch überdeutlich zeigt. Wenn man eine Webseite erst mit Werbung versieht und dann anschließend quasi einem Schutzgeld gleich eine Möglichkeit zum "Freikaufen" für den / die Nutzer anbietet, kann man nicht von Schutz sprechen sondern nur von Erpressung. Aber hey: Man muss ja auch nicht Bild.de lesen. Im Gegenteil: Einfach diese Webseite meiden, wie auch andere Produkte aus dem Hause "Axel-Springer". :-)

  2. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Truster 08.02.17 - 16:24

    Bei diesem Gericht greifen eben die alternativen Fakten :-) *SCNR*

  3. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: AllDayPiano 08.02.17 - 16:44

    Tsimmi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > 1. Es wurde der komplette Seiteninhalt gesendet, was jeder
    > halbwegs fähige Webentwickler hätte verhindern können.

    Und damit zerplatzt Deine Argumentation wie eine Seifenblase!

    Es geht hier nicht um halbwegs fähige Webentwickler, es geht um Hans Mustermann, den Standard-KONSUMENT.

    Und FÜR DIESEN ist der Schutz nicht zu umgehen.

    Und damit ist das Urteil auch sinnvoll begründet.

    Ich denke, dass der Abgemahnte nicht so blöd war, das Urteil zu akzeptieren, wenn sein Anwalt nicht stichhaltig eine juristische Perspektive präsentiert hat.

    Alles andere ist ohnehin hier nur Pseudo-Juristerei, die mit der echten Welt nicht viel gemein hat.

  4. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: AllDayPiano 08.02.17 - 16:46

    throgh schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Im Gegenteil: Einfach diese Webseite meiden, wie auch
    > andere Produkte aus dem Hause "Axel-Springer". :-)

    Es ist Teil der Nutzungsbedingungen, dass man Werbung akzeptiert. Bild verwehrt den Zugang, wenn du das nicht willst. Ob die Zugangsbeschränkung nun sinnvoll umgesetzt, oder nicht, spielt dabei keine große Rolle.

    Wenn an der Disko ein Hämpfling steht, der sagt "Du kommst hier nicht rein", dann ist das eine genauso wirksame Schutzmaßnahme, wie ein Muskelprotz der Hells Angels. Die Aussage "du kommst hier nicht rein" ist das, worauf es ankommt, und nicht, ob einem die Ansage passt, oder nicht.

  5. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Trockenobst 08.02.17 - 17:16

    Mithrandir schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > §95a UrhG nennt übrigens explizit "wirksame technische Maßnahmen" - und
    > hier kann man sich ja bekannterweise vortrefflich darüber streiten, wann
    > eine technische Maßnahme wirksam ist, und wann nicht.

    "Wirksam" bezieht sich auf den Nutzer . Wenn du keine Ahnung hast wie man einen Adblocker installiert, und interessanterweise sind das noch nicht 100% der User, dann ist das Ding für dich wirksam. Wenn ein ganzes Team von Hackern hinter den Anti-Adblockern hinter her arbeiten muss, und bei Urlaub dieser Leute, der Zugriff nicht funktioniert, ist das Ding "wirksam".

    Um theoretische Unwirksamkeit geht es hier nicht. Wäre es so, gäbe es auch keine absolute Sicherheit oder absolute Wahrheit. Es gilt das was Wahrscheinlich wäre, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Zielgruppe die "Bild" liest zu einem großen Teil das Ding nicht umgehen könnte.

    Genau aus dem Grund jagen sie die Leute, die diese Werkzeuge bereitstellen.

  6. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: lear 08.02.17 - 17:21

    Du verpaßt das Thema.
    Springer sagt "Das hier ist kopiergeschützt, weil es kopiergeschützt ist. 'Period'. Verwenden sie gefälligst Browser X in Konfiguration Y um die von uns bezogenen Daten zu interpretieren"

    Selbst wenn das nicht schon eine fragwürdige Haltung wäre: sie tun *nichts* um das zu erzwingen. Der Schutz müßte ja keineswegs so komplett lächerlich sein; sie *könnten* einen vernünftigen Schutz anwenden (der zB. die "Inhalte" ohne GET request auf die Werbung überhaupt nicht ausliefert) aber sie setzen stattdessen juristisch durch, daß Elefanten rosa sind, weil sie die so sehen und machen *mein* System zu ihrer Gewaltsphäre. Und das ist nicht drin.
    Der Kopierschutzartikel ist ja eh' schon hahnebüchen, weil es den Rechtehalter nichts angeht, ob ich seine Daten im Kopfstand oder sonstwie rezipieren möchte (wir sind hier *nicht* bei der rechtswidrigen Verbreitung, sondern beim schöden Einsatz von libdecss) aber Springer setzt noch mal einen drauf, weil wir von der Rezeption von Klartext reden, dessen "Schutz" im Klartext vorliegt und sich iW. auf einen webframe parameter und die lokalen CSS Einstellungen (was ist mit Sehschwächen? *muß* ich Springers CSS verwenden?) beläuft.

    Die Frage die Springer beantworten muß ist doch, ob ich ihre Seite mit lynx (oder eg. einem Screenreader) ansteuern "darf" und, sofern sie das nicht wollen, warum sie das nicht technisch durchsetzen.


    Deine Nebelkerzen von Kreditbetrug und Schwarzkopien übersehen wir lieber mal. Das ist fraglos strafbar, aber illegitim ist hier die eigentliche Handlung, aber doch nicht der Weg dahin ("schau mal, ich kann aus dem http chroot der DummBank ausbrechen") - hinzu kommt in diesem Fall die technische Äquivalenz von Adblock und Adblock-Block-Umgehung; in jedem Fall wird einfach nur der lokale DOM umgeschrieben. Nach obigen Feststellungen könnte Springer die Werbung einfach selbst zu Kopierschutz deklarieren und sich ihren Pseudoschutz komplett sparen.

  7. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Tsimmi 08.02.17 - 19:19

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Tsimmi schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > 1. Es wurde der komplette Seiteninhalt gesendet, was jeder
    > > halbwegs fähige Webentwickler hätte verhindern können.
    >
    > Und damit zerplatzt Deine Argumentation wie eine Seifenblase!
    >
    > Es geht hier nicht um halbwegs fähige Webentwickler, es geht um Hans
    > Mustermann, den Standard-KONSUMENT.
    >
    > Und FÜR DIESEN ist der Schutz nicht zu umgehen.

    Du hast meine Argumentation offensichtlich falsch verstanden. Ich rede von einem unfähigen Webentwickler, und zwar dem bei Bild, der eine unwirksame "Schutzmaßnahme" eingebaut hat, die gar keine war. Was er hätte machen müssen: Kein JavaScript -> Kein ausgelieferter Seiteninhalt. Was er gemacht hat: Kein JavaScript -> Seiteninhalt wird ausgeliefert, aber mit einem Overlay, welches je nach Browser-Konfiguration gar nicht sichtbar ist, oder den Inhalt nur teilweise überdeckt. Die haben dir den kompletten Seitentext geschickt! Was ist da groß zu umgehen? Gar nichts! Was ist da wirksam geschützt? Das ist ja als würdest du deinen geheimen Aktenschrank auf den Marktplatz stellen mit 'nem Zettel dran "Bitte nicht rein gucken!". Erzähl da mal einem Richter, dass du nicht fahrlässig gehandelt hast bitte. Außer er ist vom LG Hamburg vielleicht...



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 08.02.17 19:27 durch Tsimmi.

  8. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: throgh 09.02.17 - 02:17

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es ist Teil der Nutzungsbedingungen, dass man Werbung akzeptiert. Bild
    > verwehrt den Zugang, wenn du das nicht willst. Ob die Zugangsbeschränkung
    > nun sinnvoll umgesetzt, oder nicht, spielt dabei keine große Rolle.
    >
    > Wenn an der Disko ein Hämpfling steht, der sagt "Du kommst hier nicht
    > rein", dann ist das eine genauso wirksame Schutzmaßnahme, wie ein
    > Muskelprotz der Hells Angels. Die Aussage "du kommst hier nicht rein" ist
    > das, worauf es ankommt, und nicht, ob einem die Ansage passt, oder nicht.

    Wie gesagt: Man sollte einfach den gesamten Verlag und dessen Angebote meiden. Aber das Problem beginnt wenn derlei Beispiele Schule machen: Statt wertvolle und informative Inhalte bekommt man dann zukünftig ganze Werbetafeln zu sehen. Vor allem Inhalte, für die sich das Bezahlen auch wirklich lohnt und nicht einer Schutzgelderpressung gleichkommt. Erst Werbung und danach darf man sich freikaufen! ;-)

  9. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: frostbitten king 09.02.17 - 02:56

    Lol der Browser heißt wirklich Dillo? Ka möglich dass das ein Austriazismus is und ihr das ned kennt aber Dillo heißt auch Depp. 😂

  10. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: AllDayPiano 09.02.17 - 08:15

    throgh schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie gesagt: Man sollte einfach den gesamten Verlag und dessen Angebote
    > meiden.

    Oder einfach den Adblocker ausmachen, so wie ich hier bei Golem (vor allem, weil dieses penetrante Gehüpfe der Seite beim Laden dieses "Mache jetzt ein Golem.de pur Abo" fürchterlich auf den Sack geht).

    Auf allen Seiten, die ich GERNE besuche, hab ich den Adblocker ausgeschaltet.

    Auf Pornoseiten wäre das jedoch der Freitod.

  11. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Bleistiftspitze 09.02.17 - 09:03

    Nein, der Schutz ist nicht lächerlich sondern es ist keiner. Etwas nicht so darzustellen dass es nicht jeder direkt lesen kann, ist noch kein Schutz. Sonst könnte man auch von einem wirksamen Lese-Schutz sprechen, wenn man eine Zeitung auf der Parkbank rumliegen lässt und ein weisses Blatt Papier darüber legt, damit sie nicht gelesen werden kann.
    Im Internet das minimale Kentnisse von Bedienen von Software vorraussetzt, ist das genauso wenig ein brauchbarer Schutz wie obiges Beispiel.

  12. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: lixxbox 09.02.17 - 13:47

    Du kannst in deinem Kämmerchen blocken was du willst. Da kräht vermutlich kein Hahn nach.
    Es geht aber darum, dass jemand in einer Videoanleitung der breiten Masse erklärt hat, wie man den Adblocker-Blocker umgeht.

  13. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Anonymer Nutzer 09.02.17 - 14:09

    Tantalus schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Thiesi schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Das erklärt seinen hohen Verbreitungsgrad hierzulande.
    >
    > Das spielt in dem Zusammenhang doch keine Rolle.

    Doch.
    Recht folgt dem Territorialprinzip. Und der juristische Maßstab bist auch nicht du, sondern der Durchschnittsbürger. Fraglich ist also was der durchschnittliche Nutzer von Bild.de, in Deutschland, wirksam davon abhält, mit Adblocker auf Inhalte zuzugreifen.

    Und ja, solch eine Detection ist dabei wirksam - außer man erhält eine Anleitung zum Umgehen, genau das sollte Tobi ja unterlassen, dabei belegt ironischerweise die Existenz seines Tutorial zur Umgehung der Sperre, dass sie ausreichend wirksam ist, nämlich so wirksam, dass der durchschnittliche Bild.de Besucher eben nicht selbst darauf kommt, wie er die Sperre umgehen kann, sondern dazu eine Anleitung benötigt - das reicht zur Wirksamkeit!

    Ob sie für dich oder nach einer Anleitung für Andere im Ergebnis leicht zu überwinden ist spielt keine Rolle. Die Leichtigkeit einer Überwindung von Sperren, die Andere eingerichtet haben um ihre Rechte zu schützen, macht aus Unrecht nicht automatisch Recht. Kleines Beispiel aus der realen Welt: Ein fremdes Haus zu betreten, dessen Tür nicht abgeschlossen wurde, ist trotzdem das Antragsdelikt des Hausfriedensbruchs.

    Der Verlag macht durch die Sperre unmissverständlich klar, dass er seine urheberrechtlich geschützten Texte nur Nutzern zur Ansicht zur Verfügung stellt, wenn diese dabei keinen Adblocker benutzen und er macht die Sperre jedenfalls wirksam genug, dass der durchschnittliche Nutzer von Bild.de nicht ohne eine Anleitung oder andere Hilfestellung daran vorbei kommt. Die Sperre muss dabei aber genauso wenig größten Mühen zur Überwindung stand halten, wie jemand sein Haus zur Festung machen muss, um selbst bestimmen zu dürfen wer es straflos betreten darf.



    Dir scheint nicht ganz klar zu sein, wie man eine Rechtsgüterabwägung vornimmt.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 09.02.17 14:16 durch Lügenbold.

  14. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: lear 09.02.17 - 16:33

    Lügenbold schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > dabei belegt ironischerweise die Existenz seines Tutorial zur Umgehung der Sperre, dass
    > sie ausreichend wirksam ist, nämlich so wirksam, dass der durchschnittliche
    > Bild.de Besucher eben nicht selbst darauf kommt, wie er die Sperre umgehen
    > kann, sondern dazu eine Anleitung benötigt

    Es gibt auch video tutorials, wie man sein Fahrrad aufpumpt - das ist kaum ein Maßstab.

    Und nochmal: die Krux dabei ist doch, daß nur falls die Umgehung rechtswidrig ist, die Verbreitung der Information auch rechtswidrig wäre. Damit wäre aber jeder lokale Eingriff in den DOM-Tree (zum. potentiell) rechtswidrig, weil er bereits *versehentlich* zu einer Umgehung führen könnte (konkretes Beispiel: ich. Springer führt hier bestimmt kein JS aus und <noscript> landet per globaler Regel am Seitenende. Ich mußte *gar* nichts mehr tun um mich über den Quatsch schlapplachen zu können)

    bild.de ist keine Äpp - man muß im www regelmäßig davon ausgehen, daß der per GET bezogene Klartext am anderen Ende wahlfrei verarbeitet wird. Ein wie auch immer gearteter "Schutz" *kann* also nicht darauf beruhen, hier irgendwelche Vorgaben zu machen, weil damit jeder kriminalisiert würde, der nicht den Vorstellungen des Rechteinhabers entspricht (sei es, weil er den falschen Browser einsetzt, das falsche Stylish CSS installiert hat, den Browser falsch konfiguriert hat, die falsche Adblock Liste abonniert hat, einen Proxy betreibt oder einen Virenscanner installiert hat oder Seiten automatisiert als pdf archiviert oder .............)

    Darauf, daß er allgemein nicht erwischt würde ("stilles Kämmerlein") kommt es schwerlich an.
    Der Schutz muß sich zwingend von üblicher Verarbeitung entfernen, sonst besteht kein Anspruch auch Beachtung ("im normalen Betrieb" - der ist hier etwas umfangreicher als bei einer BluRay)

    Ein anders gelagertes Beispiel wäre "Spiegel PLUS".
    Die lächerliche ROT1 "Verschlüsselung" ist seit tausend Jahren nicht mehr zeitgemäß und wenn Du Schneier fragst, ob das ein "wirksames" Verfahren ist, prügelt er Dich mit seinen Vignere-Tafeln, ABER: so jämmerlich die "Verschlüsselung" auch ist (und Spiegel liefert das "Entschlüsselungsscript" allen Ernstes gleich mit), wird tatsächlich kein Klartext ausgeliefert, den man "versehentlich" erfaßt (sondern man muß eben gezielt ROT25 anwenden)
    Damit genügt daß Verfahren aWn. §95 UrhG (auch wenn ich es niemals als "wirksam" bezeichnen oder zum effektiven Schutz vorschlagen würde - da sträubt sich was ;-)

  15. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: tschick 09.02.17 - 16:33

    Anders aufgezogen:
    Ein Browser ist ein Webseiteninterpreter.
    Wenn der nun Antworten eines Webservers anders interpretiert, als die Webseite dies erwartet, ist das illegal, nur weil der Schutz eine feste Interpretationsweise vorsieht?

    ....ooookay.

    Und wenn der Browser dem Webserver "die falschen Fragen stellt", dieser aber dennoch die "geschützten" Inhalte preisgibt, handelt der Browser illegal und nicht der Webserver fahrlässig?

    Ich versuch nur, die Fragen aus Sicht der Neuland Rechtsprechung zu stellen.

    Es dünkt jedoch Einem, dass die Rechtsprechung das noch einfacher herunterbricht.
    "Der Webserver äußert mit seinem Adblock-Blocker eine Willensbekundung, nicht beklaut werden zu wollen, worauf der Browser pfeift. Illegal!"

    "Technik" pfff.

  16. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Thiesi 09.02.17 - 17:51

    Richtig - warum einfach, wenn's auch kompliziert geht, gelle?

    Es sind erstaunlicherweise gar nicht alle sechs Milliarden Möglichkeiten, die existieren, um BILD.de trotz Adblocker lesen zu können, erfasst in diesem Verfahren. Es geht also überhaupt nicht darum, ob man mit Dillo oder Dildo oder mit Lynx oder w3m oder mit halb-aktivem JavaScript oder mit kaputtem JavaScript-Interpreter die Seiten ohne Werbung angucken kann, sofern das nicht dem Nutzerverhalten des "durchschnittlichen Internetnutzers" entspricht.

    Beim normalen BILD-de-Nutzer ist nicht von einer Kompetenzkongruenz mit dem normalen Golem.de-Leser auszugehen. Der BILD.de-"Kopier"schutz ist wirksam, weil es für die Wirksamkeit darauf ankommt, dass der Anbieter für die Zielgruppe erkennbar seinen Willen kundtut, keine Vervielfältigung oder in diesem Falle kein Betrachten seiner Inhalte ohne Werbung zu wünschen. Dies tut der Anbieter, indem er einen Mechanismus einsetzt, der bei der Zielgruppe (= die breite Masse => Leute mit überschaubarer IT-Kompetenz) wirkt. Das ist eine juristische Definition und - fairerweise muss man das wohl zugeben - die einzige, die Sinn ergibt. (Würde man sich an die sprachliche und logische halten, dann wäre, wie andernorts bereits gesagt, praktisch kein Kopierschutz wirksam, da jeder irgendwie ausgehebelt werden kann.) Eine Umgehungshandlung wäre demnach illegal.

    Ein Aushebeln des Kopierschutzes quasi im Vorbeigehen durch Techniken, die nicht speziell dafür angeboten werden, sondern dies eben einfach so tun (vgl. Kopierschutz bei Audio-CDs und Verwendung von PLEXTOR-Laufwerken) war wohl nicht Gegenstand des Verfahrens. Verfahrensgegenstand war hingegen, dem durchschnittlichen Internetnutzer eine absolut idiotensichere Anleitung an die Hand zu geben, wie dieser einen von ihm wohl zweifelsfrei zur Kenntnis genommenen "Kopier"schutz aushebeln kann. Es handelte sich bei der Videoanleitung auch nicht um einen JavaScript-Kurs über mehrere Stunden, an dessen Ende der Nutzer selbst dazu in der Lage ist, den Schutz zu überwinden, sondern um eine Anleitung, die einzig und allein das Ziel hatte, Leuten, die offensichtlich ansonsten nicht dazu in der Lage gewesen wären, die Umgehungshandlung zu ermöglichen.

    Das mag man alles irgendwie nicht gut finden, weil der Springer-Verlag ja per Definition böse ist. Das mag man obendrein nicht gut finden, weil man Kopierschutzmechanismen grundsätzlich ablehnt. Aber vor dem Hintergrund der Gesetzeslage hier in Deutschland hätte das LG HH wohl kaum drastisch anders entscheiden können.

    Es ist auch niemand kriminalisiert worden, denn es handelte sich nicht um eine Strafsache. Und selbstverständlich zwingt auch das LG HH niemanden dazu, bestimmten JS-Code auf seinem Rechner auszuführen. Aber was auch immer dieses Urteil nun ist - der von manchen Foristen erklärte Angriff auf die Freieheit des Individuums und die Redefreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung ist es wohl eher nicht.

  17. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: crazypsycho 09.02.17 - 20:27

    Techn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Auch wenn das hier im Forum vielleicht nocht so gut ankommt, aber fakt
    > ist:

    Immer vorsicht, nie etwas als Fakt bezeichnen, wenn es nicht belegbar ist.

    > Bild hat ihren '' Qualitätsjournalismus'' geschützt, wie wirksam die
    > Schutzmaßnahme ist sei mal dahingestellt...

    Der Schutz (eigentlich ist es nur eine Sperre) ist nur wirksam, wenn der User einen Browser hat, welche diesen Schutz interpretieren kann.

    > Aber hier geht es weder um das Blocken von Werbung noch um, ich will nur
    > auf meinem Rechner kriegen was ich will. Es geht darum eine Schutzmaßnahme
    > zu umgehen und sich somit illegal etwas zu beschaffen was nicht gewolllt
    > ist.

    Auch wenn ich die Website mit Blocker aufrufe, habe ich sofort jegliche Inhalte beschafft. Illegal beschafft man sich nichts, auch mit Umgehung der Sperre nicht.
    Der Content steht frei und kostenlos im Netz.

    >Für die Umgeung dann noch eine Aleitung pdr Youtube zu verbreiten und
    > dann sich aufregen wenn man abgemahnt wird... Oh man...

    Sehe da nix schlimmes dran, er zeigt nur, wie man seinen Browser so einstellt, damit das Script nicht mehrt ausgeführt wird.

  18. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: crazypsycho 09.02.17 - 20:33

    pseudonymer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > FreiGeistler schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Techn schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > > > Auch wenn das hier im Forum vielleicht nocht so gut ankommt, aber
    > fakt
    > > > ist:
    > > >
    > > > Bild hat ihren '' Qualitätsjournalismus'' geschützt, wie wirksam die
    > > > Schutzmaßnahme ist sei mal dahingestellt...
    > > >
    > > > Aber hier geht es weder um das Blocken von Werbung noch um, ich will
    > nur
    > > > auf meinem Rechner kriegen was ich will. Es geht darum eine
    > > Schutzmaßnahme
    > > > zu umgehen und sich somit illegal etwas zu beschaffen was nicht
    > gewolllt
    > > > ist. Für die Umgeung dann noch eine Aleitung pdr Youtube zu verbreiten
    > > und
    > > > dann sich aufregen wenn man abgemahnt wird... Oh man...
    > >
    > > Und immer noch: Mit Dillo (kann kein js) sehe ich Content. Also keine
    > > "Wirksame Schutzmassnahme" (@Axel Springer).
    > > Dillo wurde für Leistungsschwache Computer von 3.Welt-Ländern
    > entwickelt,
    > > nix mit "besonders Technikaffin" (@LGH).
    >
    > Allerdings lässt sich das ganze nicht durch einfaches verbieten von
    > Javascript umgehen. Sobald du js komplett verbietest bekommst du auch eine
    > Meldung.
    >
    > Interessant wäre, wieso es in dem von dir genannten Browser trotzdem läuft.

    Die Meldung ist nur ein Overlay. Rechtsklick, Element untersuchen, löschen, fertig.

  19. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: Anonymer Nutzer 09.02.17 - 23:25

    lear schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Lügenbold schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > dabei belegt ironischerweise die Existenz seines Tutorial zur Umgehung
    > der Sperre, dass
    > > sie ausreichend wirksam ist, nämlich so wirksam, dass der
    > durchschnittliche
    > > Bild.de Besucher eben nicht selbst darauf kommt, wie er die Sperre
    > umgehen
    > > kann, sondern dazu eine Anleitung benötigt
    >
    > Es gibt auch video tutorials, wie man sein Fahrrad aufpumpt - das ist kaum
    > ein Maßstab.
    >
    > Und nochmal: die Krux dabei ist doch, daß nur falls die Umgehung
    > rechtswidrig ist, die Verbreitung der Information auch rechtswidrig wäre.
    >

    Du redest wortreich am Thema vorbei.
    Dabei machst du schon den grundlegenden Fehler, den alle juristischen Laien machen, du diskutierst dialektisch.

    Im Recht gibt es kein richtig oder falsch sondern vertretbare Meinungen. Vertretbar ist, was unter den allgemeinen Gesetzen der Logik und mit korrekter Technik unter ein geltendes Gesetz subsumiert werden kann.

    Man kann subsumieren, dass Tobis Tutorial rechtlich unerheblich ist, man kann auch subsumieren, wie das Gericht es tat. Das Gericht ist dabei stringenter im Sinne des Gesetzes, keinesfalls ist es ein "Fehlurteil" oder "Neuland". Das ganze IT Gepose kannst du dir sparen, weil das im Kern keine technische sondern eine juristische Fragen ist. Nur weil dein Wortschatz den Begriff "Wirksamkeit" umfasst heißt das nicht, dass du auch weisst, was Juristen darunter präzise, im Kontext zigtausender Gesetze und Verordnungen und Europarecht, verstehen. Schon einen sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff zu definieren ist nicht trivial und vorher ist an eine Wertung noch gar nicht zu denken. Den Schritt hast du sichtlich übersprungen, weil, "ich spreche doch deutsch". Die Frage ist aber nicht ob die Sperre gegen Adblocker wirksam im allgemeinen Wortsinne ist, geprüft mit IT Expertise, sondern ob sie wirksam im Sinne des Gesetzes ist.

    Und dabei ist IT Expertise eben gerade nicht relevant, sondern ob, ich führte es aus, der durchschnittliche, also nicht du, User die Adblocker Sperre umgehen kann. Durch Allgemeinwissen o. ä. Das ist schlicht nicht der Fall, Schneier muss dazu gar nicht erst gehört werden. Damit ist die Sperre wirksam im Sinne des Gesetzes und das angebotene Tutorial, das erklärtermaßen ja zur Umgehung helfen soll (was es nur braucht weil es der normale Nutzer nicht selbst schafft, qed!), sollte unterlassen werden.

  20. Re: Urteil ist gerechtfertigt

    Autor: lear 09.02.17 - 23:42

    Thiesi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > die einzig und allein das Ziel hatte

    Gesinnungsrechtliche Argumentation?!

    Und wie unterscheidet sich das vom Adblocking selbst?
    Die selbe Art von Information wird der selben Gruppe zur Umgehung der Werbung vermittelt.
    Und inwiefern wäre die Aufnahme *dieser* Regel in Adblock Listen problematischer als jede andere?

    Was ist insbesondere mit der Blockade von clickcatchern/popups etc. - diese verwehren konditionell den Zugang zur Information mit den exakt gleichen Mitteln. Mithin verboten? Werbung ist doch ihr eigener Kopierschutz?

    Jeder, der einen Adblocker installiert hat, schreibt den DOM-Tree mehr oder weniger willkürlich lokal um. Ob das "durchschnittlich" (so wie das Publikum des fraglichen Videoblogs?) ist, sei mal dahingestellt, aber es ist die Zielgruppe des "Schutzes".
    Darf er das? Dann darf er den DOM auch hinsichtlich des "Schutzes" umschreiben. Darf er letzteres nicht, darf er den DOM-Tree nicht mehr willkürlich umschreiben, sondern nur nach Vorstellung Dritter (daß diese Vorstellungen naturgemäß auch noch geheime Vorbehalte sind, lassen wir mal) - damit kommt es nur noch darauf an, was diese als Schutzmaßnahme iSd. §95a UrhG behaupten.
    MaW: ist der Tenor des Gesetzes "Ein wirksamer Schutz ist, was der Schützende dazu erklärt"?

    Noch interessanter: darf ich sagen, welche Funktionen ausgeführt werden können müssen, bzw. welche Variablen nicht bzw. gesetzt sein müssen, damit Springers Schutz funktioniert, ie. darf ich erklären wie er funktioniert (was ausdrücklich ja kein Geheimnis ist, sondern nur mittelprächtige Kenntnisse in Webtechniken benötigt)
    Darf ich erklären, wie - ganz allgemein - Regeln in Adblockern erstellt werden, bzw. wie man Userscripte einschleust?

    Ie., darf ich das Problem der Umgehung auf das Niveau von "Addieren sie eins und eins" herunterbrechen - rein durch die allgemeine Vermittlung von Wissen?
    Und wenn das geht: ist die Maßnahme dann tatsächlich noch vom Gesetz erfaßt ("die Erreichung des Schutzziels *sicherstellen*")?

    Und um abschließend nochmal auf den Springerfaktor zurückzukommen: diese Diskussion wäre absolut nicht notwendig. Einen vernünftigen Schutz zu implementieren ist nun beileibe kein Hexenwerk. Also ja, was zum Teufel soll das? Ohne hidden agenda ist es doch geradezu infantil, statt den Schutz effektiv zu härten, Urteile zur rein juristischen Härtung zu betreiben. Ich kann problemlos anonym auf einem ausländischen Server posten, wie man das aushebelt und (interessierte) Nutzer können das problemlos finden. Und Springer kann mit dem Fuß aufstampfen.

    --------

    "warum einfach, wenn's auch kompliziert geht, gelle"
    "der von manchen Foristen erklärte Angriff auf die Freieheit des Individuums und die Redefreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung ist es wohl eher nicht."

    Jaja. Glashaus. Steine. ...

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