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Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

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  1. Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: der_wahre_hannes 12.02.18 - 12:05

    Gibt's da irgendeine Ethikkommission, die darüber entscheidet?

    Beispiel: Ich habe z.B. den Film Max und Moritz Reloaded als äußerst geschmacklos empfunden, die Kritiker zumindest von der Zeitung Die Welt und der BZ konntem dem Streifen aber wohl durchaus was abgewinnen.

    Dürfte man sowas bei Youtube noch vermarkten oder wäre es "schlechter Geschmack"?

  2. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: sundilsan 12.02.18 - 12:27

    Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute mal wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...

  3. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Anonymer Nutzer 12.02.18 - 12:58

    sundilsan schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute mal
    > wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...

    Das ist nun auch wieder der falsche Ansatz, denn wo sollte dieser Enden? Der zivilisierte Diskurs ist doch gerade eine der Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft.
    Es braucht keine Kraftausdrücke um eine Gegenmeinung zu sein verbalisieren - das geht auch ohne.
    Und gerade der zivilisierte Diskurs ermöglicht ja die linguistische Entgleisung im Falle einer besonderen Erregung um damit dem eigenen Unmut zusätzlichen Nachdruck zu verschaffen.

    Nun gibt es im Falle der "political correctness" durchaus das Problem der Übertreibung welche doch manchmal eher seltsame Züge annimmt, dennoch würde Ihre Abschaffung keine Probleme lösen. Ich möchte anregen, dass eine Abschaffung der "political correctness" unweigerlich zu einer verbalen deutlich aggressiveren Umgangsform führen würde. Zivilisatorisch wäre dies dementsprechend ein Rückschritt der niemandem dienlich ist.
    Wir müssen nur den Sprachgebrauch der jüngeren Generationen betrachten um eine Vorahnung davon zu bekommen, wohin sich die Kommunikation entwickelt. Wir können auch zurückblicken, auf die Vergangenheit und den Übergang von früher gesellschaftlich geächteten Ausdrücken in die alltägliche Sprache zu beobachten.

    (Und wenn das ganze ein wenig gestelzt klingt - in der Tat, das ist es. Den Inhalt meine ich aber durchaus ernst.)

  4. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: mnementh 12.02.18 - 15:16

    sundilsan schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute mal
    > wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...
    Hast Du in Deinem Post mit Absicht Dich bem Arsch selbst zensiert?

  5. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Akaruso 12.02.18 - 15:49

    Youtube ist nunmal eine kommerzielle und keine freie Plattform. Damit soll Geld verdient werden. Und wenn die Kunden (also die Werbetreibenden) nicht wollen, dass Ihre Produkte mit gewissen Themen in Verbindung gebracht werden, dann muss das Youtube bzw. Google ernst nehmen.

    Schlußendlich ist das ähnlich wie bei einem private Fernsehsender. Da gibt es ja auch eine Redaktion, die bestimmt, wie die Pausen zwischen den Werbeblöcken gefüllt werden (Was aber auch nicht immer Geschmackvoll ist ;-) )

    Nun wird es eben bei Youtube auch soetwas wie eine Redaktion geben.

    Wem das nicht passt, der kann ja sein Video problemlos auf eine eigene Homepage setzen und (vermutlich weniger problemlos) selbst Werbepartner dafür suchen.

  6. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: widardd 12.02.18 - 20:24

    Kannst du mal ein Beispiel liefern für eine Situation in der political corectness dir im Weg war etwas zu äußern?

    Ich hatte so eine bisher nicht.

  7. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: der_wahre_hannes 13.02.18 - 08:18

    sundilsan schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute mal
    > wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...

    Guck mal, nun wurde meine politisch nicht korrekte Antwort entfernt und ich hab dafür ne Verwarnung erhalten. Das nächste mal dann halt doch wieder mit Sarkasmus-Tags...

  8. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Kondratieff 13.02.18 - 08:58

    DetlevCM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > sundilsan schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute
    > mal
    > > wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...
    >
    > Das ist nun auch wieder der falsche Ansatz, denn wo sollte dieser Enden
    > enden?
    > Der zivilisierte Diskurs ist doch gerade eine der Errungenschaften einer
    > zivilisierten Gesellschaft.
    > Es braucht keine Kraftausdrücke, um eine Gegenmeinung zu sein verbalisieren
    > (?)
    > - das geht auch ohne.
    > Und gerade der zivilisierte Diskurs ermöglicht ja die linguistische
    > Entgleisung (?) im Falle einer besonderen Erregung (?) , um damit
    > dem eigenen Unmut zusätzlichen Nachdruck zu verschaffen.
    >
    > Nun gibt es im Falle der "political correctness" durchaus das Problem der
    > Übertreibung, welche doch manchmal eher seltsame Züge annimmt, dennoch
    > würde Ihre ihre Abschaffung keine Probleme lösen. Ich möchte anregen
    > (?)
    , dass eine
    > Abschaffung der "political correctness" unweigerlich zu einer verbalen
    > verbal
    > deutlich aggressiveren Umgangsform führen würde. Zivilisatorisch wäre dies
    > dementsprechend ein Rückschritt der niemandem dienlich ist.
    > Wir müssen nur den Sprachgebrauch der jüngeren Generationen betrachten , um
    > eine Vorahnung davon zu bekommen, wohin sich die Kommunikation entwickelt.
    > Wir können auch zurückblicken, auf die Vergangenheit und den Übergang von
    > früher gesellschaftlich geächteten Ausdrücken in die alltägliche Sprache zu
    > beobachten. (automatisch übersetzt?)
    >
    > (Und wenn das ganze ein wenig gestelzt klingt - in der Tat, das ist es. Den
    > Inhalt meine ich aber durchaus ernst.)

    Nicht nur "gestelzt", sondern auch grammatisch (Zeichensetzung, Syntax) und orthografisch falsch. Hinzu kommen merkwürdige Formulierungen, die anzeigen, dass ein Register emuliert werden sollte, das nicht Teil des sozialen Habitus (z.B. durch Erziehung, Bildung, Beruf) geworden ist.

    Von dem Sprachgebrauch abgesehen, zeigen sich auch inhaltliche Mängel. So werden Meinungen, teilweise nicht operationalisierbare und somit nicht überprüfbare Hypothesen sowie axiomatisch anmutende Grundannahmen - ohne Verweise auf Empirie - als Fakten formuliert.

  9. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Anonymer Nutzer 13.02.18 - 09:26

    Kondratieff schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > DetlevCM schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > sundilsan schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > > > Man sollte alles verbieten, was politisch korrekt ist. Damit die Leute
    > > mal
    > > > wieder lockerer werden, ohne Stock im Ar...
    > >
    > > Das ist nun auch wieder der falsche Ansatz, denn wo sollte dieser Enden
    > > enden?
    > > Der zivilisierte Diskurs ist doch gerade eine der Errungenschaften einer
    > > zivilisierten Gesellschaft.
    > > Es braucht keine Kraftausdrücke, um eine Gegenmeinung zu sein
    > verbalisieren
    > > (?)
    > > - das geht auch ohne.
    > > Und gerade der zivilisierte Diskurs ermöglicht ja die linguistische
    > > Entgleisung (?) im Falle einer besonderen Erregung (?) , um damit
    > > dem eigenen Unmut zusätzlichen Nachdruck zu verschaffen.
    > >
    > > Nun gibt es im Falle der "political correctness" durchaus das Problem
    > der
    > > Übertreibung, welche doch manchmal eher seltsame Züge annimmt, dennoch
    > > würde Ihre ihre Abschaffung keine Probleme lösen. Ich möchte anregen
    > > (?), dass eine
    > > Abschaffung der "political correctness" unweigerlich zu einer verbalen
    > > verbal
    > > deutlich aggressiveren Umgangsform führen würde. Zivilisatorisch wäre
    > dies
    > > dementsprechend ein Rückschritt der niemandem dienlich ist.
    > > Wir müssen nur den Sprachgebrauch der jüngeren Generationen betrachten ,
    > um
    > > eine Vorahnung davon zu bekommen, wohin sich die Kommunikation
    > entwickelt.
    > > Wir können auch zurückblicken, auf die Vergangenheit und den Übergang
    > von
    > > früher gesellschaftlich geächteten Ausdrücken in die alltägliche Sprache
    > zu
    > > beobachten. (automatisch übersetzt?)
    > >
    > > (Und wenn das ganze ein wenig gestelzt klingt - in der Tat, das ist es.
    > Den
    > > Inhalt meine ich aber durchaus ernst.)
    >
    > Nicht nur "gestelzt", sondern auch grammatisch (Zeichensetzung, Syntax) und
    > orthografisch falsch. Hinzu kommen merkwürdige Formulierungen, die
    > anzeigen, dass ein Register emuliert werden sollte, das nicht Teil des
    > sozialen Habitus (z.B. durch Erziehung, Bildung, Beruf) geworden ist.
    >

    Und dazu auch in einer Sprache die eigentlich niemand braucht...
    Außer im Golem-Forum und mit ein paar Verwandten benutze ich diese Sprache seit etwa 11.5 Jahren nicht mehr.
    (Die Sprache der Wissenschaft ist Englisch und um mich herum spricht man aktuell Französisch. Wobei mein Englisch durch das Leben in England gelitten hat...)
    "enden" und "verbal" hätten mit vermutlich beim Korrekturlesen auffallen sollen - allerdings habe ich mir das immer noch nicht angewöhnt...
    Und warum sollte man "Ihrer" klein schreiben? ...
    (Obschon, müsste ich dann nicht auch konsequent "Mir, etc. großschreiben...)

    > Von dem Sprachgebrauch abgesehen, zeigen sich auch inhaltliche Mängel. So
    > werden Meinungen, teilweise nicht operationalisierbare und somit nicht
    > überprüfbare Hypothesen sowie axiomatisch anmutende Grundannahmen - ohne
    > Verweise auf Empirie - als Fakten formuliert.

    Also dass sich dir Jugend von heute nicht auszudrücken vermag ist eine Beobachtung die sich schon seit Jahrhunderten so hinzieht, wenn nicht seit Jahrtausenden. - Wobei sich hier der Maßstab kontinuierlich verschiebt.
    Und gerade in der Vergangenheit war es ja eine Kunst ohne den Gebrauch von Kraftausdrücken oder expliziten Beleidigungen auszudrücken. - Und so hatte man dann eloquente Ausdrücke bei denen man als Außenstehender die Beleidigung gar nicht wahrnimmt.
    A propos "es wird Alles immer schlechter" ... das gleich kann man bei Thema Bildung auch sagen... da wird es jedes Jahr auch immer schlimmer...

  10. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Kondratieff 13.02.18 - 10:52

    DetlevCM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Kondratieff schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > >
    >
    > Und dazu auch in einer Sprache die eigentlich niemand braucht...

    Ja, denn sie ist Mangelhaft (wie beschrieben).
    Eine wissenschaftliche Sprache (sollte diese emuliert werden) zeichnet sich vor allem durch eine relativ große Anzahl an Nominalisierungen aus, weil diese Prozesse - die sonst mit Verben realisiert werden - kürzer ausdrücken können. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen i.d.R. nur eine begrenzte Zeichenanzahl erlauben. Ein weitere Besonderheit ist die hohe Anzahl an Fachtermini - diese dienen der genauen Bezeichnung der beobachteten/beschriebenen Phänomene. Der Grund dafür sollte offensichtlich sein.

    > Außer im Golem-Forum und mit ein paar Verwandten benutze ich diese Sprache
    > seit etwa 11.5 Jahren nicht mehr.
    > (Die Sprache der Wissenschaft ist Englisch und um mich herum spricht man
    > aktuell Französisch. Wobei mein Englisch durch das Leben in England
    > gelitten hat...)

    Das ist eine wunderschön unwissenschaftliche Aussage. Ja, Englisch ist die Sprache, die bei Veröffentlichungen am meisten verwendet wird. Allerdings gibt es, zum einen, auch starke deutschsprachige Wissenschaftscommunities - eben je nach Fachgebiet.

    Zum anderen ist die Sprachnutzung innerhalb einer Sprache und selbst innerhalb eines Registers (z.B. Wissenschaftssprache) unterschiedlich. Es gibt schöne linguistische Untersuchungen, die Publikationen unterschiedlicher Fachrichtungen untersuchen. Selbst unter den Ingenieurwissenschaften gibt es Unterschiede, z.B. zwischen Maschinenbau und Bauingenieurwissenschaften. Diese Unterschiede beruhen nicht nur auf unterschiedliche Fachtermini.

    > "enden" und "verbal" hätten mit vermutlich beim Korrekturlesen auffallen
    > sollen - allerdings habe ich mir das immer noch nicht angewöhnt...
    > Und warum sollte man "Ihrer" klein schreiben? ...

    "Ihr" als Anrede einer Person = Großschreibung; Dein Gebrauch: "ihr" als Pronomen für (die) "political correctness" = Kleinschreibung

    > (Obschon, müsste ich dann nicht auch konsequent "Mir, etc.
    > großschreiben...)
    >
    Nein, falscher Kontext.

    > > Von dem Sprachgebrauch abgesehen, zeigen sich auch inhaltliche Mängel.
    > So
    > > werden Meinungen, teilweise nicht operationalisierbare und somit nicht
    > > überprüfbare Hypothesen sowie axiomatisch anmutende Grundannahmen - ohne
    > > Verweise auf Empirie - als Fakten formuliert.
    >
    > Also dass sich dir Jugend von heute nicht auszudrücken vermag ist eine
    > Beobachtung die sich schon seit Jahrhunderten so hinzieht, wenn nicht seit
    > Jahrtausenden.

    Das ist Quatsch. Natürlich drücken sich Jugendliche aus; Nur tun sie dies oft (natürlich nicht immer) in einer eigenen "Jugendsprache", die, wie andere Sprachvarietäten auch, soziolinguistische Unterscheidungsmerkmale aufweisen. Diese Jugendsprachen können sich also regional, aber auch mit Blick auf sozioökonomischen Status, Bildung, Alter, Kohorte etc. unterscheiden.

    Man kann argumentieren, wie es einige Soziolinguisten eben tun, dass die Ausprägung der Jugendsprache identitätsstiftend wirkt.

    > - Wobei sich hier der Maßstab kontinuierlich verschiebt.

    Was für ein Maßstab?

    > Und gerade in der Vergangenheit war es ja eine Kunst ohne den Gebrauch von
    > Kraftausdrücken oder expliziten Beleidigungen auszudrücken.

    1) Starke Verallgemeinerung. Dies kann sehr wohl vom Register abhängig sein, sodass auch heute noch eine euphemistische Darstellung zu beobachten ist (vgl. z.B. Repliken in wissenschaftlichen Journals).

    2) Was als Kraftausdruck gilt, ist nicht unbedingt zeit- und registerinvariant. Auch Kraftausdrücke unterliegen Effekten des Sprachwandels.

    > - Und so hatte
    > man dann eloquente Ausdrücke bei denen man als Außenstehender die
    > Beleidigung gar nicht wahrnimmt.

    Der Kontext kann daran einen Anteil haben.

    > A propos "es wird Alles immer schlechter" ... das gleich kann man bei Thema
    > Bildung auch sagen... da wird es jedes Jahr auch immer schlimmer...

    Ja, man kann das sagen (in dem Sinne, dass man diese Behauptung als Aussage formulieren und aussprechen kann). Allerdings sollte diese verallgemeinernde Behauptung auch empirisch belegt werden, weil sie (wie oben: sie als Personalpronomen für "die Behauptung" und nicht als Anrede) ansonsten nicht ernst zu nehmen ist.

  11. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Anonymer Nutzer 13.02.18 - 10:58

    Kondratieff schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > DetlevCM schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Kondratieff schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > > >
    > >
    > > Und dazu auch in einer Sprache die eigentlich niemand braucht...
    >
    > Ja, denn sie ist Mangelhaft (wie beschrieben).
    > Eine wissenschaftliche Sprache (sollte diese emuliert werden) zeichnet sich
    > vor allem durch eine relativ große Anzahl an Nominalisierungen aus, weil
    > diese Prozesse - die sonst mit Verben realisiert werden - kürzer ausdrücken
    > können. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass wissenschaftliche
    > Veröffentlichungen i.d.R. nur eine begrenzte Zeichenanzahl erlauben. Ein
    > weitere Besonderheit ist die hohe Anzahl an Fachtermini - diese dienen der
    > genauen Bezeichnung der beobachteten/beschriebenen Phänomene. Der Grund
    > dafür sollte offensichtlich sein.
    >
    > > Außer im Golem-Forum und mit ein paar Verwandten benutze ich diese
    > Sprache
    > > seit etwa 11.5 Jahren nicht mehr.
    > > (Die Sprache der Wissenschaft ist Englisch und um mich herum spricht man
    > > aktuell Französisch. Wobei mein Englisch durch das Leben in England
    > > gelitten hat...)
    >
    > Das ist eine wunderschön unwissenschaftliche Aussage. Ja, Englisch ist die
    > Sprache, die bei Veröffentlichungen am meisten verwendet wird. Allerdings
    > gibt es, zum einen, auch starke deutschsprachige Wissenschaftscommunities -
    > eben je nach Fachgebiet.
    >
    > Zum anderen ist die Sprachnutzung innerhalb einer Sprache und selbst
    > innerhalb eines Registers (z.B. Wissenschaftssprache) unterschiedlich. Es
    > gibt schöne linguistische Untersuchungen, die Publikationen
    > unterschiedlicher Fachrichtungen untersuchen. Selbst unter den
    > Ingenieurwissenschaften gibt es Unterschiede, z.B. zwischen Maschinenbau
    > und Bauingenieurwissenschaften. Diese Unterschiede beruhen nicht nur auf
    > unterschiedliche Fachtermini.
    >
    > > "enden" und "verbal" hätten mit vermutlich beim Korrekturlesen auffallen
    > > sollen - allerdings habe ich mir das immer noch nicht angewöhnt...
    > > Und warum sollte man "Ihrer" klein schreiben? ...
    >
    > "Ihr" als Anrede einer Person = Großschreibung; Dein Gebrauch: "ihr" als
    > Pronomen für (die) "political correctness" = Kleinschreibung
    >

    Das ist dann aber diese seltsame "neue Rechtschreibung" ...

    > > (Obschon, müsste ich dann nicht auch konsequent "Mir, etc.
    > > großschreiben...)
    > >
    > Nein, falscher Kontext.
    >
    > > > Von dem Sprachgebrauch abgesehen, zeigen sich auch inhaltliche Mängel.
    > > So
    > > > werden Meinungen, teilweise nicht operationalisierbare und somit nicht
    > > > überprüfbare Hypothesen sowie axiomatisch anmutende Grundannahmen -
    > ohne
    > > > Verweise auf Empirie - als Fakten formuliert.
    > >
    > > Also dass sich dir Jugend von heute nicht auszudrücken vermag ist eine
    > > Beobachtung die sich schon seit Jahrhunderten so hinzieht, wenn nicht
    > seit
    > > Jahrtausenden.
    >
    > Das ist Quatsch. Natürlich drücken sich Jugendliche aus; Nur tun sie dies
    > oft (natürlich nicht immer) in einer eigenen "Jugendsprache", die, wie
    > andere Sprachvarietäten auch, soziolinguistische Unterscheidungsmerkmale
    > aufweisen. Diese Jugendsprachen können sich also regional, aber auch mit
    > Blick auf sozioökonomischen Status, Bildung, Alter, Kohorte etc.
    > unterscheiden.
    >

    Vermutlich hätte ich "nicht ordentlich ausdrücken" schreiben sollen...

    > Man kann argumentieren, wie es einige Soziolinguisten eben tun, dass die
    > Ausprägung der Jugendsprache identitätsstiftend wirkt.
    >

    Da fragt man sich allerdings auch sehr schnell was für eine Identität das sein soll...

    > > - Wobei sich hier der Maßstab kontinuierlich verschiebt.
    >
    > Was für ein Maßstab?
    >

    Nun, Wörter deren Gebrauch noch vor wenigen Jahren unerhört war haben Einzug in den alltäglichen Gebrauch gefunden, vor allem in Bezug auf Kraftausdrücke.
    Auch sonst scheint sich der Wortschatz im Allgemeinen zu verringern... - Komplexere Satzkonstrukte oder Ausdrücke werden immer seltener benutzt...

    > > Und gerade in der Vergangenheit war es ja eine Kunst ohne den Gebrauch
    > von
    > > Kraftausdrücken oder expliziten Beleidigungen auszudrücken.
    >
    > 1) Starke Verallgemeinerung. Dies kann sehr wohl vom Register abhängig
    > sein, sodass auch heute noch eine euphemistische Darstellung zu beobachten
    > ist (vgl. z.B. Repliken in wissenschaftlichen Journals).
    >
    > 2) Was als Kraftausdruck gilt, ist nicht unbedingt zeit- und
    > registerinvariant. Auch Kraftausdrücke unterliegen Effekten des
    > Sprachwandels.
    >
    > > - Und so hatte
    > > man dann eloquente Ausdrücke bei denen man als Außenstehender die
    > > Beleidigung gar nicht wahrnimmt.
    >
    > Der Kontext kann daran einen Anteil haben.
    >
    > > A propos "es wird Alles immer schlechter" ... das gleich kann man bei
    > Thema
    > > Bildung auch sagen... da wird es jedes Jahr auch immer schlimmer...
    >
    > Ja, man kann das sagen (in dem Sinne, dass man diese Behauptung als Aussage
    > formulieren und aussprechen kann). Allerdings sollte diese
    > verallgemeinernde Behauptung auch empirisch belegt werden, weil sie (wie
    > oben: sie als Personalpronomen für "die Behauptung" und nicht als Anrede)
    > ansonsten nicht ernst zu nehmen ist.

  12. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Kondratieff 13.02.18 - 11:27

    DetlevCM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    Kondratieff schrieb:
    ---------------------------------------------------------------------------

    > > "Ihr" als Anrede einer Person = Großschreibung; Dein Gebrauch: "ihr" als
    > > Pronomen für (die) "political correctness" = Kleinschreibung
    > >

    > Das ist dann aber diese seltsame "neue Rechtschreibung" ...

    Nein, das ist tatsächlich schon immer so. Das macht die Unterscheidung zwischen Ansprache und "Nicht-Ansprache" einfacher. Konstruiertes (und etwas dümmliches) Beispiel:

    Guten Tag Herr XX,

    ich soll Sie schön von Frau XY grüßen. Übrigens: Ich habe gehört, dass Ihr Auto kaputt sei.

    => Auto von Herrn XX könnte kaputt sein.
    Vs.

    Guten Tag Herr XX,

    ich soll Sie schön von Frau XY grüßen. Übrigens: Ich habe gehört, dass ihr Auto kaputt sei.

    => Auto von Frau XY könnte kaputt sein.


    > Vermutlich hätte ich "nicht ordentlich ausdrücken" schreiben sollen...

    Vermutlich. Aber das wäre immer noch eine übermäßig verallgemeinernde und möglicherweise komplett falsche Behauptung. Das Konzept des Registers unterstreicht das: Je nach sozialem Kontext wird eben eine für die soziale Situation adäquate Sprache benutzt.

    So ist es nicht nur denkbar, dass Jugendliche untereinander (und in der Öffentlichkeit) eine Jugendsprache zur Identitätsbildung und -reproduktion nutzen, während sie bspw. mit den Eltern eine andere Sprachnutzung zeigen. Es wurde in mind. einer Untersuchung gezeigt, dass sie i.d.R. "auch anders können".

    Ich habe da leider nicht mehr die Quelle der von mir gelesenen Untersuchung, ist ein paar Jährchen her.


    > > Man kann argumentieren, wie es einige Soziolinguisten eben tun, dass die
    > > Ausprägung der Jugendsprache identitätsstiftend wirkt.
    > >
    >
    > Da fragt man sich allerdings auch sehr schnell was für eine Identität das
    > sein soll...

    Z.B. eine regionale. Machen Erwachsene nicht anders, siehe die Entwicklung von Dialekten/regionalen Sprachvarietäten. Siehe auch die sprachliche Entwicklung von Kolonien, beschrieben u.a. in Schneiders Dynamic Model.

    >
    > > > - Wobei sich hier der Maßstab kontinuierlich verschiebt.
    > >
    > > Was für ein Maßstab?
    > >
    >
    > Nun, Wörter deren Gebrauch noch vor wenigen Jahren unerhört war haben
    > Einzug in den alltäglichen Gebrauch gefunden, vor allem in Bezug auf
    > Kraftausdrücke.
    > Auch sonst scheint sich der Wortschatz im Allgemeinen zu verringern... -
    > Komplexere Satzkonstrukte oder Ausdrücke werden immer seltener benutzt...

    Wieder:
    1) Von welchem Register [1] [2] gehst du aus?
    2) Wie weit reicht die diachrone sprachwissenschaftliche Untersuchung zurück?
    3) Wie wurde "sprachliche Komplexität" bzw. "Komplexität des Satzes" operationalisiert?
    4) Was ist deine Grundgesamtheit (Population)?
    5) Welche Stichproben(-größen) hast du? Welches Auswahlverfahren (Zufallsstichprobe, systematische Ziehung, willkürliche Auswahl/convenience sampling) wurde angewendet?
    6) Welche inferenzstatistischen Tests (T-Test, Wilcoxon-Test, etc.) wurden angewendet?

    [1] Halliday, M. A. K. (1991). Towards Probabilistic Interpretations. In E. Ventola (Hrsg.), Functional and Systemic Linguistics: Approaches and Uses (S. 39-61). Berlin/New York: Mouten de Gruyter.
    [2] Halliday, M. A. K., & Matthiessen, C. (2004). An Introduction to Functional Grammar. Third Edition. London: Hodder Arnold.

  13. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Anonymer Nutzer 13.02.18 - 11:42

    Kondratieff schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > DetlevCM schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > Kondratieff schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > > "Ihr" als Anrede einer Person = Großschreibung; Dein Gebrauch: "ihr"
    > als
    > > > Pronomen für (die) "political correctness" = Kleinschreibung
    > > >
    >
    > > Das ist dann aber diese seltsame "neue Rechtschreibung" ...
    >
    > Nein, das ist tatsächlich schon immer so. Das macht die Unterscheidung
    > zwischen Ansprache und "Nicht-Ansprache" einfacher. Konstruiertes (und
    > etwas dümmliches) Beispiel:
    >
    > Guten Tag Herr XX,
    >
    > ich soll Sie schön von Frau XY grüßen. Übrigens: Ich habe gehört, dass Ihr
    > Auto kaputt sei.
    >
    > => Auto von Herrn XX könnte kaputt sein.
    > Vs.
    >
    > Guten Tag Herr XX,
    >
    > ich soll Sie schön von Frau XY grüßen. Übrigens: Ich habe gehört, dass ihr
    > Auto kaputt sei.
    >
    > => Auto von Frau XY könnte kaputt sein.
    >
    >

    OK. So ergibt es Sinn - ob mir das aber je im realen Leben untergekommen ist, weiß ich nicht. Na ja, immerhin gibt es eine logische Grundlage.

    > > Vermutlich hätte ich "nicht ordentlich ausdrücken" schreiben sollen...
    >
    > Vermutlich. Aber das wäre immer noch eine übermäßig verallgemeinernde und
    > möglicherweise komplett falsche Behauptung. Das Konzept des Registers
    > unterstreicht das: Je nach sozialem Kontext wird eben eine für die soziale
    > Situation adäquate Sprache benutzt.
    >
    > So ist es nicht nur denkbar, dass Jugendliche untereinander (und in der
    > Öffentlichkeit) eine Jugendsprache zur Identitätsbildung und -reproduktion
    > nutzen, während sie bspw. mit den Eltern eine andere Sprachnutzung zeigen.
    > Es wurde in mind. einer Untersuchung gezeigt, dass sie i.d.R. "auch anders
    > können".
    >
    > Ich habe da leider nicht mehr die Quelle der von mir gelesenen
    > Untersuchung, ist ein paar Jährchen her.
    >
    >

    Was machen sich die Leute doch das Leben schwer... Na ja, "junge Menschen" habe ich schon zur Schulzeit nicht wirklich verstanden...
    Das Leben wäre soviel einfacher wenn man einen konsistenten gepflegten Umgangston, unabhängig von Alter, Bildung, etc. zwischen den Menschen hätte...

    > > > Man kann argumentieren, wie es einige Soziolinguisten eben tun, dass
    > die
    > > > Ausprägung der Jugendsprache identitätsstiftend wirkt.
    > > >
    > >
    > > Da fragt man sich allerdings auch sehr schnell was für eine Identität
    > das
    > > sein soll...
    >
    > Z.B. eine regionale. Machen Erwachsene nicht anders, siehe die Entwicklung
    > von Dialekten/regionalen Sprachvarietäten. Siehe auch die sprachliche
    > Entwicklung von Kolonien, beschrieben u.a. in Schneiders Dynamic Model.Model
    >

    Na ja, mit Dialekten kann ich nichts anfangen. Alles was diese erreiche, ist die Kommunikation zwischen Menschen zu erschweren. Nutzen? Null. Na ja, zum Glück lehren die Schulen in Deutschland Hocheutsch. (Keine Ahnung wie das in England oder Frankreich ist.) Wobei vermutlich meine Wortwahl in bestimmten Fällen dennoch regional geprägt ist. (Zum Beispiel Karotte oder Möhre für ein bestimmtes Gemüse.)

    > >
    > > > > - Wobei sich hier der Maßstab kontinuierlich verschiebt.
    > > >
    > > > Was für ein Maßstab?
    > > >
    > >
    > > Nun, Wörter deren Gebrauch noch vor wenigen Jahren unerhört war haben
    > > Einzug in den alltäglichen Gebrauch gefunden, vor allem in Bezug auf
    > > Kraftausdrücke.
    > > Auch sonst scheint sich der Wortschatz im Allgemeinen zu verringern... -
    > > Komplexere Satzkonstrukte oder Ausdrücke werden immer seltener
    > benutzt...
    >
    > Wieder:
    > 1) Von welchem Register [1] [2] gehst du aus?
    > 2) Wie weit reicht die diachrone sprachwissenschaftliche Untersuchung
    > zurück?
    > 3) Wie wurde "sprachliche Komplexität" bzw. "Komplexität des Satzes"
    > operationalisiert?
    > 4) Was ist deine Grundgesamtheit (Population)?
    > 5) Welche Stichproben(-größen) hast du? Welches Auswahlverfahren
    > (Zufallsstichprobe, systematische Ziehung, willkürliche Auswahl/convenience
    > sampling) wurde angewendet?
    > 6) Welche inferenzstatistischen Tests (T-Test, Wilcoxon-Test, etc.) wurden
    > angewendet?
    >
    > [1] Halliday, M. A. K. (1991). Towards Probabilistic Interpretations. In E.
    > Ventola (Hrsg.), Functional and Systemic Linguistics: Approaches and Uses
    > (S. 39-61). Berlin/New York: Mouten de Gruyter.
    > [2] Halliday, M. A. K., & Matthiessen, C. (2004). An Introduction to
    > Functional Grammar. Third Edition. London: Hodder Arnold.

    Na ja, der Verfall in den letzten 10 Jahren war schon recht drastisch...
    Wenn sich ein Buch "lohnen" soll muss man auf klassische Literatur zurückgreifen (das "moderne Zeug" ist in ein paar Stunden durchgelesen...).

    Und zum Thema Statistik gibt es ein gutes englisches Sprichwort:
    "There are three types of lies, lies, damned lies and statistics."
    (Ich hasse Statistik...)

  14. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Kondratieff 13.02.18 - 12:00

    DetlevCM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Was machen sich die Leute doch das Leben schwer... Na ja, "junge Menschen"
    > habe ich schon zur Schulzeit nicht wirklich verstanden...
    > Das Leben wäre soviel einfacher wenn man einen konsistenten gepflegten
    > Umgangston, unabhängig von Alter, Bildung, etc. zwischen den Menschen
    > hätte...
    >
    Wie soll das gehen?
    Das würde nicht nur die sozialen Gleichförmigkeit der Menschen voraussetzen, sondern auch die individuelle Gleichförmigkeit. Individuelle Unterschiede der Sprache zeigen sich indes z.B. in der Prosodie.

    >
    > Na ja, mit Dialekten kann ich nichts anfangen. Alles was diese erreiche,
    > ist die Kommunikation zwischen Menschen zu erschweren.

    Nein, das stimmt so nicht. Sprache ist - hier vielfach wiederholt - identitätsstiftend. Regionale Sprachvarietäten bedingen eine gewollte soziale Schließung.

    > Nutzen? Null. Na ja,

    Eben nicht. Deine Familie hat schließlich auch Riten, eine gemeinsame Geschichte etc., die die Familie als Einheit ausweist und andere Nicht-Familien-Mitglieder ausschließt. Das gibt es eben auch auf größeren Ebenen und vereinfacht das soziale Handeln auf regionaler Ebene (ich kann hier nicht fast 10 Jahre Studium und wissenschaftliche Arbeit transferieren...).

    > zum Glück lehren die Schulen in Deutschland Hocheutsch. (Keine Ahnung wie
    > das in England oder Frankreich ist.)

    England: RP (received pronunciation). Von Französisch habe ich keine Ahnung. Ich habe einen MA in Techniksoziologie und English Studies (mit Spezialisierung auf Soziolinguistik und Computational Linguistics).

    > Wobei vermutlich meine Wortwahl in
    > bestimmten Fällen dennoch regional geprägt ist. (Zum Beispiel Karotte oder
    > Möhre für ein bestimmtes Gemüse.)
    >
    Sicherlich.

    > Na ja, der Verfall in den letzten 10 Jahren war schon recht drastisch...

    Dieselbe Behauptung wird nicht richtiger, wenn sie mehrfach paraphrasiert wird. Meine genannten, auf die Empirie bezogenen Einschränkungen bleiben erhalten.

    > Wenn sich ein Buch "lohnen" soll muss man auf klassische Literatur
    > zurückgreifen (das "moderne Zeug" ist in ein paar Stunden
    > durchgelesen...).

    Genre?
    Lohnen sich wissenschaftliche Bücher heutzutage nicht mehr? Sind neuere wissenschaftliche Erkenntnisse automatisch nichts wert? Ich verstehe die Aussage nicht.

    Gilt dasselbe auch für Science-Fiction? Oder für Fantasy? Oder für Krimis?

    >
    > Und zum Thema Statistik gibt es ein gutes englisches Sprichwort:
    > "There are three types of lies, lies, damned lies and statistics."
    > (Ich hasse Statistik...)

    Nur weil du sie hasst (und dich offensichtlich nicht oder nur unzureichend damit auskennst), heißt das nicht, dass sie nicht sinnvoll ist. Es gibt einen sprachlichen Unterschied zwischen Statistik und Statistiken. Du meinst letzteres. Ich meinte ersteres.

  15. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Anonymer Nutzer 13.02.18 - 12:51

    Kondratieff schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > DetlevCM schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > > Was machen sich die Leute doch das Leben schwer... Na ja, "junge
    > Menschen"
    > > habe ich schon zur Schulzeit nicht wirklich verstanden...
    > > Das Leben wäre soviel einfacher wenn man einen konsistenten gepflegten
    > > Umgangston, unabhängig von Alter, Bildung, etc. zwischen den Menschen
    > > hätte...
    > >
    > Wie soll das gehen?
    > Das würde nicht nur die sozialen Gleichförmigkeit der Menschen
    > voraussetzen, sondern auch die individuelle Gleichförmigkeit. Individuelle
    > Unterschiede der Sprache zeigen sich indes z.B. in der Prosodie.
    >

    Indem man zum Beispiel das korrekte Behnehmen formell in der Schule lehrt, man die Benutzung des Hochdeutschen (für Deutschland) verpflichtend macht und nebenbei das Bildungssystem national einheitlich gestaltet.

    > >
    > > Na ja, mit Dialekten kann ich nichts anfangen. Alles was diese erreiche,
    > > ist die Kommunikation zwischen Menschen zu erschweren.
    >
    > Nein, das stimmt so nicht. Sprache ist - hier vielfach wiederholt -
    > identitätsstiftend. Regionale Sprachvarietäten bedingen eine gewollte
    > soziale Schließung.
    >

    Nur was für eine Identität soll das sein?

    > > Nutzen? Null. Na ja,
    >
    > Eben nicht. Deine Familie hat schließlich auch Riten, eine gemeinsame
    > Geschichte etc., die die Familie als Einheit ausweist und andere
    > Nicht-Familien-Mitglieder ausschließt. Das gibt es eben auch auf größeren
    > Ebenen und vereinfacht das soziale Handeln auf regionaler Ebene (ich kann
    > hier nicht fast 10 Jahre Studium und wissenschaftliche Arbeit
    > transferieren...).
    >

    "Riten" in der Familie? Also da wären mir keine bekannt.
    Was die Familie zur Familie macht ist die direkte Verwandtschaft - das war es dann aber auch schon.

    > > zum Glück lehren die Schulen in Deutschland Hocheutsch. (Keine Ahnung
    > wie
    > > das in England oder Frankreich ist.)
    >
    > England: RP (received pronunciation). Von Französisch habe ich keine
    > Ahnung. Ich habe einen MA in Techniksoziologie und English Studies (mit
    > Spezialisierung auf Soziolinguistik und Computational Linguistics).
    >

    Aha...
    Und ich beschäftige mich heutzutage mit Chemie - nach einem Mathestudium - von letzterem auch mein Hass auf Statistik...

    > > Wobei vermutlich meine Wortwahl in
    > > bestimmten Fällen dennoch regional geprägt ist. (Zum Beispiel Karotte
    > oder
    > > Möhre für ein bestimmtes Gemüse.)
    > >
    > Sicherlich.
    >

    Wobei ich dann da sagen würde, Deutsche Sprache, dumme Sprache. Das Englische hat für dieses Gemüse genau ein Wort "carrots" - und die Franzosen sprechen auch von "carottes".

    > > Na ja, der Verfall in den letzten 10 Jahren war schon recht drastisch...
    >
    > Dieselbe Behauptung wird nicht richtiger, wenn sie mehrfach paraphrasiert
    > wird. Meine genannten, auf die Empirie bezogenen Einschränkungen bleiben
    > erhalten.
    >

    Na ja, am offensichtlichsten lässt sich der Absturz der literarischen Kunst im Journalismus beobachten. Vor 12 Jahren waren komplexe, lange, gute recherchierte Artikel noch Gang und Gäbe... heutzutage gibt es kurze simple Artikel oder auch gleich nur noch Agenturmeldungen...
    Der Guardian scheint da mit "the long read" gegensteuern zu wollen, aber auch er scheint qualitativ zu leiden...

    > > Wenn sich ein Buch "lohnen" soll muss man auf klassische Literatur
    > > zurückgreifen (das "moderne Zeug" ist in ein paar Stunden
    > > durchgelesen...).
    >
    > Genre?

    Tolstoi und Dostojewskij sind ganz angenehm.
    Aber man kann auch bei Edgar Allan Poe vorbeischauen.
    (...wobei mir hier auffällt dass ich viele Bücher mittlerweile wieder vergessen habe...)

    > Lohnen sich wissenschaftliche Bücher heutzutage nicht mehr? Sind neuere
    > wissenschaftliche Erkenntnisse automatisch nichts wert? Ich verstehe die
    > Aussage nicht.
    >

    Tatsächlich gibt es im Akademischen Bereich heutzutage die Angewohnheit Masse anstatt von Klasse zu publizieren.
    Es gibt viele Papers deren Mehrwert in Richtung insignifikant tendiert - zum Beispiel weil das gleiche nicht-reproduzierbare Experiment mit echten Treibstoff konstant wiederholt wird.
    (Ein Treibstoff verändert sich alleine schon während der Lagerungszeit.)
    Auch wird gerne unvollständig publiziert, da es nicht um das Teilen von Wissen geht sondern um ein "Bewerben" des (vermeintlichen?) eigene Könnens.
    Auch da gibt es immer wieder Lichtblicke - Papers die informativ sind und reproduzierbar sind und den Fachbereich wirklich voranbringen.

    > Gilt dasselbe auch für Science-Fiction? Oder für Fantasy? Oder für Krimis?
    >

    Also Krimis kann man heutzutage Größtenteils in wenigen Stunden durchlesen und die Bücher sind überwiegend rausgeworfenes Geld. (Ich habe noch vor 10-12 Jahren relativ viele Krimis gelesen.) Bestimmt gibt es Autoren die anspruchsvoller schreiben - die sind aber rar.

    Heutzutage habe ich eigentlich keine Zeit mehr für Bücher da ich mich durch Papers wühlen muss - und wenn ich dann etwas freie Zeit finde, will ich nicht noch mehr lesen.

    > >
    > > Und zum Thema Statistik gibt es ein gutes englisches Sprichwort:
    > > "There are three types of lies, lies, damned lies and statistics."
    > > (Ich hasse Statistik...)
    >
    > Nur weil du sie hasst (und dich offensichtlich nicht oder nur unzureichend
    > damit auskennst), heißt das nicht, dass sie nicht sinnvoll ist. Es gibt
    > einen sprachlichen Unterschied zwischen Statistik und Statistiken. Du
    > meinst letzteres. Ich meinte ersteres.

    Ja, Statistik ist die Kunst zu Lügen während man sich auf vermeintlich ehrliche Zahlen beruft.

  16. Re: Wer bestimmt denn, was "geschmacklos" ist und was nicht?

    Autor: Kondratieff 13.02.18 - 13:48

    DetlevCM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Kondratieff schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > DetlevCM schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > >
    > > > Was machen sich die Leute doch das Leben schwer... Na ja, "junge
    > > Menschen"
    > > > habe ich schon zur Schulzeit nicht wirklich verstanden...
    > > > Das Leben wäre soviel einfacher wenn man einen konsistenten gepflegten
    > > > Umgangston, unabhängig von Alter, Bildung, etc. zwischen den Menschen
    > > > hätte...
    > > >
    > > Wie soll das gehen?
    > > Das würde nicht nur die sozialen Gleichförmigkeit der Menschen
    > > voraussetzen, sondern auch die individuelle Gleichförmigkeit.
    > Individuelle
    > > Unterschiede der Sprache zeigen sich indes z.B. in der Prosodie.
    > >
    >
    > Indem man zum Beispiel das korrekte Behnehmen formell in der Schule lehrt

    "Das korrekte Benehmen" ist aber sozial kontingent (wie es so schön in den Sozialwissenschaften heißt). Es ist nicht absolut und zeitinvariant (unveränderlich) festgeschrieben, was als korrekt gilt. Genau darum geht es ja auch (unter anderem) im Diskurs der politischen Korrektheit.

    >, man die Benutzung des Hochdeutschen (für Deutschland) verpflichtend macht

    1. Zunächst ist Hochdeutsch als Idealtypus genauso wenig erreichbar wie andere Idealtypen, eben weil der Mensch durch die "Kreuzung sozialer Kreise" [1] individuell wird.

    2. Es müsste demnach spezifiziert werden, wann Sprachnutzung als Abweichung vom Ideal gewertet wird (phonetisch, grammatisch/syntaktisch, orthografisch etc.),

    3. ab wann die Abweichung

    4. wie sanktioniert wird.

    5. Dazu muss die Sprachnutzung überwacht und

    6. die Sanktionierung der Abweichung ausgeführt werden.

    Wenn ich deine Aussage also richtig verstehe, möchtest du allen Menschen in Deutschland irgendein (dein) Ideal der hochdeutschen Sprache aufzwingen. Dazu bedarf es eine (legitimierte?) Überwachungsinstanz, die in allen Lebenslagen - also auch in intimsten zwischenmenschlichen Handlungen - die Sprachnutzung überwacht. Abgesehen von der Frage, wie das bitteschön gehen soll, hoffe ich, dass du deine Idee mit einem politischen System verknüpfen kannst und dass dich diese Verknüpfung zutiefst schockiert.

    Davon abgesehen: Wie sollen soziale wie technische Innovationen benannt werden können? Wie soll weiterhin Kunst möglich sein? Einige der heute oft genutzten und selbstverständlichen Worte und Redewendungen kamen durch bewusste Abweichungen von der (ehemaligen) Norm, z.B. durch Shakespeare, zustande.

    > und nebenbei das Bildungssystem national einheitlich gestaltet.

    Das schließt eine regionale (oder sonstige) Ausdifferenzierung der Sprache nicht aus. Wir haben ja in den einzelnen Bundesländern ein jeweils einheitliches Bildungssystem und trotzdem gibt es auch in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Sprachvarietäten. Komisch, nicht?

    Davon abgesehen: Wie soll eine einheitliche Sprache in allen Lebenslagen funktionieren? Eine affektionale Sprache, die zwischen Liebenden ausgetauscht wird, muss sich doch von der auf (unerreichbare) Objektivität spezialisierte wissenschaftliche Sprache differenzieren. Es gibt noch unzählige andere Situationen, die jeweils eine andere Sprachnutzung erfordern.

    > Nur was für eine Identität soll das sein?

    Ich verstehe die Frage nicht.

    > > > Nutzen? Null. Na ja,
    > >
    > > Eben nicht. Deine Familie hat schließlich auch Riten, eine gemeinsame
    > > Geschichte etc., die die Familie als Einheit ausweist und andere
    > > Nicht-Familien-Mitglieder ausschließt. Das gibt es eben auch auf
    > größeren
    > > Ebenen und vereinfacht das soziale Handeln auf regionaler Ebene (ich
    > kann
    > > hier nicht fast 10 Jahre Studium und wissenschaftliche Arbeit
    > > transferieren...).
    > >
    >
    > "Riten" in der Familie? Also da wären mir keine bekannt.

    Es gibt also kein habituales Verhalten, das deine Familie ausmacht? Keine Art, wie deine Kinder dich ansprechen (solltest du Kinder haben)? Keine Art, wie dein Partner/deine Partnerin (solltest du eine(n) haben) nach deinem Tag fragt? (Schnell ausgedachte Beispiele, nagele mich nicht drauf fest.)

    > Was die Familie zur Familie macht ist die direkte Verwandtschaft - das war
    > es dann aber auch schon.
    >

    Da gibt es unterschiedliche Definitionen und Ansichten. Wenn du keine affektuale Beziehung (siehe oben) hast, dann war das Beispiel für dich inadäquat gewählt.

    > > > zum Glück lehren die Schulen in Deutschland Hocheutsch. (Keine Ahnung
    > > wie
    > > > das in England oder Frankreich ist.)
    > >
    > > England: RP (received pronunciation). Von Französisch habe ich keine
    > > Ahnung. Ich habe einen MA in Techniksoziologie und English Studies (mit
    > > Spezialisierung auf Soziolinguistik und Computational Linguistics).
    > >
    >
    > Aha...
    > Und ich beschäftige mich heutzutage mit Chemie - nach einem Mathestudium -
    > von letzterem auch mein Hass auf Statistik...

    Nach einem abgeschlossenen Mathestudium (nicht auf Lehramt oder so...).

    Ah, das erklärt möglicherweise das Unwissen über soziale Interaktionen, Strukturen, Institutionen...

    >
    > > > Wobei vermutlich meine Wortwahl in
    > > > bestimmten Fällen dennoch regional geprägt ist. (Zum Beispiel Karotte
    > > oder
    > > > Möhre für ein bestimmtes Gemüse.)
    > > >
    > > Sicherlich.
    > >
    >
    > Wobei ich dann da sagen würde, Deutsche Sprache, dumme Sprache. Das
    > Englische hat für dieses Gemüse genau ein Wort "carrots" - und die
    > Franzosen sprechen auch von "carottes".

    1. Das macht eine Sprache nicht besser oder schlechter. Durch unterschiedliche Wörter können auch unterschiedliche Konnotationen transportiert werden, oder unterschiedliche Wörter werden in unterschiedlichen Registern benutzt. Ferner kann eine Ausdifferenzierung von Begriffen mit einer differenzierten Sicht auf zu benennende Objekte zusammenhängen.

    Ein beliebtes Beispiel, um die Sapir-Whorf-Hypothese zu veranschaulichen, sind die Inuit. Nach einer (nicht ganz richtigen) Anekdote können die Inuit viel mehr Typen von Schnee unterscheiden als wir Mitteleuropäer, was darin resultiert, dass sie auch viel mehr Begriffe für unterschiedliche Schneesorten haben.


    2. Im Englischen gibt es selbstverständlich auch (dem unbedarften Anschein nach) synonyme Wörter, für die es im Deutschen nur eine einzige Übersetzung gibt. Das sagt so also nicht viel über die beiden Sprachen aus.
    >
    > > > Na ja, der Verfall in den letzten 10 Jahren war schon recht
    > drastisch...
    > >
    > > Dieselbe Behauptung wird nicht richtiger, wenn sie mehrfach
    > paraphrasiert
    > > wird. Meine genannten, auf die Empirie bezogenen Einschränkungen bleiben
    > > erhalten.
    > >
    >
    > Na ja, am offensichtlichsten lässt sich der Absturz der literarischen Kunst
    > im Journalismus beobachten. Vor 12 Jahren waren komplexe, lange, gute
    > recherchierte Artikel noch Gang und Gäbe...

    1. Was hat die Sprachnutzung und eine etwaige "Komplexität" der Sprache mit der inhaltlichen Komplexität zu tun? Oder mit der Länge des Artikels.
    Eine Art, den genutzten Wortschatz zu beschreiben (und berechenbar zu machen), ist mit der Type-Token-Relation. Da wird natürlich (mathematisch) die Textlänge relativiert.

    2. Was "literarische Kunst" ist, können wahrscheinlich am ehesten Literaturwissenschaftler und Rhetoriker, Linguisten vielleicht einigermaßen (ich persönlich kann's nich gut; Literaturwissenschaft, obwohl Teil des BA-Studiengangs English Studies, war nie mein Fall) und vermutlich mit am schlechtesten Mathematiker und Chemiker ausmachen.

    Just sayin': Die einen haben genau das studiert und bewegen sich in dem Feld, die anderen haben nur eine alltagsbegriffliche Vorstellung davon und können dementsprechend vermutlich nur unreflektierte, oberflächliche und unrepräsentative Aussagen darüber machen.

    > heutzutage gibt es kurze simple
    > Artikel oder auch gleich nur noch Agenturmeldungen...

    Eine grobe und unhaltbare Verallgemeinerung. Eine gute Freundin von mir hat mit soziolinguistischen und computerbasierten Verfahren (Korpuslinguistik) Zeitungen analysiert und wurde damit promoviert.

    Ich frage gerne mal nach, inwiefern die Textlänge tatsächlich abgenommen haben könne (ihre Aussagen sind sicherlich weitaus repräsentativer als deine).

    > Der Guardian scheint da mit "the long read" gegensteuern zu wollen, aber
    > auch er scheint qualitativ zu leiden...
    >

    Wieder: Wie wird (sprachliche?) "Qualität" operationalisiert?

    > > > Wenn sich ein Buch "lohnen" soll muss man auf klassische Literatur
    > > > zurückgreifen (das "moderne Zeug" ist in ein paar Stunden
    > > > durchgelesen...).
    > >
    > > Genre?
    >
    > Tolstoi und Dostojewskij sind ganz angenehm.
    > Aber man kann auch bei Edgar Allan Poe vorbeischauen.
    > (...wobei mir hier auffällt dass ich viele Bücher mittlerweile wieder
    > vergessen habe...)
    >
    > > Lohnen sich wissenschaftliche Bücher heutzutage nicht mehr? Sind neuere
    > > wissenschaftliche Erkenntnisse automatisch nichts wert? Ich verstehe die
    > > Aussage nicht.
    > >
    >
    > Tatsächlich gibt es im Akademischen akademischen Bereich heutzutage die
    > Angewohnheit, Masse anstatt von Klasse zu publizieren.

    > Es gibt viele Papers deren Mehrwert in Richtung insignifikant tendiert -
    > zum Beispiel weil das gleiche nicht-reproduzierbare Experiment mit echten
    > Treibstoff konstant wiederholt wird.

    Wie kann ein nicht-reproduzierbares Experiment reproduziert werden?

    > (Ein Treibstoff verändert sich alleine schon während der Lagerungszeit.)
    > Auch wird gerne unvollständig publiziert, da es nicht um das Teilen von
    > Wissen geht, sondern um ein "Bewerben" des (vermeintlichen?) eigene
    > Könnens.
    > Auch da gibt es immer wieder Lichtblicke - Papers die informativ sind und
    > reproduzierbar sind und den Fachbereich wirklich voranbringen.
    >
    > > Gilt dasselbe auch für Science-Fiction? Oder für Fantasy? Oder für
    > Krimis?
    > >
    >
    > Also Krimis kann man heutzutage Größtenteils in wenigen Stunden durchlesen
    > und die Bücher sind überwiegend rausgeworfenes Geld.

    Ha!
    Ich erinnere mich dunkel an eine Aussage vom selben, oben genannten Edgar Allen Poe:

    "If any literary work is too long to be read at one sitting...we lose the benefit of a single reading session... for, if two sittings be required, the affairs of the world interfere, and everything like totality is at once destroyed."

    (Da hat mir Literaturwissenschaft mal was gebracht).


    > (Ich habe noch vor
    > 10-12 Jahren relativ viele Krimis gelesen.) Bestimmt gibt es Autoren die
    > anspruchsvoller schreiben - die sind aber rar.
    >
    > Heutzutage habe ich eigentlich keine Zeit mehr für Bücher da ich mich durch
    > Papers wühlen muss - und wenn ich dann etwas freie Zeit finde, will ich
    > nicht noch mehr lesen.
    >

    Ich kenne das Problem, allerdings scheinst du, für eine Person im wissenschaftlichen Tätigkeitsfeld, sehr wenig von wissenschaftlicher Arbeit zu verstehen. Studierst du noch?

    Wenn ja, gebe ich dir den Tipp:

    Auch als angehender Naturwissenschaftler tut Wissenschaftstheorie nicht weh.
    Dazu gehört auch:
    Was ist eine (testbare!) wissenschaftliche Hypothese, was dagegen eine bloße (unhaltbare und/oder untestbare) Behauptung?
    Was ist der Unterschied zwischen Theorie und Hypothese?
    Was sind Randbedingungen?
    Was ist Deduktion, was ist Induktion?

    > > >
    > > > Und zum Thema Statistik gibt es ein gutes englisches Sprichwort:
    > > > "There are three types of lies, lies, damned lies and statistics."
    > > > (Ich hasse Statistik...)
    > >
    > > Nur weil du sie hasst (und dich offensichtlich nicht oder nur
    > unzureichend
    > > damit auskennst), heißt das nicht, dass sie nicht sinnvoll ist. Es gibt
    > > einen sprachlichen Unterschied zwischen Statistik und Statistiken. Du
    > > meinst letzteres. Ich meinte ersteres.
    >
    > Ja, Statistik ist die Kunst zu Lügen während man sich auf vermeintlich
    > ehrliche Zahlen beruft.
    ?
    Der Hauptteil der Wissenschaft basiert auf Statistik - bis auf Wissenschaften, die ein eigenes, von der Empirie abgeschirmtes, in sich kohärentes System verwenden. Der Rechner, den du verwendest, wurde Mithilfe von Statistik entwickelt.

    [1] Simmel, G. (1890). Über sociale Differenzierung. Sociologische und psychologische Untersuchungen. Leipzig: Dunkcer & Humblot.


    Ergänzung:
    Mir fällt gerade ein, dass es einige Literaturwissenschaftler im Bereich der kognitiven Literaturwissenschaft gibt, die untersuchen, wie auch sehr kurze Geschichten es schaffen, ihre Leser in eine fiktive Geschichtswelt zu transportieren, bestimmte gesellschaftliche Frames zu aktivieren und Gefühle/Gefühlsregungen zu erzeugen. Diese Gefühlsregungen können indirekt z.B. via Eyetracking, EKG, Hautleitwiderstand etc. operationalisier- und damit messbar gemacht werden.

    Eine solche, recht berühmte, Geschichte geht so:

    "For sale: baby shoes, never worn."



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.02.18 13:55 durch Kondratieff.

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    Zwei Züge, 100.000 Kilometer, keine Probleme: Nach zehn Monaten regulärem Einsatz in Niedersachsen ist das französische Unternehmen Alstom zufrieden mit seinen Brennstoffzellenzügen.

  3. Matternet: Schweizer Post pausiert Drohnenlieferungen nach Absturz
    Matternet
    Schweizer Post pausiert Drohnenlieferungen nach Absturz

    Blutkonserven oder Gewebeproben müssen unter Umständen schnell zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Die Schweizer Post setzt für solche Transporte Drohnen ein. Doch nach vielen problemlosen Flüge ist ein Copter abgestürzt. Das Drohnenprogramm wurde daraufhin vorerst gestoppt.


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