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Richtigstellung
Autor: Nicolai Hähnle 09.02.10 - 21:37
Als semi-aktiver Hobbyentwickler bei Mesa (größtenteils verantwortlich für den Shadercompiler im R300-Treiber) tut mir der Artikel richtig, richtig weh. Daher ein Auszug aus meinem diesbezüglichen Kommentar zum Artikel bei Holarse, und dann noch ein paar spezifische Anmerkungen zum Text hier auf Golem, die im Holarse-Artikel so nicht auftauchen:
Besonders großer Unfug ist die Aussage zur Verschmelzung von Mesa und Gallium. Auch der größte Vollidiot sieht mit einem kurzen Blick ins Mesa-Repository, dass Gallium3D und Mesa schon lange eine recht intime Beziehung führen. Allerdings sind die meisten Hardwaretreiber eben noch klassisch und nicht Gallium3D basiert. Wir arbeiten daran, denn r300-Treiber für Gallium flott zu kriegen; wir sind damit auch schon ziemlich weit, aber noch kann man Distributionen nicht guten Gewissens empfehlen, standardmässig auf r300g umzustellen. Nouveau setzt schon seit lange auf Gallium3D, Intel ignoriert Gallium dagegen ziemlich. Mit einer "Verschmelzung" von Mesa und Gallium3D hat das alles aber rein gar nichts zu tun.
Gallium3D wurde von Tungsten Graphics entwickelt, Tungsten Graphics wurde von VMWare aufgekauft. Die Entwickler arbeiten bei VMWare nun an der Grafikvisualisierung. Die Treiber, die im virtualisierten Client laufen werden auf der Basis von Gallium3D entwickelt, und da VMWare natürlich auch einen Treiber für Windows haben will bekommt Gallium3D Unterstützung für diverse Direct3D-Features.
Mit Linux hat das erstmal rein gar nichts zu tun.
Unter Linux geht Unterstützung von DirectX grundsätzlich nur via Wine, da DirectX sehr eng mit anderen Windows-APIs verbunden ist. Die Wine-Entwickler haben zwei Möglichkeiten, Direct3D zu implementieren: via OpenGL, oder via Gallium-Statetracker. Da OpenGL in den freien Treibern langfristig via Gallium laufen wird, würde der Gallium-Weg einen kleinen Umweg ersparen und wäre daher prinzipiell ein wenig schneller. Da allerdings die binären Treiber von NVidia und AMD vermutlich kein entsprechendes Gallium-Interface bereitstellen werden, muss Wine langfristig nach wie vor Emulation via OpenGL unterstützen, weshalb die Wine-Entwickler zwar interessiert an, aber nicht übermässig begeistert von Gallium sind.
Insbesondere wird in näherer Zukunft kein Direct3D-Statetracker für Linux entstehen, es sei denn die Wine-Entwickler nehmen das in Angriff. Lediglich die Direct3D 10/11-Features wandern nach Gallium, und können dort natürlich zur Umsetzung der äquivalenten OpenGL-Extensions verwendet werden. -
Re: Richtigstellung
Autor: jt (Golem.de) 11.02.10 - 09:53
Sie haben recht. Inzwischen wurde auch die Aussage, die zu dieser doch recht optimistischen Meldung führte, von Ruskin selbst relativiert. Eine entsprechende Meldung ist auf Golem.de erscheinen (https://www.golem.de/1002/73042.html).
Die Aussage, die beiden Projekte stehen vor einer Verschmelzung, habe ich ebenfalls korrigiert. Wie Sie ja richtig anmerken verschmilzt bei den beiden Projekten ja nur Code.
Vielen Dank für die Klarifizierung.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.10 10:57 durch jt (Golem.de).



