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Wie geht's jetzt weiter?
Autor: yaguser 27.06.23 - 17:52
Nun ist es also hochoffiziell, dass Red Hat die Rebuilder abhaengen will.
Nur: die Rebuilder geben nicht auf:
almalinux dot org /blog/impact-of-rhel-changes/
rockylinux dot org/news/2023-06-22-press-release/
blog.cloudlinux dot com/cloudlinux-os-8-and-9-in-post-redhat-world
(zu Oracle habe ich nichts gefunden) und dann gibt es noch ein paar andere.
Was passiert jetzt also wenn die Rebuilder das Puzzle aus Stream und/oder SRPMs
von RHEL (widersprecht theoretisch den Nutzungsbedingungen...) zusammen bauen?
Zieht Red Hat dann die Daumenschrauben weiter zu? Denkbar waere, dass sie die SRPMs von nicht-GPL-Paketen gar nicht mehr veroeffentlichen (muessen sie ja nicht) oder dass sie ihre selbstentwickelten Pakete close-sourcen oder dass sie irgendwelche Sicherheitspatches delayen, etc... das wird noch ein boeses Katz-und-Maus-Spiel.
CentOS-Linux war einer der populaersten Server-Distros ueberhaupt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein nennenswerter Prozensatz davon auf die teuren RHEL-Subs umsteigt, wenn es einmal tatsaechlich keine Rebuilds mehr gibt.
Insgesamt schlechte Aussichten fuer das ganze Red Hat - Oekosystem.
Ich frag mich auch warum gefuehlt alle (Red Hatter) in den "sozialen" Medien gerade auf Rocky eindreschen und den Elefanten im Raum (Oracle Unbreakable Linux) nicht erwaehnen. -
Re: Wie geht's jetzt weiter?
Autor: DeadlyDirk 28.06.23 - 00:19
yaguser schrieb:
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> Ich frag mich auch warum gefuehlt alle (Red Hatter) in den "sozialen"
> Medien gerade auf Rocky eindreschen und den Elefanten im Raum (Oracle
> Unbreakable Linux) nicht erwaehnen.
Oracle scheint sich vertraglich Zugang zu den Sourcen gesichert zu haben.
Auf deren FTP-Servern finden sich nämlich alle aktuellen Source RPMs und die anderen Derivate wie Rocky Linux, oder AlmaLinux beziehen auch von dort ihre Updates (neben CentOS Stream als Quelle).
yaguser schrieb:
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>Was passiert jetzt also wenn die Rebuilder das Puzzle aus Stream und/oder SRPMs
>von RHEL (widersprecht theoretisch den Nutzungsbedingungen...) zusammen bauen?
>
> Zieht Red Hat dann die Daumenschrauben weiter zu? Denkbar waere, dass sie die SRPMs von nicht-GPL-Paketen gar nicht mehr veroeffentlichen (muessen sie ja nicht) oder dass sie ihre selbstentwickelten Pakete close-sourcen oder >dass sie irgendwelche Sicherheitspatches delayen, etc... das wird noch ein boeses Katz-und-Maus-Spiel.
Es reicht ja schon, wenn Oracle die src.rpms auch nicht mehr veröffentlicht, oder nur noch Zugriff auf diese mittels Subscription erlaubt und somit nur noch CentOS Stream als Bezugsquelle bleiben würde.
CentOS Stream Releases haben aber einen Lifecycle von wie vielen Jahren? 5? Also entspricht das ca. dem Lifecycle in welchem Red Hat ein RHEL Release mit Bugfixes und neuen Features (Full-Support Phase) versorgt. Nach 5-6 Jahren werden ja dann für die verbleibenden 4-5 Jahre nur noch kritische Lücken und selten auch mal kritische Bugs behoben.
Ich glaube das war schon damals mit der Abkündigung vom guten alten CentOS so geplant. Eventuell ist es aber auch nur Zufall, wie sich alles so entwickelt hat.
Die einzigen die mir im RHEL-Ökosystem ansonsten einfallen, die nach 5-6 Jahren den Support (auch mit eigenen Patches) weiterführen könnten, wäre CloudLinux, Hauptsponsor von AlmaLinux, sollte solch ein Szenario eintreten.
Mit Tuxcare haben die ja schon einige Erfahrung gesammelt und auch gezeigt, dass die Langzeitsupport können.
CloudLinux 10 könnte bereits auf einer anderen Distribution basieren (Fedora, Debian etc), je nachdem wie sich die Dinge entwickeln.
Dennoch, insgesamt ist das eine traurige Entwicklung.
Zwar kann ich Red Hat irgendwo verstehen, denn sie entwickeln selbst auch viel Neues und sind auch so immer in den Top 10, häufig sogar Top 3 der globalen Open Source Maintainern dabei, aber ich weiß nicht, ob das für die langfristige Entwicklung und Verbreitung von RHEL solch eine gute Entscheidung war. -
Re: Wie geht's jetzt weiter?
Autor: DeadlyDirk 28.06.23 - 01:03
Habe mir gerade nochmal die AlmaLinux EL9 Changelogs zu kexec-tools und openssl angesehen und dann diese mit Oracle und RHEL verglichen. Ob Oracle sich vertraglich Zugriff gesichert hat, bleibt spekulativ, wäre aber irgendwo naheliegend, da Oracle finanziell relativ gut aufgestellt ist und Oracle Linux nun schon sehr lange existiert und eine Partnerschaft mit Red Hat denkbar ist.
Die Changelogs zu den Sourcen unterscheiden sich dann doch und sind keine 1:1 Kopien der Originalen Changelogs von RHEL. Manche Patches sind aber direkt von RHEL und finden sich in AlmaLinux 9, wie auch Oracle Linux 9 wieder, was aber noch nicht viel bedeutet, da diese von CentOS Stream 9 stammen können. Anhand der Versionsnummern der Pakete kann man also nicht mehr mit Gewissheit sagen, ob ein Patch in ein Derivat, welches man nutzt, es geschafft hat. Dafür muss man dann Changelogs und/oder Erratas checken.
Wie gut die Sourcen-Versorgung ist, werden wir wohl spätestens nach dem EOL von CentOS Stream 8 wissen, was nächstes Jahr schon ist. CentOS Stream 9 wird ja noch ein wenig supportet.



