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Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 17:35
Ich habe letztens mal meinen eignen Android-Kernel gebastelt – in dem ich aus verschiedenen Quellen jeweils deren Commits in meinen gemerged habe.
Darunter waren CM mit run 10.000 Commits (!)
Quallcomm mit weiteren 1000 Commits
und dann noch diverse weitere (ArchiDroid u.ä.).
Merge-Conflicts: 5.
Wow – ist das das große Problem was die davon abhaelt?
1000 Zeilen Code sind *nichts* wenn alle ueber Git arbeiten. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: picaschaf 10.06.15 - 17:43
Wenn es doch so einfach ist, mach es doch einfach. Du wirst der Held der Community.
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Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 17:46
picaschaf schrieb:
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> Wenn es doch so einfach ist, mach es doch einfach. Du wirst der Held der
> Community.
Hab ich doch. Aber wie gesagt: Die *wollen* nicht.
CM macht das auch haeufig genug – es kommen alle par Tage "merge from upstream" commits rein.
Es gibt zich Kernel von irgendwelchen Entwicklern die genau das machen. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Sharra 10.06.15 - 17:57
Sehet den Held, dort auf dem Feld!
Und du hast danach wie lange geschaut, ob ALLES funktioniert? Ach gar nicht? Du kannst also nicht garantieren, dass alle Apps, die laufen sollten, auch funktionieren? Tja, dann hast du den allerkleinsten Teil zwar geschafft, den allerwichtigsten aber komplett ignoriert. Gut, dass du keine Geräte verkaufst. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 18:11
Sharra schrieb:
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> Sehet den Held, dort auf dem Feld!
>
> Und du hast danach wie lange geschaut, ob ALLES funktioniert? Ach gar
> nicht? Du kannst also nicht garantieren, dass alle Apps, die laufen
> sollten, auch funktionieren? Tja, dann hast du den allerkleinsten Teil zwar
> geschafft, den allerwichtigsten aber komplett ignoriert. Gut, dass du keine
> Geräte verkaufst.
Der Kernel hat zum geringsten Teil was mit den Apps zu tun – eher sollte man ueberpruefen, ob die VM und die Kern-Binaries einwandfrei laufen.
Aber das wuerde deutlich einfacher werden, wenn man von Anfang an zusammen an einem Tree arbeitet. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: picaschaf 10.06.15 - 19:00
Das man irgendwelche Patches anwenden kann hat keiner bezweifelt, danach kräht doch kein Hahn. Upstreame deine Arbeit! Wenn jeder so rumbrödelt wie du oder die Firmen entsteht der Müll mit dem wir rumkämpfen müssen. Ewigt veraltete Systeme, Frust, Doppelarbeit,...
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Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: katze_sonne 10.06.15 - 19:01
Ich weiß ja nicht... Das klingt zwar im ersten Moment super toll, aber keine Merge-Konflikte heißt nicht gleichzeitig, dass auch die Programmlogik und die Abhängigkeiten noch so weit stimmen... Und DAS wiederum zu überprüfen macht dann schon keinen Spaß mehr. Da kann dann auch git nicht mehr helfen.
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Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 19:11
picaschaf schrieb:
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> Das man irgendwelche Patches anwenden kann hat keiner bezweifelt, danach
> kräht doch kein Hahn. Upstreame deine Arbeit! Wenn jeder so rumbrödelt wie
> du oder die Firmen entsteht der Müll mit dem wir rumkämpfen müssen. Ewigt
> veraltete Systeme, Frust, Doppelarbeit,...
Meine Arbeit war sehr speziell auf meine Beduerfnisse angepasst und eher zu Lern-Zwecken. Ich habe auch keine eigenen Aenderung gemacht die gross darueber hinaus gehen.
Den Upstream kannst du aber auch trotzdem bei CM finden, die mergen sehr oft aus allen Quellen.
katze_sonne schrieb:
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> Ich weiß ja nicht... Das klingt zwar im ersten Moment super toll, aber
> keine Merge-Konflikte heißt nicht gleichzeitig, dass auch die Programmlogik
> und die Abhängigkeiten noch so weit stimmen... Und DAS wiederum zu
> überprüfen macht dann schon keinen Spaß mehr. Da kann dann auch git nicht
> mehr helfen.
Ich bin wochenlang problemlos damit ausgekommen (danach bin ich auf einen anderen Kernel gewechselt weil mein Rechner den ich zum kompilieren nutzte in Reparatur ist).
Das zu ueberpruefen macht speziell dann keinen Spass, wenn man die ganze Historie von 100k patches abklappern muss – ja. Aber wenn man von Anfang an am selben Tree arbeitet ist das was ganz andres.
CM schafft's – und das sind pro Geraet sehr viel weniger Leute als Sony und Konsorten zur Verfuegung haben. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: bstea 10.06.15 - 19:55
Psst, du beleidigst gerade den Gott der Software-Entwicklung.
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Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann! -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Pukys 10.06.15 - 20:12
Leo K. schrieb:
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> picaschaf schrieb:
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> > Wenn es doch so einfach ist, mach es doch einfach. Du wirst der Held der
> > Community.
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> Hab ich doch. Aber wie gesagt: Die *wollen* nicht.
>
> CM macht das auch haeufig genug – es kommen alle par Tage "merge from
> upstream" commits rein.
>
> Es gibt zich Kernel von irgendwelchen Entwicklern die genau das machen.
Nope, so einfach ist das nicht. Und das "nicht wollen" ist verkürzt und schlicht -- falsch. Die Unternehmen und auch wir Entwickler sehen durchaus ide Vorteile und Notwendigkeiten, aber können nicht so handeln wie wir immer wollen. Von Seiten des Managements kommt viel an Ressentiments und Unsicherheit, in die Richtung "wir verraten Betriebsgeheimnisse", aber die dicken Knüppel kommen von der Rechtsabteilung: Die wollen nämlich nicht das rechtliche Risiko tragen. Denn einerseits legt man tatsächlich Geschäftsgeheimnisse offen und viel in den entsprechenden Geräten und Chips ist zudem 3rd-Party IP. Wer einmal ein NDA (non-disclosure agreement) für die Nutzung von IP gesehen hat, weiß wovon ich rede: Das ist so, als ob man seine Seele an den Teufel verkauft. Und aus genau dem Grund, um nicht von Mitbewerbern oder IP-Lizensierern in Grund und Boden geklagt zu werden sind die speziell die Rechtsabteilungen bei solchen Fragen sehr, sehr, sehr zurückhaltend. Lieber nicht veröffentlichen, als nachher bis hinter den Mond verklagt zu werden. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 20:25
Pukys schrieb:
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> Nope, so einfach ist das nicht. Und das "nicht wollen" ist verkürzt und
> schlicht -- falsch. Die Unternehmen und auch wir Entwickler sehen durchaus
> ide Vorteile und Notwendigkeiten, aber können nicht so handeln wie wir
> immer wollen. Von Seiten des Managements kommt viel an Ressentiments und
> Unsicherheit, in die Richtung "wir verraten Betriebsgeheimnisse", aber die
> dicken Knüppel kommen von der Rechtsabteilung: Die wollen nämlich nicht das
> rechtliche Risiko tragen.
Genau die meinte ich, ja, die Devs sind idR da eher freundlich.
> Denn einerseits legt man tatsächlich
> Geschäftsgeheimnisse offen und viel in den entsprechenden Geräten und Chips
> ist zudem 3rd-Party IP. Wer einmal ein NDA (non-disclosure agreement) für
> die Nutzung von IP gesehen hat, weiß wovon ich rede: Das ist so, als ob man
> seine Seele an den Teufel verkauft. Und aus genau dem Grund, um nicht von
> Mitbewerbern oder IP-Lizensierern in Grund und Boden geklagt zu werden sind
> die speziell die Rechtsabteilungen bei solchen Fragen sehr, sehr, sehr
> zurückhaltend. Lieber nicht veröffentlichen, als nachher bis hinter den
> Mond verklagt zu werden.
Aber die Sources sind ja da, bei Sony sogar direkt auf GitHub. Es kann aber natuerlich durchaus sein, dass diese Aenderungen erst nach langwierigem Absegnen durch die Juristen-Abteilung aktualisiert werden, dass kann man von ausserhalb schlecht nachvollziehen.
Ich kritisiere ja vor Allem den Grund der "1000 Zeilen mehr". 1000 Zeilen sind an sich viel, aber bei den Jahren an Entwicklung ist das ueber die Zeit ein ueberschauberes Stueckchen Code – Nein, nicht unbedingt fuer mich, aber durchaus fuer professionelle Entwickler.
Wenn man von Anfang an zusammen an einem Tree arbeitet ist das wirklich kaum was. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: monarc 10.06.15 - 21:48
Leo K. schrieb:
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> Wow – ist das das große Problem was die davon abhaelt?
Ich habe noch so halb in Erinnerung, wie eine Firma ihren Treiber von Android in Linux aufnehmen lassen wollte. (stand mal auf Phoronix vor einiger Zeit)
Da war das Problem, dass der Treiber - wie üblich in Firmen - halt unter Zeitdruck entstanden ist und vom zuständigen Linux Maintainer wegen Qualitätsmängel abgelehnt wurde. Die mussten dann den halben Treiber neu schreiben, bis er angenommen wurde.
Bloß weil ein Patch funktioniert und sogar kompiliert, heißt halt noch nicht, dass er auch angenommen werden würde. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Leo K. 10.06.15 - 21:59
monarc schrieb:
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> Leo K. schrieb:
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> > Wow – ist das das große Problem was die davon abhaelt?
> Ich habe noch so halb in Erinnerung, wie eine Firma ihren Treiber von
> Android in Linux aufnehmen lassen wollte. (stand mal auf Phoronix vor
> einiger Zeit)
>
> Da war das Problem, dass der Treiber - wie üblich in Firmen - halt unter
> Zeitdruck entstanden ist und vom zuständigen Linux Maintainer wegen
> Qualitätsmängel abgelehnt wurde. Die mussten dann den halben Treiber neu
> schreiben, bis er angenommen wurde.
>
> Bloß weil ein Patch funktioniert und sogar kompiliert, heißt halt noch
> nicht, dass er auch angenommen werden würde.
Zugegebenermassen, das stimmt. Und es ist leider nicht unbedingt im Interesse der Firmen, dass sie gute Treiber schreiben – leider. -
Re: Die sollen sich mal nicht so anstellen.
Autor: Nugget32 11.06.15 - 08:04
Viele Firmen haben einfach Angst diverse Informationen an die Konkurrenz weiterzugeben oder Preiszugeben. Aber egal wie tut man dies auch über Windows.
Und wenn man will das die Hardware verwendet werden soll muss man eben auch flexibel genug sein um die Angebot/Nachfrage Situation zu Befriedigen. Wenn also z.B. Anwender XYZ die auf Linux arbeiten überwiegend die Hardware ABC verwenden und der Hersteller keine Treiber dazu verwendet ,dann können auch Finanzielle einbußen den Hersteller Treffen . In der heutige Zeit wo man nicht nur die Eine Seite sondern auch die andere Seite mit Berücksichtigen muss ,zählt jeder Euro den man verdienen kann . Und gerade deswegen Investiert man lieber ,als sich gegen eine Sache zu stellen. Wer es aber Trotzdem tut sieht ja selbst das man meist mit einer Mono Seitigen Ansicht nicht weit kommt.
Viele haben es bis heute noch nicht verstanden das Windows nicht alles ist !



