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Hab es heute ausprobiert
Autor: Cybso 15.05.23 - 18:32
Nach meinen letzten grandios fehlgeschlagenen Gehversuchen als Wayland-Early-Adapter vor ein paar Jahren habe ich mich heute mal wieder dran getraut und zum Test den ganzen Tag mit Wayland statt X gearbeitet (Ubuntu 22.04 mit Plasma-Desktop).
Vorab: Es läuft, aber es fühlt sich an wie Linux in den 00er-Jahren.
xlsclients listet gleich eine handvoll Apps auf, die weiterhin mit X11 laufen. Das musste ich hart lernen, nachdem die X-Brücke abgestürzt war und plötzlich eine Reihe von Anwendungen einfach nicht mehr starten wollten.
Geht los mit dem Display Manager. Bisher kann nur GDM3 von Haus aus Wayland. Für sddm (den ich als Plasma-Nutzer natürlich bevorzuge) wird der Support erst mit der kommenden Version 0.20 geliefert. Also, Wayland gibt's für mich grundsätzlich erst nach dem Login.
Dann geht es weiter mit den Browsern. Firefox muss mit einer speziellen Umgebungsvariablen gestartet werden, damit es nativ mit Wayland läuft. Juhuu, Startscripte editieren, wie früher!
In Chrome-basierten Browsern geht es über chrome://flags. Aber damit auch die Webcam mit Wayland funktioniert, muss das ganze System von Pulseaudio auf Pipewire umgestellt werden. Hatte ich zum Glück schon gemacht, außer, dass ich damals das v4l2-Modul natürlich nicht mit installiert hatte und mich nun über die fehlende Webcam gewundert habe.
Das Desktop-Sharing in Videokonferenzen ist ja jetzt mal so richtig bescheiden. Statt das Fenster oder den Bildschirm direkt im Dialog auszuwählen, öffnet sich jetzt eine separate Anwendung und fragt, was genau ich denn teilen möchte. Das bisher gewohnte Vorschaubild gibt es dort aber nicht, ich muss also raten welcher der angezeigten Bildschirme der richtige ist. Kann ich aber zum Glück im anschließenden nativen Auswahlschirm des Browsers kontrollieren, da ich es hier mit einem weiteren Klick bestätigen muss.
Nach dem Klick auf "Teilen" passiert dann aber... nichts. Das Fenster schließt sich kurz und öffnet sich dann wieder. Erst wenn ich dort noch ein zweites mal den Bildschirm auswähle und bestätige wird dieser tatsächlich geteilt.
Btw... das Always-on-Top-Fenster, welches mich darüber informiert, dass ich gerade meinen Bildschirm teile, befindet sich nun nicht mehr unten in der Mitte, sondern oben links. Offenbar kann die Software die Bildschirmgeometrie nicht ermitteln.
Auch pinentry-qt macht Probleme, der öffnet sich nun nicht mehr im Fokus, sondern startet plötzlich als minimiertes Fenster.
Fazit: ja, es funktioniert, und als alter Linux-Nerd kommen nostalgische Gefühle hoch... aber meiner Frau möchte ich so einen Desktop nicht administrieren.
Edit: Achso, und das Fenster von "Kontact" startet jetzt nicht mehr maximiert, sondern als viel zu kleines Fenster, dass ich erst vergrößern muss. Dadurch verschieben sich jedes Mal die Breiten der Spalten in der Mailübersicht.
3 mal bearbeitet, zuletzt am 15.05.23 18:51 durch Cybso. -
Re: Hab es heute ausprobiert
Autor: Cybso 15.05.23 - 18:57
Noch ein Punkt: ich kann die Auflösung von meinem Laptop-Bildschirm nicht mehr verändern, das sei "unsupported". Am Schreibtisch verwende ich den als dritten Screen und ändere dafür die Auflösung auf 1600 Pixel, denn ansonsten ist die höhere Pixeldichte bei 14 Zoll im Vergleich zu den daneben stehenden 24-Zöllern schon sehr nervig.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.05.23 18:59 durch Cybso. -
Re: Hab es heute ausprobiert
Autor: bernstein 16.05.23 - 01:50
unter gnome scheint es besser zu laufen, zumindest habe ich seit 22.04 praktisch keine probleme damit. klar einige apps laufen noch mit xwayland und das sharing ist doof (aber unter 23.04 verbessert). auch pipewire support in 23.04 ist endlich da...
andere distros wie fedora & arch sind moderner aufgestellt, haben aber bekanntermassen andere probleme...
imho ist nun endlich ein ende absehbar von all den gescheiterten veruchen den linux desktop zu modernisieren.



