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Hotfile trifft keine Schuld

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  1. Hotfile trifft keine Schuld

    Autor: /mecki78 05.12.13 - 19:17

    Ein File Hoster bietet Speicherplatz für Dateien an und ist genauso wenig dafür verantwortlich was die Leute dort für Dateien ablegen wie ein Autovermieter nicht dafür verantwortlich ist, was du mit dem gemieteten Auto anstellst.

    Aber ich finde es lustig, dass hier alle die Schuld ausschließlich auf die Filmindustrie schieben. Ja, richtig, die Filmindustrie hat vor Gericht gewonnen. Aber warum konnten sie denn überhaupt gewinnen? Richtig, weil eben so unglaubliche viele Schwarzkopien ihrer Filme bei Hotfile zu finden waren, denn natürlich mussten sie Beweise anführen und das ging nur deswegen, weil es diese Beweise eben auch gab. Hmm... vielleicht sind auch die Leute, die illegale Kopien auf Hotfile gelegt und die URLs öffentlich verbreitet haben, auch ein kleines bisschen an diesem Ausgang schuld, nein?

    Die Leute, die meinen immer jede Tauschbörse, jeden Filehoster, jeden Server, jedes Tauschmedium für ihre illegalen aktiven zu missbrauchen sind doch letztlich die Leute die damit den Niedergang dieses Dienstes gerade zu herausfordern und es ist ihnen total egal, dass sie damit ggf. den Dienst in legale Schwierigkeiten bringen, weil das ist ja nicht ihr Problem. Aber gesellschaftlich gesehen sind diese Leute damit auch keinen Deut besser als das Pack der Filmindustrie.

    Deswegen haftet z.B. auch Bitcoins so ein schlechter Ruf an. Würden damit nicht hauptsächlich Drogen und illegale Pornographie gekauft (und andere Verbrechen finanziert), dann hätte Bitcoin einen viel besseren Ruf und wäre vielleicht schon von jedem besseren Onlineshop anerkannt.

    Und wenn ich in ein paar Jahren legal eine Datei per P2P verteilen will, die ich auch völlig legal verbreiten darf, dann kann ich das nicht mehr, weil alle P2P bis dahin schon offline gegangen sind, wegen den ganzen illegalen Kopien die da herumschwirren. Ich kann jetzt auch meine legalen Dateien, die ich selber erstellt habe, kaum mehr öffentlich hosten, weil die Filehoster sterben wie die Fliegen.

    Man muss nicht irgendwelche Videos aus Hollywood rippen, auf Share-/Filehoster hochladen und dann die URL öffentlich machen. Man glaubt man tut den Leuten damit was gutes, aber das kurzsichtig. Langfristig macht man damit den Dienst kaputt und nimmt den Leuten somit ein Stück Internet weg und davon hat am Ende niemand was. Wer meint er muss so was machen, der soll sich bitte einen eigenen Server zulegen oder das Zeugs direkt von seinem Rechner anbieten. Aber dazu fehlen dann dem Held der Film-Community dann die Eier, weil hier würde er ja im Zweifelsfall selber und direkt verklagt werden, also lieber hinter einen Dienst verstecken.

    Ich meine, niemand hat ein Problem damit, wenn man sich seine Filme selber auf einen Sharehoster für den Eigenbedarf hoch lädt und vielleicht auch die URL an ein paar Freunde/Bekannte verteilt. Das bekommt die Filmindustrie nie mit und auch wenn das auch nicht legal ist, hier wird nichts passieren.

    Das ist wie mit der Privatkopie: Privatkopien im Familienkreis sind legal, Privatkopien im Freundeskreis wurden geduldet, nur heute leben Menschen in dem Irrglauben, dass nur weil die ganze Menschheit das gleiche Netz nutzt, alle anderen Nutzer da draußen automatisch als ihre Freunde durchgehen. Spätestens seit Facebook hat "Freund" seine Bedeutung verloren. Wie viele Freunde hatten denn Menschen vor 50 Jahren? Und heute? Heute ist bei manchen jeder ein Freund, der schon mal zwei Worte im Internet mit ihnen gewechselt hat (sofern die Worte nicht unbedingt "Verpiss dich" waren oder so ähnlich).

    Psychologen sagen, dass liegt daran, dass Menschen immer auf der Suche nach Bestätigung sind. Wer viele Freunde hat, der muss wichtig sein, das gibt Menschen Bestätigung und wollen wir nicht alle für andere Menschen "wichtig" sein? Wir finden es gut, dass andere Menschen uns als wichtig einschätzen. Aus dem gleichen Grund wollen viele auch gerne Berühmt sein (Fans sind auch so eine Art Freunde, für die ist man auch wichtig).

    Aber was treibt eigentlich Leute dazu, Filme Online zu stellen und damit auch an diesem ganzen Grabenkämpfen zwischen Industrie, Politik und Internetnutzern schuld zu sein? Fragt man die Leute, die geschnappt wurden, dann kommen so enttäuschende Aussagen wie "Die Filme waren uns doch total egal. Die haben wir ja selber nicht einmal angeschaut. Und die Downloader waren uns auch egal. Wir fanden das einfach nur cool." Es geht auch hier nur darum Bestätigung zu haben, darum dass jemand denkt du bist toll, weil du einen Film irgendwo hochgeladen hast und er ihn dank dir jetzt kostenlos herunterladen kann. Eigenlob stinkt ja bekanntlich, also braucht man eben Fremdlob. Besonders schlimm ist das in Netzen, wo man für das hochladen belohnt wird, also virtuell, z.B. mit Upload Punkten, die zwar völlig nutzlos sind, aber man kann sich brüsten wie viele Punkte man hat und wie wichtig man doch in der Community ist.

    Manche Menschen sich eben einen Sportwagen, um Beachtung zu finden, andere laden die neusten Blockbuster hoch. So gesehen ist Filme "uppen" und die URLs öffentlich posten auch nur eine von "virtueller Penisverlängerung". "Hey ich hab den Größten... Vorrat an Kinofilmen hochgeladen." Und dafür, dass ein paar Leute am Ende den Schwanzvergleich gewinnen zahlen wir alle, durch immer mehr Überwachung der Netze, durch immer mehr Klagen der Industrie und durch den Verlust immer weiterer Dienste.

    Ja sicher, die Industrie und die Politik sind auch dran schuld, aber in einem Krieg zwischen drei Parteien kann ich nicht einfach die Schuld auf zwei schieben und die andere einfach ausnehmen. Schon gar nicht dann, wenn man bedenkt, dass die Dritte Partei den ersten Schuss abgegeben hat. Was kam denn zuerst? Das die Industrie klagt? Wohl kaum, denn was bitte hätten sie klagen sollen? Das die Politiker mehr Überwachung fordern? Wohl kaum, denn was hätten sie überwachen wollen? Zuerst kamen die Leute, die das Netz dafür genutzt haben Rechte/Gesetze zu brechen, erst dann kamen die anderen beiden dazu, weil erst dann hatten sie einen Grund aktiv zu werden.

    Alle drei haben hier Dreck am Stecken. Der einzige, der gar nichts für diesen Krieg kann, das sind die Dienstleister. Hotfile hat eigentlich mit dem Krieg nichts zu tun, ist aber blöder Weise in die Schusslinie geraten und wird jetzt eben beerdigt. Wie im echten Leben auch: Am meisten leiden unschuldige Opfer unter jedem Krieg, die den Krieg weder wollten, noch aktiv befeuern und einfach nur das Pech haben im falschen Moment an der falschen Front zu stehen.

    /Mecki

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