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wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Paule 16.01.13 - 10:51
Naja, wer sich wegen so etwas das Leben nimmt, der wird wohl noch ganz andere Probleme gehabt haben.
Denn er war doch noch überhaupt nicht verurteilt oder in Haft, sondern es wurde erst Anklage erhoben. Somit blieben dem Herrn Swartz zu dem Zeitpunkt ja noch andere Möglichkeiten.
1. Abhauen in ein Land das nicht ausliefert bzw. untertauchen
2. Prozess durchstehen, Urteil abwarten
3. ggf. in Berufung gehen
4. das Angebot der Staatsanwaltschaft von 6 Monaten Haft annehmen, das es wohl gab
Ein Selbstmord als letzter möglicher Ausweg vor einer 30 Jahre langen Haftstrafe war das jedenfalls nicht.
Der Ausweg wäre Ihm auch nach dem Ausschöpfen aller anderen Möglichkeiten geblieben. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Tantalus 16.01.13 - 11:04
Paule schrieb:
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> 1. Abhauen in ein Land das nicht ausliefert bzw. untertauchen
Und damit Freunde, Familie, quasi das ganze Leben zurücklassen und zudem als krimineller Flüchtling zu gelten? Ist für manche schlimmer als sich einen Strick zu nehmen.
> 2. Prozess durchstehen, Urteil abwarten
> 3. ggf. in Berufung gehen
Konnte er sich scheinbar nicht mehr leisten:
> Das Verfahren habe Swartz' Geld, das er vor allem durch den Verkauf seiner
> Anteile an Reddit erlangt habe, aufgezehrt. Er hätte um Unterstützung zur
> Finanzierung seines Prozesses bitten müssen, aber das sei für ihn sehr
> schwierig gewesen, so seine Freundin Taren Stinebrickner-Kauffman
Auch ein interessantes Rechtssystem: Man klagt jemanden so lange in die Pleite, bis er sich nicht mehr wehren kann...
> 4. das Angebot der Staatsanwaltschaft von 6 Monaten Haft annehmen, das es
> wohl gab
Ja ne, ist klar...
Gruß
Tantalus
___________________________
Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: NERO 16.01.13 - 11:10
Ganz Unrecht hat der TO nicht. Letztlich stand ja noch gar nichts fest. Sicherlich wird der staatlich-gesetzliche Druck nicht angenehm sein - allerdings kann man auch die Öffentlichkeit (und da stand ja Swartz offenbar) auf seine Seite holen.
Es sind halt wieder diese Pauschalisierungen - genau wie Gamer die Amoklauf laufen, Frauen die nicht einparken können usw.
»The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel.« -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Paule 16.01.13 - 11:30
Tantalus schrieb:
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> Paule schrieb:
> ---------------------------------------------
> > 1. Abhauen in ein Land das nicht ausliefert bzw. untertauchen
>
> Und damit Freunde, Familie, quasi das ganze Leben zurücklassen und
> zudem als krimineller Flüchtling zu gelten? Ist für manche schlimmer
> als sich einen Strick zu nehmen.
Stimmt, das ist nicht jedermanns Sache.
Streichen wir diese Option lieber.
> > 2. Prozess durchstehen, Urteil abwarten
> > 3. ggf. in Berufung gehen
>
> Konnte er sich scheinbar nicht mehr leisten:
> Das Verfahren habe Swartz' Geld, das er vor allem durch den Verkauf
> seiner Anteile an Reddit erlangt habe, aufgezehrt. Er hätte um
> Unterstützung zur Finanzierung seines Prozesses bitten müssen,
> aber das sei für ihn sehr schwierig gewesen, so seine Freundin Taren
> Stinebrickner-Kauffman
Der Mann war aber sehr bekannt.
Ein Aufruf an die Netzgemeinde hätte ihm sehr schnell sehr viel Unterstützung eingebracht.
Irgendwie wäre das für mich kein Grund zum Selbstmord, nur weil man ungern um Hilfe bittet.
> > 4. das Angebot der Staatsanwaltschaft von 6 Monaten Haft annehmen, das
> > es wohl gab
>
> Ja ne, ist klar...
Aber es gab dieses Angebot, auch wenn es ihm nicht passte.
Daran konnte man ja erkennen, dass die Maximaldrohung 30 Jahre als Urteil wohl sehr unwahrscheinlich war (sonst wäre das Angebot schlechter gewesen). Das werden ihm auch seine Anwälte gesagt haben.
Warum also Selbstmord?
Einer seiner Anwälte hatte doch sogar auf seine Depressionen als Jugendlicher hingewiesen. Wurde er dann nicht psychologisch während des Prozesses betreut? -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Couch-Hero 16.01.13 - 12:05
6 Monate Gefängnis mit Mördern, Kindernschändern, Räubern sind immer noch überzogen ...
--
Grüße von der Couch -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: cry88 16.01.13 - 12:59
Couch-Hero schrieb:
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> 6 Monate Gefängnis mit Mördern, Kindernschändern, Räubern sind immer noch
> überzogen ...
nur weil die content mafia das suggeriert stimmt es im regelfall nicht. kleinkriminelle sind in anderen bereichen untergebracht wie schwerverbrecher. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Anonymer Nutzer 16.01.13 - 13:00
ich möchte das amerikanische Rechtssystem jetzt ungern in Schutz nehmen, aber gibt es für Kapitalverbrecher nicht eigene Trakte in Gefängnissen?
Was hätte die Justiz davon einen Kapitalverbrecher mit Gewaltverbrechern zusammen einzusperren?
Und, soweit ich weiß werden sogar Kinderschänder getrennt. Warum, dürfte auch klar sein :) -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Tantalus 16.01.13 - 13:52
azeu schrieb:
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> Was hätte die Justiz davon einen Kapitalverbrecher mit Gewaltverbrechern
> zusammen einzusperren?
Erstmal:
[de.wikipedia.org] / [de.wikipedia.org]
Zum Thema:
Soweit ich weiss gibt es zwar gesonderte Trakte, teils sogar eigene Gefängnisse für schwerstkriminelle. Das heisst aber nicht, dass ein Wirtschaftskrimineller nicht mit Gewaltverbrechern zusammen einsitzt.
Gruß
Tantalus
___________________________
Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: wasabi 16.01.13 - 14:01
> Was hätte die Justiz davon einen Kapitalverbrecher mit Gewaltverbrechern
> zusammen einzusperren?
Kann es sein, dass dir nicht klar ist, was ein "Kapitalverbrechen" ist? -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Anonymer Nutzer 16.01.13 - 14:15
danke für den Hinweis :)
Dazu sag ich nur "false friend" :D -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Anonymer Nutzer 16.01.13 - 14:16
stimmt, hab Kapital und Wirtschaft verwechselt :)
"false friend"-Falle :) -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Anonymer Nutzer 16.01.13 - 14:30
> Das heisst aber nicht, dass ein Wirtschaftskrimineller nicht mit Gewaltverbrechern zusammen einsitzt.
Und wie möchte man einen Wirtschaftskriminellen resozialisieren, wenn man diesen mit Gewaltverbrechern zusammenwirft?
Der Sinn eines Gefängnisses ist doch, dass man danach harmloser ist als vorher, dachte ich zumindest. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Tantalus 16.01.13 - 14:41
azeu schrieb:
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> Und wie möchte man einen Wirtschaftskriminellen resozialisieren, wenn man
> diesen mit Gewaltverbrechern zusammenwirft?
Zeig mir mal *ein* Gefängnis, in dem nur Wirtschaftskriminelle sitzen. Es wäre schon rein logistisch gar nicht möglich.
> Der Sinn eines Gefängnisses ist doch, dass man danach harmloser ist als
> vorher, dachte ich zumindest.
Auch, aber nicht nur. Der strafende Aspekt und auch der "Schutz der Öffentlichkeit vor Wiederholungstaten" haben einen großen Anteil.
Gruß
Tantalus
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Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Sir Dragon 16.01.13 - 14:48
Der gute Mann war eben ein Überzeugungstäter.
Er hat seiner Meinung nach nichts unrechtes getan und war nicht bereit sich schuldig zu bekennen und damit als Verbrecher zu gelten.
Das mag für viele überzogen klingen, aber für manche sind ihre Prinzipien nunmal wichtiger als ihr Leben (Gandhi und Martin Luther King fallen mir da spontan ein).
Und seine Anwälte werden ihm wohl gesagt haben, dass er bei der derzeitigen Rechtslage mit einer Verurteilung rechnen muss.
Das wirklich traurige daran ist doch, dass der Mann erst sterben musste, bevor sich die Legislative in der Lage sieht die Gesetzeslage so zu reformieren, dass sie nicht gegen eigentlich Unschuldige missbraucht werden kann.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 16.01.13 14:49 durch Sir Dragon. -
Re: wegen so etwas das Leben nehmen?
Autor: Anonymer Nutzer 16.01.13 - 15:10
> Zeig mir mal *ein* Gefängnis, in dem nur Wirtschaftskriminelle sitzen. Es wäre schon rein logistisch gar nicht möglich.
Ich sprach ja auch von Trakten.
> Auch, aber nicht nur. Der strafende Aspekt und auch der "Schutz der Öffentlichkeit vor Wiederholungstaten" haben einen großen Anteil.
Das hab ich ja gemeint. Man ist danach "vernünftiger" und somit weniger gefährlich als vorher.
Aber, wenn man aufgrund eines Wirtschaftsdeliktes in den Knast kommt und dort dann von "echten" Kriminellen verprügelt/misshandelt/missbraucht - was auch immer - wird, dann wird man wohl DANACH noch mehr auf die Gesellschaft und ihre Werte pfeifen als vorher.
Vielleicht sollte man das auch mal den Amis sagen, dass sie ihre Strafgefangenen zum Teil selbst zu Wiederholungstätern erziehen...



