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Die Verharmloser sind mitschuldig...

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  1. Die Verharmloser sind mitschuldig...

    Autor: NikolausFranke 18.07.13 - 10:04

    ... wenn jeder bestehende Versuch blockiert wird, über probate Mittel des Jugendschutzes im Internet nachdenken zu dürfen.

    Es ist eine hohle Aussage, Pornos seien folgenlos. Dazu genügt ein Blick auf die Lerngesetze, die überall angewendet werden. Demnach lernen wir Menschen vor allem durch

    1) Vorbilder (Pornos stellen ein starkes, für jugendliche fast monopolartiges Vorbild in Sachen tatsächlicher Sexualität dar. Analog zur Kultivierungshypothese darf man annehmen, dass Gesehenes auch Folgen für die Einstellungen mit sich bringt.)

    2) Verstärkung/Starke Gefühle (Erregung, Reiz, Orgasmus sind sehr starke Gefühle. Sie sorgen für einen erhöhten Lerneffekt, welcher sich im Gehirn nachweisen lässt. Zugleich sorgt die erhöhte Ausschüttung verschiedener körpereigener Stoffe, dass der Körper die berauschende Wirkung abspeichert. Merke: Dopamin (u.a.) speichert immer auch die Umstände, die zu seiner Ausschüttung geführt haben. Letztlich arbeitet auch Erziehung genau so: Lob oder Kritik an einem Kind führen zu "operanter Konditionierung", zu Lernen durch gute oder schlechte Gefühle.)

    3) Wiederholung: Wenn wir Dinge immer wieder tun, lernen wir sie umso stärker und umso fester werden die neuronalen Strukturen in unserem Gehirn sein: Merke: Ca. 20% der 16-19 Jährigen Jungen schauen in DTL. täglich Pornos. Wenn sie so viel Vokabeln oder Programmieren üben würden - was wären das eine Freude für ihre Lehrer! (Das nennen wir nun klassische Konditionierung, auch wenn beim Lernen durch Wiederholung mehr als nur Konditionierung passiert. Aber was beim Konditionieren passiert: Wenn ein Reiz immer in Kombination mit einer anderen Sache dargeboten wird, führt der Reiz irgendwann zu den Ergebnissen der Sache selbst. Wenn sich ein 16-jähriger immer nach Frust oder Langeweile Pornos reinpfeift, sorgt das dafür, dass irgendwann allein die emotionale Grundstimmung ihn auf die Idee bringt, sich nach Pornos umzuschauen > Craving setzt ein.)

    Ich vermute mal, keiner hier wird die Lerngesetze ernsthaft bestreiten wollen. Komischerweise sollen sie beim Pornothema plötzlich nicht mehr gelten. Man mag das beurteilen wie man möchte, aber Ehrlichkeit in der Debatte tut Not. Fakt ist: Pornos haben Folgen! Wer das bestreitet, behauptet zugleich, dass
    a) Werbung keine Folgen habe
    b) Bildung keine Folgen habe
    c) Erziehung keine Folgen habe
    d) Musikinstrument üben keine Folgen habe
    (...)

    Nun kenne ich schon die Gegenargumente und kann sie nicht mehr hören. Wer immer diese unsäglichen Vergleich bemüht ("Aber wer James Bond schaut, fängt auch nicht an, rumzuballern..." -> Theorie des aktiven Rezipienten), vergisst, dass
    a) Sexualität etwas ist, was zum Menschsein dazugehört und gerade in der Pubertät (Testosteronproduktion 20fach) einen enormen Lebensmittelpunkt darstellen kann.
    b) Wir Menschen gesehene Medieninhalte sehr wohl in Bezug setzen zum Erlebten und eigenen Werten. Jugendliche verfügen aber eben oft weder über eigene Vergleichserlebnisse noch sind sie sich ihrer Werte - Aversionen - bewusst. Sie sind daher anfälliger für Affekte und Manipulationen.
    c) Bei keinem medialen Konsumgut findet eine so hohe Identifiaktion statt wie bei Pornografie mittels Masturbation. Da denkt sich ein Konsument in eine Szene, verschmilzt mit dem Darsteller - er übernimmt seine Bewegungen, er übernimmt in seiner Phantasie seine Potenz , er korpuliert in seiner Vorstellung dort mit - und er vollzieht eine Stimulation mit der Hand, die das Gesehene auch haptische am Körper erlebbar machen soll. Mit solchem Commitment habe ich noch nie James Bond geschaut... Leute, das muss folgen haben. Genau deswegen wird beispielsweise in therapeutischen Settings (Aufstellungsarbeit u.a.) darauf Wert gelegt, dass Rollen eingenommen werden, Umarmungen zugelassen, Entscheidungen vorgedacht, Situationen in der inneren Bühne inszeniert werden - weil genau das eine enorme Kraft hat.

    Mein Schlusswort: Wer entgegen diesen Argumenten behauptet, Pornos hätten keine Folgen, macht sich der Verharmlosung schuldig. Und zwar schuldig an der nachfolgenden Generation, die man über diese Wirkungen aufklären muss, anstelle ihnen elementare Bildungserfahrungen vorzuenthalten, indem man den Diskurs verriegelt. Alles andere öffnet den Rattenfänger der Pornoproduzenten Tür und Tor, die mit Hilfe der Verharmloser (die ihre eigene Geschichte zur Regel, und die Erwachsenensexualität zum Vergleichsmaßstab) sich bereits heute die Kundschaft von morgen anerziehen möchten. Wer möchte, kann mich gerne um Quellen anschreiben: n.franke@weisses-kreuz.de. Wir müssen in dieser Debatte endlich einen Schritt weiterkommen!

  2. Re: Die Verharmloser sind mitschuldig...

    Autor: Anonymer Nutzer 18.07.13 - 13:48

    Soweit ich die Diskussion mitbekommen habe wurde hier größtenteils nicht bestritten, dass Pornographie einen Lerneinfluss auf Kinder und Jugendliche hätte.

    Womit allerdings argumentiert wird ist, dass der Konsum von Pornographie in jungen Jahren den Verharmlosern ja auch nicht geschadet hätte. Dabei sind sich die Meisten schon gar nicht mehr bewusst, in was für einem kranken Verhältnis sie bereits zur Sexualität stehen. Ich gehe soweit zu behaupten, dass viele dieser Single-Männer, die hier verharmlosen, bereits derart geschädigt sind, dass sie nicht einmal mehr in der Lage sind eine richtige Beziehung mit einer Frau zu führen.

    Wie ich bereits in einem anderen Thread schrieb, sehe ich den freien Zugang zu Pornographie für Kinder/Jugendliche ebenfalls als Verbreitung von einer falschen Vorstellung an. Damit werden diese jungen Menschen noch vor ihren ersten eigenen Erfahrungen unnötig durch unübliche Vorstellungen und Praktiken unnötig unter Druck gesetzt, weil sie davon ausgehen dies sei als "normal" beim Geschlechtsakt zu betrachten.

    Natürlich kommt nun immer das Argument es handle sich hierbei um sogenannten Salamitalk und die Intention hinter dem Filter sei nur der Beginn von Internet-Zensur oder verstärkter Vermarktungspolitik. Allerdings sollte diese Paranoia kein Grund sein einfach "nichts" zu unternehmen, schließlich sind wir das den folgenden Generationen schuldig die in unserer Gesellschaft, wie ich finde, schon viel zu lang vernachlässigt werden.

  3. Re: Die Verharmloser sind mitschuldig...

    Autor: Gamoder 19.07.13 - 15:47

    > c) Bei keinem medialen Konsumgut findet eine so hohe Identifiaktion statt wie bei
    > Pornografie mittels Masturbation
    1) Pornokonsum geht nicht notwendigerweise mit Masturbation einher
    2) Ich denke, beim extasischen Tanzen gibt es ein ähnlich hohes "Commitment".
    > Mein Schlusswort: Wer entgegen diesen Argumenten behauptet, Pornos hätten keine
    > Folgen, macht sich der Verharmlosung schuldig.
    Pornos korrelieren lt. Studie nur zu 4% mit Sexualpraktiken, die Richtung der Kausalität (so es eine gibt), ist auch unbekannt.

    Ja, alles hat Folgen. Aber: es kommt auch auf einerseits das Ausmaß der Folgen an, und andererseits auf die "Nebenwirkungen" von dem, was man tun möchte. Zentrale Filter sehe ich immer kritisch.
    > Womit allerdings argumentiert wird ist, dass der Konsum von Pornographie in
    > jungen Jahren den Verharmlosern ja auch nicht geschadet hätte.
    Bei Pornographie kann ich es nicht sagen, aber bei Gewaltspielen bin ich mir ziemlich sicher, dass sie keinen relevanten negativen Effekt hatten (die Spiele, die ich spielte mussten nicht "immer gewalttätiger" werden - Anno 1602 hat dann ein paar Jahre später Doom aus der Liste der gespielten Spiele (wie fast alles andere) komplett verdrängt, ich bin nicht besonders gewalttätig, sondern gelte eher als geduldig usw.) - deshalb denke ich, dass bei den Auswirkungen generell etwas übertrieben wird.
    > Ich gehe soweit zu behaupten, dass viele dieser Single-Männer, die hier
    > verharmlosen, bereits derart geschädigt sind, dass sie nicht einmal mehr in der
    > Lage sind eine richtige Beziehung mit einer Frau zu führen.
    Wieder ist die Frage nach der Richtung der Kausalität. Ich habe in vielen sozialen Situationen Schwierigkeiten, insbesondere auch mit allem was mit Beziehung zu tun hat. Das war aber schon so, bevor ich angefangen habe, Pornographie zu konsumieren. Eine Korrelation kann sich auch leicht ergeben, indem aus den verschiedensten Gründen "beziehungsunfähige" mehr Pornographie konsumieren.
    Soweit ich weiß, wurde ähnliches bei Gewaltspielen und 10-12-Jährigen getestet: Aggressive Kinder spielen exzessiv Gewaltspiele, nicht-aggressive alles, dadurch entsteht diese Korrelation. Gewaltspiele zu spielen ist also ein Indikator für ein Problem, aber nicht unbedingt dessen Ursache.
    > Damit werden diese jungen Menschen noch vor ihren ersten eigenen Erfahrungen
    > unnötig durch unübliche Vorstellungen und Praktiken unnötig unter Druck gesetzt,
    > weil sie davon ausgehen dies sei als "normal" beim Geschlechtsakt zu betrachten.
    Vermutlich korrekt (wiewohl ein falsches Bild typisch für alle Filme ist, insbesondere könnte man auch argumentieren, dass auch durch Liebesfilme überhöhte Erwartungen an Beziehungen gestellt werden; Krimis ein gefährliches Bild davon zeigen, wie Konflikte typischerweise gelöst werden), aber:
    1) Es ist illusorisch zu glauben, Pornographie komplett von Kindern fernhalten zu können. Der Verkauf von Drogen ist komplett verboten (also nicht nur für Kinder), trotzdem kann praktisch jeder der will, Drogen bekommen. Der Vertriebsweg für Drogen kann genauso für Pornographie eingesetzt werden (einfach z.B. microSD-Karten verkaufen), aber es gibt zahlreiche weitere dafür, z.B. mit dem Kopieren auf Smartphones.
    2) Daher dürfte so ein Filter zwar die Menge der Pornographie, die Kinder konsumieren verringern, beeinflusst aber nicht das Verhältnis von "typischen" zu "untypischen" Sexualpraktiken und hat so möglicherweise, außer bei denjenigen, denen Pornographie nicht wichtig genug ist, um den Filter zu umgehen, nur wenig Einfluss.
    3) Wenn man 1) und 2) akzeptiert, könnte man deshalb auch einen anderen Ansatz verfolgen: Man fördert (wie auch immer) z.B. Pornographie, die "typische" Sexualpraktiken zeigt, möglicherweise zusätzlich mit der Einschränkung, dass es eine geeignete Rahmenhandlung geben muss (damit direkt gezeigt ist, dass Beziehungen mehr sind als nur Sex). Firmen können sich zertifizieren lassen, dass sie eben ausschließlich solche Filme produzieren und werden dann vom Filter ausgenommen (wenn man will kann man ja derartig zertifizierte Filme ab 16 freigeben, damit man einen "sachgemäßen" Grund für die Filterausnahme hat).
    Dadurch hätte man den Effekt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Porno einer ist, der weniger schädlich ist, erhöht wird und indirekt möglicherweise auch sonst mehr "typische" Pornographie produziert wird, da dieser erste Porno dann eher als "typischer" Porno gesehen wird.
    > Natürlich kommt nun immer das Argument es handle sich hierbei um sogenannten
    > Salamitalk und die Intention hinter dem Filter sei nur der Beginn von Internet-
    > Zensur oder verstärkter Vermarktungspolitik.
    Äh - was heißt hier "verstärkte Vermarkungspolitik"? Ich betrachte übrigens, weil ich das so auch gelesen habe, als Intention des Filters auch den erschwerten Zugang von Pornographie für Erwachsene.
    > Allerdings sollte diese Paranoia kein Grund sein einfach "nichts" zu unternehmen,
    > schließlich sind wir das den folgenden Generationen schuldig die in unserer
    > Gesellschaft, wie ich finde, schon viel zu lang vernachlässigt werden.
    1) Auch der (totalitäre) Überwachungsstaat ist etwas, was die folgenden Generationen stärker betrifft
    2) Es geht nicht darum, nichts zu unternehmen, sondern Dinge zu tun, die in angemessener Balance zwischen Freiheit und Jugendschutz stehen.
    Viele Aspekte des Filters, insbesondere das umständliche Ausschalten kombiniert mit der automatischen Neuaktivierung, halte ich für außerhalb dieser Balance.
    3) Vernachlässigung ist aber ein gutes Stichwort - die geht nicht selten von Eltern aus, die ihre Kinder einfach vor dem Fernseher oder jetzt eben dem Internet "parken", damit sie sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen müssen.

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