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Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

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  1. Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Grym 08.10.19 - 00:58

    Einerseits die immer weitergehende Einschränkung von personalisierter Werbung, Cookie-Banner und Co. sowie eben 20-30 Prozent Leute die Ad-Blocker nutzen, sorgen dafür, dass kostenlose Internet-Angebote zunehmend unattraktiv werden.
    Das geht bei diesen kostenlosen Angeboten einerseits stark auf die Qualität, hat sicherlich jeder schon mitbekommen. Offensichtlich sind es Tippfehler, welche auf den großen News-Seiten regelmäßig vorkommen. Da ist halt nicht mal mehr Zeit, den Text noch einmal Korrektur zu lesen, nach dem getippt wurde. Akkordarbeit.
    Aber auch inhaltlich sind die Themen zunehmend mies recherchiert. Das merkt man, wenn es um ein Thema geht, wo man sich auskennt. Häufige falsche Informationen etc. pp.
    Nun hat das Internet dazu geführt, dass sich gerade jüngere Menschen nur noch online informieren. Zeitungsabos gehen zurück und werden auch nicht wieder kommen. Die Zeitungen haben natürlich alle Online-Angebote und dort konnte man sich bisher seriös informieren. Jedoch geht der Trend dazu, dass es meist Premium-Angebote gibt und viele Artikel sind nur noch mit Online-Abo zu lesen. Kostenlos lohnt sich nicht mehr, auch wenn es dann 100x mehr Leute lesen, da ein Abo mehr Wert ist also 100 kostenlose Leser, welche nur noch mit komplett unpassender Werbung monetarisiert werden können. 20-30% der Leser eh nicht wegen Werbe-Blocker usw.
    Das ist in meiner Region jetzt passiert, da gibt es lokale Nachrichten quasi nicht mehr öffentlich, sondern nur noch für 10 EUR im Monat als Abo. Natürlich schließt nur ein Bruchteil der Leute ein Abo ab, die bekommen dann weiterhin die Information. Die anderen Leute bekommen ihre Infos dann halt nur noch von irgendwelchen Facebook-Gruppen, durch Mundpropaganda oder gar nicht mehr.
    Wenn mal annimmt, dass eine Nachrichtenseite ohne Werbeblocker und mit personalisierter Werbung etwa 25 EUR je 1.000 Seitenaufrufen verdient und jetzt sind es vielleicht noch 2 EUR je 1.000 Seitenaufrufen. Nehmen wir an, der durchschnittliche Leser schaut sich an 30 Tagen jeweils 3 Artikel an. Mit diesen 90 Seitenaufrufen verdiente die Zeitung früher 2,25 EUR. Jetzt sind es noch 18 Cent.
    Früher war die Kalkulation klar, niemals würde jeder fünfte ein Online-Abo abschließen. 2,25 für x Leser war besser als 10,00 EUR für y Leser.
    Jetzt nimmt man durch das Abo 10 EUR ein, durch Werbung nur 0,18 EUR. Schon wenn von 50 Personen einer das Abo abschließt, lohnt sich das Bezahlmodell mehr. Zudem ist man vor weiteren Gesetzesverschärfungen sicherer. Wenn dann die nächste Richtlinie vorgibt, dass der Webseitennutzer selbst entscheidet, ob Werbung angezeigt werden darf, aber man darf ihm das Angebot nicht vorenthalten...
    Die personalisierte Werbung hatte auch noch andere positive Effekte. Es erlaubt Menschen, über ihre Hobbys und Interessen zu schreiben und damit Geld zu verdienen. In den Anfangszeiten des Internets waren viele Webseiten mit hohem Commercial-Interest. Eine nicht kommerziell orientierte Webseite war nicht monetarisierbar. Dann kam die personalisierte Werbung. Ein Nutzer war beispielsweise schon auf der Webseite eines Autoherstellers. Das wurde getrackt. Jetzt ist er auf Ernas Blog über das Stricken und Häkeln. Dort bekommt er jetzt einen Werbebanner vom Autohersteller. Klassische Branding-Werbung. Oma Erna hat mir ihrer Webseite über das Stricken und Häkeln je Aufruf soviel verdient wie Paul mit seiner spammigen Affiliate-Webseite.
    So funktioniert es jetzt nicht mehr ohne personalisierte Werbung. Jetzt verdient Paul mit seiner spammigen Affiliate-Webseite immer noch wunderbar, Oma Erna leidet darunter, dass die Häkel-Industrie nicht so spendefreudig ist.
    Mag ja geil sein, dass man es den großen Googles und Axel Springers gezeigt hat und dass die jetzt weniger verdienen. Aber es macht halt auch guten, kostenlosen Journalismus kaputt. Es sorgt dafür, dass die Masse der Leute, die so ein Abo nicht haben, nur über unseriöse Quellen informiert werden. Und die personalisierte Werbung hat dafür gesorgt, dass die Leute auch einfach über Sachen gebloggt haben, welche interessant waren und es musste nicht in jedem Blog-Beitrag 2-3 Sachen über Affiliate-Links verkauft werden. Es wurden einfach gute Beitrage zu nicht-kommerziellen Themen geschrieben und die personalisierte Werbung hat den Autoliebhaber Autowerbung gegeben, dem passionierten Taucher Werbung für Taucherausrüstung und der Parfüm-Liebhaber hat einer Werbung vom neusten Parfüm von xy gesehen. Heutzutage muss jeder Blog-Beitrag wieder subtil zu einer Werbung werden und mit einem Affiliate-Link enden.

  2. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: quark2017 08.10.19 - 02:28

    schlechte Recherchen und qualitativ schlecht aufbereitete Werke bekommt man aber auch für Geld.

    z.B. bei der Stiftung Warentest: mir sind da schon mehrfach haarsträubende Falschdarstellungen aufgefallen, bei Produkten/Dienstleistungen mit denen ich mich beruflich befasse.

    z.B. bei IT-Zeitschriften: hier gibt es auch viele interessante Themen, welche aber nur sehr sehr oberflächlich recherchiert sind. z.B. HowTo's, die sich nicht nachvollziehen lassen (weil man z.B. an wichtigen Detail-Infos gespart hat)

    z.B. in Tageszeitungen: Meldungen, in denen Hintergründe weggelassen werden oder gar zu Falschdarstellungen führen

    Wohlgemerkt, ich spreche hier von bezahlten Artikeln/Werken!



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 08.10.19 02:29 durch quark2017.

  3. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Grym 08.10.19 - 02:55

    Das mag sein, dass es so ist. War aber jetzt m.E. auch nicht mein Argument.

    Mir ging es darum, dass kostenlose Inhalte unattraktiv werden. Ich habe es hier in meiner Region selbst erlebt, dass alle größeren Tageszeitungen jetzt auf diese Paywall-Strategie setzen, wobei dort fast alle Artikel hinter der Paywall sind. Nicht so wie bei den größeren überregionalen Zeitungen, wo die meisten Artikel frei sind. Und stattdessen wird halt jede Menge Unsinn in diversen lokalen Facebook-Gruppen verbreitet. Das war wahrscheinlich auch vorher so, aber da gab es eben den Unsinn aus den Facebook-Gruppen und den seriösen, kostenlosen Artikel bei der regionalen Tageszeitung. Vielleicht nicht immer perfekt, aber besser als halb-anonyme Facebook-Posts.
    Jetzt haben nur noch 1-5% der Leute Zugriff auf den Artikel. Wer jetzt nicht diverse Propaganda-Techniken durschaut, eh schon skeptisch ist etc. pp. geht vermutlich dem Quatsch auf Facebook auf den Leim. Wie war das, Journalismus aus vierte Kraft im Staat? Nachdem die Leute aufgehört haben, Tageszeitungen zu lesen, hat der Journalismus als vierte Kraft im Staat schon ziemliche Schrammen bekommen. Aber die kostenlosen Online-Angebote haben vieles aufgefangen. Auch heute gibt es schätzungsweise 20-30 Prozent Menschen die in News-Blasen leben und keine weitgehende unabhängige Berichterstattung mehr verfolgen. Doch die Mehrheit tut es noch.
    Ich habe die Befürchtung, dass in Zukunft nur noch eine kleine Minderheit Zugriff auf unabhängige journalistische Texte hat. In meine Region ist das in Bezug auf Lokalnachrichten schon so.
    Und ich habe die Befürchtung, dass dieser Trend die politischen Ränder weiter stärkt.
    Deswegen sollte man sich da mal überlegen, ob es wichtiger ist, den Googles und Axel Springers dieser Welt eins auf den Deckel zu geben. Ich weiß gar nicht, woher man diese Einstellung eigentlich hat? Libertär Anti-Kapitalistisch?
    Oder ob es wichtiger ist, dass hochwertige und unabhängige kostenlose Angebote bestehen bleiben dürfen, welche zumindest 60-70 Prozent der Menschen erreichen und Meinungsbildung nicht in die Hand weniger Marktschreier gelegt wird.
    Nein, ich lese die Bild oder Bild Online auch nicht. Aber mir wäre es lieber, dass die Leute Bild Online lesen und ihre Informationen dort herbekommen, als von der Webseite der Klimaleugner und aus einer politisch extremen Facebook-Gruppe.
    Und diese unabhängigen und kostenlosen Angebote funktionieren eben nur mit personalisierter Werbung und auch nur, wenn Ad-Blocker eine absolute Ausnahme darstellen.
    Sonst besteht das Internet bald nur noch aus Paywall-Angeboten und spammigen Affiliate-Webseiten. Ok, die Leute die krude politische Thesen verbreiten, werden wohl auch kostenfrei abrufbar sein. Weil es keine kommerziellen Angebote sind, welche refinanziert werden müssen, sondern weil eine Agenda verfolgt und vorangebracht werden soll.

  4. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Walter Plinge 08.10.19 - 05:40

    1. Früher (vor dem Internet) gab es auch keine kostenlosen Zeitungen.
    2. Es gab schon immer Menschen, die in Newsblasen lebten, einfach deshalb, weil Sie nur Zeitungen einer bestimmten politischen Provenienz lasen.
    3. Die Leute, die sich heute ausschließlich auf Facebook informieren, haben schon früher keine Zeitungen gelesen (schon gar nicht mehrere mit unterschiedlicher Ausrichtung).
    4. Der Unterschied zu früher ist lediglich die Reichweite der Facebook-, YouTube-, etc.-Posts. Hier ist die Vermittlung von Medienkompetenz notwendig. Wer Posts/Meinungen bei Facebook als „objektive Wahrheit“ betrachtet, ist mit gegenteiligen Artikeln der „Lügenpresse“ ohnehin nicht zu überzeugen.

  5. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Yash 08.10.19 - 13:07

    Walter Plinge schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > 1. Früher (vor dem Internet) gab es auch keine kostenlosen Zeitungen.
    Irrelevant. Diese Zeiten sind über 20 Jahre her, eine halbe Ewigkeit. Du bekommst die Leute nicht mehr dazu Zeitungsabos abzuschließen, wenn man sich 20 Jahre daran gewöhnt hat, dass Informationen nichts kosten. Vor allem nicht, wenn man mit dieser Kultur aufgewachsen ist.

  6. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Anonymer Nutzer 08.10.19 - 17:29

    Einerseits, auf der anderen Seite hatte der Journalismus auch immer eine Art "Monopol" und konnte sich als 4. Kraft im Staat sehen.
    Genau diese Zeiten sind vorbei, wenn irgendwo irgendwas passiert sind Twitter / Facebook / Youtube usw. schneller.
    Ob dass nun gut oder schlecht ist sei dahingestellt.
    Zusätzlich kann man sich, bei diversen Artikeln, anderswo informieren und kann so ggf. Fehler / verdeckte Werbung / schlechte Recherchen leichter erkennen als früher.
    Und zu guter Letzt haben es diverse Zeitungen schlicht verschlafen, dann zu spät versucht dem "Social Media" Trend nachzulaufen und dabei die Qualität schlicht vergessen.

  7. Re: Schlechte Monetarisierung kostenloser Angebote ist schlecht, weil...

    Autor: Grym 08.10.19 - 23:49

    Das mag für uns (?) alles so sein, dass wir Fake-News, Propaganda bzw. Techniken wie Framing und anderen NLP-Quatsch erkennen. Der durchschnittliche Typ von nebenan ohne weitergehende Medienkompetenz kann es nicht. Da wird jeder Mist auf Facebook und Co. als ultimative Wahrheit anerkannt.
    Und ich weiß auch nicht, warum Zeitungen den Social Media Trend verschlafenen haben? Weil sie ihre Inhalte auf der eigenen Webseiten veröffentlichen, wo sie auch bezahlt werden? Und eben nicht auf Facebook, wo nur Facebook selbst die Inhalte für sich monetarisiert? Nach Google ist Facebook Ads m.W. zweitgrößte Ad-Platform weltweit.

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