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Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: bob2020 20.11.21 - 13:03
Weder werden die Leute in den nächsten zehn Jahren auf Fleisch verzichten, noch auf Fisch. Eine Verkehrswende weg vom Auto in den ÖPNV ist schon verkehrsplanerisch zu zeitaufwendig und angesichts der demographischen Entwicklung völlig unrealistisch. Auch Plastik wird nicht verschwinden.
Was gebraucht wird ist eine Energiewende. Diese ist (mit viel Anstrengung) technisch in weniger als zehn Jahren machbar und würde die meisten CO2-Probleme mit erschlagen (Verkehr, Wärme, Industrie). Und da deutsche, auch baden-württembergische Technik weltweit verwendet wird, hätte das auch international große Auswirkungen.
Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang das Buch von Thomas Unnerstall „Faktencheck Nachhaltigkeit“.
Das Problem der Grünen ist aus meiner Sicht, dass sie zuviel auf einmal wollen (Verkehrswende, Sharing Economy, alternative Landwirtschaft, Plastikvermeidung etc.) und damit die Gesellschaft überfordern, so dass im Endeffekt gar nichts (oder nicht viel) passiert. Schuld sind aus ihrer Sicht dann immer die anderen.
Das aber kann man sich zeitlich nicht leisten, weil man den Klimawandel in den nächsten zehn Jahren abbremsen muss. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Sharra 20.11.21 - 13:10
Das Problem der Grünen ist nicht, dass sie zu viel auf einmal wollen. Das Problem ist, dass das Volk es nicht gebacken bekommt zu kapieren, dass die Zeit für Rosinenpickerei bereits vor 10 Jahren abgelaufen ist, und wir jetzt den ganzen Salat auf einmal haben müssen.
Hätte Deutschland 2000 angefangen ernsthaft Veränderungen anzustoßen, währen wir jetzt mittendrin, und man hätte mit einzelnen Baustellen beginnen können, statt einen Totalabriss veranstalten zu müssen. Aber nein, man hat es weiter verrotten lassen und grinsend zugeschaut. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Flatsch 20.11.21 - 17:47
Abgesehen davon, dass wir zu spät angefangen haben, da gebe ich dir recht, müssen wir auch auf den Rest der Welt zeigen. Es entsteht den Eindruck, dass man hier auf Krampf versucht was durchzudrücken, ohne Rücksicht auf Verluste, wagen andere Länder sagen: oh macht mal, wir machen weiter wie bisher.
Dazu gilt: nicht der opnv muss verbessert werden, sondern innerlaendische Flüge müssen aufhören, ob ich Hamburg Stuttgart in 3 oder 4 Stunden schaffe, ist egal, auf die Entfernung kann man planen. Ja die DB muss hier massiv verbessern.
Dazu kommt aber wieder: warum brauch man eine 3. 4. 5. Generation eines ice ? Damit die Firmen leben? Bestimmt nicht, und Verbesserungen in Sachen Sicherheit und co kann auch in bestehende eingebaut werden. Das ist Verschwendung von Ressourcen.
Warum muss es Kreuzfahrten geben? Das sind alles Luxus Sachen die viel bringen und wo lediglich ( kann mich auch irren) Leute drunter „leiden“ die sich das leisten können.
Aber dem Arbeitnehmer das Auto nehmen, und sagen: fahr Bus und Bahn, ist nicht die Lösung. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Its_Me 20.11.21 - 19:59
> Dazu kommt aber wieder: warum brauch man eine 3. 4. 5. Generation eines ice ?
Wo ist da das Problem? Ist ja nicht so, dass die den ICE 1 wegwerfen und durch den ICE 2 ersetzen. Das sind einfach verschiedenen Baureihen mit unterschiedlichen Fähigkeiten für verschiedenen Strecken. Der ICE 1 ist ja immer noch in Betrieb, wenn auch natürlich inzwischen modernisiert. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: LeErdnuss 20.11.21 - 21:21
> Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang das Buch von Thomas Unnerstall
> „Faktencheck Nachhaltigkeit“.
Lesenswert wäre an der Stelle der IPCC Weltklimaratsbericht.
Wenn du 2000 der führenden Klimawissenschatlern der Welt nicht in Frage stellen willst verstehst du warum Linke Parteien jetzt Änderungen an jeder Front möchten.
Der Reichtum unseres Landes fußt auf dem enormen klimaschädlichen Handeln während Industrialisierung und Globalisierung. Das bedeutet für uns auch Verantwortung zu übernehmen.
Fakt ist: Es gibt keine Alternative, es gibt kein "langsam angehen" mehr. Sonst werden die Folgeschäden jeglichen wirtschaftlichen Schaden und deine angesprochene Überforderung unserer Gesellschaft um ein vielfaches übertreffen. Wir sollten lieber überambitioniert sein als weiter zu schlafen.
Was ich sagen möchte ist: Es wird für unsere Wohlfühlgesellschaft unangenehm werden. Aber es gibt keinen anderen Weg.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 20.11.21 21:22 durch LeErdnuss. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Oktavian 20.11.21 - 21:22
> Dazu kommt aber wieder: warum brauch man eine 3. 4. 5. Generation eines ice
> ? Damit die Firmen leben? Bestimmt nicht, und Verbesserungen in Sachen
> Sicherheit und co kann auch in bestehende eingebaut werden. Das ist
> Verschwendung von Ressourcen.
Wow, das ist schon verdammt wenig Ahnung.
Okay, dröseln wir mal auf, am Beispiel des ICE 1. Von dem wurden 60 Garnituren gebaut, 58 sind noch in Betrieb. Einer wurden vollständig zerstört (Eschede). Diese 58 sind inzwischen bis zu 25 Jahre alt und sollen voraussichtlich 2030 ausgemustert werden. Sie wurden inzwischen zwei mal komplett überarbeitet und modernisiert, so dass der Regelbetrieb etwa 40 Jahre dauern soll.
Die anderen ICE-Modelle sind einfache Weiterentwicklungen, Siemens pflegt eben die Produktpalette. Die Geschwindigkeiten wurden höher, es gab Spezialmodelle (ICE T), etc.
> Warum muss es Kreuzfahrten geben?
Müssen muss es nicht, aber ziemlich viele Leute haben das gebucht. Genau deshalb gab es sie.
> Das sind alles Luxus Sachen die viel
> bringen und wo lediglich ( kann mich auch irren) Leute drunter
> „leiden“ die sich das leisten können.
Gerade Kreuzfahrten sind doch echt ein Massenphänomen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Kreuzfahrt noch etwas exklusives war. Da fuhr die MS Bremen, die MS Deutschland oder die MS Europa (alles vulgo "Das Traumschiff"). Das war wirklich was für Gutbetuchte. Heute wimmelt es doch auf den Kreuzfahrtschiffen nur so vor Familien, Junggesellenabschieden, Singles und Paaren, gerade auch der niedrigeren Einkommensschichten. Das ist schon lange nicht mehr das Vergnügen der Reichen und Alten. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: miauwww 20.11.21 - 21:42
Sharra schrieb:
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> Das Problem der Grünen ist nicht, dass sie zu viel auf einmal wollen. Das
> Problem ist, dass das Volk es nicht gebacken bekommt zu kapieren, dass die
> Zeit für Rosinenpickerei bereits vor 10 Jahren abgelaufen ist, und wir
> jetzt den ganzen Salat auf einmal haben müssen.
>
> Hätte Deutschland 2000 angefangen ernsthaft Veränderungen anzustoßen,
> währen wir jetzt mittendrin, und man hätte mit einzelnen Baustellen
> beginnen können, statt einen Totalabriss veranstalten zu müssen. Aber nein,
> man hat es weiter verrotten lassen und grinsend zugeschaut.
So ist es. Und es gibt immer noch die große Gruppen, bei denen der Groschen immer noch nicht gefallen ist, und die weiterhin den Kopf in den Sand stecken. Folge: Kurzsichtigkeit, Blindheit. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Natz 20.11.21 - 21:45
Energiewende, Verkehrswende und Landwirtschaftswende kann man nicht getrennt betrachten, die greifen ineinander. Z.B. alle drei brauchen bisher fossile Ressourcen und sie stehen im Wettbewerb beim Flächenverbrauch. Und unternehmerisch gibt es natürlich Verflechtungen, fossile Strukturen versuchen sich gegenseitig solange wie möglich ihre Geschäftsmodelle und Subventionen zu erhalten.
Aber es stimmt, dass der Energiesektor den größeren Teil bei den Treibhausgasen ausmacht. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: lestard 21.11.21 - 14:58
bob2020 schrieb:
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> Weder werden die Leute in den nächsten zehn Jahren auf Fleisch verzichten,
> noch auf Fisch. Eine Verkehrswende weg vom Auto in den ÖPNV ist schon
> verkehrsplanerisch zu zeitaufwendig und angesichts der demographischen
> Entwicklung völlig unrealistisch. Auch Plastik wird nicht verschwinden.
Aber das ist doch nicht die Schuld der Grünen? Jeder einzelne könnte von Heute auf Morgen auf Fleisch und Fisch verzichten. Einfach so, ohne jegliches Gesetz.
Dass das nicht passiert, dafür können doch die Grünen nix. Die weisen auf ein faktisches Problem hin und schlagen Lösungen vor. Die Lösungen mögen nicht immer ideal sein und man kann gerne Verbesserungsvorschläge bringen. Aber ich finde nicht, dass man gerade den Grünen jetzt den Vorwurf machen kann, dass die die Sache falsch anpacken. Wie packen denn die anderen die Sache an? Bisher fast garnicht. Ist das wirklich besser?
Auch bei der Energiewende gehen die Forderungen der Grünen mit am weitesten. Das Problem mit der Landwirtschaft wird dadurch aber trotzdem nicht gelöst. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Steffo 21.11.21 - 16:05
Sorry, aber schon mal vom Rebound-Effekt gehört? Ohne Verzicht wird die Energiewende nicht klappen, zumal sich ja auch die Schwellenländer und 3. Welt unserem Lebensstil annähern wollen.
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Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: Leviosa 21.11.21 - 21:05
lestard schrieb:
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> Aber das ist doch nicht die Schuld der Grünen? Jeder einzelne könnte von
> Heute auf Morgen auf Fleisch und Fisch verzichten. Einfach so, ohne
> jegliches Gesetz.
Auf Rind verzichten ok aber komplett auf Fleisch ist zuviel. Manch einer hat nur seine warme Mahlzeit mit Fleisch am Ende eines harten Arbeitstages als Belohnung. Wenn du den das weg nimmst und den schmecken die alternativen Veggie Ergänzungen nicht, dann kannste dich schon mal auf eine ganze Menge mürrischer Menschen einstellen die mal schnell das Kreuz bei der Wahl bei einer etwas extremeren Partei machen die Fleisch wieder erlaubt. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: lestard 22.11.21 - 15:03
Wie gesagt, man braucht kein Gesetz dazu. Man muss Fleisch nicht verbieten. Das kann jeder einzelne auch selbst für sich entscheiden, ohne auf ein Gesetz zu warten.
Ich bin auch ziemlich sicher, dass weder die Grünen noch eine andere Partei in den nächsten 20 Jahren ein Fleischverbot fordern werden. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: BlindSeer 22.11.21 - 15:22
Ich sage es gerne immer wieder: Nicht das Fliegen ist zu billig, sondern die Bahn zu teuer. Die DInge müssen sich verbessern, mit totalitären Ideen und Vorwürfen schafft man nur Antipathie und eine Gegenfront. Man kann den Wandel nur MIT den Menschen schaffen, nicht gegen sie.
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Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: BlindSeer 22.11.21 - 15:29
Die Grünen machen es gerne auf die "Ich möchte es nicht Verbot nennen, aber es irgendwie verbeiten Tour" und fordern "Mindestpreise", nichtmal Mindesthaltungsanforderungen (die auch zu steigenden Preisen führen würden), nein im Grunde zu einer Minimalmarge.
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Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: violator 22.11.21 - 15:31
Sinnvoller wäre es eher, die Alternativen zu förden. Wenn im Supermarkt veganes Hack das Doppelte kostet und nur halb so viel drin ist, dann setzt sich das auch nicht durch.
Gerade wenn man immer hört, dass Fleischerzeugung so aufwändig ist. Dann gibts was "besseres", einfacheres und man wird erstmal abgezogen. Als wenn das bisschen Erbsen+Pilze-Gestampfe einen Preis wie ne Kuh, die jahrelang gefüttert werden muss, rechtfertigen würde. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: BlindSeer 22.11.21 - 17:55
Im Grunde ganz simpel: DU weißt dass du idiell verloren ahst, wenn dein Ideal zum Werbebegriff degradiert wird und man dafür einen Preisaufschlag verlangt.
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Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: plutoniumsulfat 23.11.21 - 20:06
Leviosa schrieb:
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> lestard schrieb:
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> > Aber das ist doch nicht die Schuld der Grünen? Jeder einzelne könnte von
> > Heute auf Morgen auf Fleisch und Fisch verzichten. Einfach so, ohne
> > jegliches Gesetz.
>
> Auf Rind verzichten ok aber komplett auf Fleisch ist zuviel. Manch einer
> hat nur seine warme Mahlzeit mit Fleisch am Ende eines harten Arbeitstages
> als Belohnung. Wenn du den das weg nimmst und den schmecken die
> alternativen Veggie Ergänzungen nicht, dann kannste dich schon mal auf eine
> ganze Menge mürrischer Menschen einstellen die mal schnell das Kreuz bei
> der Wahl bei einer etwas extremeren Partei machen die Fleisch wieder
> erlaubt.
Da sehe ich gleich mehrere Fehler. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: plutoniumsulfat 23.11.21 - 20:07
BlindSeer schrieb:
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> Ich sage es gerne immer wieder: Nicht das Fliegen ist zu billig, sondern
> die Bahn zu teuer. Die DInge müssen sich verbessern, mit totalitären Ideen
> und Vorwürfen schafft man nur Antipathie und eine Gegenfront. Man kann den
> Wandel nur MIT den Menschen schaffen, nicht gegen sie.
Doch, Fliegen ist zu billig. Es muss nicht nur die Kosten tragen, die es verursacht, nein, es wird sogar noch subventioniert und das nicht zu knapp. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: plutoniumsulfat 23.11.21 - 20:09
violator schrieb:
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> Sinnvoller wäre es eher, die Alternativen zu förden. Wenn im Supermarkt
> veganes Hack das Doppelte kostet und nur halb so viel drin ist, dann setzt
> sich das auch nicht durch.
>
> Gerade wenn man immer hört, dass Fleischerzeugung so aufwändig ist. Dann
> gibts was "besseres", einfacheres und man wird erstmal abgezogen. Als wenn
> das bisschen Erbsen+Pilze-Gestampfe einen Preis wie ne Kuh, die jahrelang
> gefüttert werden muss, rechtfertigen würde.
Der Unterschied ist, dass es für ein bisschen Pilz+Erbsenmasse keine Milliarden Euro an Subventionen gibt. Ähnliches kann man bei der Energiewende beobachten: DIe Alternativen sind längst günstiger, nur die Subventionen verzerren den Markt völlig. -
Re: Die Grünen packen die Sache mal wieder verkehrt herum an
Autor: BlindSeer 23.11.21 - 20:40
Der ÖPNV auch, außerdem war meine Aussage in Relation zur Bahn bezogen. Die Bahn ist zu teuer und zu unzuverlässig. Punkt!



