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Leider etwas zu spät gemerkt

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  1. Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: PaBa 19.10.17 - 14:58

    Man hätte die Chance gehabt, die Infrastrukturen der Bahn und der Telekom in eine Infrastruktur GmbH mit 100% Anteilen beim Bund überführen können.

    Dann hätte man die Infrastruktur gleichberechtigt an alle Interessenten vermieten können, mit Transparenten Preisen und so. Vielleicht hätte man auch auf die RegTP verzichten können. Und von den Einnahmen hätte man sowohl den Ausbau, als auch die Pflege der Infrastruktur betreiben können. Und genau dann hätte man auch den Ausbau der Netze in unwirtschaftlichen Gebieten realisieren können, zur Not mit Subventionen. Jetzt muss man die Subventionen an private Unternehmen geben, die nach Lust und Laune ausbauen, oder es lassen.

    Die Telekom selbst, wie auch die Bahn hätten reine Dienstleister werden sollen, die auf der gemieteten Infrastruktur gegen andere konkurrieren. Aber es ist auch klar, warum man das nicht gemacht hat. Diese Unternehmen waren ohne die Infrastruktur im Rücken nicht in der Lage in einen fairen Wettbewerb einzusteigen. Wenn man die Konkurrenz aber durch überhöhe Preise klein halten kann, dann fällt es nicht so schwer ins Gewicht, wenn man nicht effizient arbeitet.

    Jetzt kommt das alles zu spät.

  2. Re: Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: Anonymer Nutzer 19.10.17 - 15:53

    Zu spät ist gar nichts.
    Der Bund hält nach wie vor insgesamt 31,9 % aller Aktien der DTAG. Die Telekom Deutschland GmbH trägt ca. 22 Milliarden ¤ zum Gesamtumsatz von 73 Milliarden ¤ bei, also ca. 30 %. Gegen den Willen der restlichen Aktionäre könnte man das Deutschlandgeschäft natürlich nicht aus dem Konzern herauslösen, aber Verhandlungslösungen sind immer denkbar, sei es mit der Drohung in der Hinterhand ansonsten eine Bundespost 2.0 zu gründen.

    Aber das gesellschaftliche Klima dafür ist nicht vorhanden. Die meisten, die das hier gerade gelesen haben, werden die Stirn gerunzelt haben. Das wäre vor 30 Jahren noch ganz anders gewesen, da hat man eher die Stirn gerunzelt, als die Bundespost zerschlagen und privatisiert werden sollte. Wir sind alle in unserem Denken durch den Zeitgeist beschränkt und sich das gelegentlich klar zu machen, indem man ungewöhnliche Vorschläge diskutiert, kann nur hilfreich sein.

    Es war ein Fehler, dass sich der Staat hier zurückgezogen hat. Dass es der Markt alleine nicht richtet sehen wir ja. Und statt Privatunternehmen mit Fördergeldern zu subventionieren sollte der Staat gleich selbst Infrastruktur ausbauen und dann gewinnbringend an private Betreiber untervermieten und die Erträge selbst einstreichen und wieder in neue Infrastruktur investieren und immer so weiter. Wäre das Telefonnetz privatwirtschaftlicher Investition überlassen gewesen wäre es nie dazu gekommen, dass in der alten Bundesrepublik jeder, der wollte, einen Telefonanschluss bekommt, sei es auf der letzten Alm. Die selbe Logik trifft nun bzgl. Breitbandinternet zu.

  3. Re: Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: Thiesi 19.10.17 - 18:35

    PaBa schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Man hätte die Chance gehabt, die Infrastrukturen der Bahn und der Telekom
    > in eine Infrastruktur GmbH mit 100% Anteilen beim Bund überführen können.

    Ja, das wäre sicher die beste Lösung gewesen. Wir sehen ja, wie ergiebig es ist, wenn der Staat mal was selbst macht (Elbphilharmonie, BER), anstatt Geld irgendwelchen geldgierigen Hochtiefs in den Rachen zu werfen.

    > Dann hätte man die Infrastruktur gleichberechtigt an alle Interessenten
    > vermieten können, mit Transparenten Preisen und so. Vielleicht hätte man
    > auch auf die RegTP verzichten können. Und von den Einnahmen hätte man
    > sowohl den Ausbau, als auch die Pflege der Infrastruktur betreiben können.
    > Und genau dann hätte man auch den Ausbau der Netze in unwirtschaftlichen
    > Gebieten realisieren können, zur Not mit Subventionen. Jetzt muss man die
    > Subventionen an private Unternehmen geben, die nach Lust und Laune
    > ausbauen, oder es lassen.

    Hätte man das getan, hätten wir heute vermutlich immer noch Internet über Akustikkoppler, weil die bundeseigene Infrastruktur-GmbH nach jedem Politikwechsel in Bonn/Berlin umbenannt, reorganisiert, neu aufgestellt würde & zwischendrin hauptsächlich damit beschäftigt wäre, sich auf die Umbenennung, das Reorganisieren und die Neuaufstellung vorzubereiten.

    > Die Telekom selbst, wie auch die Bahn hätten reine Dienstleister werden
    > sollen, die auf der gemieteten Infrastruktur gegen andere konkurrieren.
    > Aber es ist auch klar, warum man das nicht gemacht hat. Diese Unternehmen
    > waren ohne die Infrastruktur im Rücken nicht in der Lage in einen fairen
    > Wettbewerb einzusteigen. Wenn man die Konkurrenz aber durch überhöhe Preise
    > klein halten kann, dann fällt es nicht so schwer ins Gewicht, wenn man
    > nicht effizient arbeitet.

    Genau *das* ist der Punkt - der Betrieb hätte von der Infrastruktur getrennt werden müssen. Aber natürlich dürfte der Infrastrukturbetreiber keine nicht-gewinnorientiert arbeitende Behörde sein - im Gegenteil. Es müsste ein Unternehmen sein, das aus wirtschaftlichen Gründen sehr daran interessiert ist, die eigene Infrastruktur so konkurrenzfähig zu sein, dass der Internetprovider 1&1, Deutsche Telekom oder auch Freenet nicht stattdessen lieber auf das Konkurrenzinfrastrukturprodukt eines anderen Technologieplattformbetreibers umsteigt.

  4. Re: Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: spezi 19.10.17 - 20:02

    PaBa schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Man hätte die Chance gehabt, die Infrastrukturen der Bahn und der Telekom
    > in eine Infrastruktur GmbH mit 100% Anteilen beim Bund überführen können.

    Bei der Bahn hat man die Chance immer noch. Die Deutsche Bahn AG ist ja immer noch zu 100% im Staatsbesitz. Und natürlich kann der Staat seine eigene Firma in zwei aufspalten, den einen Bereich (teil-)privatisieren und den anderen behalten. Genau das war ja sogar beim geplanten Bahn-Börsengang 2008 vorgesehen.

  5. Re: Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: bombinho 19.10.17 - 20:50

    Thiesi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >Hätte man das getan, hätten wir heute vermutlich immer noch Internet über
    > Akustikkoppler, weil die bundeseigene Infrastruktur-GmbH nach jedem
    > Politikwechsel in Bonn/Berlin umbenannt, reorganisiert, neu aufgestellt
    > würde & zwischendrin hauptsächlich damit beschäftigt wäre, sich auf die
    > Umbenennung, das Reorganisieren und die Neuaufstellung vorzubereiten.

    Mein erster Gedanke dazu war: Nein.

    Glaubst Du wirklich, es haette irgend eine moegliche Zukunftsvariante gegeben, in der alle Laender um Deutschland herum Internet nutzen nur Deutschland nicht?

    Und solltest Du auf die Idee kommen, dass man doch auch ueber Modem Internet haben kann, jain. Das ging noch in Zeiten von textbasierten Newsgroups und Homepages im Kilobyte-Bereich. Ich empfehle ein einschlaegiges Experiment.
    Heute wuerde schon die eine oder andere Werbemail zum Tageswerk werden (oder Nachts herunterladen).

    Ueber GSM z.B. kriegt man oft nicht einmal einen SSL-Handshake in der verfuegbaren Zeitspanne hin. Und wenn doch, dann kommt der Timeout und Rauswurf beim Nutzungsversuch.

    So ganz nebenbei gab es ja auch noch diese seltsamen Nerds, die sich einfach nicht an die Gesetze gehalten haben und Equipment importiert oder selbst gebastelt und genutzt haben. Das haette dann schlicht groessere und schwer kontrollierbare Ausmasze angenommen insofern haette der Staat so oder so etwas an der Situation aendern muessen. Und nebenbei auch noch weitgehend die Kontrolle darueber verloren.

    Also ich bleibe bei Nein, es gibt keine solche moegliche Zukunft ohne die Demokratie aufzuloesen. Es ist ein gern projiziertes Schreckgespenst, aber mehr auch nicht.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.10.17 20:54 durch bombinho.

  6. Re: Leider etwas zu spät gemerkt

    Autor: Thiesi 16.01.18 - 19:09

    bombinho schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Thiesi schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > >Hätte man das getan, hätten wir heute vermutlich immer noch Internet über
    > > Akustikkoppler, weil die bundeseigene Infrastruktur-GmbH nach jedem
    > > Politikwechsel in Bonn/Berlin umbenannt, reorganisiert, neu aufgestellt
    > > würde & zwischendrin hauptsächlich damit beschäftigt wäre, sich auf die
    > > Umbenennung, das Reorganisieren und die Neuaufstellung vorzubereiten.
    >
    > Mein erster Gedanke dazu war: Nein.
    >
    > Glaubst Du wirklich, es haette irgend eine moegliche Zukunftsvariante
    > gegeben, in der alle Laender um Deutschland herum Internet nutzen nur
    > Deutschland nicht?

    Wieso nicht? Es nutzen ja auch alle um uns herum Flughäfen, die aktuellen Standards entsprechen, nur wir nicht.

    > Und solltest Du auf die Idee kommen, dass man doch auch ueber Modem
    > Internet haben kann, jain. Das ging noch in Zeiten von textbasierten
    > Newsgroups und Homepages im Kilobyte-Bereich. Ich empfehle ein
    > einschlaegiges Experiment.
    > Heute wuerde schon die eine oder andere Werbemail zum Tageswerk werden
    > (oder Nachts herunterladen).

    Äh, genau. Nur halt andersrum.

    > So ganz nebenbei gab es ja auch noch diese seltsamen Nerds, die sich
    > einfach nicht an die Gesetze gehalten haben und Equipment importiert oder
    > selbst gebastelt und genutzt haben. Das haette dann schlicht groessere und
    > schwer kontrollierbare Ausmasze angenommen insofern haette der Staat so
    > oder so etwas an der Situation aendern muessen. Und nebenbei auch noch
    > weitgehend die Kontrolle darueber verloren.

    Na die Nerds, die sich einen DSLAM importiert hätten oder eine LTE-BTS zum Anschluss an ihr selbstgebasteltes TBit/s-Backbone, würde ich gerne mal sehen.

    > Also ich bleibe bei Nein, es gibt keine solche moegliche Zukunft ohne die

    Und ich bleibe bei ja. Der Staat ist in der Praxis - leider - der schlechteste Anbieter von so ziemlich allem.

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