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Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
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  1. Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Carl Ranseier 17.06.21 - 07:57

    - Weg mit industrieller Produktion von Fleisch. Verbot der Massentierhaltung, nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung. Das würde nicht bedeuten, dass niemand mehr Fleisch essen kann, Hühnerkeulen(Freilandhaltung) gibt es, wenn diese im Angebot sind, für etwa 10 Euro das Kilo. Die konventionell erzeugten liegen in der Plastikpackung beim Discounter für 4 Euro das Kilo. Jeder könnte sich weiter Huhn leisten, aber möglicherweise nicht mehr täglich. Bei steigendem Preis und fallender Produktion würde sich ganz natürlich der CO2 Output der Fleischindustrie reduzieren.

    - Recht auf Homeoffice bei Berufen, wo dies möglich ist. Die wenigsten Fahrten sind Spaßfahrten und die meisten privat gefahrenen Kilometer von Arbeitnehmern sind Pendelfahrten. Ein Mal im Jahr ans Meer fahren mit dem eigenen PKW fällt gar nicht ins Gewicht.

    - Recht auf Reparatur und Recht auf fünf Jahre Updates bei Geräten wie Smartphones oder vergleichbaren Geräten. Es kann nicht sein dass Telefone im Müll oder im Recycling landen, weil der Akku platt ist oder es keine Softwareupdates mehr gibt. Jährlich werden weiterhin um die 1400 Millionen Smartphones verkauft. Ein gigantischer Berg. Der muss kleiner werden.

    - Verlagerung der Wirtschaft auf kürzere Wege. Die berühmten Krabben von der Ostsee ans Mittelmeer karren, dort verarbeiten und dann zurück nach Deutschland? Ein absoluter Irrsinn.

    - Weg mit den billigen Klamottengeschäften wo nach ein Mal waschen der Kram schon verzogen und nicht mehr zu gebrauchen ist. Kleidung kann langlebig so wie ohne Kinderarbeit hergestellt sein. Man muss nur wollen.

    - Konsequente Förderung des Ausbaus solarer Strom- und Wärmeerzeugung auf jedem einzelnen Dach in Deutschland. Schaue ich mir Dächer an, sehe ich da meist leider nur Dachziegel. Verschenktes Potential! Dabei ist zumindest solare Wärmeerzeugung mittlerweile extrem günstig, denn schon ab gut 3000 Euro kann man das aufbauen, Montage inklusive und der Preis ist ohne staatliche Förderung. Das bedeutet, warm duschen von März bis Oktober zum Kaltwasserpreis und zu NULL Gramm CO2/Liter. Es ist erbärmlich, dass diese Anlagen nicht auf jedem Dach montiert zu sehen sind. Dass man damit mittelfristig auch Geld spart, da man kein Gas oder Öl braucht zum Duschen, ist ein weiterer netter Nebeneffekt.

    - Höhere Preise für Konsumgüter/Technik, dafür bessere Haltbarkeit. Ich weiß, ich weiß. Hier kommen jetzt die großen Aufschreie, aber der Punkt ist folgender: Wertschätzung eines Produkts. Früher haben etwas bessere 17" Röhrenmonitore 1200 Mark gekostet. Laptops einige tausend Mark. Wenn man heute über sein 300 Euro Laptop ne Tasse Kaffee kippt und es dann kaputt ist, ist das ja nicht schlimm, weil es für 300 Ersatz gibt, richtig? Nein, es ist schlimm! Denn wir achten auf unsere Sachen nicht mehr, da Ersatz so günstig ist. Gleichzeitig werden die Elektronikberge in Afrika, die dann abgebrannt werden, um an Rohstoffe ranzukommen, immer größer. Der ganze Kram ist viel zu billig geworden als dass man ihn noch schätzen und mit Umsicht behandeln würde. Wenn die Menschheit weniger CO2 emittieren möchte, dann muss sie weniger herstellen und weniger konsumieren. Dies wäre ohne wirtschaftliche Auswirkungen möglich, wenn Produktpreise im passenden Verhältnis zur verringerten Produktion ansteigen. CO2 Vermeidung und damit Nachhaltigkeit geht nur mit langer Nutzungsdauer von Produkten und geringeren Umschlagsmengen.

    Es ist aber glasklar zu sehen, dass "Maßnahmen" wie eine höhere Besteuerung von Heiz- oder Treibstoffen rein gar nichts bringt und nur vortäuscht, etwas zu tun. Wenn die Menschheit nicht grundlegend etwas verändert und das möglichst ohne Einschränkungen (Ich sehe keine Einschränkung wenn ich ein Smartphone fünf statt zwei Jahre nutze), wird das mit der CO2 Vermeidung nichts werden.

    Wäre ich bei Heise, würde ich jetzt sagen: Und jetzt bitte rot.

  2. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Agba 17.06.21 - 08:11

    Bei Fleisch und der Massentierhaltung bin ich ganz bei dir.
    Allerdings muss man auch klar sagen, das alternativen wie soja/ Tofu ebenfalls zu massiven Umweltproblemen führen (Abholzung/Rodung) und oftmals noch deutlich teuer sind, was in Anbetracht dessen, dass es eigentlich billige Rohstoffe sind, ein Witz ist

  3. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: AllDayPiano 17.06.21 - 08:42

    > - Weg mit industrieller Produktion von Fleisch. Verbot der
    > Massentierhaltung, nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung.

    Ökologische Landwirtschaft ist nicht per se umweltfreundlicher. Man muss die Mindererträge betrachten, die teilweise bei -30% pro Fläche liegen. Und noch einige Effekte mehr. Das Thema ist sehr spannend.

    Richtig ist allerdings, dass wir unseren Pro-Kopf-Fleischkonsum reduzieren müssen. Und auch der massive Export, der bis dato stattfindet, muss reduziert werden.

    > - Recht auf Homeoffice

    Sinnvoll.

    > - Recht auf Reparatur und Recht auf fünf Jahre Updates bei Geräten wie
    > Smartphones oder vergleichbaren Geräten

    Sinnvoll.

    > - Verlagerung der Wirtschaft auf kürzere Wege. Die berühmten Krabben von
    > der Ostsee ans Mittelmeer karren, dort verarbeiten und dann zurück nach
    > Deutschland? Ein absoluter Irrsinn.

    Naja, es will halt keiner Bezahlen, wenn Erna die Krabben pult. Sie kosten ja jetzt schon ca. 7 Euro / 100g.

    Insgesamt aber hast Du damit recht, dass mehr regionaler Einkauf sinnvoll wäre. Hier sehe ich aber vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht, denn Discounter mit ihren Massenverträgen wollen gar keine regionalen Produkte. Viel zu viel Aufwand. Aber genau die setzten die Masse um.

    > - Weg mit den billigen Klamottengeschäften wo nach ein Mal waschen der Kram
    > schon verzogen und nicht mehr zu gebrauchen ist. Kleidung kann langlebig so
    > wie ohne Kinderarbeit hergestellt sein. Man muss nur wollen.

    Rapid Fashion müsste aussterben. Aber das wirst Du kaum regulativ erreichen können. Eine Möglichkeit wäre, den CO2-Preis auf Kleidung zu erweitern. Dann sind wir aber beim berühmten Effekt der Diskriminierung eines Marktsegmentes.

    Es stimmt aber auch, dass die Textilindustrie enorm viel CO2 freisetzt.

    > - Konsequente Förderung des Ausbaus solarer Strom- und Wärmeerzeugung auf
    > jedem einzelnen Dach in Deutschland.

    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und Industriebauten dazu zu verpflichten, PV zu installieren. Dafür könnte sich ein komplett neuer Markt etablieren: Dachvermietung. Einige Energiegenossenschaften machen das schon. Eine win-win-Situation für alle Teilnehmer.

    Eines meiner Lieblingsbeispiele ist hier. Nicht einmal der Warmwasserbedarf der ansässigen Unternehmen wird durch EE gedeckt. Traurig.

    > - Höhere Preise für Konsumgüter/Technik, dafür bessere Haltbarkeit

    Womit Du ausschließlich einkommensschwache Bevölkerungsteile diskriminierst.

    Es müsste eine verbindliche Vorgabe für die Mindestlebensdauer von Produkten geben (von einer durchschnittlichen Nutzung ausgegangen). Mein Kenwood-Mixer ist kaputt gegangen, weil sich das Zahnrad von der Welle gelöst hat. Ich hab's geklebt - hält seit Monaten. 99,99% der Eigentümer hätten das Gerät weggeworfen und ein neues gekauft. Würden die Hersteller allerdings dafür haften müssen, würden sie sehr schnell mehr Wert auf Haltbarkeit legen.

    > Es ist aber glasklar zu sehen, dass "Maßnahmen" wie eine höhere Besteuerung
    > von Heiz- oder Treibstoffen rein gar nichts bringt und nur vortäuscht,
    > etwas zu tun.

    Das stimmt so nicht. Ein CO2-Preis ist dann hilfreich, wenn 1) nicht nur der Endverbraucher die Zeche zahlt (siehe EEG-Umlage), sondern 2) die so gewonnenen Einnahmen zu 100% und zweckgebunden für den Ausbau von EE genutzt werden - z.B. für die von Dir oben geforderte Förderung vom PV/SK-Ausbau.

    Allerdings muss man bei diesen ganzen Forderungen halt auch die Menschen mitnehmen. Das Tempolimit ist dafür ein Beispiel. Studien gehen davon aus, dass es lediglich 0,5% der Emissionen einsparen wird. Das sind Einsparbereiche, bei denen wir eigentlich gar nicht anfangen sollten. Die Effekte sind viel zu gering, aber die Symbolwirkung viel zu groß. Nicht nur für Befürworter, sondern auch für Gegner. Wir brauchen keine verhärteten Fronten von Prinzip-Ablehnern. Wir - d.h. unsere Regierungen - müssen aufpassen, dass wir da nicht in ein gefährliches Fahrwasser geraten.

    Alles, was oben steht, ist eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich eine absolute Aussage treffe, dann ist das ebenfalls eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich etwas mit Quellen belege, ist es entsprechend gekennzeichnet und damit keine Meinung, sondern eine Schlussfolgerung oder Tatsachendarstellung. Gut, dass wir das jetzt abschließend geklärt haben. Springen wird Golem.de trotzdem weiterhin.

  4. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Bonarewitz 17.06.21 - 09:03

    Agba schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei Fleisch und der Massentierhaltung bin ich ganz bei dir.
    > Allerdings muss man auch klar sagen, das alternativen wie soja/ Tofu
    > ebenfalls zu massiven Umweltproblemen führen (Abholzung/Rodung) und oftmals
    > noch deutlich teuer sind, was in Anbetracht dessen, dass es eigentlich
    > billige Rohstoffe sind, ein Witz ist

    Das ist aber nur ein Nebeneffekt der wachsenden Fleischproduktion.
    Da ein Großteil des Sojas als Tierfutter gebraucht wird, fehlt es in der Sojaproduktion.

    Mit sinkendem Fleischkonsum wächst automatisch der Rohstoff für Soja unverhältnismäßig groß an.

    In Summe würde die Anbaufläche massiv schrumpfen und könnte wieder aufgeforstet werden.

  5. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Zim 17.06.21 - 09:03

    Da bin ich bei allen Punkten bei dir.

    Dazu noch eine konsequentere Plastikvermeidung.

    Ein Recht auf Updates bzw. die Pflicht der Hersteller nach der Updatedauer ihre Spezifikationen offenzulegen und eine Möglichkeit den Bootloader legal zu entsperren. (wie z.B. Sony das macht) So könnte man sich einfacher das OS selber für das Gerät basteln.

    Ich hätte auch kein Problem damit für Softwareupdates bzw. für ein OS auf dem Handy zu zahlen, wenn dafür der Werbewahnsinn zurück ginge. (Auch etwas, das einen Haufen Energie kostet)

    Ich nehme die Punkte mal und schicke die meinen Abgeordneten hier in meinem Wahlbezirk.

  6. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: theFiend 17.06.21 - 09:17

    Agba schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei Fleisch und der Massentierhaltung bin ich ganz bei dir.
    > Allerdings muss man auch klar sagen, das alternativen wie soja/ Tofu
    > ebenfalls zu massiven Umweltproblemen führen (Abholzung/Rodung) und oftmals
    > noch deutlich teuer sind, was in Anbetracht dessen, dass es eigentlich
    > billige Rohstoffe sind, ein Witz ist

    Ist so tatsächlich auch nicht ganz richtig. Das was Du meinst, ist die Sojaproduktion für Tiermittelfutter. Das was Menschen essen wird bei uns z.B. in nicht unwesentlichen Teilen in Österreich angebaut, nach entsprechend ökologischen Maßgaben.
    Natürlich würde sich das verschieben wenn der Bedarf stiege, aber auch nicht in dem Maße das wir tatsächlich auf eine Produktion in z.B. Südamerika angewiesen wären.

  7. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Carl Ranseier 17.06.21 - 09:17

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > - Weg mit industrieller Produktion von Fleisch. Verbot der
    > > Massentierhaltung, nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung.
    >
    > Ökologische Landwirtschaft ist nicht per se umweltfreundlicher. Man muss
    > die Mindererträge betrachten, die teilweise bei -30% pro Fläche liegen. Und
    > noch einige Effekte mehr. Das Thema ist sehr spannend.

    Weiß ich. Weniger Fleisch konsumieren als Konsequenz der höheren Produktpreise wäre aber mit positiver Wirkung für die Umwelt. Ich rede nicht davon, dass man hier jetzt anfängt, Wälder abzuholzen um die nötige Fläche zu gewinnen für eine ökologische Produktion, die nun mal mehr Fläche benötigt.


    > Richtig ist allerdings, dass wir unseren Pro-Kopf-Fleischkonsum reduzieren
    > müssen. Und auch der massive Export, der bis dato stattfindet, muss
    > reduziert werden.

    Ja, wie war das, Zahlen aus dem Kopf, können falsch sein. Ich meine Deutschland produziert so an die 8 Millionen Tonnen Schweinefleisch jährlich und verbraucht selbst aber nur was im Bereich um 5 Millionen Tonnen. Wir sollten natürlich nur so viel produzieren, wie wir brauchen bei Lebensmitteln um nicht mit viel Transportaufwand 3 Millionen Tonnen nach China zu exportieren.

    > Naja, es will halt keiner Bezahlen, wenn Erna die Krabben pult. Sie kosten
    > ja jetzt schon ca. 7 Euro / 100g.

    Weiß ich. Es geht aber nicht anders, wenn man Nachhaltigkeit will. Lokales Wirtschaften und Konsumieren ist immer besser als Zwischenschritte bei der Produktentstehung über Distanzen abwickeln zu müssen.

    > Insgesamt aber hast Du damit recht, dass mehr regionaler Einkauf sinnvoll
    > wäre. Hier sehe ich aber vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht, denn
    > Discounter mit ihren Massenverträgen wollen gar keine regionalen Produkte.
    > Viel zu viel Aufwand. Aber genau die setzten die Masse um.

    Eben aus solchen Gründen kann ich das Wedeln mit der Umweltschutzflagge auch nicht wirklich ernst nehmen. Wie ich in meinem OP geschrieben habe, bedeutet der Wechsel auf Nachhaltigkeit aus meiner Sicht eine Anpassung des Produktions- und Konsumverhaltens, die aber nicht notwendigerweise auch mit Einschränkungen verbunden sein muss. Die Frage ist jetzt ob es eine Einschränkung wäre, gäbe es im Winter beispielsweise keine Trauben aus Brasilien oder Indien im Supermarkt.

    > Rapid Fashion müsste aussterben. Aber das wirst Du kaum regulativ erreichen
    > können. Eine Möglichkeit wäre, den CO2-Preis auf Kleidung zu erweitern.
    > Dann sind wir aber beim berühmten Effekt der Diskriminierung eines
    > Marktsegmentes.
    >
    > Es stimmt aber auch, dass die Textilindustrie enorm viel CO2 freisetzt.

    Fast Fashion ist grausam, richtig. Weißte was auch super ist? Wenn die "Saison" für die Klamotten vorbei ist und die nicht mehr abverkauft werden können, werden sie natürlich vernichtet. Was für eine Verschwendung.

    > Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und Industriebauten dazu
    > zu verpflichten, PV zu installieren. Dafür könnte sich ein komplett neuer
    > Markt etablieren: Dachvermietung. Einige Energiegenossenschaften machen das
    > schon. Eine win-win-Situation für alle Teilnehmer.

    Zustimmung!

    > Womit Du ausschließlich einkommensschwache Bevölkerungsteile
    > diskriminierst.

    Nee, sehe ich nicht so. Die Sachen kosten mehr, halten länger und bekommen länger Updates (Im Fall von Technik). Die Kosten pro Jahr sind also identisch. Eine Umstellung auf Nachhaltigkeit darf sozial schwächere nicht benachteiligen, ist also nur zu machen, in dem die Produkte länger genutzt werden können, dafür aber mehr kosten. Als Bonuseffekt würde das auch den Preis gebrauchter Produkte aufwerten, was Neukäufe verhindern würde.

    > Es müsste eine verbindliche Vorgabe für die Mindestlebensdauer von
    > Produkten geben (von einer durchschnittlichen Nutzung ausgegangen). Mein
    > Kenwood-Mixer ist kaputt gegangen, weil sich das Zahnrad von der Welle
    > gelöst hat. Ich hab's geklebt - hält seit Monaten. 99,99% der Eigentümer
    > hätten das Gerät weggeworfen und ein neues gekauft. Würden die Hersteller
    > allerdings dafür haften müssen, würden sie sehr schnell mehr Wert auf
    > Haltbarkeit legen.

    Auch hier Zustimmung.

    > Das stimmt so nicht. Ein CO2-Preis ist dann hilfreich, wenn 1) nicht nur
    > der Endverbraucher die Zeche zahlt (siehe EEG-Umlage), sondern 2) die so
    > gewonnenen Einnahmen zu 100% und zweckgebunden für den Ausbau von EE
    > genutzt werden - z.B. für die von Dir oben geforderte Förderung vom
    > PV/SK-Ausbau.

    Die Frage ist ob diese Zweckbindung auch stattfindet. Nimm die Mineralölsteuer, heute Energiesteuer. Das sind, wenn ich es recht weiß, um die 50 Milliarden Euro jährlich die da reinkommen. Die gehen natürlich nicht in den Straßenbau, sondern werden an anderen Stellen im Haushalt verwendet. Bei tatsächlicher Zweckbindung, also im Sinne einer massiven Förderung der EE, wäre ich selbstverständlich dafür, die Energiesteuer über die Zeit anzuheben.

    > Allerdings muss man bei diesen ganzen Forderungen halt auch die Menschen
    > mitnehmen. Das Tempolimit ist dafür ein Beispiel. Studien gehen davon aus,
    > dass es lediglich 0,5% der Emissionen einsparen wird. Das sind
    > Einsparbereiche, bei denen wir eigentlich gar nicht anfangen sollten. Die
    > Effekte sind viel zu gering, aber die Symbolwirkung viel zu groß. Nicht nur
    > für Befürworter, sondern auch für Gegner. Wir brauchen keine verhärteten
    > Fronten von Prinzip-Ablehnern. Wir - d.h. unsere Regierungen - müssen
    > aufpassen, dass wir da nicht in ein gefährliches Fahrwasser geraten.

    Beim Tempolimit sehe ich andere Vorteile: Weniger Stress beim Fahren, möglicherweise sogar damit verbunden weniger Herz-Kreislauf Erkrankungen. Ich weiß nicht wie dir das geht, aber sobald ich aus dem Ausland wieder zurück auf eine deutsche Autobahn komme, geht das Geschiebe los und die Geschwindigkeitsdifferenzen von 250 bis 80 nerven einfach und das selbst bei meiner Fahrerfahrung (etwa 1.5m Kilometer, 0 Punkte in Flensburg, höchste Schadensfreiheitsstufe in der Versicherung).

    Hinsichtlich Nachhaltigkeit und CO2 Vermeidung nimmt man Leute aus meiner Sicht mit, wenn es keinen Verzicht gibt. Mich stört es wie gesagt nicht, wenn ich mein Telefon fünf statt zwei Jahre nutze. Mich stört es nicht, wenn mein T-Shirt 100 Wäschen statt ein paar Wäschen hält, ich es also länger tragen "muss", da es eben auch teurer in der Anschaffung war. Mich stört es auch nicht, wenn ich nur ein oder zwei Mal Fleisch in der Woche esse, anstatt jeden Tag mit einem Leberkäsweck zu starten. Verdoppelt sich der Fleischpreis heißt das nicht, dass einkommensschwache Schichten auf Fleisch verzichten müssen. Es wäre eben einfach in der Häufigkeit des Konsums reduziert. Wäre das tragisch?

    Abschließend möchte ich noch anmerken, dass diese Polarisierung der Diskussion wie wir das heute so auf Twitter, aber auch in Online- und Printmedien, sowie auch im Hörfunk oder in Fernsehtalkshows vornehmen, für ein Ergebnis absolut kontraproduktiv ist. Es ist sehr schade, dass nur noch aufeinander eingehackt wird, anstatt nach Lösungen zu suchen, mit denen mehr oder weniger jeder leben kann. Jeder versucht dem anderen die eigene Ideologie aufs Auge zu drücken, anstatt den Versuch zu unternehmen, einen Konsens zu finden.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 17.06.21 09:30 durch Carl Ranseier.

  8. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: AllDayPiano 17.06.21 - 09:32

    > Die Frage ist ob diese Zweckbindung auch stattfindet.

    Die muss dafür dann da sein. Und es muss zusätzlich ein Abschnitt in das Gesetz, das eine Aufhebung der Zweckbindung per Generalvollmacht verhindert (wie es aktuell bereits mit anderen Abgaben passiert).

    > Beim Tempolimit sehe ich andere Vorteile: Weniger Stress beim Fahren,
    > möglicherweise sogar damit verbunden weniger Herz-Kreislauf Erkrankungen.
    > Ich weiß nicht wie dir das geht, aber sobald ich aus dem Ausland wieder
    > zurück auf eine deutsche Autobahn komme, geht das Geschiebe los und die
    > Geschwindigkeitsdifferenzen von 250 bis 80 nerven einfach und das selbst
    > bei meiner Fahrerfahrung (etwa 1.5m Kilometer, 0 Punkte in Flensburg,
    > höchste Schadensfreiheitsstufe in der Versicherung).

    Ich möchte diese Diskussion hier gar nicht anstoßen - es wurde oft genug hier schon diskutiert. Ich persönlich kann nicht feststellen, dass ein Tempolimit das Fahren entspannter macht. Ich pendle jeden Tag über die Autobahn. Aber selten fahren Autofahrer schneller als 150. Das spiegelt sich auch in den offiziellen Erhebungen wieder. Es gibt die wenigen Ausnahmen, die weit jenseits der 200 Fahren, aber das sind - wie gesagt - Ausnahmen. Faktisch kann man im Berufsverkehr nicht einmal 120 fahren. Ein Tempolimit würde hier also auch gar nichts ändern.

    Für eine Einführung der Höchstgeschwindigkeit bin ich allerdings sehr wohl. 180 km/h, die Volvo seit Jahren angeblich umsetzt (bei Polestar natürlich nicht), sind irgendwie schon sinnvoll. Es muss definitiv nicht sein, dass Auto mit > 100 km/h Differenzgeschwindigkeit unterwegs sind. Andererseits stelle ich auch fest, dass Autofahrer, die so schnell fahren, meist ziemilch gute und vorausschauende Fahrer sind. Und wenn ich mir hier meine tägliche Pendelstrecke ansehe, passieren fast alle Unfälle im beschränkten Bereich.

    > Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich diese Polarisierung der
    > Diskussion wie wir das heute so auf Twitter, aber auch in Online- und
    > Printmedien, sowie auch im Hörfunk oder in Fernsehtalkshows vornehmen, für
    > ein Ergebnis absolut kontraproduktiv ist.

    Dem stimme ich vollkommen zu. Die Presse ist ganz maßgeblich dafür verantwortlich. Deren Stimmungsmache (von ihnen gerne als Barometer bezeichnet) ins Volk zu bringen. Die Presse ist die vierte Gewalt im Staat. Ich persönlich finde: Dafür sind sie verdammt wenig reguliert.

    Alles, was oben steht, ist eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich eine absolute Aussage treffe, dann ist das ebenfalls eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich etwas mit Quellen belege, ist es entsprechend gekennzeichnet und damit keine Meinung, sondern eine Schlussfolgerung oder Tatsachendarstellung. Gut, dass wir das jetzt abschließend geklärt haben. Springen wird Golem.de trotzdem weiterhin.

  9. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Carl Ranseier 17.06.21 - 09:35

    Zim schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da bin ich bei allen Punkten bei dir.
    >
    > Dazu noch eine konsequentere Plastikvermeidung.

    Oh ja, voll vergessen, danke. Mehr lose Produkte in Supermärkten! Ich fülle den Kram daheim doch eh um, beispielsweise Nudeln oder Reis, dann kann man das auch im Markt lose anbieten, natürlich mit entsprechenden Einrichtungen um die Hygiene des Produkts zu garantieren. Einige Märkte bieten kostenlose Papiertüten anstelle der Plastikbeutel für Gemüse oder Obst an, was schon mal nicht schlecht ist. Generell sind aber viele Verpackungen noch immer idiotisch gestaltet, hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Produktmenge und Verpackungsmenge.

    > Ein Recht auf Updates bzw. die Pflicht der Hersteller nach der Updatedauer
    > ihre Spezifikationen offenzulegen und eine Möglichkeit den Bootloader legal
    > zu entsperren. (wie z.B. Sony das macht) So könnte man sich einfacher das
    > OS selber für das Gerät basteln.

    Auch das wäre gut, ja. Ich selbst habe auf nem alten Nexus 6p Ubuntu Touch laufen, weil ich mal sehen wollte, wie das so ist. (Es ist gar nicht schlecht, aber die Akkulaufzeit ist mies, leider. Wird aber noch, hoffe ich). Auf nem weiteren Gerät läuft LineageOS. Das bringt aber nichts, wenn Leute aus der Technik ihre Geräte so modifizieren können. Was wir brauchen sind einfache Lösungen für die Masse.

    > Ich hätte auch kein Problem damit für Softwareupdates bzw. für ein OS auf
    > dem Handy zu zahlen, wenn dafür der Werbewahnsinn zurück ginge. (Auch
    > etwas, das einen Haufen Energie kostet)

    9.95¤ für ein Major Update? Ja, wäre ich auch dabei. Gerade bei günstigeren Telefonen wäre das für den Hersteller eigentlich ein gutes Geschäft, da die Telefone selbst ja kaum Gewinn abwerfen.

    > Ich nehme die Punkte mal und schicke die meinen Abgeordneten hier in meinem
    > Wahlbezirk.

    Oh, guter Gedanke. Werde ich den Abend auch machen:)

  10. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: ubuntu_user 17.06.21 - 09:47

    Bonarewitz schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das ist aber nur ein Nebeneffekt der wachsenden Fleischproduktion.
    > Da ein Großteil des Sojas als Tierfutter gebraucht wird, fehlt es in der
    > Sojaproduktion.

    wie kommst du auf den Blödsinn?
    Die Tiere kriegen auch alles von der Pflanze und zwar auch die Teile, die der Mensch nicht isst, bzw auch teilweise nicht verdauen kann.

  11. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Carl Ranseier 17.06.21 - 09:56

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >Faktisch kann man im Berufsverkehr nicht einmal 120 fahren. Ein
    > Tempolimit würde hier also auch gar nichts ändern.
    >
    > Für eine Einführung der Höchstgeschwindigkeit bin ich allerdings sehr wohl.
    > 180 km/h, die Volvo seit Jahren angeblich umsetzt (bei Polestar natürlich
    > nicht), sind irgendwie schon sinnvoll. Es muss definitiv nicht sein, dass
    > Auto mit > 100 km/h Differenzgeschwindigkeit unterwegs sind.

    Ja, genau darum geht es mir. Die 0,5% CO2 Einsparung durch ein Tempolimit sind fast nicht wahrnehmbar, wogegen eine Vereinheitlichung der gefahrenen Geschwindigkeit direkt spürbar wird. Beim Fahren ohne Limit wird gerne vergessen, dass die dahinterstehenden Regularien aus einer Zeit entstammen, wo man mit 34 luftgekühlten PS im Käfer unterwegs war. Im Zuge einer EU-weiten Harmonisierung des Straßenverkehrs ist eine Anpassung dieser Regeln überfällig.

    > Dem stimme ich vollkommen zu. Die Presse ist ganz maßgeblich dafür
    > verantwortlich. Deren Stimmungsmache (von ihnen gerne als Barometer
    > bezeichnet) ins Volk zu bringen. Die Presse ist die vierte Gewalt im Staat.
    > Ich persönlich finde: Dafür sind sie verdammt wenig reguliert.

    Problematisch in dem Kontext ist halt auch, dass "die Presse" aus Axel Springer, Bertelsmann, Funke und so weiter besteht, welche wesentlich die öffentliche Meinung mehr oder weniger bestimmen, wenn man so möchte. Das Internet hat hier leider verfehlt, diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen und viele Publikationen tätscheln der Politik eigentlich nur noch den Rücken, anstatt wie sie das früher gemacht haben, da mal ordentlich ins Kreuz zu hauen. Erinnert sich noch jemand daran, wie Journalisten einflussreiche Leute aus Politik oder Wirtschaft am Nasenring durch die Manege gezogen haben? Ich finde, Journalismus, speziell politischer, hat seinen Biss verloren.

  12. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Bonarewitz 17.06.21 - 09:58

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > - Weg mit industrieller Produktion von Fleisch. Verbot der
    > > Massentierhaltung, nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung.
    >
    > Ökologische Landwirtschaft ist nicht per se umweltfreundlicher. Man muss
    > die Mindererträge betrachten, die teilweise bei -30% pro Fläche liegen. Und
    > noch einige Effekte mehr. Das Thema ist sehr spannend.

    Ökologisch hergestelltes Fleisch ist deswegen ja auch entsprechend teurer.
    Durch die entsprechend geringere Nachfrage gleicht sich das entsprechend aus.
    In Summe gewinnt dabei die Umwelt.

    > > - Verlagerung der Wirtschaft auf kürzere Wege. Die berühmten Krabben von
    > > der Ostsee ans Mittelmeer karren, dort verarbeiten und dann zurück nach
    > > Deutschland? Ein absoluter Irrsinn.
    >
    > Naja, es will halt keiner Bezahlen, wenn Erna die Krabben pult. Sie kosten
    > ja jetzt schon ca. 7 Euro / 100g.

    Es ist manchmal erschreckend, wenn man den "echten" Preis (also der ohne Ausbeutung und unnötige Umweltverschmutzung) sieht.
    Das ist das beste Beispiel dafür, dass unser Wohlstand im Grunde auf 2 Faktoren beruht:
    - Ausbeutung
    - Umweltzerstörung

    Und aus genau dem Grund wird es keine Option geben, Umweltschutzprogramme zu beschließen, bei denen keiner seinen Beitrag leisten muss.
    Die einzige Wahl, die wir haben, ob *alle* bezahlen, oder nur die Unterschicht.
    Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam im September.

    > Insgesamt aber hast Du damit recht, dass mehr regionaler Einkauf sinnvoll
    > wäre. Hier sehe ich aber vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht, denn
    > Discounter mit ihren Massenverträgen wollen gar keine regionalen Produkte.
    > Viel zu viel Aufwand. Aber genau die setzten die Masse um.

    Hier muss sich die EU-Subventionspolitik ändern.
    Aktuell werden Großkonzerne und Massentierhaltzungen gefördert, Kleinbauern gehen leer aus.
    Augen auf bei der Europawahl.

    > > - Weg mit den billigen Klamottengeschäften wo nach ein Mal waschen der
    > Kram
    > > schon verzogen und nicht mehr zu gebrauchen ist. Kleidung kann langlebig
    > so
    > > wie ohne Kinderarbeit hergestellt sein. Man muss nur wollen.
    >
    > Rapid Fashion müsste aussterben. Aber das wirst Du kaum regulativ erreichen
    > können. Eine Möglichkeit wäre, den CO2-Preis auf Kleidung zu erweitern.
    > Dann sind wir aber beim berühmten Effekt der Diskriminierung eines
    > Marktsegmentes.

    Das Problem (zumindest Kinderarbeit oder andere illegale Dinge in der Kette) ließe sich ganz einfach bekämpfen:
    Den Einzelhandel für illegales in der Produktionskette haftbar machen.
    Wenn die Kleidung von Primark* durch Kinderarbeit oder unter miesen Arbeitsschutzbedingungen oder [...] hergestellt wurde, bzw. wenn die Baumwolle in China von Zwangsarbeitern gepflückt wurde, zahlt Primark die Strafe.
    Wenn Tönnies* keinen Mindestlohn zahlt und die Mitarbeiter in nicht geeigneten Unterkünften "hält", muss Lidl* die Strafe zahlen. Was glaubt ihr, wie viel Fleisch Tönnies* danach noch verkauft?
    Wenn Mars*, Mondelez*, Nestle* und Ferrero* Kakao einkaufen, der durch Kinderarbeit hergestellt wurde (um 6ct/Tafel (!) ggü FairTrade zu sparen), Zahlen Aldi*, Kaufland* und Edeka* die Strafe. Wie lange wird es diese Riegel/Tafeln noch in den Regalen eines beliebigen Supermarktes geben?
    Wenn Das Kobalt im Akku des iPhones* aus den Kinderminen im Kongo stammt oder die Arbeitsbedingungen bei Foxconn* miserabel sind, zahlt Vodafone* die Strafe. Wie lange sind die dann wohl noch zu haben?
    Wenn...

    Als Einzelhandel würde ich mir bei einem Wiedereinlisten des Produkts den Nachweis erbringen lassen, dass das Problem abgestellt wurde (rechtlich einklagbar) und mir die Strafe zurückzahlen lassen, die ich zahlen musste.

    Die Strafen müssen bei Wiederholungstätern exponentiell steigen.
    Geben wir den Firmen 2 Jahre Übergangsfrist, um das Sortiment anzupassen...
    Was glaubt ihr, was dann los ist bei den Herstellern?....

    *Firmen-/Markennamen willkürlich gewählt.

    > > - Höhere Preise für Konsumgüter/Technik, dafür bessere Haltbarkeit
    >
    > Womit Du ausschließlich einkommensschwache Bevölkerungsteile
    > diskriminierst.

    Jegliche Anpassung zum Besseren, die mit einer Kostenerhöhung einhergeht, trifft die einkommensschwachen überproportional.
    Daher ist das für mich kein valides Argument. Es kommt immer dann, wenn man gegen eine Umweltverbesserungsmaßnahme ist, lässt sich aber auf alles anwenden, was höhere Kosten verursacht.
    Auch mein Beispiel oben: Kinderarbeit in der Kakaoindustrie.
    Die 6ct mehr pro Tafel spürt der Einkommensstarke nicht im Geringsten, der Hartz IV-Empfänder aber schon. Wollen wir deswegen weiter Kinderarbeit tolerieren?

    Wir müssen einfach im Gleichen Zuge für einen Sozialen Ausgleich sorgen (Vermögenssteuer bei gleichzeitiger Entlastung des Lebensnotwendigen - zB. USt auf Lebensmittel von 0%... Oder eine sehr hohe CO2-Abgabe (ab 200¤/t) mit gleichmäßiger Rückzahlung je Person - z.B. Schweizer Modell).
    Dann trifft umweltbewusstes Leben eben *nicht* das Präkariat und die Superreichen können sich dennoch ihre Yacht kaufen.

    > Es müsste eine verbindliche Vorgabe für die Mindestlebensdauer von
    > Produkten geben (von einer durchschnittlichen Nutzung ausgegangen). Mein
    > Kenwood-Mixer ist kaputt gegangen, weil sich das Zahnrad von der Welle
    > gelöst hat. Ich hab's geklebt - hält seit Monaten. 99,99% der Eigentümer
    > hätten das Gerät weggeworfen und ein neues gekauft. Würden die Hersteller
    > allerdings dafür haften müssen, würden sie sehr schnell mehr Wert auf
    > Haltbarkeit legen.

    Was im Umkehrschluss wieder zu höheren Preisen führt, da das eingepreist werden muss. Damit passt das wieder, was du oben verneinst.
    Aber ich bin bei dir: Langlebigkeit muss (in welcher Art auch immer) das Ziel sein und die Lenkung muss da hin gehen.

    > > Es ist aber glasklar zu sehen, dass "Maßnahmen" wie eine höhere
    > Besteuerung
    > > von Heiz- oder Treibstoffen rein gar nichts bringt und nur vortäuscht,
    > > etwas zu tun.

    Ich unterstelle, dass mindestens die Hälfte aller Autofahrer deutlich Spritfahrender unterwegs sein könnte. Falls Eine Verteuerung diese Lenkung bringt, hat es etwas gebracht.
    Wenn ÖPNV aus Kostensicht wieder interessant wird, hat es etwas gebracht...

    > Das stimmt so nicht. Ein CO2-Preis ist dann hilfreich, wenn 1) nicht nur
    > der Endverbraucher die Zeche zahlt (siehe EEG-Umlage), sondern 2) die so
    > gewonnenen Einnahmen zu 100% und zweckgebunden für den Ausbau von EE
    > genutzt werden - z.B. für die von Dir oben geforderte Förderung vom
    > PV/SK-Ausbau.

    Gerne so oder wie oben geschrieben mit Rückführung in die Bevölkerung.
    Das hat dann eine echte Lenkungswirkung (denn man kann mit dem eigenen Verhalten Gewinn machen) und entlastet die Einkommensschwachen.

    > Allerdings muss man bei diesen ganzen Forderungen halt auch die Menschen
    > mitnehmen. Das Tempolimit ist dafür ein Beispiel. Studien gehen davon aus,
    > dass es lediglich 0,5% der Emissionen einsparen wird. Das sind
    > Einsparbereiche, bei denen wir eigentlich gar nicht anfangen sollten. Die
    > Effekte sind viel zu gering, aber die Symbolwirkung viel zu groß. Nicht nur
    > für Befürworter, sondern auch für Gegner. Wir brauchen keine verhärteten
    > Fronten von Prinzip-Ablehnern. Wir - d.h. unsere Regierungen - müssen
    > aufpassen, dass wir da nicht in ein gefährliches Fahrwasser geraten.

    Wir sind inzwischen an einem Punkt, wo wir alles machen müssen, was geht. Und auch da helfen 0,5% (ich habe diese Zahl ungeprüft von dir übernommen) beim großen Ganzen.
    Es gibt nicht "die eine Lösung", die die Welt rettet.
    Es ist die Summe aus vielen Kleinen Dingen (und dazu gehören auch 0,5%-Häppchen).

    Und auch hier gilt:
    Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Auch die, wo man sich selbst betroffen sieht.
    Denn wenn wir nur umsetzen, wo wirklich jeder einverstanden ist, ändert sich.... *Nichts*

  13. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Bonarewitz 17.06.21 - 10:06

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bonarewitz schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Das ist aber nur ein Nebeneffekt der wachsenden Fleischproduktion.
    > > Da ein Großteil des Sojas als Tierfutter gebraucht wird, fehlt es in der
    > > Sojaproduktion.
    >
    > wie kommst du auf den Blödsinn?
    > Die Tiere kriegen auch alles von der Pflanze und zwar auch die Teile, die
    > der Mensch nicht isst, bzw auch teilweise nicht verdauen kann.

    Nur eins von hunderten Beispielen, wenn du mal suchst:
    https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/fleischkonsum-der-deutschen-schadet-klima-und-umwelt-im-ausland/

  14. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: ubuntu_user 17.06.21 - 10:07

    Carl Ranseier schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > - Weg mit industrieller Produktion von Fleisch. Bei steigendem Preis und fallender
    > Produktion würde sich ganz natürlich der CO2 Output der Fleischindustrie
    > reduzieren.

    ich glaub gar nicht dass das so viel teurer werden würde. Tierhaltung ist aber auch ein unheimlich guter Verwerter. Die werden ja nicht zu 100% mit Menschenessen gefüttert. Dazu ist Fleisch sehr gut haltbar im Vergleich zu dem meisten Obst&Gemüse.
    Ich würde da aber auch die gesamte Lebensmittelindustrie packen. Was da alles weggeschmissen wird.... dazu dann noch die ganzen hochprozessierten Lebensmittel + Verpackungen.

    > - Recht auf Homeoffice bei Berufen, wo dies möglich ist.

    das würde vor allem auch den Verkauf von Autos reduzieren. Viele Familien bräuchten dann auch nur noch 1 Auto.

    > - Verlagerung der Wirtschaft auf kürzere Wege. Die berühmten Krabben von
    > der Ostsee ans Mittelmeer karren, dort verarbeiten und dann zurück nach
    > Deutschland? Ein absoluter Irrsinn.

    man könnte die ja auch ungeschält verkaufen....

    > - Weg mit den billigen Klamottengeschäften wo nach ein Mal waschen der Kram
    > schon verzogen und nicht mehr zu gebrauchen ist. Kleidung kann langlebig so
    > wie ohne Kinderarbeit hergestellt sein. Man muss nur wollen.

    Naja das ist wie viele Industrieprodukte. Schlecht und billig, statt gut und langlebig. Das siehst du überall. Von Küchen bis Fernseher über Schuhe.

    > - Konsequente Förderung des Ausbaus solarer Strom- und Wärmeerzeugung auf
    > jedem einzelnen Dach in Deutschland. Schaue ich mir Dächer an, sehe ich da
    > meist leider nur Dachziegel. Verschenktes Potential! Dabei ist zumindest
    > solare Wärmeerzeugung mittlerweile extrem günstig, denn schon ab gut 3000
    > Euro kann man das aufbauen, Montage inklusive und der Preis ist ohne
    > staatliche Förderung.

    das hatte ich auch mal gelesen. Das spart prinzipiell am Meisten.

    > - Höhere Preise für Konsumgüter/Technik, dafür bessere Haltbarkeit. Ich
    > weiß, ich weiß. Hier kommen jetzt die großen Aufschreie, aber der Punkt ist
    > folgender: Wertschätzung eines Produkts.

    naja die Tendenz geht ja leider in Richtung fragil und designer-Elektronik.
    Fernseher, Handy, Laptop -> besonders dünn.
    lass mal dein handy fallen... das hält nicht lange.
    Ich hab nen unihertz titan :D sowas will keiner, aber das ist sogar wasserdicht.

    > Es ist aber glasklar zu sehen, dass "Maßnahmen" wie eine höhere Besteuerung
    > von Heiz- oder Treibstoffen rein gar nichts bringt und nur vortäuscht,
    > etwas zu tun. Wenn die Menschheit nicht grundlegend etwas verändert und das
    > möglichst ohne Einschränkungen (Ich sehe keine Einschränkung wenn ich ein
    > Smartphone fünf statt zwei Jahre nutze), wird das mit der CO2 Vermeidung
    > nichts werden.

    die Menschen werden ja zu Geiz ist geil erzogen, bzw. es gibt ja einen Kreislauf.
    wir haben nur noch billig Schrott -> wird dann nicht mehr hier hergestellt -> hier gibts nur noch support/verkaufsjobs -> die verdienen kein gutes geld -> kaufen nur noch billig Schrott

  15. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: ubuntu_user 17.06.21 - 10:13

    Bonarewitz schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nur eins von hunderten Beispielen, wenn du mal suchst:
    > www.bund.net

    Milchmädchenrechnung.
    Es ging doch um Massentierhaltung und da bin ich auch nicht für, da stimm ich dem Threadersteller zu.
    Wenn du aber die Gemüseabfälle wegwirfst, statt zu füttern wird deine Bilanz halt auch nicht besser

  16. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Bonarewitz 17.06.21 - 10:17

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bonarewitz schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Nur eins von hunderten Beispielen, wenn du mal suchst:
    > > www.bund.net
    >
    > Milchmädchenrechnung.
    > Es ging doch um Massentierhaltung und da bin ich auch nicht für, da stimm
    > ich dem Threadersteller zu.
    > Wenn du aber die Gemüseabfälle wegwirfst, statt zu füttern wird deine
    > Bilanz halt auch nicht besser

    Ich habe nirgends gefordert, Gemüse wegzuwerfen.

  17. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: oldmcdonald 17.06.21 - 10:21

    Volle Zustimmung und 2 Erweiterungen zum Thema "Recht auf Reparatur":
    1) Recht auf Quellcode.
    Immer mehr Geräte sind eigentlich kleine Computer. Und auch das haben wir gelernt: Wenn Geräte zu lange halten, hilft die Industrie mit Software nach: Entweder durch Verweigerung von Updates oder durch Timer, die einen Defekt vortäuschen…
    2) Repair-Cafés (und offene Werkstätten für jeden Ort!
    Das ist nicht nur eine zivilgesellschaftliche Aufgabe. Solche Orte müssten gesetzlich gefördert werden!

  18. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: Flexor 17.06.21 - 10:35

    Agba schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei Fleisch und der Massentierhaltung bin ich ganz bei dir.
    > Allerdings muss man auch klar sagen, das alternativen wie soja/ Tofu
    > ebenfalls zu massiven Umweltproblemen führen (Abholzung/Rodung) und oftmals
    > noch deutlich teuer sind, was in Anbetracht dessen, dass es eigentlich
    > billige Rohstoffe sind, ein Witz ist

    Das Soja / Tofu so massive Umweltprobleme bereiten, liegt aber daran das mehr als 3/4 davon an die Tiere verfüttert wird.
    Gäb es weniger Tierhaltung, müsste weniger Soja angebaut werden, was die Umweltprobleme deutlich zurück fahren würde.

    https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/soja/soja-als-futtermittel

  19. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: AllDayPiano 17.06.21 - 10:36

    > Es gibt nicht "die eine Lösung", die die Welt rettet.
    > Es ist die Summe aus vielen Kleinen Dingen (und dazu gehören auch
    > 0,5%-Häppchen).

    Schlussendlich muss auch das angegriffen werden. Aber wenn Dein Keller unter Wasser steht, fängst Du nicht mit dem Zahnputzbecher an zu schaufeln. Du schaust, dass so schnell, wie möglich, so viel rauskommt, wie es nur geht. Und dann fängst Du an, wenn die große Pumpe nichts mehr ansaugen kann, mit Lumpen den Rest aufzuwischen.

    D.h.: Verkehrssektor muss insgesamt sparsamer werden. Aber vor allem die Wohnraumbeheizung. Hier ist das mit weitem Abstand größte Einsparpotential. Und damit das gelingt, brauchen wir ganz dringen viel mehr EE. Also wäre Schritt Nr. 1 ein massiver Zubau an EE. Und nicht seine Zeit mit Symbolpolitik zu verplempern.

    > Und auch hier gilt:
    > Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Auch die, wo man sich selbst betroffen
    > sieht.

    Ja. Richtig. Ausbaden wird es jeder müssen, dass man seit Jahrzehnten nicht auf die Kritiker gehört hat.

    Alles, was oben steht, ist eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich eine absolute Aussage treffe, dann ist das ebenfalls eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich etwas mit Quellen belege, ist es entsprechend gekennzeichnet und damit keine Meinung, sondern eine Schlussfolgerung oder Tatsachendarstellung. Gut, dass wir das jetzt abschließend geklärt haben. Springen wird Golem.de trotzdem weiterhin.

  20. Re: Würde man Klimaschutz ernst meinen, wären viele andere Dinge auf der Agenda

    Autor: oldmcdonald 17.06.21 - 10:43

    Sobald das Thema "Verzicht auf Fleischgenuss" aufkommt, gibt's sofort 'ne Klopperei…

    Man kann es sich nicht schön rechnen: Über 90% aller auf der Welt lebenden Wirbeltiere sind Nutztiere - also Tiere, die nicht leben würden, wenn der Mensch sie nicht zu seinem Zwecke gebrauchen würde. Und die aller-allermeisten davon leben nur, um geschlachtet zu werden.

    Für 1 kg Fleisch werden schlimmstenfalls 10 kg an pflanzlicher Nahrung benötigt. Das können nicht nur Abfälle sein, die beim Anbau von Nahrung für den Menschen sowieso anfallen.

    Wie man es dreht und wendet: maximal 1x die Woche Fleisch für alle, die nicht vegan oder vegetarisch leben wollen - und wir haben etliche Probleme weniger am Hals, angefangen beim Flächenverbrauch, über die drohende Verseuchung des Grundwassers durch Gülle und noch lange nicht fertig beim klimaschädlichen Methan-Ausstoß von Rindern.
    Klar, das kann man vermutlich nicht direkt verordnen, aber man kann Rahmenbedingungen schaffen… Ein erster Schritt wäre, die Klöckner aus dem Amt zu jagen.

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