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  5. › Digitalisierung: Für Homeoffice…

Aus der Praxis gesprochen

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  1. Aus der Praxis gesprochen

    Autor: Backbone 24.01.21 - 15:25

    Öffentliche Auftraggeber und da insbesondere die Behörden ticken ein bisschen anderes als viele das aus ihren Unternehmen so kennen. Das Problem ist übrigens auch nicht die Hardware selbst, dazu aber gleich.

    Wenn eine Behörde irgendwas beschaffen will, völlig egal ob Server, Notebooks oder Klopapier muss sie das erstens ein Jahr im Voraus in ihrem Haushalt planen und dann wenn es soweit ist eine gescheite Ausschreibung machen. Das dauert seine Zeit. Dieses Jahr gab es auf Grund der Pandemie in einigen Bundesländern Erleichterungen im Vergaberecht, aber da das Ländersache ist war das bei weitem nicht überall so.

    Die Behörden standen seit Frühling 2020 also vor dem Problem Dinge beschaffen zu müssen für die kein Geld eingeplant war und Ausschreibungen durchzuführen für deren Bearbeitung kein Personal da ist.

    Aber wie oben schon geschrieben, die Hardware ist ja gar nicht das Problem. Eine mir gut bekannte Kommunalbehörde hat rund 2500 PC-Arbeitsplätze und betreibt das alles mit 11 Admins von denen die Hälfte um die 60 Jahre alt ist. Bis Anfang 2020 galt dort noch die Devise das Laptops und Diensthandys Luxus und der Führungsebene vorbehalten sind. Jetzt ist das alles ganz plötzlich anders. Es sollen möglichst viele ins HomeOffice, es gibt aber keine Laptops, keine Server, keine Terminalserverfarmen, keine VPN-Zugänge, keine VPN-Tokens. Was es aber gibt sind rund 400 verschiedene Softwareprodukten für die einzelnen Fachverfahren die allesamt nie mit HomeOffice im Kopf entwickelt wurden. Was es auch nicht gibt: Geld für Personal.

    Wir sehen also: Selbst wenn man das Geld bereit stellt, die Beschaffung durch zieht, DANN fangen die Probleme erst an.


    Das die Politik I’m Jahr 2020 eine globale Pandemie braucht um das Thema Digitalisierung als wichtig zu erkennen ist der eigentliche Skandal. Die Hardware? Pfifft. Peanuts.

  2. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: Jolla 24.01.21 - 15:33

    Aus der Praxis gesprochen: Stadtverwaltung mit 500 Mitarbeitern, 8 Notebooks, ein paar Nokia 6310 Mobiltelefone.

  3. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: TeK 24.01.21 - 15:39

    Aus Praxis als Zuhörer bei meinem Mitbewohner gesprochen: In dessen Stadtverwaltung hat man noch gar nichts begriffen. Digitalisierung von Akten wird da als Opt-In und nicht als Must-Have verstanden. Das ist so lächerlich mit anhören zu müssen, wie man seitens seines Projektteams in den einzelnen Ämtern quasi um Teilnehmer für Workshops und Schulungen betteln muss und davon dann einzelne noch mit Erpressung ähnlichen Versuchen Profit daraus schlagen wollen.

  4. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: gloqol 24.01.21 - 15:40

    Wurde halt auch alles jahrelang tot gespart.
    Vor einigen Tagen kam eine Reportage im TV da hat sich so ein Labor Leiter beschwert das er alle Corona Befunde per Fax an die verschiedenen Gesundheitsämter schicken muss und das viel Zeit braucht.
    Dann sitzt er an seinen PC und zeigt das online Portal in welchem alle Gesundheitsämter mit den Laboren verbunden sein sollten (Zemis oder so) und was erblickten meine alten Augen da?
    Windows XP und irgend ein oller Internet Explorer.
    Das muss man sich Mal vorstellen: Windows XP. In einem Labor. In der Pandemie. Im Jahr 2021
    Da ist die Zeit stehen geblieben und dann wundern die sich noch über irgendwas.
    Das ist halt noch alles Neuland. Das Internet und so.

  5. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: JouMxyzptlk 24.01.21 - 15:52

    Backbone schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Eine mir gut bekannte Kommunalbehörde hat rund 2500 PC-Arbeitsplätze und
    > betreibt das alles mit 11 Admins von denen die Hälfte um die 60 Jahre alt
    > ist. Bis Anfang 2020 galt dort noch die Devise das Laptops und Diensthandys
    > Luxus und der Führungsebene vorbehalten sind.

    Woah, bin ich froh dass ich mit einer Landes-IT zu tun habe welche vergleichsweise gut organisiert ist. Selbst für mich, als Externer IT Dienstleister, ist ein extra Landes-IT Laptop von Anfang an vorgesehen gewesen (Januar 2020 Planung). Aktuelles brauchbares Gerät, mit VPN, mit Token, und das auch noch tatsächlich gut abgesichert so dass ich keinen Unsinn machen kann sondern nur das was tatsächlich gebraucht wird. Und auch innerhalb dieser Landes-IT ist die Sicherheit tatsächlich so dass ich nicht meckern muss. Auch Adminseitig wird "Nur das Administrieren was gebraucht wird, und dort wo es gebraucht wird" konsequent umgesetzt.
    Ich hab offensichtlich mit Crème de la Crème der öffentlichen IT zu tun. Natürlich gibt es auch was zu meckern, aber das ist auf hohem Niveau.

  6. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: 486dx4-160 24.01.21 - 17:44

    Backbone schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Öffentliche Auftraggeber und da insbesondere die Behörden ticken ein
    > bisschen anderes als viele das aus ihren Unternehmen so kennen. Das Problem
    > ist übrigens auch nicht die Hardware selbst, dazu aber gleich.
    >
    > Wenn eine Behörde irgendwas beschaffen will, völlig egal ob Server,
    > Notebooks oder Klopapier muss sie das erstens ein Jahr im Voraus in ihrem
    > Haushalt planen und dann wenn es soweit ist eine gescheite Ausschreibung
    > machen. Das dauert seine Zeit. Dieses Jahr gab es auf Grund der Pandemie in
    > einigen Bundesländern Erleichterungen im Vergaberecht, aber da das
    > Ländersache ist war das bei weitem nicht überall so.
    >
    > Die Behörden standen seit Frühling 2020 also vor dem Problem Dinge
    > beschaffen zu müssen für die kein Geld eingeplant war und Ausschreibungen
    > durchzuführen für deren Bearbeitung kein Personal da ist.
    >
    > Aber wie oben schon geschrieben, die Hardware ist ja gar nicht das Problem.
    > Eine mir gut bekannte Kommunalbehörde hat rund 2500 PC-Arbeitsplätze und
    > betreibt das alles mit 11 Admins von denen die Hälfte um die 60 Jahre alt
    > ist. Bis Anfang 2020 galt dort noch die Devise das Laptops und Diensthandys
    > Luxus und der Führungsebene vorbehalten sind. Jetzt ist das alles ganz
    > plötzlich anders. Es sollen möglichst viele ins HomeOffice, es gibt aber
    > keine Laptops, keine Server, keine Terminalserverfarmen, keine VPN-Zugänge,
    > keine VPN-Tokens. Was es aber gibt sind rund 400 verschiedene
    > Softwareprodukten für die einzelnen Fachverfahren die allesamt nie mit
    > HomeOffice im Kopf entwickelt wurden. Was es auch nicht gibt: Geld für
    > Personal.
    >
    > Wir sehen also: Selbst wenn man das Geld bereit stellt, die Beschaffung
    > durch zieht, DANN fangen die Probleme erst an.
    >
    > Das die Politik I’m Jahr 2020 eine globale Pandemie braucht um das
    > Thema Digitalisierung als wichtig zu erkennen ist der eigentliche Skandal.
    > Die Hardware? Pfifft. Peanuts.

    Das ist bei großen Firmen nicht anders.
    Je größer eine Organisation desto mehr Hierarchien desto träger desto praxisferner.

    Grundsätzlich gilt: In kleinen Firmen/Organisationen werden die Mitarbeiter verheizt, in großen verrückt.

  7. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: Faksimile 24.01.21 - 21:28

    Weil Kosten, ähh Ertragssteigerung, das einzige Argument ist, was die Führung versteht/verstehen will.

  8. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: HeroFeat 24.01.21 - 22:08

    Das einfachste ist vermutlich allen recht blanke Laptops zu besorgen (natürlich aber schon konfiguriert und remote Managebar) und dann am Behördenstandort eine schnelle Internetverbindung (sowieso praktisch). Dann können sich einfach alle mit ihrem normalen Rechner verbinden und gut ist. Die Fachprogramme irgendwohin zu migrieren klingt eher nach einer Aufgabe für ein Jahrzehnt (wenn nicht mehr).

  9. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: kellemann 24.01.21 - 22:32

    Die Frage ist ja, warum kommt die Frage nach Homeoffice erst wegen Corona?
    Bequemlichkeit? Angst vor Veränderung? Oder doch der Vorgesetzte ü50 der Angst hat, dass seine Untergebenen zu Hause nur Netflix schauen?

    Wir hatten schon vor Corona Homeoffice, tatsächlich war es eher die Ausnahme und war recht statisch, 1-2 Tage die Woche bei 25 Arbeitnehmern (von 300 die einen PC haben). Mit Corona hatten wir dann zeitweise 200 Leute im Homeoffice, und davon 100 Leute mit Desktop PC, da wir kurzfristig nur 100 Laptops bekommen haben (Anfang Februar 2020 vorausschauend bestellt).

    Bei vielen Vorgesetzten, welche diese Angst mit faulen Leuten im HO haben, hat sich diese Angst durch den Zwang vollständig gelegt. Viele Kollegen finden HO auch total nervig und wollen es gar nicht. Aber in Summe hat sich die gesamte Grundstimmung geändert und das wird sie auch weiterhin.
    Wenn man die Chance natürlich verpennt, wird man langfristig Probleme kriegen.

    Homeoffice wird einfach eine Möglichkeit werden müssen, welche man den Leuten anbieten muss. Heißt ja nicht, dass jeder das dann nutzen muss. Aber in 5 Jahren noch mit der Argumentation kommen „Homeoffice gibt es bei uns nicht, weil xyz“ wird sich rächen. Gefragte Leute wirst du damit nicht kriegen.

  10. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: thb 25.01.21 - 05:38

    Die Angst vor Netflix und YouTube gucken ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Wir hatten auch schon vor Corona viele Leute die im Homeoffice gearbeitet haben, aber auch da nicht alle in Vollzeit wie bei euch. Als im März alle durchgehend nach Hause geschickt wurden brachen die Leitungen zusammen. Schnell hat man gesehen dass Zweidrittel des Traffics such YouTube und Netflix(ich ahnte nicht mal das man das gucken konnte, da z.b. eBay und FB auch gesperrt sind) generiert wurden. Beides gesperrt und schwupps ging alles wieder. Als Begründung wurde dann gesagt, dass die erst nach Feierabend geguckt hätten. XD

  11. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: hyperlord 25.01.21 - 06:24

    Na ja in der Politik hat man lieber mit der eigenen Inkompetenz kokettiert (Alles Neuland, hihi) und ließ sich lieber als modern feiern, weil man SMS schreiben konnte.

    In der Wirtschaft wird der sicher Vorbehalte geben, teilweise auch zu Recht und aktuell befeuert die Politik die Vorurteile ja auch, wenn man parallel die Kinderbetreuung quasi aussetzt und gleichzeitig sagt, die Leute sollen Zuhause arbeiten. Wer 1 und 1 zusammen zählt, erkennt dahinter die Idee, dass dann ja die Leute ihre Kinder bespaßen können, weil sie ja Home-Office haben.

    Davon abgesehen ist aber eine Umstellung auf Home-Office für Arbeitgeber mit hohen Kosten, viel Bürokratie und vielen rechtlichen Risiken verbunden. Und ich sehe auch nicht, dass man dadurch ggf. keine Leute findet.
    Letzteres mag maximal für die IT Branche gelten - aber den größten Teil an PC-Arbeitsplätzen machen andere Jobs aus (Sachbearbeiter, Marketing, etc). Da gibt es im Zweifelsfall genügend Bewerber.

  12. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: merod 25.01.21 - 07:18

    Vielleicht hängt es auch etwas mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen, was umgesetzt werden kann und was nicht. Die Kommunalverwaltungen scheinen mir in der Entwicklung besonders stark zurückzuliegen, aber hier ist das Geld tendenziell eh knapper. Auf Landesebene sehe ich bereits eine deutlich bessere Ausstattung und - ohne jetzt prahlerisch klingen zu wollen - bei mir in der Bundesverwaltung (zumindest in meinem Bereich, natürlich nicht der komplette Bund) haben bereits alle einen Laptop, den sie mit nach Hause nehmen und sich via VPN verbinden können. Home Office wird in der Regel problemlos ermöglicht und gerade in der aktuellen Zeit ziemlich gepusht. Vorbehalte gibt es natürlich auch immer wieder, insbesondere von Entscheidungsträgern, die ihre Schäfchen gerne um sich scharen und einem gewissen Kontrollzwang unterliegen, aber das ist in der Wirtschaft wohl nicht anders.

  13. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: x2k 25.01.21 - 09:57

    Deutschland ist grundsätzlich bei allem mindestens 10 Jahre hinterher oft sogar noch mehr.
    Außer wenn es darum geht den Bürgern das geld aus der tasche zu ziehen dann sind wir international an der Spitze.

  14. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: TheKingOfDerp 25.01.21 - 10:04

    thb schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Angst vor Netflix und YouTube gucken ist nicht ganz aus der Luft
    > gegriffen. Wir hatten auch schon vor Corona viele Leute die im Homeoffice
    > gearbeitet haben, aber auch da nicht alle in Vollzeit wie bei euch. Als im
    > März alle durchgehend nach Hause geschickt wurden brachen die Leitungen
    > zusammen. Schnell hat man gesehen dass Zweidrittel des Traffics such
    > YouTube und Netflix(ich ahnte nicht mal das man das gucken konnte, da z.b.
    > eBay und FB auch gesperrt sind) generiert wurden. Beides gesperrt und
    > schwupps ging alles wieder. Als Begründung wurde dann gesagt, dass die erst
    > nach Feierabend geguckt hätten. XD

    Von Datenschutz hat dein Unternehmen auch noch nichts gehört oder :D?

  15. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: icepear 25.01.21 - 12:29

    Stimmt schon aber zumindest in Sachen Beschaffung sind es bei Firmen interne Richtlinien, die im Zweifel zumindest von der Unternehmensleitung ignoriert bzw. kurzfristig geändert werden können. Bei Behörden ist es das gesetzlich geregelte Vergaberecht, welches sich AFAIK teilweise sogar aus EU Recht ableitet. Gesetze sind leider gerne mal sehr unflexibel wenn etwas unerwartetes geschieht. Keine Ahnung ob es im Vergaberecht Ausnahmeregelungen für Krisensituationen wie eben aktuell die Pandemie gibt.

  16. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: bw71236196231 25.01.21 - 13:56

    TheKingOfDerp schrieb:
    > Von Datenschutz hat dein Unternehmen auch noch nichts gehört oder :D?

    Hast du hier bedenken wegen Datenschutz?
    Das was hier beschrieben wird ist nach Datenschutz ok, wenn bestimmte Bedingungen eingehalten sind (z.B. die vertragliche Vereinbarung E-Mails und Geräte ausschließlich dienstlich zu nutzen).

    Die Auswertung, wie viel Anteil Netflix am Datenstrom hat, ist überhaupt nicht Datenschutzrechtlich zu beanstanden, wenn dies nicht direkt mit personenbezogenen Daten in Verbindung gebracht wird.
    Erst, wenn wir direkt einen Mitarbeiter namentlich zuordnen würden, käme das in Betracht, d.h. die Aussage "Mitarbeiter x y hat Netflix geschaut" ist oft nicht zulässig, aber die Aussage "15% unseres Datenvolumens geht an Netflix" ist ok, und darf auch gemessen werden.

    Mir geht es nicht darum dich zu belehren, aber falls du dich hier auf deutsche Datenschutzgesetze verlässt, solltest du, sagen wir mal, nicht zu viel erwarten. Die Erwartung, eine Kündigung hiermit aufzuheben, wird oft enttäuscht.

  17. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: HeroFeat 25.01.21 - 14:38

    Was für eine generische Aussage ◔_◔

  18. Re: Aus der Praxis gesprochen

    Autor: ApfelTasche 28.01.21 - 09:25

    Eine Computer physikalisch zu haben bedeutet noch lange nicht, dass man schon einen Schritt in Richtung Digitalisierung gegangen ist.
    Daran ändert auch eine Pandemie und/oder ein Virus nichts.

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