-
Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: Spiritogre 01.06.15 - 20:06
Man kläre mich mal auf, das Urheberrecht gilt so oder so, auch für Open Source. In der Regel schreiben die Open Source Lizenzen nur so Sachen vor wie, das bei Verwendung / Erweiterung die Original-Urheber genannt werden müssen und der Originalcode weiterhin offen zugänglich bleibt.
Welche Rolle oder Wichtigkeit haben diese Lizenzen also? Sowieso kann diese Software jeder nutzen, darf sie umprogrammieren / erweitern und neu veröffentlichen, die eigene Erweiterungen sogar gegen Geld oder nicht offen.
Open Source bedeutet im Regelfall also, dass die Urheber auf einen Teil ihrer normalen Rechte verzichten. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: der_wahre_hannes 01.06.15 - 20:31
Kann es sein, dass du "Open Source" mit "Freier Software" verwechselst?
-
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: Moe479 01.06.15 - 21:16
die verwendung von MIT bzw. "X11"-lizensiertem code würde dich von der last befreien veränderungen zugänglich zu machen, im gegensatz zur GPL-lizensiertem code der genau das verlangt, was besser ist muss jeder mit sich selbst abmachen, also ob er sich verpflichten möchte zurückzugeben oder einfach nur ersteinmal nimmt und dannach vielleicht was oder auch nichts zurückgibt ...
das eine sind freizügige lizenzen deren mögliche ableitungen auch zu propritärer software führen können, das andere sind strenge copyleft lizenzen die es nicht erlauben davon weg abzuleiten, mit dem ziel jegliche veränderungen am code jedem zugänglich zu erhalten.
der "unterschied" geht sogar soweit dass einige sonst freizügigere lizenzen es verhindern auf sterengere lizenzformen abzuleiten indem sie es verbieten zusätzliche bedingungen für die weitere verwendung zustellen ... und damit ansich streng sind ;-)
3 mal bearbeitet, zuletzt am 01.06.15 21:24 durch Moe479. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: Workoft 02.06.15 - 08:04
der_wahre_hannes schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Kann es sein, dass du "Open Source" mit "Freier Software" verwechselst?
"Open Source Software" und "Free Software" sind Synonyme. Die Begriffe werden lediglich von unterschiedlichen Lagern (Open Source Foundation und Free Software Foundation) verwendet, die leicht unterschiedliche Ideologien verfolgen und sich darüber gern in die Haare kriegen. So wie Freie Software verlangt auch Open Source neben der Quelloffenheit Patentfreiheit und Erlaubnis von Änderung und Weitergabe des Codes. Auch wenn der Name es vermuten lässt, Quelloffenheit ist nicht das alleinige Kriterium für Open Source Software. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: Bitschnipser 02.06.15 - 10:37
Nichtsdestotrotz gibt es gravierende Unterschiede.
Insbesondere können Lizenzen dem Lizenznehmer Verpflichtungen auferlegen. Bei der GPL beispielsweise, dass der Lizenznehmer Änderungen selbst wieder unter die GPL stellen muss, wenn er sie veröffentlicht; andere Lizenzen wiederum verpflichten den Lizenznehmer, gar keine Verpflichtungen mit der Weiterveröffentlichung zu verbinden. Ergebnis: Software, die Module der einen wieder anderen Lizenz enthält, lässt sich als Ganzes nicht veröffentlichen, weil die beiden Lizenzen einem unterschiedliche, miteinander unvereinbare Verpflichtungen auferlegen. Man darf die Kombination lediglich bei sich selbst im Kämmerchen betreiben, weil sich die Verpflichtungen lediglich bei Veröffentlichung ergeben (was wiederum eine Folge des Urheberrechts ist: das knüpft nur die Wiederveröffentlichung an die Zustimmung des Urhebers).
Es gibt noch ein paar Details mehr.
Beispielsweise könnte der Haftungsausschluss nicht überall gerichtsfest sein - das stört die Nutzer nicht, aber die Entwickler könnten plötzlich für irgendeinen Schaden verantwortlich gemacht werden, und prompt hätte keiner mehr Lust, daran weiterzuentwickeln.
Es gibt Lizenzen, die dem Weiterveröffentlicher Zurückhaltung bei Patentklagen auferlegen, oder andere Einschränkungen machen. Je nachdem, welche Ziele das Wayland-Projekt verfolgt, kann das wichtig sein oder nicht.
Üblicherweise will man bei solchen Basislibraries möglichst wenige Einschränkungen machen, weil der Wunsch nach universeller Verbreitung größer ist als alle anderen Überlegungen; wenn's blöd läuft, wird in irgendeinem Land vor Gericht aus einer Lizenzklausel (oder auch aus ihrem Fehlen) dann doch eine Einschränkung für den Wiederveröffentlicher abgeleitet.
Sprich: Von der Absicht her sind die Open-Source-Lizenzen einander sehr ähnlich; von der Wirkung her kann es deutliche Unterschiede geben. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: lumines 02.06.15 - 10:50
Workoft schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> "Open Source Software" und "Free Software" sind Synonyme. Die Begriffe
> werden lediglich von unterschiedlichen Lagern (Open Source Foundation und
> Free Software Foundation) verwendet, die leicht unterschiedliche Ideologien
> verfolgen und sich darüber gern in die Haare kriegen. So wie Freie Software
> verlangt auch Open Source neben der Quelloffenheit Patentfreiheit und
> Erlaubnis von Änderung und Weitergabe des Codes.
Nö, es gibt feine Unterschiede. Jede freie Software ist Open Source, aber nicht jedes Open Source Programm genügt den Anforderungen freier Software. Natürlich sind das teilweise nur kleine Unterschiede, aber zu behaupten, dass es da keine Unterschiede gibt, ist einfach falsch.
https://www.gnu.org/philosophy/open-source-misses-the-point
1 mal bearbeitet, zuletzt am 02.06.15 10:51 durch lumines. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: spiderbit 02.06.15 - 12:57
Naja wuerde das schon anders sehen, gerade zwischen BSD/MIT opensource und free Software besteht schon ein grosser unterschied.
freie Software hat sowas wie ein viralen Effekt, spaetestens wenn du die volle Freiheit bekommst mit einem Stueck code mehr oder weniger alles machen zu duerfen, darfst du eber nicht die Freiheit 3. einschraenken.
Es ist eher die Freiheit unserer Verfassung, du bist frei solange du nicht die Freiheit anderen einschraengst.
BSD hat dagegen was von Anarchy. Es gibt keine Regeln, also quasi des recht des staerkeren, wenn ich am staerksten bin dann darf ich alle umbringen die mir begegnen meine Rechte stehen ueber den rechten aller anderer.
Aber natuerlich auch die Philosophie ist ne andere, selbst wenn Leute die sich bewusst Opensource Anhaenger nennen, sehen das nur als effizientes Werkzeug gute Software zu entwickeln/bekommen. Wenn sie aber irgendwo bessere Software bekommen die proprietaer ist, werden sie wohl wenig beruehrungsaengste haben. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: spiderbit 02.06.15 - 13:05
Gerade bei Opensource sind Lizensen wichtig, wobei die frage ist was man mit freier Software genau meint, umfasst ja sehr viel, sehr unterschiedliches. GPL vs BSD/MIT.
Bei Wine hatte man es gesehen, die sind ploetzlich ziemilch ueberrascht gewesen als jemand ihr source nahm es als proprietare software verkauft hat, und die verbesserungen nicht ans Mutterprojekt zurueck gab.
Was die Sache so delegat macht, ist die wichtigkeit der Sofware, waere das irgend ein kleines Projekt wuerde kein Hahn nach kraehen, dazu faellt mir auch sofort X11R6 ein, das so ne aehnliche Nennklausel hatte, und das war dann einer der Hauptgruende warum es geforkt wurde, zumindest wurde das herangefuehrt, vielleicht war das auch nur ne Ausrede oder irgendwas.
Aber selbst solche Ausreden sollte man nicht als angriffsflaeche behalten. -
Re: Lizenz bei Open Source nicht eigentlich egal?
Autor: Seitan-Sushi-Fan 02.06.15 - 13:30
Workoft schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Patentfreiheit
Nö. BSD-artige Lizenzen sagen nichts zu Patenten aus. GPL & Co. sagen, dass der Autor des Codes auch gleichzeitig eine kostenlose Nutzungslizenz für eventuelle Patente einräumt.



