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Rosinenpickerei der anderen

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  1. Rosinenpickerei der anderen

    Autor: Sputnik24 06.10.20 - 16:28

    Der Grund für das schlechte Abschneiden der Telekom ist aus meiner Sicht relativ klar. Zur Info: Aktuell läuft bei uns in der Stadt bereits die zweite Vorvermarktung der Telekom, die erste war mit rund 30% erfolgreicher als mit 26% gefordert.

    Seit vier Jahren kämpfen wie für Glasfaser bei uns und hatten Kontakt zu diversen Anbietern: Vodafone ist nur an Gewerbegebieten interessiert, ebenso Versatel. Deutsche Glasfaser baut nicht in Gebieten aus, wo es zum Teil Kabel gibt (bei uns zu ca 50%, wild über die Stadt verteilt).

    Kurz: Die erfolgreichen Anbieter bauen nur dort Glasfaser, wo es kein Kabel und idealerweise kein VDSL gibt. Dass man damit Quoten jenseits der 40% erreicht, ist keine Kunst, sondern reine Rosinenpickerei.

    Bei uns können sich Eigentümer den Hausanschluss übrigens auch legen lassen, ohne einen Tarif bei der Telekom zu buchen. Der Anschluss ist während der Vorvermarktung trotzdem kostenlos. Die Glasfasertarife sind bei gleicher Bandbreite nicht teuer als DSL, es gibt sogar mehr Upload. Im Vergleich zu Stadtwerken ist die Telekom sogar günstiger und bietet einigermaßen vernünftige Uploadraten (ich sag nur M-Net mit 50 Up bei 1000 down...)

    Kurz: Es gibt keinen objektiven Grund gegen das Angebot der Telekom. Und trotzdem werden wir die Quote wenn überhaupt nur knapp erreichen. Die Leute sind zu verwöhnt und denken nur an heute. Und heulen dann in 10 Jahren wieder rum, dass das Internet zu langsam ist....

  2. Re: Rosinenpickerei der anderen

    Autor: Xara 06.10.20 - 18:19

    Telekom-Fanboys sollten anderen nicht mangelnde Objektivität vorwerfen, sondern sich vorher besser informieren.

    Selbst Universitätsnetze wie das DFN oder das BelWue klagen immer wieder über Kapazitätsengpässe beim Peering mit der Telekom und überzogenen Preisen. Für Webhoster und Serverbetreiber ist weitreichend bekannt, dass es Aufpreis kostet und ein extra-Werbeargument ist, wenn ein Hoster eine Peering-Anbindung zur Telekom besitzt.

    Der schlechte Ruf des DTAG-Backbone eilt dem Magentafarbenen Riesen weit voraus. Das bedeutet, selbst wenn sie AUF DER LETZEN MEILE die Kapazitäten ausbauen, werden viele nur mit Handbremse die Entscheidung fällen zur Telekom zu wechseln.

    Ohne Zugang für Mitbewerber wäre die Telekom auch bereits ihre Vectoring-Anschlüsse nicht losgeworden, die zum Großteil über Reseller (bspw. 1&1) vermarktet wurden. Wieso sollte das bei Glasfaser anders laufen? Die Telekom wird ihre Glasfaseranschlüsse erst los, wenn Mitbewerber diese mieten können.

  3. Re: Rosinenpickerei der anderen

    Autor: Sputnik24 06.10.20 - 18:22

    Ähm, wir reden hier übers Privatkundengeschäft und nicht Universitätszugängen. Ich betreibe eine Bürgerinitiative und beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema und vergleiche Preise und Bandbreiten.

    Hier baut nun mal die Telekom aus, da alle anderen kein Interesse hatten. Nicht wirtschaftlich. Das hat nichts mit Fanboy zu tun, Mal von der Unqualifiziertheit des Wortes abgesehen, sondern nennt sich Dankbarkeit.

  4. Re: Rosinenpickerei der anderen

    Autor: Xara 06.10.20 - 18:49

    ...Oh Gott. Erinnerst du dich an die "Drosselkom"? Das ist ein Symptomatisches Problem für alle ehemaligen Staatsbetriebe. Oder noch etwas älter: "Schengen Routing" (Traffic von Deutschland nach Deutschland wurde über Level3 in den USA geroutet - weil es dort günstiger war, Daten mit der Telekom auszutauschen). Ich kann mich noch an die Traceroutes erinnern, die um die ganze Welt von Deutschland nach Deutschland gingen.

    Fangen wir noch einmal in der Grundschule an. Beispiel DB Schenker: Es wurden Jahrelang Nebengleise für Güterzüge stillgelegt. Gleichzeitig weigert sich die Bahn vehement exklusive Güterzugtrassen zu bauen, sondern jagt den ganzen Güterverkehr durch die Großstädte, was natürlich bei Trassenausbauvorhaben (irgendetwas mit "S-Bahn") zu protesten der Anwohner führt. Das Ergebnis ist: Zu wenig Kapazitäten um günstige Massenpreise auf der Schiene zu erreichen. Und zu unlukrative Angebote auf der Schiene, da der Personenverkehr i.d.R. Vorrang auf der Schiene hat. Ein Güterzug durch Deutschland zu schicken, bedeutet oftmals, dass irgendwo in Europa (Beispielsweise Italien) jemand Überstunden wegen teilweise um Tage verspätete Züge schieben darf.

    Ungefähr so schön, als würde man eine Buslinie einstellen, weil diese sich "nicht rechnet" und dadurch seine eigene Cash-Cow U-Bahn-Linie in den Ruin treiben, weil dieser dann die Zubringer fehlen. Das machen alle ehemaligen Staatsbetriebe seit Jahren. Und dennoch hält die Politik die Saftläden am leben.

    Sorry, dass ICH als Privatkunde Dokumente von der Webseite meiner Universität abrufen möchte. Und das ICH als Privatkunde, eine Webseite die am AMS-IX oder DECIX hängt und kommerzielle Interessen verfolgt, besuchen möchte. Oder das ICH als Privatkunde, die Hobbyseite meines Freundes bei Hetzner abrufen will.
    Ich habe verstanden: Ich gelobe als Telekom-Kunde in Zukunft nur noch Daten mit Telekom-Kunden austauschen und den kulturellen Inzest befolgen, den das Telekom-Intranet-Ego diktiert.

    Zufrieden? Genügsame Lämmer sind doch die einzigen Kunden, die neben denjenigen mit Loch in der Geldbörse beim Magentafarbenem Riesen noch Kunden sind. Für alle anderen ist das Preis/Leistungsverhältnis bis auf Ausnahmen meist zu schlecht.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 06.10.20 18:55 durch Xara.

  5. Re: Rosinenpickerei der anderen

    Autor: Xara 06.10.20 - 19:10

    Um es dir mit etwas weniger Überheblichkeit nahezulegen. Was für dich "Rosinenpickerei" ist, wurde von Telekom und Vodafone gezielt vorbereitet. Mit dem Ausbau von Vectoring und DOSCSIS wurde und wird gezielt beabsichtigt, lokale Ausbauvorhaben (insbesondere Subventionierbare durch Gemeinden) zu blockieren. Mehr ist es nicht.

    Für die Telekom ist es ein geringeres Problem mit nur 20% FTTH-Quote zu leben, da sie auch so auf einen großen zahlungskräftigen Kundenstamm als Einnahmequelle zurückgreifen kann und bereits die Kupferinfrastruktur besitzt. Das bedeutet vor allem: Es liegen schon Leitungen zum Backbone die ggf. einfach nur ausgebaut werden müssen. Währenddessen ist zum Beispiel der Versanet-Backbone nicht in allen Regionen Deutschlands ausgebaut.
    Kleinere Anbieter können nicht auf Kombi-Pakete (Mobilfunk, Fernsehen, EU-Flat, Cloud-Drive, etc. etc.) zurückgreifen und können dies auch nur schwer Querfinanzieren. Zudem gibt es ein hohes Risiko, dass Vodafone und Telekom umgehend überbauen und dadurch der eigene Wettbewerbsvorteil (höhere Geschwindigkeit) zunichte gemacht wird.
    Selbst wenn Stadtwerke der Telekom Leerrohre zur Miete anbieten, werden diese ggf. nicht genutzt, da die Telekom lieber eigene verlegt um die Mietkosten zu sparen.

    Falls dir meine Erklärung dir nicht weiterhelfen, kannst du dich einfach im öffentlich Rechtlichen Rundfunk umhören. Auf "zoom" & Co. wird die Telekom genauso kritisiert, wenngleich dort das Gedächtnis zu früheren Missetaten der Telekom äußerst gering ist.

    Oder um es für DAUs Verständlich zu machen: Dort wo DOCSIS ausgebaut wird, wird Vectoring ausgebaut. Dort wo keines von beiden liegt, wird auch in Zukunft keines von beiden sein. ;)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.10.20 19:14 durch Xara.

  6. Die einen sagen "Rosinenpickerei"

    Autor: M.P. 06.10.20 - 19:57

    die Anderen sagen: "hingehen, wo das Elend am größten ist"

    > Kurz: Die erfolgreichen Anbieter bauen nur dort Glasfaser, wo es kein Kabel und idealerweise kein VDSL gibt.

  7. #Framing (o. w. T.)

    Autor: ohhello2 06.10.20 - 21:13

    Schönes Beispiel für wie man ein und die selbe Sache framen kann.

  8. Immer diese Anglizismen

    Autor: M.P. 07.10.20 - 08:08

    Immer diese Anglizismen ;-) Früher hat man gesagt, dass man "einen Umstand von allen Seiten beleuchten" soll ...

  9. Re: Rosinenpickerei der anderen

    Autor: west89 07.10.20 - 12:05

    Bei mir soll jetzt auch Glasfasser (FTTH) verlegt werden und ich bin froh Glasfasser zubekommen als Vectoring.
    Es ist klar wenn ein Anbieter das Ausschreiben Gewinnt (In meinen fall EWE AG) das sie die meisten Abschlusse machen.
    Das Gebiet was bei mir erschlossen ist unter <16mbits und ein gefördertet Gebiet.
    Die Preise sind Günstiger als wie bei Telekom wenn dazusagt das man mehr Leistung bekommt.
    Ich fragei mich man darf die Telekom auf das Glasfassernetz zugreifen.
    Die haben ja die Glasfasser Nordwest wie weit können sie auf Netzinfrastruktur zugreifen.

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