-
Krankenkassen behaupten groben Unfug
Autor: tritratrulala 17.01.24 - 08:56
DiGAs unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren, ähnlich wie andere Heilmittel. Der Nutzen muss im Rahmen von Studien nachgewiesen werden. Steht mittlerweile auch direkt bei Wikipedia erläutert [1]. Ich habe so ein Verfahren selbst am Rande mitbekommen - das war definitiv kein Zuckerschlecken und hat sich über ein Jahr hingezogen. Und ob die Zulassung letztendlich erteilt wird, war bis zum Ende natürlich nicht klar.
Ein Punkt, den die Krankenkassen hier kritisieren, und das ist meiner Meinung nach auch der einzige valide Punkt, ist die Option auf eine zeitbegrenzte "Zulassung auf Probe", die es seit einiger Zeit gibt. Das wurde eingeführt, weil die Hürden sonst extrem hoch wären. Möglicherweise sind dadurch unwirksame Apps kurzzeitig verfügbar. Aber ich bezweifle, dass das im Großen Stil ausgenutzt wird. Ich empfehle auch einen Blick in die Liste der DiGAs, so viele gibt es davon nicht.
Ansonsten: Die Krankenkassen jammern hier natürlich, weil sie was zahlen müssen. Obwohl DiGAs dsas Potential haben, unnötige Medikation oder Arztbesuche zu sparen, was sehr viele Kosten sparen kann.
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Gesundheitsanwendung#Evidenz_von_DiGA -
Re: Krankenkassen behaupten groben Unfug
Autor: tritratrulala 17.01.24 - 09:05
Anmerkung: die "Zulassung auf Probe" wird zudem auch nicht einfach so vergeben. Man muss hier auch einen Nutzen nachweisen, aber die Studien, die letztendlich die Evidenz beweisen, müssen nachgereicht werden.
-
Re: Krankenkassen behaupten groben Unfug
Autor: GanzSchoenFrech 17.01.24 - 09:15
Man muss natürlich schon die Kosten im Auge halten weil das nicht die Krankenkassen zahlen sonder wir Beitragszahler.
Ein Hausarzt bekommt von der gesetzlichen Krankenkasse für ein gesetzlich versicherten ¤39,62 pro Quartal.
Wenn du also Krank bist und 2 bis 3 mal beim Arzt bist muss er von diesen 39,62 auskommen.
Ein weinig Zuschläge gibt es noch für Kronisch kranke etc.
Wenn dann eine App pro Quartal mit hohen 3-Stelligen Kosten daher kommt muss man sicherlich den Nutzen gegenüber einer persönlichen Therapie abwägen.
Ein Physiotherapeut kann für 15 bis 25 Minuten 21,43 Euro + 10% Eigenanteil von 2,14 abrechnen.
Wenn da eine App 500 Euro pro Quartal kostet sind da 16 Termine (8 Doppeltermine) drin.
Was der Gesetzgeber auf jeden Fall machen sollte wäre eine Zuzahlung für digitale Apps einzuführen - sagen wir 5 oder 10%, da würde sich so mancher überlegen ober er 25 oder 50 Euro pro Quartal zuzahlen will. Ob Effekte von Apps nicht doch oft ein Placebo-Effekt haben muss auch erst mal untersucht werden. -
Re: Krankenkassen behaupten groben Unfug
Autor: Oktavian 17.01.24 - 09:18
> DiGAs unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren, ähnlich wie andere
> Heilmittel. Der Nutzen muss im Rahmen von Studien nachgewiesen werden.
> Steht mittlerweile auch direkt bei Wikipedia erläutert [1]. Ich habe so ein
> Verfahren selbst am Rande mitbekommen - das war definitiv kein
> Zuckerschlecken und hat sich über ein Jahr hingezogen. Und ob die Zulassung
> letztendlich erteilt wird, war bis zum Ende natürlich nicht klar.
Dass solche Apps funktionieren können, steht ja außer Frage. Die spannenden Fragen sind aber:
a) funktioniert die App besser als konventionelle Methoden (Arztgespräch, Ernährungsberatung, Physio, Reha-Sport, Psychotherapeut, Notizblock, Buch)?
b) funktioniert die App auch in der Praxis und nicht nur in der Erprobung? (Die Erprobung findet unter optimalen Randbedingungen statt, die Teilnehmer werden für die Teilnahme bezahlt, und sie nutzen die App dann auch wie vorgesehen, dazu haben sie sich verpflichtet. In der Praxis werden Meldungen mal schnell weggedrückt und ignoriert, das Ausfüllen mag auch mal schludrig passieren, Ernährungserfassung erfolgt eher selektiv, etc.)
> Ansonsten: Die Krankenkassen jammern hier natürlich, weil sie was zahlen
> müssen. Obwohl DiGAs dsas Potential haben, unnötige Medikation oder
> Arztbesuche zu sparen, was sehr viele Kosten sparen kann.
Ja, die Frage ist nur, können die Apps das Potential auch in die Praxis umsetzen. Gehen Patienten tatsächlich seltener zum Arzt? Brauchen sie tatsächlich weniger Medikamente? Sind sie tatsächlich schneller geheilt? Fühlen sie sich tatsächlich besser? Oder gibt die KK einfach zusätzlich 2000 EUR pro Jahr aus, in der Praxis ändert sich aber nichts? -
Re: Krankenkassen behaupten groben Unfug
Autor: HeiligerBimBam86 18.01.24 - 05:57
"Was der Gesetzgeber auf jeden Fall machen sollte wäre eine Zuzahlung für digitale Apps einzuführen - sagen wir 5 oder 10%, da würde sich so mancher überlegen ober er 25 oder 50 Euro pro Quartal zuzahlen will. Ob Effekte von Apps nicht doch oft ein Placebo-Effekt haben muss auch erst mal untersucht werden."
Guter Vorschlag, das würde auch die App Entwickler von diesen fürstlichen Summen runterbringen. Noch schöner wäre natürlich, die KK würden vernünftig verhandeln, statt sich so grenzenlos über den Tisch zoehen.zu lassen.



