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Moment...
Autor: mackes 17.01.24 - 07:40
Verstehe ich das richtig: Die GKV zählt 500 Euro plus pro Versichertem Nutzer pro Quartal für irgendwelche zusammengefrickelten Apps, die logischerweise genauso wenig Nutzen haben wie Zuckerkugeln aus der Apotheke, aber für Brillen oder Zahnersatz muss man selbst zahlen???
Kein Wunder, dass diese "Gesundheitsapps" so aggressiv Werbung machen. Irgendwo muss das viele Geld der Solidargemeinschaft ja hin. -
Re: Moment...
Autor: Brian Kernighan 17.01.24 - 09:04
mackes schrieb:
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> Verstehe ich das richtig: Die GKV zählt 500 Euro plus pro Versichertem
> Nutzer pro Quartal für irgendwelche zusammengefrickelten Apps, die
> logischerweise genauso wenig Nutzen haben wie Zuckerkugeln aus der
> Apotheke,
Wieso haben die "logischerweise" wenig Nutzen? Das kann man so pauschal gar nicht sagen, es gibt durchaus Apps aus dem Medizinbereich, die einen sehr großen Nutzen haben - auch welche die nicht zugelassen sind, sondern Open Source. Und wenn eine KK zum Schluss kommt, etwas hätte "keine nachgewiesene Verbesserung" gebracht, ist das oft auch nicht richtig. Ich erinnere nur an die Behauptung von Sawickis Institut, dass Analoginsuline keinen nachweisbaren Nutzen hätten, obwohl der Nutzen riesig ist und in der Fachwelt (und auch bei den Patienten) unbestritten. Sowas dient dann oft nur dazu, bei den Herstellern die Preise zu drücken oder auf dem Rücken der Patienten die Medikamente oder Hilfsmittel nicht mehr erstatten zu wollen, wenn sie etwas teurer sind als schlechtere Alternativen.
Kenne die Apps nicht, bin auch schockiert, dass man 500¤ pro Quartal und Patient ausgibt, aber es kann gut sein, dass die tatsächlich was bringen und die Kosten sind oft deswegen so hoch, weil die Zulassungen so teuer sind. Und da die Kosten nicht jeder aufbringen kann, sind wenige Hersteller unter sich und können Preise nahezu beliebig festlegen.
Vielleicht wäre es da hilfreich, die Zulassungsverfahren zu entschlacken. -
Re: Moment...
Autor: GanzSchoenFrech 17.01.24 - 09:24
Es gibt Studien das ein guter Teil der verschriebenen Medikamente nicht genommen werden und bei vielen in den Medizinschränken lagern - meist zur späteren (manchmal gefährlichen) Selbstmedikation. Da geht viel Geld verloren, die Leute haben aber die Kosten nicht im Fokus weil selbst mit Selbstbeteiligung man ja das Medikament "auf Vorrat" lagern kann und einen gefühlten Mehrwert nachher besitzt.
Ich weiß jetzt nicht ob es für die Apps eine Zuzahlung gibt.
Wenn die Patienten wie bei der Physiotherapiean 10% zuzahlen müsste könnte ich mir vorstellen dass die Apps weit weniger von den Patienten genutzt würden. -
Re: Moment...
Autor: mackes 18.01.24 - 15:46
Brian Kernighan schrieb:
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> mackes schrieb:
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> > Verstehe ich das richtig: Die GKV zählt 500 Euro plus pro Versichertem
> > Nutzer pro Quartal für irgendwelche zusammengefrickelten Apps, die
> > logischerweise genauso wenig Nutzen haben wie Zuckerkugeln aus der
> > Apotheke,
>
> Wieso haben die "logischerweise" wenig Nutzen? Das kann man so pauschal gar
> nicht sagen, es gibt durchaus Apps aus dem Medizinbereich, die einen sehr
> großen Nutzen haben - auch welche die nicht zugelassen sind, sondern Open
> Source.
Ja klar, wenn sie sich an Fachpersonal richten oder mit einem Gerät beispielsweise zur Messung des Blutzuckerspiegels verbunden sind. Um solche sinnvollen Apps geht's hier aber eben nicht.
Und wenn eine KK zum Schluss kommt, etwas hätte "keine
> nachgewiesene Verbesserung" gebracht, ist das oft auch nicht richtig. Ich
> erinnere nur an die Behauptung von Sawickis Institut, dass Analoginsuline
> keinen nachweisbaren Nutzen hätten,
Vergleichst du ernsthaft eine App mit einem Medikament?



