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Extremes Ungleichgewicht der Kräfte

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  1. Extremes Ungleichgewicht der Kräfte

    Autor: Anonymer Nutzer 21.08.17 - 23:06

    Bei "blanker Gewalt" können ja andere noch teilweise mit den Amerikanern mithalten, so mögen die russischen U-Boote teilweise in Häfen dahinrosten, aber annähernd eine Militärmacht auf Augenhöhe mit den Amerikanern ist man nicht mehr. So auch die Chinesen - von den Briten oder Franzosen gar nicht zu sprechen. Aber alle haben Atomwaffen, Interkontinentalraketen.

    Wenn jetzt aber die Amerikaner weiterhin ihren neidlos anzuerkennenden Entwicklergeist mit diesem riesigen Militärapparat kombinieren, die Raketenabwehr weiter entwickeln und gleichzeitig massiv auf autonome Kampfsysteme gehen sollten, dann gibt es wirklich nur noch eine Supermacht auf diesem Planeten und die Amerikaner werden dann noch viel niedrigere Hemmschwellen haben militärisch im Ausland zu agieren, denn damit wird ja kein Blut von "american heroes" mehr vergoßen, sondern nur noch eine Maschine, die Geld kostet, in den Kampf geschickt. Die "Verluste" werden zur rein finanziellen Größe, die sich kalkulieren lässt - für die US Streitkräfte zumindest. Kosten und Profit eines Kampfeinsatzes werden dann von der KI abgeschätzt und Krieg wird zum Videospiel.

    Und genau deswegen werden die Amerikaner auch den Teufel tun und sich das selbst vorenthalten. Sie sind das einzige Land, dass zu diesem Szenario technologisch und finanziell derzeit in der Lage ist. Und wenn die erstmal damit angefangen haben holt deren "Vorsprung" auch so schnell niemand mehr ein. Wären wir Amerikaner, würden wir das dann ablehnen? Als Wähler, der Gedanke, dass wir nun Sicherheit und weltweiten Einfluss ohne Gefahren für das eigene Land oder eigene Landsleute haben könnten, wenn wir diese Technologie nur entwickeln und einsetzen? Am Ende könnte das Militär damit sogar billiger werden, wenn nämlich ein Großteil der Soldaten gar nicht mehr gebraucht werden würde, es ist eine Berufsarmee und Personalkosten sind der größte Einzelbetrag im Budget (inkl. lebenslanger Versorgung der Veteranen mit medizinischen Leistungen etc.). Auch das lässt sich sicher, wie in einem "business plan", vorausberechnen.

    Und spätestens dann sieht die Industrie, dass da viel Geld zu holen ist, Geld was nun in Technik investiert wird, statt in Personal. Sie wird massiv Lobbyismus dafür betreiben.

    ...nein, das wird so kommen. Je mehr man darüber nachdenkt, desto unausweichlicher erscheint es.

    Und wir müssen uns in Europa auch damit beschäftigen. Das ist leider die Logik der Aufrüstung.

  2. Re: Extremes Ungleichgewicht der Kräfte

    Autor: Trockenobst 22.08.17 - 16:22

    Muskelkater schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und wir müssen uns in Europa auch damit beschäftigen. Das ist leider die
    > Logik der Aufrüstung.

    Wo sind denn noch Konflikte auf der Welt? In mittleren Osten, weil dort die Menschen die Demokratie nicht gewohnt sind und deswegen zum ersten Mal ohne harten Mann an der Spitze plötzlich Verteilungskämpfe haben, die es schon seit 1000 Jahren gibt. Dazu kommt noch das sehr viele der Landesgrenzen nicht an den Ethnien sondern auf dem Reißbrett gezogen worden sind. Das gibt eine unheilige Mischung, die meist irgendwie im Häuserkampf mit Menschenschutzschilden endet. Jeder der selbst in der Unterzahl ist, wird sich nicht auf dem freien Feld über den Haufen schießen lassen, das ist klar.

    Das selbe ist in Afrika zu sehen. Dort bekämpfen sich Stämme seit Jahrzehnten entlang von Stammesgrenzen. So wird auch meist gewählt. Wenn dann ein Stamm 52% hat wird der auf alle Zeiten gewählt werden und somit die jungen Demokratien ad absurdum führen. Deswegen gibt es immer wieder Konflikte. Hier ist meist das Problem dass das Land weit und die Städte klein sind, einen bereich komplett zu kontrollieren ist mit so wenig Soldaten schwierig. Der Konflikt dort tendiert dort auch immer zu ethnischen Säuberungen, was unschön für die westliche Welt ist. Denn die muss letztendlich irgendwann doch was machen und sich einmischen.

    Die letzte Gruppe sind die religiös oder diktatorisch verblendeten, vor allem der kleine Mann mit dem komischen Haarschnitt. Diese werden immer versuchen auf Atomwaffen zu setzen, weil sie weder See-, noch Land-, noch Lufthoheit in einem Konflikt haben würden.

    In welchem dieser Kontexte wären dann automatische Kampfsysteme überhaupt nützlich? Solange man keine Massen produzierten Kampfdroiden auf Füssen wie dem Terminator T-800 hat, wird man im Häuserkampf mit Schutt und Dreck nicht weit kommen. Für die Kontrolle eines Gebietes wie in weiten Wüsten wären aber große Massen an mobilen Tech sehr nützlich. Und wenn nur eine konfliktfreie Zone zu bewachen um sicherzustellen dass die Anderen "nicht rüber kommen".

    Alles andere halte ich für Science Fiction. Es gibt erste Kampfdrohnen die statt Raketen auch Patronen schießen können. Die Physik zeigt hier ernste Grenzen auf. In Tests sollen diese mit einfachen Beschuss simpelster Waffen nicht lange halten. Damit diese Taktik einen Effekt hat, braucht man pro Angriff eine Wolke von mehreren 100 von denen, das ist sehr teuer. Man hat ausgerechnet dass ein Konflikt bis zu dreifache teurer wird, und das noch Weit bis 2030.

    Es ist richtig sich Gedanken zu machen welche von den Geräten man braucht und wie die Cyber.Sicherheit gewährleistet wird. Das sind schwierige Fragen. Es stellt sich eher die Frage wer als erstes Bereit wäre in einem Konflikt 1000ende Kampfroboter loszuschicken, die auf alles schießen was sich bewegt. Die Welt müsste schon ganz Richtung Lokus sein, damit dies eine saubere politische Lösung wäre.

  3. Re: Extremes Ungleichgewicht der Kräfte

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 22.08.17 - 21:17

    Muskelkater schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn jetzt aber die Amerikaner weiterhin ihren neidlos anzuerkennenden
    > Entwicklergeist mit diesem riesigen Militärapparat kombinieren, die
    > Raketenabwehr weiter entwickeln und gleichzeitig massiv auf autonome
    > Kampfsysteme gehen sollten, dann gibt es wirklich nur noch eine Supermacht
    > auf diesem Planeten

    Das Bild drängt sich nur auf, wenn man den Militärapparat isoliert betrachtet.

    Die USA mussten ihr Militärbudget aufgrund des ökonomischen Drucks bereits mehrfach reduzieren. Sie haben zwar immer noch die größten absoluten Militärausgaben weltweit, was aber enorm zu Lasten anderer Ressorts geht, die für das Funktionieren eines Staates auf lange Sicht unentbehrlich sind. Sprich, punktuelle Ausreißer nach oben einmal außen vor werden die USA ihr Militärbudget weiter kürzen müssen, was eine derart radikalen Umbau, wie es die Automatisierung bedeuten würde, ziemlich unwahrscheinlich macht. Würden sie das erzwingen wollen, könnte es sogar klappen - allerdings um den Preis, dass ihnen ihr Staatswesen angesichts der Kosten unterm Hintern wegbricht.

    Aber sie wollen gar nicht. Die Grenzen des vielzitierten "militärisch-industriellen Komplexes" treten bereits seit Jahrzehnten zutage: Der Grundstock der US-Kriegsmaschinerie ist ebenfalls auf dem Stand des Kalten Krieges. Zwar sehr gut in Schuss gehalten, an Kernpunkten modernisiert und mit ein paar medienwirksamen Vorzeigeprojekten (ohne reale strategische Bedeutung) durchsetzt, aber letztendlich weit entfernt von Zukunftstechnologie. Der Grund dafür ist einfach der, dass man seit Ende des Kalten Krieges keinen Gegner mehr hat, der einen technologischen Rüstungswettlauf rechtfertigt. Um ein paar "Towelheads" im Nahen Osten unterzubuttern, deren Arsenal zu weiten Teilen aus Material besteht, dass die Russen bereits *während* des Kalten Krieges ausgemustert haben, braucht man nun einmal kein moderneres Gerät. Auch wenn man es hätte, würde es nichts ändern, denn es könnte letztendlich auch nur töten - was gegenüber einem Gegner, der dem Tod fatalistisch akzeptiert hat, nichts bringt. Anders ausgedrückt: Wenn du dich mit deinem eigenen Tod bereits abgefunden hast, bevor du in den Kampf ziehst, ist es dir egal, ob ich dich mit einer Luntenflinte oder einem Strahlengewehr erschießen kann.

    Grundsätzlich bringt es in ohnehin asymmetrischen Konflikten gar nichts, die Asymmetrie weiter zu verstärken. Vielmehr wäre ein komplett neues Herangehen notwendig, während eine Automatisierung der aktuellen Strategie keine neuen Aspekte hinzu fügt.
    mehr noch, es verringert nicht einmal den politischen Rechtfertigungsdruck, denn anstatt seiner Bevölkerung zu erklären, warum Soldaten in Särgen nach Hause kommen, müsste man ihr dann erklären, warum aufgrund der gewaltigen Kosten für den Betrieb einer Roboterarmee so viele Leute in der Heimat verhungern.

    Und wenn nukleare Abschreckung im Spiel ist, ist eine Veränderung im konventionellen Arsenal erst recht nutzlos. Ist ja schön, wenn man beispielsweise Nordkorea mit einer Armee von T-800 überrennen könnte, ohne dass Soldaten aus den USA oder Südkorea dabei ins Gras beißen müssten, aber die würden eben trotzdem alle draufgehen, wenn das nordkoreanische Regime - komplett in die Ecke gedrängt - zumindest die ganze Großregion im Dunkeln leuchten lässt; zuzüglich der Gebiete, die sie mit ballistischen Raketen erreichen können, für die auch eine automatisierte Armee keine nennenswerte Abwehr bereitstellt. Und selbst wenn es nicht dazu kommt - inwiefern hilft eine Roboterarmee, die Region anschließend politisch, gesellschaftlich und ökonomisch zu stabilisieren? Das ist doch überall das Kernproblem, nicht das Erringen von Dominanz!

  4. Re: Extremes Ungleichgewicht der Kräfte

    Autor: divStar 22.08.17 - 23:06

    Wenn wir erst KI - gesteuerte T-800 haben, ist es mit uns eh vorbei weil ich stark bezweifle, dass die KI groß daran interessiert sein dürfte unsere Probleme zu lösen - jedenfalls wenn die KI wirklich autonom ist und nicht zweckgebunden.

    Vollautonome Roboter sollten - zumindest im Militär - ein no-Go sein. Aber auch zivil wären autonome Roboter eine potentielle Bedrohung - und da ist noch das Hackpotential noch gar nicht miteingerechnet.

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