1. Foren
  2. Kommentare
  3. Politik/Recht
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Lizenzklage: "VMware wollte sich…

Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 16:39

    denn alle ernstzunehmenden Juristen erklären seit Langem, daß die Regelungen in Absatz 0 der GPL nichtig sind:

    - In den USA (wo aus Verbraucherschutzgründen die GPL kein Vertrag sondern eine eigene Rechtsform, die "Lizenz" hat) dürfen bei einer Lizenz aus Verbraucherschutzgründen nur Vereinbarungen auftauchen, die in einer Positivliste des US Copyright law Abschnitt 17 Paragraph 106 zugelassen sind. Die Umdefinierung des Begriffs "abgeleitetes werk" steht nicht in dieser Positivliste.

    - In Europa gelten (wie in den USA) auch Verbraucherschutzregeln, wenn ein Vertrag nicht von beiden Seiten beeinflußt werden kann (also wenn genau aus diesem Grunde in den USA die Rechtsform "Lizenz" anzuweden ist). Anders als in den USA bleibt es aber bei der Rechtsform "Vertrag", nur daß die Regeln für allgemeine Geschäftsbedingungen eingehalten werden müssen. Diese legen fest, daß im Falle von mehrdeutigen Formulierungen, die Partei, die den Vertragstext nicht beeinflussen konnte, sich die für sie günstigste Interpretation aussuchen darf.

    In beiden Fällen wird dadurch GPL Absatz 0 de-fakto außer Kraft gesetzt.

    Als Ergebnis wird daher normalerweise kein abgeleitetes Werk gebildet, sondern ein sogenanntes "Sammelwerk", bei dem mehrere eigenständige Werke verbunden werden und für jedes der beteiligten Werke die jeweils eigenen Regeln gelten.

    Um zu gewinnen, müßte Herr Hellweg nachweisen, daß es sich nicht um die Verbindung mehrerer _eigenständiger_ Werke handelt.

    Es gab zu diesem Thema übrigens schon mal einen Präzedenzfall:

    Im Jahre 2001 hat VERITAS eine gtar Variante als Binary verbreitet und zum Zweck der Einhaltung der GPL die eigenen Erweiterungen als binäre Bibliotheken für genau die Plattformen, für die Veritas gtar Binaries anbot auch bereitgestellt. Man konnte also das Gesamtbinary neu bauen. Dies wurde nie von der FSF unterbunden...

  2. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: plutoniumsulfat 01.04.15 - 16:48

    Ich glaube, VMWare hat genug auf der hohen Kante für einen Anwalt ;)

  3. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 17:01

    Der Prozess könnte endlich mal die GPL Talliban in ihre Grenzen weisen und die GPL zu einer verläßlichen Lizenz machen, bei der man nicht jederzeit befürchten muß von irgendwelchen Leuten eine GPL-Verletzung vorgeworfen zu bekommen obwohl man sich wörtlich an die GPL hält.

  4. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: EQuatschBob 01.04.15 - 17:03

    Wenn ich der Meinung bin, daß mir eine bestimmte Lizenz nicht gefällt oder ich einzelne Punkte ablehne, komme ich doch ganz einfach ohne Anwalt aus: Ich verwende die entsprechende Software einfach nicht!

    Beispielsweise wollte ich mal eine Software nutzen, deren Autor die Bedingung aufstellte, man dürfe die Software nur "for good, not for evil" verwenden. Ich will Software aber einsetzen wofür ich will, ggf. auch für "Böses". Es war kein Problem: Ich habe einfach auf die Nutzung der Software verzichtet und brauche also auch keinen Anwalt!

  5. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 17:27

    Das Problem bei der GPL ist, daß es Leute gibt, die weder als Nutzer agieren, noch eigene Rechte am Code halten aber anderen vorwerfen die GPL nicht einzhuhalten obwohl dies der Fall ist.

    Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, die GPL zu meiden wo es geht. Es geht aber nicht immer. Daher benötigen wir endlich Rechtssicherheit.

    Die Klagen von Harald Welte haben diese Rechtssicherheit nicht gebracht, weil in den Urteilsbegründungen häufig etwas wie: "wir haben absichtlich nur einen Satz der GPL angewendet um die berechtigten Interessen von Herrn Welte nicht zu gefährden" steht.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 01.04.15 17:33 durch schily.

  6. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: heubergen 01.04.15 - 17:56

    Ich hoffe hingegen dass VMWare verliert.

    Es muss eine Lizenz geben die ein Copyleft ermöglicht, egal welche, egal wie.

    Wenn ich als Autor aber eine Software/Bibliothek programmiere oder sonst irgendwas erschaffe und es dann der Allgemeinheit zur Verfügung stelle möchte ich doch eine rein kommerzielle Nutzung verbieten bzw. möchte dass Weiterentwicklungen allen zur Verfügung steht.

  7. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 18:01

    Jede GPL Interpretation, die versucht ein sogenanntes "starkes Copyleft" durchzusetzen, verhindert auch, daß man GPL Programme überhaupt binär verbreiten darf.

    Die Nutzbarkeit der GPL ist erst dann gegeben, wenn ein GPL Programm gegen jede beliebige unabhängig entwickelte Bibliothek gelinkt werden kann, ohne seine Regeln auf diese Bibliothek ausweiten zu können.

  8. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: bofhl 01.04.15 - 18:37

    Dann müsste mal einer genau klären was nun tatsächlich "wort-wörtlich" mit den ganzen Texten der zig GPL-Lizenzen gemeint ist! Denn sehr vieles ist da ziemlich schwammig formuliert oder mit zum Teil sich widersprechenden Texten...

  9. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: picaschaf 01.04.15 - 18:43

    Es ist doch eigentlich so einfach... Benutzt meine Applikation eine GPL Bibliothek oder Code daraus muss ich auch den Code meiner Applikation den Lizenznehmern meiner Applikation offen legen. Nicht mehr und nicht weniger. Ob ich die Binaries verbreite oder nicht ist unerheblich.

    Die LGPL erweitert die GPL um die Ausnahme für Applikationen, die Code nicht übernehmen, sondern über Schnittstellen ansprechen (Stichwort dynamisch gelinkt), hier genügt es die Sourcen der Bibliothek selbst zu übergeben.

  10. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: bofhl 01.04.15 - 18:45

    EQuatschBob schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn ich der Meinung bin, daß mir eine bestimmte Lizenz nicht gefällt oder
    > ich einzelne Punkte ablehne, komme ich doch ganz einfach ohne Anwalt aus:
    > Ich verwende die entsprechende Software einfach nicht!

    Und wie immer ist die Welt nicht weiß oder schwarz - denn in den zig Variationen der GPL gibt es einige Teile die sich widersprechen oder die ganz speziell schwammig formuliert wurden, zum Teil auch um die Lizenz nachträglich "verschärft" anwenden zu können.

    >
    > Beispielsweise wollte ich mal eine Software nutzen, deren Autor die
    > Bedingung aufstellte, man dürfe die Software nur "for good, not for evil"
    > verwenden. Ich will Software aber einsetzen wofür ich will, ggf. auch für
    > "Böses". Es war kein Problem: Ich habe einfach auf die Nutzung der Software
    > verzichtet und brauche also auch keinen Anwalt!
    Was wenn du genau diesen Code aber 100% benötigst? Denn wenn du verzichtest, musst auch auf eine genau gleich-lautende Codesequenz verzichten! Bei deiner Software mag das vielleicht funktionieren - bei verschiedenen Anlässen geht es aber einfach nicht ohne genau das gleich zu machen - sprich zu Implementieren! - wie eben der lizenzierte Code! Herzugehen und den notwendigen Code umständlich aufzuteilen nur um nicht in die Gefahr zu geraten einen Lizenzbruch zu begehen soll die Lösung sein?

    (und bei VMware geht es eben um die Einbindung von Linux-Treiber - und da wird eben einige Codesequenzen benötigt, die eben auch der Linux-Kernel hat! No na!)

  11. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 18:46

    Darum habe ich ja oben erklärt, wo die GPL mehrdeutig ist und warum sie deshalb entweder absolut unbrauchbar ist, oder nicht als sogenannte "starke Copyleftlizenz" durchsetzbar ist.

    Weiterer Hintergrund:

    Wenn tatsächlich _alles_ was mit einem GPL Programm zusammenkommt unter die GPL müßte, dann müßte man auch z.B. die glibc unter Linux von LPGL nach GPL wandeln. Das erlaubt die LGPL zwar, aber danach hat man als Distributor keine glibc mehr, die noch unter LGPL steht. Wenn man die LGPL liest, dann findet man, daß die Umlizenzierung endgültig und nicht umkehrbar für die eigene Kopie ist.

    Wenn man das aber getan hätte, dann könnte man z.B. kein X11 mehr unter Linux laufen lassen, denn X11 kann nicht mit einer glibc unter GPL kombiniert werden.

    Fazit: die GPL liefert realistisch gesehen in etwa den gleichen "Schutz" wie die LGPL oder die CDDL.

  12. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: picaschaf 01.04.15 - 21:12

    Meine Güte, hat auch nur einer von euch Ahnung von dem was ihr schreibt oder die betreffenden Lizenzen mal gelesen? Was soll das Beispiel mit der glibc? Die glibc wie der gcc haben eine explizite Ausnahme (Stichwort Compiler Exception).

    Eine Applikation wird auch nicht GPL weil sie unter Linux läuft da sie Standard POSIX API nutzt und dadurch kein abgeleitetes Werk des Kernels wird. Die Anwendung ist auch auf anderen Systemen lauffähig. Ein Kerneltreiber ist und wird immer GPL da er durch die Nutzung der Kernel API an Linux gebunden und damit ein abgeleitetes Werk ist. Nvidia und Konsorten umgehen das mit ihren Blobs nur dadurch, dass der *Endanwender* (der ja das System nicht weiterverteilt), wenn auch "versteckt" durch ein automatisches Skript den Blob installiert.

    Und bzgl. des vor-vorherigen Kommentars, dessen Autor wohl auch noch nie Software entwickelt hat, kann ich nur sagen, dass Programmieren kein reines hintereinandersetzen von irgendwelchen Befehlen ist. Man kann ein Problem immer auf unterschiedliche Arten lösen. Primitive Abläufe, bzw. Passagen, die nicht oder nur abstrus anders lösbar wären (Konsolenausgabe von "Hello World" üblicherweise mit printf in C) sind ohnehin nicht von der Lizenz oder gar dem Urheberrecht abgedeckt mangels Schöpfungshöhe. Aber auf eine ganze Bibliothek gesehen gibt sich diese Ausnahme nicht.

    Die GPLv2 mag einige Mehrdeutigkeiten haben, aber nicht in dem Punkt ab wann ich Code veröffentlichen muss. Die Mehrdeutigkeiten bestehen in Zusammenhang mit Software+Hardware Bindungen und die Art der Sourcecodelieferung. Diese Mehrdeutigkeiten wurden auch nicht mit hinterlistigen Beweggründen absichtlich eingefügt - wenn ich sowas lesen muss könnte ich fast kotzen und würde mir wünschen man könnte hier Strafanzeige wg. Verleumndung stellen. Die GPLv2 wurde von einem nicht-juristen in den USA geschrieben und hat hier in Deutschland schon mehrfach seine Gültigkeit bewiesen - leistet mal etwas Vergleichbares!

    VMWare hat offenbar Kernelcode 1:1 kopiert oder spricht dessen API an. Damit ist der Fall eigentlich klar.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.04.15 21:16 durch picaschaf.

  13. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 22:03

    Schade, daß ausgerechnet Leude wie Du ohne jegliche Ahnung mit so einer Überzeugung Unsinn schreiben.

    Konzeptionelles Denken (bei dem manunter bewußt falschen Annahmen untersucht was der bedeuten würde) scheint Dir fremd zu sein und Software hast Du auch noch nie entwickelt.

    Die beschriebenen Probleme entstehen dann, wenn man (wie z.B. die Soziopathen von Debian) eine GPL Auslegung verwendet bei der angeblich eine Kombination von GPL Programmen (wie z.B. GNU tar) und Bibliotheken nur dann möglich wäre, wenn diese Bibliotheken unter der GPL stünden. Glücklicherweise reden die Debianer aber kompletten Unsinn...

  14. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: picaschaf 01.04.15 - 22:09

    Zu süß was du da schreibst als das ich mich darüber aufregen könnte. Keine Ahnung aber auch kein Wille zur Recherche. Und der Rest hört sich mehr nach "mimimi ich hab Recht auch wenn die ganze Welt und die Leute die sich tagtäglich damit auseinandersetzen das gegenteil sagen, mimimi" an.

    Aber der Vollständigkeit halber will ich mal auf dein merkwürdiges und nichtssagendes tar Beispiel eingehen. Wo sollte hier ein Problem auftreten wenn die Applikation ohnehin bereits GPL lizenziert ist? Benutzt tar seit neuestem eine nicht gpl kompatible Library? Es geht vielmehr darum GPL Code in einen Proprietären Code einzubinden und genau das geht nicht ohne, dass sich die GPL auch auf die Applikation ausdehnt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.04.15 22:12 durch picaschaf.

  15. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 22:13

    Mit Argumentenhast Du es anscheinend nicht so....

  16. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: picaschaf 01.04.15 - 22:57

    Ich habe Argumente und Fakten. Aber von dir keine Antworten auf meine Fragen. Wenn also von dir nichts Sinnvolles mehr kommt können wir das meinetwegen unvollendet stehen lassen.

  17. Re: Ich hoffe, VMware hat einen guten Anwalt

    Autor: schily 01.04.15 - 23:05

    Du hast in keiner Weise auf meine begründeten Aussagen reagiert und Dinge behauptet, die in keinem Zusammenhang zu den juristischen Hintergründen stehen.

    Solltest Du ernsthafte Fragen haben, dann stell doch mal ernsthafte Fragen ohne dabei Unterstellungen zu verschicken.

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Expertinnen bzw. Experten Qualitätssicherung Softwareentwicklung (w/m/d)
    Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  2. IT-Systemadministrator*in (m/w/d)
    Universität Osnabrück, Osnabrück
  3. Category Development Manager / Space Planning (w/m/d)
    dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, Karlsruhe
  4. IT-Administrator*in (m/w/d)
    Possehl Spezialbau GmbH, Sprendlingen (Home-Office)

Detailsuche


Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 499,99€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de