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Die Gesetze sind zu undifferenziert!

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  1. Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Sukram71 18.10.20 - 00:20

    Wenn ein 13-jähriger ein Bild von seinem Penis verschickt, dann ist das eben keine Verbreitung von Kinder-Pornographie und wer das bekommt, sollte sich auch nicht automatisch strafbar machen.

    Da muss man doch differenzieren! Wir können Kinder und Jugendliche doch nicht kriminalisieren, bloß weil sie mit Gleichaltrigen Nacktfotos tauschen.

    Außerdem sollte sich kein Jugendlicher schämen müssen, wenn Nacktfotos oder Ornanie-Videos von ihm auftauchen. Das Internet ist doch voll davon. :) Handy sind heute überall und da ist es fast unvermeidlich, dass ein Teil ungewollt öffentlich wird. Da bleibt wohl nicht viel anderes übrig, als das lockerer zu sehen.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 18.10.20 00:31 durch Sukram71.

  2. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: justastupidman 18.10.20 - 01:10

    Ja, genau für solche Fälle bräuchte es einen Ausnahmetatbestand. Das ist lächerlich, die strafrechtlich zu verfolgen.

    Was das locker sehen angeht, sagt sich das sehr leicht. Wenn solche Bilder in der Klassengruppe landen und sich andere darüber lustig machen, ist das für den Betroffenen überhaupt nicht mehr locker. Und wenn es unbeabsichtigt öffentlich wird oder in pädophile Kreise gerät, ist das erst recht nicht mehr locker zu sehen.

    Nur für genau letztere Fälle sind unsere Gesetze gemacht. Offenbar sind sie dadurch zu scharf.

    Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht, die Gesetze stärker auf Verbreitung und Handel zuzuschneiden, die ja eher für die tatsächlichen Probleme verantwortlich sind als der bloße Besitz, und entsprechende Ausnahmen für Sexting zu schaffen.

  3. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Sukram71 18.10.20 - 11:58

    justastupidman schrieb:
    ----------------------------------------------------------------
    > Was das locker sehen angeht, sagt sich das sehr leicht. Wenn solche Bilder
    > in der Klassengruppe landen und sich andere darüber lustig machen, ist das
    > für den Betroffenen überhaupt nicht mehr locker.

    Dann sollte die gesamte Klassengruppe Nacktfotos und Ornanie-Videos von sich austauschen und das Thema ist durch. ^^

    Und/oder die Klasse macht regelmäßig Klassenausflüge in ne Sauna oder FKK-Strand, wo jeder beim andern gucken darf.

    Das Thema Nacktheit und Sex sollte in Zeiten, in denen überall Kamerahandys vorhanden sind, vieles davon im Internet landet und Pornos überall und jederzeit nur zwei Klicks entfernt sind, normasiert und enttabuisiert werden.

    Ok, das klingt zu unrealistisch. :)



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 18.10.20 12:14 durch Sukram71.

  4. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: justastupidman 18.10.20 - 12:51

    Sukram71 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Dann sollte die gesamte Klassengruppe Nacktfotos und Ornanie-Videos von
    > sich austauschen und das Thema ist durch. ^^
    >
    > Und/oder die Klasse macht regelmäßig Klassenausflüge in ne Sauna oder
    > FKK-Strand, wo jeder beim andern gucken darf.
    Bei aller Sympathie für eine positive Einstellung zu Nacktheit und Sexualität kann erzwungene Nacktheit und Sexualität ja wohl nicht die Lösung sein xD

    Die Überschrift zum hier relevanten Abschnitt im Strafgesetzbuch ist "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung". Und genau darauf sollten die entsprechenden Paragrafen zugeschnitten sein.

    Jeder sollte selbst über die Existenz und Verbreitung seiner eigenen Nacktbilder bestimmen können und zu nichts gezwungen sein; weder zu Prüderie und Enthaltsamkeit, noch zu einer Offenheit, mit der er sich nicht wohl fühlt.

  5. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Oktavian 18.10.20 - 13:00

    > Wenn ein 13-jähriger ein Bild von seinem Penis verschickt, dann ist das
    > eben keine Verbreitung von Kinder-Pornographie und wer das bekommt, sollte
    > sich auch nicht automatisch strafbar machen.

    Tut er auch nicht. So simpel ist das Strafrecht zum Glück nicht.

    Der Empfänger des Bildes mag zwar den objektiven Tatbestand von StGB §184b erfüllen, nicht aber den subjektiven Tatbestand. Er konnte ja nicht einmal verhindern, in den Besitz des Bildes zu kommen. Wenn er sich dieses Bildes dann entledigt, ist die ganze Situation nicht strafbar.

    Das auseinanderzulegen ist Gegenstand der Einführung ins Strafrecht, 1. Semester. Stichwörter sind hier "Objektiver Tatbestand" und "Subjektiver Tatbestand". Es ist geradezu ein Musterbeispiel dafür weil so schön eindeutig.

    > Da muss man doch differenzieren! Wir können Kinder und Jugendliche doch
    > nicht kriminalisieren, bloß weil sie mit Gleichaltrigen Nacktfotos
    > tauschen.

    Tun wir auch nicht. Zumindest nicht, solange sie die eigenen Nacktfotos tauschen. Wenn aber solche Fotos dann weitergeleitet werden, dann sind wir sehr schnell im Strafrecht.

    > Außerdem sollte sich kein Jugendlicher schämen müssen,

    Müssen muss das auch niemand. Scham ist ein Gefühl, dass in einem selber entsteht. Und Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung (um nichts anderes handelt es sich hier) ist eben besonders in diesem relevanten Alter starkt schambehaftet.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 18.10.20 13:03 durch Oktavian.

  6. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Sukram71 18.10.20 - 13:18

    > >... sollte sich auch nicht automatisch strafbar machen.
    > Tut er auch nicht. So simpel ist das Strafrecht zum Glück nicht.

    Offenbar werden aber wohl Ermittlungen, Beschlagnahmungen, Strafverfahren und evtl sogar Hausdurchsuchungen durchgeführt, bevor die Staatsanwaltschaft oder ein Gericht die Sache dann nach Monaten nicht mehr weiterverfolgt oder gegen Sozialstunden einstellt. Das alleine ist doch schlimm genug. Ab 14 ist man strafmündig.

    Ohne Problem gäbe es den ganzen Golem-Artikel nicht. Der Titel lautet:
    LKA Bayern: Immer mehr Jugendliche *tatverdächtig* wegen Kinderpornografie

    Die 7 bis 11 jährigen Kinder unserer Freunde veröffentlichen zur Zeit praktisch täglich ein neues Tiktok-Video. Es wäre wohl ziemlich naiv anzunehmen, dass die keine Videos mehr machen, wenn die anfangen ihre Sexualität entdecken.

    Wenn das jemand findet oder die das versenden, kommt Post von der Staatsanwaltschaft in dem Jugendliche als "Tatverdächtige" geführt werden, nur weil sie machen, was sie schon immer tun und die Erwachsenen auch. Das kann nicht richtig sein.

    Und vielleicht hilft es den Opfern von unfreiwillig oder versehentlich veröffentlichter Nacktheit und Sex, wenn man die ganze Sache weniger tabuisiert und offener damit umgeht. Weil verhindern lässt sich das kaum, also muss man damit möglichst positiv umgehen.



    6 mal bearbeitet, zuletzt am 18.10.20 13:38 durch Sukram71.

  7. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Oktavian 18.10.20 - 13:46

    > Offenbar werden aber wohl Ermittlungen, Beschlagnahmungen, Strafverfahren
    > und evtl sogar Hausdurchsuchungen durchgeführt, bevor die
    > Staatsanwaltschaft oder ein Gericht die Sache dann nach Monaten nicht mehr
    > weiterverfolgt oder gegen Sozialstunden einstellt. Das alleine ist doch
    > schlimm genug. Ab 14 ist man strafmündig.

    Bei dem, der die Tat subjektiv und objektiv begangen hat, kann das durchaus passieren. Ermittlungen, Durchsuchungen und ggf. auch Beschlagnahmung von Beweismitteln mögen natürlich unangenehm sein, aber dazu muss schon etwas passiert sein. Der einfache Zuruf einer 13jährigen, die behauptet, jemand habe ein Nackbild von ihr, dass sie ihm selbst geschickt hat, reicht allenfalls für den Anruf des Staatsanwalts, man möge das besagte Bild doch bitte löschen. Er wird einem dann noch freundlich die rechtliche Situation erklären, dass man sich bislang nicht strafbar gemacht hat, aber wenn man das Bild behält sehr wohl.

    > Ohne Problem gäbe es den ganzen Golem-Artikel nicht. Der Titel lautet:
    > LKA Bayern: Immer mehr Jugendliche *tatverdächtig* wegen Kinderpornografie

    Hier geht es aber meist um etwas ganz anderes. Das Spiel läuft in der Regel so:

    A hat B ein paar explizite Bilder von sich geschickt, um zu beeindrucken, provozieren, als Liebesbeweis, was auch immer. Soweit, so legal. Nun ist B aber nicht beeindruckt und leitet die Bilder an die Klassengruppe weiter. Und genau jetzt wird es illegal, das hätte er nicht tun dürfen. Und auch die anderen in der Klasse machen sich strafbar, sollten sie das Bild behalten oder ihrerseits weiterleiten.

    Was passiert nun in der Praxis? Nein, es rücken keine Rollkommandos um 5 in der Frühe an. Die Beweislage ist ja eindeutig, A oder ihre Freundinnen sind ja auch im Klassenchat.

    B bekommt eine Vorladung zur Staatsanwaltschaft, darf sein Handy mitbringen, das wird als Beweis und als Tatwerkzeug eingezogen. Sollte er sich weigern, steht tatsächlich die Polizei vor der Türe.

    Der Rest der Klassengemeinschaft sowie deren Eltern bekommen einen Brief vom Staatsanwalt, in dem sie alle aufgefordert werden, im Beisein eines Vertrauenslehrers das Foto zu löschen bzw. den Chat zu zeigen, aus dem sie das Foto schon gelöscht haben. Es wird auf die rechtlichen Folgen hingewiesen, falls man das nicht tut, Kopien aufbewahrt, etc.
    Das Verfahren gegen B endet mit einem Strafbefehl, meist einige Sozialstunden, das Handy bleibt als Tatwerkzeug eingezogen.

    > Wenn das jemand findet oder die das versenden, kommt Post von der
    > Staatsanwaltschaft in dem Jugendliche als "Tatverdächtige" geführt werden,
    > nur weil sie machen, was sie schon immer tun und die Erwachsenen auch. Das
    > kann nicht richtig sein.

    Zumindest ab 14 ist das alles vollkommen legal, solange mit den Fotos nur das geschieht, was die Abgebildeten beabsichtigen. Nicht das Machen oder Verschicken ist strafbar, nicht das Besitzen, solange die abgebildete Person einverstanden ist damit.

  8. Re: Die Gesetze sind zu undifferenziert!

    Autor: Test_The_Rest 19.10.20 - 07:09

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Zumindest ab 14 ist das alles vollkommen legal, solange mit den Fotos nur
    > das geschieht, was die Abgebildeten beabsichtigen. Nicht das Machen oder
    > Verschicken ist strafbar, nicht das Besitzen, solange die abgebildete
    > Person einverstanden ist damit.

    Das können die Abgebildeten aber ab dem Zeitpunkt nicht mehr beeinflussen, ab dem die Bilder/Videos auf TikTok (oder wo auch immer) landen!

    Sobald diese Bilder in der Öffentlichkeit landen, ist es vorbei mit Selbstbestimmung!

    Aber genau das wird oft nicht verstanden!

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