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Abmahngebühren an die Staatskasse

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  1. Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: weberjn 01.12.15 - 10:36

    Es müßte einfach so sein, daß ein Abmahnender keinerlei finanzielle Entschädigung erhält, sondern daß der Abgemahnte immer an die Staatskasse zahlen muß. Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden, aber es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.

  2. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: lear 01.12.15 - 10:43

    bei abmahnungen geht es (ursprünglich) dediziert nicht um "strafe", sondern im gegenteil um vermeidung von jeglichen jur. auseinandersetzungen. der abmahnende darf eine aufwandskostenentschädigung verlangen, weil ihm durch die gütliche behebung seines schadens kein zusätzlicher schaden entstehen soll. mehr nicht.

    offensichtlich ist die pervertierung des systems durch die geschäftstüchtige tätigkeit einiger winkeladvokaten allerdings bereits als privates sanktionierungsmittel in den köpfen verankert. armes schland :-(

  3. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: elf 01.12.15 - 10:45

    weberjn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es müßte einfach so sein, daß ein Abmahnender keinerlei finanzielle
    > Entschädigung erhält, sondern daß der Abgemahnte immer an die Staatskasse
    > zahlen muß. Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden, aber
    > es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.

    Profitiert der Abmahnende überhaupt? (offiziell)
    Der Anwalt will jedenfalls auch bezahlt werden, warum sollte das der Abmahnende tun. Die Alternative wäre in dem Fall dann gleich ein wesentlich teurerer Gerichtsprozess.
    Das Abmahnwesen muss aber trotzdem überarbeitet werden.

  4. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: sio1Thoo 01.12.15 - 10:52

    weberjn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden, aber
    > es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.

    Der Staat würde davon Nutzen ziehen - und wer garantiert, daß eben dieser das nicht auch als zusätzliche Einnahmequelle missbrauchen würde? Sowas kennt man ja zB von Radarfallen an den unmöglichsten Stellen. Abzocke bleibt Abzocke, auch - oder gerade - wenn sie von staatlicher Seite kommt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.12.15 10:57 durch sio1Thoo.

  5. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Quantium40 01.12.15 - 10:57

    elf schrieb:
    > Profitiert der Abmahnende überhaupt? (offiziell)
    Offiziell darf er dies nicht. Inoffiziell sind die Abmahnenden entweder direkt an den Einnahmen beteiligt oder aber sogar nur virtuelle Mitwettbewerber, die von den Anwälten als Strohmänner vorgeschoben werden.

    > Der Anwalt will jedenfalls auch bezahlt werden, warum sollte das der
    > Abmahnende tun. Die Alternative wäre in dem Fall dann gleich ein wesentlich
    > teurerer Gerichtsprozess.
    Bei den typischen Streitsummen bei Abmahnungen wird ein Gerichtsprozess oft schon deshalb billiger, weil das Gericht die Streitsumme auf einen realistischen Wert reduziert.

    > Das Abmahnwesen muss aber trotzdem überarbeitet werden.
    Das wird wohl kaum passieren. Immerhin sind die Anwälte im Bundestag weit überproportional vertreten.

  6. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Andre S 01.12.15 - 10:58

    elf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > weberjn schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > Profitiert der Abmahnende überhaupt? (offiziell)

    Hey mein Freund wir kennen uns schon so lange und du bist doch Anwalt...

    ich habe hier 200 Fälle die du per Kettenbrief abmahnen kannst. Machen wir 50:50 und ich geb dir die Adressen und Fälle, wenn nicht geh ich zu nem anderen Anwalt, es gibt genug und ich finde einen der mitmacht.

    Was meinst du wohl werden die meisten machen...? Moral Vs. Geld und so...

  7. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Mopsmelder500 01.12.15 - 11:05

    Gibt doch sogar eine Webseite für Strohmänner http://www.strohmaenner.de/ da kann sich der arme Anwalt einen raussuchen

  8. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: baltasaronmeth 01.12.15 - 11:20

    Das ist einfach kranke Scheiße, wie weit man um die Ecke denken muss, um zu verstehen, wie das jemandem als richtig oder rechtens eingehen könnte. Im Prinzip handelt es sich um gewerbsmäßige Erpressung, du zahlst mir einen Betrag und ich zeige dich nicht an, sondern weise dich auf deinen Fehler hin. Der Grundgedanke ein guter, Händler müssen sich nicht ständig bei Verstößen vor Gericht in die Pfanne hauen, also mahnt man erstmal freundlich ab. Warum halte ich es für Erpressung? Da es sich im Prinzip um eine Dienstleistung handelt - ich beauftrage einen Anwalt, dem Konkurrenten seinen Rechtsbruch aufzuzeigen und stelle ihm das in Rechnung - wird der abgemahnte Arbeit bezahlen, die er nicht in Auftrag gegeben hat. Der Konkurrent lässt sich also seine eigenen Interessen vom Abgemahnten bezahlen, und weil Anwälte generell einen riesen Haufen Geld für alles wollen, hat man also Kosten, deren Höhe und Ursprung sich zu keinem Zeitpunkt kalkulieren lassen. Die Anwälte verdienen so oder so, ob ich jetzt viel Geld für eine Rechtsberatung hinlege, auf die ich den Anwalt zur Not dann teilweise nicht einmal verklagen kann, weil ich im Prinzip einen Anwalt bräuchte um mit meinem Anwalt Geschäfte zu machen, oder ob ich Abmahnungen bezahle oder die Strafe vor Gericht plus Verfahrenskosten.

  9. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Emulex 01.12.15 - 11:58

    weberjn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es müßte einfach so sein, daß ein Abmahnender keinerlei finanzielle
    > Entschädigung erhält, sondern daß der Abgemahnte immer an die Staatskasse
    > zahlen muß. Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden, aber
    > es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.

    Ich seh das eigentlich ähnlich und würde Anwälte bei der Sache generell aussen vor lassen.
    Wieso kann man derartige "Verstöße" nicht einfach einer Gewerbeaufsicht melden, die prüft das und schickt nen Strafbescheid um kostendeckend zu arbeiten.

    Ich bin nun wahrlich kein Fan von Bürokratie, aber der Missbrauch ist unübersehbar.

  10. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: nille02 01.12.15 - 12:07

    sio1Thoo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sowas kennt man ja zB von Radarfallen an den unmöglichsten Stellen.

    Das sind inzwischen meist private Firmen die die Aufstellen. Diese Radaranlagen bekommen inzwischen auch immer aufwendigere Tarnungen.

  11. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: theonlyone 01.12.15 - 12:47

    Emulex schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > weberjn schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Es müßte einfach so sein, daß ein Abmahnender keinerlei finanzielle
    > > Entschädigung erhält, sondern daß der Abgemahnte immer an die
    > Staatskasse
    > > zahlen muß. Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden,
    > aber
    > > es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.
    >
    > Ich seh das eigentlich ähnlich und würde Anwälte bei der Sache generell
    > aussen vor lassen.
    > Wieso kann man derartige "Verstöße" nicht einfach einer Gewerbeaufsicht
    > melden, die prüft das und schickt nen Strafbescheid um kostendeckend zu
    > arbeiten.
    >
    > Ich bin nun wahrlich kein Fan von Bürokratie, aber der Missbrauch ist
    > unübersehbar.

    Der Großteil der Politiker ist Jurist und die werden ihrer Branche nicht in Fleisch schneiden und Gesetze machen die im Zweifel ihr eigenes Einkommen berühren, oder "Bekannte" von ihnen.

    Den viele Politiker gehen ja nach ihrer einmaligen Amtszeit auch wieder in den Beruf (oder machen das nebenbei auch als Politiker).

  12. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Ben Stan 01.12.15 - 12:55

    Emulex schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich seh das eigentlich ähnlich und würde Anwälte bei der Sache generell
    > aussen vor lassen.
    > Wieso kann man derartige "Verstöße" nicht einfach einer Gewerbeaufsicht
    > melden, die prüft das und schickt nen Strafbescheid um kostendeckend zu
    > arbeiten.
    >
    > Ich bin nun wahrlich kein Fan von Bürokratie, aber der Missbrauch ist
    > unübersehbar.

    So sollte es sein.

    Das Knöllchen für's Falschparken kommt auch nicht von Privaten / Händlern oder Anwälten.
    So sollte es auch beim Handel sein.

  13. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: sio1Thoo 01.12.15 - 13:22

    nille02 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > sio1Thoo schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Sowas kennt man ja zB von Radarfallen an den unmöglichsten Stellen.
    >
    > Das sind inzwischen meist private Firmen die die Aufstellen.

    Die machen das aber nicht von sich aus, sondern handeln im Auftrag des Staates. Außerdem fließen Bußgelder von geblitzten Rasern in die Staatskasse und nicht an diese Privatfirmen.

    > Diese Radaranlagen bekommen inzwischen auch immer aufwendigere Tarnungen.

    Was wiederum nur ein weiteres Indiz dafür ist, daß es bei diesen Anlagen in erster Linie um Geldmacherei und nicht um Sicherheit im Straßenverkehr geht. Wollte man Autofahrer dazu animieren an gefährlichen Stellen langsamer zu fahren, wären Radaranlagen gut sichtbar aufgestellt - am besten noch mit Hinweisschild davor.

    Auch wenn ich jetzt nicht so weit gehen würde, moralische Verkommenheit als typisch deutsche Tugend zu bezeichnen, so ist es doch schon auffällig, wie hier bestehende Gesetze zum eigenen Vorteil missbraucht werden, nur weil man es kann und rechtlich auf der sicheren Seite ist.

  14. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: elf 01.12.15 - 13:36

    sio1Thoo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was wiederum nur ein weiteres Indiz dafür ist, daß es bei diesen Anlagen in
    > erster Linie um Geldmacherei und nicht um Sicherheit im Straßenverkehr
    > geht. Wollte man Autofahrer dazu animieren an gefährlichen Stellen
    > langsamer zu fahren, wären Radaranlagen gut sichtbar aufgestellt - am

    Sowas steht doch oft genug rum: "Sie fahren ... km/h :-) / :-("

    > besten noch mit Hinweisschild davor.

    Auch sowas steht schwarz auf weiß, sogar mit rotem Zierrahmen IMMER davor, nennt sich "Geschwindigkeitbegrenzung" :-)

  15. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: tingelchen 01.12.15 - 17:19

    > Sowas steht doch oft genug rum: "Sie fahren ... km/h :-) / :-("
    >
    Warnt nicht vor einem Blitzer.

    > > besten noch mit Hinweisschild davor.
    >
    > Auch sowas steht schwarz auf weiß, sogar mit rotem Zierrahmen IMMER davor,
    > nennt sich "Geschwindigkeitbegrenzung" :-)
    >
    Warnt nicht vor einem Blitzer.

  16. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: tingelchen 01.12.15 - 17:23

    > > Diese Radaranlagen bekommen inzwischen auch immer aufwendigere
    > Tarnungen.
    >
    > Was wiederum nur ein weiteres Indiz dafür ist, daß es bei diesen Anlagen in
    > erster Linie um Geldmacherei und nicht um Sicherheit im Straßenverkehr
    > geht. Wollte man Autofahrer dazu animieren an gefährlichen Stellen
    > langsamer zu fahren, wären Radaranlagen gut sichtbar aufgestellt - am
    > besten noch mit Hinweisschild davor.
    >
    Das geht doch nicht. Der Autofahrer soll sich doch erschrecken und im Idealfall einen Unfall produzieren. Denn dann kann man nachträglich nicht nur das Ticket verschicken, sondern auch noch mit dem Finger zeigen und "da, seht ihrs? Wir haben recht!" sagen.

    > Auch wenn ich jetzt nicht so weit gehen würde, moralische Verkommenheit als
    > typisch deutsche Tugend zu bezeichnen, so ist es doch schon auffällig, wie
    > hier bestehende Gesetze zum eigenen Vorteil missbraucht werden, nur weil
    > man es kann und rechtlich auf der sicheren Seite ist.
    >
    Das ist keine dt. Tugend. Es ist Welt Kulturerbe ;)

  17. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: elf 01.12.15 - 17:24

    tingelchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Auch sowas steht schwarz auf weiß, sogar mit rotem Zierrahmen IMMER davor,
    > > nennt sich "Geschwindigkeitbegrenzung" :-)
    > >
    > Warnt nicht vor einem Blitzer.

    Du meinst es anders herum: Nicht hinter jedem Geschwindigkeitsbegrenzungsschild steht ein Blitzer.

    Was soll auch der Blödsinn, mehrfach Warnungen auszugeben? Soll man dir auch noch per Eilbrief schriftlich mitteilen, wenn eine Radarfalle aufgestellt wird?

  18. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: tingelchen 01.12.15 - 17:39

    Der Blitzer soll für mehr Sicherheit sorgen. Und nicht zur Verkehrsgefahr werden. Immer mehr Menschen achten mittlerweile verstärkt auf ihren Tacho, statt auf den Verkehr. Das ist ein Seiteneffekt des Lernprozesses.

    Ein weiterer Seiteneffekt ist, das die Menschen bei bekannten stellen vermehrt auf die geparkten Fahrzeuge achten um den Blitzer zu erkennen, bevor man an ihm vorbeifährt.

    Nicht zu Letzt. Was ist die erste Reaktion darauf wenn man geschnallt hat, das man gerade geblitzt wurde? Wenn man ehrlich ist, ist es der Blick auf den Tacho um zu ermitteln, wie schnell man gefahren ist. In dem Moment spielt der voraus fahrende Verkehr keine Rolle.

    Bei festen Blitzern führt dieser im übrigen immer wieder zu Staus. Da alle an dieser Stelle langsamer fahren als sie dürften. Kennt man die Stelle nicht, ist es für einen völlig unersichtlich warum auf einmal alle bremsen. Unerwartete Situationen sind immer eine Gefahrensituation.


    Das ist die Kehrseite der Medaille.

  19. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Mumu 01.12.15 - 18:24

    Volle Zustimmung. Blitzer sind zum großen Teil eine Gefahr und Behinderung für den Verkehr und natürlich willkürliche Abzocke. Ich habe auch schon diesen gefährlichen Reflex abrupt auf die Bremse zu gehen. Auf meine Frage ob es hier eine Gefahrenstelle gäbe und deswegen geblitzt wird antworten die grünen Jungs oft mit einem frechen Ja und natürlich ist die Straße breit, kerzengerade und führt durch ein Gewerbegebiet.


    tingelchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Blitzer soll für mehr Sicherheit sorgen. Und nicht zur Verkehrsgefahr
    > werden. Immer mehr Menschen achten mittlerweile verstärkt auf ihren Tacho,
    > statt auf den Verkehr. Das ist ein Seiteneffekt des Lernprozesses.
    >
    > Ein weiterer Seiteneffekt ist, das die Menschen bei bekannten stellen
    > vermehrt auf die geparkten Fahrzeuge achten um den Blitzer zu erkennen,
    > bevor man an ihm vorbeifährt.
    >
    > Nicht zu Letzt. Was ist die erste Reaktion darauf wenn man geschnallt hat,
    > das man gerade geblitzt wurde? Wenn man ehrlich ist, ist es der Blick auf
    > den Tacho um zu ermitteln, wie schnell man gefahren ist. In dem Moment
    > spielt der voraus fahrende Verkehr keine Rolle.
    >
    > Bei festen Blitzern führt dieser im übrigen immer wieder zu Staus. Da alle
    > an dieser Stelle langsamer fahren als sie dürften. Kennt man die Stelle
    > nicht, ist es für einen völlig unersichtlich warum auf einmal alle bremsen.
    > Unerwartete Situationen sind immer eine Gefahrensituation.
    >
    > Das ist die Kehrseite der Medaille.

  20. Re: Abmahngebühren an die Staatskasse

    Autor: Sammie 02.12.15 - 02:48

    weberjn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es müßte einfach so sein, daß ein Abmahnender keinerlei finanzielle
    > Entschädigung erhält, sondern daß der Abgemahnte immer an die Staatskasse
    > zahlen muß. Damit würde ein Fehlverhalten immer noch bestraft werden, aber
    > es gibt keinen, der davon Nutzen zieht.

    Oder das Abmahnwesen müsste generell ablaufen wie in den meisten anderen Ländern der Eurozone. Da gilt oft die Regel, dass der Abmahner die Anwaltskosten für die erste Abmahnung selbst übernehmen muss, wenn er dafür einen Anwalt in Anspruch nimmt. Bis auf Deutschland und Österreich wird das in den meisten Ländern so gehandhabt - selbst in der Schweiz. Hat den einfachen Grund: man braucht für eine Abmahnung keinen Anwalt. Abmahnen kann man laut Gesetz jederzeit auch ohne Anwalt, um den Beklagten auf seinen Fehler hinzuweisen - auch hierzulande. Und um mehr als die Aufforderung zur Beseitigung eines vermeindlichen Rechtsverstoßes sollte es auch nicht gehen.

    Das wär dann ähnlich wie beim Makler-Prinzip. Wer die Dienste eines Anwalts für eine Abmahnung in Anspruch nimmt, der zahlt auch dafür und kann die Anwaltskosten nicht abwälzen. Die Gegenseite hat dann die Möglichkeit den vermeindlichen Rechtsverstoß zu beseitigen oder selbst dagegen vorzugehen. Und schon wär das Problem gelöst.

    Die erste Abmahnung sollte daher immer erstmal eine reine Unterlassungsaufforderung darstellen und keine Kostennote enthalten dürfen - d.h. weder Anwaltskosten noch Schadensersatzforderungen oder ähnliches. Erst wenn auf diese erste Abmahnung innerhalb einer gewissen Frist dann keine Reaktion, Unterlassung und/oder Beseitigung erfolgt, hat der Abmahner das Recht via Anwalt weiter vorzugehen und die Anwaltkosten auch auf den Beklagten zu übertragen.

    Da die Abgabe einer Unterlassungserklärung dann auch unter Umständen eine Art Schuldeingeständnis darstellt, hätte der Abmahner dann zusätzlich die Möglichkeit vor Gericht einen Schadensersatz einzufordern. Aber damit käme er bestenfalls 1-2x durch und nicht 200fach wie in diesem Beispiel. Die Abzockmasche funktioniert ja nur, weil die Beklagten auch nie vor Gericht gehen wollen, um noch deutliche höhere Kostenzu vermeiden. Das wissen die Abmahner ja auch.

    So würde vermieden werden, dass Abmahner und Anwalt gemeinsame Sache machen und sich die (außergerichten) Einnahmen teilen. Wenn für den Anwalt nämlich nichts mehr rausspringt, funktioniert die Abzockmasche schon nicht mehr, denn die beruht meist auf Einschüchterung. Von einer gemeinsamen Sache kann man nahezu immer ausgehen, wenn solche Sachen im Kettenbriefverfahren für einen Mandaten rausgehen, anstatt nur gezielt einen bestimmten Mitbewerber. Davon wissen die einzelnen Beklagten aber leider selten was. Wenns rauskommt, wirds vom Gericht dann auch in aller Regel als Abzockmasche anerkannt. Wenn Geldforderungen dann aber ausschließlich übers Gericht laufen könnten, hätte man dem Ganzen schon einen Riegel vorgeschoben.

    Aber da wir von der CDU regiert werden, wo ein Großteil der Politiker selbst Anwalt ist, pisst man sich natürlich nicht selbst ans Bein und behält das Kostenabwälzungsprinzip für die erste Abmahnung auch weiterhin bei. So verdienen sowohl die Anwälte als auch der Staat kräftig mit. Die Einnahmen will man sich ja nicht entgehen lassen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 02.12.15 02:50 durch Sammie.

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