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Armseliges Politikverständnis

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  1. Armseliges Politikverständnis

    Autor: DieterVonNebenan 28.08.09 - 10:13

    Eigentlich freue ich mich über jede neue Parteigründung, über jede politische Initiative und über jedes neue Gesicht. Denn ich glaube je mehr Stimmen gehört werden und mitreden wollen und können, desto ausgewogener werden Entscheidungen. Demgemäß auch nett, dass es die Piratenpartei in Deutschland gibt.

    Aber letztlich ist es doch eine Ein-Programmpartei (wie Pro-DM oder die Panther) mit einem menschenverachtenden Programm.
    Damit meine ich nicht, dass sie sich gegen "Internetzensur" ausspricht und die Grundrechte als Deckmantel für den Schutz von Kindesmißbrauch nutzen würde. Ich unterstelle ihnen dort schon ein ernsthaftes Interesse.

    Doch "[w]o die anderen Parteien Wertvorstellungen betonen, schlagen die Piraten eher vor, empirische Untersuchungen durchzuführen und basierend auf den so gewonnenen Erkenntnissen zu handeln."
    Es kann ja durchaus sein, dass ich ein etwas antiquiertes Politikverständnis habe, aber verdanken wir sogenannten empirischen Erkenntnissen nicht die Hartz-Gesetze, die (abgesehen von der sinnvollen Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe) die Gerichte mit Klagen Überschwemmen, weil sie als willkürlich empfunden werden und sich mit dem Gerechtigkeitsempfinden der Bürger nicht decken.
    Oder etwa den forcierten Rückzug des Staates aus seinen elementaren Ordnungsfunktionen.

    Menschen gehen doch nicht wählen, weil sie verwaltet werden wollen - das können spezialisierte Bürokraten sowieso besser als gewählte Vertreter. Wir gehen doch wählen, weil wir im Zuge der Arbeitsteilung einen verantwortungsbewussten Umgang in gesellschaftlichen Entscheidungen wünschen.
    Die Verlagerung der Verantwortung auf Experten, auf Kommissionen, Gesetzes-Tüv, Europäischer Grundrechtsagentur oder in Verwaltung ist blanker Hohn und schlägt uns immer wieder mit Redewendungen entgegen, die auf den "Sachzwang" rekurieren.

    In einem demokratischen Staat zudem das Gespenst des "Überwachungsstaat" zu gebrauchen, um im eigenen Sinne Stimmung zu generieren halte ich für beschämend. Klar nimmt das Maß an Überwachung zu, doch es ist eben auch eine (wenn auch vollkommen überzogene) Reaktion auf die schwierige Situation, dass man innergesellschaftlichem Gefahrenpotential (hier tendieren Experten zu weiterem Ausbau, denn weniger) rechtzeitig beikommen möchte.
    Doch neben dem demokratischen Aufbau von Überwachung ist eben auch der demokratische Abbau von Überwachung möglich. Auch wenn bisher die Gesetze nicht konkrete Zeitrahmen vorgeben, lassen sich mit anderen Mehrheiten oder verändertem Zeitgeist unliebsame Dinge wieder einkassieren.
    Hinzu kommt ein Paradox: Man beschwert sich, dass der Staat sein Datenreservoir aufstockt, doch verschenkt sie im Gegenzug an Unternehmen, die bereitwillig damit handeln und immer weiter miteinander vermischen. Mir persönlich ist der Staat da lieber, denn er unterliegt im Gegensatz zu jedem Unternehmen einem Rechtfertigungszwang.
    Zudem bewegen sich die Piraten in einem Widerspruch: Wie sollen Experten Schlüsse ziehen oder Entscheidungen treffen, wenn ihnen ein veralteter Datensatz zur Verfügung steht, der die Realitäten nicht mehr abbildet?

    Von einem pubertierenden Verein kann man wohl auch nichts anderes erwarten. Wer seine Koalitionsaussagen so willkürlich handhabt, dass ihm das Gemeinwesen schnurz ist, der bewegt sich auf dem gleichen Niveau wie die Lobbyisten, die man so gerne Eindämmen würde.
    Man muss sicher nicht zu jedem Thema eine Lösung haben, aber es gibt gesellschaftlich relevante Fragen, von denen ich als Wähler erwarte, dass damit verantwortungsbewusst umgegangen wird. Das ist bei den Piraten nicht gegeben.

    Kurz: Sie sind menschenverachtend, weil sie das Gemeinwesen als Verhandlungsmasse betrachten und nicht als das, was es ist: Die Summe unseres öffentlichen Lebensbereiches.

    [x] Ich bin männlich.
    [x] Ich gehe wählen, aber sicher nicht die Piraten.

    [x] Ich bin in keiner Partei aktiv.
    [x] Ich überlege in eine Partei einzutreten.
    [x] Volksparteien sind mir suspekt.

    [x] Die JUSOS wollen mich nicht ;-)

  2. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: Mee 28.08.09 - 23:06

    > Aber letztlich ist es doch eine Ein-Programmpartei (wie Pro-DM oder die
    > Panther) mit einem menschenverachtenden Programm.
    > Damit meine ich nicht, dass sie sich gegen "Internetzensur" ausspricht und
    > die Grundrechte als Deckmantel für den Schutz von Kindesmißbrauch nutzen
    > würde. Ich unterstelle ihnen dort schon ein ernsthaftes Interesse.

    Du findest es also menschenverachtend, für Bürgerrechte einzustehen und gegen teure, sinnlose Überwachung der Bundesbürger, die damit jeden (inclusive dich) unter Generalverdacht stellt, ein Terrorist zu sein? Unschuldsvermutung ade.

    Frage, findest du es vllt weniger menschenverachtend, wenn eine ungewählte Institution (die EU-Kommission) im Alleingang Gesetze macht, die Nato verwaltet und die Richter im EU-Gerichtshof einsetzt (Legislative, Judikative und Exekutive gebündelt in einer Institution) und Demonstranten erschossen werden dürfen?

    Das sind einige Inhalte vom Vetrag von Lissabon. Frau Merkel befürwortet diesen Vertrag und CDU, CSU, SPD, FDP und die Grünen sind FÜR diesen Vertrag.

    > In einem demokratischen Staat zudem das Gespenst des "Überwachungsstaat"
    > zu gebrauchen, um im eigenen Sinne Stimmung zu generieren halte ich für
    > beschämend.

    Ausnahmslos jeden Bürger einfach mal unter Generalverdacht zu stellen, das finde ich beschämend.

    In einer Demokratie finde ICH es beschämend, wenn
    - die Versammlungsfreiheit beschnitten wird
    (vergl. Grundgesetz Artikel 8 gegenüber "verschäftes Versammlungsgesetz")

    - das Internet zensiert wird (vergl. Grundgesetz Art. 5)
    In anderen EU-Ländern wurden neben KiPo auch Zensurkritische Seiten und politische Gegner geblockt. Ein Land hat aufgrund von Ineffektivität die Zensur bereits wieder abgeschafft.

    - einem Vertrag zugestimmt wird, der die Todesstrafe im Kriegsfall und ohne richterliches Urteil scharf schießen im Fall von Aufruhr ermöglicht (Vertrag von Lissabon)
    - einem Vertrag zugestimmt wird, der eine nicht gewählte Instituation (EU-Kommission) mit der Macht ausstattet neben Legislative und Judikative auch noch die Exekutive auszuführen (Vertrag von Lissabon)

    > Hinzu kommt ein Paradox: Man beschwert sich, dass der Staat sein
    > Datenreservoir aufstockt, doch verschenkt sie im Gegenzug an Unternehmen,
    > die bereitwillig damit handeln und immer weiter miteinander vermischen.

    Wenn ich freiwillig Daten hergebe, bestimme ich wem ich mich anvertraue und was genau ich ihm gebe.

    Mir
    > persönlich ist der Staat da lieber, denn er unterliegt im Gegensatz zu
    > jedem Unternehmen einem Rechtfertigungszwang.

    Theoretisch ja, praktisch nein. Und im Gegensatz zur freiwilligen Herausgabe kann ich nicht mal prüfen, was genau die alles anschauen ... vllt die Urlaubsfotos, vllt Auftragsarbeiten für Unternehmen, welche einem Industriespion viel geld bringen könnten, wenn er sie klaut ...

    > Zudem bewegen sich die Piraten in einem Widerspruch: Wie sollen Experten
    > Schlüsse ziehen oder Entscheidungen treffen, wenn ihnen ein veralteter
    > Datensatz zur Verfügung steht, der die Realitäten nicht mehr abbildet?

    Hast du schon mal was von cc gehört?
    http://www.youtube.com/watch?v=AYM-_qfytfA

    > Von einem pubertierenden Verein kann man wohl auch nichts anderes erwarten.

    Erst informieren, dann reden ... geh einmal auf einen Piratenstammtisch und rede mit den Leuten, danach kannst du dir auch ein Urteil bilden, wer hier rumpubertiert und wer nicht.

    > Kurz: Sie sind menschenverachtend, weil sie das Gemeinwesen als
    > Verhandlungsmasse betrachten und nicht als das, was es ist: Die Summe
    > unseres öffentlichen Lebensbereiches.

    HaHaHa ... und du glaubst eine CDU, die die Todesstrafe befürwortet und einer EU-Kommssion (die vom EU-Parlament und großen Wirtschaftskonzernen ausgehandelt wurde) die volle Macht gewährt, sei nicht menschenverachtend?

    > Ich bin männlich.
    > Ich gehe wählen, aber sicher nicht die Piraten.

    Ich bin weiblich.
    Ich geh wählen und zwar die einzige Partei, die unser Grundgesetz schützt. ;)

  3. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: DieterRücktNäher 31.08.09 - 16:58

    Mee schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Du findest es also menschenverachtend, für Bürgerrechte einzustehen und gegen teure, sinnlose Überwachung der Bundesbürger, die damit jeden
    (inclusive dich) unter Generalverdacht stellt, ein Terrorist zu sein?

    Nein, ich finde es nicht menschenverachtend, für Bürgerrechte einzustehen. Allerdings stellt sich grundsätzlich die Frage, ob das die Piraten überhaupt tun.
    Nur weil man gegen Überwachung ist, hat man sich noch für kein Menschenrecht (nichts anderes sind Bürgerrechte) eingesetzt. Zudem könnte man durchaus berechtigt die Frage stellen, ob man damit das elemtarste (Menschen-)Recht verteidigt.

    Am Beispiel der Stoppschilder lässt sich das gut illustrieren. Das erschweren des Zugangs zu Kinderpornographie ist doch wohl kaum Zensur zu nennen, denn immerhin wird doch keine Meinungsäußerung behindert, die den politischen Ausstausch in gewünschte Richtungen lenken soll. Das Stoppschild ist doch mehr so eine Art Artikulation des Geltungsbereiches des Staates, sprich: "Kinderpornographie, auch wenn sie in einem geographisch schwer zu definierenden Raum stattfindet, bleibt eine Straftat". Genauso bleibt auch Volksverhetzung (also der ganze braune Dreck) strafbar - zum Glück.

    Meiner Meinung nach hat man ein ernsthaftes Anliegen, absolut unsensibel angepackt. Aber Zensur ist es schon mal nicht und meine (bzw. deine) Bürgerrechte beschränkt dieses Stoppschild nicht.

    Zur Effizienz möchte ich nur anmerken, dass diese beim besagten Stoppschild eine sekundäre Rolle spielt. Frau von der Leyen hat doch nur damit ein Wahlkampfthema versucht für sich zu nutzen, dabei aber unglücklicherweise in ein Hornissennest gestochen, was so nicht beabsichtigt und sicher nicht zu erwarten war.
    Darübherhinaus ist die Effizienz ein miserabeles Kriterium für den Geltungsbereich eines Menschenrechts. Das ist typisch utilitaristisch verdient es nicht in der Politik ernst genommen zu werden, da es dem Kriterium der Universalisierung nicht genügt.


    > Frage, findest du es vllt weniger menschenverachtend, wenn eine ungewählte Institution (die EU-Kommission) im Alleingang Gesetze macht, die Nato verwaltet und die Richter im EU-Gerichtshof einsetzt (Legislative, Judikative und Exekutive gebündelt in einer Institution) und Demonstranten erschossen werden dürfen?

    Fakt ist: Die EU-Kommission ist genauso demokratisch legitimiert. Nur weil man sie nicht direkt wählen kann, heisst es nicht, dass sie nicht gewählt ist. Frau Merkel wählst du ja auch nicht, sondern der Bundestag, auf dessen Zusammensetzung du Einfluss nehmen kannst.
    Bei dem unterstellten Demokratiedefizit der EU muss ich immer wieder den Kopf schütteln. Niemand kann doch behaupten, dass ein Staatenverbund demokratischen Kriterien "one man, one vote" genügen kann.

    Tipp: Bei der Bundeszentrale für politische Bildung kann man sich kostengünstig mit Material eindecken, um sich grundlegend zu informieren.

    > Das sind einige Inhalte vom Vetrag von Lissabon. Frau Merkel befürwortet diesen Vertrag und CDU, CSU, SPD, FDP und die Grünen sind FÜR diesen Vertrag.

    Dass ist doch auch gutes Recht der Parteien "dafür" zu sein. Allerdings sagt es auch viel über die Kompetenz der derzeitigen Parlamentarier aus, wenn sie mit ihrer Pro-Stimme, ihre eigene schleichende Entmachtung in die Wege leiten. - Aber für solche Schnitzer gibt es doch auch Karlsruhe.

    > Wenn ich freiwillig Daten hergebe, bestimme ich wem ich mich anvertraue und was genau ich ihm gebe.

    Also bisher hätte ich dich politisch eher links eingeschätzt. Das hört sich ja fast liberal an.
    Aber zu bedenken ist: Wie freiwillig gebe ich Daten überhaupt und kann ich deren Verwendung überblicken. Zum Beispiel haben Gewinnspiele ja ellenlang Kleingedrucktes in Bilder verpackt (damit man es nicht lesen kann), da gibt es keine Selbstbestimmung. Das ist Abzocke.


    > > Mir persönlich ist der Staat da lieber, denn er unterliegt im Gegensatz zu jedem Unternehmen einem Rechtfertigungszwang.

    > Theoretisch ja, praktisch nein. Und im Gegensatz zur freiwilligen Herausgabe kann ich nicht mal prüfen, was genau die alles anschauen ... vllt die Urlaubsfotos, vllt Auftragsarbeiten für Unternehmen, welche einem Industriespion viel geld bringen könnten, wenn er sie klaut ...

    Ich glaube Du verwechselst öffentliche und private Interessen (Wirtschaftsspionage).

    > > Zudem bewegen sich die Piraten in einem Widerspruch: Wie sollen Experten Schlüsse ziehen oder Entscheidungen treffen, wenn ihnen ein veralteter Datensatz zur Verfügung steht, der die Realitäten nicht mehr abbildet?

    > Hast du schon mal was von cc gehört?
    > www.youtube.com

    Willst Du mich verarschen? - Dass sind ganz verschiedene Paar Schuhe. Ich rede von Wissenschaft, nicht von Unterhaltung. Und ja ich kenne CC, GPL (nutze selber viele GNU-Programme), OPEN Acces etc.

    > > Von einem pubertierenden Verein kann man wohl auch nichts anderes erwarten.

    > Erst informieren, dann reden ... geh einmal auf einen Piratenstammtisch und rede mit den Leuten, danach kannst du dir auch ein Urteil bilden, wer hier rumpubertiert und wer nicht.

    Auf so einen stümperhaften Versuch der Diskreditierung falle ich nicht herein. Ich bin weitaus informierter als Du. Ein Urteil darf ich mir auch über die Medien bilden, die mit ihren Zitaten wissenschaftliche Kriterien erfüllen müssen (ansonsten könnten betroffene ja klagen). Die PIRATEN glänzen dort nicht mit einer scharfsinnigen Analyse, sondern lächerlichen Vorurteilen.

    > > Kurz: Sie sind menschenverachtend, weil sie das Gemeinwesen als Verhandlungsmasse betrachten und nicht als das, was es ist: Die Summe unseres öffentlichen Lebensbereiches.

    > HaHaHa ... und du glaubst eine CDU, die die Todesstrafe befürwortet und einer EU-Kommssion (die vom EU-Parlament und großen Wirtschaftskonzernen
    ausgehandelt wurde) die volle Macht gewährt, sei nicht menschenverachtend?

    Zunächst einmal ist mir nicht bekannt, dass die CDU die Todesstrafe befürwortet. Hinzu kommt: Selbst wenn es so wäre, ist es irrelevant. Innerhalb der Europäischen Union steht die Todesstrafe unter Ächtung.

    Du hast meine Argumentation nicht annähernd verstanden. Ein wenig Kant lesen bildet.

    > Ich bin weiblich.

    *michhübschmach*

    > Ich geh wählen und zwar die einzige Partei, die unser Grundgesetz schützt. ;)

    Das mach ich lieber selber. Für sowas brauch ich keine Partei, siehe Art. 20 Abs. 4 GG

  4. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: MusicLover XL 02.09.09 - 11:27

    Mag sein, dass Du politisch gebildeter bist als z.B. "Mee", Deine Argumentation ist ja auch einigermaßen schlüssig. Aber eine Interessenvertretung (nennen wir die Piraten mal so) mit explosionsartig zunehmender Mitgliederzahl lächerlich machen zu wollen nur weil sie sich in ihrer Frühphase dicke Schnitzer in der Selbstdarstellung oder Ungereimtheiten und mangelnde Klarheit/Eindeutigkeit ihres Programmes leisten, ist total unfair.

    Ich erinnere an die Grünen: die haben auch angefangen mit "Atomkraft, nein danke!" und hatten zunächst überhaupt kein übergreifendes politisches Programm. Es war nur Ausdruck der Empfindung, dass Umweltschutz wichtig ist und zur Politik werden (sic!) muss. Das Programm und die echte Politik dazu dazu kamen erst viel später.
    Bei den Piraten sehe ich es ähnlich. Zigtausende haben heute ein gleichermaßen undefinierbares wie ungutes Gefühl, dass die altbackene Politik aus dem Realspace wenig Ahnung davon hat, was im Netz passiert. Da werden Entscheidungen übers Knie gebrochen (Stoppschild), die zum großen Teil an den wirklich wichtigen Zielen (Verhinderung der Verbreitung von KiPo) vorbei gehen - und alle großen Volksparteien nicken das ab. Und Dein Hinweis, der Staat müsse halt in dieser "Grauzone" Präsenz zeigen und den Zeigefinger heben... Dem Mann auf der Straße wird suggeriert, es passiert was - und tatsächlich passiert nix. Sorry, aber solch ein hilfloses und Bürger-verarschendes Verhalten, *DAS* ist in meinen Augen armselig.

    Fazit: Scheißegal, dass die Piraten (noch) kein durchgängiges Konzept haben. Es ist die einzige Partei, deren Programm sich mit vielen meiner Interessen als IT-ler und in etlichen Punkten auch als Bürger in Deutschland (z.B. in Sachen Bilung) deckt und die ich gerade im enorm wichtigen Feld der Schnittstelle Mensch/Netz für glaubwürdig und zukunftsorientiert halte.
    CDU, SPD, FDP (die Schlimmsten...) & Co. sind allesamt populistische, verfilzte Altdenker, denen nur noch Wählerstimmen und die eigenen Interessen wichtig sind. Sie ruhen sich auf dem aus, was ihre zum Teil großartigen Vorgänger einst geleistet haben und verwalten den langsamen Niedergang unseres Landes statt aktiv gegen zu steuern.
    Die kann man beim besten Willen nicht (mehr) wählen.

  5. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: erol 02.09.09 - 13:21

    @musiclover xl

    kompliment...du sprichst mir (und sicherlich vielen anderen) sprichwörtlich aus dem mund.

  6. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: Author 02.09.09 - 13:47

    DieterVonNebenan schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In einem demokratischen Staat zudem das Gespenst des "Überwachungsstaat"
    > zu gebrauchen, um im eigenen Sinne Stimmung zu generieren halte ich für
    > beschämend.

    Beschämend finde ich es eher das UnWort "Killerspiele" in seinem Programm aufzunehmen und damit auf Stimmenfang bei den Altgesessenen/ schlecht Informierten zu gehen.

    [x] Ich bin männlich.
    [x] Ich bin Gamer.
    [x] Ich bin IT'ler.

    [x] Ich bin in keiner Partei aktiv.
    [x] Ich überlege sicherlich "nicht" in eine Partei einzutreten.
    [x] Ich bin über 30 Jahre alt und werde dennoch wie ein Mittäter behandelt und beschränkt.
    [x] Ich muß Spiele Importieren anstatt in Deutschland einkaufen zu können, Zensierte Spiele/Filme etc. werden von mir nicht gekauft.

  7. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: DieterIstAnalog 03.09.09 - 08:11

    > Aber eine Interessenvertretung (nennen wir die Piraten mal so) mit explosionsartig zunehmender Mitgliederzahl lächerlich machen zu wollen nur weil sie sich in ihrer Frühphase dicke Schnitzer in der Selbstdarstellung oder Ungereimtheiten und mangelnde Klarheit/Eindeutigkeit ihres Programmes leisten, ist total unfair.

    Ich habe meine Argumentation nicht auf dicke Schnitzer in der Selbstdarstellung oder mangelnde Ungereimtheiten des Programms gestützt, sondern diese nur zum Anlass genommen einmal darüber nachzudenken, was es denn Bedeuten würde, wenn die PIRATEN mit ihrem 'ändern' anfangen.
    So mache ich das mit jeder Partei. Deshalb halte ich es nicht für unfair und zur Politik gehört halt auch der Streit mit dem Gegner (es kann ja nicht immer jeder Recht haben).

    > Ich erinnere an die Grünen: die haben auch angefangen mit "Atomkraft, nein danke!" und hatten zunächst überhaupt kein übergreifendes politisches Programm. Es war nur Ausdruck der Empfindung, dass Umweltschutz wichtig ist und zur Politik werden (sic!) muss. Das Programm und die echte Politik dazu dazu kamen erst viel später.

    Der Vorteil der Grünen war zunächst einmal, dass sie aus einer verhältnismäßig breiten gesellschaftliche Basis stammte (Bürgerrechtler, Umweltaktivisten, Pazifisten, Anti-AKW etc.). Ihr Programm war schon zu Anfang umfangreich und ebenfalls widersprüchlich.
    Ich glaube auch das Widersprüche in allen Programmen zu finden sind - bei der FDP etwa ist das mit dem Steuersenkungsversprechen doch offensichtlich. Allerdings darf man schon darauf hinweisen und eine Antwort erwarten. Nur überall 'Nein' sagen ist mir zu blöd. Ich will ein 'ja' zu den diversen Themen. Politik ist für mich ein Gestaltungsraum und der verlangt positive Antworten.

    > Bei den Piraten sehe ich es ähnlich. Zigtausende haben heute ein gleichermaßen undefinierbares wie ungutes Gefühl, dass die altbackene Politik aus dem Realspace wenig Ahnung davon hat, was im Netz passiert.

    Ich muss ja selber sagen, dass ich nach diesem 'Sprech' definitiv zu den sogenannten Analogen gehöre und damit wohl als politischer Gegner zu betrachten wäre ("Hier ist der Feind!").
    Den Antagonismus von Real- und Cyberspace halte für gelinde gesagt schwachmatig. Das sind doch keine zwei abgeschotteten Lebensbereiche, sondern sie Überschneiden sich an extrem vielen Stellen.

    > Da werden Entscheidungen übers Knie gebrochen (Stoppschild), die zum großen Teil an den wirklich wichtigen Zielen (Verhinderung der Verbreitung von KiPo) vorbei gehen - und alle großen Volksparteien nicken das ab. Und Dein Hinweis, der Staat müsse halt in dieser "Grauzone" Präsenz zeigen und den Zeigefinger heben... Dem Mann auf der Straße wird suggeriert, es passiert was - und tatsächlich passiert nix. Sorry, aber solch ein hilfloses und Bürger-verarschendes Verhalten, *DAS* ist in meinen Augen armselig.

    Ist halt von der Leyens Art Wahlkampf zu führen. Dass ein Stoppschild nicht hilft, weiss ich auch.

    Aber anstatt sich zurückzulegen, zu schmunzeln, dann einen anderen DNS-Server anzuwählen, stilisieren sich die sogenannten Digitalen zu den letzen Freiheitskämpfern auf. Ich kaufe denen das nicht ab und glaube auch das man sich noch nicht genug Gedanken gemacht hat, was man unter Freiheit versteht. - Libertäres Halbwissen ist ja bei den 'Digitalen' so hipp.

    Dass eine selbsternannte Avantgarde zudem in Anspruch nimmt für den "einfachen Mann auf der Straße" zu sprechen, finde ich lächerlich. Würden sie das Wirklich tun, dann würde in Blogs (quasi basisdemokratisch) viel mehr gezeigt werden, wie man effektiv Umgangssperren umgehen kann, Datenspuren verwischt etc.
    Dafür habe ich mich beim CCC informiert. Die anderen 'Digitalen' fanden sowas zu banal.

    Tipp: Es gibt gute Gründe für Zwang. Wie wärs mit Rousseau, der ist unterhaltsam zu lesen und schön kurz - falls die Aufmerksamkeitsspanne nicht reichen sollte.
    Sehr empfehlen kann ich Höffes Politische Gerechtigkeit, weil es einen sehr guten Überblick über die Argumente von Freiheitsbeschränkungen liefert.

    > Fazit: Scheißegal, dass die Piraten (noch) kein durchgängiges Konzept haben. Es ist die einzige Partei, deren Programm sich mit vielen meiner Interessen als IT-ler und in etlichen Punkten auch als Bürger in Deutschland (z.B. in Sachen Bilung) deckt und die ich gerade im enorm wichtigen Feld der Schnittstelle Mensch/Netz für glaubwürdig und zukunftsorientiert halte.

    Dein gutes Recht. Meine Meinung als 'Analoger' ist aber schon anders.

    > CDU, SPD, FDP (die Schlimmsten...) & Co. sind allesamt populistische, verfilzte Altdenker, denen nur noch Wählerstimmen und die eigenen Interessen wichtig sind.

    Wird bei den PIRATEN genauso sein wie bei den Grünen. Ich glaube die meisten haben einfach ein zu romantisches Verständnis von Politik.

    > Sie ruhen sich auf dem aus, was ihre zum Teil großartigen Vorgänger einst geleistet haben und verwalten den langsamen Niedergang unseres Landes statt aktiv gegen zu steuern.

    Da vergeht mir gerade die LUST ;-)

    > Die kann man beim besten Willen nicht (mehr) wählen.

    Ist nicht schlimm, das Angebot ist ja auch groß. Mit den PIRATEN ja auch weiter gewachsen, was ich ja prinzipiell gut finde - wenn auch inhaltlich absolut armselig.

  8. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: MusicLover XL 04.09.09 - 13:38

    > Wie wärs mit Rousseau, der ist unterhaltsam zu lesen und schön kurz - falls die Aufmerksamkeitsspanne nicht reichen sollte.

    Nur mal am Rande: meine Aufmerksamkeitsspanne reicht durchaus für mehr als 100 Seiten, jedoch lassen solche süffisanten Seitenhiebe im Nebensatz den Autor arrogant wirken ohne dessen Glaubwürdigkeit zu steigern. Mit anderen Worten, sie sind überflüssig, wenn nicht gar ein Eigentor.

    Davon abgesehen mag ich Rousseau zwar, ziehe aber den gedanklich gar nicht so weit entfernten Nietzsche vor - der ist streitbar und oft scheinbar widersprüchlich, trifft aber in vielen Aspekten mehr ins Mark. Aber um Philosophie geht es hier nicht und sie ist bei politischen Diskussionen auch unangebracht, da sie meistens (so wie hier) nur als Siegel der eigenen Bildung missbraucht wird ohne inhaltlich weiter zu helfen.

  9. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: DieterAlsTorschützenkönig 05.09.09 - 10:41

    Lies bitte nocheinmal:

    >> Tipp: Es gibt gute Gründe für Zwang. Wie wärs mit Rousseau, der ist unterhaltsam zu lesen und schön kurz - falls die Aufmerksamkeitsspanne nicht reichen sollte.
    >> Sehr empfehlen kann ich Höffes Politische Gerechtigkeit, weil es einen sehr guten Überblick über die Argumente von Freiheitsbeschränkungen liefert.

    Dann bitte noch Deinen sachlichen Beitrag:

    > Aber um Philosophie geht es hier nicht und sie ist bei politischen Diskussionen auch unangebracht, da sie meistens (so wie hier) nur als Siegel der eigenen Bildung missbraucht wird ohne inhaltlich weiter zu helfen.

    fällt dir etwas auf?

    Man kann Philosophie durchaus ernsthaft betreiben, auch Politische Philosphie (gehört seit Aristoteles zur sogenannten Praktischen Philsophie).
    Wer sie als nicht diskussionswürdig abtut, nur weil sie unbequem ist oder sich seine eigene verquerte Weltsicht nicht gegenüber diesen Gedanken behaupten kann, der tut mir ehrlich gesagt leid.

    Wissen ist übrigens dazu da angewandt zu werden, also warum sollte ich meins nicht gebrauchen? Nur damit ich keinem auf die Füße trete ... och nö, dass ist mir zu sehr Kindergarten.

  10. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: Knorkator 07.09.09 - 17:01

    Du nervst.

  11. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: JBS283 16.09.09 - 13:28

    Ohja.. man muss die Bürger im Netz schützen... Hallooo?!? Die Leute machen Sachen im Netz, die sie auf der Srtaße niemals machen würden.

    Bsp: Phishing. Die Leute werden vorgeblich von Arcor per Mail nach ihren Online-banking-Zugangsdaten gefragt und geben Sie auch noch an.

    Würde ich an deren Tür klingeln, mich als Bankmitarbeiter ausgeben und nach Kreditkarte und Pin fragen, würden sie mich zurecht vom Grundstück jagen und/oder die Polizei rufen. Aber kaum sind die online, sind sie an Naivität und Gutgläubigkeit nicht zu überbieten.

    Hier ist nicht mehr Staatspräsenz gefragt, sondern das gleiche gesunde Misstrauen, das einem die Leute auf der Straße auch entgegenbringen.

    "Wissen ist übrigens dazu da angewandt zu werden, also warum sollte ich meins nicht gebrauchen? Nur damit ich keinem auf die Füße trete ... och nö, dass ist mir zu sehr Kindergarten."
    Recht hast du... warum wird Wissen, das durch Steuergelder erforscht wurde, dann durch Patente vor der Öffentlichkeit bewahrt?

  12. Re: Armseliges Politikverständnis

    Autor: VermieterDieter 26.09.09 - 01:35

    @Dieter: Dein Name-Droping hilft den Argumenten auch nicht weiter und ist eine ziemlich unschöne Angewohnheit. Ansonsten erwähnst du aber einige Aspekte, die ich ebenfalls bedenklich finde.

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    Ein Test in einem McLaren-Sportwagen schafft Klarheit über die tatsächliche Datenübertragungsrate mit 5G bei 600 MHz. Die gute Abdeckung ist dabei die eigentliche Überraschung.


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