Abo
  1. Foren
  2. Kommentare
  3. Politik/Recht
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Uploadfilter: EU-Kommission…

"Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 14:21

    > Dabei übersieht die Politikerin jedoch zwei wichtige Punkte:

    Nein, tut sie nicht.

    > Zum einen kann selbst eine Plattform wie Youtube nicht mit allen Rechteinhabern der Welt Lizenzverträge über deren sämtliche Werke abschließen und finanzieren.

    Muss sie auch nicht. Sie muss nur nachweisen, dass sie versucht hat eine Lizenz zu erwerben. Wo steht bitte geschrieben, dass eine Lizenz Geld kosten muss? Ich kann jemand gratis eine Lizenz geben oder gegen eine prozentuale Beteiligung an den Werbeeinnahmen.

    Wenn die Forderung des Rechteinhaber unwitschaftlich wäre, dann darf YouTube sie natürlich ablehnen (dass solche Kosten zu berücksichtigen sind, steht BTW auch in der Richtlinie, erwähnt nur niemand). YouTube muss nur den Versuch nachweisen, scheitert dieser, dann reicht es den Inhalt nicht anzubieten, damit YouTube komplett aus der Haftung entlassen wird.

    > Zum anderen wollen die Rechteinhaber gar nicht, dass alle ihre Inhalte auf allen Plattformen verfügbar sind.

    Was auch niemand verlangt, denn wenn der Rechteinhaber sich grundsätzlich gegen eine Verbreitung ausspricht, dann muss YouTube gar nicht erst versuchen eine Lizenz zu erwerben, sondern einfach nur diesen Wunsch nachkommen. Auch das steht genauso in der Richtlinie.

    > Statt dessen wollen sie selbst die Kontrolle behalten, wo welcher ihrer Inhalte erscheint. Das lässt sich technisch nur mit Uploadfiltern einigermaßen durchsetzen.

    Die der Rechteinhaber aber selber mit geeigneten Filterdaten füttern muss (auch das steht in der Richtlinie), sprich, wenn er das nicht kann oder nicht will, dann wird kein Filter seine Inhalte berücksichtigen und damit hat es letztlich der Rechteinhaber selber in der Hand.

    /Mecki

  2. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: fg (Golem.de) 18.02.19 - 14:45

    Hallo Mecki,

    Deine Aussagen bestätigen doch die These, dass Uploadfilter unvermeidlich sind. Wie soll eine Plattform sonst verhindern, dass Inhalte von Rechteinhabern hochgeladen werden, die ihre Inhalte nicht lizenzieren wollen? Wie sollte eine Plattform ohne Uploadfilter "einfach nur diesem Wunsch nachkommen"?

    Und wie sollen Rechteinhaber sonst verhindern, dass ihre Inhalte unzulässigerweise hochgeladen werden? Natürlich muss er die Inhalte den Plattformen mitteilen. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass es für den Abgleich einen Uploadfilter braucht.

    Grüße,

    Friedhelm Greis
    Golem.de

  3. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: wlorenz65 18.02.19 - 15:09

    > Wie soll eine Plattform sonst verhindern, dass Inhalte von Rechteinhabern hochgeladen werden, die ihre Inhalte nicht lizenzieren wollen?

    Indem die Plattform den Benutzern generell in ihren AGB verbietet, Sachen hochzuladen, von denen sie keine Lizenz besitzen. Lädt ein Benutzer das dann trotzdem hoch, und es kommt eine Beschwerde, wird diese direkt an den Benutzer durchgereicht, eventuell mit zusätzlichen Anwaltsgebühren.

    Anonyme Benutzer gibt es im Internet dann natürlich nicht mehr, die müssen einmalig PostIdent durchführen und bekommen dann eine PostID, mit der sie sich gegenüber den Plattformen ausweisen können. Anonym sind sie dann nur noch gegenüber anderen Benutzern, aber nicht mehr gegenüber der Plattform.

    Interessant wird es dann, wenn so ein Dienst gehackt wird und die Realnamen im Darknet veröffentlicht werden, oder wenn gar der PostID Server selbst gehackt wird…

    Edit: Das Internet holt jetzt langsam auf, wie das bei Zeitungen schon immer der Fall war. Ich habe 1991 mal einen Leserbrief an unsere Tageszeitung geschrieben, und bevor der veröffentlicht wurde, hat einer aus der Redaktion hier angerufen und sich meine Identität bestätigen lassen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 18.02.19 15:16 durch wlorenz65.

  4. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: Anonymouse 18.02.19 - 15:18

    wlorenz65 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Wie soll eine Plattform sonst verhindern, dass Inhalte von Rechteinhabern
    > hochgeladen werden, die ihre Inhalte nicht lizenzieren wollen?
    >
    > Indem die Plattform den Benutzern generell in ihren AGB verbietet, Sachen
    > hochzuladen, von denen sie keine Lizenz besitzen. Lädt ein Benutzer das
    > dann trotzdem hoch, und es kommt eine Beschwerde, wird diese direkt an den
    > Benutzer durchgereicht, eventuell mit zusätzlichen Anwaltsgebühren.
    >

    Das ist doc schon längst der Fall und wird auch so gehandhabt. Bei YouTube z.B. gibt es dann Copyright-Strikes ect. Aber das reicht eben dann nicht mehr. Die Plattform muss schon bei Upload prüfen, ob es sich hier um geschützes Material handelt, nicht erst danach.

  5. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: lear 18.02.19 - 15:21

    wlorenz65 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Wie soll eine Plattform sonst verhindern, dass Inhalte von Rechteinhabern
    > hochgeladen werden, die ihre Inhalte nicht lizenzieren wollen?
    >
    > Indem die Plattform den Benutzern generell in ihren AGB verbietet, Sachen
    > hochzuladen, von denen sie keine Lizenz besitzen. Lädt ein Benutzer das
    > dann trotzdem hoch, und es kommt eine Beschwerde, wird diese direkt an den
    > Benutzer durchgereicht, eventuell mit zusätzlichen Anwaltsgebühren.

    Schlaukopf - genau das ist nach der neuen Richtlinie nicht drin. Der Plattformbetreiber haftet für das Verhalten der Nutzer, dh. er muß auch die Rechtsfragen mit dem Lizenzforderer klären (zB. ob hier eine zul. Verwendung etc. vorliegt)
    Er kann Drittverträge mit seinen Nutzern unterhalten und Kompensation fordern, aber das bedeutet einen weiteren Rechtsstreit und außerdem ist das nutzlos, sofern ihm keine Ladbare Adresse des Nutzers vorliegt.
    Was heißt das in der praktischen Konseuquenz?
    Eben.

  6. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: throgh 18.02.19 - 16:01

    Unter der Prämisse, dass die gesamte Welt von heute auf morgen demokratische Grundregeln hat? Vielleicht. Jetzt kommt aber die Realität: So funktioniert das Alles nicht und es gibt absolut gute Gründe für eine Verschleierung der Identität, für das Verbergen von Daten. Solch ein Vorgehen ist absolut unrealistisch. Und "Uploadfilter" sind defakto ebenso unsinnig, da sie das Kernproblem mit dem Urheberrecht überhaupt nicht lösen sondern nur verlagern. Es gibt beispielsweise auch Copyleft statt Copyright. Nur leider findet das eben nicht durchweg Anklang: Einfach benennen was defakto erlaubt ist statt nur stetig zu schreiben Alle Rechte vorbehalten! und implizit werden dann doch wieder Sonderregelungen getroffen. Braucht nur eine entsprechend vielversprechende Summe von monetärer Gegenleistung auf dem Tisch liegen, oder das Versprechen dazu. Genau da zeigen sich die verdorbenen Grundpfeiler unserer Gesellschaft und obgleich bereits erwähnte, bessere Alternativen vorhanden sind, werden sie ignoriert.

    GNU/Linux: Eine Wahlfreiheit zu haben ist besser als sich der reinen Bequemlichkeit hinzugeben, auch wenn das nicht immer einfach ist!

    Kein Freund von Schubladen, nimmt aber gern Hafermilch und Kekse, sofern er in eine Solche gestopft werden soll. Danke vorab dann!

  7. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 16:12

    Anonymouse schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei YouTube z.B. gibt es dann Copyright-Strikes

    Wovon der Rechteinhaber aber nichts hat, weil diese weder verhindern, dass seine Rechte verletzt werden, noch entschädigen sie ihn für die Verletzung seiner Rechte. Will er eine Entschädigung, dann muss er immer selber den Nutzer ausfindig machen (wie auch immer er das schafft, meistens gar nicht) und ihn direkt verklagen. Offline ist das aber nicht so. Offline haftet immer der, der Inhalte verbreitet. Wo er dieses her hatte, das interessiert offline niemanden. Wenn mir jemand etwas gibt und ich das für ihn verbreitet, obwohl ich nicht hätte dürfen, dann muss ich haften; so funktioniert das offline seit... eigentlich schon immer. Wenn ich mir dann das das Geld von demjenigen zurück holen will, der mir das Zeugs gegeben hat und mir versichert hat, das wäre legal, dann kann ich das tun, aber das ist dann mein Problem.

    Es kann doch nicht sein, dass ich etwas verbreite, ich damit Umsätze erwirtschafte und wenn dann jemand an mich heran tritt, der die Rechte daran hat, ich sagen "Ach, doof gelaufen. Ich nehm's runter, aber ansonsten hafte ich nicht dafür, weil das hat mir jemand anderes gegeben. Du willst Schadensersatz? Na dann finde mal den anderen und verlang's vom dem." Wo bitte läuft das offline so ab? Also warum soll das online so ablaufen?

    > Die Plattform muss schon bei Upload prüfen,

    Nein, muss sie nicht. Sie darf prüfen und sich somit aus der Haftung befreien, aber sie muss nicht prüfen. Wo steht bitte, dass sie prüfen muss? Da steht eine Plattform muss haften, außer sie hat folgendes getan, aber nirgendwo steht, das sie das tun muss. Und wie gesagt, selbst wenn sie haften muss, es steht ihr frei das Geld zum Nutzer zurück zu holen.

    /Mecki

  8. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 16:19

    fg (Golem.de) schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Deine Aussagen bestätigen doch die These, dass Uploadfilter unvermeidlich
    > sind.

    Unvermeidbar sind sie nicht. Sie sind praktisch und kostengünstig, aber ich kann auch jeglichen Inhalt von einem Menschen prüfen lasse, bevor ich ihn online stelle. Eine Zeitung veröffentlicht doch auch nicht einfach einen Leserbrief oder ein Inserat, ohne dass vorher jemand prüft, ob die Zeitung sich mit dieser Veröffentlichung strafbar machen würde und ob man diesen Inhalt überhaupt der Leserschaft zumuten kann. Bzw. mag sein, dass es sogar Zeitungen gibt, die das tun, aber dann haften diese auch entsprechend.

    Wer etwas in der offline Welt veröffentlichen will, der musste schon immer für diese Veröffentlichung gerade stehen, denn es ist egal wer den Inhalt geliefert hat, entscheidend ist, wer den Inhalt veröffentlicht, also verbreitet hat, denn der, der ihn verbreitet, der haftet. Und verbreiten tun doch die Plattformen die Inhalte, nicht deren Nutzer. Sie verbreiten sie, sie erwirtschaften Umsatz damit, aber sie sollen nicht dafür haften? Klingt irgendwie seltsam. Wo darf denn irgendwer etwas offline verbreiten, dabei Umsätze erwirtschaften, muss aber nicht haften, wenn sich heraus stellt, dass der Inhalt unrechtmäßig verbreitet wurde?

    Außerdem sind diese Plattformen ja dazu gedacht, dass Nutzer ihre eigenen Inhalte verbreiten. Wenn Nutzer wirklich nur ihre eigenen Inhalte verbreiten würden, wo wäre dann das Problem? Sie sind ja selber die Rechteinhaber ihrer Inhalte und sie haben ja implizit der Verbreitung zugestimmt, quasi eine kostenlose Lizenz ausgestellt. Grundsätzlich hat eine Plattform automatisch und ohne Zutun eine Lizenz im Sinne von Artikel 13, wenn ein Nutzer seinen eigenen Inhalt zu dieser Plattform hochlädt und dieser Plattform erlaubt, den Inhalt zu verbreiten.

    Wenn sich jetzt heraus stellt, dass das gar nicht ihre Inhalte waren, dann entsteht der Plattform künftig ein Schaden, denn die Plattform muss dafür haften, aber wo steht geschrieben, dass die Plattform sich diesen Schaden vom wahren Schuldigen, also dem Nutzer nicht ersetzen lassen darf? Soweit ich weiß darf man sich immer jeglichen Schaden ersetzten lassen, wenn jemand anderes für den Schaden verantwortlich ist. Sollen sich die Plattformen doch das Geld einfach vom Nutzer zurück holen. Warum muss online der Rechteinhaber immer selber den "wahren Schuldigen" ausfindig machen und von dem den Schaden einfordern? Auch das ist doch offline nirgendwo der Fall. Wenn jemand schwarz gebrannte CDs verkauft, dann können sich die Künstler auch direkt den Händler vorknöpfen, da interessiert es niemanden, wo er diese CDs eigentlich her hat, bzw. das interessiert die Staatsanwaltschaft, ist aber für den Schadenersatz der Künstler irrelevant.

    Sogar in Strafrecht gilt dieses Prinzip und Urheberrecht ist zum Teil auch Strafrecht in Deutschland (sonst könnte es keine Haftstrafen auf Verletzung dieser Rechte geben). Wer Drogen verkauft, der macht sich unmittelbar stafbar. Zu sagen "Ich wusste nicht, dass das Drogen sind und ich verkaufe die nur im Auftrag von jemand anderen" befreit nicht von der Haftung, es wirkt sich höchstens mildernd auf das Strafmaß aus.

    Und es steht nirgendwo in der Richtlinie, dass ein Anbieter vorab prüfen muss, ob das was sein Nutzer ihm gegeben hat, die Rechte einer dritten Person verletzt. Vor allem, wie sollte er das bitte prüfen? Diese Frage hat mir noch nie jemand beantworten können. Der Gesetzgeber kann nicht das unmögliche verlangen. Solange es keinen Weg gibt, das sicher festzustellen, darf eine Plattform sowieso davon ausgehen, dass die Inhalte, die ihm ein Nutzer gegeben hat auch Inhalte des Nutzers sind, die Plattform eine Lizenz besitzt und diese Inhalte verbreiten darf, denn ansonsten dürfte eine Plattform gar nichts mehr veröffentlichen, wo die Rechteverhältnisse nicht gerichtfest nachgewiesen wurden und wie bitte sollte das gehen? Wie soll ich als Nutzer z.B. YouTube beweisen, dass ich der einzige bin, der sämtliche Rechte an diesen Video hat? Wie beweist man so etwas? So etwas kann ich gar nicht beweisen. Also muss YouTube mir das glauben und wer nach besten Wissen und nicht fahrlässig handelt, der handelt immer rechtens, das ist ein fundamentaler Rechtsgrundsatz, den auch diese Richtlinie nicht aushebeln will oder kann.

    /Mecki

  9. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 16:24

    throgh schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > So funktioniert das Alles nicht und es gibt absolut gute Gründe für eine
    > Verschleierung der Identität, für das Verbergen von Daten.

    Da gäbe ich dir Recht, aber deswegen muss es nicht möglich sein anonym auf YouTube Videos zu veröffentlichen. Nur weil Anonymität als solches durchaus ein Daseinsberechtigung hat, muss es nicht möglich sein alles was man tun möchte auch anonym tun zu können.

    > Es gibt beispielsweise auch Copyleft statt Copyright.

    Und das wird nicht durch Artikel 13 tangiert, denn mit der Zustimmung des Rechteinhaber ist alles erlaubt und die liegt bei Copyleft ja explizit vor. Außerdem musst du nicht gleich in das andere Extrem fallen, es gibt auch so etwas wie die BSD oder die CC Lizenz, beides ist kein Copyleft und auch hier liegt aber die Einwilligung des Rechteinhabers explizit vor.

    /Mecki

  10. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: Anonymouse 18.02.19 - 16:27

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    >
    > > Die Plattform muss schon bei Upload prüfen,
    >
    > Nein, muss sie nicht. Sie darf prüfen und sich somit aus der Haftung
    > befreien, aber sie muss nicht prüfen. Wo steht bitte, dass sie prüfen muss?
    > Da steht eine Plattform muss haften, außer sie hat folgendes getan, aber
    > nirgendwo steht, das sie das tun muss. Und wie gesagt, selbst wenn sie
    > haften muss, es steht ihr frei das Geld zum Nutzer zurück zu holen.

    Sind Sie es, Herr Voss?
    Müssen tut man gar nichts, solange man mit den Konseqenzen klar kommt. Tolle Weisheit.

  11. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 16:37

    lear schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Schlaukopf - genau das ist nach der neuen Richtlinie nicht drin.

    Steht wo? Zeig mir bitte mal die Stelle.

    > Der Plattformbetreiber haftet für das Verhalten der Nutzer,

    Nein, der Platzforminhaber haftet für ein unrechtmäßige Veröffentlichung und Verbreitung, so wie das offline übrigens seit hunderten von Jahren der Fall ist. Wenn ich dir was gebe und du veröffentlicht das offline für mich, dann haftest du auch dafür. Dass ich dir das gegeben habe, spielt rechtlich überhaupt keine Rolle dabei, weil es nicht interessiert, wo es herkommt, sondern nur, wer es verbreitet und das ist im Internet die Onlineplattform.

    Aber wenn ihm deswegen ein Schaden entsteht, dann kann er diesen Schaden natürlich ganz normal über das Zivilrecht geltend machen, was rein gar nichts mit dieser Richtlinie zu tun hat. Wann immer dir durch das Fehlverhalten einer dritten Person ein Schaden entstanden ist, kannst du diesen zurückfordern. Diese Plattformen sind gedacht, dass Nutzer dort ihre Inhalte hochladen. Es ist Nutzern explizit untersagt Inhalte von Dritten dort hochzuladen, außer mit deren Erlaubnis. Und solange Nutzer nur ihre Inhalte oder Inhalte dritter mit Erlaubnis hochladen, wird der Plattform kein Schaden entstehen. Ein Schaden entsteht, wenn der Nutzer das macht, was er nicht tun darf, nämlich unerlaubter Weise den Inhalt Dritter hochlädgt und diesen Schaden darf sich die Plattform natürlich vom Nutzer zurück holen.

    Warum werden Plattformbetreiber, die Umsätze mit der Verbreitung von Inhalten generieren, von jeglicher Verantwortung dieser Verbreitung freigestellt? Wo bitte ist das denn offline der Fall? Nenn mir doch mal ein Beispiel dafür. Das Providerprivileg gilt nur für Zugangsprovider, als Telekommunikationsvermittlungsdienste, die ausschließlich eine Kommunikation abwickeln und mit dem Inhalten dieser Kommunikation rein gar nichts zu tun hat. Das trifft aber auf Plattformanbieter nicht zu und hat noch nie auf sie zugetroffen. Warum müssen Rechteinhaber online die Quelle ausfindig machen und von der Schadensersatz fordern? Die Quelle hat die Inhalte nicht verbreitet, die Plattform hat sie verbreitet und es war die Verbreitung, die unrechtmäßig war. Wenn ein Händler schwarz gebrannte CDs verkauft, dann muss er dafür haften; woher er die CDs hatte, das interessiert dabei nicht, höchstens die Staatsanwaltschaft. Der Händler hat sie verbreitet und damit Umsätze erzielt und deswegen haftet er.

    > Was heißt das in der praktischen Konseuquenz?

    Das YouTube nur noch Nutzern erlaubt Videos hochzuladen, dessen Identität sie kennen und dass jeder Nutzer, der künftig das Urheberrecht auf YouTube bricht dafür zur Kasse gebeten werden wird und zwar von YouTube selber. YouTube kann ich aus dieser Haftung befreien und zwar wenn sie sich so verhalten, wie in Artikel 13 beschrieben steht, aber grundsätzlich haftet künftig online wie offline derjenige, der Inhalte verbreitet.

    /Mecki

  12. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: Anonymouse 18.02.19 - 16:40

    Dein Verständnisproblem beginnt schon damit, dass du deine "Offlinewelt" 1zu1 auf die Onlinewelt projizieren möchtest - weil da da halt schon immer so war.

    Bei Youtube werden jede Minute ca. 400 Stunden Videomaterial hochgeladen. Viel Spaß beim prüfen.

    In deinem letzten Absatz beginnst du das Problem dann ja doch zu verstehen.
    Nirgends steht etwas von Uploadfilter, das ist richtig - sie stellen aber die einzige Möglichkeit dar, den Anforderungen zu entsprechen.
    "Wir schreiben nichts von Ausgangssperre, sondern nur, dass ab 20 Uhr niemand mehr das Haus verlassen darf, sonst gibt es eine Strafe."

    Aber auch so ein Uploadfilter kann der Sache nicht 100% gerecht werden, wenn selbst Menschen solche Dinge teilweise vor Gericht klären möchten. Das alles wurde aber nicht berücksichtigt.

  13. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: /mecki78 18.02.19 - 16:41

    Anonymouse schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Müssen tut man gar nichts, solange man mit den Konseqenzen klar kommt.

    In diesem Fall ja. Würden Plattformanbieter müssen, dann würde man sie ja dafür bestrafen, wenn sie es nicht tun, aber für eine eigene Tat haften zu müssen ist ja keine Strafe, sondern eigentlich der Normalfall oder haftest du sonst nicht in deinem Leben für Dinge, die so tust?

    /Mecki

  14. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: throgh 18.02.19 - 20:37

    Du meinst Creative Commons? Doch es sind viele Lizenzformen dort genau Copyleft. Und selbst die eben davon nicht Betroffenen sind deutlicher in der Anwendung als es das Copyright jemals gewesen ist. Auch die BSD-Lizenz benötigt beispielsweise keine weitere Rückfrage hinsichtlich der Erlaubnis. Es geht einzig und allein darum die Urheber weiter zu benennen! Das Copyright aber beispielsweise geht noch weit darüber hinaus und eine Reform von eben diesem ist hoffnungslos, da es einzig nur um monetäre Belange geht.

    Es muss auch möglich sein anonym ein Video zu veröffentlichen. Ob das nun auf YouTube sein soll? Fraglich, aber genau da bleibt das Ganze bisweilen ungeklärt denn es gibt auch sehr kleine, unabhängige und quelloffene Plattformen, die sich mit Video-Inhalten befassen und so überhaupt kein monetäres Kerninteresse verfolgen oder Rechte Anderer verletzen wollen respektive jemals ein Interesse daran hegen. Und gerade da zeigt sich: YouTube ist mitnichten das komplette Spektrum dieses Bereichs! Nur anhand dieser Größenordnungen zu denken ist fahrlässig und faktisch falsch. Vor allem unter der Prämisse wenn es die Anonymität verletzt. Insofern hast du mit deiner Aussage genau dem sogar nochmals entsprochen! Nur immer davon auszugehen, dass ein Inhalt in der Anonymität geschaffen gleichermaßen etwas Anrüchiges hat ist ebenfalls nicht korrekt. Das sich derweil auch genug Demagogen hinter dieser verstecken, unstrittig. Aber wie wäre einfach damit? Offenbare doch deine reale Identität hier: Deinen vollen Namen, deine volle Adresse. Oder siehst du das anders und schützenswert? Ich sehe das so und habe dich auch nur zwecks Demonstration danach nun offen gefragt. Es kann kein selektives Vorgehen geben, entweder ist eine Anonymität eben möglich oder unerwünscht. Sofern Letzteres der Fall ist braucht es andere Maßnahmen zur weiteren Kommunikation und das wird reale Urheberrechtsverletzungen keineswegs stoppen oder in irgendeiner Form weiter behindern. Es behindert aber ALLE Anderen!

    Genau da liegt der Unterschied. Und noch dazu lässt sich das Ganze beliebig ausweiten und am Schluss noch entfremden zur weiteren Überwachung unliebsamer Meinungsbilder. Denn genau die sind beliebig definiert: Mögen das heute noch im gesellschaftlichen Konsenz menschenfeindliche Hassbotschaften sein, so kann das bereits sinnhaft morgen anders aussehen. Immer ganz davon abhängig wie sich die Menschen und ihre Wertvorstellungen entwickeln denn es kann auch schnell rückwärts gehen und dann sieht das Alles ganz und gar nicht mehr so einfach wie auch rosig aus.

    GNU/Linux: Eine Wahlfreiheit zu haben ist besser als sich der reinen Bequemlichkeit hinzugeben, auch wenn das nicht immer einfach ist!

    Kein Freund von Schubladen, nimmt aber gern Hafermilch und Kekse, sofern er in eine Solche gestopft werden soll. Danke vorab dann!



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 18.02.19 20:45 durch throgh.

  15. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: throgh 18.02.19 - 20:52

    Finde ich interessant wie du dich hier positionierst: Kostengünstige Filtersysteme? In welcher Form und welcher Welt soll das bitte der Fall sein? Und der Fehler liegt bereits im Namen: Inhalte zu filtern ist eine Selektion im Vorfeld ohne einen gesellschaftlichen Konsenz oder eine Diskussion warum etwas unerwünscht ist bzw. auch rechtlich bedenklich. Es wird einfach so von oben herab entschieden.

    Und zum Thema "kostengünstig": Filtersysteme sind weder das noch sind sie funktional. Im Gegenteil sind sie fehleranfällig und kostenintensiv. Ich finde es auch gerade vielsagend wie du als Vergleich Drogendelikte heranziehst und damit auch eine Form der suggestiven Gleichsetzung betreibst als seien Urheberrechtsverletzungen gleichermaßen überhaupt vergleichbar in dem Kontext. Sind sie eben nicht und für Abmahnungen beispielsweise gilt immer noch das Zivilrecht, nicht aber das Strafrecht.

    Am Ende sind deine "kostengünstigen Filtersysteme" der sprichwörtliche Todesstoß für kleine Portale, die sich mit quelloffenen Inhalten befassen. Gehe doch einfach einmal davon aus, dass die Artikel auch nicht immer wohlwollend ausgelegt werden und einfach dazu ebenso herangezogen werden unliebsame Webseiten wegzuschieben. Am Ende bleiben also große Konzerne übrig, die sich das leisten können? Schöne neue Welt, aber defakto bestimmt keine Lebenswerte.

    GNU/Linux: Eine Wahlfreiheit zu haben ist besser als sich der reinen Bequemlichkeit hinzugeben, auch wenn das nicht immer einfach ist!

    Kein Freund von Schubladen, nimmt aber gern Hafermilch und Kekse, sofern er in eine Solche gestopft werden soll. Danke vorab dann!

  16. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: wlorenz65 19.02.19 - 07:06

    > Steht wo? Zeig mir bitte mal die Stelle.

    Sorry, @lear hat schon recht, das mit der ladefähigen Adresse geht tatsächlich nicht, da haben die in Absatz 8 einen Riegel vorgeschoben:

    This Directive shall in no way affect legitimate uses, such as uses under exceptions and limitations provided for in Union law, and shall not lead to any identification of individual users nor to the processing of their personal data [...]

    Tja, da habe ich den Text nicht gelesen. „Lest den Text, Leute!” – „Ich will aber eueren doofen Text nicht lesen!“ – „Dann darfst du nicht mitreden.“ – „OK, dann halte ich eben den Mund.“

  17. Re: "Dabei übersieht die Politikerin" rein gar nichts

    Autor: throgh 19.02.19 - 08:08

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das YouTube nur noch Nutzern erlaubt Videos hochzuladen, dessen Identität
    > sie kennen und dass jeder Nutzer, der künftig das Urheberrecht auf YouTube
    > bricht dafür zur Kasse gebeten werden wird und zwar von YouTube selber.
    > YouTube kann ich aus dieser Haftung befreien und zwar wenn sie sich so
    > verhalten, wie in Artikel 13 beschrieben steht, aber grundsätzlich haftet
    > künftig online wie offline derjenige, der Inhalte verbreitet.

    Krudes Rechtsverständnis hast du dort denn die Veröffentlichung ist immer als relativ zu betrachten und es hätte gereicht das bereits bekannte Meldesystem so zu belassen. Bereits jetzt wird auf dieser Basis nämlich schon genug Falsches auch getan. Und nochmals: YouTube ist eine Plattform von weit mehr. Das Internet war dereinst auch als dezentrales Informationssystem angelegt worden, insofern gibt es auch noch weit mehr was der Artikel 13 dann auch absolut zerstören würde. Aber das hast du natürlich auch bedacht? Offenkundig nicht.

    GNU/Linux: Eine Wahlfreiheit zu haben ist besser als sich der reinen Bequemlichkeit hinzugeben, auch wenn das nicht immer einfach ist!

    Kein Freund von Schubladen, nimmt aber gern Hafermilch und Kekse, sofern er in eine Solche gestopft werden soll. Danke vorab dann!



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.02.19 08:09 durch throgh.

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. OC Oerlikon, München, Remscheid
  2. Bosch Gruppe, Stuttgart
  3. Bosch Gruppe, Abstatt
  4. ETAS, Stuttgart

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Top-Angebote
  1. 399,00€ (Wert der Spiele rund 212,00€)
  2. (u. a. Pro Evolution Soccer 2019 8,50€, Styx: Shards of Darkness 9,99€)
  3. (u. a. Far Cry New Dawn 22,49€, Assassin's Creed Odyssey 29,99€)
  4. 62,90€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Geforce GTX 1660 im Test: Für 230 Euro eine faire Sache
Geforce GTX 1660 im Test
Für 230 Euro eine faire Sache

Die Geforce GTX 1660 - ohne Ti am Ende - rechnet so flott wie AMDs Radeon RX 590 und kostet in etwa das Gleiche. Der klare Vorteil der Nvidia-Grafikkarte ist die drastisch geringere Leistungsaufnahme.

  1. Nvidia Turing OBS unterstützt Encoder der Geforce RTX
  2. Geforce GTX 1660 Ti im Test Nvidia kann Turing auch günstig(er)
  3. Turing-Grafikkarten Nvidias Geforce 1660/1650 erscheint im März

Galaxy S10+ im Test: Top und teuer
Galaxy S10+ im Test
Top und teuer

Mit dem Galaxy S10+ bringt Samsung erstmals eine Dreifachkamera in eines seiner Top-Smartphones. Die Entwicklung, die mit dem Galaxy A7 begann, hat sich gelohnt: Das Galaxy S10+ macht sehr gute Bilder, beim Preis müssen wir aber schlucken.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Samsung Gesichtsentsperrung des Galaxy S10 lässt sich austricksen
  2. Samsung Galaxy S10 Europäer erhalten weiter langsameren Prozessor
  3. Galaxy S10 im Hands on Samsung bringt vier neue Galaxy-S10-Modelle

Fido-Sticks im Test: Endlich schlechte Passwörter
Fido-Sticks im Test
Endlich schlechte Passwörter

Sicher mit nur einer PIN oder einem schlechten Passwort: Fido-Sticks sollen auf Tastendruck Zwei-Faktor-Authentifizierung oder passwortloses Anmelden ermöglichen. Golem.de hat getestet, ob sie halten, was sie versprechen.
Ein Test von Moritz Tremmel

  1. E-Mail-Marketing Datenbank mit 800 Millionen E-Mail-Adressen online
  2. Webauthn Standard für passwortloses Anmelden verabschiedet
  3. Studie Passwortmanager hinterlassen Passwörter im Arbeitsspeicher

  1. Linke: 5G-Netzplanung mit Steuergeldern
    Linke
    5G-Netzplanung mit Steuergeldern

    Der Staat will dort 5G aufbauen, wo es sich für Konzerne nicht lohnt. Mit Steuergeldern sollen nach Ansicht der Fraktion die Linke die Funklöcher gestopft werden, mit denen die Mobilfunkbetreiber nicht genug Geld verdienen können.

  2. Readyink: Epson liefert neue Tintenpatronen direkt nach Hause
    Readyink
    Epson liefert neue Tintenpatronen direkt nach Hause

    In Kooperation mit einem Lieferdienst bringt Epson neue Tintenpatronen bis vor die Haustür, wenn eine Farbe ausgeht. Der Dienst erfordert kein Abo, umfasst aber ausschließlich die meist teureren Originalpatronen.

  3. SSH-Software: Kritische Sicherheitslücken in Putty
    SSH-Software
    Kritische Sicherheitslücken in Putty

    In der SSH-Software Putty sind im Rahmen eines von der EU finanzierten Bug-Bounty-Programms mehrere schwerwiegende Sicherheitslücken entdeckt worden. Der verwundbare Code wird auch von anderen Projekten wie Filezilla und WinSCP verwendet.


  1. 18:37

  2. 17:39

  3. 17:17

  4. 16:57

  5. 16:43

  6. 15:23

  7. 15:08

  8. 14:58