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Der Glaube an die heilsame Wirkung von Regulierung

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  1. Der Glaube an die heilsame Wirkung von Regulierung

    Autor: SchreibenderLeser 18.02.19 - 08:18

    Hallo liebe Leserinnen und Leser,

    bevor ihr meinen Beitrag, zurecht oder zu unrecht, in Grund und Boden kritisiert, bitte ich darum, diesen auch einmal durchzulesen und ihn sich durch den Kopf gehen zu lassen.

    Zunächst einmal, auch da werde ich mir Feinde machen, denke ich, dass der Punkt mit den Bots oder leicht manipulierbaren Personen grundsätzlich berechtigt sein könnte. Ich schreibe sehr bewusst "sein könnte", da eine absolute Sicherheit bei mir natürlich nicht vorliegt. Meine Person hat nicht die Möglichkeit, das zu prüfen.
    In der Tat wird auf vielen Youtube-Kanälen, Webseiten usw. der Eindruck vermittelt, dass Artikel 13 und Artikel 11 dieses Gesetzes das freie Internet quasi automatisch zerstören werden. Und diese Medien implizieren oder suggieren (wenn sie die These nicht sogar offen in den Raum stellen) dabei häufig auch eine Art "Zensurabsicht". Kleine Blogger und Videomacher solle zugunsten der Großen aus dem Verkehr gezogen werden.
    Nun ist das meines Erachtens eine legitime Meinung, allerdings ergibt sich die Wirkung eines Gesetzes auch im Rahmen der juristischen Auslegung und hier ist das letzte, richterliche Wort noch nicht gesprochen.
    Es ist nun einmal Fakt, dass Youtuber und andere "social Media"-Stars tendenziell eher junge Zuschauer (oder Zuhörer oder Leser) erreichen. Diese Gruppe hat naturgemäß weniger Lebenserfahrung und lässt sich deshalb natürlich auch leichter manipulieren als junge Erwachsene, die bereits etwas abgeklärter sind. Zudem haben einige Netzaktivisten durchaus die technische Möglichkeit, ein Botnetz dazu zu beauftragen, zahlreiche E-Mails an Politiker zu schicken.

    Dass die Leute, die wissentlich Bots einsetzten, sich damit selbst schaden, geschenkt.
    Das Problem ist, es reicht im Zweifelsfall nur einer oder eine relativ kleine Gruppe aus, die dieser schlechten Idee verfallen und schon kann es sein, dass z. B. 40% aller E-Mails wegen dieser Geschichte von Bots kommen. Das wird unter den Politikern einen entsprechenden Eindruck machen.

    Das eigentliche Kernproblem mit diesen Uploadfiltern scheint mir zudem nicht angesprochen worden zu sein. Meiner Meinung nach liegt das Problem nämlich tiefer.
    Das Problem besteht in den Glauben an die heilsame Wirkung von Regulierungen.
    Das eigentliche Anliegen der Politik ist in der Form nicht völlig illegitim. Medienkonzerne und Kreative sollen für die von ihnen geschaffenen Werke angemessen entlohnt werden. Das ist der historische Grund, warum es so etwas wie "Urheberrecht" oder "Autorenrechte" oder "Copyright" überhaupt gibt.
    Mit der heutigen Technik wäre es nämlich sehr einfach, jedes beliebige Werk, egal ob wissenschaftlicher Aufsatz, Film oder sonst etwas, weltweit zu kopieren. Die Produktionskosten bleiben aber gleich, so dass ein Schriftsteller oder Filmteam den Film produziert, alle Leute ihn gut finden, aber niemand dafür bezahlt.
    Deswegen verleiht der Staat den Rechteinhabern eine Art "zeitweiliges Monopolrecht" auf das Werk und verfolgt nicht genehmigte Kopien.

    Durch das Internet ist es schwierig bis unmöglich geworden, dieses Monopol aufrecht zu erhalten.
    Deshalb ist die europäische Union auf den Gedanken verfallen, dass man als Antwort auf diese Problematik am Beste eine europaweiten Regelung installiert, die anschließend nur die "guten" legalen Nutzungsarten zulässt.
    Dafür sollen diejenigen, die online Inhalte bereitstellen, erstens den Upload der Inhalte streng filtern, so dass geschütztes Material gar nicht erst hochgeladen wird, zweitens werden sie dazu aufgefordert oder verpflichtet, mit den Inhabern der Rechte Nutzungsvereinbarungen abzuschließen.
    Quasi der gesetzliche Zwang, einen Vertrag abzuschließen. Da wird nicht nur den Liberalen etwas mulmig bei. Sollten Verträge nicht etwas freiwilliges zum beidseitigen Nutzen sein?

    Die Politik glaubt nun, dass man mit dieser Regulerung das eigentliche Problem (Künstler oder "Schaffende" werden nicht ausreichend finanziell entlohnt) lösen kann.
    Aus einem erweiterten Blickwinkel scheint es sehr fragwürdig, ob es so ist. Zum einen lassen sich alle Filter irgendwie umgehen. Zum anderen würde längst nicht jeder, der etwas umsonst bekommt, dafür auch Geld bezahlen. Nicht jeder illegal verbreitete Film würde kostenpflichtig überhaupt Geld einbringen.

    Das Problem müsste auf eine komplett neue, kreative Art und Weise gelöst werden.
    Ich halte übrigens auch nichts von einer "Kulturabgabe", also der Finanzierung von Künstlern und Schaffenden durch den Staat, weil man damit staatlichen Organen das Recht gibt zu bestimmen, was verbreitet werden darf und was nicht. Man entkoppelt damit also die Bezahlung von den eigentlichen Sehwünschen der Zuschauer.
    Auch scheint es mir keine gute Lösung, die Kreativen ausschließlich durch Spenden zu finanzieren.
    Eine Lösung ist kurzfristig nicht in Sicht und Filter werden kaum helfen.

    Was denkt ihr darüber?

    Mit freundlichen Gruß

    SchreibenderLeser

  2. Re: Der Glaube an die heilsame Wirkung von Regulierung

    Autor: Zeroslammer 18.02.19 - 12:18

    Abgesehen von den Einwürfen in deinem Text, die ich teilweise nachvollziehen kann, habe ich die Sorge das diese Filter den Weg zur Zensur bereiten könnten, so wie es Beispielsweise mit der Kameraüberwachung im öffentlichen Raum bis hin zur Gesichtserkennung gelaufen ist.

    Andersweitig ist diese Richtlinie deahalb realitätsfern, weil es bisher keine technisch genauen Maßnahmen gibt, wie diese umgesetzt werden könnte, so das es einwandfrei(!) funktioniert.

    Man schreibt auch gerne, dass Kreative (oder ihre Nachfahren) ihre Werke damit schützen können. Meiner Meinung nach ist es der Kreativität eher abträglich, wenn ich erstmal jede Idee, die ich habe, darauf überprüfen muss, ob sie urheberechtlich geschützt ist. Zu guter Letzt brauchen die meisten Kreativen auch "Input", oder Anregungen, vieles davon findet sich im Netz und inspiriert andere, ganz ohne das sie es platt plagiieren oder kopieren. Zum Beispiel Cosplay, Design, Musik.

    Das ganze dürfte (auf diesen Bereich eingeschränkt) eher Kreativität abträglich sein, als diese zu schützen.

    Zu guter Letzt habe ich durch die ganze Debatte und wie sie geführt wurde, auch den Eindruck erhalten das es ums Geld und Lobbyismus geht, wenn man sieht, wie einige Politiker das ganze bis auf die Knochen verteidigen, da gibt's dann teilweise auch Zusammenhänge, wo ich merke, hey der sitzt in dem und dem Aufsichtsrat, oder war/ist dort tätig, dann ist dies keine Überraschung das andere diese Zusammenhänge aufzeigen.

    Ich wähle aber niemanden in ein Parlament, damit derjenige in einem Aufsichtsrat oder ähnlichem landet und erfolgreich sein Konto oder die Biografie aufwertet, sondern, um meine Meinung und die der anderen, die ihn gewählt haben, zu vertreten. Dafür erhält er (unsere) Steuergelder, Mitarbeiter und Ausstattung. Und nicht für die Meinung der Konzerne.

    Und das Vertrauen der Bürger in Politik stärkt es auch nicht. Wohin dieses Verhalten geführt hat, kann man zur Zeit nicht nur in Europa beobachten.

    Error 404; Signature not found

  3. Die Manipulation läuft schon heute auf Volltouren!

    Autor: sttn 18.02.19 - 12:40

    Und es kommt nicht von ungefähr das Autoren wie Relotius nur so von Preise überhäuft wurden (und werden). Relotius-Geschichten lesen sich wie die Träume einer bestimmten politischen Kaste und genau da ist das Prolem: Manipulation gibt es überall und viele lesen selektiv nur das was ihnen gefällt. Was im Spiegel/Jungen Freiheit/Tagesschau/Goldene Blatt (erwähne ich jetzt absichtlich, weil es dazu gehört) oder sonst wo zu lesen/hören ist, das will die Leserschaft lesen und sie träumt davon es stimmt ... tut es oft auch, aber zu oft auch nicht. Es sind Presseprodukte für eine bestimmte Klientel ohne jede Garantie auf Wahrheit und Vollständigkeit.

    "komplett neue, kreative Art und Weise"? Ja das denke ich auch. Die alten Muster funktionieren schon lange nicht mehr und führen nur zu mehr Bürokratie und weniger Schutz.
    Ob aber eine staatliche Abgabe besser ist, wage ich zu bezweifeln. Was ist für die Künstler die nicht staatstreu genug sind? Den Relotius-Effekt, das der Journalismus Geschichten für seine Leser erfindet,. den gibt es besonders stark vertreten in der staatlich geförderten Kunst. Die Töpfe sind heiß begehrt und wenn man Pech hat, bleibt man außen vor.

  4. Re: Die Manipulation läuft schon heute auf Volltouren!

    Autor: throgh 18.02.19 - 13:28

    Was für eine Manipulation? Es sind einfach wie schlicht kurzsichtige Entscheidungen und dahinter steckt kein großer, böser "Masterplan". Es ist wohl eher die Frage wann der Unsinn gestoppt wird, da genau mit diesen Mitteln später eine Basis für derlei Pläne wirklich besteht! Dennoch: Zunächst einmal sollte Jeder vor der eigenen Haustüre kehren und erkennen wo grundlegende Problemstellungen gesellschaftlicher Werte liegen. Empathie und Miteinander werden ersetzt durch Machtstreben und Gier! Und du kannst das noch so oft betonen wie auch herleiten: Das ist deine Interpretation der Geschehnisse und mitnichten mehr. Sofern wirklich Interesse am Erhalt eines "bunten internets" bestehen würde, wären jetzt auch wohlweislich weit mehr Demonstrationen zu sehen. 2000 Teilnehmer von wie vielen in Deutschland lebenden Menschen? Das ist das Trauerspiel: Zu meinen, dass Demokratie sich von allein am Leben erhält.

  5. Re: Der Glaube an die heilsame Wirkung von Regulierung

    Autor: SchreibenderLeser 19.02.19 - 17:23

    Zeroslammer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Abgesehen von den Einwürfen in deinem Text, die ich teilweise
    > nachvollziehen kann, [...].

    Kannst du das näher ausführen?

    > Und das Vertrauen der Bürger in Politik stärkt es auch nicht. Wohin dieses
    > Verhalten geführt hat, kann man zur Zeit nicht nur in Europa beobachten.

    soweit wollte ich mit meinen Ausführungen gar nicht.

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