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Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

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  1. Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: Anonymer Nutzer 04.01.18 - 11:18

    Es gab meiner Information nach einen Sicherheitsaudit, nämlich Anno 2015!

    Im Verständnis der analogen Welt ist das kein Problem. Wer da zB als Bank einen Tresorraum plant oder als Firma einen Datenraum, der kann sicherlich auch 2018 davon ausgehen, dass das, was 2015 noch wirklich einbruchssicher (klassische Einbrecher aus Fleisch und Blut, vor Ort, sind damit gemeint!) war, auch weiterhin einbruchssicher ist. Selbst uralte Banktresore, die vor vielen Jahrzehnten gebaut wurden, sind ja üblicherweise bis heute als sicher anzusehen. Die stoffliche, reale, analoge Welt hat eben physikalische Gegebenheiten die man nur kennen und auf die man entsprechend reagieren muss, "einmal gescheit machen" und dann ist das sicher und muss nur ab und zu etwas modernisiert werden.

    So stellen sich das ja auch IT Laien üblicherweise mit digitaler Technik vor. Dass ein Audit von 2015 heute absolut wertlos ist - eine reine Momentaufnahme, egal wie gut gemacht - kommt da einfach nicht vor, es ist kontraintuitiv, außer man ist diesen ewigen Wettlauf der IT Security als Fachmann eben gewohnt.

    Die ganzen "Anzugherren" die immer in Sonntagsreden die Digitalisieurng bejubeln und fordern machen sich einfach keine realistische Vorstellung darüber, worauf sie sich dauerhaft einlassen, wenn sie Prozesse voll digitalisieren und vernetzen. Und die vordergründige Einfachheit am Schreibtisch am PC durch die Akten klicken zu können ist hintenrum oft durch einen umso größeren Personal- und Kostenaufwand erkauft worden. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier jemals eine ehrliche Kosten/Nutzen-Rechnung durchgeführt wurde. Einen Schriftsatz per Post an das Gericht zu senden kostet 1,45 ¤. Eine Papierakte anzulegen und zu führen und zu archivieren kostet ein paar Cent Büromaterialkosten und ein bisschen Platz im Keller inkl. sicherem Aktenschrank und einer einmal ordentlich gemachten Zutrittskontrolle.

    Die Arbeitszeit Papierakte umblättern Vs. in Digitalakte weiterklicken ist identisch und eine laufende Akte hat man auf bzw. beim Schreibtisch liegen, die ist am PC auch nicht schneller aufgerufen. Das Archivieren der Papierakte braucht etwas mehr Platz, dafür ist die Zugriffskontrolle ganz easy - Zugriff darauf hat nur wem man sie auch zur Verfügung stellt, in die Hand drückt und den lässt man unterschreiben und fertig. Und das kann dann auch jeder, ohne spezielles Studium, komplett überblicken und guten Gewissens verantworten - im Gegensatz zu IT Security. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist die Arbeit mit Papierakten auch ergonomischer, sprich strengt die Augen weniger an, aber das nur am Rande.

    Und spätestens wenn es dann Ereignisse wie Spectre und Meltdown gibt ist jeder noch so hochqualifizierte ITler am Ende seiner Möglichkeiten.

    Ich hätte der Anwaltschaft vehement von dieser Umstellung abgeraten. Digitalisierung soll eine Arbeitserleichterung sein, kein neues Hauptgeschäftsfeld mit Nebenerwerb Rechtsdienstleistung.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 04.01.18 11:25 durch Hackfleisch.

  2. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: xploded 04.01.18 - 12:11

    Da werden aber ein paar Dinger außer Acht gelassen. Das Audit ist genau so aktuell, wie der eingesetzte Softwarestand ist, gar keine Frage. Da hat es der "Raum" natürlich einfacher, an dem werden keine Änderungen vorgenommen.

    Zugriffskontrolle ganz easy? Das sehe ich seit Jahren, wie gut das funktioniert. Viele wissen nicht einmal, wo alle Schlüssel für alle Türen sind. Geschweige denn, wie viele es gibt.

    Versand 1,45¤ sind schon 1,45¤ zuviel - per Mail nämlich "kostenlos". Hier kann man einbringen, das man einen Rechner braucht - man braucht aber auch ein Auto um Post auf den Weg zu bringen. Selbst wenn man läuft, kostet es Arbeitszeit. Hinzu kommt natürlich die Laufzeit der Post, die dann 1-2 Tage unterwegs ist.

    Das Lesen und umblättern spart keine Zeit, das ist richtig. Was hier aber vollkommen außer Acht gelassen wird:
    Ein digitaler Datenbestand ist durchsuchbar. Ein Klick, Suchbegriff und ich habe meine Ergebnisse. Ich muss nicht aufstehen und zum Schrank gehen, Akte holen, suchen, ver-
    oder bearbeiten, Akte zurück. Nächste Akte.

    Gerade unsere Gerichte und Anwälte brauchen dringend eine effektivere Struktur. Was da an Papier bewegt wird, ist unnormal. Natürlich macht es wenig Sinn, wenn Daten per Mail versendet werden um dann wieder irgendwo ausgedruckt zu werden - was leider ja auch immer wieder vorkommt. Da liegt dann aber an der falschen Hard- und Software.
    Die Leute wollen natürlich in den Akten Dinge schnell markieren, Notizen machen usw - für viele der Grund, den Kram wieder auszudrucken. Mit dem richtigen Notebook/Tablet und passenden Stift alles kein Problem.
    Das ist dann aber kein Problem der Digitalisierung sondern ein Anwendungsproblem.

  3. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: Anonymer Nutzer 04.01.18 - 12:23

    Uiuiui.

    Sorry, aber du sprichst da offensichtlich nicht aus der Praxis einer Kanzlei.

    Die Gesamtkosten von technischer Ausrüstung mit Hard- und Software sowie deren Pflege nach den Regeln der Technik (>sonst unwägbares Haftungsrisiko inkl. möglichem Verlust der Berufshaftpflicht, somit Haftung aus Privatvermögen) sind horrend und umgelegt auf die einzelne Akte viel, viel höher als ein popliges Briefporto. Du als Privatmann, der eh einen PC und DSL zuhause hat und sich dann halt LibreOffice lädt, kannst da anders rechnen, schon klar.

    Weiterhin ist die Durchsuchbarkeit nach Stichworten für juristische Arbeit ziemlich irrelevant. Die ist für Hilfsmittel wie zB Gesetzeskommentare nützlich und mit diesen digital zu arbeiten ist in jedem Fall sinnvoll und ein gutes Beispiel dafür, wie Digitalisierung die Effizienz und den Komfort erhöhen kann. Aber eine Fallakte zu bearbeiten ist schon etwas anderes als die übliche Sachbearbeitung nach Schema F in den Büros dieser Welt. Der Jurist wird angerufen wenn Schema F nicht mehr hilft und Probleme gelöst, d. h. juristisch erschlossen und aufgelöst, werden müssen. Das funktioniert nicht per Stichwortsuche sondern per Gesamtschau einer Akte. Oder anders ausgedrückt, nach Stichworten kann man nur suchen, wenn man weiss, wonach man sucht. Den Kern eines juristischen Problems überhaupt erstmal herauszufinden ist aber das, was die Tätigkeit eines Juristen mit ausmacht. Nach dem Motto "ich kann dir sagen wonach ich gesucht habe sobald ich es gefunden habe".

    Mehr noch, es schleift sich mit etwas Erfahrung eine Routine in der Aktenarbeit ein, man weiss sofort wo, was in der Paperakte platziert ist, bis dahin, dass verschiedene Vorgänge auf verschiedenfarbigem Papier vorliegen und mit einem Griff in die Aktenmappe rausgezogen werden können. In den letzten Jahrhunderten haben Juristen die Arbeit mit Akten konsequent optimiert, das kannst du gerne glauben. Das, was Zeit kostet, ist nicht die Handhabung der Akte, sondern die Prüfung der rechtlichen Probleme - im Kopf des Juristen. Wo Digitalisierung hier assistieren kann sei das willkommen. Die eigentlichen Mandantendaten gehören aber nur in den Kopf des Berufsgeheimnisträgers und in dessen unmittelbare Verantwortung, nicht in irgendwelche Clouds oder vernetzte Postfächer.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 04.01.18 12:26 durch Hackfleisch.

  4. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: xploded 04.01.18 - 13:32

    Ach so, wusste ich tatsächlich bisher nicht, das Anwälte und Gerichte nicht digital arbeiten können. Wieder was gelernt, in diesem Fall kann man das dann ja einstampfen.

  5. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: flamingorebell 04.01.18 - 18:41

    Ich kann gegenteiliges aus Kanzleien erzählen. Für kleine Kanzleien mag das stimmen, bei bestimmten Rechtsgebieten, z.B. Sozialrecht ist das anders. Wenn ein einzelner Anwalt auf eine hohe dreistellige bis vierstellige Anzahl an neuen Akten im Jahr kommt, und pro Woche 1-4 Gerichtstermine hat, ist Digitalisierung ein Segen. Dann schickst Du nämlich täglich mehrere Schriftsätze mit insgesamt mehreren hundert Seiten an Gerichte. Die Anhänge zur Prozesskostenhilfe können alleine schon gerne 30 Seiten sein. Kannst direkt Mails an Mandanten senden, anstatt 20 Briefen am Tag. Zum Gerichtstermin muss man keine 200 Seiten Akte kopieren/ausdrucken. Man spart sich Angestellte, die nur damit beschäftigt sind, Akten zu suchen und zu sortieren.

  6. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: SchreibenderLeser 05.01.18 - 00:28

    Hackfleisch schrieb:
    > So stellen sich das ja auch IT Laien üblicherweise mit digitaler Technik
    > vor. Dass ein Audit von 2015 heute absolut wertlos ist - eine reine
    > Momentaufnahme, egal wie gut gemacht - kommt da einfach nicht vor, es ist
    > kontraintuitiv, außer man ist diesen ewigen Wettlauf der IT Security als
    > Fachmann eben gewohnt.

    Es wäre vielleicht hilfreich, wenn du hier mehr ins Detail gehen würdest.

    > Ich hätte der Anwaltschaft vehement von dieser Umstellung abgeraten.
    > Digitalisierung soll eine Arbeitserleichterung sein, kein neues
    > Hauptgeschäftsfeld mit Nebenerwerb Rechtsdienstleistung.

    Wenn die Behörde den Weg vorschreibt oder besser findet, wird der Anwalt sich danach richten und nichts dagegen tun. Wie könnte er auch?

  7. Re: Verständnis der analogen Welt auf die digitale Welt übertragen.

    Autor: Anonymer Nutzer 05.01.18 - 14:16

    SchreibenderLeser schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hackfleisch schrieb:
    > > So stellen sich das ja auch IT Laien üblicherweise mit digitaler Technik
    > > vor. Dass ein Audit von 2015 heute absolut wertlos ist - eine reine
    > > Momentaufnahme, egal wie gut gemacht - kommt da einfach nicht vor, es
    > ist
    > > kontraintuitiv, außer man ist diesen ewigen Wettlauf der IT Security als
    > > Fachmann eben gewohnt.
    >
    > Es wäre vielleicht hilfreich, wenn du hier mehr ins Detail gehen würdest.
    >
    > > Ich hätte der Anwaltschaft vehement von dieser Umstellung abgeraten.
    > > Digitalisierung soll eine Arbeitserleichterung sein, kein neues
    > > Hauptgeschäftsfeld mit Nebenerwerb Rechtsdienstleistung.
    >
    > Wenn die Behörde den Weg vorschreibt oder besser findet, wird der Anwalt
    > sich danach richten und nichts dagegen tun. Wie könnte er auch?


    Die BRAK ist die eigene, berufsständische Organisation der deutschen Anwaltschaft. Bea haben sich die Anwälte selbst eingebrockt.

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