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Geldwäsche

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  1. Geldwäsche

    Autor: RolandG 21.04.17 - 14:04

    Wieso gibt eigentlich die Commerzbank einfach die Daten an die Polizei wegen Geldwäsche? Gibt es da eine Grenze bei der Aktientrades einfach mal so weitergegeben werden?

  2. Re: Geldwäsche

    Autor: Anonymouse 21.04.17 - 14:12

    Im Radio heute und auch im verlinkten Spiegel-Artikel wird der Sachverhalt anders dargestellt.

    So soll er einen Kredit aufgenommen haben mit um damit dann eine Wette auf den Kursfall abzuschließen. Also kein direkter Aktienhandel.
    Der Bank kam das komisch vor und meldete den Verdacht auf Geldwäsche.

  3. Re: Geldwäsche

    Autor: RolandG 21.04.17 - 14:15

    Ja, dass das einer Bank komisch vorkommen mag, kann evtl sein.

    Aber was soll da Geldwäsche sein? Klingt irgendwie total albern. Geldwäsche wäre imho, wenn jemand einfach mal so mit einigen Tausend in eine Bank geht und sich meinetwegen damit Aktien kauft. Aber wenn ich mir einen Kredit aufnehme und damit Optionsscheine kaufe, dann wasche ich doch kein Geld ...

    Also nicht falsch verstehen, ich bin auch froh, dass die am Aufklären sind, aber irgendwie kommt es mir so vor, als würde hier recht freizügig mit Daten umgegangen.

  4. Re: Geldwäsche

    Autor: Potrimpo 21.04.17 - 14:18

    Dass die Bank die Daten "einfach" weitergegeben hat, steht nicht im Artikel, sondern:

    "Die Comdirect-Bank meldete nach Angaben der Bild die Transaktion wegen Geldwäscheverdacht an die Polizeibehörden."

    Die Bank hat den Vorfall als "Verdacht" gemäß § 11 Geldwäschegesetz (GwG) der Polizeibehörde (bzw. BKA) gemeldet. Was dann weiter passiert und angefordert wurde, ist Sache der Ermittlungsbehörden.

  5. Re: Geldwäsche

    Autor: RolandG 21.04.17 - 14:25

    § 261 Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte

    Der Kandidat hat aber die Vermögenswerte nicht unrechtmäßig erlangt, sondern einen Kredit aufgenommen...

  6. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 14:29

    RolandG schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wieso gibt eigentlich die Commerzbank einfach die Daten an die Polizei
    > wegen Geldwäsche? Gibt es da eine Grenze bei der Aktientrades einfach mal
    > so weitergegeben werden?

    Eventuell hatte man bei der Bank auch so weit mitgedacht, dass man im Rahmen des Anschlags einfach mal geschaut hat, ob es im Vorfeld verdächtige Transaktionen gab. Es würde sich, wenn diese Transaktion mit der Tat im Zusammenhang steht, um die Beschaffung von Vermögenswerten aus einer rechtswidrigen Tat handeln und wäre damit ebenso als Geldwäsche strafbar, so dass eine entsprechende Verdachtsmeldung erfolgen müsste.

  7. Re: Geldwäsche

    Autor: Anonymouse 21.04.17 - 14:34

    RolandG schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > § 261 Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte
    >
    > Der Kandidat hat aber die Vermögenswerte nicht unrechtmäßig erlangt,
    > sondern einen Kredit aufgenommen...


    Du kannst aber mit dem Kredit dann auch Geldwäsche betreiben.

  8. Re: Geldwäsche

    Autor: TheArchive 21.04.17 - 14:55

    Die Bank hat aber hier eine ungewöhnliche Transaktion gemeldet. Es wird ein Verbraucherkredit verwendet um Aktien einer Firma zu kaufen. Wenn der Kredit fällig wird, kann angenommen werden, dass vorher unversteuertes Geld zur Begleichung verwendet werden soll. Es war lediglich die Anzeige eines Verdachts. Dabei wird nicht die IP übermittelt, diese wird erst im Zuge dann folgender Ermittlungen StA und Polizei übergeben.

    Folglich Entspannung angesagt

  9. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 15:00

    Anonymouse schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Du kannst aber mit dem Kredit dann auch Geldwäsche betreiben.

    In dem Fall sowieso. Denn es handelt sich um eine Marktmanipulation entsprechend Artikel 12 Abs. 1 a) ii) EU-Verordnung 596/2014 (unmittelbar geltendes Recht), denn es lag eine Handlung vor, die ein anormales bzw. künstliches Kursniveau sichern sollte. Entsprechend Artikel 15 ist das verboten.

    Das ist zunächst nach § 39 Abs. 3d Nr. 2 Wertpapierhandelsgesetz ordnungswirdrig, wird durch § 38 Abs. 1 Nr. 2 Wertpapierhandelsgesetz aber auch zur Straftat qualifiziert. Damit gilt es entsprechend § 261 Abs. 1 Nr. 4 b) Strafgesetzbuch als Geldwäsche, wenn es gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande begangen wird. Es ist zwar nicht klar, ob diese letztgenannten Voraussetzungen hier vorliegen, aber das kann die Bank unmöglich wissen, so dass sie nach dem bereits genannten § 11 Abs. 1 Geldwäschegesetz zu einer Meldung verpflichtet ist.

  10. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 15:09

    TheArchive schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Bank hat aber hier eine ungewöhnliche Transaktion gemeldet. Es wird ein
    > Verbraucherkredit verwendet um Aktien einer Firma zu kaufen. Wenn der
    > Kredit fällig wird, kann angenommen werden, dass vorher unversteuertes Geld
    > zur Begleichung verwendet werden soll. Es war lediglich die Anzeige eines
    > Verdachts.

    Ich würde nicht unbedingt davon ausgehen, dass das tatsächlich die Ursache der Verdachtsmeldung war. Denn laut Spiegel soll die Verdachtsmeldung erst zwei Tage nach dem Anschlag gemacht worden sein.

    Wenn die Bank bereits im Vorfeld Hinweise auf einen Geldwäschesachverhalt gehabt hätte, hätte sie Meldung weit eher abgeben müssen. Normalerweise dürfte dann die Transaktion bis zu einer Freigabe durch die Staatsanwaltschaft bzw. Ablauf von 2 Werktagen gar nicht durchgeführt werden (§11 Abs. 1a Geldwäschegesetz).

  11. Re: Geldwäsche

    Autor: Muhaha 21.04.17 - 15:38

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Eventuell hatte man bei der Bank auch so weit mitgedacht, dass man im
    > Rahmen des Anschlags einfach mal geschaut hat, ob es im Vorfeld verdächtige
    > Transaktionen gab.

    Die Bank ist keine Ermittlungsbehörde. Die Bank hat lediglich auf Verdachtsmomente im Rahmen von Geldwäsche & Finanzmanipulationen gemeldet, wie es ihre Pflicht ist, unabhängig davon, was wo wie sonst noch auf der Welt passiert.

  12. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 15:42

    Hier hat sich der Geldwäsche- oder ggf. auch Terrorismusfinanzierungsverdacht (falls es ein terroristischer Anschlag gewesen wäre, hätten die darüber parallel versuchen können Kasse zu machen) aber eben erst im Nachhinein ergeben können. Demzufolge ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Bank eben doch erst auf "Weltereignisse" reagiert hat, weil sie es gar nicht eher konnte.

  13. Re: Geldwäsche

    Autor: Muhaha 21.04.17 - 16:07

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hier hat sich der Geldwäsche- oder ggf. auch
    > Terrorismusfinanzierungsverdacht (falls es ein terroristischer Anschlag
    > gewesen wäre, hätten die darüber parallel versuchen können Kasse zu machen)
    > aber eben erst im Nachhinein ergeben können. Demzufolge ist es durchaus
    > wahrscheinlich, dass die Bank eben doch erst auf "Weltereignisse" reagiert
    > hat, weil sie es gar nicht eher konnte.

    Nochmals: Die Bank ist KEINE Ermittlungsbehörde, sondern hat lediglich im Rahmen normaler Meldepflichten ein ungewöhnliches Verhalten gemeldet. Der Zusammenhang mit dem Anschlag wurde erst durch die Kripo hergestellt.

  14. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 16:14

    Dagegen spricht der zeitliche Ablauf der Ereignisse, wie bereits in meinem anderen Beitrag geschrieben. Die Verdachtsmeldung soll erst zwei Tage nach dem Anschlag erfolgt sein. Demzufolge ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Bank diese Meldung basierend auf Vorfelderkenntnissen abgegeben hat, denn dann hätte sie schon eher melden und die Transaktion pausieren müssen.

  15. Re: Geldwäsche

    Autor: Muhaha 21.04.17 - 16:47

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Verdachtsmeldung soll erst zwei Tage nach
    > dem Anschlag erfolgt sein.

    Ja und? Verdachtsmomente auf Geldwäsche werden nicht instant, sondern mit Verzögerung im Rahmen des normalen Berichtsrythmus gemeldet. Verdachtsmoment heisst nämlich nicht "Da baut jemand gerade in diesem Moment Scheisse!", sondern "Das wirkt seltsam, das sollten wir melden." Und nochmals ... UNABHÄNGIG von dem, was sonst auf der Welt passiert.

    > Demzufolge ist es sehr unwahrscheinlich, dass
    > die Bank diese Meldung basierend auf Vorfelderkenntnissen abgegeben hat,
    > denn dann hätte sie schon eher melden und die Transaktion pausieren müssen.

    Es wird ein ungewöhnliches Verhalten festgestellt, noch kein konkretes Fehlverhalten, wo die Bank sofort eingreifen müsste.

  16. Re: Geldwäsche

    Autor: Mingfu 21.04.17 - 17:22

    Muhaha schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ja und? Verdachtsmomente auf Geldwäsche werden nicht instant, sondern mit
    > Verzögerung im Rahmen des normalen Berichtsrythmus gemeldet.
    > Verdachtsmoment heisst nämlich nicht "Da baut jemand gerade in diesem
    > Moment Scheisse!", sondern "Das wirkt seltsam, das sollten wir melden."

    Nein, das wäre nicht zulässig. Das Geldwäschegesetz sieht vor, dass Geldwäsche an sich schon unterbunden werden muss. Demzufolge reicht im Normalfall eine Meldung im Nachhinein eben nicht aus. Ansonsten würde man nämlich die Zustimmungspflicht der Staatsanwaltschaft unterlaufen. Eine nachträgliche Meldung geht nur, wenn ein Aufschub der Transaktion nicht mehr möglich ist oder wenn durch einen Aufschub die Verfolgung behindert würde (§ 11 Abs. 1a Geldwäschegesetz).

    > Es wird ein ungewöhnliches Verhalten festgestellt, noch kein konkretes
    > Fehlverhalten, wo die Bank sofort eingreifen müsste.

    Ungewöhnliches Verhalten an sich wäre nicht meldepflichtig, wäre sogar eine Verletzung des Bankgeheimnisses. Es müssen Tatsachen vorliegen, die auf eine Geldwäschestraftat oder auf Terrorismusfinanzierung hindeuten. Und damit ist die entsprechende Transaktion durch die Staatsanwaltschaft zustimmungspflichtig.

  17. Re: Geldwäsche

    Autor: stiGGG 21.04.17 - 17:38

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nein, das wäre nicht zulässig. Das Geldwäschegesetz sieht vor, dass
    > Geldwäsche an sich schon unterbunden werden muss. Demzufolge reicht im
    > Normalfall eine Meldung im Nachhinein eben nicht aus.

    Ist halt die Frage was "im Nachhinein" bedeutet, ich mein es war ein Bank... Da arbeitet ja niemand wirklich, da sind zwei Tage vielleicht schon eine Turboreaktion?

  18. Re: Geldwäsche

    Autor: TheArchive 21.04.17 - 17:44

    Ich bin mir nicht sicher, ob Dir klar ist, wie viele Banktransaktionen täglich durchgeführt werden. Hier ist der Ablauf, Transaktion -> System meldet auffällige Tätigkeit -> Mitarbeiter prüfen -> Weisungsbevollmächtigter wird kontaktiert und entscheidet ob Verdacht geäußert wird.

    48h ist hier normal.

  19. Re: Geldwäsche

    Autor: whitbread 21.04.17 - 22:35

    Geldwäsche ist ein Vehikel für viele Meldungen von Transaktionen, die einfach mal ungewöhnlich sind und daher gemeldet werden müssen (wenn wirklich was dran ist) bzw. eben auch können (auch wenn zumindest in Sachen Geldwäsche nix dran ist).
    Ist ein ziemlich umfassendes Gesetzt, dass es Staat und Banken ermöglicht näher zu prüfen. Die Bank ist froh den schwarzen Peter weitergeben zu können und der Staat prüft munter, und hin und wieder ist auch was dran - wie leider im vorliegenden Fall.

  20. Re: Geldwäsche

    Autor: sydthe 22.04.17 - 00:38

    Der wird den Kredit wahrscheinlich auch nicht bei CommDirekt aufgenommen haben sondern bei seiner Hausbank ... dann weiß CommDirekt ja nicht das das Geld aus einem Kredit kommt.

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