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Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

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  1. Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 12.05.20 - 15:53

    Wer so tut, als würde er die Privatsphäre der Nutzer schützen, aber dann letztendlich nur die Werbung und Tracking-Techniken der anderen durch eigene Werbung und eigenes Tracking ersetzt, der ist nicht rechtschaffen oder ehrlich, und dementsprechend ist es völlig zurecht, dass kaum jemand diesen Browser genutzt hat und die Firma folglich pleite geht.

    Auch Ghostery ist seit dem Kauf durch Cliqz nicht mehr vertrauenswürdig, und wurde bei mir schon damals von allen Rechnern entfernt und durch bessere Lösungen ersetzt.

    Cliqz ist eben ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Die user für dumm verkaufen, und sich dann beschweren, wenn der Schwindel nicht aufgeht - Pech gehabt. Selber schuld.

  2. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: AynRandHatteRecht 12.05.20 - 16:18

    IchBIN schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wer so tut, als würde er die Privatsphäre der Nutzer schützen, aber dann
    > letztendlich nur die Werbung und Tracking-Techniken der anderen durch
    > eigene Werbung und eigenes Tracking ersetzt, der ist nicht rechtschaffen
    > oder ehrlich, und dementsprechend ist es völlig zurecht, dass kaum jemand
    > diesen Browser genutzt hat und die Firma folglich pleite geht.
    > …
    > Cliqz ist eben ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Die user für
    > dumm verkaufen, und sich dann beschweren, wenn der Schwindel nicht aufgeht
    > - Pech gehabt. Selber schuld.

    Stimmt, aber so funktioniert auch Google. Die massive Weiterentwicklung im Bereich HTML, Javascript und HTTP TCP/IP hat dazu gefürt, dass sowohl die Google Suche als auch Chrome immer dominanter wurden. Komplexe JS-Anwendungen zu indizieren braucht Scraper, die das DOM rendern und Javascript ausführen können, die Hardware-Kosten explodieren und riegeln den Markt für Neueindringlinge von unten wunderbar ab.

    Auf der anderen Seite ist Chrome quasi die Referenzimplementation. Viele Dinge wurden umgesetzt, die das Surfen sicherer machen (https enforcement etc) aber eben auch viele Dinge wurden unterbunden, sodass Adblocker immer weniger Möglichkeiten haben.

    Google lebt von Werbung, wie Facebook, wie auch Burda. Google hat die Gewinne genutzt und die Markteintrittsbarrieren für Dritte immer weiter erhöht. Burda hat digital nie wirklich Geld verdient und kann jetzt bald XING und HolidayCheck abschreiben. Dabei müssten sie, wenn sie das selbe Spiel spielen wollten, mehrere Milliarden Euro locker machen. Das schafft in Europa niemand mehr.

  3. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 12.05.20 - 16:44

    AynRandHatteRecht schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Auf der anderen Seite ist Chrome quasi die Referenzimplementation. Viele
    > Dinge wurden umgesetzt, die das Surfen sicherer machen (https enforcement
    > etc) aber eben auch viele Dinge wurden unterbunden, sodass Adblocker immer
    > weniger Möglichkeiten haben.
    Und doch gibt es zu Chrome genügend Alternativen, dass man diesen Browser nicht benutzen muss. Es gibt sogar Alternativen, die auf der quelloffenen Chromium-Engine basieren, die von Google entwickelt wird. Bleibt abzuwarten, ob Player wie Brave (die auch keineswegs frei von kritisierenswürdigen Punkten sind, aber als die derzeit sichtbarste Alternative gelten - so kleine Browserbauer wie Iridium nimmt ja kaum jemand wahr) die Änderung der API, welche das host blocking erschwert, mit übernehmen oder nicht.

    Und dann gibt es ja auch immer noch Firefox bzw. darauf basierende Browser. Auch hier hat man einiges an Auswahl, und kann seine Privatsphäre weiterhin so schützen, wie bisher auch.

    > Google lebt von Werbung, wie Facebook, wie auch Burda. Google hat die
    > Gewinne genutzt und die Markteintrittsbarrieren für Dritte immer weiter
    > erhöht. Burda hat digital nie wirklich Geld verdient und kann jetzt bald
    > XING und HolidayCheck abschreiben. Dabei müssten sie, wenn sie das selbe
    > Spiel spielen wollten, mehrere Milliarden Euro locker machen. Das schafft
    > in Europa niemand mehr.
    Naja, ich bezweifle stark, dass ein Konzern wie Burda dafür geeignet wäre, einfach weil nicht vertrauenswürdig. Dasselbe würde ich über Axel Springer auch sagen. Da müsste dann eher schon ein Quereinsteiger kommen, der mit der restlichen Branche keine Verbandelungen hat, die es erschweren, ihm abzunehmen, dass er nicht an den Daten der Nutzer Geld verdienen will.

    Ansonsten können wir es bei Google als Hauptplayer belassen, die sind zumindest einigermaßen vorhersehbar, und es gibt eben auch genügend Möglichkeiten, sich gegen sie zu wehren.

    Aber klar, um sich gegen die zu wehren, muss man Dinge tun (z.B. das Smartphone entgooglen, eine alternative Suche im Browser einstellen usw.), während man, um sich gegen andere zu wehren, nichts zu tun brauchte (der Cliqz-Browser kam ja nie als drive-by-download mit auf den Rechner), sondern sie bloß zu ignorieren.

    Trotzdem ist die Aussage "andere sind noch viel schlimmer!" keine Legitimierung dafür, dass die einen auch schlimm sein dürften ;-)

  4. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: AynRandHatteRecht 12.05.20 - 16:52

    IchBIN schrieb:
    > Und dann gibt es ja auch immer noch Firefox bzw. darauf basierende Browser.
    > Auch hier hat man einiges an Auswahl, und kann seine Privatsphäre weiterhin
    > so schützen, wie bisher auch.

    Womit finanziert sich die Entwicklung von Firefox? Wie verdient Mozilla Geld? Wie verdient Brave Geld?

    Die DNS über HTTPS-Aktion von Firefox mit Cloudflare zeigt ja, wohin die Reise geht. Ohne Moos nix los.

    Brave lebt vom Risikokapital und eben der Upstream-Arbeit, die man quasi erbt (von Google). Ansonsten ist Brave so nachhaltig wie Cliqz, wenn jemand das Spielgeld abdreht. Crypto-Währung zur Bezahlung von Content (BAT/basicattentiontoken) ist auch nur eine Idee, die keinen nennenswerte Marktpenetration hat.


    > Naja, ich bezweifle stark, dass ein Konzern wie Burda dafür geeignet wäre,
    > einfach weil nicht vertrauenswürdig. Dasselbe würde ich über Axel Springer
    > auch sagen. Da müsste dann eher schon ein Quereinsteiger kommen, der mit
    > der restlichen Branche keine Verbandelungen hat, die es erschweren, ihm
    > abzunehmen, dass er nicht an den Daten der Nutzer Geld verdienen will.

    Warum? Google hat auch massive Interessenskonflikte durch Search, Mail, Chrome, DoubleClick, Analytics usw. usf.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.05.20 16:53 durch AynRandHatteRecht.

  5. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 12.05.20 - 17:11

    AynRandHatteRecht schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Womit finanziert sich die Entwicklung von Firefox? Wie verdient Mozilla
    > Geld? Wie verdient Brave Geld?
    >
    > Die DNS über HTTPS-Aktion von Firefox mit Cloudflare zeigt ja, wohin die
    > Reise geht. Ohne Moos nix los.
    Klar, das ist alles nicht super, aber um das zu ändern, müssten wir unser Wirtschaftssystem ändern, und das wird leider nicht so schnell passieren. Firefox ist zumindest insoweit noch gut dabei, als dass sie von Spenden leben, und das ganze eben vollkommen quelloffen ist, d.h. es könnte jederzeit mit einem Fork weitergehen.

    > > auch sagen. Da müsste dann eher schon ein Quereinsteiger kommen, der mit
    > > der restlichen Branche keine Verbandelungen hat, die es erschweren, ihm
    > > abzunehmen, dass er nicht an den Daten der Nutzer Geld verdienen will.
    >
    > Warum? Google hat auch massive Interessenskonflikte durch Search, Mail,
    > Chrome, DoubleClick, Analytics usw. usf.

    Richtig, aber siehe unten: Gegen Google kann man sich weitestgehend wehren, so dass nur dann Verbindungen zu deren Servern aufgebaut werden, wenn man das selbst will. Das ist zumindest *noch* möglich. Wenn das irgendwann mal nicht mehr möglich ist, wird es Zeit für eine Alternative, bzw. würde es dann auch entsprechende antitrust Verfahren geben, da bin ich mir einigermaßen sicher.

    Und bloß den Teufel durch den Beelzebub ersetzen bringt ja nichts. Vor allem, wenn man den Teufel schon kennt, den Beelzebub aber jedoch nicht.

  6. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: AynRandHatteRecht 12.05.20 - 17:27

    IchBIN schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > AynRandHatteRecht schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Womit finanziert sich die Entwicklung von Firefox? Wie verdient Mozilla
    > > Geld? Wie verdient Brave Geld?
    > >
    > > Die DNS über HTTPS-Aktion von Firefox mit Cloudflare zeigt ja, wohin die
    > > Reise geht. Ohne Moos nix los.
    > Klar, das ist alles nicht super, aber um das zu ändern, müssten wir unser
    > Wirtschaftssystem ändern, und das wird leider nicht so schnell passieren.
    > Firefox ist zumindest insoweit noch gut dabei, als dass sie von Spenden
    > leben, und das ganze eben vollkommen quelloffen ist, d.h. es könnte
    > jederzeit mit einem Fork weitergehen.

    Nein. Eben nicht. Ein Fork oder abstrakt "Quellcode" ist wertlos in einer Welt, die sich minütlich weiterentwickelt. Google wird weiter die Standards schreiben und weiter neue Features einbauen. Und Mozilla muss neues Geld auftreiben. Und wenn man Firefox forked, muss man auch Entwickler bezahlen (wie eben Cliqz).

    Ohne Geschäftsmodell keine Entwickler.
    Das Geschäftsmodell von Google ist Werbung. Mit Abstand der größte Umsatz/Gewinnbringer.


    Google in seiner Form bezwingt man nur, wenn man Werbung *komplett* unrentabel und unwirtschaftlich macht - auch regulatorisch. Keinerlei Personalisierung = enorme Streuverluste = massiv sinkende Preise und CTR = Werbung stirbt.

    Das bedeutet aber auch: Wie finanziert man zukünftig Inhalte? *DAS* ist die eigentliche Frage.

  7. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 12.05.20 - 18:56

    AynRandHatteRecht schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ohne Geschäftsmodell keine Entwickler.
    Naja, Linux-Distributionen gibt es zuhauf, und nur ein kleiner Teil davon hat ein Geschäftsmodell. Ebenso Custom-ROMs von Android usw... Also, so ganz dogmatisch ist diese Aussage nicht immer nur richtig.

    > Google in seiner Form bezwingt man nur, wenn man Werbung *komplett*
    > unrentabel und unwirtschaftlich macht - auch regulatorisch. Keinerlei
    > Personalisierung = enorme Streuverluste = massiv sinkende Preise und CTR =
    > Werbung stirbt.
    Das wäre in der Tat eine äußerst positive Entwicklung.

    > Das bedeutet aber auch: Wie finanziert man zukünftig Inhalte? *DAS* ist die
    > eigentliche Frage.
    Naja, zunächst mal wird es davon dann einfach viel, viel weniger geben. Das wäre extrem positiv, würde stark zur Entschleunigung beitragen, und wenn es genügend private Enthusiasten gäbe, würde dadurch nicht mal die Kommunikationsinfrastruktur leiden (wenn man davon ausgeht, dass Konzerne wie Google und Facebook dann abtreten), so könnte ich z.B. für Freunde und Familie einen privaten XMPP-Server aufsetzen, und darüber könnten alle untereinander dann mit sicheren, quelloffenen Apps kommunizieren. Und der nächste, der das auch kann, könnte das genauso machen, und schon hätten wir ein System wie bei E-Mail, wo die Leute auch frei ihre Adresse und ihren Anbieter wählen können, um mit anderen zu kommunizieren.

    Inhalt selbst werden dann, wie in den 90ern, entweder von Enthusiasten, und dann in hoher Qualität, veröffentlicht (zum Selbstkostenpreis, d.h. ab 5¤/mtl. für Sharehosting), oder staatlich finanziert, oder es finden sich neue, nicht die Privatsphäre aushöhlende oder die Menschen mit Werbung belästigende Geschäftsmodelle. Vielleicht sind dann ja mehr Leute bereit, etwas dafür zu zahlen? Vielleicht setzen sich auch Micropayment-Methoden wieder mehr durch, die es ja lange Zeit schwer hatten? Aber das werden wir alles nicht wissen, wenn wir es nicht versuchen.

    Dass es dadurch fast nur besser werden könnte, steht eigentlich schon fest (schließlich ist das www im derzeitigen Zustand, mit Werbung und Tracking, praktisch unbenutzbar ohne die entsprechenden Schutzmaßnahmen).

  8. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: AynRandHatteRecht 12.05.20 - 21:57

    IchBIN schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > AynRandHatteRecht schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Ohne Geschäftsmodell keine Entwickler.
    > Naja, Linux-Distributionen gibt es zuhauf, und nur ein kleiner Teil davon
    > hat ein Geschäftsmodell. Ebenso Custom-ROMs von Android usw... Also, so
    > ganz dogmatisch ist diese Aussage nicht immer nur richtig.

    Oh doch. Schau doch mal, woher denn die Innovationen kommen. Beim Kernel sind die meisten Entwickler bei den großen Tech-Buden angstellt zb IBM/RedHat.

    Community-Distributionen verzetteln sich immer weiter, siehe Debian. Immer mehr Pakete von Software, die schon im Upstream veraltet ist, derweil immer kürzere Release-Zyklen bei "neuen" Projekten kommerziellen Ursprungs, geringes User-Engagement weil "abgeschottete Community". Das ganze wird von den Usern umgangen durch Container - und macht am Ende eine Distribution größtenteils überflüssig.

    Images für Container werden mit einer busybox/uclibc oder höchstens Alpine gebaut.

    Die Cloudanbieter haben oder werden eigene Distros als Forks (AWS Linux zB) pflegen aber mit einem abgespeckten Paketeangebot und mit dem Ziel, dass die Kunden möglichst viel als Container betreiben. An einer "general purpose" Distribution hat keiner mehr Interesse ausser den paar zahlenden kommerziellen Nutzern von SuSE, Ubuntu und REHL auf Desktops (sollte es sie geben).

    Google's Golang als eine No-External-Dependency-Sprache macht auch das Tooling-Ökosystem überflüssig, bis auf irgend eine LibC. Kein OpenSSL, keine libEV, keine libcurl, etc. - es ist der Rundumschlag um ein Ökosystem zu ersetzen.

    Google hat auf GitHub schon experimentell einen syscall-proxy in Go veröffentlicht, der dann auch Linux überflüssig macht bzw Container-Load vom Kernel abschirmt. So könnte Google zB Fuchsia oder ein anderes OS (oder Hardware-Architektur) auf Cloud-Hardware einsetzen und dann quasi virtualisieren.

    (Das wird noch schlimmer, wenn Apple bei Macs auf seine proprietären ARM Prozessoren umstellt, aber das ist eine andere Geschichte.)


    > > Google in seiner Form bezwingt man nur, wenn man Werbung *komplett*
    > > unrentabel und unwirtschaftlich macht - auch regulatorisch. Keinerlei
    > > Personalisierung = enorme Streuverluste = massiv sinkende Preise und CTR
    > =
    > > Werbung stirbt.
    > Das wäre in der Tat eine äußerst positive Entwicklung.

    Ja, aber sie ist nicht unbedingt wünschenswert. Wir sehen bei den deutschen Medien zB dass man vieles, was privatwirtschaftlich nicht (mehr) funktioniert über Steuermittel finanziert. Der aufgeblasene Öffentlich-rechtliche-Rundfunk zB. Das wäre werbefinanziert nicht mehr möglich. Aber man kann nicht alles mit Steuergeld finanzieren.


    > > Das bedeutet aber auch: Wie finanziert man zukünftig Inhalte? *DAS* ist
    > die
    > > eigentliche Frage.
    > Naja, zunächst mal wird es davon dann einfach viel, viel weniger geben. Das
    > wäre extrem positiv, würde stark zur Entschleunigung beitragen, und wenn es
    > genügend private Enthusiasten gäbe, würde dadurch nicht mal die
    > Kommunikationsinfrastruktur leiden (wenn man davon ausgeht, dass Konzerne
    > wie Google und Facebook dann abtreten), so könnte ich z.B. für Freunde und
    > Familie einen privaten XMPP-Server aufsetzen, und darüber könnten alle
    > untereinander dann mit sicheren, quelloffenen Apps kommunizieren. Und der
    > nächste, der das auch kann, könnte das genauso machen, und schon hätten wir
    > ein System wie bei E-Mail, wo die Leute auch frei ihre Adresse und ihren
    > Anbieter wählen können, um mit anderen zu kommunizieren.

    Schau bitte mal die verfügbaren SMTP-Server an. Postfix, exim, qmail, sendmail - alles 20 Jahre+ alt, keinerlei Unit-Tests, minimale Partizipation durch patches Dritter. Postfix lebt vom ursprünglichen Entwickler, der jetzt über 70 ist und in Rente. Er macht das als Hobby und wenn er mal nicht mehr kann, ist Postfix tot.

    XMPP ist quasi von Cisco dominiert. Die OSS-Server sind ebenfalls schon relativ "alt", die OpenSource-Clients auch oft verwaist. Adium auf macOS zB ist tot. Das ganze VC floss in Messenger und Socialmedia-Apps. Die Masse ist längst auf proprietären Tools wie FB Chat, Whatsapp, Telegram, Skype, FaceTime.


    > Inhalt selbst werden dann, wie in den 90ern, entweder von Enthusiasten, und
    > dann in hoher Qualität, veröffentlicht (zum Selbstkostenpreis, d.h. ab
    > 5¤/mtl. für Sharehosting), oder staatlich finanziert, oder es finden sich
    > neue, nicht die Privatsphäre aushöhlende oder die Menschen mit Werbung
    > belästigende Geschäftsmodelle. Vielleicht sind dann ja mehr Leute bereit,
    > etwas dafür zu zahlen? Vielleicht setzen sich auch Micropayment-Methoden
    > wieder mehr durch, die es ja lange Zeit schwer hatten? Aber das werden wir
    > alles nicht wissen, wenn wir es nicht versuchen.

    Das Problem ist, dass es eine Untergrenze gibt, die erwirtschaftet werden muss. Jeder hat seine Lebenshaltungskosten, seine Lebenszeit ist stark begrenzt. Irgendwann ist man wohnungslos und irgendwann so oder so tot.

    Wenn ich also Content produziere in einer Sprache und einem Interessensgebiet, dass weit unter 100mio Menschen erreichen könnte (alle, die Deutsch verstehen) ODER 500mio+ Menschen die Englisch verstehen, dann gewinnt letzteres IMMER.

    Wir sehen das bereits bei TV-Serien und Kinofilmen, die zu gefühlten 95% aus den USA kommen, mittlerweile von Netflix oder Amazon produziert und immerhin noch synchronisiert werden. In Nordeuropa gab es schon viel früher keine synchro-Fassungen mehr, was dort die besseren Englisch-Kenntnisse und damit auch die Technologiekenntnisse verstärkt hat.

    Wer seine Serien auf Englisch schaut, kann auch englischsprachige READMEs oder C-Quellcode "verstehen".


    > Dass es dadurch fast nur besser werden könnte, steht eigentlich schon fest
    > (schließlich ist das www im derzeitigen Zustand, mit Werbung und Tracking,
    > praktisch unbenutzbar ohne die entsprechenden Schutzmaßnahmen).

    Korrekt. Das Web ist eigentlich tot und durch 3-4 Plattformen ersetzt worden: Facebook, Google und Android App-Stores. Reddit ersetzte zB den "Long-Tail", beispielsweise die 100erte Webforen/Boards von Radfahren über Gärtnerei bis hin zu Auto- und Flugzeugfans.

  9. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: KnightofCode 13.05.20 - 00:21

    Guter Beitrag! Hab die Entwicklung mitverfolgt aber nicht ausreichend über den Teller Rand geschaut.

  10. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: Proctrap 13.05.20 - 01:27

    Deine tollen Alternativen bringen gar nix wenn dann sowas wie Microsoft teams um die Ecke kommt und mich zwingt das original google chrome oder IE zu installieren. Nix Firefox, UA faken bringt nix & chromium geht auch nicht.

    ausgeloggt kein JS für golem = keine Seitenhüpfer

  11. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 13.05.20 - 01:57

    Naja, dann benutzt Du Chrome halt nur für diesen einen Zweck, und für alles andere nimmst Du einen Browser Deiner Wahl.

  12. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 13.05.20 - 02:07

    Du zeichnest ein absolut düsteres Bild der IT-Zukunft.

    Wenn das wirklich so kommt, dann ist wohl offline irgendwann eine tatsächliche Option, denn dann wäre das gesamte Internet nachhaltigst kaputt, noch kaputter als ohnehin schon. Es gibt gewisse Dinge, die mache ich einfach nicht mit (wie z.B. Facebook, oder inzwischen auch proprietäre Google-Spyware auf Android-Smartphones usw). So gesehen habe ich mich eigentlich weiterentwickelt im Vergleich zu vor 8 Jahren, als ich noch einen Google-Account mit meinem Namen dran hatte. Dann irgendwann beim nächsten Smartphone auf Wegwerfaccounts nach dem Muster "Peter Lustig" umgestiegen, und inzwischen komplett Googlefrei. Also da ist bei mir durchaus ein Fortschritt. Ebenso auf dem Desktop-PC, bis 2006 noch Windows genutzt, seitdem ausschließlich Linux. Ich sehe auch mehr Leute, die diesen Weg gehen, bzw. daran Interesse haben oder ihn gerne gehen würden. Das heißt, der Gegentrend existiert grundsätzlich auch, er ist halt nur momentan vernachlässigbar klein. Ob er größer wird oder nicht, ist auch derzeit nicht abzusehen. Ich würde es mir natürlich wünschen.

    Bzgl. Content: Der Gedanke dahinter war der, dass nur Enthusiasten Content erstellen, und das in ihrer Freizeit als Hobby, ohne dass sie dafür bezahlt werden müssen, weil sie eben noch einen normalen Job haben, der ihre Lebenshaltungskosten deckt. Das wäre dann der qualitativ hochwertige Content. Vielleicht nicht aufwändig produziert (z.B. geschriebener Text mit ein paar Grafiken anstatt Video), aber dafür eben von guter Qualität. So wie es halt in den 90ern im www war. Dass man das dann halt auf englisch macht, weil man damit auf einmal die meisten potentiellen Rezipienten des Contents erreicht, finde ich legitim. Ich finde, jeder, der sich souverän im Internet bewegen will, muss schon heute englisch zumindest lesen/verstehen können, denn es gibt einfach zu viele Sachen, die nur auf englisch verfügbar sind. Hier sage ich ganz egoistisch: So what, ich kann englisch ;-)

    Ansonsten, wenn man die pessimistisch-defätistische Weltsicht von Ayn Rand anlegt, dann können wir es eigentlich auch ganz aufgeben, jemals eine zivilisierte Gesellschaft zu werden.

  13. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: chefin 13.05.20 - 07:17

    IchBIN schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wer so tut, als würde er die Privatsphäre der Nutzer schützen, aber dann
    > letztendlich nur die Werbung und Tracking-Techniken der anderen durch
    > eigene Werbung und eigenes Tracking ersetzt, der ist nicht rechtschaffen
    > oder ehrlich, und dementsprechend ist es völlig zurecht, dass kaum jemand
    > diesen Browser genutzt hat und die Firma folglich pleite geht.
    >
    > Auch Ghostery ist seit dem Kauf durch Cliqz nicht mehr vertrauenswürdig,
    > und wurde bei mir schon damals von allen Rechnern entfernt und durch
    > bessere Lösungen ersetzt.
    >
    > Cliqz ist eben ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Die user für
    > dumm verkaufen, und sich dann beschweren, wenn der Schwindel nicht aufgeht
    > - Pech gehabt. Selber schuld.

    Kleine Frage am Rande: Wieviel hast du für den Browser bezahlt?

    45 hochqualifizierte Menschen müssen bezahlt werden, erläutere uns doch, wie du das managen würdest.

  14. Re: Sorry, aber Cliqz hat genau das richtige Schicksal ereilt

    Autor: IchBIN 13.05.20 - 07:39

    chefin schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Kleine Frage am Rande: Wieviel hast du für den Browser bezahlt?
    Für welchen? Cliqz? Hab ich nie benutzt. Ist doch letzten Endes Spyware, deshalb hat er sich ja nicht durchgesetzt. Firefox, Chromium, Opera, Brave, sind alle kostenlos...nur um mal ein paar zu nennen. Und die veruntreuen die Daten ihrer Nutzer nicht (oder man kann es abstellen).

    > 45 hochqualifizierte Menschen müssen bezahlt werden, erläutere uns doch,
    > wie du das managen würdest.
    Aber doch nicht mit den Daten ihrer vertrauensvollen Nutzer, das ist doch die allerunterste moralische Schublade.

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