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Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Zeiram 11.08.23 - 00:27
Etliche Jahre ist es her. Aber damals als "Postman" der innerhalb der Einheit die Post verteilt hat gab es auch einen "seltsamen" Job: Immer wenn die ZDV geändert worden ist musste ich zu einem Büro (ich meine natürlich Gezi), ich glaube es war der S4, und dort die Anpassungen der ZDV abholen. Das waren die einzelnen Blätter des "Buches". Diese Blätter wurden dann in die Einheit - bei mir die Instandhaltung - getragen und dort übergeben. Die Kameraden dort haben dann die alten Blätter aus der ZDV entfernt und durch die neuen ersetzt. Dieser Vorgang wurde immer mal wiederholt.
Mein Job war beim Schirrmeister der Gehilfe. Ein Büro der die Reparaturen der Fahrzeuge verwaltet . Computer war vorhanden, aber eher ein Teil das auch während dem Krieg funktioniert. Monochrom-LCD-Bildschirm und Tastatur. Man konnte alles Zusammenklappen und in einer Blechbox verstauen. Am Netzwerk war es nicht angeschlossen. Aber man musste trotzdem Daten mit der übergeordneten Reparatur-Einheit austauschen. Dazu wurde ein Export der Aufträge auf eine 3,5"-Diskette (mit Adler als Logo drauf) erstellt. Die Diskette war sogar verschlüsselt. Diese Diskette wurde von mir - da ja auch Postman - zur übergeordneten Einheit transportiert. Dort wurde sie in deren Computer eingelesen. Natürlich gab es auch eine Rückantwort per Diskette die ich wieder beim Schirrmeister eingelesen habe.
Mag ja sein das das im Krieg durchaus Sinn macht. Aber an einem normalen Standort wo die Werkstatt laufen soll fand ich das damals ein Unding.
Aber, das ist jetzt schon ca. 30 Jahre her. Wer weiss was sich mittlerweile alles geändert hat. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Oktavian 11.08.23 - 08:01
> Etliche Jahre ist es her. Aber damals als "Postman" der innerhalb der
> Einheit die Post verteilt hat gab es auch einen "seltsamen" Job: Immer wenn
> die ZDV geändert worden ist musste ich zu einem Büro (ich meine natürlich
> Gezi), ich glaube es war der S4, und dort die Anpassungen der ZDV abholen.
> Das waren die einzelnen Blätter des "Buches". Diese Blätter wurden dann in
> die Einheit - bei mir die Instandhaltung - getragen und dort übergeben. Die
> Kameraden dort haben dann die alten Blätter aus der ZDV entfernt und durch
> die neuen ersetzt. Dieser Vorgang wurde immer mal wiederholt.
Ich weiß, heute kommt einem das total merkwürdig vor, aber das war völlig normal im juristischen Umfeld und ist es heute noch zum Teil. Viele Gesetzeswerke oder Prüfungsstandards kann man als "Lose-Blatt-Sammlung" abonnieren. Man bekommt einmal einen Stapel Ordner mit den Werken und dann jeden Monat einen Stapel "Ersatzlieferungen". Und dann tauscht man Blätter. In Anwaltskanzleien war das der Job der Anwaltsgehilfen.
Und wie gesagt, das ist kein Anachronismus, das gibt es immer noch:
https://shop.idw-verlag.de/IDW-Verlautbarungen-Abonnement-Bezug/10012
https://www.beck-shop.de/habersack-deutsche-gesetze/product/2205
Juristen und Wirtschaftsprüfer lieben Papier.
Auch auf jedem Hauptzollamt gab es solch ein System, es war ein kleiner Raum voll mit Aktenordnern, die genau so gepflegt wurden. Erst das System Atlas hat hier Vereinfachung gebracht, aber das auch erst vor grob 20 Jahren.
https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Zoelle/ATLAS/atlas_node.html
> Am
> Netzwerk war es nicht angeschlossen. Aber man musste trotzdem Daten mit der
> übergeordneten Reparatur-Einheit austauschen. Dazu wurde ein Export der
> Aufträge auf eine 3,5"-Diskette (mit Adler als Logo drauf) erstellt. Die
> Diskette war sogar verschlüsselt. Diese Diskette wurde von mir - da ja auch
> Postman - zur übergeordneten Einheit transportiert. Dort wurde sie in deren
> Computer eingelesen. Natürlich gab es auch eine Rückantwort per Diskette
> die ich wieder beim Schirrmeister eingelesen habe.
>
> Mag ja sein das das im Krieg durchaus Sinn macht. Aber an einem normalen
> Standort wo die Werkstatt laufen soll fand ich das damals ein Unding.
>
> Aber, das ist jetzt schon ca. 30 Jahre her.
Ich weiß, solche Entfernungen trüben ein wenig das Gedächtnis, aber 30 Jahre ist eine lange lange Zeit. 1993 war http gerade erfunden, nennenswerte Verbreitung hatte es noch nicht. Wenn man ein Netzwerk hatte im Büro (in den meisten gab es keins), war es üblicherweise Coax mit Novell NetWare, und es funktionierte eher mäßig. Das aber nur auf einem Campus. Netzwerke über Standortgrenzen hinweg gab es, aber das war echt noch selten. WAN-Leitungen waren unbezahlbar. Die meisten Unternehmen arbeiteten auf diese Weise.
Ich habe damals für eine Firma gearbeitet, die Software und Hardware für Banken herstellte. Die meisten Unternehmen reichten ihre Überweisungen bei der Bank per Papier ein. Größere nutzten das Datenträgeraustauschverfahren. Man hat Disketten erstellt mit Überweisungen (oder Bänder), und diese täglich in die Bank gefahren. Kommt Dir bekannt vor? Das war selbst Anfang der 2000er noch völlig üblich.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.08.23 08:06 durch Oktavian. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Schattenwerk 11.08.23 - 08:14
Zeiram schrieb:
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> Mag ja sein das das im Krieg durchaus Sinn macht. Aber an einem normalen
> Standort wo die Werkstatt laufen soll fand ich das damals ein Unding.
Wenn dein Land im Krieg ist, dann ist auch am "normalen Standort" wie einer Werkstatt Krieg.
Verstehe diese Naivität nicht, dass Menschen davon ausgehen, dass sie nie Krieg im eigenen Land erleben werden. Das ist natürlich wünschenswert, wie schnell es aber gehen kann zeigt ja aktuell der Osten. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: splash42 11.08.23 - 08:26
Schattenwerk schrieb:
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> Zeiram schrieb:
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> > Mag ja sein das das im Krieg durchaus Sinn macht. Aber an einem normalen
> > Standort wo die Werkstatt laufen soll fand ich das damals ein Unding.
>
> Wenn dein Land im Krieg ist, dann ist auch am "normalen Standort" wie einer
> Werkstatt Krieg.
>
> Verstehe diese Naivität nicht, dass Menschen davon ausgehen, dass sie nie
> Krieg im eigenen Land erleben werden. Das ist natürlich wünschenswert, wie
> schnell es aber gehen kann zeigt ja aktuell der Osten.
Aber selbst da könnte man das über ein internes Netzwerk lösen, dass nicht ans Internet angeschlossen ist, mit USB als Backup. Gerade im Krieg hat man eigentlich nicht den Luxus von zu viel Ressourcen, die man verschwenden kann. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: wzlbrmf 11.08.23 - 08:29
Papier hat halt (mindestens) zwei entscheidende Vorteile:
1. Es funktioniert auch ohne Strom
2. Es funktioniert auch noch, wenn die IT nicht mehr zur Verfügung steht
Eigentlich ist es deshalb auch in Unternehmen Usus, dass wichtige Unterlagen nicht nur elektronisch, sondern auch ausgedruckt, vorliegen. Was nutzt mir zum Beispiel ein Notfallplan, wenn ich nicht mehr auf ihn zugreifen kann?
Gerade bei strukturierten Sammlungen bist Du häufig aber auch schneller beim Nachschlagen in Ordnern als bei der Online-Suche. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Sharra 11.08.23 - 08:49
Und beim Militär hat es den Vorteil, dass Prozesse etabliert primitiv jederzeit funktionieren, und die Leute sie auch beherrschen.
Die Amis, die ja nachweislich eine der modernsten Armeen der Welt sind, was Technologiegeilheit angeht, rennen immer wieder Kopf voran in Sackgassen, die auf dem Papier toll aussahen, und in der Praxis versagen.
So bekommen z.B. die Schiffe wieder normale Displays statt Touchscreens weil sie eben im Einsatzfall nichts taugen.
Eigens entwickelte Controller für zig Millionen werden über Bord geworfen, weil sich herausgestellt hat, dass man sich die Entwicklung hätte sparen können. Xbox-Controller sind besser und billiger.
GERADE beim Militär gilt: Keep it simple.
Was bringt einem state of the art tech im Feld, wenn es dann ausfällt, und keiner kann seine Aufgaben mehr erfüllen, weil EINE Komponente versagt?
Eben drum ist "military grade", was sich viele Hersteller von Consumer-Kram gerne als Hochleistungssiegel auf die Packung drucken auch so dermaßen dumm.
Military grade ist nicht high-tech und fancy, sondern primitiv konstruiert, dumm wie Brot, aber robust wie sau.
So ist z.B. auch das Standardgewehr einer Armee mit gewaltigem Abstand NIE das beste was man auf dem Markt bekommen könnte, sondern der billigstmögliche Rotz, der gerade noch die Zielvorgaben erfüllt, ohne gleich massenhaft im Feld auszufallen. Das M16 ist z.B. eine absolut grausame Waffe. Das G36 würde kein normal denkender Mensch in der Militär-Ausführung kaufen. Und das Steyr Plattformsystem ist auf dem Papier beeindrucken, aber wie immer, wenn etwas theoretisch alles kann, kann es nichts richtig. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Esquilax 11.08.23 - 08:55
Oktavian schrieb:
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> Ich weiß, heute kommt einem das total merkwürdig vor, aber das war völlig
> normal im juristischen Umfeld und ist es heute noch zum Teil. Viele
> Gesetzeswerke oder Prüfungsstandards kann man als "Lose-Blatt-Sammlung"
> abonnieren. Man bekommt einmal einen Stapel Ordner mit den Werken und dann
> jeden Monat einen Stapel "Ersatzlieferungen". Und dann tauscht man Blätter.
> In Anwaltskanzleien war das der Job der Anwaltsgehilfen.
>
Jup, ich hab das in den letzten Jahren auch mal in unserer Buchhaltung beobachtet. Da hat auch jemand einzelne Blätter in einem kleinen Ordner (A5 oder ) ausgetauscht. Vermutlich der Azubi...
Ich hatte auch vermutet, dass das irgendein Gesetzt ist.
Klar, wirkt einerseits befremdlich, da der Aufwand, auch wenns nur der Azubi macht, sicher höher ist, als das was das Papier kostet - aber eigentlich find ichs gut, dass man nicht den ganzen Ordner wegschmeißt, weil sich zwei Paragraphen geändert haben. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Oktavian 11.08.23 - 09:30
> Klar, wirkt einerseits befremdlich, da der Aufwand, auch wenns nur der
> Azubi macht, sicher höher ist, als das was das Papier kostet - aber
> eigentlich find ichs gut, dass man nicht den ganzen Ordner wegschmeißt,
> weil sich zwei Paragraphen geändert haben.
Es gibt durchaus auch verfahren, alle die alten Seiten aufzuheben und zu sortieren. Dann hat man gleich die Synopse. Wir war das Gesetz vor 8 Jahren, als der Zwischenfall passierte? -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: wzlbrmf 11.08.23 - 10:00
KISS ist nicht zu unterschätzen. Gerade in Stresssituationen.
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Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Zeiram 11.08.23 - 12:03
Oktavian schrieb:
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> Ich wei�, solche Entfernungen tr�ben ein wenig das Ged�chtnis, aber 30
> Jahre ist eine lange lange Zeit. 1993 war http gerade erfunden,
> nennenswerte Verbreitung hatte es noch nicht. Wenn man ein Netzwerk hatte
> im B�ro (in den meisten gab es keins), war es �blicherweise Coax mit Novell
> NetWare, und es funktionierte eher m��ig. Das aber nur auf einem Campus.
> Netzwerke �ber Standortgrenzen hinweg gab es, aber das war echt noch
> selten. WAN-Leitungen waren unbezahlbar. Die meisten Unternehmen arbeiteten
> auf diese Weise.
Nun, ich fand die Situation halt Seltsam weil ich im privaten Leben in der Firma auf der Arbeit Netzwerk hatte. Die Computer waren auf einem großen Gelände alle miteinander verbunden. Coax-Kabel noch und die grafische Oberfläche war eher eine Textoberfläche. Aber man konnte Daten austauschen bzw. auf ein Hauptcomputer zugreifen. -
Re: Update der ZDV (Zentralen Dienstvorschrift)
Autor: Oktavian 11.08.23 - 12:17
> Nun, ich fand die Situation halt Seltsam weil ich im privaten Leben in der
> Firma auf der Arbeit Netzwerk hatte. Die Computer waren auf einem großen
> Gelände alle miteinander verbunden. Coax-Kabel noch und die grafische
> Oberfläche war eher eine Textoberfläche. Aber man konnte Daten austauschen
> bzw. auf ein Hauptcomputer zugreifen.
Ich weiß, was Du meinst, mein Arbeitgeber war ein Helmholtz-Forschungszentrum, natürlich hatten wir Netz. Ich habe mich auch köstlich amüsiert über Fernschreiber mit 50 Baud. Mein Feldwebel fragte dann nur "Kannst du schneller schreiben?". Irgendwie hatte er natürlich recht, andere Anforderungen. Es wurde nur Text übertragen, dafür konnte man mit einem Siemens-Fernschreiber problemlos ins Feld ziehen. Die funktionierten auch über Klingeldraht auf der Kabeltrommel völlig problemlos. Notfalls sogar fast ohne Strom.



